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Meine Mutter Ist Tot

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Böhse Onkelz RE, 22 September 2005.

  1. Böhse Onkelz RE
    Verbringt hier viel Zeit
    29
    86
    0
    Single
    Hi..

    Es ist schon über 2 Monate her, aber ich fande erst jetzt die Kraft dazu hier zu posten.
    Anfang Januar kam habe ich erfahren dass meine Mutter Darmkrebs hat. Es hieß, dass es ca. ein Jahr dauert, bis sie wieder ganz gesund wird. Sie sollte mitte Jaunar operiert werden. Ein Tag vor der operation bekam sie eine schwere Lungenentzündung(was ihr vorläufig das Leben rettete). Sie musste auf die Intensivstation und verbrachte dort 2 Wochen.
    Dann, am 2 Februar war sie wieder zu Hause. Ich habe mich gewundert warum man sie noch nicht operiert hat. Sie rief mich dann Samstag Vormittag in ihr Zimmer. Sie frage was ich alles über ihre Krankheit weis. Ich sagte ihr dass mir gesagt wurde, dass sie bald wieder auf den Beinen ist. Sie sagte, dass es nicht ganz richtig ist. Sie sagte, dass sie ohne Chemo nur noch ein halbes Jahr hätte. Bei ihr wurde auch noch Lungenkrebs fetstgestellt.wir haben sehr viel an diesem Tag geweint. Das war sehr schwer für mich. In der nächsten Zeit bin ich in der Schule sehr abgefallen..ich hätte fast meine Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe nicht bekommen. Habe es aber dann doch noch geschafft. Meine Mutter war sehr stolz auf mich. Etwas später musste sie wieder ins KH...Sie verbrachte sehr viel Zeit im KH wegen der Chemos.

    In dieser Zeit wurde sie sehr gläubig. Sie versuchte mir die Religion ein wenig näher zu bringen. Früher habe ich mich immer dagegen gewehrt. Aber dieses mal nicht. Ich ging meiner Mutter zu liebe dort hin. Das Treffen war etwas entfernt von mir (ca.10 km) also fragte meine Mutter den Pater ob er mich abholen könnte. Er sagte dass es kein Problem sei. Er holte mich ab, ich war in der Kirche und bei der Jugendgruppe. Als ich beim Pater im Auto saß, haben wir uns etwas unterhalten. Ich fand ihn sehr sympathisch. Es hat mir auch in der Jugendgruppe sehr gut gefallen. Ich fragte den Pater ob er mich noch zum KH bringen könne. Er sagte dass es eine gute Idee sei. Er ist auch noch mitgekommen und hat meiner Mutter einen Krankensegen gegeben. Es war an einem Sonntag. Ihr ging es ganz gut, sie sollte am nächsten Tag einen zugang am Hals bekommen, da die Medikamente ihre Arme sehr belasteten. Es war sehr komisch an dem Tag, weil die ganze Familie da war (außer einer meiner Größeren Brüdern, da er in Berlin wohnt und wir im Ruhrgebiet).Es war sogar ein Bekannter da, der sich nie getraut hat vorbei zu kommen.er hat meinen Vater auf dem Flur getroffen. Wir haben dann noch alle (ca. 10 leute) geredet und gelacht..auch meine Mutter...Das das für die meisten von uns das letzte mal ist, dass wir mit meiner Mutter lachen, hätte niemand gedacht. Nach 3 Stunden, die wie im Fluge vergingen sind der Pater und ich wieder gegangen. Ich habe mich she herzlich von meiner Mutter verabschiedet, weil ich doch ein wenig Angst hatte. Meine Mutter rief mich noch einmal zu sich, als ich schon die Türklinke in der Hand hatte und sagte mir dass ich dem Pater ein paar Blumen mit nach Hause geben sollte(wir haben ne Gärtnerei) und ich sollte bloß net zu geizig sein. Das war ich auch nicht. Ich gab ihm Blumen im wert von ca.15€ mit. Erst wollte er es nicht annehmen, aber als ich ihm sagte dass meine Mutter es so will, hat er sie dankend angenommen.

