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manisch depressiv

Dieses Thema im Forum "Aufklärung & Verhütung" wurde erstellt von Zelda, 30 Juli 2001.

  1. Zelda
    Gast
    0
    Hallöchen.
    Also, is für mich ein sehr schwieriges Thema. Wie fang ich mal an? Ich red einfach los.
    Also, ich bin manisch depressiv....und naja....ist bei mir schon sehr ...hm..stark. Ich sitze zum beispiel in meinem zimmer und höre musik oder so, bin voll gut drauf, träller mit, hab einfach gute laune.
    Eine sekunde später....irgendwie völlig grundlos schießen mir die tränen in die augen und ich heule die ganze zeit.
    Im prinzip hab ich gar keinen grund, denn mein leben könnte einfach nicht besser sein...für mich....naja.
    aber trotzdem bin ich in dem moment tottraurig. Mir schießen gedanken durch den kopf die mich nur noch mehr depemieren und so hab ich erstma ne ganze weile schlechte laune oder sitz weinen auf meinem bett.
    Obwohl ich davor noch so super gut drauf war.
    Hm..das jetzt mal als etwas konkretes beispiel. Is nich immer so schlimm.
    Aber auch wenn mein schatz da is..wir sitzen vorm fernseher oder wat weiß ich :loch: und ich bin super glücklich und hab einfach gute laune...und im nächsten moment....hm....bin ich irgendwie traurig. UND dann denkt er natürlich er wäre schuld. Hätte mich irgendwie verärgert oder was falsches gesagt. Und fragt mich dann natürlich was ich hab. ich sag dann: nix is alles ok. Aber er merkt halt das mich was bedrückt. Und ist dann....hm...enttäucht? Weiß nich so genau, er denkt halt ich würds ihm nicht sagen wollen. ABER so is das nicht. Ich würds ihm doch sagen...wenn ich was hätte...wenn ich selbst wüsste was er ist!
    Hm...nun habe ich es meinem schatz gestern gesagt....das er da nie schuld is...und wenn ich mal sauer auf IHN sein sollte würde ich es ihm schon sagen.
    Er hat sehr verständnisvoll reagiert und war einfach super lieb. Hat mich in den arm genommen und gesagt das er mich liebt.
    Hm....nun.....kennt das jemand? Habt ihr da mal was gegen gemacht?Wenn ja wie habt ihr das euren partnern erklärt? Hat es eurer Beziehung geschadet? genau davor hab ich nämlich riiiiiiiiieeeeeeesige angst! Ich mein, ich motz meinem schatz ja nicht an, ich bin dann nur irgendwie nicht mehr so gut gelaunt.
    Und ich hab höllische angst das ......das ..naja, meinem schatz das irgendwann zuviel wird. Ich bemühe mich schon immer das es dann nicht zu krass ist und man es nicht so merkt.
    Er hat gesagt er würde mich doch lieben und es verstehen....also....halt....er liebt mich und dann würde er mich so nehmen wie ich bin.
    Fand ich so süß :loch:
    Nun hab ich angst das es irgendwann mal nicht so is.
    Also, wenns hier jemanden gibt der da ernsthaft drauf antworten will...bitte! Wie verträgt eure beziehung das? was macht ihr wenn ihr so ne Phase bekommt und wie geht ihr damit um?

    Gruß und Kuß
    Zeldi
     
    #1
    Zelda, 30 Juli 2001
  2. Bunny
    Gast
    0
    Hi,

    ich kenne sowas in der Art von einer Freundin. Ihr gehts in etwa so wie dir, wohl nur noch extremer. Es war jedenfalls mal extrem schlimm. Helfen konnten wir ihr bis jetzt nie, sie wollte wohl auch keine Hilfe. Auf jedenfall sind wir alle damit überfordert (alle ihre Freunde).

    Aber erklärs deinem Freund so wie du es hier gemacht hast. Am besten genauso ausführlich wie hier. Leider wissen viele, die nicht selbst betroffen sind, gar nicht was Depressionen sind. (ich bin zwar im Moment in ein tiefes Loch gefallen, aus dem ich wohl nicht alleine wieder raus komme :mad: , aber ich bin nicht depressiv, falls das jemand vermutet)

    Ich glaube, am besten kann dir ein Psychologe helfen, auch wenn du das wahrscheinlich nicht hören willst. Ich hoffe, ich konnte dir ein bißchen helfen. Aber wohl leider nicht viel...tut mir leid.

