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Mein Leben ist eine einzige Hiobsbotschaft

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von VelvetBird, 24 Februar 2010.

  1. VelvetBird
    Gast
    0
    Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen einen Tag, da war ich 13 und mein Vater kam völlig aufgelöst von einem Arztbesuch nach Hause. So hatte ich ihn noch nie gesehen. Er versuchte kühl und sachlich zu bleiben, als er ins Elternschlafzimmer ging, um seine Tasche zu packen und mir sagte, er müsse sofort ins Krankenhaus, er hätte Lungenkrebs. Er warf noch vor meinen Augen seine angebrochene Zigarettenpackung und das Feuerzeug in den Mülleimer. Er war Kettenraucher und rauchte zu diesem Zeitpunkt schon lange locker 2 Schachteln pro Tag, manchmal mehr.

    Damals brach für mich eine ganze Welt zusammen. 3 Jahre zuvor hatte ich bereits meinen Bruder verloren, der schwer drogenabhängig war. Und nun war ich kurz davor auch meinen Vater zu verlieren, weil auch er sich mit Drogen, wenn auch legalen, vergiftet hatte.
    Für meine Mutter und mich war das eine ganz schlimme Zeit, aber wir schafften es, über sie hinweg zu kommen. Mein Vater wurde operiert, überstand die OP gut und wurde wieder gesund.

    Durch die Probleme meines Bruders kam es dazu, dass wir zu diesem Zeitpunkt bereits hoch verschuldet waren (wie es genau dazu kam ist eine zu lange Geschichte, möchte nicht darauf eingehen). Seitdem waren wir eigentlich ständig in finanziellen Schwierigkeiten.
    Das geht so weit, dass ich sämtliche Geldanlagen und Konten von mir plündern musste, sämtliches Geld, das mir meine Eltern mühevoll angelegt hatten, damit ich eine unbeschwertere Zukunft haben könnte. Nun bin ich pleite und bange jeden Monat darum, ob und wie ich meine Miete bezahlt bekomme. Meine Eltern können mich finanziell einfach nicht mehr unterstützen, sie sind ja selbst kurz vorm Ertrinken.

    Aber der Hauptgrund, weshalb ich diesen Thread eröffnet habe, ist meine Mutter.
    Sie kam letzte Woche ins Krankenhaus, da sie weder selbstständig aß, noch konnte sie plötzlich mehr laufen, sie konnte sich kaum auf den Beinen halten. Sie wirkte plötzlich verwirrt, hat wirres Zeug geredet und sich an wichtige Dinge gar nicht mehr erinnert. Vor 3 Tagen meinte sie am Telefon zu mir, so konnte nicht schlafen, weil im Zimmer große Tiere waren (und sie meinte keine Insekten).
    Meine Mutter war schon immer depressiv, war deswegen aber nie in Behandlung. Seit dem Tod meines Bruders wurde es noch schlimmer. Seit dem Krebs meines Vaters hat sie auch das Rauchen aufgegeben, zumindest offiziell. Ich weiß, dass sie ab und an noch raucht. Und ich glaube, dass sie ein Alkoholproblem hat, denn ich habe sie mehrfach dabei "erwischt", wie sie heimlich auch harten Alkohol getrunken hat und es dann noch geleugnet hat, obwohl es offensichtlich war.
    Jedenfalls war ich so wütend auf sie, als sie ins Krankenhaus kam. Ich warf ihr vor, dass sie eh nicht mehr leben will, dass sie doch mit Absicht das Essen verweigere. Dass sie angeblich nie Appetit habe, aber für Alkohol wäre immer noch Platz. Dass man sich bei so einer Mutter nicht wundern muss, wenn der Sohn drogenabhängig wird.
    Ich weiß, dass ich sie damit sehr verletzt habe. Ich konnte es aber einfach nicht zurückhalten, weil meine Mutter wirklich schon sehr lange schlecht bzw. gar nicht isst nd man ihr deutlich anmerkt, dass sie im Grunde kaum noch Lebenswillen hat. Ich habe mich von ihr im Stich gelassen gefühlt. Vielleicht bin ich vor dem Gesetz erwachsen, aber ich brauche meine Eltern. Und ich fühle mich schrecklich, wenn ich merke, dass meine Mutter nicht mehr leben möchte, ich fühle mich, als würde sie mich alleine lassen. Ich konnte nicht verstehen, warum eine Mutter keinen Lebenswillen hat, wenn ihre Tochter sie doch so braucht.

