Willkommen auf Planet-Liebe

diskutiere über Liebe, Sex und Leidenschaft und werde Teil einer spannenden Community! :)

jetzt registrieren

Mutter stirbt - alle laufen davon

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von murkey90, 24 Juni 2009.

  1. murkey90
    murkey90 (26)
    Verbringt hier viel Zeit
    84
    91
    0
    Single
    Hey

    Ich weiß eigentlich gar nicht genau was ich mir davon erhoffe, dass ich diesen Text hier rein Schreibe. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass das meist gut getan hat.

    Ich mache im Moment eine schwere Zeit durch. Meine Mutter ist vor vier Jahren schwer an Krebs erkrankt. Angefangen hat alles als bei Ihr ein Lungentumor festgestellt wurde, dieser konnte operativ entfernt werden. Ein weiterer Tumor im Gehirn konnte auch entfernt werden. Krebszellen im Lympfsystem, am Herzen und in der Bauchgegend wurden durch Chemo behandelt. Irgendwann waren die Knochen befallen und ein Tumor im Gehirn wuchs wieder, dass wurde mit Bestrahlungen behandelt. Während dieser Bestrahlungen wurde eine Verbindung zwischen Nieren und Blase beschädigt weswegen Sie weiter Operationen über sich ergehen lassen musste. Sie bekam eine Stimmbandlähmung und kann seit dem nur noch sehr leise reden.
    Was ich sagen will, Sie hat die letzten Jahre alles gegeben und sich nicht unter kriegen lassen.
    Wir haben viele Reisen unternommen waren sogar Skifahren und versuchten so gut wie möglich mit der Krankheit zu leben.
    Es klappte eigentlich schon so gut, dass niemandem mehr aus unsere Familie wirklich bewusst war wie schlimm diese Krankheit eigentlich ist. Sie schlief zwar viel und konnte sich körperlich nicht mehr so anstrengen, ihre Haare hatte sie schon lange nicht mehr, auch daran waren alle gewöhnt.

    Vor zwei Monaten wurde dann alles schlimmer. Die letzte Chemo zeigte keine nennenswerten Verbesserungen, die Bestrahlungstherapie war abgeschlossen. Auf die Frage was als nächstes käme antworteten die Ärzte nur das man nichts mehr machen könne.
    Seitdem wird sie immer schwächer. Zuerst konnte sie nicht mehr richtig laufen. Sie begann eine riesige Modell Eisenbahn aufzubauen, Pullis für die ganze Familie zu Stricken usw. Sie kann eben nicht rumliegen und nichts tun :tongue:

    Doch inzwischen ist sie so schwach, dass sie nicht mehr laufen kann. Nicht selbst essen kann sogar ein Glas kann sie nicht mehr richtig halten.
    Mein Vater kümmert sich Tag und Nacht um sie und ich versuche so gut es geht ihm unter die Arme zu greifen und trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen wenn ich sie da liegen sehe!

    Ich versuche sie zu beschäftigen aber es klappt nicht wirklich. Ich leihe Filme aus von denen ich denke sie könnten sie interessieren, doch inzwischen kann sie den Handlungen nicht mehr folgen. Ich versuche spiele mit ihr zu machen oder sonst was doch es geht immer weniger…

    Zusätzlich hat sich nun meine 90 Jährige leicht demente Oma den Oberschenkelhals gebrochen und kuriert sich nun auch bei uns aus. Sie ist eigentlich genauso ein Pflegefall wie meine Mutter was die Sache nicht leichter macht. Wir haben ein großes Haus und es ist deshalb kein Problem das sie hier ist. Mein Vater hat ihr versprochen, dass er sie nie in ein Heim abschieben wird und deshalb ist sie da. Im Krankenhaus hat sich niemand wirklich darum gekümmert das sie genug trinkt usw. Da hat mein Vater sie kurzerhand hergeholt.
    Eine Entlastung ist die Haushaltshilfe meiner Oma die gleich mit bei uns eingezogen ist und sich, zumindest unter der Woche, um die Oma kümmert. Wir sind jetzt ein 10 köpfiger Haushalt 

    Mein Vater ist sehr übernächtigt weil er 3-4 mal in der Nacht aufsteht um mit meiner Mutter aufs Klo zu gehen. Tagsüber kümmert er sich ums Essen, Medikamente, Heiler, Masseurinnen, Pfelgedienst usw. Dabei teilen wir uns die Arbeit größtenteils. Ich fahr Sauerstoffflaschen holen. Medikamente, Essen einkaufen, kochen, usw. Und wenn Sie im Bett verrutscht werden muss oder in den Rollstuhl etc hebe ich sie auch meistens weil mein Vater nicht mehr so viel Kraft hat.
    Mein Vater ist Inhaber eines großen Verlages und kann sich so erlauben nicht mehr täglich Arbeiten zu gehen zumal er schon 63 ist. Trotzdem hat er nicht genug Kraft das noch lange zu bewältigen. Er leidet selbst an einer Leberzerrose, hat Hepatitis C, ist schwerer Diabetiker.
    Er opfert sich sehr auf für die Pflege meiner Mutter, aber er geht oft an seine Grenzen und hat dann keine Kraft oder kein Gefühl mehr für zwischenmenschliches was meine Mutter, gerade jetzt, braucht. Er zeigt seine Liebe zu ihr, wie immer schon, mit Dingen die er für sie tut. Er macht ihr gesundes Essen wie im 5 Sterne Restaurant und unterdrückt seine Enttäuschung wenn sies nicht essen kann. Er bringt immer frische Blumen usw.
    Ich denke er müsste sich auch mal Zeit dafür nehmen einfach Zeit mit ihr zu verbringen die keinen praktischen Nutzen hat! Das schafft er nur selten und ich kann das nicht ersetzen…
    Heute z.B. hat er alles erledigt (Klo, waschen, essen usw.) und sagt dann das er sich hinlegen muss (weil er auch wieder die Nacht wach war). Er geht aus dem Raum und meine Mutter wollte mit ihm spazieren gehen bei dem schönen Wetter. Sie ist in Tränen ausgebrochen…
    Ich kann meine Vater verstehen er geht wirklich an seine Grenzen… Meine Mutter kann das nicht mehr richtig Einschätzen was er alles tut. Sie hat kein Zeitgefühl, vergisst alles sofort, weiß nicht welcher Tag ist usw.

