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Mich ekelt dieser Biozentrismus nur noch an!

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von spätzünder, 5 Januar 2008.

  1. spätzünder
    Benutzer gesperrt
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    Single
    Gerade eben lese ich, was Experten angeblich herausgefunden haben: Rauchen wird durch Gene verursacht. Wenn ich mich allerdings betrachte, dann scheine ich eine Ausnahme zu bilden. Meine Mutter raucht, mein Vater ebenfalls, mein Bruder - nur ich rauche nicht. Sind meine Gene jetzt kaputt?

    Ich finde es einfach nur noch bescheuert, dass man heutzutage zunehmend jedes menschliche Verhalten auf Gene und Evolution zurückführen will. Nur noch selten wird von erzogenem Verhalten gesprochen. Im Gegenteil:

    Männer haben von Natur aus einen Hang zum Vergewaltigen:
    http://www.zeit.de/2000/09/200009.vergewaltigung_.xml

    Fremdgehen ist eine Folge der Gene und Evolution
    http://www.welt.de/wissenschaft/article94254/Fremdgehen_haengt_vom_Immunsystem_ab.html
    http://www.innovations-report.de/html/berichte/biowissenschaften_chemie/bericht-91705.html
    http://www.welt.de/wissenschaft/article972954/Warum_Frauen_eher_fremdgehen_als_Maenner.html

    Partnerwahl ebenso:
    http://idw-online.de/pages/de/news226872
    http://www.g-o.de/wissen-aktuell-2517-2005-03-11.html

    Und Kriminalität natürlich auch - zumindest teilweise:
    http://www.shortnews.de/start.cfm?id=644037

    Auch die Intelligenz:
    http://www.zeit.de/1998/17/iq.txt.19980416.xml
    http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/4469/
    http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/151371.html

    Wobei ich auch hier wieder offensichtlich aus dem Rahmen falle. Weder meine Mutter noch mein Vater waren auf dem Gymnasium, haben studiert und strebten eine Promotion an.

    Aber alles ist irgendwie durch die Gene bestimmt. Ich habe bisher zwar keine handfesteren Beweise gesehen als "Wissenschaftler haben bewiesen, dass... "(ohne Quellenangabe natürlich) oder "Bei Fliegen hat man nachgewiesen, dass...." (ohne Begründung für den Zusammenhang von Fliege und Mensch).

    Es ist zweifellos richtig, dass menschliche Verhaltensweisen von biochemischen Prozessen begleitet werden. Das bedeutet aber nicht, dass diese Körperprozesse dieses Verhalten auch auslösen.

    Aber genauso kommt mir dieser Biozentrismus und dessen Popularisierung vor: Man interpretiert einfach wild herum. Da wird herausgefunden, dass bei Aggressivität der Adrenalinspiegel steigt - und schwupps! ist der Adrenalinspiegel auch gleich die Ursache für Aggression. Dass die biochemischen Prozesse des Menschen auch umgekehrt durch äußere gesellschaftliche Einflüsse beeinflusst werden.
    Da werden Fliegen untersucht und genmanipuliert - und schwupps! Wie bei den Fliegen, so beim Menschen.
    Alles ist irgendwie durch die Gene zumindest mitverursacht.

    Ich finde diese Entwicklung hin zu biologistischen Erklärungen gesellschaftlicher Probleme ziemlich beängstigend und es erinnert mich fatal an faschistische Ideologien von unwertem Leben, Schädelforschung, Euthanasie etc..

    Leider sind große Bevölkerungsteile offenbar sehr empfänglich für diesen Gen-Ismus oder Evolution-Ismus, besonders wenn es um die Frage geht, warum angeblich alle Männer so sind und alle Frauen so. Dabei widerlegt die menschliche Geschichte und Empirie doch eindeutig die Ideologie von genetisch bedingten Verhaltensweisen oder Unterschieden von Mann und Frau.
    Es ist einfach widerlich. Man wird da von vorneherein als etwas abgestempelt, was man nicht ist.
    Und dann immer wieder diese naive "Expertengläubigkeit".

