Willkommen auf Planet-Liebe

diskutiere über Liebe, Sex und Leidenschaft und werde Teil einer spannenden Community! :)

jetzt registrieren

Scheidung, Anzeige, Gerichtsverhandlung - einfach zu viel

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von User 53338, 30 Oktober 2008.

  1. User 53338
    Meistens hier zu finden
    784
    128
    224
    offene Beziehung
    Hey,

    im Moment wird mir mal wieder einfach alles, alles, alles zu viel - und ich habe jetzt schon angst in das bodenlose Loch zu fallen, wenn alles vorbei ist, weil ich nicht weiss, was ich dann tun soll. Was dann von mir uebrig bleibt, ob etwas von mir ueberhaupt noch existiert, denn momentan fuehle ich mich einfach nur als eine Huelle, ganz leer und verbraucht. Ich bekomme jetzt schon wieder Kopfschmerzen, nur weil ich mich mit diesen Gedanken beschaeftige.

    Aber ich hole erstmal etwas aus, damit alles verstaendlicher wird...

    2006/2007 haben sich meine Eltern getrennt, was ich auch hier geschrieben hatte. Die Trennung war sehr problematisch, sehr viel Gewalt, sowohl koerperliche als auch psychische, Stalking, Bedrohungen mit vorgehaltener Waffe, Einbruch, Selbstmorddrohungen/-Versuche, Psychoterror und so weiter. Seit Mai diesen Jahres hat sich das etwas wieder eingerenkt. Ich habe zu meinem Vater, von dem die meiste Gewalt ausging/ausgeht auch kaum noch Kontakt, was mir sehr gut tut. Vorallem eben auch, weil durch die Trennung sehr viele Erinnerungen aus meiner Kindheit hoch gekommen sind. Mein Vater hat mich taeglich beschimpft, gedemuetigt und angeschrien, womit ich halt gar nicht klar komme, auch weil sich das extrem auf mein Selbstbewusstsein ausgewirkt hat. Aber ich versuche damit irgendwie umzugehen und gegen die Reden meines Vaters (Du kannst nichts, du wirst nichts, du bist nichts) anzugehen.


    Im Juli 2007 habe ich meine Grossvater angezeigt. Ich wurde in meiner Kindheit ueber einen Zeitraum von neun Jahren von ihm sexuell missbraucht. Ich habe unter diesem Missbrauch sehr gelitten, habe mich in meiner Jugend massiv selbst verletzt, hatte Depressionen und Minderwertigkeitskomplexe. Durch das mangelnde Selbstbewusstsein war ich dann natuerlich das gefundene Fressen und ich wurde von der 2. bis zur 10. Klasse gemobbt. Dieses Mobbing ging ueber Beschimpfungen, Demuetigungen bis hin zur versuchten Vergewaltigung als ich 12 war. Von meinen Eltern bekam ich keine Hilfe, obwohl ich mich an sie gewandt hatte, aber sie taten alles als "dumme Kinderstreiche" ab - ja, ein 12-jaehriges Maedchen fest zu halten, nieder zu druecken, ihr die Hose runter zu reissen und ihr die Beine auseinander druecken, dabei zu lachen, zu groehlen, sie schlagen und auf sie nieder zu spucken - das ist mit Sicherheit nur ein albener Streich.


    Mit 15 bis ich fast 18 war, war ich dann in Therapie aufgrund des Missbrauchs durch meinen Grossvater. Der groesste Teil drehte sich aber nicht um das Trauma, sondern darum mich wieder stabil zu bekommen (es folgte ein Selbstmordversuch) und die Beziehung zu meiner Mutter zu klaren... denn meine Mutter erlaubte meinem Grossvater (ihr Vater) immer noch uns zu besuchen zu kommen, zwang mich dazu ihn besuchen zu gehen, etc.


    Letztenendes hatte ich dann die Therapie abgebrochen, hielt mich fuer ganz stabil und hatte auch keinen Bock mehr mich mit dem ganzen Kram zu beschaeftigen, sondern wollte endlich mal die Dinge tun, die fuer 18-jaehrige normal sind.

    Zwischendurch kamen immer wieder Erinnerungen an den Missbrauch zurueck, die ich immer wieder zur Seite schob. 2006/2007 wurde es dann wieder ganz schlimm, weswegen ich dann auch die Anzeige machte, weil ich dadurch hoffe einen Schlussstrich ziehen zu koennen.

    Jetzt wurde Anklage erhoben und Anfang naechsten Jahres ist der Prozess. Ja, es belastet mich und ich krieche eigentlich seit Sommer letzten Jahres nur noch durch das Leben, weil ich kaum noch Kraft in mir habe, weil ich jede Energie in die Anzeige (Ermittlungen, Vernehmungen, etc.) stecke - damit er die Strafe bekommt, die er verdient.

