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Scheiße - hab ich Magersucht gekriegt?

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Shiny Flame, 2 Februar 2008.

  1. User 22419
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    nicht angegeben
    Ein BMI unter 17,5 ist einDiagnosekriterium für Magersucht. Es ist aber nicht das entscheidende. Daher ist es für die Frage, ob du an einer Essstörung leidest, ziemlich unerheblich, ob du 60, 56, 49 oder 39 Kilo wiegst.
    Das Problem ist die gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers und das kranke Essverhalten. Wie schwer du dabei bist, ist zwar wichtig für die Prognose der ganzen Geschichte und für die körperlichen Folgeerkrankungen, aber darum geht es erstmal noch nicht.

    Dass du dein Problem erkannt hast und gewillt bist, was dagegen zu unternehmen ist gut, aber ich bezweifle, dass du da alleine wieder rauskommst. Ob du ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen möchtest, musst du selbst entscheiden. Als erste Anlaufstelle eignen sich Haus- oder Frauenarzt oder du wendest dich direkt an eine Beratungsstelle für Essstörungen.
    Selbsthilfegruppen sehe ich hier kritisch, oft fördert der direkte Austausch mich anderen Betroffenen mehr das Konkurrenzdenken untereinander als dass er bei der Überwindung der Krankheit hilft.

    Wenn du es ohne professionelle Unterstützung erstmal alleine versuchen willst, wäre es vielleicht gut, zumindest ein paar Freunde oder Familienmitglieder einzuweihen.
     
    #21
    User 22419, 5 Februar 2008
  2. Shiny Flame
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    Verlobt
    Ich bin ja doch ein starker Mensch, der sich Ziele setzt und auch erreicht - ich war heute in einer Beratungsstelle für Mädchen und Frauen mit Essstörungen. Ich habe mich tatsächlich getraut.

    Ich habe dort die Adresse von einer Ernährungsberaterin bekommen, die über die Krankenkasse abrechnen kann, und sie haben mir Mut zu einer Psychotherapie gemacht. Die Frau hat mir auch angeboten, dass ich noch ein paar Mal zu Gesprächen kommen kann, während ich auf einen Gesprächsplatz warte. Denn ich will jetzt doch endlich mal rausfinden, was mich von früher her noch so sehr belastet, dass ich immer wieder psychisch so abrutsche, wenn ich in der Gegenwart irgendwelchen Stress habe.

    Danke euch allen für eure lieben Worte. Es wird eine sehr harte Zeit für mich werden, aber ich bin eine Kämpferin. Ich werde es hinbekommen. Irgendwie.

    Meine Freunde unterstützen mich alle moralisch dabei, laden mich beiläufig zum gemeinsamen Kochen ein, fragen, wie es mir geht und zeigen mir, dass sie mich immer noch lieb haben und sich wünschen, dass es mir besser geht und ich mein Problem in den Griff kriege. Das macht mich sehr glücklich und ich bin ganz stolz auf mich, dass ich es ihnen erzählt habe, anstatt weiterhin nach außen die Starke zu spielen. Das ist mir sehr schwer gefallen, aber ihre liebe Reaktion zeigt mir, dass es richtig war. Ich bin auch sehr froh, dass sie aufmerksam genug waren, mich auf die Füße zu treten.

    Die letzten Tage habe ich es geschafft, mich an die Essvorgaben meiner Freundin zu halten. Heute muss ich noch die dritte Mahlzeit essen, das schiebe ich immer gerne ganz nach hinten, aber ich denke, dass ich es vor dem Schlafengehen noch schaffen werde. Ich hoffe es jedenfalls. Und wenn ich es dann geschafft habe und ins Bett gehe - dann ist schon wieder Mittwoch und ich muss schon wieder essen und schon wieder drei Mahlzeiten... Das ist alles sehr anstrengend. Jeden Tag ein neuer Kampf. Jedes Mal beim Essen wieder der Ekel und die Angst vor dem Jojo-Effekt, die Angst davor, dass ich wieder anfangen könnte, unkontrolliert Zeugs in mich reinzuschaufeln. Immer, wenn ich zwischendurch mal Hunger verspüre, dann sehe ich wieder diese Bilder von den riesigen Mengen an ungesundem Junkfood, die ich früher bei Frust in mich reingestopft habe, und ich ekele mich so, dass der Hunger sofort verfliegt. Ich glaube, ich habe tatsächlich noch einen schweren Weg vor mir. Ich muss jeden Tag aufs Neue kämpfen.

    Es ist anstrengend.
     
    #22
    Shiny Flame, 5 Februar 2008
  3. User 48753
    User 48753 (31)
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    Hey,

    ich finde es echt klasse, dass du dein Problem erkannt hast. Das mit der Beratungsstelle war auf jeden Fall schon einmal ein guter Schritt in die richtige Richtung.

    Mir ging es schon mal ähnlich wie dir. Zum Glück habe ich da noch Zuhause gewohnt und meine Mutter hat es ziemich schnell mitbekommen.

    Du kannst es schaffen! Und nimm auf jeden Fall Hilfe in Anspruch.
    Es wird ein sehr schwieriger Weg, aber du bist schon auf dem richtigen Weg!