    Am nächsten Tag(Montag) bin ich Morgens früh angefangen zu arbeiten. Ich habe meinen Vater nicht gesehen, weil er noch schlief. Gegen 10 Uhr kam eine Arbeiterin von uns zu mir und sagte mir, dass meine Mutter auf der Intensivstation liegt. Ich habe ihr gesagt dass das nicht sein kann, weil es ihr am Tag davor noch gut ging. Sie sagte mir dass die künstlich beatmet wird, aber ich verstand es nicht, weil sie Türkin ist und nicht wusste was das heist. Eine Stunde später kam mein großer Bruder und erzählte mir alles. Ich wollte zu ihr, aber mein Vater sagte ich sollte nicht, da sie nicht reden kann. An dem Abend ging ich zu meinen Kollegen an den Kanal(unser Treffpunkt im Sommer) um mich abzulenken. Ich habe ihnen nichts davon erzählt. Sie fragten ob ich am nächsten Tag Zeit hätte. Ich sagte nein...Ich weis nicht warum..
    Am nächsten Morgen bin ich erst spät aufgestanden. So gegen 9 Uhr kam meine Tante...sie kam aus dem KH...sie sagte, dass meine Mutter friedlich "eingeschlafen" ist...ich hab den ganzen Tag geheult...das mache ich immernoch wenn ich daran denke..Aber meine Tante hat mir viel kraft gegeben.

    Meine Mutter starb am 12.07.2005 um 7.30 Uhr im Alter von 47 Jahren. Sie hinterlässt 6 Söhne im Alter von 13-28 Jahren, ihren Mann(meinen Vater) und ihren Vater.

    Am 16.7. war die Beerdigung. In der Kirche waren 300 Leute. man konnte dort nicht einmal mehr stehen.draußen vor der Kirche standen auch noch Leute. Ich kannte die hälfte nicht. Nach der Messe wurde der Sarg von sechs Nachbarn zum Friedhof getragen(ca. 1 km). Wir sind hinterher gegangen. Als wir angekommen sind, sind die letzten noch nicht losgelaufen. Ich war sehr gerührt von der Anteilnahme. Kurz nach der Beerdigung, am Grab ist mein Vater fast zusammengebrochen und wurde von unseren Nachbarn nach Haus gefahren. Ich habe meinen Vater zuvor noch nie weinen sehen...Ich habe 4 Tage nicht geschlafen und nichts gegessen. Auch danach ist es mir sehr schwer gefallen...Man sieht es mir zwar nicht an, aber ich bin immer noch total geschockt.

    Danke fürs lesen, auch wenn es etwas länger wurde.
     
    #1
    Böhse Onkelz RE, 22 September 2005
  2. Numina
    Numina (29)
    ...!
    8.784
    198
    96
    Verheiratet
    Ich weiss wirklich nicht, was ich sagen soll...mir fehlen da die Worte.
    Mein Beileid möchte ich dir auf jeden Fall ausdrücken...mir kamen bei deinem Beitrag die Tränen.
    Ich wünsche dir, dass du alles überstehst und verarbeiten kannst...
    Liebe Grüße...
    Nova
     
    #2
    Numina, 22 September 2005
  3. Schaky
    Schaky (33)
    Verbringt hier viel Zeit
    2.031
    121
    0
    vergeben und glücklich
    das tut mir sehr leid... :cry:

    ich hoffe die zeit wird deine wunden heilen...manchmal ist einen garnicht bewußt wie kurz das leben doch ist...seufz...
     
    #3
    Schaky, 22 September 2005
  4. patensen
    Verbringt hier viel Zeit
    608
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Das tut mir sehr, sehr leid! Sei :knuddel: von mir. Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft und Mut in dieser Zeit.
     
    #4
    patensen, 22 September 2005
  5. SvenN
    SvenN (29)
    Verbringt hier viel Zeit
    551
    101
    0
    Single
    Viel Kraft auch von mir.
    Schlimm sowas :flennen:

    Dir auch alles gute und deiner Familie

    Sven
     
    #5
    SvenN, 22 September 2005
  6. miss-X
    Verbringt hier viel Zeit
    256
    101
    0
    Single
    hallo...

    mir tut es unheimlich leid,dass du deine mutter nicht mehr hast. aber denke daran,jetz ist sie befreit,sie hat keine qualen mehr.sie hat es jetz sicher göttlich. und denkt an dich.

