Willkommen auf Planet-Liebe

diskutiere über Liebe, Sex und Leidenschaft und werde Teil einer spannenden Community! :)

jetzt registrieren

Studium Psychologische Diplomarbeit: Statistische Fragestellungen

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von Piuna, 17 August 2011.

  1. Piuna
    Piuna (31)
    Öfters im Forum
    310
    53
    45
    vergeben und glücklich
    Hey ihr Lieben,

    wie ihr seht habe ich viele "Probleme" gleichzeitig und da hier immer alle so lieb und hilfsbereit sind, suche ich auch mal bezüglich meiner Diplomarbeit ein wenige Zuspruch bzw. gegebenenfalls auch Widerspruch.

    Ich studiere Psychologie und sitze gerade an der Überarbeitung des Ergebnisteils meiner Diplomarbeit. Und wie das immer so ist, kommen mir immer mehr Fragen und Zweifel.

    Kurz zum Inhalt:

    Ich habe 19 Kinder mit einem Entwicklungstest untersucht. Ihnen wurden im Laufe der Testung ca. 80 Aufgaben vorgelegt, diese wurden dann mit gelöst (1 Punkt) oder nicht gelöst (0 Punkte) in SPSS codiert. Des Weiteren konnten die Aufgaben noch spezifischer anhand ihrer Anforderungen in Imitations- (I), Explorations- (E), Sprachverständnis- (SV), Sprachproduktions- (SP), Feinmotorik- (FM) und Grobmotorikaufgaben (GM) kategorisiert werden. Hier habe ich für jede Kategorie Gesamtwerte für jedes Kind berechnet.

    Pic-Upload.de - Kostenlos Bilder & Fotos hochladen

    Meine Matrix sieht nun so aus und ich möchte überprüfen ob meine sechs Hypothesen über verschiedene korrelative Zusammenhänge zwischen den Kategorien zutreffen. Sie sind grob beispielsweise in dieser Art formuliert:

    „Es besteht ein korrelativer Zusammenhang zwischen der Fähigkeit zur Imitation und der Explorationsfertigkeit bei 12 Monate alten Kindern“

    Die Korrelationen habe ich aufgrund der geringen Stichprobengröße und der Ordinalskalierung über Rangkorrelationen (sowohl Spearmans rho als auch Kendalls Tau) berechnet. Hier kann ich mich nicht so recht entscheiden, welche der beiden Koeffizienten für meine Daten geeigneter wäre. Bin für Vorschläge offen!

    Es ergaben sich tatsächlich signifikante Zusammenhänge. Nun sitze ich da und frage mich ob das wirklich schon alles gewesen sein soll und ob ich es mir nicht etwas zu leicht gemacht habe?

    Aktuelle Fragen sind, wie ich Ausreißer und Störvariablen, die eventuell die Ergebnisse verzerren ermitteln und beseitigen kann.
    Des Weiteren habe ich etwas über die Problematik gelesen, dass bei der Testung mehrerer Hypothesen auf Basis derselben Stichprobe eine Erhöhung der Alpha-Fehler-Wahrscheinlichkeit auftreten kann. Diese sollte korrigiert werden, z.B. über eine Bonferroni Korrektur. Fakt ist, dass nach Anwendung dieser Maßnahme, keines meiner Ergebnisse mehr signifikant ist. Ich müsste somit alle Hypothesen ablehnen. Wie sieht denn das aus?!

    Ich bin dankbar für alle Kommentare und Denkanstöße. Vielleicht mache ich mir auch wieder nur zu viele Gedanken. Ich bin eben Perfektionistin. Würde gerne wissen, ob ich zumindest auf dem richtigen Weg bin oder bisher totale Grütze produziert habe :zwinker:

    Liebe Grüße

    Pia

    PS: Ich habe einige Fragen bereits bei Statistiktutoren, in einem speziellen Statistik-Forum und auch bei meiner Betreuerin gestellt. Leider wußte entweder keiner Rat und palaberte drum herum mit undeutlichen Äußerungen oder es kamen nur dermaßen arrogante Kommentare, dass ich mich nicht getraut habe weiter nachzuhaken :/
     
    #1
    Piuna, 17 August 2011
  2. elektrisierend
    Verbringt hier viel Zeit
    120
    113
    37
    nicht angegeben
    Interessante Fragestellung!

    Hmm, liegt hier wirklich Ordinalskalierung vor?
     
    #2
    elektrisierend, 17 August 2011
  3. Sebo
    Sebo (34)
    Verbringt hier viel Zeit
    7
    86
    0
    nicht angegeben
    denke auch, dass das ne intervallskala ist ...
     
