Willkommen auf Planet-Liebe

diskutiere über Liebe, Sex und Leidenschaft und werde Teil einer spannenden Community! :)

jetzt registrieren

Mein Vater ist Alkoholiker

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von starlight169, 25 Mai 2008.

  1. starlight169
    Verbringt hier viel Zeit
    484
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Hallo erstmal,

    mein Vater ist Alkoholiker. Schon seit Jahrzehnten. Ich wurde zum ersten Mal vor ein paar Jahren darauf aufmerksam - vorher hab ich mir nie was an seinem Verhalten gedacht, denn ich kannte ihn ja nie anders. Er trinkt auch nicht vor uns, also seiner Familie, sondern heimlich in seinem Arbeitszimmer.

    Früher war mir zwar klar, dass er trinkt, aber nicht wie viel. Im Nachhinein finde ich das selbst total naiv von mir. Aber ich dachte eben, er trinkt halt gerne mal was nach der Arbeit. Mir hätte aber spätestens auffallen müssen, dass es gefährlich wurde, als er, darauf angesprochen, immer aggressiv wurde. Er ließ darüber nicht mit sich reden und hat auch bestritten, zu viel zu trinken.

    Jetzt ist es soweit gekommen, dass er auf der Arbeit aufgefallen ist. Ihm wurde die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder er macht eine Entziehungskur, oder er wird entlassen. Jetzt endlich hat er zugegeben, dass er süchtig ist. Er macht auch die Kur, und ist bereit, danach in Therapie zu gehen.

    Nur - wie erfolgsversprechend ist das? Er hat sich nicht von selbst dazu entschlossen, den Entzug zu machen und hat in den Jahren vorher nie zugegeben, überhaupt ein Problem zu haben. Ich mache mir so Gedanken darüber. Sein ganzer Körper ist schon kaputt, er war schon häufiger im Krankenhaus wegen Krankheiten, die mit der Sucht zu tun haben. Und kann jemand, der Jahrzehnte getrunken hat, überhaupt noch davon loskommen? Kann ich ihm dabei helfen? Ich weiß einfach nicht wie... Wo ich überhaupt anfangen soll. Und ich verstehe nicht wieso er trinkt. Er ist unheimlich intelligent, er weiß doch welche Probleme Alkohol verursacht. Aber irgendwo in seinem Leben muss dann ja ein Problem liegen, mit dem er nicht klar kommt. Darüber will er aber nicht reden.

    Dazu kommt noch, dass ich mich im Sommer entscheiden muss, wo ich studiere. Eigentlich wollte ich 400 km weit wegziehen. Ich habe in den letzten zwei Jahren sehr hart gearbeitet für den entsprechenden Notendurchschnitt für die Uni, weil es einfach mein Traum ist. Mit dem Gehalt, das mein Vater bekommt, wäre das kein Problem. Anspruch auf Bafög habe ich deshalb auch nicht.

    Allerdings - was ist wenn er es nicht schafft? An der Arbeit wird er jetzt mit Sicherheit sehr genau beobachtet. Und wie gesagt, wenn er wieder trinkt, wird er gefeuert. Wenn ich dann weggezogen bin, habe ich keine Ahnung, wie ich mich finanzieren kann, da mein Studium zumindest am Anfang nach Erfahrungsberichten wohl eher keinen Nebenjob zulässt, höchstens in den Semesterferien.

    An der Uni hier in der Stadt könnte ich natürlich auch studieren, meine Mutter möchte auch unbedingt, dass ich hierbleibe, damit ich zu Hause wohnen bleiben kann. Aber die Uni hier ist weder besonders gut noch besonders attraktiv. Würde ich hier bleiben, hätte ich die letzten zwei Jahre quasi umsonst so viel gearbeitet. Ich hatte mich eigentlich total darauf gefreut, mit meinem Freund zusammen wegzugehen. Und jetzt steht das alles auf der Kippe. Ich weiß einfach nicht, wie ich mich entscheiden soll.