    Mein Vater hält sehr viel von mir und ich bin ihm wohl auch ein Vorbild bei manchem weil mir stressige Situationen nicht so schnell über den Kopf wachsen wie Ihm. Deshalb baut er auch auf meine Hilfe. Meinen Bruder unterschätzt er immer und mit ihm kann er nicht so gut umgehen wie mit mir, weil ich eben ein dickeres Fell habe als mein Bruder. Man muss dazu sagen, dass man Vater ein „Hitzeblitz“ ist mit dem nicht viele Leute gut können wenn er gestresst ist. Ich glaube er hat mich gerne als Hilfe weil ich die Situation so gut beruhigen kann ^^


    Soweit dazu.

    Ich habe drei Geschwister. Mein jüngerer Bruder, 18, meine jüngere Schwester, 12. Und meine älteren Bruder, 25.

    Ich habe das Gefühl als würden sie sich der Sache größtenteils entziehen. Mein Schwester läuft total davon, ist jeden Tag bei einer anderen Freundin übernachtet am Wochenende woanders und lässt sich auch so kaum blicken. Ich mach ihr keinen Vorwurf. Es ist schwer mit 12 Jahren die Mutter zu verlieren vor allem als heranwachsende Frau. Ich habe versucht ihr mit Filmen wie „Die Brüder Löwenherz“ das Thema „sterben“ irgendwie näher zu bringen. War aber erfolglos.. Auch haben meine Eltern, die pädagogisch wirklich auf der Höhe sind, versucht mit ihr darüber zu reden. Sie redet ganz normal darüber, lässt aber keine Gefühle zu. Sie hat dicht gemacht. , denke ich. Das kenn ich von mir selbst, habe es aber in den letzten Monaten überwinden können. Sie ist Wahrscheinlich zu jung um so was zu verstehen. Es ist irgendwie nicht genug Ruhe in unserem Zusammenleben um mal mit ihr ernsthafter zu reden.
    Meine Befürchtung ist, dass unsere Mutter sterben wird und meine Schwester die letzte Zeit nur davon rennt statt mit ihr Abende zu verbringen. Sei es nur bei ihr im Raum sein, Sie zu Füttern oder sonst was.

    Bei meinem kleineren Bruder ist es ungefähr dasselbe. Er gibt sich zwar Mühe weil er eben nicht mehr so kindlich aus dem Bauch entscheidet wie meine Schwester, aber er ist auch oft bei seiner Freundin, lässt sich kaum blicken usw.
    Auch er sieht die Situation gar nicht so wie sie ist, denke ich! Er ist auch oft überfordert, weiß nicht wie er sich verhalten soll etc…

    Meinen älteren Bruder braucht man eigentlich gar nicht erwähnen. Er wohnt im selben Haus und hat meine Mutter in den letzten 3 Wochen vllt 2 mal gesehen… Er tut so als ginge ihn das alles nichts an. Er kommt aus einer früheren Beziehung meines Vaters lebt aber schon immer mit uns zusammen. Er hat überhaupt keine Gedanken zu dem ganzen. Er runzelt Sinnbildlich die Stirn über Bettpfannen und Krankenbetten…
    Er lehnt grundsätzlich ab wenn man ihn um Hilfe fragt und sei es nur die Bitte zur Apotheke zu fahren ein Medikament zu holen…


    Jeder geht mit Trauer etc anders um. Ich habe auch oft Hemmungen meiner Mutter gegenüber ich weiß manchmal nicht was ich tun kann damit es ihr besser geht, aber ich versuche trotzdem so viel schönes wie eben noch möglich ist mit ihr zu erleben. Ich finde es so traurig, dass meine Geschwister das nicht erkennen (können).

    Ich sehe dass mein Vater zunehmend gestresster wird und wir irgendwas ändern müssen. Aber dazu müssten alle mit anpacken, weil ich mir auch nicht alles alleine zutraue!

    Ich merke das ich z.B. meine Freundin und auch Freunde total vernachlässige. Meine Freundin kann das einigermaßen verstehen. Doch es kriselt zwischen uns. Und ich habe einfach keine Lust und Kraft mich so sehr um meine Freundin zu kümmern. Wenn sie hier ist fühle ich mich als wenn jetzt zwei Frauen meine ganze Aufmerksamkeit beanspruchen…
    Und für mich ist ganz klar was im Moment Priorität hat!
    Gestern war es fast soweit das wir uns getrennt hätten…


    Mich würde interessieren wie ihr mit dem Thema sterben umgeht. Oder vielleicht hat ja jemand etwas ähnliches erlebt und kann etwas zu der Situation mit den Geschwistern, besonders meiner Schwester, sagen.

    Eine andere Frage die mir auf dem herzen liegt ist wie man mit jemand der sterben wird über das sterben redet. Meine Mutter ist z.B. nicht gläubig im christlichen Sinne hat aber eine sehr ausgeprägte Spiritualität. Natur etc spielt da eine große Rolle.
    Wie fängt man ein Gespräch an darüber wie die Trauerfeier aussehen soll oder ob sie irgendwelche wünsche hat?


