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Meine erfolgreiche Fernbeziehung

Dieses Thema im Forum "Stammkneipe" wurde erstellt von User 76250, 5 September 2008.

  1. User 76250
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Single
    BigDiggers Ratgeber für Liebe auf Distanz

    Titel und Text: (c) BigDigger, Hamburg, 2008

    Es gibt sicher sehr viele Dinge, die einem das Leben erleichtern: Das Internet als Informationsmedium zum Beispiel; das Induktionskochfeld als technologischer Vorsprung gegenüber dem offenen Feuer auch. Eine Fernbeziehung gehört jedenfalls nicht dazu - im Gegenteil. Wenn zwischen zwei liebenden Herzen eine Distanz liegt, die eine Form gemeinsamen Alltags verhindert, ist das eine Beziehungsform, deren Bestandschancen so groß sind wie die einer Tabellenführung von Energie Cottbus in der Fußball-Bundesliga oder eines Verfassungszusatzes zum Verbot des Waffenbesitzes in den USA. Trotzdem siegen häufig die Gefühle. Ob diese Beziehung aber auch eine echte Chance hat, hängt schon von den Voraussetzungen ab.

    Ähnlichkeit

    Vor allem hängt es davon ab, wie ähnlich die beiden Liebenden einander charakterlich sind. Die räumliche Distanz zwischen beiden Partnern ist für sich genommen schon eine hohe Hürde. Wenn man sich selten sieht, ist es schwer, füreinander da zu sein und am Leben des geliebten Menschen teilzuhaben. Da kommt der gemeinsamen Zeit eine besondere Bedeutung zu. Für eine normale Beziehung soll es ja wichtig sein, sich nicht zu ähnlich zu sein. In gewisser Weise trifft das auf jede Beziehung zu, es ist bedeutend, dass beide ihre eigene Persönlichkeit haben und sich bei aller Zusammengehörigkeit von einander unterscheiden. Für eine Fernbeziehung kommt es auf ähnliche Charakterzüge an. Vor allem Harmoniebedürfnis, Kommunikationsfähigkeit, Vertrauenswürdigkeit und den Willen zum beständigen Arbeiten für die Beziehung sollten beide teilen, damit die Kilometer zwischen einander die einzige echte Distanz bleibt.

    Harmoniebedürfnis

    Streit sei der Pfeffer in einer Beziehung, wird oft gesagt. In solchen, in denen beide Partner viel Zeit miteiander verbringen, mag das durchaus richtig sein, obwohl hinter dieser Aussage angesichts der vielfachen Streitgelegenheiten auch ein gerütteltes Maß an Schönrednerei steckt. In einer Fernbeziehung jedoch zählt das Harmoniebedürfnis, denn die Zeit, die man sich sieht, ist meist viel zu kurz und kostbar, um sie damit zu verbringen, auf einander sauer zu sein. Ein echtes Harmoniebedürfnis äußert sich allerdings nicht nur in gutem Willen, nicht zu streiten: Ist ein Partner im Grunde streitlustig, wird das trotz gutem Willen irgendwann herausbrechen. Der Zauber dabei besteht darin, dass beide in gleichem Maße Kompromisse schließen. Beide Partner müssen ihr Selbst in der Beziehung wiederfinden, ein reines Vermischen reicht nicht aus. So falsch es ist, dass immer wieder ein Partner um des Friedens willen verzichtet, so falsch ist es auch, dass immer wieder beide gleichzeitig zurückstecken. Auf die Dauer fühlen sich beide nicht wirklich wohl. Besser ist es, wenn neben diesen beidseitigen Kompromissen auch jeder Partner bei seinen eigenen Interessen gelegentlich voll auf seine Kosten kommt. Beispielsweise wenn an einem gemeinsamen Wochenende ein Konzert seiner Lieblingsband ansteht, die sie nicht verknusen kann. Entweder geht er dort allein hin, oder sie schluckt ihre Abscheu herunter und geht seinetwegen mit. Das bedingt jedoch, dass auch er wiederum mal zurücksteckt und beispielsweise beim nächsten Besuch bei ihrer besten Freundin, die er nicht leiden kann, gute Miene zum "bösen" Spiel macht.