    Und nun bekamen wir heute die Nachricht: Meine Mutter hat wohl einen Hirntumor. Das ist auch der Grund ihrer Appetitlosigkeit und ihres gesamten Abbaus. Nicht der Alkohol.

    Ich fühle mich so beschissen. Dass ich meiner Mutter solche Dinge an den Kopf werfen konnte war einfach unter aller Sau.
    Ich weiß gerade nicht, was ich denken soll.
    Ich fühle mich verzweifelt, innerlich erstarrt. Ich würde gerne mit jemandem reden, aber ich wüsste nicht mal worüber.

    Ich musste das einfach irgendwo niederschreiben, meine Gedanken ordnen. Das ist ein Forum und auch wenn ich schon lange aktiv bin, kennt mich ja doch niemand, insofern macht es mir auch nichts aus, Persönliches zu schreiben.
     
    #1
    VelvetBird, 24 Februar 2010
  2. User 85918
    Meistens hier zu finden
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    nicht angegeben
    Fühl' Dich erstmal gedrückt. Das muss alles wirklich sehr schwierig für Dich sein.

    Wie sieht es denn aus mit dem Tumor deiner Mutter? Wie stehen die Chancen, dass sie es schafft? Vielleicht ist es ersteinmal wichtig, diese Hürde zu überstehen, um dann die anderen Probleme anzugehen.

    Was das Alkoholproblem betrifft. Mein Vater ist seit 20 Jahren Alkoholiker und hat mindestens sechs vergebliche Entziehungstherapien hinter sich, du wirst ihr leider nicht helfen können, auch nicht indem du sie immer wieder darauf hinweist, dass sie ein Problem damit hat. Sie wird es nur daraus schaffen, wenn sie selbst einsieht, dass sie ein Alkoholproblem hat. Auch mein Onkel ist seit 20 Jahren trockener Alkoholiker, er betreut auch eine Gruppe anonymer Alkoholiker, ich habe mehrmals mit ihm schon über dieses Thema gesprochen, vorallem auch, weil die Mutter einer Freundin ein Problem damit hat und er erklärt es mir immer so, dass Menschen die ein Alkoholproblem haben den Alkohl als besten Freund in ihrem Leben sehen und sie versuchen sich diesen von nichts und niemanden nehmen zu lassen. Somit werden Gespräche leider nichts bringen, wenn sie nicht einsieht, dass dieser "Freund" in der Flasche in wirklichkeit nicht ihr Freund sondern eher der Feind ist.

    Zu den Depressionen: du sagst, sie hat diese schon lange und hat sich deswegen nie in Behandlung begeben. Weißt du, ob sie explizit eine Behandlung ablehnt oder ob sie sich einfach nicht aufraffen kann einen Therapeuten aufzusuchen?
     
    #2
    User 85918, 24 Februar 2010
  3. capricorn84
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    Verheiratet
    :knuddel: Oh mann das ist ja hart! Sag deiner Mama dass es dir leid tut dass du das gesagt hast, ich denke sie wirds verstehen!
     
    #3
    capricorn84, 24 Februar 2010
  4. CCFly
    CCFly (36)
    live und direkt
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    Verheiratet
    hey du, lass dich erstmal knuddeln. Bild wurde entfernt
    ist ja ne fiese geschichte, mit deiner familie. man wundert sich, dass wenn es so scheint, als wäre man am boden, dann doch noch ein stück sinken kann. ja, das kann man leider immer. es war sicher ein wenig krass, was du zu deiner mutter gesagt hast, aber du wusstest es ja nicht besser. hast du dich entschuldigt? mach es. nehm sie in den arm, sag du hast überreagiert. sag, du hast angst, alleine dazustehen, wenn keiner mehr da ist. sag, dass du sie brauchst. wie geht es deinem vater jetzt? wie verkraftet er das mit deiner mutter? krebs wächst ja gerne dort, wo hoffnungslosigkeit herrscht. viele bekommen nen rückschlag, wenn es wieder bergab geht. sei auch für deinen vater da. rede mit ihm darüber. als du die symptome deiner mutter aufgelistet hast, kam mir das schon bissl spanisch vor. ich hätte mindestens auf schlaganfall getippt, vor allem wegen verwirrt sein und halluzinationen. aber das is ja noch ne ecke fieser. wenn du reden willst, ich bin da. per pn. ich denk an dich.
     