    Mich würde es freuen wenn jemand seine Erfahrungen preisgibt oder einfach irgendetwas schreibt 



    Viele Grüße


    murkey
     
    #1
    murkey90, 24 Juni 2009
  2. User 87316
    Verbringt hier viel Zeit
    162
    103
    1
    nicht angegeben
    Hallo Murkey,

    ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, was ich schreiben soll bzw wo ich anfangen soll, aber ich finde, du machst die Sache echt klasse, ganz besonders unter Berücksichtigung, dass du noch so jung bist.

    Zu deiner jüngeren Schwester (vllt auch deinen Bruder): Es gibt spezielle Jugendgruppen, wo betroffene Jugendliche betreut werden, damit sie lernen, mit dem Tod umzugehen bzw. mit dem Verlust eines nahe stehenden Menschen zurecht kommen. Dort ist sie nicht ausgeschlossen, sondern Teil einer Gesellschaft, dei alle dasselbe durchgemacht haben. Dort kann sie sich verstanden fühlen und die Betreuer sind eben auch speziell geschult. Alternativ wäre auch eine Therapie bei einem Kinder- und Jugendtherapeuten. Du sagst ja selbst, dass sie sich zu Freunden flüchtet und mit der Situation mehr als überfordert ist. Allein wird sie es nicht verarbeiten können, die Sache mit dem Film finde ich von der Idee sehr gut, aber nicht ausreichend, um ihr wirklich zu helfen.
    Meine Uroma war ein Pflegefall, als ich 13 war, und wurde zuhause von meiner Oma gepflegt und ich konnte damit nicht umgehen, es war mir sowas von unangenehm zu ihr ins Zimmer zu müssen, ich habe alles versucht, um das tunlichst zu vermeiden, oder -wenn ich musste - so schnell wie möglich da wieder raus zu kommen. Deswegen denke ich, dass da professionelle Hilfe mehr ausrichtet.

    Zu deinem Vater: Er kümmert sich wirklich aufopfernd um sie, aber er ist selbst krank und er tut nichts für sich und genau da fängt das Problem auch an. Er macht sich dadurch kaputt. Versuch ihn zu überreden, sich zumindest einmal die Woche mindestens eine Stunde für sich zu nehmen und zu tun, was ihm Spaß macht, einfach, damit er sich auch erholt. Dasselbe würde ich auch dir raten.
    Ja, eure erste Priorität ist deine Mutter bzw. seine Ehefrau, aber man braucht Zeit für sich um Energie tanken zu können, das heißt ja nicht gleich, dass man sie vernachlässigt! Auch nicht, wenn du eine Stunde mal Zeit mit deiner Freundin verbringst oder einfach nur einem Hobby nachgehst. Deine Mutter hat noch weniger davon, wenn ihr beide euch völlig verausgabt.
    Vielleicht könntet ihr auch eine Haushaltshilfe einstellen/beantragen, die putzen, kochen usw übernimmt, eben damit ihr mehr Zeit für euch habt.

    Zum Thema Trauerfeier etc: Ich denke, wenn deine Mutter spezielle Wünsche diesbezüglich hat, dann wird sie die auch von sich aus äußern. Es ist verständlich, dass du da Bedenken hast, sie anzusprechen. Ist auch keine leichte Sache.

    Ich wünsche dir viel Kraft für die kommende Zeit :knuddel:
     
    #2
    User 87316, 24 Juni 2009
  3. Beastie
    Beastialische Beiträge
    10.758
    218
    254
    Single
    oh maaan.. ihr habts auch nicht leicht.

    bitte wendet euch an eure krankenkasse oder an die caritas oder ähnliches und holt euch hilfe, insbesondere für deine mutter.
    sie waschen usw kann auch ein pflegedienst.

    pflegegeld habt ihr ja sicherlich beantragt oder?


    ich finde außerdem, dass ihr mal einen familienrat einberufen solltet.
    sag, was dir auf dem herzen liegt. ohne vorwürfe
     
    #3
    Beastie, 24 Juni 2009
  4. User 44981
    User 44981 (29)
    Planet-Liebe Berühmtheit
    4.093
    348
    2.105
    Single
    In Sachen Mitleidsbekundungen bin ich ziemlich schlecht... deshalb lasse ich das bleiben und versuche lieber, dir mit meiner Erfahrung zu helfen.

    Vor nicht all zu langer Zeit ist meine Oma gestorben. - Auch an Krebs und auch mit einer durchaus ähnlichen Leidensgeschichte wie deine Mutter: Erst Krebs, der scheinbar besiegt werden konnte; aber nach einigen Jahren war er wieder da und breitete sich immer weiter aus, so dass letztendlich keine Rettung mehr möglich war.
    Mein Opa hat sich wirklich aufopfernd um meine Oma gekümmert und obwohl er selbst alles Andere als topfit ist, ist er teiweise weit über seine normalen körperlichen und geistigen Grenzen hinausgeganen - trotz größtmöglicher Hilfe von allen Seiten, insbesondere von seinen beiden Töchtern.
    Aber irgendwann war es einfach zu viel.

    Allerdings konnten wir die Sache dann mit Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes wieder bewältigen und meinen Opa ein Stück weit entlasten. - Er hatte wieder Zeit, wenigstens manchmal gewisse Dinge für sich selbst zu tun, die er teilweise vorher schon seit Jahrzehnten regelmäßig gemacht hat, was er vorher so gut wie überhaupt nicht mehr konnte.
    Durch diese Hilfe konnte meine Oma bis zu ihrem Tod zu Hause gepflegt werden, was ihr auch sehr gut getan hat, sie unheimlich glücklich gemacht hat und ihr wahnsinnig viel Kraft gegeben hat (so viel, dass aus den prognostizierten wenigen Tagen bis maximal wenigen Wochen verbleibender Zeit nach ihrem letzten Krankenhausaufhalt noch einige Monate zu Hause wurden, in denen sie anfänglich noch mal so fit war, wie es sich niemand - und insbesondere keiner der Ärzte im Krankenhaus auch nur in seinen schönsten Träumen hätte vorstellen können).

