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Partner hat psychische Probleme

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von Southwind, 21 April 2017.

Stichworte:
  1. Southwind
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    in einer Beziehung
    Mein Freund und ich sind seit etwa einem halben Jahr zusammen. Wir hatten auch schon eine schwierige Phase, diese scheint jetzt mehr oder weniger überwunden zu sein. Ganz einfach ist unsere Beziehung wohl nicht, da ich unter Depressionen leide. Ich hatte in der Vergangenheit schon Depressionen, als wir uns kennenlernten und in der Anfangszeit unserer Beziehung jedoch nicht. Aufgrund einiger Veränderungen in meinem Umfeld sind diese jedoch wieder aufgetreten. Soweit so gut, ich befinde mich deshalb bereits (wieder) in therapeutischer Behandlung und mache Fortschritte.

    Nun, auch mein Freund hat sich in der letzten Zeit irgendwie "verändert". Bevor wir uns kennenlernten, ging er mehrmals in der Woche mit Freunden weg und konsumierte dabei fast immer viel zu viel Alkohol. Hierbei kam es einmal sogar zu einer Schlägerei, in die er verwickelt wurde, mit gerichtlichen Konsequenzen. Das legte er mit der Zeit ab, ohne, dass ich ihn jemals darum gebeten hatte. Unter massivem Alkoholeinfluss kann mein Freund sehr aggressiv werden. Niemals mir gegenüber, aber er fühlt sich von anderen schnell angegriffen und geht diese dann auch körperlich an, meistens "schubst" bzw. schiebt er diese Menschen dann. Grundsätzlich ist er aber eigentlich gut drauf, wenn er betrunken ist. Er ist dann vollkommen enthemmt und wird laut (nicht aggressiv, sondern eher "durchgeknallt"), lacht viel und schäkert rum, was in der Öffentlichkeit manche Menschen natürlich nervt und mir, wenn er es übertreibt, auch manchmal peinlich ist.

    In den letzten Wochen zieht er sich zurück, auch vor mir. Ich merke, dass er nachdenklich ist. Manchmal weist er mich dann auch ab, dann möchte er mich nicht sehen. Wenn wir uns aber sehen, merke ich, dass er meine Nähe sucht, dass ihm mein Wohlbefinden wichtig ist. Auch wenn er dann manchmal keine körperliche Nähe will, ist es ihm trotzdem wichtig, dass ich da bin.

    Ein Punkt in unserer Beziehung, der manchmal zwischen uns steht ist, dass wir vollkommen unterschiedliche politische Meinungen haben. Ich bin eher links eingestellt, auch wenn ich dies selten bis nie äußere. Mein Freund dagegen ist politisch rechts eingestellt. Jedoch verschoben sich seine Überzeugungen im Laufe der Beziehung eher nach links. So blieb das auch eine Zeit. In der letzten Zeit jedoch, in der er wieder nachdenklich ist, merke ich, dass er sich wieder rechtem Gedankengut hingibt.

    Ich merke einfach, dass es ihm nicht gut geht. Ich bin keine Psychologin, aber denke, dass ich aufgrund meiner eigenen Geschichte, nachvollziehen kann, was in ihm vorgeht.
    Vor meiner letzten (nicht der momentanen) Depression war ich auch unfassbar aggressiv, selbst auch teilweise rechts eingestellt, war voller Hass und Wut. Meine Frustration äußerte sich einfach durch Hass.

    Natürlich könnte es sein, dass es bei meinem Freund anders ist, aber ich denke bei ihm findet ein ähnlicher Prozess statt wie bei mir. Ich kenne ihn nämlich ganz anders. Mir gegenüber ist er liebevoll und sanft, kümmert sich ständig um mein Wohlbefinden, schämt sich, wenn er mal etwas zuviel trinkt. Ich hab das Gefühl, dass er noch nie eine Partnerin hatte, die ihn auch mit seinen Ecken und Kanten akzeptiert. Ich merke, dass er mich liebt, weil er es mir dauernd zeigt. Andere Menschen jedoch erleben ihn oft als aggressiv und gehässig, er verschließt sich anderen vollkommen. Im Prinzip hat er zwei Gesichter.