    #3
    Sebo, 18 August 2011
  4. Piuna
    Piuna (31)
    Öfters im Forum Themenstarter
    310
    53
    45
    vergeben und glücklich
    Das dachte ich ursprünglich auch, jedoch erklärte mir ein Statistiktutor dann, dass sich die Kategoriewerte (für Imitation, Exploration, usw.) ja aus der Addition der einzelnen zugehörigen bestandenen Aufgaben ergeben (je bestandener Aufgabe 1 Punkt). Da die Aufgaben, aber unterschiedliche Schwierigkeitsgrade haben (die ersten Aufgaben sind ganz einfach und die späteren viel schwerer) ist meinetwegen der Abstand zwischen 3 und 4 Punkten in einer Kategorie nicht so gravierend wie der Abstand zwischen 9 und 10 Punkten. Des Weiteren habe ich die Daten auf Normalverteilung überprüft. Natürlich sind sie nicht normalverteilt - wäre ja auch zu einfach gewesen.
     
    #4
    Piuna, 18 August 2011
  5. elektrisierend
    Verbringt hier viel Zeit
    120
    113
    37
    nicht angegeben
    Wenn alle Aufgaben gleich schwer wären, ergäbe sich durch Addition Proportionalskalierung.

    Wenn eine schwierigere Aufgabe prinzipiell nur dann erfüllt werden kann, wenn auch sämtliche einfacheren Aufgaben erfüllt werden, dann ergibt sich durch die Addition tatsächlich Ordinalskalierung.

    Wenn es vorkommen kann, dass eine VP eine schwierige Aufgabe erfüllt, ohne alle leichteren Aufgaben zu erfüllen, dann ergibt die Addition möglicherweise ein falsches Bild! Dann müssten vielleicht zunächst alle Aufgaben separat betrachtet werden, mit Techniken für nominalskalierte Daten.
     
    #5
    elektrisierend, 18 August 2011
  6. Piuna
    Piuna (31)
    Öfters im Forum Themenstarter
    310
    53
    45
    vergeben und glücklich
    Naja bei dem Test ist es so, dass es eine Ausstiegsregel gibt. Erfüllt ein Kind 3 Aufgaben in Folge nicht mehr, wird der Test beendet und alle schwierigeren Aufgaben automatisch als nicht bestanden angesehen.

    Eigentlich funktioniert mein Test, ähnlich einem IQ Test und der IQ ist auch intervallskaliert. Ich bin ehrlich gesagt gerade ziemlich verwirrt.
     
    #6
    Piuna, 18 August 2011
  7. elektrisierend
    Verbringt hier viel Zeit
    120
    113
    37
    nicht angegeben
    Soviel ich weiß bestand bei der Entwickung des IQ-Tests die Absicht, eine normalverteilte (und insbesondere intervallskalierte) Größe zu konstruieren. Man hatte darum viele denkbare Tests untersucht, teilweise wieder verworfen, miteinander kombiniert, modifiziert etc. bis diese Forderung hinreichend gut erfüllt war. Die Intervallskala ergibt sich beim IQ darum nicht auf natürliche Weise.

    Es muss nicht unbedingt sein, dass diese Eigenschaften auch beim Maß für Explorationsfertigkeit etc. gelten. Darum ist es vorsichtshalber sicher gut, sich auf Techniken zu beschränken, die bloß eine Ordinalskala erfordern. Üblicherweise sind solche Methoden ja auch robuster gegenüber Ausreissern.
     
    #7
    elektrisierend, 18 August 2011
  8. Tinkerbellw
    Meistens hier zu finden
    2.998
    148
    94
    nicht angegeben
    Sp ich kann dir bei den Skalen nicht weiterhelfen nur von meinen Erfahrungen berichten. Ich habe bei emienr Diplomarbeit auch eine relativ kleine Stichprobe gehabt, nämlich 28 Personen die ich befragt habe und deren Ergebnisse ich in SPSS eintragen konnte.
    Las ich die Signifikanzwerte durch die Post-Hoc Test gejagt habe(Scheffé Prozedur und Bonferoni) war der Signifikanzwert auch so gering, das er nicht ausreichte um einen Zusammenhang zu belegen. Ich habe dann so weitergeschrieben, dass zwischen den und den Varianten durchaus ein Zusammenhang vermutet werden kann, aber aufgrund der recht kleinen Stichprobe kein Zusammenhang statistisch belegt nachgewisen werden kann.
    War für eine Diplomarbeit ok. es kann ja auch keiner erwarten, dass man mit so kleinen Stichproben die relavanten Erkenntnisse bekommt. Wichtig war, dass im Verlauf der Arbeit erkennbar war, dass man wissenschaftliches Arbeiten beherrscht.
     
