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Mein Opa.

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Ört, 1 April 2008.

  1. Ört
    Ört (29)
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Guten Abend.

    Ich habe am Freitag nachmittag erfahren, dass mein Großvater am morgen gestorben ist.

    Nicht nur, dass er die erste Person aus meiner Familie war, die gestorben ist, nein, er hat sich auch noch im Keller aufgehängt, weil er einfach nicht mehr konnte.

    Dazu kommt auch noch, dass meine gesamte Familie gerade in meiner Heimatstadt ist und ich hier in Hannover festsitze, weil ich arbeiten muss.

    Mein Problem momentan ist, dass ich verwirrt bin, ich weiß nicht, was ich fühlen soll oder darf oder muss.
    Natürlich, mein Opa war alt, es war klar, dass er irgendwann stirbt.
    Aber irgendwann ist nun einmal nicht JETZT.

    Ich habe ehrlich gesagt nicht das engste Verhältnis zu ihm gehabt, aber er war nun mal mein Opa, natürlich bin ich traurig.

    Aber ich bin auch ein wenig wütend auf ihn, wiel er so plötzlich den Tod in mein Leben gebracht hat. Wie oben schon gesagt, irgendwann müssen wir alle sterben, aber jetzt habe ich erst realisiert, dass das wirklich passiert.

    Meine Familie ist davor nicht gefeit, als nächstes könnten meine Eltern dran sein, meine Geschwister, Onkel, Tanten, meine verbliebene Oma, meine anderen Großeltern, Cousinen, Cousins, Freunde..... ich habe Angst, der Tod ist plötzlich so real.

    Außerdem habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich glaube ich nicht so traurig bin, wie ich eigentlich sein sollte.

    Ich mache mir solche Sorgen um meine Oma, sie ist auch 86 und weiß gar nicht mehr, wie ihr geschieht - sie kann nicht alleine bleiben! Natürlich geht es auch meinem Vater sehr schlecht, immerhin ist sein Papa tot.

    Ich bin gerade einfach so überfordert mit der ganzen Sache hier!

    Das musste einfach mal eben raus.
     
    #1
    Ört, 1 April 2008
  2. Delonnor
    Gast
    0
    Hallo!

    Was du fühlen musst, kann dir keiner sagen und auch keiner vorschreiben. Das du dabei völlig unterschiedliche Emotionen durchgehst ist, glaube ich, vollkommen normal. Ich bin vor 1,5 Jahren als meine Oma starb auch das erste mal mit den Tod direkt konfrontiert worden. Nach einer ersten Erleichterung (sie war sehr krank und musste nicht mehr leiden) kam dann eine Phase in der ich es komplett ignoriert habe und wieder mit meinen Kommilitonen rumgealbert habe. Da hatte ich auch wohl ein ähnlich schlechtes Gewissen (erst im Nachhinein...abends).
    Am Tag vor der Beerdigung war ich dann depressiv und während der Beerdigung war ich dann, natürlich, absolut un-ansprechbar und habe versucht mich irgendwie mit belanglosem Kram und Feiern abzulenken. Das hat natürlich nur mäßig funktioniert.

    Dass du früher oder später mit dem Tod konfrontiert werden würdest, schreibst du ja selbst, ist klar. Wie du mit seiner Entscheidung den Freitod zu wählen umgehen kannst, kann ich dir nicht sagen, da ich mich nur schwer in eine solche Lage versetzen kann. Zu glauben, dass deine anderen Verwandten bald sterben würden ist Quatsch. Das Hilft dir zwar nicht (und es tut mir auch Leid, dass so gesagt zu haben). Natürlich...jetzt wo du die Erfahrung oder die Angst "aus erster Hand" erfährst ist das alles sehr erschreckend. Als meine Oma starb war das nicht anders. Nach einer Zeit, wenn du wieder einen normalen Tagesablauf und die Trauer überwunden hast, wird auch diese Angst nach und nach "besser" oder zumindest weniger offensichtlich.

    Nochmal: Es gibt keine "richtige" Reaktion auf den Tod eines Familienmitglieds. Das du dir Sorgen machst ob deine Reaktion die Richtige ist, ist normal.
     
    #2
    Delonnor, 1 April 2008
  3. Ört
    Ört (29)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    Ich danke dir für deine Antwort. Dass es anderen Menschen ähnlich erging, ist mir, so scheiße es sich anhören mag, irgendwie eine Hilfe.
     
    #3
    Ört, 1 April 2008
  4. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    vergeben und glücklich
    Es gibt nichts, was Du fühlen sollst.
    Trauer so, wie DU es eben tust - und sei es vorerst das Gefühl der Wut oder der Enttäuschung. Trauern heißt nicht unbedingt, dass man traurig ist. Dazu gehört durchaus ein ganzes Spektrum an Gefühlen.

    Mir standen meine Großeltern auch nicht so besonders nah - ich war damals als Kind mit zehn ziemlich überrascht, dass ich dann bei der Beerdigung so weinen musste. Das war auch hauptsächlich, weil mir damals eben klar wurde, was der Tod bedeutet - dass er nicht fern ist, sondern Teil des Lebens ist. Hab ich damals natürlich so nicht formuliert. :zwinker:

    Die Umstände des Todes Deines Großvaters sind natürlich nochmal außergewöhlich. War er denn krank, dass er nicht mehr konnte? Oder musste er für seine Frau sorgen? Das musst Du natürlich nicht beantworten!

    Ich hoffe, der Arbeitstag geht für Dich mit Ablenkung einher und Du kannst den Tag ganz gut verbringen. Erwarte nicht von Dir, dass Du Bestimmtes zu fühlen hast, es gibt kein Richtig und Falsch, was das Verhalten nach einem Todesfall angeht - fühl, was Du fühlst.
     