    Kommunikation

    Das Wichtigste ist, dass beide miteinander reden. Nicht nur, wenn sie zusammen sind. Jeder Mensch hat Sorgen, Ängste, Nöte. Und das Bedürfnis, diese mal loszuwerden, bei einem Menschen, der zuhört und versteht. Aber das ist nicht einfach, wenn dieser Geliebte viele Kilometer entfernt ist. Aber kommunizieren kann man auf vielerlei Art und Weise. Das Telefon fällt einem wohl als erstes Medium ein. Aber nicht jeder ist ein Telefontyp. Bei meiner Freundin und mir ist das so. Wir telefonieren selten, weil wir meist gar nicht so viel zu erzählen haben, wie wir es erwarten würden, wenn wir die Zeit, die wir nicht zusammen sind, ein wenig über das Telefon kompensieren wollten. Auf lange Sicht kann es dann schon bitter werden, wenn man täglich nur fünf Minuten lang telefoniert und merkt, dass man einander kaum etwas zu erzählen hat. Wohnt man zusammen, lässt sich immer mal wieder ein Thema finden, und sei es der Abwasch. Bei uns läuft das über E-Mail. Das hat natürlich etwas mit der Entstehung unserer Beziehung zu tun: Wir haben uns über ein Internetportal kennen gelernt und vor dem ersten Treffen vier Wochen lang E-Mails hin und her geschickt, und da wir über sehr offen miteinander waren und kein Thema ausgelassen haben, hat sich diese Form bei uns etabliert. Das heißt aber nicht, dass das für jeden der Weg zum ewigen Glück ist. Der Knackpunkt liegt in einer Kommunikationsform, in der sich beide Partner wohlfühlen. Auch hier gelten die Grundsätze von Einigkeit, Kompromiss und dem richtigen Maß gegenseitigem Zurücknehmen, die ich im Absatz zuvor beschrieben habe. E-Mail, Instant Messaging, Telefon, Internettelefonie, Webcam-Chat - das Medium ist ganz egal. Wenn beide glücklich damit sind, sind sogar Brieftauben völlig in Ordnung, solange der Zweck erfüllt wird: Am Leben des anderen teilzuhaben.

    Vertrauen

    Mindestens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger, ist Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit. Auch wenn man zusammen wohnt, hat man keine einhundertprozentige Kontrolle darüber, was der Partner treibt. Andernfalls hätten Seitensprungagenturen keine (moralisch zweifelhafte) Geschäftsgrundlage. Aber die Möglichkeit, dass sich der Partner durch irgend welche Zeichen oder Worte verrät oder gar durch andere Personen verraten wird, ist bei gemeinsaem Lebensraum größer. Wer nicht da ist, kann nicht erwischt werden. Theoretisch ist es möglich, sich durch halbe Großstädte oder Landstriche zu vögeln, ohne dass der Partner was mitbekommen kann, wenn man eine Fernbeziehung führt. Eine Möglichkeit ist eine offene Beziehung, aber das funktioniert wiederum nur beidseitig und unter der Prämisse, dass ansonsten ausreichend Gemeinsamkeiten bestehen. Die Gefahr, dass bei dem, was nebenbei läuft, etwas auf Gefühlsebene passiert, ist nicht von der Hand zu weisen, immerhin ist das Objekt der körperlichen Begierde - im wahrsten Sinne des Wortes - greifbar. Die andere Möglichkeit ist absolute Treue. Natürlich kann niemand verwehren, einen Blick auf Kunstwerke der Natur zu werfen, und selbst ein spaßiges Schäkern dürfte kaum ein Vertrauensbruch sein, doch alles, was darüber hinaus geht und auch nur einen Hauch von Ernsthaftigkeit und Überlegen darstellt, sollte tabu sein. Denn in einer nicht-offenen Partnerschaft ist Vertrauenswürdigkeit gerade auf Distanz als Voraussetzung für ein Bestehen der Bindung bedeutsam, in gleichem Maße wie das Vertrauen in den entfernten Partner selbst.

    Bemühen

    Und auch ein weiterer Punkt läuft auf dauerhafte Harmonie als Grundlage hinaus: Wie sehr man sich bemüht. Es kommt der Zeitpunkt in einer jeden Partnerschaft, an dem Routine einkehrt. Die Beziehung wird zur Selbstverständlichkeit, man lässt die Zügel schleifen. Eine Fernbeziehung sorgt im Alltag ohnehin schon zwangsläufig dafür, dass andere Gefühle auftreten. Sich fremd zu sein, gehört meist auch dazu. Fernbeziehungen sind von Haus aus anfälliger für Störfaktoren. Man möchte meinen, dass diese Effekte in dem Maße langsamer wirken, in dem man sich weniger sieht. In Wahrheit besteht die Gefahr aber nicht in den Alltagsdingen, sondern in den Besonderheiten, die man vom Alltag nehmen möchte. Man ist geneigt, seine kostbare gemeinsame Zeit nicht mit Alltagsdingen wie Wäschewaschen oder Fensterputzen zu verplempern. Dabei wird eines meist übersehen: Die Arbeit macht sich nicht von allein. Irgend jemand muss sie irgendwann machen, in beiden Haushalten. Der eine ist unterwegs, beim anderen kommt der gemeinsame Dreck dazu. Mal ist das auch sicher in Ordnung. Generell jedoch müssen auch Alltagsdinge erledigt werden, wenn man zusammen ist. Auch gemeinsamer Alltag ist Bestandteil einer Beziehung, und ihn auszuklammern heißt, nach dem endlich erfolgten Zusammenziehen an einem weiteren Aspekt arbeiten zu müssen, an dem viele Beziehungen scheitern. Im Klartext bedeutet das, dass sich beide in einer Fernbeziehung noch mehr bemühen müssen, nicht in Faulheit oder falsch verstandene Prioritätensetzung zu verfallen.