    sie hat sich von dir im guten getrennt,war sogar stolz auf dich!

    wichtig ist jetz,dass du das ganze richtig verarbeitest,nicht einfach probierst zu ignorieren. ich denke abschliessen musst du nicht,wieso auch?

    wünsche dir unheimlich viel mut und kraft das ganze zu verarbeiten, fühl dich umarmt.

    miss-X
     
    #6
    miss-X, 22 September 2005
  7. User 8944
    Verbringt hier viel Zeit
    1.187
    121
    0
    nicht angegeben
    Guten Abend Böhse Onkelz RE,

    es gibt keine Worte, die deine Trauer erfassen könnten; es gibt keine Worte heilenden Worte, die ich dir sagen könnte.

    Ein großer Teil ist von dir und deiner Familie gegangen, niemand kann deine Mutter ersetzen oder ihre Position gleichermaßen füllen.

    Sie hat dir viel hinterlassen: Du verdankst ihr vieles, genauso wie sie dir viele schöne Momente verdankt. Denke immer daran: Deine Mutter ist mit Liebe in ihrem Herzen von euch gegangen. Sie kann sich sicher sein, einen Platz bei euch zu haben. Egal wieviel Zeit verstreicht, sie ist in deinem Herzen.

    Es gibt keine Bewältigung dieser Situation. Es gibt lediglich einen Lernprozess, bei dem zu begreifst, mit dem Tod umzugehen, dein Leben neu zu ordnen, dein Leben fortzusetzen.

    Suche die Nähe zu deiner Familie, lass es nicht verfallen. Sie brauchen dich, so wie du sie brauchst. Haltet zusammen, steht gemeinsam auf für eure Mutter.

    Ich möchte dir ein Zitat posten, welches mir bei dem Verlust eines nahen Menschen sehr geholfen hat:

    Dieses Zitat hat mich sehr zum Nachdenken und Verarbeiten angeregt, mir neue Perspektiven eröffnet.
    Vielleicht hilft es dir auch etwas, nicht unbedingt heute, aber vll. bald.

    Alles Liebe und Gute!
     
    #7
    User 8944, 22 September 2005
  8. Mooncat
    Gast
    0
    "was man tief in seinem herzen besitzt, kann man nicht durch den tod verlieren." (goethe)

    mir fehlen einfach die worte. ich kann dir nur von herzen viel kraft und alles erdenklich gute wünschen!
     
    #8
    Mooncat, 22 September 2005
  9. Explorer
    Explorer (41)
    Verbringt hier viel Zeit
    374
    101
    0
    nicht angegeben
    Hi... :cry:

    bei großen Verlusten ist es wichtig, daß man eine oder mehrere Bezugspersonen findet, zu denen man eine besonders intensive Verbindung hat/aufbaut. Ganz speziell um den Schaden, den die Seele genommen hat zu verarbeiten. Das was einem den Rest gibt, ist meistens das unerwartete, der Schock, die volle Breitseite. Du konntest dich ja auch nicht so richtig darauf einstellen, was passieren würde... :knuddel:


    *tröööööst*
     
    #9
    Explorer, 22 September 2005
  10. ~Lady~
    ~Lady~ (30)
    Meistens hier zu finden
    2.061
    148
    163
    Verheiratet
    Ich möchte dir auch mein herzlichstes Beileid ausdrücken!
    Auch wenn es dir natürlich nicht wirklich weiterhilft. Wir alle, die dies nicht erlebt haben, werden versuchen, es uns vorzustellen und feststellen, dass wir es sicherlich ganz furchtbar finden.
    Doch du bist in dieser Situation, in der du realisieren musst, dass deine Mutter in körperlicher Form nicht mehr zu dir zurückkommen wird. :frown:
    Doch wenn es dir möglich ist, daran zu glauben, dann kannst du dir innerlich sicher sein, dass deine Mama nie wirklich fort sein wird.
    Sie lebt in deinem Herzen und in deinen Erinnerungen weiter, solange du lebst.
    Du wirst so viele frohe oder auch kleinere Momente mit ihr nicht vergessen.
    Z.B. ihren ganz eigenen Geruch, wenn sie dich umarmte.
    Dies alles wird immer bei dir sein.
    Vielleicht passt deine Mutter sogar auf dich auf und beobachtet stolz, was aus dir wird, wo immer sie auch sein mag.

