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Ist eigentlich jeder reif für die Klapse?

Dieses Thema im Forum "Umfrage-Forum" wurde erstellt von Piratin, 23 Mai 2009.

  1. Piratin
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    Also ich weiss ja nicht. :ratlos:

    Irgendwie scheint mir zur Zeit, dass jeder zweite irgendein psychisches Problem hat, das dringend der Behandlung bedarf.

    Depressionen greifen um sich wie eine Epidemie, von diversen Traumata, Angststörungen, Zwangsstörungen, Essstörungen, sonstwas-störungen mal ganz zu schweigen.

    Jeder zweite muss in Therapie, jeder dritte kann gleich gar nicht mehr arbeiten, woran liegt das?

    Selektive Wahrnehmung? Gesteigertes gesellschaftliches Bewusstsein? Oder ist die ganze Welt ein Irrenhaus? In Amerika ist ja der Gang zum Psychiater mittlerweile so üblich wie der Gang ins Shoppingcenter, da hat jeder seine Couch irgendwo. Aber trotzdem hab ich da nie erlebt, dass da Leute derart kollektiv die Arbeit niederlegen wie hier und sich erstmal gehörig austherapieren müssen. Hier trudeln jeden Tag irgendwelche Nachrichten aus dem Bekanntenkreis ein: die eine lässt sich wochenlang krankschreiben, der nächste bricht das 10. Praktikum nacheinander ab, dieser kann nicht mehr in die Berusschule gehen, die andere verschwindet monatelang in einer psychiatrischen Anstalt um da Bilder zu malen und Gruppentherapiestunden zu besuchen....what the fuck ist denn los? In diesem Forum ist jeder zweite Ratschlag, sich in Therapie zu begeben, sei es Eifersucht, Traurigkeit wegen ner Trennung oder die Leute haben gleich einen schwerdepressiven/manisch/angstgestörten Freund/Freundin....

    Oder kommt das nur mir so vor? Was denkt ihr?
     
    #1
    Piratin, 23 Mai 2009
  2. klatschmohn
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    Ich bin mit Borderline und ner depressiven Störung auch reif :grin:

    Und ich denke, dass es ein Umdenken in der Gesellschaft gibt. Es ist nicht mehr nur so, dass die Menschen auf ihre körperliche Gesundheit achten sondern eben auch darauf schaun, wie es ihnen psychisch geht. Ich denke das ist ein wichtiger Aspekt wieso viele sich in Therapie begeben.
     
    #2
    klatschmohn, 23 Mai 2009
  3. wellenreiten
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    die frage stelle ich mir schon lange!

    heute neigt ja mancher schon direkt zu depressionen, wenn er mal zwei tage nicht kacken kann. was aber sicher auch daran liegt, dass man mit dem psychokram an jeder ecke konfrontiert wird. "die psyche ist schuld, die psyche ist schuld".

    ich hatte da die nette situation, da war ich wegen einer akuten blasenentzündung beim urologen, da ich vor nicht allzu langer zeit aber schon eine hatte, war die frage, ob die erste vielleicht nicht ausgeheilt war. wie auch immer, beim zweiten termin, fing er dann plötzlich an, ich hätte psychische probleme und davon käme die blasenentzündung. ich habe nur gedacht, der tickt nicht mehr ganz richtig...

    manchmal macht sich auch der eindruck breit, es gehöre dazu, dass man irgendeine psycho-diagnose hat. ich meine, wenn jemand wirklich schlimme erlebnisse hatte, ist das eine sache... aber die meisten leute haben einfach ihre normalen alltagsprobleme. aber man kann sich natürlich auch wunderbar in solche krankheitsbilder reinsteigern...

    wobei es mir bei diversen medienberichten schon immer kalt den rücken runterläuft, auf was für krankes zeug die menschen kommen. und bei irgendwelchen komischen sexuellen phantasien (die ja auch manchmal hier bei pl zur sprachen kommen), da frage ich mich auch immer, was ist da bloß alles falsch gelaufen? da bin ich fast schockiert darüber, wie normal ich bin :grin:
     
    #3
    wellenreiten, 23 Mai 2009
  4. xoxo
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    I. Es werden zu hohe Anforderungen an den Menschen gestellt, er kann die Last nicht dauerhaft tragen, man versucht zu kompensieren, gerät mit den Jahren immer mehr unter Druck, psychische Krankheiten entwickeln sich bzw. körperliche, die von der Psyche beeinflusst wurden.