    Ich bin echt verzweifelt, mir wächst auch die ganze Situation hier über den Kopf. Meine Mutter ist jetzt sauer auf meinen Vater, weil er nie auf sie gehört hat, und mein Vater sauer auf meine Mutter, weil sie "immer alles besser weiß". Was würdet ihr mir denn raten, bzw. was würdet ihr machen? Und glaubt ihr, ich kann ihm irgendwie helfen?
     
    #1
    starlight169, 25 Mai 2008
  2. salsa75
    salsa75 (41)
    Verbringt hier viel Zeit
    112
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Lass dich erstmal :knuddel:

    Dein Vater hat einen entscheidenden Schritt gemacht: Er hat eingestanden, dass er ein Alkoholproblem hat und ist auch bereit eine Therapie zu machen - wenn auch unter Druck, aber immerhin. Das ist toll!!! Alkoholiker streiten in den meisten Fällen alles ab und ohne den eigenen Willen hat man keine Chance ihnen irgendwie zu helfen.

    Was ihr machen könnt: Macht ihm auf keinen Fall irgendwelche Vorwürfe sonder unterstützt ihn wo es nur geht. Es kommt eine schwierige Zeit auf ihn zu und da braucht er jede Hilfe die er kriegen kann. Zeigt ihm das ihr hinter ihm steht, dass er sich nicht schämen muss aber macht ihm keine Vorwürfe!! Das könnte ihn erneut zum Trinken bewegen. Darüber solltest du auch mit deiner Mutter reden.

    Die Wahl deines Studienplatzes würde ich allerdings nicht von dieser Problematik abhängig machen. Dir muss klar sein, dass du "nur das Kind" bist und deine Eltern, bzw. dein Vater für sich selbst verantwortlich sind/ist. Unterstütze ihn wo es geht, aber dafür musst du nicht deinen eigenen Lebensplan auf den Kopf stellen. Du kannst auch so für ihn da sein - und wenn ihr nur regelmäßig telefoniert.
     
    #2
    salsa75, 25 Mai 2008
  3. starlight169
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    484
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Danke für die schnelle Antwort :smile:

    Ich bin mir einfach nicht sicher, ob er das auch selbst wirklich will oder ob er es nur macht, um auf der Arbeit den Schein zu wahren. Ich habe wirklich Angst, dass er wieder anfängt zu trinken, sobald er aus der Kur wieder da ist.

    Du hast ja schon Recht dass ich eigentlich die Wahl des Studienortes nicht von meinen Eltern abhängig machen sollte...aber mir geht es da auch sehr ums Finanzielle: wenn er seinen Job verliert, reicht das Geld nicht, um die Miete zu bezahlen, wahrscheinlich noch nicht mal, um mich zu bezuschussen. Und schon alleine die Unentschlossenheit meines Vater lässt mich an seinem Entschluss zweifeln - ich wollte den Alkohol, mit dem wir manchmal kochen, wegkippen, dann meinte er "das sehen wir noch ob wir den wirklich nicht mehr nehmen". :frown:
     
    #3
    starlight169, 25 Mai 2008
  4. -itz-
    -itz- (26)
    Benutzer gesperrt
    199
    0
    0
    nicht angegeben
    Trinken kann Dein Vater auch, wenn Du nicht wegziehst. Über all die Jahre wird er da schon Möglichkeiten gefunden haben, recht unauffällig, etwas zu trinken, ohne das es jemand mitbekommt.

    Wenn Dein Vater ein Mensch ist, der sehr viel Rückhalt braucht, dann könntest Du Dir Gedanken darum machen zu Hause zu bleiben, sonst würde ich an Deiner Stelle aber an meine Wunschuni gehen.

    Gibt es nicht eventuell die Möglichkeit ein oder zwei Semester in Deiner Heimatstadt zu studieren und dann die Uni zu wechseln?

    Was ist Dein Vater denn für ein Alkoholiker?
     