    #4
    CCFly, 24 Februar 2010
  5. brainforce
    brainforce (33)
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    Single
    unabhängig von dem Gehirntumor (bei dem du und dein Vater ihr sicher beisteht):

    In eurer Familie gabs wohl in der Vergangenheit gewaltige Probleme und Schicksalsschläge zu verarbeiten die sich auch heute und zukünftig noch auswirken. [Tod (?) des Bruders, damit verbundene große finanzielle Probleme sowohl bei dir als auch bei den Eltern, Lungenkrebs beim Vater, Depressionen deiner Mutter - und aktuell nun Gehirntumor bei deiner Mutter verbunden mit einer evtl. vorhandenen Alkoholsucht].

    Sorry aber soviele Sachen kann niemand alleine verarbeiten! Ohne wenn und aber würde ich für jeden von euch einen Psychologen empfehlen oder eine "Familientherapie" o.ä.; auch bzgl. der "unverschuldeten" Finanzprobleme gibt es in eurem Fall sicherlich (Schuldner)-Berater bzw. Anlaufstellen "Caritas" andere "Hilfsorganisationen", Selbsthilfekreise etc.
     
    #5
    brainforce, 24 Februar 2010
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  6. VelvetBird
    Gast
    0
    Ich danke euch für eure Antworten und eure lieben Worte.
    Ja, ich hatte mich schon bei meiner Mutter entschuldigt. Allerdings weiß ich nicht, wie viel sie davon noch weiß. Ich habe eben mit ihr gesprochen und sie weiß z.B. gar nicht mehr, was sie zu Mittag gegessen hat.

    Sie hat sich schon immer geweigert, in Therapie zu gehen. Sie war immer der Ansicht, dass jeder "mal depressiv" ist und man deshalb nicht zum Arzt geht. Aber bei ihr ist das nicht "mal". Ich weiß nicht mal mehr, wann ich sie das letzte Mal habe lachen sehen. Ist jedenfals Jahre her. Viele Jahre.

    Meinem Vater geht es nicht so gut. Er ist vorhin am Telefon in Tränen ausgebrochen, das kenne ich sonst nicht von ihm. Sie sind immerhin seit 48 (oder 47?) Jahren verheiratet, da steckt man so eine Nachricht nicht so einfach weg.

    Dankeschön, ich weiß das sehr zu schätzen.

    Ich dachte auch zuerst an einen Schlaganfall, aber dafür war der ganze Prozess dann doch zu schleichend. Wir werden versuchen, morgen mal mit einem Arzt zu reden, wie es jetzt weitergeht.

    Mein Vater ist der Ansicht, dass es schäbig sei, um Hilfe zu bitten. Deswegen hat er auch einen Termin mit dem Sozialamt platzen lassen, den ich ihm gemacht hatte, weil er nicht den Mut hatte, da anzurufen. Ich weiß, wie irrational das ist, aber er wird sehr sicher wegen der finanziellen Schwierigkeiten keine Hilfe in Anspruch nehmen wollen, darüber haben wir schon so oft gesprochen (und gestritten).
    Eine Therapie würde er, ebenso wie meine Mutter, mit Sicherheit ablehnen. Er spricht immer recht abfällig über Menschen, die psychische Hilfe in Anspruch nehmen. Noch dazu würde er da keine Notwendigkeit sehen, denn "starke Menschen" können alleine mit ihren Problemen fertig werden und er sieht sich als stark.

    Es ist irgendwie kein schönes Gefühl, wenn man die eigene Mutter nicht mehr erkennt, weil sie sich so verändert hat. Wenn sie ständig alles vergisst, wirres Zeug erzählt und felsenfest davon überzeugt ist, sie würde die Wahrheit sagen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so früh schon abbauen würde.
     
