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Januarsee

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Shiny Flame, 28 Januar 2008.

  1. Shiny Flame
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    Die Party war vorbei. Isabelle und ich hatten getanzt, wild und brennend, verführerisch und erotisch, so dass alle, die sich von uns auf die Tanzfläche locken ließen, wie bleiche Kulissen neben uns wirkten. Ich hatte herausgefunden, wie ich meine Hüften drehen musste, damit mein schwarzer Glockenrock nach oben flog und ganz kurz die schwarzen Strumpfhalter aufblitzen ließ; ich hatte Isabelle mit ihren Glutaugen an mich gezogen und sie ihren Rücken durchbiegen lassen, bis die unendlich langen Haare den Boden berührten und ich sie im Kreis herumschwenkte. Oh ja, es hatte geknistert, und vermutlich hatte fast jeder im Raum uns mehr oder weniger interessiert zugeschaut.

    Doch dann fuhren sie und mein Schwarm nach Hause. Vielleicht hätte ich eifersüchtig sein sollen, auf einen der beiden oder alle beide, aberich mochte sie beide doch so gerne und gönnte ihnen ihr Glück. Vielleicht wäre ich einfach gerne mitgefahren?

    Um das leere und traurige Gefühl in mir zu betäuben, setzte ich einen Zylinder auf und stieg auf den Tisch, um den herum einige der anderen saßen. Alleine in der Mitte des Raumes zu tanzen machte keinen Spaß, und niemand sonst hier tanzte so wie Isabelle, daher zählten die anderen nicht. Dort oben fühlte ich mich wohl. Pfiffe, Jubel, "You can leave your hat on!", Hüftenkreisen und ein berauschendes Gefühl von Macht, dass das Ziehen in meinem Herzen übertönte. Tanja stellte sich vor den Tisch und tanzte mich an, flüsterte mir zu: "Wenn du jetzt vom Tisch steigst und zu Jona und Patrick gehst, also weiter tanzend, dann hast du was gut bei mir. Ich helf dir auch beim runterkommen, wegen dem Gleichgewicht." Ich lachte, drehte mich einmal um mich selbst und bog den Kopf wieder nach hinten, seltsamerweise war ich tatsächlich glücklich, dann ging ich auf ihr Angebot ein.

    Noch mehr Pfiffe, als ich langsam und aus der Hüfte hinaus auf den Gastgeber zuging, als ich seinem besten Freund die Becks-Flasche aus der Hand nahm, meinen Finger um die Öffnung kreisen ließ und sie schließlich zum Trinken an den Mund führte. So ein unwirkliches Gefühl, berauschend, machtvoll, erregend! Patrick zog mich an sich und streichelte meinen Arm, und für einen Augenblick erlaubte ich mir, die Augen zu schließen und das seltsame, traumhafte Gefühl von Glück zu genießen. Nicht an morgen denken, nicht an die nächsten fünf Minuten, nur dieser Augenblick. Ob mir das alles morgen wohl peinlich sein wird? "Patrick, kannst du mich nachher nach Hause fahren? Dann muss ich nicht so lange auf die Bahn warten." Natürlich würde er das, Patrick ist ein Gentleman.

    Ganz unpassend blitzte eine Erinnerung in meinem Kopf auf: Jona, der Gastgeber, meinte irgendwann mal zu mir: "Du brauchst dich gar nicht so zu produzieren, wenn du nicht möchtest, sei einfach natürlich, einfach du selbst!"
    Da hatte ich gesagt: "Ich will aber keine Baumknutscherin in Jesuslatschen werden!"
    "Natürlich sein hat nichts damit zu tun. Mach einfach das, wobei du dich wohlfühlst, wobei du dich selbst magst, dann passt das schon."
    "Und was, wenn die anderen mich dann nicht mehr mögen?"
    "Wen kümmert's?"

    Aber wie konnte das sein? Jetzt mochte ich mich, jetzt fühlte ich mich wohl bei dem, was ich tat. Wie konnte das sein? War das etwa mein wahres Gesicht? Oder zumindest eins meiner wahren Gesichter?

