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Kann man etwas vermissen, dass man noch nie erlebt hat?

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von paranoid85, 18 März 2004.

  1. paranoid85
    Gast
    0
    ich hoffe ich bin jetzt im richtigen forum... ist was für Nachdenkliche :zwinker:

    Es geht um Liebe, was auch sonst. Angenommen man hatte noch nie eine Freundin... trifft dann diese Aussage zu?
    Ich bin der Meinung, dass man es kann. Ich hab vor einiger Zeit "Die Kunst zu Lieben" von Erich Fromm gelesen und stimme diesem zu. was haltet ihr davon?

    Jede Theorie der Liebe muss mit einer Theorie des Menschen, der menschlichen Existenz beginnen. Der Mensch ist mit Vernunft ausgestattet; er besitzt ein Bewusstsein seiner selbst, seiner Mitmenschen, seiner Vergangenheit und der Möglichkeiten seiner Zukunft. Dieses Bewusstsein seiner selbst als einer eigenständigen Grösse, das Gewahrwerden des Abgetrenntseins erregt Angst, ja sie ist tatsächlich die Quelle aller Angst.

    Das tiefste Bedürfnis des Menschen ist, seine Abgetrenntheit zu überwinden und aus dem Gefängnis seiner Einsamkeit herauszukommen. Er sieht sich - zu allen Zeiten und in allen Kulturen - vor das Problem der Lösung der einen und immer gleichen Frage gestellt: wie er sein Abgetrenntsein überwinden, wie er zur Vereinigung gelangen, wie er sein eigenes einzelnes Leben transzendieren und das Einswerden erreichen kann.

    Eine Möglichkeit hierzu sind orgiastische Zustände der verschiedensten Art. Solange diese orgiastischen Zustände in einem Stamm gemeinsam erlebt werden, erzeugen sie keine Angst und keine Schuldgefühle. Alle Formen der orgiastischen Vereinigung besitzen drei Merkmale: Sie sind intensiv, ja sogar gewalttätig; sie erfassen die Gesamtpersönlichkeit, Geist und Körper; und sie sind vorübergehend und müssen regelmässig wiederholt werden.

    Genau das Gegenteil gilt für jene Form der Vereinigung, welche bei weitem die häufigste Lösung ist, für die sich der Mensch in der Vergangenheit wie in der Gegenwart entschieden hat: die Vereinigung, die auf der Konformität mit der Gruppe beruht, mit ihren Sitten, Praktiken und Überzeugungen. Vereinigung durch Konformität vollzieht sich weder intensiv noch heftig; sie erfolgt ruhig, routinemässig und bringt es eben deshalb oft nicht fertig, die Angst vor dem Abgetrenntsein zu mildern. Die Häufigkeit von Alkoholismus, Drogen, zwanghafter Sexualität und Selbstmord in der heutigen westlichen Gesellschaft sind Symptome für dieses relative Versagen der Herdenkonformität. Ausserdem betrifft auch diese Lösung hauptsächlich den Geist und nicht den Körper und ist auch deshalb im Vergleich zu den orgiastischen Lösungen im Nachteil. Die Herdenkonformität besitzt nur den Vorteil, dass sie permanent und nicht nur kurzfristig ist.

    Eine dritte Möglichkeit, zu neuer Einheit zu gelangen, liegt in schöpferischem Tätigsein, sei es das eines Künstlers oder das eines Handwerkers. Bei jeder Art von schöpferischer Arbeit vereinigt sich der schöpferische Mensch mit seinem Material, das für ihn die Welt ausserhalb seiner selbst repräsentiert. Dies gilt jedoch nur für die produktive Arbeit, für eine Arbeit also, bei der ich es bin, der plant, wirkt und bei der ich das Resultat meiner Arbeit sehe. Beim modernen Arbeitsprozess des Büroangestellten oder des Arbeiters am Fliessband ist von dieser einenden Qualität der Arbeit nur noch wenig übriggeblieben. Der Arbeiter ist zu einem Anhängsel der Maschine oder der Organisation geworden. Er hat aufgehört, er selbst zu sein - daher gibt es für ihn keine Einheit mehr, sondern nur noch Konformität.

    Die bei einer produktiven Arbeit erreichte Einheit ist nicht zwischenmenschlicher Art; die bei einer orgiastischen Vereinigung erreichte Einheit ist nur vorübergehend; die durch Konformität erreichte Einheit ist eine Pseudoeinheit. Daher sind alle diese Lösungen nur Teillösungen für das Problem der Existenz. Eine volle befriedigende Antwort findet man nur in der zwischenmenschlichen Einheit, in der Verreinigung mit einem anderen Menschen, in der Liebe. Im Gegensatz zur symbiotischen Vereinigung ist die reife Liebe eine Vereinigung, bei der die eigene Integrität und Individualität bewahrt bleibt. Liebe ist eine aktive Kraft im Menschen. Sie ist eine Kraft, welche die Wände niederreisst, die den Menschen von seinen Mitmenschen trennt, eine Kraft , die ihn mit anderen vereinigt. Die Liebe lässt ihn das Gefühl der Isolation und Abgetrenntheit überwinden und erlaubt ihm trotzdem er selbst zu sein und seine Integrität zu behalten. In der Liebe kommt es zu dem Paradoxon, dass zwei Wesen eins werden und trotzdem zwei bleiben.
     
    #1
    paranoid85, 18 März 2004
  2. forgiven
    Gast
    0
    Ich denke kaum ein Mensch ist gerne allein. Wobei man hier wieder unterscheiden muss, ob man sich zum Alleinsein entschieden hat, oder vielmehr von seinen Mitmenschen verlassen wurde und in der Einsamkeit geendet ist. Auf diese Einsamkeit bezieht sich wohl der Text.
    Aber ich weiss nicht so recht, was das mit meinem Zitat zu tun hat. Ich bin aus einem simplen Selbstversuch darauf gekommen. Klar hat man von klein auf das Bedürfnis von einem Menschen geliebt zu werden. Das ging mir genauso. Nur war dieses Bedürfnis irgendwie vernachlässigbar, bevor ich meine erste Freundin kennengelernt hab. Erst als ich die Erfahrung gemacht habe, wie es ist von jemanden geliebt zu werden (auch wenn ich es mir teilweise nur eingebildet hab, sie wäre ein guter Schauspieler), wurde mir klar, was ich all die Jahre vermisst habe. Und obwohl mein Leben nun genauso weitergeht wie die Jahre vorher, fühlt sich die Einsamkeit anders an. Weil ich jetzt weiss, was mir gefehlt hat..
     
    #2
    forgiven, 18 März 2004

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