    Ich hab einfach das Gefühl, dass er einen inneren Kampf führt und sich vor anderen nicht verletzlich zeigen will, weshalb er manchmal so aggressiv und ablehnend ist. Im Allgemeinen ist er lieber für sich bzw. mit mir zusammen und unternimmt ungern etwas in der Öffentlichkeit.

    Ich hab ihn schon mehrmals darauf angesprochen, dass ihm eine Psychotherapie helfen könnte, er antwortet darauf aber immer nur mit "Ich möchte meine Probleme selber lösen, die gehen niemanden etwas an." Nicht mal mir gegenüber äußert er seine Gedanken, ich kann nur raten.

    Er hat eine schwierige familiäre Situation und setzt sich selbst oft massiv unter Druck, was den "Erfolg" in seinem Leben angeht. Ich habe manchmal das Gefühle er fühlt sich mir unterlegen, weil er "nur" einen Ausbildungsabschluss hat und ich studiere. Dabei gebe ich ihm nie das Gefühl mir unterlegen zu sein, weil ich gar nicht dieser Meinung bin. Mein Freund ist ein intelligenter und interessierter Mensch, neugierig und beschäftigt sich mit immer neuen Dingen.

    Ich würde ihm gerne helfen, aber ich weiß auch nicht wie. Wie kann ich ihm nahe bringen eine Therapie zu absolvieren bzw. dies wenigstens zu versuchen? Wie bringe ich ihn dazu, über seine Probleme zu reden?

    Ich bin langsam mit meinem Latein am Ende, ich hab es schon oft versucht.
    Vielen Dank für eure Geduld und entschuldigt den unstrukturierten Text!
     
    #1
    Southwind, 21 April 2017
  2. myrjanna
    Beiträge füllen Bücher
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    vergeben und glücklich
    DU kannst ihm da nicht sonderlich viel helfen, außer ihm beizustehen.

    Sowas ist immer schwer, gerade wenn derjenige noch nicht für sich selbst erkannt hat, dass da wirklich was nicht stimmt. Ich dachte auch ganz lang, dass das einfach teil meiner Persönlichkeit ist, ich eben einfach ein sehr melancholischer, lethargischer Mensch geworden bin.
    "Wenn ich keine Tabletten nehme/ nicht zum Arzt gehe, bin ich auch nicht krank" dachte ich mir immer.
    Du kannst natürlich mal versuchen, mit ihm darüber zu reden, was dir aufgefallen ist - vielleicht fällt es ihm ja auch auf.

    Zwingen kann man niemanden, das weißt du sicher auch. Und mehr, als "mal" ganz vorsichtig nachfühlen wird da wohl auch nichts bringen.

    Natürlich kann man das alles auch mit der Holzhammer-Methode machen, bei manchen Menschen bringt das mehr als meine Samthandschuh-Methode, aber da, glaube ich, kannst du deinen Partner besser einschätzen als ich.
     
    #2
    myrjanna, 21 April 2017
  3. User 154123
    Benutzer gesperrt
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    nicht angegeben
    Mein Ex-Freund hatte punkt die gleichen Probleme wie deiner. Er hat sehr viel getrunken und hatte psychische Probleme. Ich habe sehr oft versucht, mit ihm zu reden, und ihm nahe zu bringen, zu einem Psychotherapeut zu gehen. Er meinte, dass er ihm eh nicht helfen könnte. Einmal hatte er sogar einen echten Ausraster in der Arbeit gehabt (ich weiß bis heute nicht, was genau vorgefallen ist), aber er wurde danach in die Klinik eingewiesen. Aber auch danach sah er eine Psychotherapie als unnötig an. Unsere Beziehung hat 4 Jahre gedauert aber geändert hat sich genau nichts. Seine Probleme waren sehr tief, nehme ich an, aber darüber geredet hat er mit mir nie.

    Du kannst nichts machen, so leid wie es mir tut. Dass er meint, seine Probleme alleine bewältigen zu müssen - scheint wohl typisch für Menschen mit psychischen Problemen zu sein. Er denkt, Hilfe zu holen, wäre eine Schwäche. Wir hatten hier im Forum eine ähnliche Geschichte, zwar ohne Alkoholkonsum, aber mit Ritzen - der Zweck von beiden Handlungen ist eh das Gleiche - die seelischen Schmerzen zu lindern. Wir mussten mit dem ganzen Forum und seiner Freundin hilflos zusehen, wie der Mensch sich selbst zerstört, bis er Suizud begangen hat. War eine herzzereißende Geschichte. Die eines lehrt: man kann nicht demjenigen helfen, der sich selbst nicht helfen möchte. So tragisch wie es auch ist.