    #6
    VelvetBird, 24 Februar 2010
  7. brainforce
    brainforce (33)
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    Single
    Klingt zwar jetzt sch... - aber wenn sie diese Denkweise an den Tag legen sind sie zum Teil auch selbst schuld an den fortlaufenden Miseren (damit mein ich natürlich nicht die Krankheiten).
    Und solange sie die bestmögliche Hilfe ablehnen kann es m.M. noch nicht schlimm genug sein! Insofern würde ich an deiner Stelle einen Gang zurückschalten mit deinem Mitgefühl - du jedenfalls hast wohl so ziemlich alles versucht was zu versuchen ist... Klar die Mutter mit ihrer Krebserkrankung könnt ihr auch ohne äußere Hilfe unterstützen - aber was das Finanzielle angeht bzw. die Depressionen und Alkoholsucht deiner Mutter - das kann nur professionell von außen angegangen werden - aber erst wenn deine Eltern das einsehen.
     
    #7
    brainforce, 24 Februar 2010
  8. Orgasmusmaus
    Öfters im Forum
    574
    53
    36
    vergeben und glücklich
    Schau zu, daß wenigstens Du Dir helfen läßt, auch psychisch. Sonst wird es irgendwann einmal zu viel für Dich werden. Und vergiß`nicht, nichts passiert umsonst und nach jedem Schicksalsschlag wirst Du stärker denn je daraus hervorgehen. Laß` den Kopf nicht hängen !
     
    #8
    Orgasmusmaus, 24 Februar 2010
  9. Rin
    Rin (23)
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    3
    nicht angegeben
    Ich habe die Antworten nicht alle durchgelesen, aber das wichtigste vor allem ist es wohl, dich bei deiner Mutter zu entschuldigen. Es ist mehr als klar, wie sehr du es bereust
    Das nächste wurde hier schon geraten: Rede. Rede mit Freunden, mit anonymen Anderen (zB die PLer), mit einem Arzt/Psychologen usw.
    Zuguterletzt: :knuddel:
     
    #9
    Rin, 24 Februar 2010
  10. User 75021
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    988
    Verheiratet
    Das tut mir alles schrecklich leid für dich/euch-fühl dich mal feste gedrückt :knuddel:

    Deine Mutter kann sich im Moment an vieles nicht erinnern, deshalb denke ich es bringt auch nicht viel wenn du dich jetzt nochmal entschuldigst-verschiebe das auf später, wenn es ihr besser geht (was ich hoffe!).

    Du kannst ihr auch zeigen, das du die Worte bereust und es dir leid tut, indem du für sie und deinen Vater da bist.
    Wohnen deine Eltern weit weg? Hast du die Möglichkeit deine Mutter regelm. im KH zu besuchen? Hast du die Zeit und Kraft deinen Vater etwas zu unterstützen?
    Wenn ja, dann tu das und hol dir Hilfe von deinem Freund/gute Freundin oder auch andere Familienmitglieder sofern vorhanden. Sowas muss und kann niemand alleine durchstehen.
    Geh zu deiner Mama wann immer du es schaffst, setze dich in ihr Bett und halte einfach ihre Hand. Auch wenn sie Worte vergisst und vieles nicht wahr nimmt, sie wird spüren das DU da bist.
    Sei für deinen Vater da, es wird bestimmt hart und nimm evtl "böse Worte" bitte nicht ernst. Aus meinem Beruf kenne ich die Probleme der Angehörigen sehr gut. In so belastenden Situationen kann es sein das man mal Dinge sagt, die nicht so gemeint sind. Dein Vater wird bestimmt total überfordert und endlos traurig sein...sei einfach nur für ihn da, weint gemeinsam und leg nicht jedes Wort auf die Goldwaage (nur so als Tip).

    Am wichtigsten ist jetzt, das ihr zusammen haltet und deine Mama gegen den Tumor ankämpft.
    Über die Depressionen und andere Probleme (dein Schuldgefühl) könnt ihr dann sprechen, wenn es ihr wieder besser geht.
    Ich denke das ist zuviel, wenn man gleich alle "Baustellen" auf einmal
    bearbeiten will.
     