    Ich wünsche dir und deiner Familie unendlich viel Kraft und alles erdenklich Gute!
    Sie wird dir vielleicht immer irgendwo fehlen, aber eines kann ich sagen: Der Schmerz lässt irgendwann ganz sicher nach!

    Mit diesen Worten sage ich Gute Nacht!
     
    #10
    ~Lady~, 23 September 2005
  11. Rettung
    Gast
    0
    Mir fehlen die worte....Mein herzliches Beileid an alle Betroffen.
     
    #11
    Rettung, 23 September 2005
  12. cornholio
    Verbringt hier viel Zeit
    54
    91
    0
    nicht angegeben
    Auch wenn es dir nicht direkt hilft mein aufrichtiges Beileid. Der Text geht mir richtig ans Herz. Ich bin im gleichen Alter wie du und kann mir den Schmerz garnicht vorstellen meine Mutter zu verlieren. Bleib stark ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute.
     
    #12
    cornholio, 23 September 2005
  13. Stevie33
    Gast
    0
    Ich möchte Dir auf diesem Wege auch mein herzliches Beileid ausdrücken.
    Ich glaube es kann niemand genau verstehen wie es dir jetzt geht, wenn er es noch nicht selber erlebt hat.
    Ein bisschen kann ich mir aber vorstellen, wie es dir geht, da meine Mutter auch Krebs hatte. Sie hatte aber Glück und der Krebs wurde frühzeitig erkannt. Sie hatte Brustkrebs. Ihr musste eine Brust abgenommen werden. Als wir die Diagnose hörten waren wir auch alle geschockt. Ich habe die Diagnose auf der Arbeit von meinem Vater erfahren. Ich habe auch die ganze Zeit geweint und ich wusste nicht wie verhalte ich mich jetzt meiner Mutter gegenüber. Ich wollte stark sein und nicht weinen wenn ich sie besuche, sie sollte sich schliesslich nicht auch noch sorgen um uns machen, da sie ihre ganze Kraft brauchen würde um dies zu schaffen.
    Gott sei dank ist aber noch einmal alles gut ausgegangen und nach der OP und der Chemo-Therapie hat sie den Krebs besiegt. Ich hoffe nur das dies so bleibt.
    So dies zu meiner Situation. Ich wollte nur damit sagen, das ich weiß wie Du dich in der schweren Zeit gefühlt hast und ich wünsche Dir viel Kraft das Du auch diese sicherlich noch schwerere Zeit schaffst.
     
    #13
    Stevie33, 23 September 2005
  14. smithers
    Verbringt hier viel Zeit
    1.349
    121
    0
    nicht angegeben
    Ich reihe mich ein in die Kondolenzliste und möchte Dir mein aufrichtiges Beileid bekunden. Es ist schrecklich, wenn jemanden genommen wird, was man über Jahre geliebt hat. Es ist schwer zu verstehen – und stets kommt die Frage des „Warum“ auf. Es wird eine Zeit dauern, bis dein Herz verstanden hat was passiert ist – und doch kommt der Zeitpunkt in dem es wieder seinen Wege laufen wird. Nimm Zeit um das zu Verstehen was passiert ist – Trauere und sei dankbar für die Zeit, die ihr gemeinsam hattet.
     
    #14
    smithers, 23 September 2005
  15. Ginny
    Ginny (35)
    Sehr bekannt hier
    5.531
    173
    3
    vergeben und glücklich
    Mir kommen grad selbst fast die Tränen beim Lesen. Es tut mir so Leid für dich. Bei mir ist gestern meine Oma gestorben, aber sie war schon alt, irgendwann muss man damit rechnen. Vor zweieinhalb Jahren allerdings starb mein damaliger Freund. Auch das war unglaublich hart und ich weiß im Nachhinein kaum, wie ich es überstanden habe. Ich kann also ansatzweise nachvollziehen, was du durchmachst, auch wenn es nicht das Gleiche ist.
    Ich hoffe, dass du und deine Familie euch gegenseitig Kraft geben könnt. Es ist ein kleines Geschenk, dass ihr euch von deiner Mutter im Guten verabschieden konntet und sie noch einmal so fröhlich erlebt habt.
    Ich wünsch dir alles Gute.
     