    #8
    Tinkerbellw, 18 August 2011
  9. Piuna
    Piuna (31)
    Öfters im Forum Themenstarter
    310
    53
    45
    vergeben und glücklich
    O.K also hast du in den sauren Apfel gebissen und deine signifikanten Ergebnisse der korrekten statistischen Vorgehensweise geopfert :zwinker: Ich denke so werde ich das auch tun (müssen).

    Bleibt die Frage, welcher der beiden Rangkorrelationskoeffizienten geeigneter ist: Spearman oder Kendall?

    Ich habe bereits alle drei Möglichkeiten berechnet und komme bei Pearson auf 3 von 6 signifikante Korrelationen (2 sind hochsignifikant). Nach der Bonferroni-Holm-Korrektur sind es noch 2 von 6.
    Gegen die Anwendung sprechen: keine sichere Intervallskalierung, geringe Stichprobe und dass nicht alle Variablen normalverteilt sind.

    Spearman ergibt ebenfalls 3 von 6 signifikante Korrelationen (1 hochsignifikant) - wenn diese auch geringer als die Pearsonschen sind. Nach Bonferroni-Holm ist es noch 1 von 6.

    Kendall liefert fast die gleichen Ergebnisse, wie Spearman. Alle Korrelationen sind etwas geringer.

    Wenn ich anschließend explorativ noch schaue ob es Effekte gibt, die ich in meinen Hypothesen nicht vermutet habe, muss ich diese dann auch korrigieren? Nach Bonferroni-Holm, wüßte ich dann nicht durch welchen Wert ich teilen sollte.

    Danke schonmal für eure Hilfe. Es hilft schon sich gemeinsam mit anderen damit auseinander zu setzen :smile:
     
    #9
    Piuna, 19 August 2011
  10. Piuna
    Piuna (31)
    Öfters im Forum Themenstarter
    310
    53
    45
    vergeben und glücklich
    Niemand eine Meinung dazu?

    Wünsche euch noch ein schönes We :smile:

    Pia
     
    #10
    Piuna, 20 August 2011
  11. elektrisierend
    Verbringt hier viel Zeit
    120
    113
    37
    nicht angegeben
    Dass Kendall fast die gleichen Ergebnisse liefert wie Spearman, ist unter bestimmten Voraussetzungen offenbar üblich:
    "Even though TAU and RHO are numerically different for the same set of data, their sampling distributions are such that with the same data THE NULL HYPOTHESIS would be rejected at the same level of significance by the sigificance tests associated with both measures." (Nonparametric Statistics for the Behavioral Sciences)

    Spearman RHO:
    - ist eigentlich nur ein Trick, um auch bei Ordinalskalen Pearson anwenden zu können.
    - einfach zu berechnen, Computer ist auch bei umfangreichen Daten schnell fertig.
    - problematisch bei verbundenen Rängen (also wenn Werte oft mehrfach vorkommen).
    - wird in vielen Lehrbüchern behandelt.

    Kendall TAU-b:
    - ist speziell für Ordinalskalen gemacht.
    - ist unabhängig von der Verteilung anwendbar.
    - ist unempfindlicher gegenüber Ausreissern.
    - wird bei kleinen Stichproben empfohlen.
    - geeignet bei verbundenen Rängen.
    - steht nicht in jedem Lehrbuch oder wird nur als Fußnote kurz erwähnt.

    Weitere (eher unübliche) Rangkorrelationskoeffizienten:
    - TAU-a
    - TAU-c
    - GAMMA
    - m
    - ...

    In deinen explorativen Untersuchen geht es wohl darum, zusätzliche Vermutungen zu formulieren, die man irgendwann in der Zukunft einmal "richtig" testen könnte. Da jetzt noch gar keine verbindliche Signifikanzaussage angestrebt wird, braucht es keine Korrektur.
     
    #11
    elektrisierend, 21 August 2011
  12. Piuna
    Piuna (31)
    Öfters im Forum Themenstarter
    310
    53
    45
    vergeben und glücklich
    Vielen vielen Dank :smile: Du hast mir wirklich sehr geholfen.

    Ein Gedanke noch, wenn ich mich entscheide nicht zweiseitig sondern einseitig zu testen dann erhöht sich ja die Teststärke. Das müsste ich dann aber damit rechtfertigen, dass die Literatur Anlass gibt einen positiven Zusammenhang zu vermuten oder?!

    Die Hypothese müsste ich ja dann etwas anders formulieren: "Es besteht ein positiver korrelativer Zusammenhang zwischen der Fähigkeit zur Imitation und der Explorationsfertigkeit bei 12 Monate alten (termingeborenen) Kindern“

    Das wäre ja prinzipiell mit dem Kendall auch überprüfbar und in diesem Fall würde mir die Korrektur nicht das Genick brechen.

