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Kurzgeschichte: Liebesbrief

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Austin Powers, 8 Februar 2003.

  1. Austin Powers
    0
    Die blassen Zeilen flimmerten über seine dicke Brille. Der Bildschirm vor ihm war noch weiß, das Menü darüber zeigte ernüchternde Befehle an, mit denen man seine Worte verschnörkeln, vergrößern oder andere Dinge machen konnte. Doch er war sich sicher, dass er all diesen Schnickschnack heute Nacht nicht brauchen würde, seine Worte würden für sich selbst sprechen. Kurz hob er seine rechte Hand, kratzte sich am Kinn, um sich gleich darauf seine Brille zurecht zu schieben. Kurz sammelte er sich, dann drehte er seinen unschönen Kopf und besah dass Foto, dass er neben seinem Monitor aufgestellt hatte. Sein Gesicht, dass den ganzen Tag neutral wirkte, verwandelte sich kurz in ein, von liebe erfülltes Strahlen, seine Blicke verweilten auf dem Foto von ihr. Er liebte sie, dass wusste er. Er liebte alles an ihr, ihre Haare, ihre Augen, ihre süße kleine Nase, ihr Parfüm, ihre zarten Hände, einfach alles.
    Erneut schob er sich die Brille zurecht, kratzte sich am rechten Ohrläppchen, bevor er seine Werkzeuge der Gedanken, seine Hände, auf die Tastatur vor ihm senkte. Er knackte kurz mit den Fingerknöcheln, besah noch einmal kurz das Foto und schloss die Augen. Er hatte ihr schon einmal alles gesagt, in seinen Gedanken. Wenn er sie in der Schule sah, bekam er Schweißausbrüche und über ein kurzes ‚Hi’ war die Konversation nie hinausgegangen. Dabei war es nicht so, als ob sie einem anderen die Treue geschworen hatte, er traute sich einfach nicht, sie anzusprechen, da er wusste, dass er etwas falsch machen würde. Also beschloss er, seine Gedanken nieder zu schreiben und sie ihr zu schicken.
    Als er schließlich begann, seine Gedanken in Worte zu bringen, war er voll in seinem Element. Seine Worte strotzten so vor Liebe, er machte sie zu seiner Göttin, er besang ihre Schönheit und er verehrte den Boden, auf dem sie wandelte. Seine Finger glitten automatisch über die Tastatur, Gedanken verwandelten sich in Worte, ehe er sie über fertig gedacht hatte. Die Zeit verrann nur so. Sie wurde in seinem Brief zu einem holden Engel, zu einem anbetungswürdigen Wesen, er schüttete sein ganzes Herz aus, legte es ihr zu Füßen, schrieb und schrieb, bereits war Seite 3 voll und er noch nicht mal mit seinen Gedanken zur Hälfte fertig. Er lobte ihren Gang, ihr Aussehen, ihr korrektes Sozialverhalten, er lobte sogar die kleine Narbe über ihrer linken Augenbraue, die sie mal von einem Schaukelunfall im Kindesalter davon getragen hatte.
    Er verschrieb sich ihr, seine Zeilen waren voller Anmut, voller Schönheit, voller Romantik und Poesie. Dabei sah er sie, wie sie bei seinem Brief dahin schmelzen würde, wie sie zu ihm kommen würde und ihn förmlich anflehen würde, seine Freundin sein zu dürfen. Blitzschnell tat er diese störenden Gedanken ab, konzentrierte sich auf den Brief, warf kurz einen Blick auf die Uhr in der rechten Ecke, nur um festzustellen, dass es bereits 01:57 war, er also schon beinahe drei Stunden an dem Brief saß, mittlerweile bei Seite 6 angekommen.
    Kurz kratzte er sich an der Nase, im Nacken, bevor seine Hände wieder eins mit der Tastatur wurden. Sie sangen von Schönheit, Anmut und Eleganz, versprachen tausend Rosen, Geschenke und die große Liebe.
    Sie ist ein Gottes Geschenk, aus dem Himmel, sie ist grazil, sie hat Geschmack und ist atemberaubend.
    Die Finger wurden schneller, Gedanken sprudelten, verwandelten sich in verpixelte Worte und damit in einen Brief, der seinesgleichen suchte, ein Gesuch an eine Geliebte, ein Tribut an die Herrlichkeit, eine junge Frau.
    Sie sei eine Rose unter tausend Nelken, sie sei der hellste Stern am Abendhimmel, sie sei der schönste Vogel unter tausend Singvögeln.
    Für ihretwillen sollten Kirchen errichtet werden, Menschen sollten bei ihren Gang die Luft anhalten, und den Moment heiligen, wo sie lachte.
    03:17, er war bei Seite 15. Schließlich beendete er seine geschriebene Symphonie. Das war es, sein Herzensblut, seine ganze Wahrheit, seine Gedanken.
    Dann tat er das, was er jede Nacht tat, seit drei Monaten, Nacht für Nacht. Er löschte den Brief und ging ins Bett.




    Auch hier erflehe ich Meinungen, Kommentare, etc. Ich habe noch weitere Kurzgeschichten geschrieben, die aber nicht wirklich etwas mit Liebe zu tun haben, wenn Interesse besteht, veröffentliche ich auch diese gerne, einfach Bescheid sagen. Und wie im anderen Post gesagt, ich beantworte alles, würde mich halt über jedes Feedback freuen, weil man dann weiss, dass die Leute die Sachen lesen.
     
    #1
    Austin Powers, 8 Februar 2003
  2. User 631
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Die Story gefällt mir richtig gut. Tausend einzigartige Gedanken, geformt, gefasst, getippt - und dann gelöscht :smile: Das hat was sehr....romantisches. Dein Schreibstil liest sich schön leicht und verständlich.
     
    #2
    User 631, 8 Februar 2003
  3. Austin Powers
    0
    Dankeschön *g* Wie ich schrieb, ich habe noch mehr Kurzgeschichten, die allerdings nicht soviel mit Liebe zu tun haben, bei Bedarf/Nachfrage veröffentliche ich sie aber gerne.
     
    #3
    Austin Powers, 10 Februar 2003

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