    Was denkt ihr? Ich wollte das einfach mal loswerden, nachdem ich diesen Blödsinn über das genetisch vorbedingte Rauchen gelesen habe. An alle Raucher, die sich das Rauchen abgewöhnen wollen oder es bereits geschafft haben: Vergesst es! Es ist alles genetisch bedingt. Ihr werdet alle wieder rückfällig, die Zigarette wurde euch schon in die Wiege gelegt. Ironiedetektor aus.
     
    #1
    spätzünder, 5 Januar 2008
  2. Hygormeter
    Hygormeter (29)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Ich stimme dir da vollkommen zu. Das Problem gibt es natürlich schon sehr viel länger. Das ist das, was geschieht, wenn man den Materialismus falsch deutet. Ist genau der gleiche Mist wie Behaviorismus. Naja, hab jetzt keine Lust da so ewig drauf rum zu reiten. :smile:

    Allgemein ist der Grund ein ganz einfacher: Diese Art von Erklärungen nimmt den Leuten die Eigenverantwortung und ist somit natürlich höchst angenehm zu lesen = Quote.

    Zum Glück ist vieles davon ziemlich fader unsinniger Populärjournalismus.

    Das sind genau die Leute, die so eine Scheiße erzählen wie "der einzige Grund, dass Menschen duschen, ist, dass sie hoffen, an dem Tag Sex zu haben" oder "Der Sinn von menschlichem Sex ist die Verbreitung von Genen". Was ist dann bitte der Sinn von Kondomen? Viele Leute haben die Evolutionstheorie einfach nicht ausreichend verstanden und fangen dann auch noch an, das mit Psychologie zu vermischen und dann kommt natürlich der schwerste Schwachfug raus, den man sich vorstellen kann.

    Ein Problem ist auch, dass so genetisch orientierte Forschung oft gerne den Anspruch erhebt, bereits alle Faktoren verstanden zu haben. Das ist natürlich Quatsch. Es gibt zufällig auch noch Sozialisierung und ab einem bestimmten Alter eben Autonomie und da landet man mit seinen genetischen Argumenten ganz schnell im Quark.

    Tja, vielen Menschen und Wissenschaftlern macht es halt Angst, dass es sowas wie Selbstverantwortung und Freiheit gibt, die uns von Tieren unterscheiden.

    Man muss eben beides im richtigen Kontext betrachten und anerkennen, dass der Mensch ein sehr vielschichtiges, multimensionales Gebilde ist, dass man nicht mal eben aus EINER Perspektive, sei es nun Evolution, Genetik oder Soziologie, vollständig erklären kann.

    Jedoch muss man auch sehen, dass viele Erkenntnisse der evolutionären Psychologie durchaus ihre Berechtigung haben, z.B. im Bereich Sexualität. Diese Erkenntnisse gelten aber jeweils nur in einem bestimmten Rahmen, durchschnittlich für eine größere Gruppe und nicht für alle Individuen gleichermaßen, auch wenn das manchmal so suggeriert wird.


    Ich hätte weniger Probleme mit dieser Art von Berichterstattung, wenn es ein Gegengewicht gäbe, das aufzeigt das all dieser Mumpitz nicht viel zu bedeuten hat, wenn man sein Leben mal an die Nüsse packt und Verantwortung übernimmt. Meiner Meinung nach müsste es zu jedem derartigen Artikel einen mindestens ebenso langen Artikel geben, der die philosophisch-psychologisch-praktische Seite des Problems beleuchtet und somit einen Ausgleich schafft. Was nämlich häufig übersehen wird, ist, dass diese Artikel aus der Perspektive übelsten Determinismus geschrieben sind und ich persönlich sehe mich nicht als Determinist. Wer sich z.B. in der Philosophie des freien Willens nicht auskennt, der wird von sowas gerade zu erschlagen.

    Humanismus!
     
    #2
    Hygormeter, 5 Januar 2008
  3. dummdidumm
    dummdidumm (53)
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Du weißt schon, daß Du ein Spielverderber bist?
    Es klingt doch so klasse, wenn man seine eigenen Ideen und Interpretationen als Expertenmeinung wiedergeben kann...
     