    Diese Zeit war trotz ambulantem Pflegedienst wahnsinnig anstrengend und alle Beteiligten hätten es wohl kaum länger ausgehalten, als es letztendlich gedauert hat - aber es hat sich definitiv gelohnt!

    Von daher habe ich nur einen Tipp für dich, bzw. für euch:
    Holt euch externe, professionelle Hilfe in Form eines ambulanten Pflegedienstes, o.Ä., um euch zuentlasten. - Ohne Hilfe macht ihr euch nur selbst völlig kaputt!
    Vielleicht wäre auch noch eine zusätzliche Haushaltshilfe eine Überlegung Wert, falls ihr euch das leisten könnt.

    Und in Sachen Pflegegeld, Pflegestufe, etc.:
    Falls ein Gutachter hier die Sachlage völlig falsch beurteilt (was z.B. bei meiner Oma der Fall war), wehrt euch dagegen und verlangt ein weiteres Gutachten, um auch wirklich angemessene Hilfen bezahlt zu bekommen.
     
    #4
    User 44981, 24 Juni 2009
  5. User 53338
    Meistens hier zu finden
    784
    128
    224
    offene Beziehung
    Hey,

    ich wollte dir schon frueher antworten, aber ich hatte vorhin nicht die Zeit dafuer.

    Erstmal moechte ich dir sagen, dass ich das was du leistest verdammt stark finde und du meine volle Hochachtung hast. Von dem was du und dein Vater und auch der Rest deiner Familie leistet, kann ich nur meinen Hut ziehen. Ich kann mich nicht einmal annaehrend vorstellen, welche Last du auf deinen Schultern traegst und mit welcher Hingabe du dies auch noch tust, wie sehr du dich hinter deine Familie stellst.

    Aber so wie es sich liest, seid ihr alle ziemlich alleine. Habt ihr irgendeine andere Art von Unterstuetzung, ausser der Pflegekraft fuer deine Oma? Waere es moeglich eine Pflegekraft auch fuer deine Mutter zu bekommen, so dass du und auch dein Vater etwas entlastet werden? Ich koennte mir vorstellen, dass dein Vater dann auch wieder mehr Zeit hat, um einfach bei deiner Mutter zu sein. Nicht als ihr Pfleger, sondern als ihr Mann und du als ihr Sohn. Haettet ihr darauf einen Anspruch?


    Eine meiner Freundinnen hat vor fuenf Jahren ihre Mutter an Krebs verloren. Auch sie ist zu Hause gestorben und wurde zuvor von der Familie gepflegt. Sie war damals in therapeutischer Behandlung und ist es auch heute noch. Ich glaube, wenn nicht jetzt, dann spaetestens nach dem Tod deiner Mutter wird es vielleicht auch bei dir einbrechen, wenn es das nicht schon ist. Jetzt hast du noch die Verantwortung und die Pflege, die dich den Tag ueber beschaeftigt, aber was ist, wenn deine Mutter nicht mehr da ist? Hast du irgendetwas was dich dann auffangen wird? Ich glaube nicht das Freunde dafuer ausreichen. Wie schaut es also bei dir in der Familie aus? Werdet ihr psychologisch betreut oder wuerde so etwas in Frage kommen?

    Wenn nicht, dann informier dich doch mal nach Selbsthilfegruppen. Auch ganz besonders im Bezug zu deiner Schwester... es gibt Kindertrauergruppen, wo Kinder lernen von einem Elternteil Abschied zu nehmen oder den Tod von Mutter oder Vater zu verarbeiten. Ich habe von diesen Gruppen bisher nur positives gehoert. Deine Schwester ist 12 Jahre, das ist so jung und ich glaube ihre Seele schafft es noch nicht das ganze so zu verarbeiten und vorallem so zu realisieren, wie du es oder deine aelteren Geschwister schaffen. Ich denke das es besonders fuer sie wichtig waere, wenn sie fuer ihr Alter entsprechend und vielleicht zusammen mit anderen Kindern auf den Tod deiner Mutter vorbereitet wird.

    Es gibt auch Selbsthilfegruppen fuer Erwachsene. Mir faellt jetzt spontant "Leben ohne Dich" ein - dazu gibt es auch eine Internetseite im Internet. Diese Seite richtig sich in erster Linie an Eltern und Geschwister, die ihr Kind bzw. einen Geschwisterteil verloren haben. (http://www.lod.de/) Du findest dort aber auch Links fuer verwaiste Muetter oder Vaeter und auch fuer Jugendliche, deren Vater oder Mutter gestorben ist und noch viele mehr.... vielleicht schaust dich dort einfach mal um.

    Wie wird denn in deiner Familie allgemein ueber das Thema gesprochen? Wie sieht euer Familienaltag aus? Sitzt ihr abends zusammen, unterhaltet euch ueber den Tag oder geht jeder mehr seinen eigenen Weg? Vielleicht waere es nicht schlecht, wenn ihr euch gegenseitig Zeit fuer den anderen nimmt. Vielleicht ueber die Woche verteilt. Ihr als Geschwister koenntet untereinander etwas alleine machen, waehrend euer Vater etwas mit eurer Mutter unternimmt (so wie ihre Krankheit das eben zu laesst) - andersrum genau so, so dass euer Vater mal etwas Abstand gewinnen kann. Vielleicht tut es deinen (juengeren) Geschwistern auch gut, wenn euer Vater mit ihnen etwas unternimmt. Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwer ist diese drueckende Stimmung zu Hause zu ertragen und deine Geschwister vielleicht genau aus dem Grund hinaus versuchen vor der Situation zu fluechten. Vielleicht wissen sie aber auch nicht anders damit umzugehen und koennten das in einer Selbsthilfegruppe lernen.