    II. Es gibt mittlerweile viele Psychologen, Psychoanalytiker und Psychiater, die auf dem Gebiet forschen und neue Therapien entwickeln. Früher galten einige psychische Störungen als unheilbar, heute kann einer größeren Menschenmenge behandelt werden.

    III. Verglichen mit früher, wird ein Mensch nicht mehr so sehr gesellschaftlich geächtet, wenn er therapeutische Hilfe in Anspruch nimmt.

    Es ist also ein Zusammenspiel von gehäuftem Auftreten von psychischer Erkrankung, mehr Therapeuten und weniger Angst, Hilfe in Anspruch zu nehmen.
     
    #4
    xoxo, 23 Mai 2009
  5. Fuchs
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    Naja, jeder hat so seine Probleme. Menschen ohne Macken fände ich auch ziemlich schnöde. Ob man sich deswegen gleich auf die Couch legen muss, ist eine andere Frage. Letztlich sollten Menschen erlernen, sich selbst zu beobachte, festzustellen, wo ihre Probleme liegen und diese bekämpfen. Wenn sie dazu nicht fähig sind, ist der Besuch bei einem Therapeuten doch keine schlechte Idee? Letztlich ist der das richtige Werkzeug, um an sich die Dinge zu beheben, die einem in der Lebensqualität einschränken - arbeiten muss man noch immer selbst dran.

    Und was das Gefühl anbelangt, alle hätten einen Schaden weg: nun, das ist subjektive Wahrnehmung. Hängt natürlich auch damit zusammen, in welchen Kreisen man sich bewegt, wie stark man die Augen verschließt, wieviel man über die Mennschen, mit denen man vielleicht täglich zu tun hat wirklich weiß, etc.

    Ich kenne auch einige, die brauchen eine Therapie (oder machen eine). Aber ich würde nach meinem nichtssagenden subjektiven Empfinden urteilen, dass die noch immer in der Minderheit sind.
     
    #5
    Fuchs, 23 Mai 2009
  6. Luc
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    nicht angegeben
    Tja, wir leben in einer scheiss Gesellscahft. Eigentlich mag ich solche Aussagen wie ich sie jetzt mache nicht, aber hier stimmt es.
    Vom Menschen wird viel zu viel erwartet. Er muss sich ständig kontrollieren, "gut" sein und für eigene Gefühle wird kein Raum gelassen.

    Man sagt ja: Antidepressiva ist die Droge der Zukunft. :engel:
     
    #6
    Luc, 23 Mai 2009
  7. Scheich Assis
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    Mir kommt das auch so vor, aber genauso wie heute jeder Mensch bei einem Anflug von Schnupfen gleich tonnenweise Antibiotika frisst, gehen die Leut halt lieber gleich zum Psycho-Onkel und in Gruppentherapie wenn sie mal wieder verlassen werden oder halt mal stressbedingt in der Firma mehr zu tun ist.

    Früher hat man bei einer Grippe Tee getrunken und wenns Probleme mit der Frau oder in der Arbeit gab hat man sich in der Kneipe auf ein Bier mit den Kumpels getroffen.

    Aber heute heißt sowas "Stressymptom", "depressive Störung" und "Borderline". Was heute nicht plötzlich alles ein Problem darstellt...

    Mir kommt manchmal so vor, als bilden sich die Leute auch noch was drauf ein, als sie das eine Art "Statussymbol". Wer kein Burnoutsyndrom hat, arbeitet nicht hart genug.
     
