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Prägung durch erste negative Konfrontationen mit den Themen Liebe und Sex

Dieses Thema im Forum "Liebe & Sex Umfragen" wurde erstellt von Maxx, 18 September 2007.

  1. Maxx
    Sehr bekannt hier
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    Single
    Ich hatte schon mal in einem anderen Beitrag dieses Thema angeschnitten, aber damals ging das in dem Thread unter. Deshalb eröffne ich mal ein eigenes Thema dazu und hoffe daher auf etwas mehr Resonanz.

    Zur Erklärung möchte ich vorwegnehmen, dass ich mit negativen Konfrontationen nicht sexuellen Missbrauch, Nötigung oder Ähnliches ansprechen will, obwohl solche einschneidenden Erlebnisse in der Kindheit natürlich auch verheerende Auswirkungen auf den späteren Umgang mit den Themen Sex oder Liebe haben können bzw. haben werden.

    Eine Frage die mich im Zusammenhang mit der Themenüberschrift beschäftigt ist die, ob ihr glaubt oder sogar aus eigener Erfahrung berichten könnt, dass selbst banale Äusserungen, die vielleicht in nahezu jeder Schule oder jedem sozialen Umfeld eines Kindes vorkommen, negative Auswirkungen auf den zukünftigen Umgang mit besagten Themen haben können.

    Damit sind insbesondere die üblichen Neckereien, Gelächter wenn es um das Thema Sex geht und vielleicht auch Mobbing der noch harmloseren Sorte zwischen vorpubertären Kindern gemeint. Oder aber auch vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Anspielungen seitens der Erwachsenen im unmittelbaren Umfeld, die Kinder in dieser Altersgruppe das erste mal mit dem Thema Liebe oder Verliebtsein konfrontieren und diese auf spielerische Art damit aufziehen.

    Viele Kinder in der besagten Altersspanne zwischen ca. 8 bis 12 entwickeln ja eine Art Anti-Haltung gegenüber dem anderen Geschlecht, d.h. die Jungs finden die Mädchen doof und die Mädels behaupten dasselbe über die Jungs. Viele der Kids fühlen sich dazu berufen sich zu verteidigen, wenn sie den Anspielungen ihres Umfeldes ausgesetzt werden, sie seien in dieses Mädchen oder in diesen Jungen verliebt, weil diese Situationen sehr peinlich für sie sind.

    Wenn diese Kinder dann später in die Pubertät kommen, dann ist es ja im üblichen Fall so, dass sie ihre Abwehrhaltung ablegen und ihr Interesse am anderen Geschlecht offen bekunden. Falls nun aber ein Kind seine vorpubertäre Haltung so stark verinnerlicht hat, dass es dauerhaft eine Mauer um sich baut, wenn besagte Themen ins Spiel kommen, dann wird diese Person vielleicht auch über die Pubertät hinaus ihr möglicherweise vorhandenes Interesse und ihre Sehnsüchte nach Liebe und Sexualität verleugnen müssen.

    Meine Frage bezieht sich nun darauf, ob ihr es für möglich haltet, dass ein solcher Fall überhaupt eintreten kann oder ob ihr der Meinung seid, dass JEDER Mensch ab einem gewissen Alter auf dem Weg zum Heranwachsenden diese Haltung ablegt und offen zu seinen Wünschen nach Sexualität oder Partnerschaft stehen kann.

    Falls ihr der Meinung seid, dass es solche Fälle gibt, findet ihr das normal, abartig oder haltet ihr das einfach nur für bemitleidenswert? Oder kennt jemand dieses Phänomen aus eigener Erfahrung oder hat er mal darunter gelitten und dann in den späteren Jahren dennoch eine Möglichkeit gefunden es zu überwinden?
     
    #1
    Maxx, 18 September 2007
  2. CharlySchneider
    Verbringt hier viel Zeit
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    Ich glaube schon, daß es das gibt. Aber ich glaube auch, daß da mehrere Voraussetzungen zusammen kommen müssen, und daß ansonsten die allgemein akzeptierte Haltung (nämlich daß man ab einem gewissen Alter verliebt sein darf) sich durchsetzt.

    Wenn jemand generell durch Ausweichen / Sich-Verschließen auf Konflikte reagiert, anstatt sich aufzulehnen und Konflikte auszufechten. Konkrete besonders peinliche Situationen (Junge ist verknallt, erzählt's nem Freund, der Freund erzählt's dem betreffenden Mädchen, alle lachen). Besonders konservative Haltung im Elternhaus. Insgesamt eher schwaches Selbstbewußtsein / große Schüchternheit, auch und oder gerade durch Mobbing verursacht (man gewöhnt sich daran, daß eigene Gefühlsäußerungen als lächerlich wahrgenommen werden und handelt entsprechend). Generell unakzeptiert in der Gemeinschaft / Außenseiter.

    Ich denke aber, man kann eine entsprechende Haltung auch später "wieder erlernen", wenn man zum Beispiel in eine Situation gerät, in der man seine Gefühle für jemanden über einen längeren Zeitraum verleugnet (er ist in seine beste Freundin verknallt, will aber nichts sagen, um die Freundschaft nicht zu gefährden, und die Jahre zieh'n ins Land...) oder wenn man einige Male sehr übel reinfällt durch das Bekunden von Interesse (böse Körbe, ausgenutzt werden).