    Ciao,
    Bunny
     
    #2
    Bunny, 30 Juli 2001
  3. Zelda
    Gast
    0
    Also nur um nochmal klarzustellen. ich bin nicht immer schlecht drauf. Bei meinen freunden gelte ich als äußerst naja....fröhlich..gute stimmung vebreitend und so :smile:
    Das is meist nur wenn ich allein bin....oder mal viel zeit zum nachdenken habe....viele meiner freunde wissen das auch nicht. Sowas bindet man ja nicht jedem gleich auf die nase.

    zeldi *der es zur zeit richtig gut geht*

    <FONT COLOR="#800080" SIZE="1">[ 30. Juli 2001 13:51: Beitrag 1 mal editiert, zuletzt von Zelda ]</font>
     
    #3
    Zelda, 30 Juli 2001
  4. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
    2.206
    133
    47
    nicht angegeben
    Mein Thema...
    Wie ich hier schon mehrmals "mal eben so nebenbei" erwähnt habe, leide ich unter der selben Krankheit wie du. Ich habe nur den Vorteil, dass ich meine Attacken in den meisten Fällen ein paar Minuten vorher merke.

    Ich werde jetzt einfach ein bisschen erzählen. Und ich warne euch: Wenn zu diesem Thema irgendein blöder Kommentar kommt, werde ich SEHR wütend! Und für das, was dann passiert, kann ich nicht mehr garantieren.

    Angefangen hat die ganze Sache bei mir mit der Pubertät. Ich litt zwar schon vorher unter ziemlichen Stimmungsschwankungen, aber das war nicht so extrem, dass man es als Krankheit werten konnte. Ich war einfach mal gut drauf und dann ziemlich plötzlich wieder nicht, aber gut, dann war ich eben ein wechselhaftes Kind. Theoretisch hätte man damals erkennen können, dass ich gefährdet bin (ich wies die typischen Merkmale dieser "Künstlerkrankheit" auf- ich war launisch, kreativ und wechselhaft (im Sinne von schnell wechselnden Interessen), was ich alles heute immer noch bin :zwinker:), aber sowas wird nur bei psychischen Untersuchungen erkannt, und ich bin niemals psychisch untersucht worden.
    Aber richtig fing das ganze erst mit der Pubertät an. Da kamen die Attacken. Zunächst nur selten, dann häufiger. Bald kam ich hinter ein Schema- bei Hitze bin ich eher depressiv, bei Kälte eher manisch; und außerdem lernte ich, die Attacken vorher zu erkennen. Ein paar Minuten vorher werde ich immer rastlos, und ich beginne mir sehr viele Fragen zu stellen. Wenn der Anfall depressiv wird, beginnen diese Fragen eher mit "Warum mache ich...", wird er manisch, eher mit "Warum mache ich nicht...".
    Ich bin sehr froh, dass ich die Attacken vorher bemerke, denn dadurch kann ich noch rechtzeitig alle spitzen Gegenstände aus meiner Reichweite verbannen (das ist ein anderes Kapitel der Krankheit, aber dazu später).

    Jedenfalls waren die Anfälle zunächst ziemlich selten, dann wurden sie häufiger. Begleitet wurde und wird die Krankheit von massiven Schlafstörungen, die aber nicht immer die gleichen sind. Im Augenblick stecke ich in der Alptraum- Phase: Ich träume immer so schlecht, dass ich meinen Schlaf nicht mehr als erholsam empfinden kann. Es gab auch genug andere Sachen, die ich in der Beziehung mitgemacht habe- dreimal in der Nacht aufwachen, ganze Nacht wachliegen, zu früh aufwachen etc..
    Im Augenblick ist es wahnsinnig heiß, und dementsprechend häufig sind meine depressiven Anfälle.

    Ich habe jahrelang mit der Krankheit gelebt, ohne dass sie wirklich erkannt wurde- von niemandem außer mir. Dass mit mir etwas nicht stimmt, war mir ziemlich lange klar, die Richtung manisch- depressiv hatte ich auch schon vermutet. Aber ich habe furchtbare Angst vor Ärzten. Deshalb bin ich nie zu einem gegangen und ahbe nie jemandem von meiner Krankheit erzählt. Meine Freunde kannten mich alle als sehr spontan, überschwenglich, launisch, optimistisch und überschäumend vor Ideen. Sie haben nie wirklich was gemerkt, weil ich mich in Anfällen immer zurückgezogen habe- und Stimmungsschwankungen waren sie bei mir ja sowieso gewöhnt.