    #7
    Scheich Assis, 23 Mai 2009
  8. klatschmohn
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    Ich fühle mich jetzt einfach mal nicht angesprochen- ich denke, es gibt sehr viele Menschen die schwerwiegende Dinge erlebt haben und diese bearbeiten müssen- fernab vom Statussymbol- ich arbeite seit mittlerweile 5 Jahren daran mein schönes Statussymbol wie du es so schön nennst wieder los zu werden...

    Also mal bitte keine Verallgemeinerungen. Es ist mir sehr viel lieber Menschen sehen sich ein, dass es nicht geht als ein paar Jahre später dran zu zerbrechen oder ähnliches....
     
    #8
    klatschmohn, 23 Mai 2009
  9. User 5089
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    nicht angegeben
    Genau dieses Thema hatten wir gerade auf einem Seminar zur Arbeitssicherheit und haben folgende Ursachen ausgemacht:

    - Übersteigerter Drang nach Selbstverwirklichung: Während es früher zumindest akzeptiert war, sein Berufsleben als "Hausfrau" (heute schon fast ein Schimpfwort) oder "Hilfsarbeiter" zu verbringen, muss es heute für jeden die Vorstandsetage sein. Dieser krankhafte Zwang zur Selbstüberhöhung übersieht, dass es überall einen farblosen, grauen Mittelbau geben muss, der die eigentliche Arbeit verrichtet.
    Es kann nunmal nicht jeder Arbeitnehmer Chef sein, Anweisungen erteilen und einen nach außen repräsentativen, begehrenswerten Job erledigen. Beispielsweise ist die Begutachtung von Sicherheitsdatenblättern kein James-Bond-Job mit Glamourfaktor, aber trotzdem notwendig.
    Außerdem haben Partnerschaften mittlerweile fast den Stellenwert einer Ersatzreligion eingenommen: Anstelle die Familie als Zweckkonstrukt für Zeugung und Aufzucht des Nachwuchses zu begreifen, muss heute immer alles stimmen und perfekt sein. Bloß nicht unter Wert verkaufen, immer geborgen sein, das perfekte Glück.
    Die Kinder müssen natürlich die besten sein, universell begabt, keine Probleme in der Schule etc.
    Es geht ja nicht an, dass die eigenen Kinder nur durchschnittliche Produkte durchschnittlicher Eltern sind, wo sie doch so umsorgt wurden.
    Und der Moment der Erkenntnis, dass man eben keinen zweiten Einstein und auch keinen Newton, nicht mal einen Picasso oder auch nur Dieter Bohlen auf die Welt gebracht hat, stürzt viele Menschen in eine Sinnkrise. Sie müssten nur erkennen, dass sie vollkommen irrealen Zielen hinterherlaufen, zusammengefasst durch so dumme Sprüche wie "Shoot for the moon: Even if you miss you'll reach the stars" etc.
    Diese "Tschaka"-Kultur mit dem Versprechen "Alles ist möglich" zerstört die gesunde Grundzufriedenheit und ersetzt sie durch ein saures, widerliches Streben nach vorgestanztem Glück auf Kosten Anderer.

    - Allumfassende Unsicherheit bzgl. der Zukunft: Früher waren Arbeitsplätze bei Großkonzernen die Phillips, Degussa, Daimler etc. eine "sichere Bank" (oh the irony!). Die Menschen konnten sich sicher sein, in ihren Zukunftsplänen keine allzu unangenehmen Überraschungen erleben zu müssen.
    Heute gibt es Leiharbeit, Globalisierung etc., welche langsam von unten nach oben durchfressen und mittlerweile die Arbeits- und Lebenswelt der Mittelschicht erreicht haben. Dies bedroht die wirtschaftliche Existenz dieser Menschen direkt und unmittelbar, welche vorher noch gerne auf die "Minderleister" oder das "Qualifikationsproletariat" herabgeschaut haben.
    Unter diesen Bedingungen ist es kein Wunder, dass sich aufgrund dieser chronischen Grundlast an Unsicherheit psychische Erkrankungen entwickeln.