    #4
    -itz-, 25 Mai 2008
  5. sweetgwendoline
    Verbringt hier viel Zeit
    519
    103
    3
    Single
    na aber dann hast du doch wieder anspruch auf bafög...:ratlos:
     
    #5
    sweetgwendoline, 25 Mai 2008
  6. starlight169
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    484
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Er hat die Möglichkeit gefunden, dass man es an seinem Verhalten nicht merkt. Aber am Geruch. Ich trinke selbst nicht sehr viel, deshalb rieche ich es, wenn er getrunken hat. Außerdem hat er ein paar Alkoholikerangewohnheiten - dieses "Schmatzen", zum Beispiel. Verschwindet das bei einem trockenen Alkoholiker eigentlich wieder?

    Mein Vater war eigentlich nie jemand, der viel mit uns über seine Probleme geredet hat...insofern ist er keine Person, die viel Rückhalt braucht. Als Typ Alkholiker kann ich ihn eigentlich nicht genau einordnen. Ich kenne ihn einfach nicht anders. Er benimmt sich wie ein ganz normaler Mensch, außer dass er beim Autofahren manchmal etwas riskante Manöver fährt. Trinken tut er wie gesagt eher heimlich, aber merken tun trotzdem alle was. Er wird auch nicht gewalttätig oder so.

    Ich hab mir auch schon überlegt erst ein paar Semester hier zu machen, aber da ich ein ZVS - Fach studiere, ist das schwierig. Um da später zu wechseln braucht man einen Tauschpartner aus der anderen Uni, der im gleichen Semester ist, was schwierig werden könnte, weil wie gesagt die Uni hier nicht sonderlich beliebt oder gut ist.

    Ich denke dann werde ich weggehen...Oder vielleicht warte ich erst mal ab wie mein Vater sich benimmt wenn der körperliche Entzug vorbei ist, ob er dann auch wirklich in Therapie geht.
     
    #6
    starlight169, 26 Mai 2008
  7. starlight169
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    484
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Er trinkt wieder. Vielleicht hat er auch nie aufgehört. Er ist zwar in Therapie, einmal wöchentlich, und ich dachte auch er hätte aufgehört, aber ich habe durch Zufall gestern ein neues Lager entdeckt.
    Ich weiß ich sollte nicht so denken, aber ich bin im Moment einfach total sauer auf ihn. Wie kann er einfach sein Leben so wegwerfen? Glaubt er, das würde jetzt niemand merken? Es scheint also alles wieder von vorne loszugehen. Ich weiß gerade gar nicht wie ich mit ihm umgehen soll. Ich weiß es ist eine Sucht, und es ist schwierig davon loszukommen, aber er hat die Konsequenzen doch schon gespürt! Ich merke wie ich die Achtung vor ihm verliere.
    Als ich sein Lager entdeckt habe, war ich erst mal einen Moment geschockt. Da kam er rein, sah wo ich war und grinste mich nur verlegen an und meinte, das müsste er noch entsorgen. Ich weiß aber, dass das nicht stimmt. Vor kurzem war da noch nichts.
    Das musste ich mir mal von der Seele schreiben.
    Würdet ihr ihn darauf ansprechen? Oder würdet ihr ihn einfach machen lassen? Ich weiß nicht was richtig ist und ich bin im Moment nur wütend.
     
    #7
    starlight169, 28 Juni 2008
  8. *Fleur*
    *Fleur* (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    294
    103
    9
    vergeben und glücklich
    Ach du Scheiße! Das ist echt blöd! :angryfire

    Das mit dem Respekt verlieren kenne ich auch irgendwie. Eine gute Freundin hat mir vor kurzem "gebeichtet", dass sie vor ca einem halben Jahr zu rauchen begonnen hat. Da sie gesundheitlich relativ instabil ist, ist das natürlich wirklich nicht toll :geknickt: Irgendwie ist sie da auch in meiner Achtung ziemlich gesunken. Am liebsten hätte ich sie für diese ausgesprochene Blödheit in den Boden gestampft, was ich ihr auch gesagt habe...
    Aber das mit dem Rauchen ist ja im Vergleich nur ein Kinkerlitzchen!

    Also anreden würde ich ihn schon. Eben sagen, dass du weißt, dass das keine Reste sind, ihm aber auch sagen das du die Achtung vor ihm verlierst. Denn wenn ihm noch was nahe geht, dann die "Ablehnung" die er dadurch von seinen Liebsten erfährt. Ich würde ihm von allen deinen Gefühlen erzählen: Wut, Schock, Trauer...