    #10
    User 75021, 25 Februar 2010
  11. donmartin
    Gast
    1.903
    :knuddel:

    Off-Topic:
    Denke nun zu Allererst an Dich selber. Alles Andere ist ja gesagt worden. Wenn es sich auch sehr kalt und hartherzig liest, was ich schreibe, ich finde du machst es schon richtig. Denn Du, dein Vater und viele Andere wissen, was auf euch zukommt mit aller Konsequenz. Das ist sehr hart und tut sehr weh. Aber es ist der Lauf der Dinge, beeinflussen kannst du es nicht ohne Dich nicht selber an den Abgrund zu bringen, du (ihr) könnt euch damit auseinandersetzen und auf eine schwere Zeit vorbereiten, ohne die Hoffnung aufzugeben, dass sie - und das wünsche ich Ihr/Euch natürlich auch - wieder gesund wird.


    Off-Topic:
    Ich habe mich damals mit einem Kuss von meiner Mutter verabschiedet, es war zuvor alles gesagt und bin dann nicht mehr bei ihr gewesen, bis die Nachricht kam, dass sie gestorben war. Aber ich persönlich hatte den Abschluss gefunden, hatte Akzeptiert, nicht verdrängt.
     
    #11
    donmartin, 25 Februar 2010
  12. BrooklynBridge
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    nicht angegeben
    Hey Nuvola,

    das tut mir leid, und ich hoffe wirklich auf den bestmöglichen Ausgang!
    Ich würde dennoch mit Fingerspitzengefühl, aber beharrlich, deinen Vater überzeugen, dass er sich Hilfe suchen sollte. Vielleicht braucht es da auch direktere Worte (du kennst deinen Vater am besten), aber Menschen sind nunmal keine Einzelgänger, sondern stark in der Gemeinschaft.
    Und deine Mutter... das ist natürlich auch sehr hart, sie so zu sehen. Rufe dir Bilder vor Augen, wie du sie am schönsten, liebevollsten, glücklichsten erlebt hast. Und nehme es dir nicht zu Herzen, wenn sie mal abweisend oder besserwisserisch oder so ist. Das kommt nicht wirklich von ihr.

    Alles alles Gute!!!
     
    #12
    BrooklynBridge, 25 Februar 2010
  13. User 75021
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    Verheiratet
    Aber nicht JETZT. Ich denke das wäre zuviel.
    Erst mal muss er den Schock verarbeiten und Nuvolas Mutter wieder auf die Beine kommen. Vorher bringt das nichts.
    Ich würde damit warten und mich um den aktuellen Zustand der Mutter kümmern.

    Noch ein kleiner Tip:
    Wenn deine Mutter wirres Zeug redet, komische Dinge sieht (Wahnvorstellungen) etc dann redet ihr das nicht aus! Ihr könnt sie beruhigen, ihr sagen das die Dinge (glaub es handelte sich um Tiere?) nicht da sind, wenn ihr zu Besuch seid-aber ihr müsst sie ernst nehmen.
    Sie sieht die Dinge, für sie ist es real und wenn dann jemand kommt und sagt "aber da ist doch nix", verwirrt sie das noch mehr.
    Ich weiß, das ist nicht einfach und man fühlt sich manchmal etwas blöd wenn man die Person "anlügt" und ihr dann recht gibt, aber aus meiner Arbeit mit Dementkranken weiß ich das es das beste ist.

    Wir haben eine Patientin (bettlägerig) die Depressiv ist und unter Wahnvorstellungen leidet. Zudem ist sie dement, kann sich aber verbal äussern.
    Sie sieht Tiere, die in ihr Bett kommen und überall rumkrabbeln-aber diese Tier sind nicht da wenn ich da bin. Ich habe ihr gesagt das die Tiere scheu sind und immer verschwinden wenn ich komme.
    Dann fahren an der Decke "die kleinen Biester mit ihren Wagen rum und machen sie schmutzig". Ich sage ihr dann das wir den Schmutz jetzt abwaschen.
    Gestern meinte sie das die Nachbarn Autoreifen in der Wohnung verbrennen (sie wollte rübergehen und sich beschweren-wie gesagt, die Dame ist bettlägerig!). Sie beschwerte sich über den Gestank, sie roch Qualm und weinte. Ich habe ihr dann ein Tuch gegeben, das sie vors Gesicht halten soll damit sie den Qualm nicht mehr riecht-und siehe da, es hat geholfen.
    Man muss halt nur krativ sein.
     
