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Lebenskrise, brauche Rat (vorsicht lang)

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Bavid Dowie, 2 Dezember 2008.

  1. Bavid Dowie
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Lebenskrise, brauche Rat

    Hallo liebe Leute,

    Ich habe ein großes Problem und ich bin sehr am verzweifeln.

    Alles liegt an meinem Studium.
    Ich studiere Geisteswissenschaften, genauer Germanistik, Kommunikationswissenschaft und Politik.
    Dazu muss ich sagen, dass mich die Inhalte in meinen Fächern eigentlich interessieren, manche mehr, manche weniger und manche gar nicht, wer studiert kennt das sicher.
    Aber die Inhalte, bzw. die Auseinandersetzung mit ihnen sind nicht mein Problem. Was Noten und Leistungen angeht bin ich zwar nicht sonderlich brilliant, aber es würde eigentlich reichen um sich deswegen keine Sorgen zu machen.
    Hier sind wir auch schon bei der großen Problematik. Ich scheitere (bzw. bin vielleicht schon gescheitert) nicht an den Inhalten sondern an den Formalitäten des Studiums.
    Ursprünglich habe ich den Studiengang als Diplom begonnen, nachdem ich aber zweimal wegen Formalitätsfehlern (einmal Anmeldefrist zur Prüfung verpasst, das zweite Mal wegen einer übersehenen und deswegen nicht erbrachten Leistung nicht zugelassen worden) habe ich jetzt auf Bachelor gewechselt.
    Jetzt sieht es aber aus als ob ich hier auch wieder dabei bin rauszufliegen (vielleicht bin ich es schon).
    Der Grund ist, dass ich mit dem Wechsel von Diplom auf BA die ganze Umrechnung meiner bisher erbrachten Leistungen, Scheine, etc. vornehmen lassen müsste, bzw. schon hätte tun müssen.
    Wer sich damit auskennt oder selbst BA studiert, weiß wie kompliziert und chaotisch das System besonders momentan ist.
    Modulbücher, Prüfungsordnungen, Anmeldefristen, Satzungsänderungen......alles muss durchgelesen, verstanden und dann gleich wieder vergessen werden und dann nochmal gelernt werden, es ändert sich ja sowieso ständig.

    Ich komme damit nicht zurecht und bin es noch nie.
    Ich habe eine regelrechte Phobie vor Bürokratie und Ämtern und kann mit diesen Instanzen bzw. den Personen die dort arbeiten nicht umgehen.
    Ich müsste schon seit mehreren Wochen zum Prüfungsamt gehen und all diese Sachen klären, aber ich schaffe es nicht. Nach den niederschlagenden und peinlichen Erlebnissen die ich dort in der Vergangenheit schon hatte bin ich regelrecht traumatisiert.
    Wenn ich vor dem Gebäude stehe bekomme ich regelrecht Panik, ich habe das Gefühl ich kollabiere gleich, kriege Herzrasen und kann einfach nicht reingehen. Ich habe es schon mehrfach versucht. Seit längerer Zeit erfinde ich jeden Tag immer absurdere Ausreden warum es doch besser wäre das alles erst morgen zu erledigen.
    Ich bin wie einer dieser Leute die tausende Euro Schulden haben und einfach die Post nicht mehr öffnen, nur um die Tatsache nicht wahrhaben zu müssen. Währenddessen versuche ich mich krampfhaft abzulenken, flüchte mich in Medienwelten und Räusche um der düsteren Realität nicht ins Auge blicken zu müssen.

    Warum ist das alles so ein Problem für mich? Ich weiß es nicht, aber ich muss mir wohl eingestehen, dass ich in dieser Hinsicht wohl irgendeine Art von geistiger Reife (noch) nicht erlangt habe. Vielleicht ist es tatsächlich auch ein psychisches Problem, eine Psychose, Neurose, was weiß ich.
    Offenbar scheint all das für die meisten Menschen kein Problem zu sein. Klar, jeder hat mal Stress mit irgendwelchen kleinlichen Ämtern, aber das kriegt man alles geregelt. Ich kriege es nicht geregelt. Ich habe da mittlerweile ein Loch gegraben aus dem ich nicht mehr heraus klettern kann. Ich bräuchte irgendjemanden der mir hilft das zu organisieren, so eine Art Sekretär quasi, damit ich mich mit den tatsächlichen Dingen auseinandersetzen kann um die es beim studieren ja eigentlich gehen sollte.

    Gerade weil das Problem ja so erschreckend banal ist, ist es mir auch furchtbar peinlich, weswegen ich es meinem kompletten Umfeld bisher verschwiegen habe.
    Richtig fertig machen mich da vor allem zwei Elemente, meine Freundin und meine Eltern.

    Meine Freundin weiß von all diesen Dingen eigentlich gar nichts. Wir sind jetzt ungefähr 8 Monate zusammen, als all die Probleme anfingen waren wir gerade dabei zusammen zukommen. Ich habe ihr das damals verschwiegen, weil ich sie einfach nicht vergraulen wollte und irgendwann war der richtige Moment verpasst es ihr zu sagen. Momentan ist sie wegen dem Studium im Ausland, aber wir haben natürlich trotzdem ständig Kontakt, über Internet ja kein Problem. Gerade in letzter Zeit hat sie auch deutlich gemerkt, dass bei mir irgendwas nicht stimmt, ich konnte mich aber noch nicht dazu durchringen ihr alles zu erzählen. Wenn sie hier wäre wäre das anders, aber übers Telefon bring ich das nicht.
    Ich weiß nicht wie sie reagieren wird, glaube (hoffe) aber nicht dass sie mich deswegen verlassen würde. Mit ihr hat das alles nichts zu tun, wenn irgendwas mich in letzter Zeit etwas davon abgehalten hat völlig durchzudrehen, dann sie.