    Außerdem wiegt er sich dann nicht in einer falschen "Sicherheit", dass es keiner weiß...

    LG und ganz, ganz viel Glück! :knuddel:
     
    #8
    *Fleur*, 28 Juni 2008
  9. OskarLala
    Gast
    0
    Zunächst, schreibe nicht, dass du umsonst gearbeitet hast. Das hast du nämlich so oder so nicht. Du hast dir einmal Wissen angeignet, dass du dir sonst nicht angeignet hättest und hast gezeigt, dass du ausreichend Power hast, um für deine Ziele zu kämpfen.
    Die Situation deines Vaters ist natürlich nicht gerade besonders erfreulich. Positiv ist, dass er bereit ist eine Entziehungskur zu machen, auch wenn hier keine absolute Freiwilligkeit herrscht, sondern eben schon ein Druck seitens seiner Arbeit eine wesentliche Rolle spielt. Auf einer Seite bleibt es natürlich positiv, weil er so natürlich sieht, dass es Konsequenzen hat, wenn er damit nicht aufhört, auf der anderen Seite ist es natürlich schon so, dass absolute Freiwilligkeit besser gewesen wäre. Es ist schwer zu sagen, ob diese Entziehungskur und Therapie Erfolg hat oder nicht. Das hängt auch einzig und allein von deinem Dad ab.
    Bei dir muss man sagen, dass du auf deine Uni gehen sollst, wenn du dahin gehen willst. Lass dich nicht verleiten dahin nicht zu gehen, weil dein Dad Alkoholkrank ist, damit würdest du dich nur Co-abhängig machen. Das Finanzielle ist natürlich ein Knackpunkt. Ich kann dir hier auch nicht viel mehr sagen als du bereits jetzt schon weißt. Zieht dein Dad seine Sache durch, ist dein Studium gesichert, macht er das nicht, dann kann es unter Umständen zu Problemen kommen. Es ist schwer dir da was zu raten, nur eben, dass du nicht meinen musst deinem Dad helfen zu müssen und deshalb nicht auf deine Wunschuni gehen sollst.
     
    #9
    OskarLala, 29 Juni 2008
  10. starlight169
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    484
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Dankeschön erstmal! Ich habe aber eben Angst, dass, wenn ich das mache, er erst Recht trinkt weil er die Ablehnung mitkriegt. Er ist sonst immer sehr darauf bedacht, "bewundert" zu werden. Aus der Kur hat er eigentlich auch nur Positives erzählt. Aber ich glaube mittlerweile, er hat sie wirklich nur zum Schein gemacht.
    Wenn ich aber nichts sage, dann denkt er, er kann einfach so weitermachen, ohne dass es jemandem auffällt.
    Weiß eigentlich wirklich keiner, ob diese typischen "Alkoholikerzeichen", z.B. das Lippenschmatzen, nach einem Entzug verschwinden?
     
    #10
    starlight169, 29 Juni 2008
  11. *Fleur*
    *Fleur* (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    294
    103
    9
    vergeben und glücklich
    Tut mir leid, weiß ich leider nicht...

    Schon, aber ich denke mir, dass du ihm, wenn du ihn anredest, wirklich klar machen solltes, dass die Ablehnung wegen des Trinkens kommt und dass du ihn wieder bewundern würdest wenn er wirklich(!) damit aufhören würde. Wenn er sehr darauf bedacht ist "bewundert" zu werden, könnte das ja vielleicht was zum positiven bewegen... :ratlos:

    (Ein kleiner rethorischer Tipp: Wenn du mit ihm redest, versuche, dass er diese Dinge wiederholt, denn nur so sinkt es wirklich ein. Wenn sie es nur von anderen gesagt bekommen, verdrehen Leute das Gesagte gern so wie es ihnen passt, das würde in deinem Fall heißen, dass er sich nachher einredet, dass du ihn einfach so nicht mehr magst, was wiederrum eine "gute" [interne] Legitimation zum Trinken wäre. Wenn er es jedoch selbst widerholt [egal wie, aber je öfter desto besser] das du wegen des Alkohols vor ihm den Respekt verlierst, passiert so was weniger leicht.)