    #3
    dummdidumm, 5 Januar 2008
  4. spätzünder
    Benutzer gesperrt Themenstarter
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    Single
    Dabei würde ich zu gerne mal die ein oder andere Studie über angeblich genetisch bedingtes Verhalten lesen. Leider habe ich in den Populärmedien bislang keine derartigen Verweise gelesen.

    Ich sehe diesen ganzen Biodeterminismus in eine gefährliche Richtung abdriften a la Menschenvernichtung und -vernachlässigung. Warum sich um Arme kümmern? Armut ist doch angeboren, also weg mit den Armen. :ashamed:
     
    #4
    spätzünder, 5 Januar 2008
  5. Event Horizon
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Naja, du mußt das gar nicht mal so drastisch sehen, es gibt da schon viel einfachere Dinge, von denen wir gar nicht mal so weit weg sind.

    Jetzt werden deine Internetverbindungen gespeichert, das ist realität. In wenigen Jahren wird die Musikindustrie Zugriff auf diese Daten haben, obwohl die noch hoch und heilig versprechen, daß das nur für bzw gegen den allgegenwärtigen Terror auf unseren Straßen eingesetzt wird. Ich bin sicher, daß das kommt. Und irgendwann werden nicht nur die Zugriffe, sondern auch der Datenverkehr ansich gespeichert.


    Mit den gesundheitsbezogenen Daten gibt es ja auch schon ähnliche Befürchtungen, auch wenn wir da noch nicht so weit sind. Wäre doch nett, wenn dein zukünftiger Arbeitsgeber einen Blick in deine Krankenakte werfen könnte. Da könnte man gleich mal die, die öfters kranksind, bei Seite schieben, und nur die ewig gesunden einstellen. Um aufs Thema zurückzukommen: Es wäre noch viel besser, wenn du neben dem Zeugnis auch dein genetisches Profil in die Bewerbung packen müßtest. Schließlich soll der Arbeitnehmer nicht mit 40 wegen irgendwelcher genetisch bedingten Krankheiten abnippeln.

    Wer sagt, ich male mir was aus, dem gebe ich recht. Aber wer sagt, das sei weit hergeholt, der lebt in einer Traumwelt.



    Bei dem ganzen genetischen Zeugs muß man aufpassen, daß man niemals mit 100% Sicherheit etwas voraussagen kann. Man kann die Veranlagung dazu haben, und damit gibt's eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, daß man XYZ hat, aber mehr nicht.

    Und wenns ne 5% höhere Wahrscheinlichkeit ist, ist das eben wissenschaftlich bewiesen, auch wenn es auf das wahre Leben kaum ne Auswirkung hat.
     
    #5
    Event Horizon, 5 Januar 2008
  6. simon1986
    simon1986 (30)
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Verlobt
    Ich denke dahinter steckt der Versuch, Alles in den Griff zu bekommen. Um die Kosten zu optimieren.

    Und der Versuch der verschiedenen Wissenschaften, IHRE Erklärungsmuster als die Besten hinzustellen, weil sie so am ehesten zu Geld kommen.

    Die Biologen haben mit ihren Deutungs-Angeboten im Moment die Nase vorn.
     
    #6
    simon1986, 5 Januar 2008
  7. Was interessiert mich irgend eine Meldung, auch wenn sie noch von so einem hohen 'Experten' kommt.
    Letztendlich bin ich bei mir der Expere und weiss wie es bei mir ist und wie nicht. :zwinker:

    Der Mensch ausserhalb der Abstraktion!
     