    Ein größeres Problem sind meine Eltern, vor denen mich mein schlechtes Gewissen fast umbringt. Sie haben mir das Studium und zum größten Teil mein Leben bis jetzt finanziert, mit dem Ergebnis dass ich jetzt doch fast mit Null dastehe. Wie man ja ein meiner Altersangabe sieht bin ich auch nicht mehr knackige 20, was natürlich dazu führt, dass ich dicke Zukunftsängste habe. Ich habe keine Lust das schwarze Schaf, der Loser der Familie zu sein, der nichts auf die Reihe kriegt. Den Indizien zu Folge bin ich es aber. Ich kann diese Konfrontation nicht verkraften, habe keine Lust die Leute immer nur zu enttäuschen.

    Am liebsten würde ich momentan alles hinter mir lassen und irgendwo anders nochmal komplett neu anfangen. Wo man mich nicht kennt und ich ein unbeschriebenes Blatt bin.
    Aber ich habe das Gefühl dass der Zug schon abgefahren ist. Abgesehen davon gehört dazu auch ein finanzielles Polster, wovon ich nicht gerade ein großes habe. Und ich kann bzw. will meinen Eltern auf keinen Fall länger auf der Tasche liegen. Das macht mich wirklich fertig. Ich weiß nicht ob ich finanziell auf eigenen Füßen stehen kann. Außerdem müsste ich mein komplettes Umfeld zurücklassen. Ich glaube das würde ich fertig bringen, aber schmerzen würde es mich schon. Schließlich habe ich hier schon viele Freund- und Bekanntschaften, fühle mich gesellschaftlich also eigentlich wohl momentan.

    All das macht mich unsagbar fertig. Ich fühle mein Leben hängt total in der Schwebe. Ich hänge mit dem kleinem Finger am Abgrund und jeden Moment könnte ich abstürzen. Die ganze Unsicherheit der Situation lähmt mich total, ich kann mich zu nichts mehr aufraffen, bin ohne Motivation und ohne Freude. Lange halte ich das alles nicht mehr aus.
    Vielen Dank an alle die sich das durchgelesen haben und vielleicht könnt ihr mir ja eure Meinung zu dieser ganzen Misere mitteilen.
     
    #1
    Bavid Dowie, 2 Dezember 2008
  2. Stevie_1984
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Ich habe mir deinen Beitrag sehr genau angeschaut, und kann dir zwar kein Patentrezept geben, wie du da wieder rauskommst, aber vielleicht helfen dir ja einige nützliche Gedanken von mir.

    Wenn ich es richtig lese, hast du Probleme, mit den zuständigen Behörden zu sprechen. Ich, der selbst in einer Behörde arbeite, weiß natürlich auch, dass manche Strukturen und Abläufe in einer Behörde abschreckend wirken können. Trotz allem sitzen auch in Behörden Menschen, deren Ziel es ist, dir zu helfen, und dich an dein Ziel bringen. Dass sie sich an Vorschriften halten müssen, ist dabei nicht behördentypisch, die gibt es überall anders auch.

    Das Schlimmste für dich wäre der Sekretär, den du dir wünscht! Warum? Ganz einfach: Weil du dich so sehr daran gewöhnen würdest, dass jemand alles für dich erledigt, dass du dir am Ende die einfachsten Aufgaben nicht mehr zutrauen würdest.

    Die Lösung ist also dein Problem und heißt: überwinden! Das Ganze aber natürlich nicht sofort zu 100%, sondern in kleinen Schritten. Übe an Orten, wo du dich etwas „sicherer“ fühlst, bis du dann irgendwann in die Behörde gehst... wie lange das dauert, hängt natürlich von deiner eigenen Motivation ab!

    Dein zweites Problem ist meiner Meinung nach, dass du mit deiner Freundin nicht offen darüber sprechen kannst. Auch hier solltest du offen sein, denn ich denke nicht, dass sie dich verlässt, weil du Probleme hast. Gerade eine Partnerin sollte da sein, um einem zu helfen, und in schwierigen Situationen erst erkennt man, wie gefestigt eine Partnerschaft ist.

    Was deine Eltern angeht, so bin ich der Überzeugung, dass sie dir auch hier helfen werden. Wenn sie dir bisher immer geholfen haben, werden sie auch hier für dich da sein, etwas anderes würde mich stark wundern.

    Bevor du jetzt eine Entscheidung triffst, denk noch mal nach und rede mit den Menschen darüber, die dir wichtig sind. Beziehe sie ein in deine Pläne, vor allem deine Eltern, denn ihre Erfahrung kann dir bestimmt nur helfen!

    Im Übrigen bist du nicht zu alt, ich bin ja gerade mal 1 Jahr jünger, und fände mich für einen eventuellen Neuanfang auch noch nicht zu alt!

    In dem Sinne: ich wünsche dir viel Kraft, es doch noch zu schaffen, und das Glück, das zu dazu brauchst!
     
    #2
    Stevie_1984, 3 Dezember 2008

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