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"Liaison dangereux"

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von Herzrasen, 5 August 2007.

  1. Herzrasen
    Herzrasen (44)
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Hallo,

    tja, ich stecke in einem selbstverschuldeten Dilemma und muß mir meine Ratlosigkeit mal von der Seele schreiben. Ich lebe seit einigen Jahren mit meiner Freundin zusammen und würde die Beziehung auch als glücklich bezeichnen. Es ist nicht das, was ich "große Liebe" nennen würde und lange Zeit war ich mir auch nicht sicher, ob ich diese Beziehung überhaupt will. Doch im Laufe der Zeit hat sich daraus eine ziemlich gut gehende Zweisamkeit entwickelt, zwar mit Höhen und Tiefen, aber es hat sich eine echte Liebe entfaltet, obwohl wir recht unterschiedliche Charaktere sind. Aber der Alltag funktioniert und ist wirklich liebevoll, der Sex der Beste in meinem Leben. Andere Frauen haben mich nicht weiter interessiert, ich halte mich für einen treuen Typen, vielleicht mal ein bisschen Flirten, aber auf wirklich harmlosen Niveau.

    Das Problem tauchte in Form einer neuen Kollegin auf. Wunderschöne Frau, supernett, magnetische Anziehungskraft. Ich bin ihr Anfangs bewußt aus dem Weg gegangen, weil sie "zu" anziehend auf mich war, also sicher nicht aus der Kategorie "harmloser Flirt". Doch meine Gedanken wanderten ständig ungefragt zu ihr. Irgendwann gab es leichte Spannungen, weil sie dachte, ich hätte was gegen sie, weil ich ihr immer aus dem Weg ging. Dann beging ich den Fehler ihr "normal" gegenüberzutreten, ich dachte einfach, dass mein Verhalten ihr Gegenüber nicht sehr fair wäre.

    Doch je mehr ich sie kennenlernte, desto schlimmer wurde es. Ich erwähnte irgendwann, dass ich in einer glücklichen Beziehung lebe, sie reagierte auf die Art "war ja eh klar" und aus der eher prickelnden Atmosphäre, wurde so eine Art Kumpelding, wobei die Gespräche eher noch vertraulicher wurden. Irgendwann hat sie mich dann mal nach der Arbeit gefragt, ob wir noch ein Bier trinken gehen wollen und ich habe nicht abgelehnt. Wir haben 3 Stunden gequasselt und uns etwas zu tief in die Augen geschaut. Ich glaube, es sind die schönsten Augen in die ich je gesehen habe. Das Wochenende darauf sind wir im Bett miteinander gelandet.

    Dabei war das nicht mal ein sexuelles Ding, wir wollten den Anderen einfach nur spüren. Es ist als ob wir uns seit Ewigkeiten kennen würden, es paßt einfach alles. Könnte die Frau den ganzen Tag einfach nur abschnuppern, so lecker riecht sie. Also es hat uns beide schon arg böse erwischt. Habe sowas überhaupt erst einmal erlebt und das ist >15 Jahre her. Führte damals zur glücklichsten Beziehung in meinem Leben.

    Eigentlich müßte ich ein superschlechtes Gewissen gegenüber meiner Freundin haben, aber seltsamerweise ist da überhaupt nichts vorhanden. Meine Gefühle für sie haben sich nicht einen Millimeter geändert. Die Affäre ist für mich eine Seelenverwandte, sie berüht mich auf eine Art und Weise, die völlig außerhalb der Möglichkeiten meiner Freundin liegt. Dennoch liebe ich meine Freundin, so wie sie ist. Würde ich diese Geschichte offenlegen, wäre ohne jeden Zweifel die Beziehung beendet, da ist sie vollkommen eindeutig und ich würde es auch verstehen.

    Die Affäre möchte das jedoch gar nicht, sie will meine Beziehung nicht zerstören, sie weiß das ich meine Freundin liebe und will auch einfach nicht der Auslöser für so viel Unglück sein. Ich spiele zwar mit dem Gedanken die Geschichte meiner Freundin zu beichten, aber ich schrecke auch davor zurück, weil sie grad eine wirklich harte Zeit durchmacht. Der Vater an dem sie sehr hängt, ist totkrank, ernste Probleme im Job, es würde sie extrem hart treffen. Nicht zuletzt weil es völlig aus heiterem Himmel kommt und unsere Beziehung (sonst) wirklich gut läuft. Ich bin auch selbst mal wegen eines anderen Mannes verlassen worden, ich weiß sehr gut wie sich sowas anfühlt. Also eine Musterlösung kann ich nicht sehen. Hinzu kommt noch, dass es finanzielle Abhängigkeiten gibt, würde ich z.B. Ausziehen, könnte sie alleine die Wohnung kaum halten.