    - Frust im Job: Ein weiterer Grund für psychische Langzeitschäden sind unlogische und schikanöse Arbeitsabläufe im Job. Hierzu zählen insbesondere widersinnige Berichtspflichten, lange Kommandoketten vom eigenen Vorgesetzten zur eigentlich zuständigen Fachabteilung und die rigorose Abgrenzung von Zuständigkeiten. Was früher auf dem kleinen Dienstweg funktionierte, muss heute nach ISO 9001ff. präzise dokumentiert und mit "audit trail" versehen werden. Die Arbeitswelt gerät zunehmend schematisch und die eigenen Einflussmöglichkeiten werden zunehmend geringer.
    Leider ist der Job für die Mehrheit der Menschen Sinnstiftung und Lebensinhalt. Läuft es hier nicht, sind Probleme vorprogrammiert.

    P.S.: Im Seminar haben wir für unsere Unternehmen ermittelt, dass psychische Probleme mittlerweile hinter dem Klassiker "Rücken" auf Platz zwei liegen, zumal vielen Rückenproblemen ebenfalls psychische Ursachen zu Grund liegen.
     
    #9
    User 5089, 23 Mai 2009
  10. *Fleur*
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    Es werden nicht mehr Anforderungen gestellt, nur andere.

    Gernerell finde ich aber das HbJ es ganz gut auf den Punkt gebracht hat...
     
    #10
    *Fleur*, 23 Mai 2009
  11. Starla
    Gast
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    Ich auch :smile: Kenne es ehrlich gesagt nur hier aus dem Forum, dass solche Fälle gehäuft auftreten. Für mich aber auch nicht verwunderlich, denn wenn man Sorgen/Probleme hat, wird man eher in einem Forum schreiben, als wenn alles in Ordnung ist. Für mich kein Grund, voreilige Schlüsse zu ziehen.
     
    #11
    Starla, 23 Mai 2009
  12. Piratin
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    Hm.

    Ich hab den Eindruck, dass viele Leute mit Dingen wie Traurigkeit, Beanspruchung, Eifersucht, Neid, blöden Kindheitserinnerungen, Gewichtsproblemen etc. nicht recht klar kommen. Entweder man ist fröhlich und gut drauf - oder man ist psychisch krank, dazwischen gibt es gar nichts mehr. Und das ist doch eigentlich Blödsinn.

    @Starla: ich kenn mittlerweile Leute die ihren gesamten Freundeskreis aus der Psychiatrie rekrutieren, dabei sind sie längst wieder draußen. Und das waren früher mal ganz normale Leute.
     
    #12
    Piratin, 23 Mai 2009
  13. Starla
    Gast
    0
    Hmm ja, aber es liegt eben auch viel an den Eltern, ob sie ihre Kinder fit fürs Leben bekommen. Nicht jeder hat so ein Glück :smile:

    Ist nicht abwegig, schließlich legt man während der Krankenhauszeit einen ziemlichen Seelenstriptease hin und sucht die Nähe zu Menschen, die einen verstehen. Daraus können sich gute Gesprächskreise entwickeln und der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe wird dann auch in der Zeit danach gesucht.
     
    #13
    Starla, 23 Mai 2009
  14. Piratin
    Piratin (38)
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    Ach was, alle Eltern machen Fehler, niemand hat eine Bilderbuchkindheit, irgendwas ist doch immer....

    und selbst Anna Freud, Kinderpsychologin, hat gesagt: "Schöpferischen Naturen gelingt es immer, eine schlechte Erziehung zu kompensieren."