    Weiters würde ich ihm schon noch sagen, dass du es sehr wohl mitbekommst wenn er was trinkt. (Nicht das er jetzt das eine Versteck räumt, sich ein neues sucht und glaubt, dass das dann "passt")
     
    #11
    *Fleur*, 30 Juni 2008
  12. Augen|Blick
    0
    Hallo Starlight,

    zunächst mal meine Bewunderung für Deine Offenheit. Ich glaube nicht viele könnten darüber so offen schreiben. Klar geht es auch um Deinen Arsch: "wenn er seinen Job verliert, reicht das Geld nicht, um die Miete zu bezahlen, wahrscheinlich noch nicht mal, um mich zu bezuschussen, aber ich glaube Dir, dass Dir sein Schicksal noch wichtiger ist, als Deine unmittelbare Zukunft, denn Du kannst Deinen Weg auch ohne Deinen kranken Vater gehen.

    Was Du noch nicht erkannt hast, ist die Hilflosigkeit Deines Vaters, ich bin sicher, wenn er könnte, würde er liebend gern aufhören. Er ist ja sogar einsichtig. Aber er kann nicht und die Therapie hat offensichtlich nichts gebracht. Ein netter Satz von Dir war auch "Er ist sonst immer sehr darauf bedacht, "bewundert" zu werden", ein typisches Zeichen, die meisten Alkoholiker sind sehr sensible Menschen, der Griff zur Flasche geht Hand in Hand mit der fehlenden Bestätigung von Außen.

    Und je stärker die Ablehnung von Außen, die Abweisung des Alkoholikertums ist, desto stärker das Verlangen danach. Man spricht nicht umsonst von einem Teufelskreis.

    Wichtig für Dich ist, dass Du Deinen Vater sein läßt, ich weiß nicht wie alt er ist und was seine Gründe für die Sauferei sind, aber Du bist ein Kind und kannst ihn nicht ändern, dass muß erst aus ihm selbst wachsen. Und ich weiß wovon ich rede, sowohl meine inzwischen verstorbene Mutter, als auch meine Loverin haben ein Alkoholproblem.

    Wie kannst Du Dich verhalten?
    Trenn Dich von dem Gedanken, Du hättest Einfluß auf seine Krankheit, damit schadest Du ihm nur. Stehe zu ihm, aber setze klare Grenzen, die Therapie hat nicht geholfen, soll er eine andere machen. Brich den Kontakt ab, solange er säuft und sag ihm, dass Du zu ihm stehst, wenn er dagegen etwas tut.

    Du wirst gezwungen sein, auf eigenen Füßen zu stehen, Aber das sind wir alle, ein kranker Vater ist da nur eine Beschleunigung. Was ich Dir versichern kann, Vorwürfe bringen rein gar nichts. Er wird selbst genug unter seinem Verhalten leiden.

    Und um die Achtung zu behalten, distanzier Dich. Mach Dich finanziell unabhängig.
    LG
     
    #12
    Augen|Blick, 30 Juni 2008
  13. Exelon
    Exelon (32)
    Verbringt hier viel Zeit
    242
    103
    4
    vergeben und glücklich
    Mein Vater ist auch Alkoholiker.
    Als Kind habe ich nie etwas gemerkt, bis meine Mutter mir dann gesagt hat, dass wir ausziehen werden, weil mein Vater zu viel trinkt.
    Danach war dann der Kontakt zu meinem Vater nur noch sehr spärlich, weil meine Mutter nicht wollte das ich bei ihm bin wenn er betrunken ist.
    Als ich 12 war ist meine Mutter schwer krank geworden und hat dann daraufhin wohl mit meinem Vater geredet, falls sie nicht mehr ist, sie nicht will das ich bei ihm lebe, wenn er immer noch trinkt.
    Da hat mein Vater dann einen Entzug gemacht ........... das ist nun 11 Jahre her und er hatte einen Rückfall, aber ist jetzt seit einigen Jahren wieder "trocken".
    Wichtig ist, dass der Entschluss zum Entzug freiwillig und nicht auf Druck von außen passiert, dann sind die Erfolgsaussichten gar nicht mal so schlecht ............ wichtig ist nur, dass man keinen Druck macht, jeder Tag ohne Alkohol ist gut und ein Erfolg und mit Rückfällen muss man leider immer rechnen.