    Mein Rat: schau zu, dass es dir selbst gut geht. Lasse dich nicht in seine Depression reinziehen. Versuche nicht die rettende Mutter Theresa zu spielen, die ihn aus seinem Sog herauszieht. Du wirst kaum gucken können, bis ihr beide unten liegt. Pass in erster Linie auf dich selbst auf. Wenn du ihn unterstützen willst, in dem du einfach für ihn da bist, kannst du es machen. Aber die Erkenntnis, an seinem Problemen professionell zu arbeiten, muss IHN selbt erreichen. Das kann dauern, eventuell wird es nie passieren. Überlege es dir gut, wie lange du bereit bist, so eine Beziehung zu führen und ob du auch auf Dauer damit klarkommen kannst/möchtest. Ich bin damals gegangen...
     
    #3
    Zuletzt bearbeitet: 22 April 2017
    User 154123, 22 April 2017
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  4. Southwind
    Sorgt für Gesprächsstoff Themenstarter
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    in einer Beziehung
    Vielen Dank für eure Antworten! Das hier ist zwar kein Forum für psychische Krankheiten, doch es tut mir gut, mal meine Gedanken loszuwerden.

    Bei uns ist die Situation recht komplex. Ich denke, dass ich in Teilen mitverantwortlich für seinen Zustand bin. Denn ich leide selbst (zum zweiten Mal) unter Depressionen, befinde mich deswegen jetzt (wieder) in therapeutischer Behandlung und kann deswegen aus eigener Erfahrung sprechen. Gerade deswegen, verstehe ich genau wie es meinem Freund geht. Und hätte man mich damals nicht dazu gezwungen eine Psychotherapie zu machen, weiß ich nicht wo ich heute wäre. Ich bin mir meiner Situation bewusst und weiß, dass ich es schaffen kann, wenn ich will. Einzig der Wille ist das, was mir meistens fehlt. Ich bin aber schon auf dem Weg der Besserung. Leider habe ich meinen Freund vermutlich, als ich wieder dort hineinrutschte wohl mit mir gezogen. Es ist also gar nicht möglich, dass er mich runterzieht, weil ich schon dort bin. Das verkompliziert die Sache noch ein wenig. Wir verletzen uns beide nicht selbst und keiner von uns beiden ist suizidal, ich denke auch, dass wir von einem solchen Zustand noch weit entfernt sind. Auch muss ich noch den Hinweis anbringen, dass mein Freund zwar relativ regelmäßig, aber nicht ständig, d.h. meistens ein Mal in 3/4 Wochen. Er trinkt zwar öfter Alkohol, wenn wir weggehen, doch übertreiben tut er es in den wenigsten Fällen. Und er trinkt sowieso nur Alkohol, wenn er weiß, dass wir weggehen.

    Ich weiß gerade selbst nicht was ich möchte. Ich will nicht unsere Beziehung aufgeben, weil ich diesen Menschen so unfassbar liebe. Andererseits vergesse ich das in manchen Momenten, weil es einfach nicht mehr so ist wie vorher. Und es wird auch nie wieder so sein, die Einsicht habe ich mittlerweile.
    Auch wenn ich gerade nicht so wirklich weiß, was unsere Beziehung gerade eigentlich ist, glaube ich, dass mich eine Trennung nur weiter runterziehen würde. Ich weiß, dass er mich tief drinnen noch liebt und das zeigt er mir ja auch, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie noch vor einiger Zeit.
    Ich kann manchmal schwer mit ihm sein, aber ohne ihn zu sein fiele mir noch viel schwerer. Mittlerweile läuft es nun auch "besser", sodass sich mir ein kleiner Hoffnungsschimmer auftut. Das ist im Moment so ziemlich das Einzige, was mich davon abhält mich nicht selbst aufzugeben. Ich hab einfach, die Hoffnung, dass wir es da hinaus schaffen und unsere Beziehung danach umso stärker ist.
    Ja, im ein oder anderen Moment, glaube ich manchmal, dass eine Trennung vielleicht besser wäre. Und doch bin ich nicht bereit dazu, gerade jetzt, wo es den Anschein hat, dass wir es vielleicht hinkriegen können.