    #7
    Chosylämmchen, 5 Januar 2008
  8. unbekannte
    unbekannte (33)
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    naja ich denke das man nicht allgemein sagen kann das udn das ist erblich aber es wird bestimmt nen teil erblich sein und ein teil erzogen

    zb mein vater ist sehr früh gestorben daher kenn ich meine familie nur mütterlicher seits

    meine ganze familie raucht nur meine mutter und ich nicht (sie hat asthma) ist also evtl erzogen oder meine eigene erfahrung

    meine familie hat weitestgehend hauptschulabschluss ein paar realschulabschluss und ich bin der einzige der studiert allerdings meint meine mutter mein vater wäre auf meinen bildungsstand gewesen ( in seinem jahrgang war größtenteils studieren nicht nötig da arbeitermangel nach dem krieg) und er war oberverkehrsmeister bevor er an krebs starb

    allerdings muss ich mich zum lernen etc eher aufraffen wohingegen mein vater wohl jeden abend stundenweise gelernt hat um befördert zu werden und meine mutter arbeiten auch jede menge


    ich bin der einzige in der ganzen familie der keinen alkohol trinkt

    ich denke das liegt daran das ich öfters alkleichen auf familienfeiern sehe und mri das nicht antun will -> erziehung


    viele eigenschaften die nicht anerzogensein können werden mir vom vater her angedichtet und das mag mit unter stimmen es könnte allerdings genausogut individualismus und erfahrung sein
     
    #8
    unbekannte, 5 Januar 2008
  9. Neptun
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    Single
    "Tut mir leid, dass ich fremdgegangen bin! :cry:"

    "Was hatte sie, was ich nicht hatte?"

    "Hm.....ihre Gene waren ganz anders als meine und da kommt es eben häufig zu Sex. Vögel und Mäuse machen das auch so....die Wissenschaftler können dir das bezeugen - ehrlich! :flennen:"
     
    #9
    Neptun, 5 Januar 2008
  10. Roo
    Roo (25)
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    Der Mensch hat viele Fehler und es ist doch die angenehmste Methode, der Natur die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, oder? :zwinker:

    Mir persönlich sind solche Studien vollkommen egal, ich bin der festen Überzeugen des freien (aber nicht von Gott gegebenen) Willens (ja, es gibt ein paar Ausnahmen). Und die Tatsache, sein Verhalten auf seine Gene zu schieben, halte ich ehrlich gesagt für ziemlich schwach :rolleyes:
     
    #10
    Roo, 5 Januar 2008
  11. User 44981
    User 44981 (29)
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Ich möchte einfach mal behaupten, die meisten dieser tollen Erkenntnisse kommen nicht direkt so von den Biologen, sondern von irgendwelchen Journalisten, die eine wissenschaftliche Arbeit in die Finger bekommen, sie lesen, aber nicht wirklich verstehen (weil sie dazu selbst Biologen sein müssten) und dann einen für die allgemeinheit verständlichen Artikel darüber schreiben, der aber leider nicht mehr all zu viel mit der wissenschaftlichen Arbeit zu tun hat, weil man das Ganze überhaupt nicht so einfach ausdrücken kann (sonst hätte es der Biologe ja schon getan :grin:)

    Genau das stelle ich auch immer wieder fest, wenn ich als Physik-Student mit dementsprechend vorhandenem Hintergrundwissen Artikel in der Tageszeitung über physikalische Dinge lese (besonders gut dafür geeignet ist die Zeit, wenn Nobelpreise vergeben werden - z.B. die Erklärungen des Riesenmagnetowiderstandes waren teilweise sehr amüsant :grin:)

    Ihc bin in Sachen Biologie wirklich kein Spezialist, aber ich denke schon, dass die Biologen, die diese wissenschaftlichen Arbeiten schreiben, die dann zu solchen Meldungen verschandelt werden, genau wissen, dass das alles nicht so einfach ist und nicht nur von den Genen abhängt.
    Das ganze Thema ist viel zu komplex für so einfache Antworten.

    Das Problem ist nur: Wie kann man den "normalen" Leuten sonst die Ergebnisse aktueller wissenschaftlicher Forschung näher bringen?!?
    Das ist alles so komplex, dass man einfach viele Dinge vereinfachen muss, so dass sie ohne großes Hintergrundwissen verständlich sind. Auf diesem Weg gehen dann halt oft wichtige Dinge verloren.
    Aber wäre es besser, die Leute überhaupt nicht über so etwas zu informieren?!? - Ich glaube eher nicht...
     