    So ging das ungefähr drei Jahre lang, bis ich fünfzehn war. Dann hatte ich eine Phase von ganz extremen Schlafstörungen- und da hat ein aufmerksamer Lehrer bemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt. Er hat mir alles ins Gesicht geklatscht- ich würde abgespannt und müde wirken, könne mich nicht konzentrieren, ich wirke abwesend und lethargisch. Wie sollte ich auch anders- bei durchschnittlich drei Stunden Schlaf die Nacht?
    Und da konnte ich einfach nicht mehr. Ich hätte fast angefangen zu heulen. Ich saß da und stammelte nur noch "Ich kann nicht schlafen... Ich kann nicht schlafen...", immer wieder. Und irgendwann brach dann alles aus mir heraus, mein komplettes Seelenleben, und als ich fertig war und mich bemühte, die Tränen zu unterdrücken, sagte mein Lehrer ganz ruhig, ich sei manisch- depressiv und solle einen Arzt aufsuchen. Er hat mit mir noch eine ganze Weile über die Krankheit geredet- und von ihm habe ich das schönste und treffendste Gleichnis überhaupt gehört:

    <BLOCKQUOTE><font size="1" face="Verdana, Helvetica, sans-serif">Zitat:</font><HR>"Die Stimmung jedes Menschen gleicht einem See. Manche Seen und damit Menschen sind fast immer spiegelglatt. Sie bewegen sich die meiste Zeit in einer Phase von Zufriedenheit, und wenn sie traurig sind, hält sich die Trauer in Grenzen, wenn sie fröhlich sind, die Fröhlichkeit auch. Trauer und fröhlichkeit sind bei ihnen nur kaum wahrnehmbare Wellenberge und Wellentäler auf einer ansonsten spiegelglatten Oberfläche.
    Dann gibt es die launischen Menschen, zu denen du wohl gehörst. Ihr See befindet sich fast immer in Aufruhr. sie sind selten einfach nur zufrieden, sondern entweder glücklich oder traurig. Nur glücklich geht einfach nicht, denn auf jeden Wellenberg folgt ein Wellental. Und die Wellen sind hoch bei diesen Menschen, was zur Folge hat, dass das Wellental umso tiefer ist.
    soweit ist noch alles in Ordnung. Die glatten und die welligen Menschen können beide problemlos glücklich leben. Man könnte sagen, die Kraft, die die Wellen verursacht, ist die Phantasie- spiegelglatte Menschen sind häufig sehr phantasielos, wohingegen sie gut rational denken können.
    Aber diese Wellen können auch zu hoch schlagen. Und genau das bedeutet, dass der Mensch manisch- depressiv ist- er sackt zu tief ab und wird gleich darauf wieder zu hoch nach oben geschleudert. es sind nichts als zwei Seiten einer Münze."[/quote]

    Oh Gott, er hatte mit seinen Worten so recht!
    Es sind nichts als zwei Seiten derselben Münze.

    Wenn ich ganz unten bin, hasse ich mich. Wer mich kennt, als fröhlichen, selbstbewussten und optimistischen Menschen, kann es sich kaum vorstellen, aber ich hasse mich! Ich weine. Wenn ich mit jemandem rede, dann viel langsamer, als ic hes sonst tue. ich halte mich für völlig wertlos, und meine Gedanken kreisen nur noch um Sinnlosigkeit und Selbstmord. "Warum mache ich..." Ja, warum mache ich? Warum existiere ich überhaupt noch? Was hat es für einen Sinn, dass ich mich jeden Tag zur Schule bewege? Was hat es für einen Sinn, dass ich meine ganze Kraft in die Schauspielerei investiere? Wozu bin ich überhaupt gut?

    Ich habe in so einer Phase noch nie bewusst einen Selbstmordversuch gestartet. Denn in einem depressiven Anfall kann ich erkennen, dass ich mich in einem depressiven Anfall befinde. Ich kann sagen, "Ruhig, es ist Teil deiner Krankheit". Ich kann zwar nicht wirklich glauben, dass es vorbeigehen wird, aber ich kann es mir soweit einreden, dass es mich vom Selbstmord abhält.
    Nein, bewusst habe ich mich in einer depressiven Phase noch nie verletzt. Aber ihr glaubt gar nicht, wie gefährlich das Unterbewusstsein werden kann! Ich muss meine Hände im Auge behalten, denn sonst schaden sie mir. Es darf keine Schere in der Nähe liegen, denn ich könnte sie mir greifen und mir die Arme aufritzen, während meine Gedanken woanders sind. Häufig merke ich erst nach einer Attacke, dass meine Beine blutig gekratzt sind. Das Unterbewusstsein ist verdammt gefährlich!