    Ermattet und erschöpft vom Tanzen setzte ich mich schließlich auf ein Sofa, wo zwei Männer zwischen sich auch sofort Platz für mich machten und wir uns wieder unterhielten, über Politik und Freunde und verschiedene Biersorten. So langsam plätscherte der Abend aus, ich war müde und erschöpft. Schließlich kam Patrick und fragte mich, ob wir los wollten. Ich weiß es nicht sicher, aber ich meine, dass neidische Blicke ihm folgten, als ich mich verabschiedete und er mir schließlich in den Mantel half...
     
    #1
    Shiny Flame, 28 Januar 2008
  2. User 70315
    User 70315 (28)
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    hallo du:smile:

    wow, also dein schreibstil gefällt mir gut und er liest sich sehr flüssig. ich kann mich so in die situation hineinversetzen und auch in das gefühlsleben der personen.

    darf ich fragen ob es sich hierbei rein um eine fiktive story handelt?:zwinker:
     
    #2
    User 70315, 28 Januar 2008
  3. Shiny Flame
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    Er hielt mir die Autotür auf, natürlich tat er als Gentleman das, und ich stieg mit anmutigen Bewegungen ein, genoss es, dass mir die Bewegungen trotz der hohen Bleistiftabsätze so gut gelangen. Jetzt war ich müde, mir war ein bisschen kalt, ich hatte Sehnsucht nach meinem Bett - und wusste doch, irgendetwas würde noch geschehen. Natürlich würde es das. Es war immerhin schon halb vier Uhr morgens. Um diese Zeit passieren nur noch die besonderen Dinge, für den Alltagskrams ist es dann doch schon etwas zu spät.

    Wir fuhren ohne Musik, redeten über die Nacht und Menschen und Träume, und den Regen. Friedlich war es. Und ich wollte heute Nacht noch Sex. Oder irgendetwas anderes - wobei, das andere eigentlich sogar noch lieber, denn nachdem ich so lange enthaltsam gelebt hatte, sollte Sex dann doch etwas ganz besonderes werden. Mit Liebe und dem ganzen Quatsch drumrum. Meine Wohnung war nicht aufgeräumt, da konnte ich ihn schlecht hochbitten - und ehrlich gesagt hätte ich auf so was auch keinen Bock gehabt, das wäre mir zu klischeehaft gewesen.

    "Ich mag Regen wirklich", sagte ich.
    "Ja, Regen hat was. Sonne aber auch."
    "Eigentlich mag ich ziemlich viel. Schwimmen ist auch schön. Bist du schon mal nachts geschwommen?"
    "Ja klar, du auch?"
    "Ja, sogar schon mal im April und im Oktober, da war es wirklich eisekalt."
    "Och, so Kälte macht mir nichts aus, ich bin schon abgehärtet."
    Ich wartete einen Moment. "Eigentlich ist es im Moment auch nicht kälter als im Frühjahr oder Herbst. Hast du Lust?"
    Beide lächelten wir zufrieden. Etwas würde noch passieren heute Nacht. Wind auf unserer Haut. Schönheit. Geheimnis. Magie.

    Der Weg mit den Stilettos über die matschigen Feldwege, in der Hand eine Plastiktüte für die Klamotten und eine Wolldecke zum Abtrocknen, passierte völlig im Dunkeln. Ein leichter Nieselregen fiel auf mich herab, durchnässte uns, ich fror schon jetzt und fragte mich, ob ich tatsächlich den Mut aufbringen würde, ins Wasser zu hüpfen. Überhaupt erst mal meinen Mantel aufzumachen. Eng an ihn gedrückt legte ich den Weg zurück, ständig stolpernd und mich auf die starke männliche Gegenwart an meiner Seite verlassend. Der Wind rauschte in den Bäumen um uns herum, durch die dünne Sohle am vorderen Fuß spürte ich jeden Stein auf dem nächtlichen Weg, und ich fühlte, wie Makeup, Erinnerungen und die vielen Masken, die ich tatsüber trage, von mir abfielen. Alles, was übrig blieb, war ich. Mein Name, mein Körper, meine Seele - und der Mann an meiner Seite - und die freie, wunderschöne, eiskalte und gnadenlose Natur um uns herum.

    "Da! Da ist das Wasser!", rief ich fröhlich aus, und reine Freunde breitete sich in mir aus. Ich machte mich los und lief nach vorne, auf einmal war ich auch mit Stilettos in der Lage, über die Wiese zu rennen und tief einzusinken, bis ich an einem Baum ankam, bei dem ich stehen blieb. Patrick war dicht hinter mir. "Traust du dich wirklich?", fragte ich ihn, und er lachte, machte den Reißverschluss seiner Jacke auf.