    Im Grunde genommen denke ich, daß dieses von dir beschriebene Verhalten ein Zeichen von schwachem Selbstwertgefühl ist ("meine Gefühle sind eh lächerlich, also halte ich sie zurück"), und das kann durch viele verschiedene Faktoren begünstigt werden. Manche werden eher schüchtern geboren, auf manchen wird solange rumgehackt, bis sie's Maul nicht mehr aufmachen, und manchen widerfährt beides.

    So jemand ist in jedem Fall ziemlich beschissen dran, weil er immer wieder erleben wird, daß er seine Wünsche nicht erfüllen kann, solange er sie nicht äußert - und das frustriert ungemein.
     
    #2
    CharlySchneider, 18 September 2007
  3. squarepusher
    Sehr bekannt hier
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    diese "vorpubertäre haltung", wie du es nennst, ist sicher nicht der grund für spätere berührungsängste mit dem anderen geschlecht. ich glaube es ist eher so, dass im ersten jahrzehnt sehr viele weichen gestellt werden, und der einfluß der familie da sehr groß ist, was sozialverhalten und allgemein persönlichkeitsbildung angeht. in der pubertät ist die "prägbarkeit" da schon längst auf dem absteigenden ast. kinder, die in dieser zeit das falsche mitbekommen (z.b. frigide eltern, oder auch idioten als eltern), werden schon vor der pubertät etwas anders sein, und eine andere "vorpubertäre haltung" aufweisen, als kinder in intakten familien.

    der mensch ist prinzipiell sozial und gut, aber die möglichkeit, die "kurve" hin zu einer normalen kindheit ohne unnötige, negative erfahrungen zu kriegen, nimmt mit der zeit ab, und wenn sich die familiäre situation dieser kinder nicht ändert, werden sie immer größere schwierigkeiten haben, erfahrungen aufzuholen etc..

    soll heißen: "vor-, zwischen-, und nachpubertäre haltungen" sind alle produkt der sozialisation, die das kind erfährt. wobei, und da bin ich sicher, idioten als eltern zu haben nicht halb so schlimm ist, wie frigide, passive, halbdepressive, soziophobe menschen, die fast immer ebensolche kinder in die welt setzen..

    die frage, inwieweit menschen das mit der zeit überwinden können, ist von fall zu fall anders zu beantworten, aber prinzipiell glaube ich, dass die chancen während der pubertät am besten stehen und danach eigentlich inexistent sind. was hänschen nicht lernt, lernt hans auch nicht mehr. mit zwanzig müssen menschen mit schwierigkeiten im sozialen verhalten schon viel glück haben, die richtigen, geduldigen freunde haben und eher die kämpfernatur sein. sonst ists eher unwahrscheinlich, dass ein 20+ jähriger loner sich noch groß ändert.
     
    #3
    squarepusher, 18 September 2007
  4. Maxx
    Sehr bekannt hier Themenstarter
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    Das sind zwei sehr interessante Beiträge zu diesem Thema und vor allem die Überlegung, dass die Weichen viel früher, also vielleicht schon in der frühen Kindheit gestellt werden, kann sehr wohl zutreffend sein. Nur dass Kleinkinder vor der Schulzeit mit diesen Themen eben keinen Umgang pflegen, weil sie damit in der Regel nicht konfrontiert werden.

    Ansonsten glaube ich auch, dass mangelndes Selbstwertgefühl und soziale Prägung durch das Umfeld dazu führen können, dass ein Kind sich in eine Richtung entwickelt, die es später dazu zwingt seine Gefühle in bestimmten Lebensbereichen zu verleugnen.

    Übrigens scheinen gewisse Lästereien und das darauf folgende Leugnen bezüglich des Verliebtseins in eine bestimmte Person nicht nur bei vorpubertären Kindern anzutreffen, sondern auch bei Heranwachsenden oder Personen, die sich durchaus als erwachsen und normal entwickelt bezeichnen würden. Davon können Leute betroffen sein, die schon Beziehungen im Leben hatten, von denen auch das Umfeld wusste, die aber insbesondere dann dem Gespött der Umgebung ausgesetzt sind, wenn sie gerade Single sind/waren und sich eine neue Liebschaft anbahnt. Der oder die Betroffene leugnet dann ihre Gefühle zu besagter Person, wenn sie von der Umgebung darauf angesprochen und damit aufgezogen wird, sei sei bestimmt in denjenigen verliebt. Später knickt die Person dann normalerweise ein und bekennt sich schliesslich offen zu ihren Gefühlen.

    Dieses Phänomen ist in Filmen häufig anzutreffen, wenn es um Beziehungsangelegenheiten geht. Inwieweit und mit welcher Häufigkeit dieses Verhalten in der Realität stattfindet, das vermag ich nicht zu beurteilen, weil mein Freundes- und Bekanntenkreis rar gesät ist, in welchem ich ansonsten solche Beobachtungen anstellen könnte.

    Vielleicht kennt ja zumindest dies der eine oder andere bei sich selbst oder aus dem näheren Umfeld. Jedenfalls scheint die Frage berechtigt zu sein, ob es nicht zu kurzsichtig ist, das Verleugnen von Verliebtheitsgefühlen ausschliesslich auf Kinder zu beschränken, weil es möglicherweise ja durchaus auch bei normal entwickelten Erwachsenen vorkommen kann, wenn vielleicht auch in einer anderen Form oder aus anderen Motiven heraus.
     
    #4
    Maxx, 19 September 2007

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