    Das sind die depressiven Attacken. Die manischen sind das genaue Gegenteil:

    Ich bin nicht wertlos, ganz bestimmt nicht, denn ich bin die geniale Schöpfung und Gottes Auserwählte, ich kann wirklich alles! Wenn ich wollte, könnte ich mich aus dem Fenster stürzen, es bestände keine Gefahr für mich, denn wenn ich nur fest genug daran glaube, werde ich fliegen. Ich kann nicht mehr stillstehen, renne nur noch von einem Fleck zum anderen, spreche schnell, lache viel und hysterisch. Ich will auf den höchsten Berg klettern und durch das tiefste Meer schwimmen.
    Teilweise stimmt das mit der Genialität sogar. Denn in diesen Anfällen blüht meine Kreativität besonders auf: ich sitze starr vor der Schreibmaschine, ein Gedicht nach dem anderen, ich komponiere, ich male, und ich finde alles toll, was ich mache. Ja, am Anfang ist es sogar noch ein großartiges Gefühl, alles zu können! Doch irgendwann kommt dann die Erkenntnis: Was bringen dir deine unglaubliche Energie, deine übermäßige Kreativität und deine riesigen Fähigkeiten, wenn man dich nicht tun lässt, was du tun könntest?
    Das ist ein furchtbarer Moment. Es ist grausam, wenn man überzeugt ist, den Mount Everest besteigen zu können, und einem die realität dazwischenfunkt: Ohne Ticket lassen sie dich nicht ins Flugzeug, du darfst das nicht, weil man dich hier nicht weglässt...
    Und in dieser Erkenntnis möchte ich die Wände einschlagen und schreiend durch die Straßen rennen, aber das lässt man mich ja auch nicht tun...
    Und dann stellt sich die Frage: Was soll ich tun, um mir zu beweisen, dass ich lebe, wenn ich auf keine berge klettern und keine Ozeane durchschwimmen darf?!
    Jetzt kommt wieder das traurige Kapitel der Verletzungen ins Spiel. Ich brauche einen Beweis, das ich lebe, und frisches Blut, dass aus Wunden an meinem Körper herausquillt, begleitet von lebendigem Schmerz, ist für mich der beste Beweis. Wenn ich nicht alle spitzen Gegenstände vorher an unerreichbare Stellen verbannt habe, ritze ich mir ganz bewusst die Arme oder Beine auf. Ich gefährde niemals mein Leben, habe ja auch keinen Grund dazu. Nein, ich will nur das Blut sehen und den Schmerz spüren.
    Gut, dass ich Anfälle vorher erkenne- mit den fingernägeln kann man sich nicht soviele Wunden zufügen wie mit Scheren und Nadeln.


    Das ist mein persönliches Krankheitsbild. Und wisst ihr was? Ich bin noch nichtmal extrem krank, wie mir der Arzt gesagt hat, bei dem ich später doch noch war... Ich bin momentan nichtmal behandlungsbedürftig krank (man könnte mich behandeln, ist aber nicht zwingend nötig), weil ich mich unter Kontrolle habe- siehe vorher-merken-und-spitze-Gegenstände-auf-den-Schrank-werfen.
    Das möchte ich auch dir tröstend sagen, Zelda: deine Krankheitsform ist keine extreme! Es gibt Manisch- Depressive, die bewegen sich nur nochvon Attacke zu Attacke und kennen überhaupt nichts mehr zwischen "Ganz oben" und "Ganz unten". Und es gibt Menschen, deren Attacken über mehrere Wochen anhalten!
    Ich habe gelernt, glücklich zu sein, dass es mich nicht schlimmer erwischt hat, und teilweise kann ich meine Krankheit inzwischen auch als Kompliment sehen: Soviele berühmte Künstler sind (waren manisch- depressiv, deshalb auch der Volksmund- Name "Künstlerkrankheit", und gewöhnlich werden nur phantasievolle Menschen davon befallen. Und da Phantasie für mich einen großen Wert hat, ist die Krankheit teilweise ein Kompliment. Ich bin eben so, und ich bin gut, wie ich bin, und die Krankheit wird mich niemals unterkriegen. Sie ist ein Teil von mir, mit dem ich leben muss, und in meiner üblichen optimistischen Sichtweise rede ich mir ein, dass die krankheit zeigt, dass ich so bin, wie ich sein will.