    Hast du mit deinen Bruedern schon mal darueber gesprochen, dass du dir mehr Unterstuetzung wuenschst? Wie waere es wenn ihr einen Plan aufstellt? Deine Brueder koennten ja insgesamt zB das Einkaufen uebernehmen oder die Waesche waschen. Vielleicht koennt ihr euch die Aufgaben fest zu teilen, so dass jeder gleich mit anpackt und die Aufgaben so legen, dass sie fuer den einzelnen nicht zu stark psychisch belastend sind.

    Ich denke nicht das dein aeltester Bruder das ganze kalt laesst - vielleicht handelt er auch grade weil er aus einer frueheren Beziehung ist so. Vielleicht denkt er nicht das Recht haben zu duerfen so zu trauern wie ihr? Weil er nicht das leibliche Kind ist? Habt ihr euch schon mal zusammen gesetzt und darueber gesprochen?

    Tut mir leid, wenn ich jetzt nicht die besten Ratschlaege habe. Aber ich denke dennoch, dass das wichtigste ist, dass ihr Unterstuetzung bekommt - seelische, als auch vielleicht in Form einer weiteren Pflegekraft.

    Ich hoffe nur das du dich neben all deinen Aufgaben nicht selbst vergisst und auch auf dich und deine Grenzen acht gibst...
     
    #5
    User 53338, 25 Juni 2009
  6. User 10802
    Planet-Liebe Berühmtheit
    3.083
    348
    4.777
    nicht angegeben
    Hi! Murkey!

    Meine Mutter ist Ende 2008 an Krebs gestorben. Sie hatte vier Jahre lang gegen die Krankheit gekämpft, Chemo-Phasen, Erholungsphasen, Hoffen, Bangen. Mitte 2008 dann plötzlich Wasserbildung im Bauch, Metastasen im Bauchfell, Diagnose: Maximal noch ein halbes Jahr. Meine Mutter lebte getrennt von meinem Vater, meine Schwester wohnt 80km weit weg... Ich war in der Nähe, hatte etwas mehr Freiheit als Selbständiger und begann, Pflege und Papierkrieg zu übernehmen.

    Was folgte war erstmal eine dreimonatige Odysee duch diverse Kliniken, Grabenkämpfe mit der Krankenkasse, ein letzter Versuch mit einer experimentellen Chemo - und dann die Gewissheit, dass Nichts mehr zu machen ist. Und die Frage Hospiz oder zu Hause. Ihr Wunsch war zu Hause zu sterben, den wollte ich ihr erfüllen, also wurde eingerichtet und umgebaut, ich bin für die Zeit zurück in unser Haus gezogen und habe Freunde und Nachbarn einbezogen, um ihr den Weg so leicht wie möglich zu machen.

    Zwei Wochen ging das relativ gut, auch wenn ich immer mehr an meine körperlichen Grenzen kam und meine Arbeit komplett sein lassen musste, um alles zu leisten, was in dieser Zeit nötig war. Mein Vater und meine Schwester kamen ab und an zu Besuch, aber eher selten - Die Verantwortung lag bei mir. Nach zwei Wochen und einer absoluten Horror-Nacht, in der meine Mom organische Psychosen entwickelte, konnte ich nicht mehr... Alleine war das nicht zu schaffen. Jede Nacht wach, Apothekenfahrten, Haushalt, Papierkrieg... unmöglich.

    Meine Schwester "weigerte" sich weiter, wirklich zu helfen... Ihre Art damit umzugehen war wegzulaufen und zu verdrängen wo sie konnte - mit immer neuen Ausreden, nicht zu kommen. Mein Vater begann sich mehr zu kümmern, konnte aber auch nur begrenzt von Hilfe sein.

    Ich unternahm dann einen kurzen Versuch mit dem Pflegedienst der Charitas, aber da meine Mutter an diesem Punkt Rund-um-die Uhr Betreuung brauchte, war das auch keine Lösung. Also haben wir über eine Agentur eine Pflegekraft und ausgebildete Krankenschwester aus Tschechien angestellt - wir hatten unglaubliches Glück, sie hat sich wahnsinnig Mühe gegeben und sich sehr gut mit meiner Mom verstanden.

    In dieser Zeit begann die recht harmonische letzte Phase, in der ich viel mit meiner Mutter gesprochen habe, über Tod, Pläne und was sie will (Erbe etc), aber auch noch wesentlich mehr über ganz normale Dinge, geschichten an die wir uns erinnert haben, Alltagsgedanken... Da war eine komische Normalität in Allem, eine Routine, wir konnten lachen, Quatsch machen, albern sein... Ich habe da immer versucht eben so weit es in so einer absurden Situation möglich ist Normalität zu wahren, nicht permanent gefragt wie es geht und wo was weh tut oder was sie noch sagen will... Der Tod war zwar in den Gesprächen präsent aber nicht der einzige Fokus. Ansonsten hab ich auch versucht sie abzulenken, mit Musik (Vorher auch Filme, aber das ging irgendwann nicht mehr), Fotos zeigen, Geschichten vorlesen. Es kamen auch relativ viele Freunde von ihr zu Besuch, immer nur kurz und in Maßen, aber irgendwie war doch jeden Tag Programm. :zwinker: Es kam auch zu je einer letzten Aussprache mit meinem Vater und meiner Schwester (die beiden hatten ein schwieriges Verhältnis), die beiden denke ich sehr gut getan hat.