    Auf Dauer kann ich dieses Doppelspiel natürlich auch nicht mitmachen. Das ist unwürdig für alle Beteiligten. Andererseits kann ich meine Affäre auch nicht einfach beenden. Ohne sonderlich religiös zu sein, aber was ich für diese Frau empfinde ist heilig. Es ist die zu mir gehörende Frau, nur zum falschen Zeitpunkt.
    Ich empfinde es als abgrundtiefes Elend, dass so eine schöne Erfahrung so einen bitteren Beigeschmack hat. Egal wie ich mich entscheide, es wird böse Wunden hinterlassen.
     
    #1
    Herzrasen, 5 August 2007
  2. User 52655
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    vergeben und glücklich
    Nur mal zwei Zitate zum Vergleich:
    Du bist mit deiner Freundin doch nur aus Gewohnheit zusammen.
    Die Beziehung wird ohnehin nicht halten. Früher oder später wirst du sie verlassen.
    Tu es lieber jetzt gleich. Sicher wird es schmerzhaft für sie, aber das wird es später auch sein. Wenn du es jetzt tust, kann sie es verdauen und sich irgendwann nach jemandem umzusehen, für den sie die große Liebe ist. Wartest du noch länger ab, verliert sie platt gesagt nur Zeit, die sie besser verbringen könnte.
    Wie du so schön sagtest, die jetzige Situation ist unwürdig für alle. Beende es, dann könnt ihr alle neu anfangen.
     
    #2
    User 52655, 5 August 2007
  3. Herzrasen
    Herzrasen (44)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    Nein, bin wirklich recht glücklich mit ihr. Ok, es gibt noch eine andere Art von Glück, wie ich feststellen mußte. Aber nur aus Gewohnheit würde ich nicht sagen. Wir ticken nicht sonderlich auf einer Wellenlänge, aber gerade die Andersartigkeit hat ja auch ihre Reize und Vorteile.
    Ich hatte ehrlich gesagt schon einmal daran gedacht sie zu heiraten, weil ich der Meinung war, eine Frau mit der ich auf Dauer glücklich sein kann. Eben weil wir so wenig gemein haben, ist die funktionierende Beziehung die Frucht der gemeinsamen Arbeit. Aber ich kann nicht leugnen, dass etwas elementares fehlt. Sowas, wie das was ich jetzt erlebe, hatten wir nie und werden wir nie haben. Gut möglich, dass ich früher oder später doch entscheide, ohne diese Leidenschaft nicht leben zu wollen.

    Naja, sie hatte schon mal eine große Liebe, ähnlich wie ich schon einmal eine hatte. Vielleicht ist unsere Beziehung tatsächlich nur ein Kompromiss, aber beide "großen Lieben" sind gescheitert, unsere Beziehung funktioniert. Auch wenn sie grad halt arg strapaziert wird. Was auf Dauer besser funktioniert, dafür würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen.
    Gäbe es eine einfache, offensichtliche Lösung, wäre ich nicht ratlos. Aber ich habe auch den starken Drang den jetztigen Zustand so schnell wie möglich zu beenden, ich bin für sowas nicht gemacht. Aber im emotional-besoffenen Zustand will ich auch nicht entscheiden, im Augenblick wäre meine Wahl so klar wie Dein Posting.

    Danke für Deine Ansicht.
     
    #3
    Herzrasen, 5 August 2007
  4. User 52655
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    vergeben und glücklich
    Es gibt nie Garantien, auch bei der "großen Liebe" nicht. Das sollte einem schon klar sein.
    Und warum Kompromiss? Kompromiss zwischen was? Zwischen Liebe und Alleinsein? Führst du die Beziehung nur, um nicht allein zu sein?

    Aber die Frage ist eben, will man mit einem Kompromiss leben? Ich würde es nicht wollen, soviel ist sicher. Aber ob du es willst, musst du ja selber entscheiden.
    Noch viel interessanter ist die Frage: Will deine Freundin das? Und weiß sie überhaupt, dass die Beziehung für dich nur ein Kompromiss ist?
    Was, wenn für sie die Beziehung das Richtige ist und sie rausfindet, dass sie für dich nur ein Kompromiss ist? Ich kann nur für mich sprechen, aber mir würde das wesentlich mehr weh tun, als eine saubere Trennung aus welchem Grund auch immer. Ich will für meinen Partner nicht der Kompromiss sein, weil eben grad nichts besseres da war. Ich will für meinen Partner das absolute Optimum sein (wenn vielleicht auch zeitlich begrenzt) genauso, wie er es für mich ist. Und ich sprehe hier nicht von einzelnen Aspekten. Es gibt immer jemanden, der hübscher, intelligenter, aufgeschlossener, wasauchimmer ist. Ich meine das große Ganze und vor allem die gefühlsmäßige Ebene. Mit weniger wollte ich mich nicht zufrieden geben. Will deine Freundin das? Und wenn dem nicht so ist, wäre dann eine Trennung nicht fairer?
     