    Ich weiß, die Situation ist komplex und ich weiß auch, dass mir hier keiner wirklich helfen kann und doch tut es gut, es einfach mal loszuwerden und die Gedanken in meinem Kopf runterzuschreiben. Ich werde das ganze noch mit meiner Therapeutin besprechen, aber letzten Endes liegt die Entscheidung immer noch bei mir beziehungsweise uns.

    Ich danke euch für eure offenen Ohren und eure Worte, sie helfen mir, die Situation besser von außen zu betrachten.
     
    #4
    Southwind, 25 April 2017
    • Lieb Lieb x 1
  5. User 154123
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    nicht angegeben
    Welche Bemühungen habt ihr denn beide vor in eurer Zukunft zu machen, um "da hinaus zu schaffen"?

    Ja, das ist eine gute Idee. Mich würde interessieren, was die Therapeutin gesagt hat.
     
    #5
    User 154123, 28 April 2017
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  6. Southwind
    Sorgt für Gesprächsstoff Themenstarter
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    in einer Beziehung
    Hallo Milky,

    tut mir leid, dass ich länger abwesend war.

    Ich befinde mich nun seit etwa einem Monat wieder in Therapie und mache schon Fortschritte, ich merke, dass ich nicht mehr so oft zwanghaft versuche mir die Liebe meiner Mitmenschen zu "erpressen". Beziehungsweise bin ich nicht permanent auf der Suche nach Bestätigung, wie ich es noch vor ein paar Wochen war.

    Ich merke auch deutlich, dass es, seit es mir langsam besser geht, meinem Partner ebenso besser geht. Er öffnet sich langsam, zeigt mir wieder von sich aus seine Liebe und sagt mir auch wieder wie es ihm geht. Es sind kleine Schritte, aber es geht vorwärts und ich habe das Gefühl aus unserer Beziehung wieder Kraft schöpfen zu können. Das tut mir und auch ihm unfassbar gut und ich hab endlich wieder einen Grund zu lachen und mich geborgen zu fühlen.

    Ich denke, dass wir den anstrengenden, der nämlich in dem man zugeben muss, dass etwas passieren muss, in dem man reden und sich überwinden muss, den haben wir hinter uns. Wir möchten beide gerne lange miteinander zusammen sein, weil wir beide uns beim jeweils anderen das erste Mal so geliebt gefühlt haben, wie das noch bei keiner anderen Person war. Auch wenn es irgendwie schnulzig klingt, glaube ich doch, in ihm meinen "Deckel" gefunden zu haben.

    Ich bin froh, die Beziehung nicht einfach aufgegeben zu haben, auch wenn es ab und an wirklich schwer war. Aber wie sagt man so schön, die schönsten Dinge sind am schwersten zu erreichen.

    Mit einem etwas optimistischeren Blick werde ich jetzt sehen, wie es weitergeht!
     
    #6
    Southwind, 15 Mai 2017
    • Lieb Lieb x 1
  7. User 154123
    Benutzer gesperrt
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    nicht angegeben
    Hallo Southwind,

    schön, dass du in die Therapie gegangen bist und sogar schon Fortschritte machst :thumbsup: Ich denke, das wird dir auf jeden Fall gut tun. Macht denn dein Freund auch etwas in die Richtung? Weil nicht nur du sondern auch er hat psychsche Probleme. Und nur er kann sie auflösen. Ich verstehe zwar deinen Gedanken, dass wenn du depressiv bist, du ihn auch negativ beeinflusst haben könntest. Aber ich glaube nicht, dass das der einzige Grund ist/war, weswegen er so aggressiv war und viel getrunken hat. Sondern dass auch er Hilfe benötigt. Ist er denn jetzt bereit, die Ambition aufzugeben" selbst alles zu schaffen" oder hoffst du wirklich, dass du alleine durch deine Therapie sein Verhalten verändern könntest?
     
    #7
    User 154123, 17 Mai 2017
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