    In dieser Zeit entwickelte meine Mutter eine enorme Gelassenheit gegenüber all dem Leiden... Meine Mutter war gerade in den letzten Monaten extrem gläubig und hatte auch einen Pfarrer in ihrem Freundeskreis, der sich sehr gekümmert hat. Ich denke ihr Glauben hat ihr da extrem viel geholfen.

    Meine Beziehung hat in dieser Phase auch extrem gelitten, da ich gar keine Zeit und keinen Kopf mehr für andere Dinge hatte - es tat gut, abends in den Armen meiner Freundin einzuschlafen und dieses Gefühl von zu Hause zu haben, kümmern um sie konnte ich mich aber nicht wirklich.

    Am Tag ihres Todes hat mich morgens die Pflegerin angerufen und gesagt dass es schlecht steht... Ich hab meine Schwester angerufen, die als ich sie endlich erreicht habe sofort hergefahren ist. Keine halbe Stunde nachdem sie da war, am 28.11. um Punkt zwölf Uhr ist meine Mutter in unserem Beisein gestorben.

    Ihr Tod war für meine Schwester ein Schock, für mich eine Erleichterung... Sie musste jetzt nicht mehr leiden und das war ok. Ich war so erschöpft, nach der Trauerfeier bin ich glaube ich 2 Wochen einfach umgefallen, hab die Tage zwischen Couch und Bett verbracht. Meine damalige Freundin und ihre Famile haben mich aufgefangen und irgendwie ging das Leben dann weiter.

    Ich habe noch einige Zeit daran geknabbert, kam aber ganz gut zurecht. Meine Schwester hat kurz getrauert, es dann verdrängt und ist ein Jahr später psychisch komplett zusammengebrochen. Auch wegen dem Tod meiner Mutter.

    Meine Mutter kam von sich aus damit an, wo sie begraben werden will... Der befreundete Pfarrer sollte die Trauerfeier halten, sonst war ihr der genaue Inhalt und die Gestaltung egal. Das haben wir erst nach ihrem Tod gemeinsam mit ihrer besten Freundin, meinem Vater und dem Pfarrer geplant und besprochen. Ich denke aber Du kannst sie da auch direkt ansprechen... Dass sie sterben wird ist ihr ja bewußt - und auch mit diesem schwierigen Thema kann mit einer gewissen Normalität umgehen.

    Die beste Freundin meiner Mutter hat in dieser Zeit auch ein sehr süsses Kinderbuch mitgebracht, dass das Thema sterben behandelt... Wenn's Dich interessiert schau ich mal, ob ich noch auf den Titel komm... Daraus haben wir auch meiner Mutter vorgelesen und anhand dessen über das Thema Tod geredet.

    Sooooo, das war jetzt viel zu viel Text aber mir fällt's grade schwer das Ganze mehr zu fokussieren :zwinker: , wenn Du's wirklich gelesen hast und noch Fragen an mich hast, einfach melden. :smile:

    Lg und ganz viel Kraft,
    Brainie :smile:
     
    #6
    User 10802, 25 Juni 2009
  7. xoxo
    Sophisticated Sexaholic
    20.750
    698
    2.618
    Verheiratet
    Ich habe etwas Ähnliches 2x durchgemacht, das letzte Mal ist keine 4 Monate her. Jeder geht mit dem Thema Tod und Trauer anders um, weswegen man niemanden zu etwas (Pflege; Reden) zwingen sollte. Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich glaube, es ist für die betroffene Person das Beste. Ich habe lange gebraucht um zu verarbeiten und Tränen ohne Ende geweint. Und natürlich hätte ich Dinge anders machen können. Aber es ist zu spät um Dinge zu bereuen. Andere Familienmitglieder sind durch die Pflege auch psychisch und physisch kaputt gegangen, weswegen wir inzwischen Köchin, Putzhilfe und Pflegedienstmitarbeiter haben, damit niemand jemals wieder einen Nervenzusammenbruch erleidet. Soweit waren wir nämlich auch mal. An deiner Stelle würde ich mit Schwester, Bruder und Co. reden, aber im Endeffekt ist es deren Entscheidung. Das erste Mal habe ich eine solche Situation mit 13 Jahren mitgemacht, und ich habe viel mehr darüber nachgedacht, begriffen und verstanden, als du mir zutrauen würdest. Wenn du mit deiner Mutter sprechen möchtest, dann tu dies einfach, sie wird vermutlich sehr froh sein, dass es endlich mal jemand anspricht.
     
    #7
    xoxo, 25 Juni 2009
  8. Emilia16
    Emilia16 (29)
    Verbringt hier viel Zeit
    284
    113
    28
    nicht angegeben
    Ihr braucht Unterstützung von Außen, alleine schafft ihr das nicht.
    Suche Kontakt zu einem Hospiz oder einer SHG, eventuell gibt es sogar einen ambulante Hospizpflege bei euch.