    #11
    User 44981, 5 Januar 2008
  12. RobotChicken
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    Verheiratet
    Ich seh das ähnlich wie Banane0815.

    Kein ernstzunehmender Genetiker (um mal ein Beispiel herauszupicken) wird unkritisch seine Ergebnisse von seiner Drosophila auf den Menschen übertragen. Beispiel:
    Nach Ausschalten des Gens GAY-666 wurden die entsprechenden Fliegen plötzlich samt und sonders homosexuell.
    Aussage des Wissenschaftlers wäre wohl etwas in der Art:
    "Nach Anwendung dieserundjener statistischen Methode liegt die Irrtumswahrscheinlichkeit für die Relevanz dieses Gens für die sexuelle Präferenz bei unter 5%. Es sind noch folgende Fragen offen: [...] In diesenundjenen Bereichen ist noch Forschung nötig: [...]". Und dann findet sich vielleicht eine Fußnote, die besagt: "Das Ausmaß der Übertragbarkeit der Ergebnisse ist noch nicht abzuschätzen, die Existenz ähnlicher genetischer Prädispositionen beim Menschen wäre aber denkbar / nicht denkbar aus <Gründen>."

    Weil das aber alles zu sperrig ist und (wie bereits von Banane genannt) tiefergehendes Verständnis der Materie erfordern würde, wird es journalistisch aufbereitet. Und da können sich echt Abgründe auftun ("Wissenschaftler haben herausgefunden, daß ein Gen schwul macht.").

    Es gibt tatsächlich Gene, die bei verschiedenen Tierarten sehr ähnliche oder gleiche Dinge tun (sog. Mastergene), von denen das Augengen Pax-6 das bekannteste sein dürfte. Bei Verhaltensweisen ist die Sache natürlich viel komplizierter.
    Meine Meinung dazu:
    Der Mensch wird nach wie vor stark von seinen Instinkten und Reflexen gesteuert. Subliminale Einflüsse wie Geruch oder Körperhaltung haben sicherlich einen Einfluß z.B. bei der im Eingangspost angesprochenen Partnerwahl. Diese (und viele andere!) ursprünglichen Verhaltensweisen und ihre Beeinflusser sind genetisch codiert und verschwinden auch nicht ganz. Aber:
    Darüber befinden sich soviele Ebenen der "höheren Kommunikation", daß sie den ursprünglichen Teil völlig verwischen. Es ist so, daß der einzelne die Wahl hat, was er tut (rauchen, vergewaltigen, Straftaten begehen etc). Freier Wille ist nicht unbedingt eine Illusion, auch wenn man ihn von außen beeinflussen kann. Es gab ja auch mal diese Diskussion über die strafrechtliche Relevanz des Phänomens, daß die neuronale Aktivität bei Handlungen erst im motorischen Teil des Hirns und dann im "bewußt denkenden Teil" ansteigt.
    Meines Erachtens geht das zu weit. Abgesehen von angeborenen Defekten ist niemand genetisch zu irgendwas verhaltensmäßig verdammt. Was ich aber glaube, ist, daß die Kombination bestimmter Allele bestimmter Gene die Wahrscheinlichkeit beeinflußt, daß der Träger ein bestimmtes Verhaltensmuster entwickelt oder gegenüber bestimmten Einflüssen empfänglicher wird.
    Das heißt aber auch, daß er selber immer noch die Wahl hat, indem er seinen eigenen Kopf einsetzt.

    Insofern hat diese Forschung ihre Relevanz und ihre Inhalte. Was der einzelne Wissenschaftler / Journalist / Politiker da hineininterpretiert, ist wieder ein anderes Paar Schuhe.
     
    #12
    RobotChicken, 6 Januar 2008
  13. Starla
    Gast
    0
    Ich stimme Dir zu, RobotChicken, möchte aber noch ergänzen.

    Dieses alltagssprachliche "seinen eigenen Kopf einsetzen" bedeutet, dass man in der Lage ist, sein Verhalten von höheren Verhaltensebenen aus (das "Selbst") zu steuern und das wiederum bedeutet aber auch, dass es mehr als nur des bloßens Willens bedarf, um das zu erreichen.