    #4
    User 52655, 5 August 2007
  5. Herzrasen
    Herzrasen (44)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Nein, der Kompromiss zw. "der großen" Liebe und der Realität in Gestalt ihrer Person. Sie ist nicht meine Traumfrau, ich nicht ihr Traummann. Nichtsdestotrotz kann man sich anziehend finden, gegenseitig bereichern, etc. Mit Freundin um der Freundin willen hat das nichts zu tun, ich wollte damals eigentlich allein bleiben, zu viele Beziehungen hintereinander.

    Ja, wir waren beide mit einem Kompromiss einverstanden. Vielleicht Wunden lecken, vielleicht auch mal die Leichtigkeit genießen, eben nicht das ganz große Rad zu drehen. Das dann tatsächlich etwas draus entstanden ist, hat uns glaube ich, beide überrascht.

    Wir sind beide erwachsen und reden gewöhnlich völlig offen miteinander. Sie kennt meine Einstellung.

    Mit "nichts besseres da" hat es nichts zu tun, eher damit, sich auf nichts intensiveres Einlassen zu wollen. Mag eine Altersfrage sein, oder eine Reaktion auf die vorherigen Enttäuschungen, wir wollten beide was lockeres ohne allzuviel Gefühl. Das es sich dann anderes entwickelt hat, haben wir dann letztlich erfreut zur Kenntnis genommen.

    Ehrlich gesagt, hatte ich mal eine ähnliche Einstellung, habe aber im Laufe der Jahre die Hoffnung verloren, so etwas noch einmal zu erleben. Sie ist hingegen noch 10x pragmatischer als ich. Ich glaube nicht, dass diese Kritierien wirklich so relevant für sie sind. Und auch wenn es nie das große Feuerwerk war, ich denke wir würden beide keine Minute der gemeinsamen Zeit wirklich bedauern. Interessant war es eigentlich immer.
    Ich bewundere aber Deine Hartnäckigkeit, "das absolute Optimum" zu vertreten. Würde ich das zur Maxime erheben, führte kein Weg an der Trennung vorbei, egal was sich aus der Affäre ergibt oder nicht. (Was für mich tatsächlich überhaupt nicht relevant ist)

    Nach meinen jüngsten Erfahrungen, würde ich mich auch nicht mehr auf so etwas wie meine derzeitige Beziehung einlassen. Es war ein Fehler nicht das Optimum zu verlangen, aber hinterher ist man immer schlauer. Eine Trennung wäre vermutlich das Fairste für alle Beteiligten. Freue mich, dass Du Deine Einstellung so wehement vorträgst. Das drüber Schreiben hilft schon klarer zu sehen. Auch wenn es schmerzhafte Konsequenzen hat.
     
    #5
    Herzrasen, 5 August 2007
  6. User 52655
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    vergeben und glücklich
    Ob sich etwas aus der Affaire ergibt oder nicht, sollte auch irrelevant sein. Sonst würde man ja die Freundin tatsächlich zum Notnagel degradieren. Und dass du das so bewusst machen würdest, hätte ich jetzt auch nicht angenommen :zwinker:

    Eben das ist wohl der Knackpunkt. Du bist mit der Beziehung, wie sie jetzt läuft unzufrieden. Nun, vielleicht nicht gerade unzufrieden, aber auch nicht so zufrieden, wie du es möchtest. Und wenn sich dies nicht ädern lässt (das kannst natürlich nur du beurteilen) ist eben auf kurz oder lang eine Trennung vorprogrammiert.

    Es spricht ja prinzipiell nichts dagegen, eine Beziehung erstmal locker anzugehen und sie nicht soo ernst zu nehmen, wenn beide damit einverstanden sind (ob deine Freundin das ist, wusste ich bei meinem letzten Post ja noch nicht). Aber wenn einem oder beiden das eben nicht mehr reicht und die Unzufriedenheit sogar zum Fremdgehen führt, muss sich entweder was ändern - was aber schwierig ist, Gefühle kann man eben nicht beeinflussen - oder man muss eben sehen, dass die Beziehung eben nur das war, als was sie ursprünglich geplant war: Eine Übergangslösung, oder um es netter auszudrücken ein Lebensabschnitt, der vorbei ist.
     
    #6
    User 52655, 5 August 2007

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