    Sag deinem Vater, dass du siehst wie sehr ihn die Pflege deiner Mutter anstrengt und dass es keine Schande ist sich Hilfe zu holen. Gib ihm Anerkennung für das was er tut, deine Mama kann das im Moment nicht.
    Todkranke Menschen durchlaufen verschiedene Phasen, dazu gehört eben auch die Wut die sie haben, weil ihnen das Leben entgleitet, das übertragen sie dann häufig auf die Angehörigen. http://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_Kübler-Ross#Die_f.C3.BCnf_Phasen_des_Sterbens
    http://www.krebsgesellschaft.de/lk_abschied_und_trauer,997.html
    http://www.wegweiser-hospiz-und-palliativmedizin.de/
     
    #8
    Emilia16, 25 Juni 2009
  9. hellgrau
    Gast
    0
    Ich hab in ungefähr dem gleichen Alter ungefähr die gleiche Situation erlebt (anderer Krankheitsverlauf). Ich werd mich trotzdem versuchen kurz zu fassen, weil es nicht so einfach ist die richtigen und wichtigen Dinge zu sagen.

    Tu alles, was Du kannst. Akzeptiere die Dinge, die Du nicht kannst und mach den Rest. Auch wenn es schmerzt. "Hinterher" sind es nur doch die Dinge, die Du nicht getan hast, die Schmerzen bereiten.
    Vieles von dem, was euch jetzt wehtut oder schwer fällt, werden "später" die Dinge sein, die euch aufrecht halten.

    Das Problem der umgebenden Personen ist nicht die Situation, sondern die Veränderung an sich selbst, die sie erleben. Deine Schwester kann mit 12 Jahren sicher ganz verständlich darüber reden. Aber das ändert nichts daran, dass eine 12jährige ihre Mutter braucht. Und wenn keine Mama da ist, kann es sein, dass sie alles vergräbt, wofür sie eine braucht. Ihr verändert euch alle und ganz besonders Deine jüngeren Geschwister. Du kannst diesen Verlust (der durch die schwere der Kranhkeit schon zu großen Teilen besteht) nicht ungeschehen machen. So ein großer Verlust muss "irgendwo hin". Wenn Du für Deine Schwester die Ersatzmutter sein willst, wird dafür die große Schwester gehen müssen. Ihr werdet irgendwann mit einem großen Verlust weitermachen und um damit umgehen zu können, müsst ihr dorthin schauen wo das Loch entstanden ist.

    Pflegeunterstützung solltet ihr wirklich in Betracht ziehen. Zum einen gibt es Dinge, die einem schwer fallen. Aus denen ergibt sich dann eine (vielleicht gar nicht bewusst erkennbare) "Abneigung" und das sollte in der Situation nicht sein. Zum anderen gibt es Dinge, die einfach nur anstrengend sind und Dich zwingen Deine Kraft für etwas zu "verschwenden", was eigentlich nicht so wichtig ist. Eine Haushaltshilfe zu haben, ist sicher eine gute Sache. Du willst nicht zu müde für einen Film sein, weil Du gerade zwei Stunden gebügelt hast.

    Wie bei all diesen Situationen, die man nur einmal erleben kann, darfst Du nicht vorschnell urteilen oder irgendwas ausschließen. Du weißt nicht, welchen Einfluss die nächsten Jahre auf euch haben werden. Versuch das so offen wie möglich zu betrachten und lass Dich nicht durch Vorurteile oder Erlebnisse von anderen zu stark beeinflussen. Du übersiehst vielleicht, wie es euch wirklich geht, wenn Du überwiegend nach dem schaust, wovon Dir andere erzählen.

    Für Deine kleine Schwester wird der Einfluss am stärksten sein. Und was es bewirkt, wenn sie in dem Alter ohne Mama aufwächst, kann man nicht sicher sagen. Eine "Mutterfigur" ist vielleicht keine schlechte Idee. Es gibt Dinge, die man mit der großen Schwester nicht machen kann und auch nicht mit der großen Schwester, die versucht den Verlust der Mama auszugleichen. Es ist nicht zu erwarten, dass Deine kleine Schwester einen wirklichen Ersatz findet. Aber vielleicht gibt es jemand anderen, mit dem sie einen Teil von dem machen kann, was ihre Mutter gemacht hätte. Und wenn es nur "gemeinsam Klamotten kaufen, Mittagessen kochen" oder andere "gewöhnliche Dinge" sind. Ich habe erlebt, dass diese Veränderungen sehr stark sein können und man sie dennoch oft nicht richtig greifen kann.

    Dinge wie Trauerfeier etc. sollte sie eigentlich schon mit Deinem Vater besprochen haben. Wenn das geht, frag ihn dazu. Du darfst nicht vergessen, sie ist seine Frau. Und solange er es kann, sind gewisse Dinge "seine Aufgabe".

    Dann noch seine Sache. Es gibt kein "nichts tun". Man sagt immer "Die Welt dreht sich weiter". Irgendwann ist diese Situation vorbei. Irgendwann gibt es ein danach. Und dann müsst ihr mit dem leben, was passiert ist und was ihr getan habt. Ihr könnt das nur "nicht schaffen" in dem Sinn, dass es euch schlecht geht. Ihr werdet darüber hinweg kommen. Die Frage ist nur wie. Etwas nicht zu tun ist kein Hinauschieben. Man hat für jeden Augenblick seines Lebens nur einmal die Möglichkeit ihn zu formen.

    Weiß nicht, was man Dir wünschen kann.
    Vielleicht, dass Du es noch etwas besser machst, als alle anderen bisher.

    -- -- hellgrau
     
    #9
    hellgrau, 25 Juni 2009
  10. User 10802
    Planet-Liebe Berühmtheit
    3.083
    348
    4.777
    nicht angegeben
    Kleiner Nachtrag zu meinem Post:
    Das Buch das ich erwähnt habe war "Du bist immer noch bei mir" von Mariko Kikuta. :herz:

    SEHR zu empfehlen um sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen - Für alle Altersklassen. Uns hat's damals wirklich sehr geholfen.
     
    #10
    User 10802, 25 Juni 2009
  11. HughAshmead
    0
    Hey Murkey,

    erst muss ich sagen, dass ich wirklich Hochachtung vor dir habe, du scheinst dich in der schwierigen Situation sehr reif zu verhalten.