    Da spielen eben auch Faktoren wie Umwelt, Vorerfahrungen, psychischer Zustand etc. eine Rolle.

    Das mag zwar nicht genetisch vorbestimmt sein, aber schon die frühkindliche Entwicklung hat einen großen Einfluss darauf, inwieweit wir später überhaupt dazu fähig sind, unseren Willen zu lenken und einzusetzen.

    Es sind zwar keine unveränderlichen Faktoren, aber es bedarf eben mehr, als einfach zu sagen "Nu streng Dich doch an, wenn Du willst, schaffst Du es auch".
     
    #13
    Starla, 6 Januar 2008
  14. RobotChicken
    Verbringt hier viel Zeit
    414
    103
    1
    Verheiratet
    @Starla: Selbstverständlich - die von dir genannten Faktoren sind natürlich Schlüssel für die Möglichkeit und die Art, "seinen Kopf einzusetzen" :smile:
    Kein Mensch ist eine Insel...
     
    #14
    RobotChicken, 6 Januar 2008
  15. Starla
    Gast
    0
    Off-Topic:
    Hab's nur erwähnt, weil ich schon oft über diesen Satz gestolpert bin und spätestens seit meinem Studium nicht mehr bedingungslos zustimmen kann. ^^
     
    #15
    Starla, 6 Januar 2008
  16. timtam
    timtam (29)
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Ich glaube nicht, dass eine wissenschaftliche Studie sagt, Rauchen usw. wird durch Gene verursacht. Möglicherweise wurde ein Zusammenhang zwischen gewissen Genen und der Veranlagung zum Raucher zu werden, aber schlussendlich ist die Umwelt etc. viel viel wichtiger. Als Ausrede kann man also nicht seine Gene nennen :zwinker:

    Solche Studien werden übrigens mit eineiigen Zwillingen durchgeführt, da sie genau die gleichen Gene besitzen, also eigentlich Klone sind. Man vergleicht dann z.B. ob beide Rauchen etc und vergleicht es mit den Resultaten von normalen Geschwistern.
    Man hat sogar schon Studien durchgeführt mit eineiigen Zwillingen, die nach der Geburt getrennt wurden. Dort hat man z.B. herausgefunden, dass die Veranlagung zum Übergewicht hauptsächlich von der Umwelt kommt.

    Den Studien darfst du also schon glauben, aber nur wenn sie auch korrekt beschrieben werden :zwinker:
     
    #16
    timtam, 6 Januar 2008
  17. angel_89
    angel_89 (27)
    Verbringt hier viel Zeit
    31
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    Verlobt
    Es gibt auch Studien, die genau so sind, wie der TS das beschrieben hat, wir hatten dazu mal eine Studie in Bio, die besagt, dass Frauen niemals so intelligent werden können wie Männer, was auf die sexuelle Selektion zurückzuführen sei.Ich weiß zwar nicht mehr genau, wie der Mensch hieß, von dem die Studie kommt, aber sie ist, obwohl sie nicht mehr die neueste ist, noch sehr populär!
     
    #17
    angel_89, 6 Januar 2008
  18. Dunsti
    Dunsti (39)
    Verbringt hier viel Zeit
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    vergeben und glücklich
    Ich sehe das als eine Mode-Erscheinung.

    Paar Leute haben da was gefunden, jetzt muss es jeder haben, wenn auch nur als Spielzeug, weil es sich einfach schickt.

    Das war in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern mit der Psychosomatik genauso. Plötzlich fragte Dich der Zahnarzt, ob Du denkst, dass Deine Mutter fremdgegangen ist, als sie Dich gezeugt hat; immerhin hast Du gerade eine Wurzelentzündung. Plötzlich ließen sich die Probleme der Menschen erklären; auch solche, die man heute über die Gene erneut zu erklären versucht und für die man Anfang der Siebziger schon die viel zu autoritäre Erziehung verantwortlich gemacht hat.