    Liebe ohne Leiden

    Neben diesen Dingen gibt es noch einen letzten Punkt, der das Glück stören kann: Leiden. Am Anfang einer Beziehung ist das bei jedem Paar schwierig. Man möchte zusammen sein, so viel Zeit wie nur möglich miteinander verbringen und auf - gut deutsch - poppen, dass die Heide wackelt und jeder Hardcore-Pornostar große Augen kriegt. Nur geht jede gemeinsame Zeit in einer Fernbeziehung irgendwann zuende - ohne Rücksicht darauf, ob das persönliche Bedürfnis nach Zusammensein gestillt ist oder nicht. Der Abschied kann entsprechend herzzerreißend werden. Und wenn der geliebte Mensch dann weit weg ist, wird aus Leidenschaft nur noch Leiden. Aber: So schwer es auch sein mag, das Leiden sollte schnellstmöglich aufhören. Das heißt nicht, dass die Liebe damit ebenfalls endet. Man muss sich daran gewöhnen. Nicht daran, von dem Menschen, den man liebt, getrennt zu sein, sondern daran, dass es in bestimmten Phasen des Alltags Momente gibt, die durch einen anderen Menschen bereichert werden. Das Glas ist nicht halbleer, sondern halbvoll. Je weniger man in der alleinigen Zeit daran denkt, wie weit der Partner entfernt ist und wie gern man ihn nun bei sich hätte, desto einfacher werden die Abschiede und umso leichter das Seelenleben. Es wird weniger darüber nachgedacht, was man gemeinsam verpasst, sondern mehr die Momente geschätzt, die man zusammen verbringt. So wird der Zusammenhalt trotz Entfernung gestärkt.

    Nachwort

    Dies ist meine persönliche Einschätzung, wie man eine Fernbeziehung erfolgreich aufrecht erhält. Sie stammt aus fast 4 1/2 Jahren Erfahrung damit. Zwar liegen zwischen meiner Freundin und mir nur 100 Kilometer, doch zwei Stunden Fahrzeit und unsere unterschiedlichen Arbeitszeiten verbieten ein Treffen abseits der Wochenenden und Urlaube. Zudem sind unsere Lebensumstände so unterschiedlich, dass wir uns im Schnitt nur jedes zweite Wochenende sehen. Die Fahrerei ist dabei nur ein kleineres Problem. Die Aspekte, die ich hier aufgeführt habe, machen aus uns dennoch eine funktionierende Beziehung. Nichtsdestotrotz hat es eine Gelegenheit gegeben, die Zweifel aufkommen ließen: Arbeit, die meine Freundin seelisch fast aufgefressen hat, während ich kaum für sie da sein konnte. Sie wurde so lethargisch, dass sie gar nicht merkte, wie ich zu kurz kam. Wir haben es jedoch geschafft, weil wir miteinander geredet haben. Insgesamt führen wir eine sehr gute Beziehung. Wir wussten beide, worauf wir uns einließen, und es ist uns bewusst, was wir für einander und für den Bestand unserer Partnerschaft tun müssen. Ich denke, das ist von zentraler Bedeutung. Wir tun alles, um möglichen Schwierigkeiten von Beginn an aus dem Weg zu gehen, und dazu gehört zum Beispiel auch, dass wir nicht streiten. Natürlich ist das auch eine Sache der Mentalität, andererseits gehört zu jeder Beziehung, dass das eigene Ego zugunsten des Nos, also des "Wir", etwas Platz räumt. In einer Fernbeziehung mag das kniffliger sein, denn das Ego hat schlichtweg viel mehr Zeit zur Entfaltung. Wenn einem seine Liebe auf Entfernung jedoch nur ausreichend wichtig ist, sollte das eine Leichtigkeit sein. Natürlich erhebe ich keinen Anspruch darauf, ein Allheilmittel gefunden zu haben. Aber wer nur einmal auf einer Koch-Webseite nach Rezepten für Gulasch sucht, wird feststellen, dass es auch dafür sehr, sehr viele gibt. Und mein Ratgeber ist auch nur ein Rezept. Für meine Beziehung zumindest ist es ein sehr gutes.
     
    #1
    User 76250, 5 September 2008
  2. User 7157
    User 7157 (33)
    Sehr bekannt hier
    7.731
    198
    168
    nicht angegeben
    Off-Topic:
    Das Liebe & Partnerschaftsforum ist nur für Probleme gedacht. Da es bei dir erfreulicher Weise gerade nicht um Probleme geht, ist der Thread hier besser aufgehoben. :smile:
     
    #2
    User 7157, 5 September 2008
  3. User 72261
    Verbringt hier viel Zeit
    180
    103
    2
    nicht angegeben
    ....
     
    #3
    User 72261, 5 September 2008

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