    Alles Liebe und ganz viel Kraft für dich und deine Familie :knuddel:
     
    #13
    Exelon, 30 Juni 2008
  14. Angel312
    Kurz vor Sperre
    749
    0
    0
    Verheiratet
    ich kann sehr gut nachempfinden wie es dir geht denn mein vater war selbst alkoholiker. es ist die hölle jahrlang mit so einem menschen zusammen leben zu müssen. mein vater hat sich leider vor sieben jahren tot gesoffen. aber ich sag dir ganz ehrlich schlimm wie es ist aber mit alkoholikern habe ich kein mitleid. auch wenn alle immer sagen das ist eine krankheit aber das ist eine krankheit für die jeder selbst verantwortlich ist und sie schaden damit nicht nur sich sondern zerstörnen damit ihre familie (wenn sie eine haben) mein vater wußte gar nicht was er seiner familie damit angetan hat. immer diese angst,kommt er wieder besoffen nach hause,ständig flaschen irgendwo zu finden.
    auch mein vater hat seinen job durch die sucht verloren und dann kam eins ins andere. meine mutter hat ihn rausgeschmissen weil wir alle so nicht mehr leben wollten. mein vater war auf ich weiß gar nicht wievielen entgiftungen und anschließenden entziehungskuren. einmal war er sogar 4 monate auf kur aber das alles nätzt gar nichts wenn der eigene wille nicht da ist. er hatte es für uns getan aber nicht für sich und genauso ist es bei deinem vater. er geht zur kur für seinen chef aber nicht weil er das will und so bringt es gar nichts. du hattest ja glaub ich schon geschrieben das er wieder trinkt.
    wie gesagt wenn er es nur für andere tut hat es keinen sinn. er muß es selbst wollen aber das tun die wenigsten.
    8 von 10 werden rückfällig so ist die statistik und auch mein vater hat dazu gehört :cry:
    der alkohol hat soviel in meinem leben kaputt gemacht. man ist einfach ein gebranntes kind. leider ist mein vater nicht der einzigste in meiner familie gewesen der trinkt. auch meine tante säuft wie ein loch und das auch schon seit jahrzenten. irgendwann empfindet man für so einen menschen nur noch hass. mir tun nur meine cousinen leid die mit so einer mutter aufwachsen mussten. sie weiß gar nicht was sie ihren kindern angetan hat durch die ewige sauferei. und ich frage mich auch wie lange ein frauenkörper so etwas mitmacht. irgendwann müssen doch mal die organe versagen. :kopfschue

    vielleicht hast du ja glück und dein vater hat doch noch den eigenen willen und schafft es von dem teufelszeug los zu kommen.
     