    Wenn jemand schlimm missbvraucht wurde, ok. Aber mit Anfang 30 die armen Eltern für einen geistigen Totalausfall über mehrere Monate verantwortlich zu machen, weil sie einen zu streng, zu lax, wasweissich, erzogen haben, ist albern. Kinder sind keine Knete, die unweigerlich die Form annimmt, die die Eltern ihnen geben (und das heisst auch, dass man den Kneter nicht ständig dafür verantwortlich machen kann, was man selber nicht auf die Reihe kriegt) Außer dem Eltern gibt es ja noch viele andere Umweltreize und -einflüsse und Lernmöglichkeiten.
     
    #14
    Piratin, 23 Mai 2009
  15. Starla
    Gast
    0
    Richtig. Die frühkindliche Phase wird jedoch als die wichtigste angesehen, und da die meisten diese fast ausschließlich mit den Eltern verbringen (vor Kindergarten), würde ich dieser Bindung eine besondere Bedeutung zuschreiben.

    Es war auch nur ein Erklärungsansatz, warum manche Menschen, die längst erwachsen sind, 'lebensunfähig' wirken: Dass man sich darauf natürlich nicht ausruhen sollte, ist auch klar.*

    Heutzutage wird auch viel offener über solche Themen geredet (auch dem Internet sei dank), sodass sich die Menschen entweder eher Hilfe suchen oder aber gewillter sind, "zuzugeben", dass sie alleine nicht klar kommen.

    Man muss auch keine schweren psychischen Schäden haben, um eine Therapie zu machen, manche brauchen einfach nur ein paar Denkanstöße.

    Dass man aus einer Erkältung eine Grippe macht, aus einer schwierigen Lebensphase eine schwere Depression und aus einem stinknormalen Job eine riesige zeitliche Belastung, das ist natürlich auch fragwürdig (darum gings ja in Deinem Thread). Woran liegt es? Keine Ahnung, vielleicht könnten das diejenigen beantworten, die sowas auch wirklich tun :grin:

    *Übrigens meinte ich nicht nur negative Dinge wie Misshandlung oder Missbrauch auch an sich positive Dinge können schädlich sein, wenn sie überdosiert werden, Verhätschelung führt auch dazu, dass man allein nicht so gut klarkommt :zwinker:
     
    #15
    Starla, 23 Mai 2009
  16. donmartin
    Gast
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    Der Meinung bin ich auch.
    Das hat nichts mit ner Modekrankheit oder sonst etwas zu tun.
    Das kommt schleichend und kann jeden treffen. Nur dann um so heftiger.

    Bekannt ist das Problem schon seit jeher, Warnungen gabs früher schon. Und der Amerikaner ist immer etwas vorraus,
    wir übernehmen vieles mit Zeitversatz.

    Es wird und wurde sich lange geschämt, wenn jemand der psychische Probleme hat/hatte wird auch wieder schnell ausgegrenzt. Ein Teufelskreis.

    Zudem sind die Mediziner besser ausgebildet.
    Der Mensch entfernt sich immer weiter von sich und der Natur.
    Viele Völker wissen seit Jahrtausenden, dass die Ursache vieler Krankheiten und Beschwerden "in der Seele liegen".

    _________________
    Ich bin zu Ärzten gegangen und die haben die körperlichen Symptome gesucht und versucht sie zu behandeln.....
    Organisch und Körperlich kerngesund! Nix gefunden, die haben mich mehrfach auf n Kopf gestellt....Trotzdem wollte und konnte ich die Symptome nicht ignorieren bzw. mich als Simulant und Tablettenfresser abstempeln lassen....

    Nach ungefähr 2 Jahren hat mein Körper die Notbremse gezogen und ich bin zusammengeklappt.
    Nach über 8 Monaten psychologischer Behandlung (Facharzt für Psychotherapie und Nervenheilkunde) sind die Symptome fast völlig verschwunden. das war ein BurnOut vom Feinsten......Die Ursachen sind geblieben und werden schlimmer......(siehe Beitrag HbJ)

    Aber wer denkt anfänglich bei Kopfschmerz/Rückenschmerz
    und sonstiges an eine psychische Störung?
    Da nimmt man 2 Aspirin, stellt sich nicht so an und weiter gehts.....Man ist den Anforderungen dieser Welt doch gewachsen.....