    Und glaub mir, in 10 Jahren haben wir was neues auf dem Markt und dann wird auch der "Normalbürger" etwas besser differenzieren können, was von dem heutigen "Wissen" wirklich sinnvoll ist und was eher ein Aufmerksamkeit erregendes oder Geld bringendes Strohfeuer war. Denn immer, wenn jemand dummes Zeug redet, um Aufmerksamkeit oder Geld (oder beides) zu bekommen, gibt es mindestens einen weiteren, der mit der Aufklärung dieser Sache ebenso viel Aufmerksamkeit oder Geld (oder auch beides) machen möchte - und es damit auch denen erklärt, die in dieser Materie nicht so tief drin stecken, dass sie es selbst merken könnten.

    Sicher lässt sich mithilfe seriöser Genforschung sehr viel erklären und sicherlich kann man damit auch dem einen oder anderen helfen. Genauso wie die Psychosomatik durchaus ihre Berechtigung hat. Aber spätestens, wenn jemand aktuelle gesellschaftliche Probleme über biologische Gesetzmäßigkeiten oder gar über die Veränderung der Gene in den letzten 100 Jahren zu erklären versucht, bewegt sich mein Mauspfeil instinktiv auf das rote Kreuz in der oberen rechten Ecke. Und das haben meine Vorfahren auch schon so gemacht...
     
    #18
    Dunsti, 7 Januar 2008
  19. timtam
    timtam (29)
    Verbringt hier viel Zeit
    441
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    0
    vergeben und glücklich
    ich versteh kein wort :ratlos:
    Warum können Frauen nicht so intelligent werden wie Männer? Welche Art von Intelligenz ist denn hier gemeint??

    Wenn keine Quelle angegeben ist --> nicht glauben!
    Wenn eine Quelle angegeben ist --> Quelle kritisch betrachten. Wissenschaftlichen Zeitschriften wie Science oder Nature kannst du Glauben schenken, auch wenn dort teilweise falsche Dinge publiziert werden. Jeder macht mal Fehler :zwinker:

    2. Ich weiss nicht, wie viel du von dem Thema verstehst, aber ich versuche mal eine mögliche Erklärung :zwinker:
    Die Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) ist aus verschiedenen Gründen sehr beliebt für genetische Studien. Etwa 50% der Gene sind identisch mit den Genen des Menschen.
    Ob Rauchen genetisch bedingt ist und ähnliche Studien werden aber ganz bestimmt nicht mit Fliegen gemacht!

    Jemand hat angesprochen, dass Wissenschaftler Fliegen homosexuell machen können. Das stimmt so nicht ganz. Man kann den Fliegen ein Gen inaktivieren, dass ihnen hilft, Weibchen zu erkennen. Fehlt das Gen, versuchen die Männchen sich auch mit anderen Männchen zu paaren. Davon gibt es ganz witzige Filmchen. Mit Homosexualität hat das nichts zu tun.
     
    #19
    timtam, 8 Januar 2008
  20. Mr. Kite
    Benutzer gesperrt
    103
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    Single
    Naja ich finde es nicht schlecht. Der Mensch ist praktisch seit es ihn gibt davon ausgegangen, dass er autark und unbeeinflusst von der Natur lebt und wirkt. Das ist natürlich totaler Unsinn.
    Im 19. Jh. fing man dann an sehr grob zu differenzieren zwischen sog. Naturvölkern, und dem modernen Menschen. Heute ist es halt bei der breiten Masse durchgedrungen, dass wir eben von der Natur und unseren Genen, zumindest mitgesteuert werden. Ich finde das gut. Es ist vollkommen üblich Ähnlichkeiten zwischen Vater/Mutter und Kind eben auf die Verwandtschaft, sprich dir Gene zurückzuführen. Warum sollte sich so eine Ähnlichkeit bloß auf die Physionomie beschränken?

    Unsere Gene haben einen großen Einfluss auf uns, das ist ein Fakt. Aber man sollte nicht dogmatisch jedes Verhalten auf die Gene zurückführen, oder Gene als Rechtfertigung für Fehlverhalten anführen.
     
    #20
    Mr. Kite, 8 Januar 2008

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