    Weiterhin habe ich gelesen, dass bei meiner Art der Stichprobe (ich habe bewusst ca. 12 Monate alte termingeborene Kinder rekrutiert) keine Verallgemeinerungen auf die Gesamtheit möglich sind, weil es eine sogenannte "systematische Stichprobe" ist. Das kommt mir komisch vor. ich kann doch immerhin auf alle 12 monatigen, termingeborenen Kinder verallgemeinern oder? Sonst müsste ich ja die Hypothese noch weiter spezifizieren.

    Danke dir nochmal!
     
    #12
    Piuna, 23 August 2011
  13. elektrisierend
    Verbringt hier viel Zeit
    120
    113
    37
    nicht angegeben
    Ich gehe davon aus, dass sich die Punktzahlen mit zunehmendem Alter erhöhen. Allzu kleine Kinder hätten wohl überall null Punkte, während allzu große Kinder vielleicht überall nahe an der Maximalpunktzahl wären. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll, gleichzeitig verschieden alte Kinder zu betrachten. Darum machst du eine "Momentaufnahme". Offenbar ist bei termingeborenen Kindern ein Alter von 12 Monaten ein geeigneter Moment dafür. Die Gesamtheit besteht somit aus allen 12-monatigen termingeborenen Kindern. Aus dieser Gesamtheit hast du eine Stichprobe genommen. Wenn du die 19 ca. 12-monatigen termingeborenen Kinder nicht völlig zufällig aus der Gesamtheit ausgewählt hast (zum Beispiel alles Kinder von berufstätigen Müttern), dann handelt es sich um eine systematische Stichprobe. Die Tatsache, dass alle ausgewählten Kinder ca. 12 Monate alt und termingeboren sind, macht deine Stichprobe dagegen nicht zu einer systematischen Stichprobe, denn die Eigenschaften "12-monatig" und "termingeboren" dienen ja dazu, deine Gesamtheit zu spezifizieren. Bei einer anderen Fragestellung mit einer anderen Gesamtheit wäre das natürlich wieder anders.

    Ob einseitig oder zweiseitig getestet werden soll, hängt davon ab, welche der beiden folgenden Aussagen du machen möchtest.

    Einseitig: "Ich habe herausgefunden, dass bei Kindern mit viel Fähigkeit zur Imitation oft auch die Explorationsfertigkeit gut ausgeprägt ist."

    Zweiseitig: "Ich habe herausgefunden, dass entweder die Theorie A oder die Theorie B richtig ist. Theorie A besagt, dass bei Kindern mit viel Fähigkeit zur Imitation oft auch die Explorationsfertigkeit gut ausgeprägt ist. Theorie B besagt eigentlich ziemlich das Gegenteil, nämlich dass bei Kindern mit viel Fähigkeit zur Imitation die Explorationsfertigkeit schlecht ausgeprägt ist. Ob A oder B gilt kann ich leider nicht sagen."
     
    #13
    elektrisierend, 23 August 2011
  14. glashaus
    Gast
    0
    Zur Verallgemeinerung: Nein, du kannst nicht verallgemeinern. Rückschlüsse von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit setzen Repräsentativität voraus, und die ist bei dir nicht gegeben, da du nicht nach dem Zufallsprinzip ausgewählt hast.
     
    #14
    glashaus, 23 August 2011
  15. Piuna
    Piuna (31)
    Öfters im Forum Themenstarter
    310
    53
    45
    vergeben und glücklich
    Also kann ich prinzipiell nur Aussagen über die konkreten 19 Kinder machen, die ich untersucht habe.

    Zum Auswahlverfahren: Wir haben an der Uni einen Pool von freiwilligen Versuchspersonen aus diesem habe ich alle Eltern von ca. 12 Monate alten termingeborenen Kindern angeschrieben und alle untersuch, die sich zurückgemeldet hatten und Zeit hatten. Das ist ja dann eher eine Ad-Hoc Stichprobe würde ich sagen?!

    Witzig, dass psychologische Forschungen an den Unis fast prinzipiell so ablaufen und trotzdem immer dreist verallgemeinert wird. Naja ich muss mich dem schlechten Beispiel ja nicht anschließen und kann in der Diskussion auf dieses Problem eingehen :smile:

    Wäre lieb, wenn noch jemand zu den Fragen im vorletzten Beitrag antwortet. Danke dir schonmal Glashaus .)
     
    #15
    Piuna, 24 August 2011

jetzt kostenlos registrieren und hier antworten