    Bin ich nun abgestempelt als einer, der "ein Rad ab hat", oder einer der die "Modekrankheit" mal eben mitgenommen hat....und sich auf die nächste Depression usw...freut.....?
     
    #16
    donmartin, 23 Mai 2009
  17. Scheich Assis
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Nunja, nach diesem Beitrag hat das aber ganz anders geklungen:

    Ja...grins...

    Aber genau den Eindruck vermitteln mir dann auch Leute, die von ihrem Job erzählen, und im gleichen Atemzug sämtliche psychische Belastungen, Ärgernisse, Stresssymptome und die Dauer ihrer Therapie nennen. So als kleine Jobbeschreibung hinterher, damit ich unwissender natürlich einen klaren Einblick darüber krieg, wie unglaublich schwer die Arbeit doch eigentlich ist, denn "Sekretärin" oder dergleichen klingt halt sonst nicht spannend genug. Statussymbol ahoi.

    Und da frag ich mich dann schon manchmal, ob da nicht auch ein bisschen Aufmerksamkeitsdefizit, Selbstmitleid etc. in solchen Dingen mitschwimmt, wenn man aus einer Mücke einen Elefanten - oder wie so schön gesagt wurde aus einem schwierigen Phase eine Depression - macht.

    Nicht falsch verstehen, solche Leute gibts durchaus, aber oftmals mehr als eigentlich notwendig.
     
    #17
    Scheich Assis, 23 Mai 2009
  18. metamorphosen
    Sehr bekannt hier
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    Das könnte sicherlich mit dem Zusammentreffen neuerer Versuche gegen die Stigmatisierung von psychischen Störungen mit den althergebrachten Vorurteilen zusammenhängen. Es wird eher über das Thema gesprochen und es wird nicht mehr unbedingt totgeschwiegen. Gleichzeitig ist es aber noch interessant, spannend und ergiebig darüber zu diskutieren (Haste schon gehört, die Dings ist in der Klapse!) weil es sich noch wunderbar mit den alten Klischees verbindet (Bekloppte, Simulanten, Wichtigtuer etc. pp.)

    Es hat also sicherlich zu einem guten Teil mit erhöhter Aufmerksamkeit für psychische Störungen zu tun. Aber natürlich kann man auch bei erhöhter Aufmerksamkeit nur bemerken was auch da ist. Wenn Studien allein bei Depression auf ein Lebenszeitrisiko für eine Erkrankung kommen, die bei Frauen bis hin zu 26%, insgesamt auf bis zu 18% gehen, dann ist es nicht wirklich verwunderlich wenn man Menschen kennt die diese Erkrankung haben. Die Krankheit wird sicher auch häufiger entdeckt weil es sowohl in der Bevölkerung als auch beim Fachpersonal seit einer gewissen Zeit mehr Initiativen gibt die sich Aufklärung und Kompetenzbildung zum Ziel gesetzt haben.

    Und da lässt sich sicherlich sagen, auch wenn wir das Thema hier nicht erschöpfend behandeln können, dass die westliche Gesellschaftsform nicht unbedingt förderlich für die psychische Gesundheit ist.

    Um nur ein paar Dinge zu anzuführen spielen die Leistungsethik, das häufige Fehlen tragfähiger Bindungen in Familie und sozialem Umfeld, die generelle Unsicherheit der Lebenssituation und übersteigerte Vorstellungen vom Glück eine Rolle.

    Da wundert es auch nicht das gerade die Störungen wie Substanzmissbrauch (allen voran Alkohol), Depression, Anorexie und Bullimie so weit verbreitet sind. Das Fehlen von menschlicher Wärme, echtem Interesse und die Kombination mit Leistungforderung um jeden Preis lässt natürlich solche Krankheitsbilder in besonderem Maße wachsen.

    Die Polemik die hier im Thread geäußert wird kann ich nicht ganz nachvollziehen.