    Dann musste ich halt auch. Hastig legten wir beide unsere Klamotten ab und packten sie so schnell wie möglich in die Plastiktüte, und ich lachte darüber, als ich dachte, wie wenig erotisch das hier war und wie viel mehr man daraus hätte machen können, wenn es nur nicht so ekelhaft kalt wäre. Er lachte über meinen Strapsgürtel und wir gingen zum Seeufer. Oh, allein die Luft auf meiner Haut war schon so kalt! Aber manchmal muss der Wille über den Körper triumphieren. Ich breitete meine Arme aus, atmete drei Mal tief ein und langsam aus, wie ich es im Yoga gelernt hatte, und lief los. Schnell ins Wasser, schnell dorthin, wo man schwimmen kann, schnell drei Züge rausschwimmen. Es ist wirklich kalt, so kalt, dass ich meine Muskeln verkrampfen spüre.

    Ich drehe mich um. Patrick ist schon wieder am Umkehren, und ich schwimme auch so schnell wie möglich zurück. Bei jedem Zug merke ich mehr, wie das eiskalte Seewasser mir die Körperwärme entzieht, und als ich die letzten Schritte zum Ufer gehe, werden meine Waden und Füße bereits taub, so dass mein Gleichgewicht nachlässt. Fast verziehe ich schmerzhaft das Gesicht, aber dann lache ich doch und lasse mich von Patrick aus dem Wasser ziehen. Schnell, schnell jetzt zu den Sachen, zu der Decke, mir ist so kalt!

    Beide lachen wir, überdreht und glücklich. Beide sind wir nackt, vom Seewasser gereinigt, vom Mondlicht gebadet, und der Wind und der Nieselregen sind so kalt, so eisigkalt auf unserer Haut. Und doch brennt etwas im Inneren, was uns lachen und glücklich sein lässt. Adrenalin und das Wissen um unsere Verrücktheit.

    "Lass uns schnell abtrocknen und zurück ins Auto, aufwärmen!", rufe ich.
    "Ja", meint er und nimmt die Decke hoch, legt sie um unsere Köpfe und Schultern, um den Wind abzuhalten, und wir drücken uns einen Moment aneinander, jeder im eiskalten Körper des anderen die Wärme suchend, die uns selber fehlt. Er fühlt sich so gut an. Nass und männlich, ein menschliches Wesen wie ich. Als meine Hände über seine Schultern streichen, spüre ich darunter die Härte seiner Muskeln, als ich mein Bein um seines schlinge, spüre ich, wie fest er auf dem Boden steht und mir Halt gibt. Seine Hände streicheln über meinen Körper und hinterlassen in der Feuchte Spuren von Wärme und Erregung. Da drücke ich mich enger an ihn und erlaube mir einfach, glücklich zu sein. Es ist so schön.

    Plötzlich rutscht die Decke weg und ich ziehe ihn näher an mich, ziehe ihn in mich, wo ich trotz der Kälte meiner Haut warm ist und feucht wie der Rest der Nacht um uns herum. Wir machen ein paar ungeschickte Bewegungen aufeinander zu, rutschen wieder auseinander, und ich spüre die Kälte und den Wind nicht mehr. "Leg doch eben die Decke hin!", meint er und ich lache schon wieder, suche im Nachtlicht nach der Decke und breite sie so aus, dass ich mich hinlegen kann, den Himmel direkt über mir und stille Freude überall um mich herum. Der Wind ist nur noch eine weitere streichelnde Hand auf meinem Körper, die herabfallenden Tropfen mischen sich mit der Feuchte auf unserer Haut, und wir werden eins. Nur der Wind hört meine extatischen Seufzer und Schreie. Das Wasser des Sees plätschert, die kahlen Januarbäume wiegen sich hin und her, der nasse Lehmboden unter der Decke schmiegt sich an meinen hingegossenen Leib, und zwischen uns beiden entspringt ein Feuer...

    Tatsächlich, diese Nacht ist reines Glück.

    Off-Topic:
    Ach, äh, Hörnchen - die Geschichte ist rein fiktiv und hat KEINESFALLS etwas mit dem letzten Wocheende zu tun...
     
    #3
    Shiny Flame, 28 Januar 2008

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