    #13
    User 75021, 25 Februar 2010
  14. Tinkerbellw
    Meistens hier zu finden
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    nicht angegeben
    Hallo Nuvola, kann nachfühlen wie du dich fühlst bei meiner Mutter wurden im November auch mehrere Hinrmetastasen diagnostiziert.
    Wie sehen denn ihre Chancen aus, kann man den Tumor bestrahlen oder zu operieren?
    Mit einer Person umzugehen, die man nicht mehr für alles verantwortlich machen kann, was sie tut ist wirklich schwer. Man sieht den geliebten Menschen und muss immer wieder schlucken, wenn sie so selbstverständliche Dinge nicht mehr kann , wie sich an das Mittagessen oder ihr Alter zu erinnern. Gibt es denn keine Seelsorger im Krankenhaus? Die Menschen dort sind doch dafür ausgebildet und können einem auch oft Anlaufstellen in so schweren Zeiten nennen. ich wünsch deiner Mutter und dir alles Gute und viel Kraft um erst einmal mit der Diagnose umzugehen!
     
    #14
    Tinkerbellw, 26 Februar 2010
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  15. VelvetBird
    Gast
    0
    Danke für eure Antworten!

    Mir geht es heute schon ein wenig besser. Der Tumor meiner Mutter ist aller Wahrscheinlichkeit nach gutartig.
    Sie wurde gestern in ein anderes Krankenhaus verlegt und bekommt nun Tonnen von Hormonen, weil die Rezeptoren im Gehirn für diese Hormone durch den Tumor nicht funktionieren. Gestern hatte sie zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Appetit, das war zuminest mal erfreulich.
    Operiert werden kann sie im Moment nicht, da ihr allgemeiner Zustand zu schlecht ist. Man wird in nächster Zeit abwarten, wie es sich entwickelt.
    Seelsorger gibt es bestimmt im Krankenhaus, aber meiner Mutter fällt das Sprechen im Moment sehr schwer und ich selbst mag ehrlich gesagt gar nicht reden. Solange ich etwas schreibe, so wie hier, ist es in Ordnung, weil ich dadurch einen gewissen Abstand zum Problem habe. Aber darüber sprechen möchte ich einfach nicht.

    @Tinkerbellw: Fühl dich gedrückt :knuddel:!
    Ich weiß, es ist wirklich schlimm, wenn ein geliebter Mensch so abbaut. Man fühlt sich hilflos, wütend, verzweifelt... und kann im Endeffekt doch nichts Anderes tun als für den Menschen da zu sein :geknickt:.
     
    #15
    VelvetBird, 27 Februar 2010
  16. Seeker2010
    Gast
    0
    Mein lieber Mann - das ist leider eine unerfreuliche Liste an Schlägen :frown:...

    Dann fühl dich auch zuerst mal vom ollen Seeker gedrückt!

    Das Schicksal scheint es da wirklich nicht allzu gut mit dir zu meinen, und du musst lernen, auch nur das Schicksal dafür verantwortlich zu machen. Das ist im Kopf immer ganz einfach, aber im Herzen sieht es da phasenweise immer anders aus...

    Natürlich weißt du, dass du deinem Vater, deiner Mutter, - schon gar nicht deinem Bruder - irgendwelche Vorwürfe machen kannst, - und doch scheinst du das in deinen Tiefphasen - immer wenn du gar kein Land mehr siehst - immer wieder mal zu machen.

    Eure Schicksalsschläge haben euch ja alle getroffen. Deinen Vater genauso wie deine Mutter - und dich haben sie natürlich auch getroffen. Jeder einzelne von euch hat das Recht, einzuknicken und auch mal Hilfe in Anspruch zu nehmen. Selbst wenn der Alkohol bei deiner Mutter ursächlich gewesen wäre, hätte man ihr das nicht vorwerfen können. Jeder hat sein persönliches Anrecht darauf, auch mal schwach zu sein!