    Selbst wenn Menschen tatsächlich eine schwere Krankheit simulieren um Aufmerksamkeit zu bekommen oder sich den Schwierigkeiten des Alltagslebens zu entziehen, spricht das nach den Regeln der Logik meiner Meinung nach nicht dafür, dass die psychisch kerngesund wären. :ratlos:

    Wer aber trotzdem noch der Meinung ist, dass es sich in starkem Umfang um Simulanten handeln könnte, der sollte mal, falls er in seinem Umfeld bisher nie damit konfrontiert wurde, die Suizidzahlen anschauen. Denn bis zu dieser Konsequenz wird es ein Simulant und Wichtigtuer wohl eher nicht treiben. :ratlos:

    Klar. Eben das ist doch ein bezeichnendes Merkmale für sehr viele Menschen die an psychischen Störungen leiden, dass sie eben keine geeigneten Bewältigungsstrategien für schwierige Situationen haben und in dysfunktionale Verhaltensschemata abrutschen.

    Und wenn eben das zu stark belastenden Situationen im Leben führt, dann ist doch eine Therapie sicher nicht der schlechteste Weg. Denn irgendwie muss sich das doch ändern, das zu kritisieren führt ja allein nicht weiter.

    Das finde ich auch durchaus bemerkenswert. Aber das hängt ja auch mit den gesellschaftlichen Bildern zusammen. Kann man ja auch hier im Forum immer wieder lesen, man sollte immer gut drauf sein, sich nie mit dem erreichten zufrieden geben sondern mehr erreichen wollen, im Beruf möglichst nie einen schlechten Tag haben und weniger als 120% Leistung bringen etc. Das geht nun mal nicht unbegrenzt und irgendwann kommt dann halt eine andere Seite zum Vorschein, logischerweise dann eher plötzlich.
     
    #18
    metamorphosen, 23 Mai 2009
  19. User 75021
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    Verheiratet
    *klugscheiß" Kohärenzgefühl :-D
    Off-Topic:
    tschuldigung, aber wir haben letzte Woche erst eine Klausur über Salutogenese geschrieben und ich glaube schon länger, das da etwas wahres dran ist


    Ich behaupte mal, das Menschen die mit sich im "reinen" sind, die von Grund auf eine optimistische und fröhliche Art haben, seltener unter Problemen-so schlimm sie auch sein mögen-leiden und psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen.
    Ich bin selber so ein Fall: katastrophale Kindheit mit viel Gewalt und wenig Liebe, Drogen, Alkohol, Missbrauch...eigentlich habe ich ziemlich viel Scheiß miterlebt.
    Ich müsste ein Traum für jeden Psychologen sein, der hätte viel zu tun :tongue:
    Ist aber ganz und gar nicht so, denn irgendwie reiße ich mich aus jedem Scheißloch wieder selber raus. Ich weiß nicht warum und wie ich das mache, aber ich denke es ist wirklich mein naturoptimismus der wahrscheinlich eine angeborene Charaktereigenschaft ist.
    Klar hab auch ich mal downs-aber die dauern nie lange an und ich musste bisher zum Glück noch nie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
    Und dann sehe ich meine Freundin...ähnliche Kindheit (wobei nicht so schlimm wie bei mir) und die schleppt das Päckchen noch heute mit sich rum. Sie ist absolut beziehungsunfähig und hat ganz starke Verlustangst.
    Sie war auch jahrelang in psych.Behandlung (auch Klinik) und greift darauf immer wieder bei den kleinsten Problemen zurück.
    Ich denke, das solche Menschen einfach labiler sind und es nicht aus eigenes Kraft schaffen ihre Probleme zu lösen....sie denken halt sehr pessimistisch und sind furchtbar ängstlich.
     
    #19
    User 75021, 23 Mai 2009
  20. Der Held
    Der Held (34)
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    :rolleyes:
     
    #20
    Der Held, 23 Mai 2009

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