    Meine Mutter ist vor 1,5 Jahren ebenfalls an Krebs gestorben, nachdem sie lange leiden musste.
    Bei uns war es so, dass sie nicht zuhause sterben wollte, sie ist dann in die Palliativstation einer Uniklinik gekommen. Wenn deine Mutter zuhause sterben möchte, versucht doch einen Palliativmediziner zu bekommen. Ich habe die Palliativbehandlung als sehr gut empfunden, es wird den Menschen ein möglichst schmerzfreier und würdevoller Tod ermöglicht. Zudem gibt es eine psychologische Behandlung für die Angehörigen.

    Meine Mutter hat mit meinem Vater die Form der Bestattung, das Erbe und sogar die Todesanzeige durchgesprochen.
    Jeder Mensch ist da anders, aber wenn deine Mutter oder dein Vater nichts darüber sagen, kannst du ja versuchen, das Thema anzuschneiden.

    Nach ihrem Tod waren wir alle erstmal erleichtert, dass sie es hinter sich hat. Anschließend geht die ganze Bürokratie los, das habe ich damals unterschätzt. Man muss sich um das Begräbnis, die Todesanzeige, das Erbe, und noch alles mögliche kümmern, so dass man in den ersten Wochen danach gar keinen Kopf hat, sich wirklich mit dem Tod zu beschäftigen.

    Ich habe mir damals von der Uni zweieinhalb Monate freigenommen, was rückblickend sehr gut war. Ich hab in der Zeit meinen Vater unterstützt, für ihn die Hausarbeit erledigt und vor allem mir selber Zeit gegeben.
    Auch wenn es mich ein Semester gekostet hat, war das eine sehr gute Entscheidung, die Uni mal Uni sein zu lassen.

    Ich war in der Zeit solo, also kann ich dir zum Thema Freundin nichts aus erster Hand berichten. Allerdings war die Zeit für den Freund meiner Schwester auch sehr hart, er musste oft zurück stecken. Letztlich wurde ihre Beziehung dadurch aber gestärkt. Wenn mich meine Partnerin in der Situation nach Kräften unterstützt, würde ich mit ihr auch durch die Hölle gehen wollen.

    Was deine Schwester angeht, so kann ich dir leider keinen Tipp geben, da ich nur eine ältere Schwester habe. Versucht einfach für sie da zu sein und ihr das ganze nicht zu verklären.
    Ich kenne dein Verhältnis zu deinem Bruder nicht, aber ich würde versuchen, ihn mehr mit einzubinden. Auch wenn er mit der Situation nicht klar kommt, ist es doch das Mindeste, wenn er wenigstens mal zur Apotheke fährt. Eure Mutter hat euch ja auch immer das Essen gemacht...

    Es hört sich rührend an, wie sich dein Vater um eure Mutter kümmert. Ich würde mir wahrscheinlich auch die Beine ausreißen, um meine Frau so gut wie es geht, zu pflegen.
    Aber er muss auch an sich selber denken, vor allem wenn er krank ist.
    Die Idee mit einer Pflegekraft finde ich sehr gut, ihr habt es wahrscheinlich sehr nötig, entlastet zu werden.

    Versucht, ihr einen möglichst würdevollen Abschied zu ermöglichen, denkt dabei aber auch an euch selber und opfert euch nicht bis zur Erschöpfung auf. Ihr werdet eure Kraft noch brauchen.

    Per PM schicke ich dir auch gerne meine icq-Nummer, du musst nur kurz bescheid sagen.

    Ich wünsche euch alles erdenklich Gute! Und mach weiter so wie bisher, das hört sich sehr gut an, was du machst!
     
    #11
    HughAshmead, 27 Juni 2009
  12. Karry87
    Verbringt hier viel Zeit
    622
    103
    4
    nicht angegeben
    Hallo,

    mein Freund hat seine Mutter mit 12 Jahren verloren, auch an Krebs. Sein Vater hat darüber ein Buch geschrieben: "Ich weiß doch gar nicht, wie Sterben geht" von Johannes Roth.
    Ich hab's selber bis jetzt nicht gelesen, könnte mir aber gut vorstellen, dass es auf eure Situation (gerade auf die deines Vaters) passt.


    Und ich würde vorschlagen, deine kleine Schwester in eine Hilfsgruppe oder zu einem Arzt/Therapeuten zu bringen. Mit 12 Jahren ist es unglaublich schwer mit solch einer Situation umzugehen.
    Und ich sehe es an meinem Freund (der ja damals auch 12 Jahre war), er ist ein kleiner Einzelkämpfer geworden, der Probleme damit hat, sich auf einen anderen Menschen vollkommen einzulassen. Auch wenn er das nicht zugeben will. ;-) Aber ich denke, wenn man in dem Alter einen geliebten Menschen verliert und nie wirklich darüber spricht, trägt man sein ganzes Leben Verlustängste mit sich herum und kann sich nicht so einfach in einer Beziehung oder Freundschaft fallen lassen.
    Deshalb sollte man versuchen, dass deine Schwester drüber spricht und es nicht abblockt.

    Dir und deinem Vater wünsche ich noch ganz viel Kraft und deiner Mutter eine restliche schöne Zeit mit euch. :smile:
     
    #12
    Karry87, 28 Juni 2009

jetzt kostenlos registrieren und hier antworten
Die Seite wird geladen...

Ähnliche Fragen - Mutter stirbt alle
Calendula
Kummerkasten Forum
27 November 2016
41 Antworten
Shine_X
Kummerkasten Forum
23 Oktober 2016
35 Antworten