    Der Beitrag war jetzt erstmal lang genug- Zelda, du hattest noch deine Beziehung angesprochen. Dazu schreibe ich noch was- versprochen!

    So. Das war jetzt ein Vertrauensbeweis an euch. Ich glaube daran, dass niemand sich über mich lustig macht. Wenn das der Fall sein sollte, werde ich meinen Beitrag sofort löschen. Ich habe noch nie so vielen Menschen auf einmal so detailliert von meiner Krankheit erzählt, und ich vertraue euch!
     
    #4
    Liza, 30 Juli 2001
  5. Suzie
    Gast
    0
    Hi Liza!
    Über dich lustigmachen? GANZ BESTIMMT NICHT! Wieso denn auch?
    Im Gegenteil, ich finde es total mutig von dir, daß du uns allen genug vertraust, um uns von deiner Krankheit zu erzählen. Ich finde das gut, denn unter "manisch-depressiv" konnte ich mir eigentlich nie so recht richtig was vorstellen. Jetzt hab ich eine Vorstellung davon, was das bedeutet. Danke!
    Ich glaube, bei vielen Krankheiten wäre es auch für die Umwelt viel einfacher, damit umzugehen, wenn sie etwas darüber wüßte. Ich weiß das aus eigener Erfahrung - ist zwar bißchen was anderes, aber wir hatten mal einen Autisten in der Klasse. Der hat ziemlich verrückte Sachen gemacht, war teilweise auch aggressiv/gewalttätig und so überhaupt nicht wie in "Rain Man". Aber es war leichter, damit umzugehen und diese Krankheit zu verstehen, weil es jemanden (Lehrer, Betreuer des Autisten) gab, der uns erklärt hat, was diese Krankheit bedeutet - und vor allem auch, wie sich der Betroffene dabei fühlt.
    Ich denke auch nicht, daß irgend jemand darüber dumme Kommentare bringen wird. Und wenn doch - schmeißt ihn (oder sie) raus! Wer es nötig hat, sich über die Schwächen (oder Stärken? :zwinker :smile: anderer lustig zu machen, der hat's nicht anders verdient!
    Ich bewundere dich dafür, daß du mit deiner Krankheit so gut klarkommst und dich nicht unterkriegen läßt! - Ich glaube, nicht jeder wäre so stark!

    ganz, ganz liebe Grüße,
    Suzie
     
    #5
    Suzie, 30 Juli 2001
  6. Saarländer
    0
    Das hat mich jetzt richtig gerührt :smile: Da sag ich mal Danke für dein Vertrauen :smile:
    Was die Sache selber angeht, kann ich dazu natürlich nicht viel sagen - bin ja kein Psychiater. Hab davon überhaupt keine Ahnung.
    Aber ich mach mal was, was eigentlich nie verkehrt sein kann:

    *euchbeideindenArmnehm*
    :smile:
     
    #6
    Saarländer, 30 Juli 2001
  7. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
    2.206
    133
    47
    nicht angegeben
    So, da bin ich wieder. Keine Angst, dieser Beitrag wird nicht so lang wie das Horrorplädoyer davor... :zwinker:

    Wie habe ich es meinem Freund gesagt? naja, die Stimmungsschwankungen kannte er schon eine ganze Weile an mir. Und dann kam ein Punkt, der für ihn sicher sehr schmerzhaft war: Er hat mich depressiv erlebt. Zwar nur am Telefon, aber ich habe ihn so runtergezogen, dass er nachher nur noch am heulen war... :frown:
    Ich weiß nicht. Ich habe mit ihm telefoniert, und plötzlich merkte ich, dass ein Anfall naht, konnte aber nicht auflegen, weil er mir gerade etwas wichtiges erzählt hat. Und ich war so traurig. Er hat irgendwann gefragt, warum ich so schweigsam bin, da habe ich angefangen zu weinen, und er, völlig entsetzt, oh Gott, was ist denn jetzt los?! Da habe ich ihn unter Schluchzen gefragt, ob er mich liebt, das ungefähr dreimal, dann gesagt, dass ich das gar nicht glauben kann, weil ich so widerlich und abstoßend bin, dass ich am liebsten alle Spiegel zerschlagen würde... habe ihn gefragt, was ich denn überhaupt noch wert sei, habe ihm gesagt, dass mein Leben sinnlos ist... Irgendwann hat er geweint, und das einzige, was ich blöde Kuh dazu zu sagen hatte, war "Siehst du, allen schade ich immer nur, jetzt bist du auch so traurig und ich bin schuld, ich bin immer so gemein zu allen..." SEHR aufbauend, wirklich.
    irgendwann hatten wir das Gespräch beendet und ich mich etwas beruhigt, und am nächsten Tag fragte er mich dann ganz ernst, was eigentllich gestern Abend gewesen sei. Und da musste ich es ihm wohl oder übel erzählen.

    Inzwischen hat er die Krankheit als einen Teil von mir akzeptiert. Einmal habe ich ihn in einem manischen Anfall fast zusammengeschlagen, was mir heute noch leidtut. ich musste überschüssige Energie loswerden, und ich war so wütend auf ihn, weil ich mich auch von ihm eingesperrt fühlte. Ich weiß, dass ich im Grunde nichts dafür kann, aber ein schlechtes Gewissen habe ich trotzdem. Aber er hat wirklich supertoll reagiert: Er hat mich, während ich tobte, einfach gepackt und auf mein Bett gelegt, sich über mich gesetzt, mich festgehalten (damit ich ihn nicht mehr schlagen konnte) und immer wieder gemurmelt, ich solle mich beruhigen, während ich ihn angeschrien habe. Nach einer Dreiviertelstunde war es vorbei, und ich habe mich bestimmt 100.000mal entschuldigt.
    Letztens hat er mich auch mal in einem depressiven Anfall erlebt, und da hat er mir immer wieder gesagt, es sei nur eine Krankheit, es würde vorbeigehen, und hat gleichzeitig meine Hände festgehalten, die immer wieder zu meinen Beinen wollten, um sie zu zerkratzen.

    mein Freund weiß seit gut einem halben Jahr von meiner Krankheit, und nach einer Gewöhnungsphase versteht er jetzt, damit umzugehen. Er hat sie einfach als Teil von mir akzeptiert und versteht es inzwischen, damit umzugehen- wenn ich ihm jetzt in einer depressiven Phase entgegenheule, er würde mich nicht lieben, und in einer manischen Phase an den Kopf knalle, er würde mich einsperren, dann weiß er, dass sich das nicht wirklich gegen ihn richtet.

    Dein Freund hat toll reagiert, Zelda- er wird bestimmt lernen, mit deiner Krankheit umzugehen. Und es ist gut, dass du es ihm gesagt hast, denn so weiß er, dass du nicht böse auf ihn bist und nichts gegen ihn hast, sondern sich die ganzen Stimmungsschwankungen allein in deinem Kopf abspielen. Meine Beziehung ist daran nicht zerbrochen- und der Reaktion deines Freundes zu urteilen nach, wird eure deswegen auch ganz bestimmt nicht auseinandergehen!

    Wenn du Lust hast, Erfahrungen austauschen willst oder so kannst du mir ja mal 'ne PN oder 'ne Mail (Liza@planet-liebe.de) schreiben... :smile:

    Liza
     
    #7
    Liza, 30 Juli 2001
  8. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
    2.206
    133
    47
    nicht angegeben
    Die Antworten, die in der Zwischenzeit gekommen sind (Suzie und Saarländer), habe ich erst jetzt gelesen, und ich möchte dazu eigentlich nur noch eines sagen:

    Danke.

    Würde mich freuen, wenn sich noch weitere Betroffene melden, wenn es hier noch welche gibt!
     
    #8
    Liza, 30 Juli 2001
  9. Kimsy
    Gast
    0
    Hallo ihr Lieben!

    Ich bin neu hier, habe aber das gleiche Problem wie ihr beiden :geknickt:
    Ich möchte mich allerdings nicht zu Einzelheiten äussern, mein Verhalten ist ähnlich Liza´s.