    #14
    Angel312, 30 Juni 2008
  15. starlight169
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    484
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Danke fuer eure lieben Antworten, ich konnte leider nicht frueher antworten.
    Zu meiner Offenheit: ich habe das Gefuehl ich muss das mal irgendjemand erzaehlen. Es gibt so viele Alkoholiker, und ich kenne noch einige mehr als meinen Vater, aber keiner nimmt das ernst, habe ich das Gefuehl. Es ist fast schon gesellschaftlich akzeptiert zu viel zu trinken. Und das macht mich richtig fertig. Ich habe meinem Freund davon erzaehlt, aber er reagierte nach dem Motto "Was willste machen?"
    Ich kann mich einfach nicht damit abfinden, nichts zu tun.
    Deshalb glaube ich auch werde ich ihm klarmachen, dass ich merke, wenn er trinkt. Er glaubt soweit ich weiss immer noch, dass es keiner merkt. Aber ich glaube auch, dass er dann einen anderen Weg finden wird, zum Beispiel wieder sich in irgendwelchen Kneipen volllaufen laesst statt in seinem Arbeitszimmer und uns alle einfach meidet wenn er nach Hause kommt.
    Zum Grund warum er trinkt: er behauptet, aus Stress. Er will aber auch nicht mal versuchen, seine Arbeitszeit zu verringern oder sich eventuell nach einem anderen Job umzusehen. Klar ist er ueber die normale Altersgrenze hinaus, aber er kann es doch wenigstens versuchen, und Leute wie er werden eigentlich gesucht. Ich denke auch, dass er luegt. Er hat schon getrunken als er noch ein Teenager war, und da wohl kaum aus Stress.
    @ Augenblick: Ich weiss, dass er vielleicht wirklich aufhoeren will. Andererseits hat er meiner Mutter gegenueber schon vor Jahren zugegeben, dass er Alkoholiker ist, und hat sich geweigert, eine Therapie zu machen, er wurde richtig aggressiv bei dem Vorschlag. Ich glaube also nicht, dass er ueberhaupt aufhoeren moechte. Vielleicht mag er wirklich das Gefuehl.
    Ich glaube ich muss erst mal darueber nachdenken, ob ich wirklich den Kontakt abbrechen kann. Es waere schwer, denn meine Mutter wuerde ihn nicht verlassen. Und nur sie zu besuchen ist schon sehr merkwuerdig.
    @ Angel312: wie bist du denn damit umgegangen?
     
    #15
    starlight169, 3 Juli 2008
  16. Angel312
    Kurz vor Sperre
    749
    0
    0
    Verheiratet
    was genau meinst du denn?

    gründe haben sie immer genügend. mein vater hatte auch immer einen anderen grund.erst war es die angst das rauskommt das er denn autounfall im suff gebaut hat weil er dacht meine mutter würde mit ihm schimpfen (ja sie werden wie kleine kinder) und ich weiß gar nicht mehr was es noch alles für gründe waren,ist ja auch schon eine weile her,er ist ja nun schon 7 jahre tot.
    meine tante hat auch immer gründe,damals vor 12 jahren die ungeplante schwangerschaft(mit sicherheit im suff die Pille vergessen) sie hatte auch einen termin zur abtreibung aber an dem tag hat sie sich lieber ne flasche reingedreht. traurig aber wahr:meine cousine ist heut fast 13 jahre alt und ist wohl der einzigste mensch der behaupten kann alkohol rettet leben :zwinker:

    ich weiß das die hilflosigkeit scheiße ist. wir wollten meinem vater auch immer helfen und meine mutter sagt auch heut noch das sie immernoch mit ihm verheiratet wäre wenn er nicht gesoffen hätte. mit so einem menschen kann man einfach nicht leben.
    und wie schon gesagt du kannst deinem vater nicht helfen solang er selbst nicht will und es einsieht das er ein problem hat und bereit ist das in den griff zu kriegen.
     
    #16
    Angel312, 5 Juli 2008
  17. tortenesser
    Verbringt hier viel Zeit
    404
    113
    75
    nicht angegeben
    Hi Starlight.

    Vieles wichtige wurde schon gesagt. Was ich Dir auf jeden Fall noch mit auf den Weg geben möchte: Egal was passiert ist und was noch passieren wird, es ist NICHT Deine Schuld, wenn er (wieder) trinkt.
    Dir das klar zu machen, ist wichtig, wenn in Dir Selbstvorwürfe aufsteigen, und noch wichtiger, wenn Dir jemand von außen, seien es Familienangehörige oder sogar Dein Vater selbst vorwürfe macht.
    Du bist auch nicht diejenige, die ihn vom trinken abhalten kann, dass kann er nur selber, wenn er es wirklich will. Was ich noch nicht ganz verstanden hab, ob sein stationärer Aufenthalt eine Entgiftung (relativ kurzer Aufenthalt, so etwa 1-2 Wochen), oder ein längerer Aufenthalt war (Monate). Erstere ist ohne den Zweiten leider meist sinnlos, rein ambulante Therapien funktionieren so gut wie nie. Wenn das auf Dauer was werden soll, ist ein längerer stationärer Aufenthalt so gut wie unumgänglich. Deine Einflußmöglichkeiten sind so oder so jedenfalls äußerst gering.

