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Meine erste große Liebe

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von SottoVoce, 13 Juni 2004.

  1. SottoVoce
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    Es ist nun schon ein paar Jahre her, seit ich meine erste große Liebe fand. Es war begann in einem heißen, trockenen Sommer, den wir miteinander verbrachten. Und so fing damals alles an:
    Ich war mit meiner Clique im Freibad, wir hatten ein Handtuchlager gemacht, und die Hälfte der Gruppe war wieder mal im Wasser. Ich war zu faul gewesen, hatte mich lieber vom Rücken auf den Bauch gedreht und die Anderen ohne mich ziehen lassen. Zwei der Jungs spielten Tischtennis in der glühenden Sonne, aber mir war es viel zu heiß, um mich zu bewegen. Lieber wollte ich noch ein paar Pigmente haschen und es vielleicht doch schaffen, diesen Sommer endlich mal einen Bikiniabdruck zu bekommen.
    Ich war in der Hitze gerade halb eingedöst, als ich davon hochfuhr, dass etwas kaltes auf meinen Rücken tropfte. Meine Haut hatte sich so erhitzt, dass die wenigen kalten Tropfen mir eine Gänsehaut über den ganzen Körper jagten und mich in Windeseile auf 180 brachten. Ich fuhr herum.
    „Pass doch auf! Das ist KALT!“ fauchte ich.
    Es war Peter, er war eben aus dem Wasser zurück gekommen, ehe die anderen wieder da waren. Er hatte sein Handtuch genommen und sich vermutlich die Haare ausgeschüttelt. Darum hatte ich einige Tropfen abbekommen.
    Als ich ihn so überraschend anfauchte, sah er ganz verblüfft und ein wenig verletzt aus.
    „Entschuldige.“ Es klang steif. „Das war doch keine Absicht. Kein Grund, so hochzugehen!“
    Ich schnaubte und drehte mich wieder auf den Bauch.
    Eigentlich mochte ich Peter gut leiden. Er war ruhiger als die anderen Jungs aus der Clique, versuchte auch nie, einer von uns Mädels den BH auf zu machen, oder uns unter den Rock zu fotografieren. Um genau zu sein, war es er gewesen, der mir bei meinem ersten Vollrausch beim Kotzen die Haare aus dem Gesicht gehalten hatte, nachdem meine beste Freundin dazu selbst nicht mehr in der Lage war. Als meine Gedanken hier ankamen, tat es mir Leid, so aus der Haut gefahren zu sein. Ich rappelte mich hoch.
    „Sorry, ich wollt nicht so fauchen. Aber ich hab mich furchtbar erschrocken.“ Ich wickelte mir verlegen eine Haarsträhne um den Finger. „Ich war halb eingeschlafen und in der Sonne hier wird es echt warm.“
    Es muss geklungen haben wie eine faule Ausrede, aber ihm zauberte es ein Lächeln ins Gesicht und er ließ sich auf das Handtuch neben mich fallen.
    „Schon okay“, meinte er und drehte sein Gesicht in die Sonne. Seine Haare standen in alle Richtungen stachelig ab, so kurz waren sie geschnitten. In ihnen glänzten noch ein paar Wassertropfen. Fasziniert beobachtete ich, wie die Sonne sich darin in tausend Farben brach, dann wurde mir bewusst, dass ich ihn anstarrte, wurde rot und sah schnell weg.
    „War’s schön im Wasser?“ fragte ich, weil das Schweigen zwischen uns belastend wurde.
    Er zuckte die Achseln und blinzelte gegen die Sonne, als er die Augen wieder öffnete und sich mir zuwandte.
    „Naja, es ging. Es ist wahnsinnig voll.“
    „Bei dem Wetter kein Wunder!“
    Wieder schwiegen wir eine Weile. Ich zerbrach mir den Kopf, was ich noch sagen könnte, aber mir fiel absolut nichts vernünftiges ein. Seit wann war ich schüchtern?!
    „Kommst du am Samstag mit zum Grillen?“ fragte er unvermittelt.
    „Ja, ich denke schon. Und du?“
    Es stellte sich heraus, dass er auch mitkommen wollte, und ich war dankbar für das Gesprächsthema und stürzte mich darauf. Wir unterhielten uns über das, was wir Grillen wollten, über ins Feuer gelegte Kartoffeln und Stockbrot, das wir als Kinder beide gegessen hatten. Langsam entspannte ich mich. Da die Anderen im Wasser wohl noch nicht gedachten, uns Gesellschaft zu leisten, beschlossen wir, ein Eis essen zu gehen.
    Ich hatte nie zuvor bemerkt, dass Peter ein so guter Unterhalter war. Wir lästerten über Ehepaare mit eisverschmierten Kindern oder über Jugendliche, die versuchten, die glühend heiße Kinderrutsche barfuß hinauf zu rennen und dann meistens unter dem Gelächter der restlichen Gruppe schleunigst im Kinderbecken verschwanden, um sich die verbrannten Fußsohlen zu kühlen. Wir unterhielten uns über die Eissorten, die wir mochten, landete über diesem Umweg bei den Urlauben, die wir schon gemacht hatten, kamen so zu den Ländern, in denen wir schon waren und auf die Urlaubsziele, wo wir schon immer mal hin wollten.
    Es war faszinierend. Ich hatte mich noch nie so lange mit ihm unterhalten – schon gar nicht mit ihm alleine! – aber es schien, als würden wir uns ewig kennen. Wir hatten in allem ähnliche oder gar gleiche Ansichten, und manchmal glichen wir uns sogar in Kleinigkeiten, die uns selbst überraschten. Zum Beispiel mochten wir beide keine Tomaten und liebten Chopin. So viele Zufälle konnte es gar nicht geben!
    Wir bemerkten selbst nicht, wie die Zeit verging. Erst, als wir zu den Handtüchern zurückkehrten, stellten wir fest, dass die Anderen schon längst wieder getrocknet da waren und Volleyball spielten. Wir wurden mit Tuscheln und schiefen Grinsen begrüßt.
    Peter und mir war es egal. Wir hatten etwas gefunden, was viel wichtiger war: Wir hatten erkannt, dass wir perfekt zu einander passten.
    Es dauerte nach diesem Tag im Freibad noch fast einen Monat, ehe wir wirklich zusammen waren. Aber dann hatten wir die perfekteste Beziehung, die man haben konnte. Sie hielt drei Jahre lang und zerbrach zum Schluss an Kleinigkeiten und Engstirnigkeiten.
    Normalerweise denke ich nicht mehr an diese Beziehung. Sie war schön, aber sie ist nun schon seit einigen Jahren vorbei. Sie endete nicht traumatisch und war auch sonst nicht so prägend, dass sie mir ständig im Gedächtnis wäre. Aber manchmal vermisse ich Peter noch heute. Besonders, wenn ich im Freibad ein Eis esse und die Leute beobachte. Ich stelle mir dann vor, was Peter wohl mit seinem ironischen Lächeln dazu sagen würde und wie dabei seine Haare in alle Richtungen abstanden und mich reizten, darüber zu fahren, um zu sehen, ob sie sich auch so stachelig anfühlten, wie sie aussahen. Und immer dann fühle ich mich ihm bis heute sehr nahe. Er war eben einfach meine erste große Liebe.
     