    #15
    Ginny, 23 September 2005
  16. Sveniboy1984
    Verbringt hier viel Zeit
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    101
    0
    Single
    Von mir bekommst du auch mein aufrichtes Beleid!

    Weiß nicht was ich sagen soll, da jemand geliebtes zu verlieren ist, schwer ist.
     
    #16
    Sveniboy1984, 23 September 2005
  17. laura19at
    laura19at (31)
    Verbringt hier viel Zeit
    1.365
    123
    4
    vergeben und glücklich
    Hallo!
    Mein Beileid!
    Meine Mutter ist diesen Mai verstorben, ich konnte mich nichtmal verabschieden, da ich in der Schule war..Als ich heimgekommen bin, war sie schon weg.
    Ich weiß ganz genau wie du dich fühlst, wenn du magst, kannst du mir eine PM schreiben.
    Alles Gute!
    Laura
     
    #17
    laura19at, 23 September 2005
  18. Biestla
    Biestla (35)
    Verbringt hier viel Zeit
    15
    86
    0
    vergeben und glücklich
    Hallo!
    Ich weiß nicht, ob es dir hilft, wenn wir dir hier alle unser Mitgefühl aussprechen. JEDER, der deine Geschichte liest, hat wie ich Tränen in den Augen. Und du hast vermutlich sehr viel Kraft gebraucht, über die letzten Wochen zu schreiben.... Dafür bewundere ich dich.
    Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe fast 2 Jahre Angst gehabt um meinen Vater. Auch er hat Darmkrebs. Ist eine verdammte Krankheit. Er hat es geschafft. Ihm gehts soweit wieder gut, die Angst bleibt. Aber ich kenn die Angst und den Schmerz, den du jetzt fühlst. Die Mutter eines Freundes hat zur selben Zeit wie mein Vater die Diagnose bekommen. Sie ist ein halbes Jahr später gestorben...
    Es tut mir so unendlich leid, was deiner Mama und deiner Familie passiert ist. Frag aber bitte niemals nach dem Warum. Es gibt keine Antwort. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute. Deine Mama wär stolz auf dich und ihr ist es sicher nicht leicht gefallen, euch zu verlassen, aber für sie ist es besser, als lange zu leiden, vor allem bei dieser Krankheit. Ich wünsch dir viel Kraft. Ich weiß, dass dich mom keiner trösten kann. Du bist nicht allein. Halt dich tapfer, aber such dir jemand im wirklichen Leben zum reden... Deine Brüder. Deine Tante? Freunde? Paß auf dich auf!
    Liebe Grüße
    Biestla
     
    #18
    Biestla, 23 September 2005
  19. *himbeere*
    *himbeere* (29)
    Verbringt hier viel Zeit
    1.830
    123
    1
    nicht angegeben
    Hi,

    dein Beitrag hat mir den Atem verschlagen. Ich habe etwas ähnliches erlebt und verstehe dich sehr, sehr gut.

    Mein Vater hatte Darmkrebs. Es war unklar, ob gut- oder bösartig. Als sich herausstellte bösartig, hab ich das gar nicht realisiert. Dass es Krebs war, hab ich nicht realisiert, weil es nicht ausgesprochen wurde...
    Mein Vater wurde 2-3 Wochen später operiert, der Darmkrebs entfernt. Ich war froh, dass er jetzt wieder gesund war. Doch das stellt sich als falsche Freude heraus, denn er hatte noch Metastasen in der Leber und in anderen Körperteilen. Ich war sehr geschockt, hatte aber noch die Hoffnung, dass er es schaffen wird. Er (und ich auch) war(en) fest entschlossen. Zu der Zeit lebte ich alleine mit ihm zusammen, meine Eltern hatten sich getrennt und meine Mum wohnte die Woche über in einer kleinen Wohnung gegenüber und die Wochenenden verbrachte sie 60km entfernt bei ihrem Freund.
    Mein Vater hatte wieder eine Freundin, die ihn sehr unterstützte. Es ging ihm eine Zeit lang sehr gut, die Chemo schlug an und ich war unglaublich optimistisch, dass der Krebs bald besiegt und mein Vater gesund werden würde. Doch ein paar Monate später verließ die Freundin meinen Vater mit der Begründung, sie liebe ihn nicht mehr und es würde ihr zu viel werden. Mein Vater weinte nur noch, das war ein schwerer Schlag für ihn, da sie ihn glücklich machte und ihm den Halt geben konnte, den er von mir als 15-oder 16-jährige nicht bekommen konnte. Danach ging es nur noch abwärts, er war im Krankenhaus, hatte Schmerzen, aß nichts mehr und wurde immer dünner während der Bauch immer dicker wurde und man den Krebs durchsah.
    Er versicherte mir aber immer es gäbe noch Mittel, die ihn heilen würden (vielleicht hat er sich das auch nur selbst eingeredet).