    Habe eher eine andere Frage.
    Meinem Ex-Freund habe ich nie erzählt, dass ich manisch-depressiv bin und daran ist die Beziehung letzendlich gescheitert nach 2 Jahren :frown:

    Er hat mich nie gefragt warum ich so bin, warum ich einige Dinge mache und ich habe mich auch leider nie getraut mit ihm über mein Problem zu reden. Ich habe ihn wahnsinnig oft, völlig grundlos fertig gemacht, dies nicht nur verbal. Nach ca. einer halben Stunde war solch ein Anfall meist vorbei, ich war nicht mehr wütemd auf ihn, nichts, im Gegenteil, ich war plötzlich superglücklich, hätte die ganze Welt umarmen können. Er sah das allerdings, verständlicherweise, ein wenig anders. Leider hat er nicht so gut reagiert wie dein Freund, Liza. Er hat gerade zu mitgemacht, mich angeschrien und mir weh getan. Er verstand nie was mit mir los war, aber ich konnte es ihm nicht sagen. Einerseits weil ich mich dafür schäme, selbst nicht damit zurechtkomme und Angst hatte, er würde mir nicht glauben oder mich nicht verstehen können :frown:
    Allerdings kam er auch mit vielen anderen Situationen nicht klar. Ein Beispiel wäre, als wir im Winter einmal Eislaufen waren, war ich einen Abend mal sooo gut gelaunt, habe mich regelrecht übernommen. Er schien nicht sehr glücklich zu sein, da er eher der ruhigere Part in unserer Beziehung war.
    Und an dem Abend, ganz plötzlich, ich weiß nicht warum, fing ich an zu heulen, ihn zu beschimpfen und um mich zu schlagen. Er brachte mich daraufhin nachhause und musste sich auf dem Weg dahin noch böse Beschimpfungen anhören.
    In letzter Zeit, vielleicht liegt es an der Hitze, denn mir geht es soweit gut, war ich oft sehr sehr depressiv und er konnte nicht mehr viel mit mir anfangen, vor allem nicht mit meinen Gewaltattacken.
    Er beendete die Beziehung. :cry:

    Aber nun zu meiner eigentlichen Frage!
    Seit wir nun kein Paar mehr sind, hat er den Kontakt abgebrochen und kümmert sich in keinster Weise mehr um mich. Ich überlege nun die ganze Zeit ob ich ihm von meiner Krankheit erzählen soll, nicht um ihn zurückzugewinnen, sondern einfach um sein Verständnis zu bekommen, vielleicht auch als eine Entschuldigung für das Verhalten in solchen Attacken.
     
    #9
    Kimsy, 30 Juli 2001
  10. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
    2.206
    133
    47
    nicht angegeben
    Das ist nun eine Entscheidung, die alleine bei dir liegt...

    Ich glaube nicht, dass es deinem Exfreund viel bringen würde, wenn du ihm von deiner Krankheit erzählst. Diese Beziehung ist ein abgeschlossenes Kapitel, und wenn ihr nochmal neu anfangen würdet, würde die ganze Sache bald wieder scheitern- sein Wissen um deine Krankheit würde nichts an deinem Verhalten ändern, und das ist es nunmal, womit er nicht klar kommt.

    Die Frage ist eher: Würde dir das helfen? Würde dir das Gefühl helfen, dass er weiß, warum du so mit ihm umgesprungen bist, und dass es dir leid tut?

    Ich denke mal, du hättest dann zumindest ein besseres Gefühl. Tu es doch einfach! Schreib ihm vielleicht einen Brief, in dem du alles erklärst, aber auch erwähnst, dass dies kein Versuch ist, ihn zurückzubekommen, sondern nur eine Erklärung und Entschuldigung. Was hast du denn schon zu verlieren? Entweder ist seine Reaktion positiv, und du kannst in dem sicheren Gefühl leben, dich entschuldigt zu haben.
    Oder er antwortet nicht- dann ist es nicht anders als jetzt.
     
    #10
    Liza, 31 Juli 2001
  11. Zelda
    Gast
    0
    Hallo Ihr lieben!!!
    Ich möchte mich einfach mal bei Euch bedanken. Es ist so klasse das endlich mal jemandem erzählen zu können und wirklich ernste Antworten zu bekommen. Ganz besonderen Dank an Liza :smile:
    Ich denke ich habe dieses Thema mit meinem Schatz geklärt und weiß...ich bin mir sicher....das wir das zusammen locker schaffen.
    Danke
    Zeldi
     
    #11
    Zelda, 31 Juli 2001

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