    Das schließt dich selbst natürlich mit ein. Immer wenn du dich nicht in andere hineinversetzt, - in deinen Vater, oder in deine Mutter, - bist du wieder mit deinem eigenen Unglück konfrontiert. Dann kommen die Gefühle auf, dass du ja auch schwach sein können willst, - dass du auch Unterstützung brauchst und niemand ist wirklich da für dich, weil ihr alle gleichermaßen zu kämpfen habt.

    Natürlich kommen da Gedanken hoch, dass du im Stich gelassen wirst, dass deine Mutter stark sein soll und sich nicht in den Alkohol flüchten soll, dass sie Verantwortung tragen für dich - beide gleichermaßen. Du siehst deine eigene Schwäche und sagst zu recht, dass du deine Eltern noch als Stütze brauchst. Das sind die Momente, in denen auch mal Vorwürfe von dir kommen - in diesen Momenten, in denen du an dein eigenes Unglück denkst und eigentlich auch Hilfe bräuchtest.

    Dann schwenkt es wieder um, und dir wird bewusst, dass deine Eltern ja das selbe Schicksal zu tragen haben, - dass auch sie Hilfe suchen und alles verarbeiten müssen. Dann fühlst du dich wieder schlecht wegen deiner Vorwürfe, - insbesondere, wenn sie sich wie beim Alkohol bei deiner Mutter als unbegründet herausstellen.

    Jetzt ist sie kaum ansprechbar und verwirrt - und du hast auch Angst, dass sie deine Entschuldigung nicht erreichen könnte, dass sie schlecht von dir denkt, weil du so ungerecht warst.

    Langsam bist du aber auch als "Erwachsene" anzusehen. So sehr du deine Eltern noch als Hilfe und Stütze brauchen wirst, musst du dich mehr und mehr darauf einstellen, dass du für die Mehrzahl der kommenden Jahre eher eine Stütze für sie wirst sein müssen. Das ist ein Stück weit auch der Lauf der Dinge.

    Die hohe Anzahl von Schicksalschlägen spricht aber in der Tat dafür, dass ihr euch wirklich Hilfe holt - und zwar auch in den Phasen, in denen es euch besser zu gehen scheint, - damit du (ihr) auch wieder gerüstet seid für die Phasen, in denen euch die Folgen wieder überrollen.

    Du musst akzeptieren, dass ihr alle Hilfe braucht - deine Eltern gleichermaßen wie du selbst. Nicht nur im Kopf - sondern auch im Herzen damit aufhören, deine Eltern für diese Schläge verantwortlich zu machen, oder ihnen vorwerfen, warum sie nicht mehr für dich da sein können, - dich nicht so stützen und führen können, wie es im besten Fall zu erwarten wäre.

    In diesem Fall besonders schwer: Kopf oben halten und deinen Eltern zur Seite stehen, wann immer du kannst - und darauf hoffen, dass sie das Selbe für dich machen, wann immer sie das können.

    Grüße vom Seeker
     
    #16
    Seeker2010, 27 Februar 2010
  17. karlhugo
    karlhugo (35)
    Verbringt hier viel Zeit
    211
    103
    4
    Single
    Ich finde du solltest versuchen es 'positiv' sehen, sei froh darum, daß dein Vater den Lungenkrebs überlebt hat, die Chancen sind verdammt schlecht, mein Vater hatte nicht soviel Glück:schuettel:. Und wenn der Tumor bei deiner Mutter wirklich gutartig ist, sind die Chancen, daß sie wieder einigermaßen so wird wie früher, doch bestimmt nicht schlecht, oder?

    Deine Eltern sind 48 Jahre verheiratet und du bist erst 25, von daher schätze ich mal sie dürften mindestens Ende sechzig sein ? Ich nehme an, sie haben erst spät Kinder bekommen oder du bist das Nesthäkchen? So hart es auch klingen mag, du solltest dich darauf einstellen, daß du ziemlich lange ohne sie auskommen musst, mach das beste aus der Zeit, die ihr gemeinsam verbringen könnt:smile:.