    #1
    SottoVoce, 13 Juni 2004
  2. TermUnitX
    Gast
    0
    Hm, Kleinigkeiten und Engstirnigkeiten. :frown: Was wohl aus Peter geworden ist...
     
    #2
    TermUnitX, 14 Juni 2004
  3. SottoVoce
    SottoVoce (34)
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    Ich blieb seine einzige Freundin. Er ist heute schwul und lebt mit seinem Freund zusammen.

    (Er ist nicht erfunden, nur die Geschichte zum Teil... :grin:)
     
    #3
    SottoVoce, 14 Juni 2004
  4. TermUnitX
    Gast
    0
    Muahaaa...

    Ich kann mich noch an diesen Dialog erinnern aus einem anderen Zusammenhang:

    "Das, ja das ist eine meiner Ex-Freundinnen." - "Ui, hübsch, ...was ist passiert?" - "Och, wir waren mal zusammen. Dann ist sie lesbisch geworden. Was hab' ich nur falsch gemacht? ;-)"
     
    #4
    TermUnitX, 15 Juni 2004
  5. SottoVoce
    SottoVoce (34)
    Sehr bekannt hier Themenstarter
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    Verheiratet
    Ich bin mir eigentlich sicher, dass ich nichts falsch gemacht habe. :grin: Ich nehm ihm aber übel, dass er schon gewusst hat, dass er schwul ist, als er noch mit mir zusammen war, aber nicht den Mut hatte, mit mir Schluss zu machen, sondern am Ende halt alles irgendwie eingeschlafen ist. (Wir haben nie miteinander geschlafen, es war leicht, vor mir zu verstecken, dass er auf Jungs stand...) Aber welche Frau hat schon nen schwulen Ex-Freund?! :zwinker:
     
    #5
    SottoVoce, 16 Juni 2004
  6. TermUnitX
    Gast
    0
    Wohl kaum eine, kannst stolz auf dich sein. ;-) Aber wieso fiel es leicht, das vor dir zu verstecken?
     
    #6
    TermUnitX, 16 Juni 2004
  7. ~°Lolle°~
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    so, hab mir jetzt n paar von sottos geschichten kopiert und ausgedruckt.. werd die mir jetzt vorm schlafen gehen durchlesen... bin schon ganz gespannt... ich mag liebesgeschichten ja so gern lesen :smile:

    geb dann demnächst meinen senf dazu ab :zwinker:
     
    #7
    ~°Lolle°~, 18 Juni 2004
  8. SottoVoce
    SottoVoce (34)
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    Wir haben einander eh hauptsächlich in der Schule gesehen und außer Händchen halten, ein bisschen rumküssen oder zusammen was unternehmen lief eh wenig. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, das war eher ne Sandkastenfreundschaft als eine Beziehung, aber für mich war es damals wichtig und es fühlte sich nicht gut an, mit einem Jungen zusammen zu sein, über den heftig gelästert wurde, er sei schwul - und am Ende stimmte das sogar noch!!! :grin:

    @sternenfängerin: UND???? *Kritik hören will* (Bitte bei jeder Geschichte einzeln dazu schreiben, sonst blick ichs nicht... *g*)
     
    #8
    SottoVoce, 19 Juni 2004

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