    Ich wünsche dir viel Kraft!
     
    #23
    User 48753, 5 Februar 2008
  4. Shiny Flame
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    Verlobt
    Kleine Szene zum Schmunzeln

    Vielleicht noch mal eine kleine Szene zum Schmunzeln, für alle, die selbst betroffen sind oder mal waren...

    War heute bei einer Freundin zum Frühstück. Da ich beschlossen hatte, dass ich wieder lernen will, essen als etwas schönes zu erleben, habe ich also darauf geachtet, dass ich beim Quatschen mein Brötchen weiter esse und wir zusammen lachen und lästern. Mir fiel auf, dass ich irgendwo in meiner Seele wohl angefangen hatte, Essen mit Liebe zu verbinden.

    Als ich in meiner unglücklichen Beziehung zu viel gegessen habe, war das auch, um mich darüber weg zu trösten, dass ich nicht genug Liebe bekam. Als ich letzten Sommer mein Zielgewicht nach unten verlagerte, und jedes Mal, wenn ich mit einem Mann eine Enttäuschung erlebte, mein Essverhalten noch strenger rationierte - da habe ich doch im Grunde nur gesagt: Ich kann auch ohne Liebe auskommen. Ich brauche das gar nicht mehr.

    Aber das war gelogen. Ich brauche Liebe in meinem Leben. Und ich brauche Nahrung. Ich brauche beides. Aber es sind zwei verschiedene Sachen, die ich da brauche. Und wo ich das merke, da frage ich gleich noch meine Freundin, ob sie mich einfach mal eine Weile in den Arm nehmen kann, weil ich grad so groggy auch wegen nem Typen wieder bin. Und dann saßen wir da zwei Songs lang, ich hab mich einfach angekuschelt und ein bisschen gezittert und sie hat mir über den Rücken gestreichelt. War das schön! Da hatte ich einmal Liebe und einmal Essen in netter Gesellschaft - gleich zwei gute Dinge an einem Morgen. Aber zwei verschiedene Dinge, und das ist sehr wichtig!

    Ja, und dann war ich richtig stolz auf diese tolle neue Erkenntnis. Fahre zum Bahnhof, merke, ich habe schon wieder Hunger nach dem Frühstück. Ich sage mir: Gut, so lange du wahrnehmen kannst, wann du Liebe willst und wann du Essen willst, so lange bist du auf dem richtigen Weg. Was willst du jetzt? Ich horche in mich rein und merke: Ich will beides.

    Da lache ich und gehe festen Schrittes auf den Pizza-Stand zu, um mir da ein Stück zu holen. Dann hätte ich nämlich gleich die zweite Mahlzeit für den Tag intus. Ja, zufrieden grinsend marschiere ich an dem Pizza-Stand vorbei und hinein in den nächsten Buchladen. An der Kasse komme ich wieder zu mir, wo ich gerade GEld für ein Buch ausgebe, dass ich gar nicht will, und ich beschließe, einfach mal über mich selbst zu schmunzeln. Irgendwie ist es auch zum Lachen, wenn man nicht weinen will.

    Die Pizza habe ich mir danach trotzdem noch geholt. Und sogar gegessen, statt sie wegen dem vielen Fett und der Kalorien wegzuschmeißen. Und jetzt fühle ich mich wieder widerlich voll.
     
    #24
    Shiny Flame, 6 Februar 2008
  5. Shiny Flame
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    Verlobt
    Kleines Update:

    Morgen ist mein 4. Termin in der Beratungsstelle. Ich habe es geschafft, jeden Tag halbwegs genug zu essen. Ich schaue nicht länger in den Spiegel - die fette Frau darin kotzt mich an, sie wird jeden Tag fetter, weil sie so viel isst. Widerlich ist das.

    Samstag, auf einer Kostümparty, habe ich mich dann extrem figurbetont und sexy angezogen, so die Sachen, die man nur mit halbwegs guter Figur tragen kann. Ich bekam viele positive Pfiffe. Ich hatte den Abend einfach mal so getan, als hätte ich tatsächlich eine gute Figur, und die anderen haben es mir geglaubt - aber hinter dem halbwegs muskulösen Bauch und den Beinen, die immerhin schlank genug sind, dass die Cellulitis verschwunden ist - hinter dieser Fassade bin ich immer noch ekelhaft dick. Das sehen die anderen nicht, aber wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich es noch.

    Und ich schaue mir selbst zu, was für kranke Gedanken durch meinen Kopf gehen. Das, was ich da eben geschrieben habe, klingt wirklich schizo. Ich möchte mir diese kranken Gedanken am liebsten aus dem Kopf prügeln.

    Letzte Woche habe ich auf Anraten meiner Therapeutin jeden Tag eine halbe Stunde Sandsack verhauen gemacht. Da habe ich wieder angefangen, so etwas wie Hunger zu spüren. Um das zu rechtfertigen, habe ich dann angefangen, bei offenem Fenster eine halbe Stunde Fitnessprogramm in Unterwäsche zu machen, um mich abzuhärten - irgendwie muss ich ja meinem Körper zeigen, dass ich ihn kontrolliere und nicht umgekehrt.