    Sorry, für meine vergleichsweise unsensiblen Worte, aber ich bin kein Freund von so Sprüchen wie 'Das wird schon alles wieder, halb so wild', im Zweifelsfall hilft das kein Stück weiter, sondern die Enttäuschung wird ob der Realität umso größer. Also Kopf hoch:winkwink:.
     
    #17
    karlhugo, 28 Februar 2010
  18. User 48403
    User 48403 (47)
    SenfdazuGeber
    9.405
    248
    657
    nicht angegeben
    Fühl Dich erstmal gedrückt :knuddel:

    Auch wenn Du es im Moment anders siehst - im Grunde brauchst Du Dir eigentlich nichts vorzuwerfen. Die Umstände hatten sich nun mal unglücklicherweise so ergeben, dass Du sie verurteilt hattest. Man kann ja nicht alles im voraus wissen.

    Ich hoffe für Dich, dass es Deiner Mutter auch wieder besser geht und Du Dich dann bei ihr entschuldigen kannst - sofern sie es auch bewusst mitbekommt. Und ich denke mal, dass sie sicherlich die Entschuldigung annehmen wird.

    Alles Gute!
     
    #18
    User 48403, 1 März 2010
  19. VelvetBird
    Gast
    0
    Hallo und danke für eure Antworten :smile:!
    Ich wollte gestern erst mal nicht mehr antworten, da es mir recht gut ging und ich mich nicht von diesem Thread auf den Boden der Tatsachen zurückbringen lassen wollte.
    Meiner Mutter geht es langsam wieder etwas besser, die Hormone schlagen an und sie hat sogar richtig Appetit. Es ist ewig her, dass sie mal eine ganze Banane gepackt hat und gestern hat sie nach einer Banane sogar noch Trauben von sich aus gegessen :smile: (Sie wollte unbedingt Trauben und Erdbeeren, Erdbeeren habe ich aber keine bekommen). Und sie konnte (und wollte!) sogar wieder einige Schritte laufen, wenn auch mit Gehhilfe.
    Sie hätte gestern eigentlich doch operiert werden sollen, was dann aber doch nicht gemacht wurde, da sich die beiden Chirurgen, die darüber entscheiden, offenbar nicht einig sind :hmm:. Also haben sie ihr erst Frühstück gebracht, es ihr wieder abgenommen (weil: bei der OP soll sie nüchtern sein), sie zum Röntgen/MRT geschickt, sie 4 Stunden später dann doch wieder zurück auf's Zimmer gebracht, weil dann der andere Arzt ziemlich sauer die OP abgeblasen hat, weil er der Ansicht war, sie sei noch nicht fit genug für die OP (Frühstück hat sie dann keins mehr bekommen, war ja Mittagszeit).
    Man wird sehen, wie das weitergeht. Immerhin ist sie wieder so fit, dass sie sich über die Tratschtante, die mit ihr das Zimmer teilt und rund um die Uhr labert, beschwert :zwinker:.

    Das weiß man nicht so genau. Man weiß momentan nicht, ob ihr Zustand nur mit dem Tumor zusammenhängt (bzw. den Tumoren, es sind anscheinend doch 2, wobei einer weniger Probleme zu machen scheint) oder ob sie auch schon erste Anzeichen einer Altersdemenz zeigt.
    Eine OP ist auch nicht so einfach, da der eine Tumor recht nah am Sehnerv liegt. Dazu ist zu sagen, dass meine Mutter einseitig blind ist und eine Verletzung des Sehnervs ihres gesunden Auges für sie die absolute Katastrophe wäre.


    Ich danke euch jedenfalls für eure unterstützenden Worte.
    Auch wenn ich nicht auf alle Beiträge explizit eingehe, so habe ich sie doch alle gelesen und ich nehme sie mir auch wirklich zu Herzen.
     
    #19
    VelvetBird, 2 März 2010
  20. User 75021
    Beiträge füllen Bücher
    8.289
    298
    988
    Verheiratet
    Off-Topic:
    Aldi hat momentan Erdbeeren, schmecken zwar nicht so wie unsere richtigen Sommererdbeeren-aber deine Mutter wird sich bestimmt freuen
     
    #20
    User 75021, 2 März 2010

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