    Doch bald darauf, im September 2003 sagte mir meine Mutter, dass die Ärzte ihn aufgegeben hätten. Er würde Weihnachten nicht mehr überleben. Ich war so geschockt und wusste nicht wie ich damit umgehen sollte. Ich konnte ihn nicht mehr ansehen und hatte eine solche Angst. Die Nächte und die Wochenenden war ich mit ihm alleine , musste für ihn sorgen, was für mich echt zu viel war. Er wolle zu Hause sterben, in gewohnter Umgebung und ich hatte Angst ihn eine Morgens tot aufzufinden.
    Dann, Mitte Oktober, da hatte ich mich abgesetzt und nur noch wenig mit ihm geredet, hat er mich in den Arm genommen und mir gesagt wie lieb er mich hat. Das werde ich niemals vergessen. Drei Tage später, am 31. Oktober 2005 um halb 04:30Uhr verstarb er. Es war die einzige Nacht, in der meine Mutter hier war. Sie hat ihn aufgefunden. Er war den ganzen kommenden Tag noch zu Hause, da meine Mutter einen Abschied brauchte. Ich wollte ihn nicht mehr sehen und es war schlimm zu wissen, dass der eigene Vater tot im Haus liegt. Am abend wurde er abgeholt auf einer Trage und ich habe noch seinen Umriss durch die Decke hindurch erkennen können.

    Die Beerdigung habe ich gar nicht richtig mitbekommen. Ich war wochenlang nur benommen und taub, habe nicht geweint, nicht viel geredet und gar nichts realisiert. Es war ganz normal. Meine Mutter hat geweint und meine Tante ist ebenfalls zusammengebrochen.

    Heute, es ist jetzt fast 2 Jahre her, hab ich das alles verarbeitet. Ich hab es irgendwann realisiert und bekam Träume, in denen er, ganz hell und fröhlich, bei mir ist, wir lachen und reden. Als ich aufwachte merkte ich, dass er nicht mehr da ist. In der Zeit hab ich tagelang durchgeweint.

    Ich habe aber heute noch Schuldgefühle, da ich ihn eigentlich alleine gelassen habe. Ich habe nicht mehr mit ihm über alles geredet (was ich heut so gerne würde) und hab ihm auch nicht sagen können, wie lieb ich ihn habe,ich hab es einfach nicht über die Lippen gebracht.

    Ich verstehe dich so gut. Das durchzumachen ist eine grauenhafte Erfahrung, die einen aber prägt. Ich bin mir dadurch viel klarer über alles , mein Leben und meine Beziehung zu anderen geworden.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft in dieser schwierigen Zeit.

    Alles Liebe
    *himbeere*
     
    #19
    *himbeere*, 23 September 2005
  20. D!883Z
    D!883Z (30)
    Verbringt hier viel Zeit
    350
    101
    0
    vergeben und glücklich
    Ich weiss nicht wie ichs sagen soll...aber irgendwie habe ich den Text durchgelesen und angefangen zu weinen...
    Es tut mir wirklich sehr leid für dich...
    Ich hoffe das du schnell mit diesem Schmerz leben kannst....und weiter nach vorne siehst...Deine Mutter hätte sicher nicht gewollt das es dir schlecht geht...Habe deine Trauer aber denke daran du hast noch ein Leben....

    Alles Gute und seh zu das du das ABI schaffst.....
     
    #20
    D!883Z, 23 September 2005

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