    Heute habe ich das mal gelassen, weil ich so müde war - und prompt musste ich mich wieder zum Essen zwingen. Habe mir sogar schon überlegt, dass ich mir morgen als Belohnung für die drei Tage entspanntes Essen von Mittwoch bis Freitag und das kleine Brötchen, dass ich gestern nacht um 3 auf der Party gegessen habe - dass ich mir als Belohnung dafür morgen einen Tag Fasten gönnen kann. Nichts essen und dafür inliner fahren.

    Es ist so garstig. Gute Tage, wo ich denke, ich bin auf dem Weg der Besserung - und dann wieder diese Rückschläge. Und die guten Tage werden dadurch ruiniert, dass ich weiß, es ist nur eine Gnadenfrist - bei der kleinsten emotionalen Erschütterung fange ich wieder mit der Fasterei an und muss höllisch aufpassen...
     
    #25
    Shiny Flame, 24 Februar 2008
  6. ToreadorDaniel
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Das freut mich, dass es bei dir Bergauf geht, auch wenn du nicht das Gefühl hast aufgrund der "Rückschläge", aber ich würde das nicht unbedingt als Rückschlag sehen, da du selber merkst, dass es nicht richtig ist, so zu denken. Wenn du dich auch dazu zwingen musst. Das ist aber der richtige Weg daraus zu kommen. Imm übrigen finde ich es auch ganz toll, dass du den Weg zum Therapeuten gefunden hast und das zeigt wirklich deine wahre Stärke.

    Mach weiter so. Bin stolz auf dich!! :smile:
     
    #26
    ToreadorDaniel, 25 Februar 2008
  7. batida de chaos
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    in einer Beziehung
    Hey Flame,

    nachdem was ich bisher so alles von dir gelesen habe, musst du eine solche Ausstrahlung haben, dass deine Figur fast schon nebensächlich ist. Sei stolz auf deine Fortschritte. Das darfst du ruhig sein :jaa:

    Es ist sicher kein leichter Weg, den du eingeschlagen hast. Klar, dass es da auch Rückschläge gibt. Momente, in denen du dich richtig schlecht fühlst. Du darfst schwach sein und straucheln und Rückschläge haben. Das ist normal. Trotzdem bist du stark, denn du kapitulierst nicht. Du gehst weiter in die richtige Richtung. Und das ist, was wichtig ist.

    Nochwas: Wenn dein Körper "Hunger" meldet, und du isst etwas, kontrolliert dein Körper dich trotzdem nicht. Du bist es, die entscheidet, was dein Körper zu essen bekommt und wann.
    Dann kann er noch soviel quengeln, der is von deinem Willen abhängig. Wenn du deinen Körper ein bißchen ärgern willst, damit er nicht denkt er könne machen, was er will, kannst du ihn ja ein bißchen zappeln lassen, bevor du deinem Magen was zu futtern gibst :zwinker:
    Ich wünsche dir die Kraft dich mit deinem Körper versöhnen und Freundschaft schließen zu können. Du brauchst schließlich ihn und er braucht dich. Das beruht also auf Gegenseitigkeit. Körper und Geist gehören eben zusammen.

    Zum Thema Spiegelbild, fällt mir eine Geschichte ein.
    Ein kleiner Hund lief aus Neugier in eine Höhle und gelangte in den Saal der Spiegel. Rings um ihn herum, wimmelte es auf einmal nur so von Hunden, die ihm aus den Spiegeln entgegen blickten. Er erschrak fürchterlich, fletschte die Zähne und knurrte. Alle Hunde ringsherum, taten es ihm gleich und fletschten ebenfalls die Zähne. Der kleine Hund flüchtete, davon überzeugt, dass die Welt nur aus zähnefletschenden Hunden besteht. Kurz darauf betrat ein anderer Hund den Saal der Spiegel. Er fand sich in einer ähnlichen Situation wieder. Ringsherum auf einmal Hunde. Doch er freute sich und wedelte fröhlich mit dem Schwanz. Die Hunde in dem Spiegel taten es ihm gleich. Dieser Hund ging glücklich und zufrieden aus der Höhle, davon überzeugt, dass die Welt voller freundlicher Hunde ist.


    Diese Geschichte zeigt vieles. Vor allem, dass du mit deiner inneren Einstellung sehr viel beeinflussen kannst. Das weißt du zwar schon, wendest dieses Wissen auch schon oft an, aber manchmal hilft es auch sich ein bestimmtes Bild oder eine Geschichte vor Augen zu führen, um die Umsetzung zu erleichtern.
    Schau doch mal deinem Spiegelbild in die Augen, lächle und schneide Grimassen. Du hast doch mal ein sehr schönes Gedicht über dein Spiegelbild geschrieben. Lies dir das doch noch mal selbst durch.
    Ich denke du bist auf einem guten Weg. Du bist so stark, dass dich die schwachen Momente nicht umhauen können. Du schaffst das. Ich glaube an dich :knuddel:

    Lg batida

    Off-Topic:
    PS: Dein Postfach ist voll
     
    #27
    batida de chaos, 26 Februar 2008

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