    Ich kann Dir nur empfehlen, von zuhause auszuziehen und dort zu studieren, wo Du es willst. Entweder Dein Vater schafft es (und dann würde er sich vielleicht sogar Vorwürfe machen, dass er Dir mit seinem Alkoholproblem "im Weg stand") oder er schafft es nicht (und dann ist es für Deine seelische Gesundheit definitiv besser, auch räumlichen Abstand zu haben.) Sollte sich dann Eure finanzielle Situation verschlechtern, gibt es auch wieder Möglichkeiten, die schwierigen Zeiten zu überbrücken.

    Ich wünsch Dir jedenfalls ganz viel Erfolg bei Deinem weiteren Weg, vor allem aber auch viel Spaß und Freude bei Deinem Studium! :smile:
     
    #17
    tortenesser, 5 Juli 2008
  18. starlight169
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    484
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Hier bin ich mal wieder, denn ich bin gerade mal wieder an einem Tiefpunkt.

    Ich ziehe also zum Studium um, das ist beschlossene Sache, und ich freue mich auch schon sehr darauf. Allerdings wird das ganze überschattet von einer riesigen Existenzangst. Was ist, wenn mein Vater seinen Job verliert??? Ich habe riesige Angst, das Studium dann abbrechen zu müssen. Riesige Angst. Ich kann nachts nicht mehr schlafen. Ich habe auch riesige Angst um ihn, um seine Gesundheit und um seine Psyche, aber ich kann nicht anders als ihm Vorwürfe zu machen, wie er mir und meiner Familie das antun kann. Vor allem mir,weil ich eben noch keine Ausbildung habe. Wie soll es dann weitergehen? Welche Möglichkeiten hätte ich dann, mein Studium zu finanzieren? Außer Bafög, denn ich habe mich mal schlau gemacht - um mich dafür zu qualifizieren, müssten meine Eltern ihre private Rentenvorsorge aufbrauchen, was ich nicht will. Auch mich alleine mit einem Job über Wasser zu halten, könnte schwierig werden, denn ich kenne keinen Studenten meines Faches, der das schafft. Wie bezahlt ihr euer Studium, wenn eure Eltern nicht mehr helfen können?

    Ich bin mittlerweile echt psychisch am Ende, ich weiß nicht wann ich das letzte Mal eine Nacht durchgeschlafen habe oder vor 12 einschlafen konnte. Diese Geldsorgen machen mich fertig. Und es macht mich fertig, dass er seine Chance nicht nutzen konnte.

    Ihm wurde auch übrigens noch ein stationärer Aufenthalt angeboten, den hat er aber abgelehnt. Er möchte nur begleitende psychologische Betreuung. Er meint, würde er die stationäre Betreuung machen, würde er gefeuert werden, weil er zu lange von der Arbeit wegbleibt, und er meint, es würde sowieso nichts bringen, weil er aus seinem Alltag weggeholt wird und damit nicht umgehen lernt. Ich glaube, auch das ist nur eine Ausrede, um sich nicht ernsthaft so lange unter Aufsicht sein zu müssen. Und das macht mich so wütend. So wütend, dass ich wegen der kleinsten Kleinigkeit, etwa mir einen Telefonanschluss besorgen zu müssen, in Tränen ausbreche. Ich will einfach nur, dass er einsieht was er tut. Da bin ich mir gar nicht sicher. Er lügt hier so viel vor. Könnt ihr mir ein bisschen Mut machen bzw. weiterhelfen?
     
    #18
    starlight169, 12 August 2008

jetzt kostenlos registrieren und hier antworten
Die Seite wird geladen...

Ähnliche Fragen - Vater Alkoholiker
Ferrarist
Kummerkasten Forum
12 September 2016
16 Antworten
Cupcakesweeti
Kummerkasten Forum
19 Juni 2014
5 Antworten