    #4
    User 20976, 1 April 2008
  5. Jakob220357
    0
    Guten Morgen,

    ich kann meinen Vorredner hier nur zustimmen, keiner kann Dir vorschreiben wie Du dich zu fühlen hast, da jeder einfach anders trauert. Nun ist die Situation mit deinem Opa auch noch etwas Besonderes, weil er sich freiwillig vom Leben abgewandt hat. Vermutlich werden jetzt auch Gedanken laut, warum er diesen Schritt gemacht hat und sich mit den üblichen Gedanken zu einem Trauerfall vermischen. Als mein Opa mütterlicherseits starb, war ich noch sehr klein und habe das alles nicht so realisiert. Bei ihm war das auch eine schleichende Sache und ich kann mich noch erinnern, wie es ihm von Besuch zu Besuch schlechter ging. Mein Opa väterlicherseits starb erst vor wenigen Jahren und es war eine recht merkwürdige Situation. Er lebte in einer anderen Stadt und wir haben Ihn so auch seltener gesehen. Zusätzlich gab es aber schon lange Probleme mit der Familie meines Vaters. Mein Opa hatte an sich einen schönen Tod, er verstarb beim Mittagsschlaf und hatte wenige Tage zuvor seine ganze Familie noch einmal bei einem friedlichen Familienessen gesehen. Für mich war die Situation sehr merkwürdig, weil wenige Tage zuvor klar geworden war, dass sich meine Eltern scheiden würden. Es stand also diese Ehekrise im Raum und dann die plötzliche Nachricht vom Tode meines Großvaters.

    Auch hier war ich zuerst gar nicht so bestürzt. Sicherlich war ich traurig, aber es schwirrten zu der Zeit zu viele Gedanken durch den Kopf, dass dieser Todesfall mich nur etwas bedrückte als mich völlig aus der Bahn zu werfen. Wir sind dann alle in diese Stadt meines Opas zur Beerdigung gefahren, mein Vater war schon dort um Angelegenheiten zu regeln. Diese erste Beerdigung hatte mich eigentlich auch nicht wirklich erschüttert. Man hat viele Menschen getroffen, die man schon lange nicht mehr gesehen hatte und dieser ganze Ablauf hat eher meine Aufmerksamkeit angezogen. Es war auch einfach zu unwirklich, dass in diesem Holzkasten dort mein Opa drin liegen sollte. Mir kam das alles wie ein komischer, seltsamer Traum vor. Tränen hatte ich nur kurz in den Augen, in dem Moment als ich als direkter Angehöriger als einer der Ersten ans offene Grab getreten bin, um da so ein paar Blumen reinzuwerfen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich vermutlich erst realisiert, dass er da wohl wirklich drin liegt. Ansonsten war die Situation recht skurril und ich war vermutlich auch stärker damit beschäftigt, wie meine Eltern an dem Tag versuchten eine gute Miene zu bewahren.

    Abschließend kann ich Dir nur den Ratschlag geben, dass Du dir so wenig Gedanken wie möglich machst, ob Du richtig oder falsch fühlst. Ihr standet Euch nicht besonders nah und wenn Dir trotzdem die Worte fehlen, dann ist das auch völlig in Ordnung. Es wird dich vermutlich keiner fragen, wie traurig Du bist, sondern dies einfach jeder annehmen. Ich kann deine Sorgen natürlich verstehen, dass Du dir Gedanken machst, dass dieser Todesfall einer der ersten ist und andere irgendwann folgen werden. Diese Gedanken sind aber ganz normal und zeigen doch, wie wichtig Dir diese Menschen sind.

    Ich wünsche Dir daher alles Gute für die nächsten Wochen. Keiner muss sich in einer solchen Situation seiner Gefühle schämen.

    Jakob



    Ich würde auch hier mit einem Zitat abschließen, was vielleicht ganz gut zu dem eigentlichen Thema passt. Ich möchte dieses Zitat aber nicht als Spott verstanden wissen, sondern bewusst machen, wie selbstverständlich diese Situation eigentlich ist.

    "Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das weiß, daß es sterben wird. Die Verdrängung dieses Wissens ist das einzige Drama des Menschen." Friedrich Dürrenmatt
     
    #5
    Jakob220357, 1 April 2008
  6. Ört
    Ört (29)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    Erstmal danke für eure Antworten, es tut gut zu wissen, dass sich Menschen damit auseinandersetzen.

    Genau das ist es, worüber ich mir jetzt Gedanken mache.Natürlich glaube ich nicht, dass jetzt alle Menschen, die mir wichtig sind, sterben, aber es ist einfach die Möglichkeit da, dass es passiert.

    Naja, er war 88, konnte nicht mehr richtig sehen, nicht mehr richtig hören, meine Oma nicht mehr auf ihre Spaziergänge begleiten, nicht mehr rumbasteln in seiner Werkstatt... Konnte also seinen ganzen Lebensinhalt nicht mehr verwirklichen. Dazu kommt natrülich, dass es meiner Oma auch nicht besonders gut geht, sie ist auch schon 86. Was mich so wütend macht, ist einfach, dass er NICHTS hinterlassen hat. Keinen Abschied oder so. Es hätte ja noch nichtmal eine Erklärung sein müssen, aber wenigstens ein Abschied.:-(

    Ja, mein Arbeitstag war ABlenkung, aber auch wieder nicht, da ich erstmal alle Dinge klären musste - wusstet ihr, dass man in der Ausbildung nicht von der Schule freigestellt wird, wenn "nur" der Großvater gestorben ist? Nur Verwandte 1. Grades sind Grund genug.
     
    #6
    Ört, 1 April 2008

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