    Und ich weiss einfach nicht, wie es danach weitergehen soll. Wenn es vorbei ist, wenn ich nicht mehr dieses "Ziel" habe auf das ich hinarbeiten kann. Im Moment steht bei mir alles auf ganz wackeligen Beinen... Wenn der Prozess vorbei ist, dann.... ja was dann? Was ist dann? Dann bleibt nur die leere Huelle zurueck. Dann bin "ich" weg, was bleibt dann noch von meinem "ich" uebrig?

    Viele Leute sagen mir, ich sei stark, ich wuerde kaempfen, ich duerfe nicht aufgeben - aber dieser Kampf frisst mich von innen her auf.

    So vieles bewegt sich in mir, sehr viele Dinge die ich schon vergessen hatte, sind fast jeden Tag in meinem Gedaechtnis. Erinnerungen an meine Kindheit, an meinen Vater, meine Mutter, an meine Mitschueler, an meinen Grossvater... das ist einfach viel zu viel fuer mich.


    Ich wuerd am liebsten einfach nur mal Pause machen - aber irgendwie geht das ja auch nicht. :geknickt:


    Weiss auch gar nicht, was ich mir erhoffe... vielleicht einfach nur ein paar aufmunternde Worte und ein paar Ratschlaege fuer das, was nach dem Prozess kommt. :geknickt:
     
    #1
    User 53338, 30 Oktober 2008
  2. Nevery
    Nevery (30)
    Planet-Liebe ist Startseite
    8.684
    598
    7.628
    in einer Beziehung
    hey, du meinst, danach sei nichts mehr von "dir" über? nein, ich denke, es wird dann bloss der teil weg sein, der dich jetzt so quält. aber du selber bleibst immernoch du, nur unbelastet dann.
    ich kenn das gefühl nur zu gut, ab und zu packts mich auch selber, aber eigentlich ists quatsch. wenn man schlecht drauf ist sieht man es so, dass du das grade bist ist verständlich. aber glaub mir, es ändert sich wieder.
    wenn du dich unterhalten magst kannst auch gerne ne pn schreiben :smile:
     
    #2
    Nevery, 30 Oktober 2008
  3. Dandy77
    Meistens hier zu finden
    1.501
    133
    56
    nicht angegeben
    Hallo,

    du solltest dir jemanden suchen, der dir bei deinen Vorhaben helfen kann. M.M. wäre eine Selbsthilfe Gruppe missbrauchter Frauen, die es sicherlich auch in deiner Nähe gibt, ideal für dich. Es gibt da bestimmt Frauen, die dir helfen können, damit du deinen Weg nicht alleine gehen musst. Auskunft bekommst du bestimmt beim Landkreis, Kirche oder Sozialamt.

    Hast du sonst keine Freundin oder einen Freund, der dir Halt gibt?
     
    #3
    Dandy77, 30 Oktober 2008
  4. Rhea
    Gast
    0
    danach? danach bleibt eine junge Frau zurueck die mehr geschafft und druchgestanden hat als die meisten. du hast dich von deinen altlasten geloest und kannst neu, GANZ neu beginnen. und du weist dass du stark genug bist um so weit gekommen zu sein.

    am besten suchst du dir Hilfe von aussen. was passiert ist hinterlaesst seine spuren und wenn du nicht weiter abrutschen willst ist der beste weg sich helfen zu lassen...


    :knuddel:
     
    #4
    Rhea, 30 Oktober 2008
  5. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
    13.614
    398
    2.056
    vergeben und glücklich
    Was nach dem Prozess von Dir bleibt?

    Du bist mehr als ausschließlich ein Missbrauchsopfer.

    Deine Erfahrungen gehören zu Deinem Leben. Inwiefern Du sie verarbeiten und überwinden und vielleicht "abhaken" kannst, weiß ich nicht. Es ist ein Abschnitt Deines Lebens - Du hast noch so viel Leben vor Dir.

    Klar lebst Du jetzt auf den Prozess hin, es ist aber eben ein Etappenziel - und nicht etwas, das Dein gesamtes Leben ausmacht. Vielleicht macht es einen großen Teil Deiner Vergangenheit aus. Aber nicht Dein GANZES Leben. Das ist nämlich nicht abgeschlossen, sondern geht weiter...

    Wenn Dir bewusst ist, dass Du nach dem Prozess in ein "Loch" fallen könntest, weil Du so viel Zeit und Energie in die Vorbereitung dieser Sache gesteckt hast, ist das doch eigentlich gut. Dann kannst Du Dir jetzt schon mal Strategien überlegen, wie Du das Loch vermeiden kannst bzw. wie Du Dir aus dem Loch heraushelfen (lassen) kannst.

    Ich weiß nicht, inwiefern Du schulisch oder in Sachen Ausbildung/Studium/Arbeit eingebunden bist. Was steht da an bzw. was könntest Du Dir dort vornehmen?
    Eine Möglichkeit wäre auch, nach dem Prozess zu verreisen und so klassisch Abstand zu gewinnen und neue Horizonte zu entdecken.

    Du kannst Dir auch überlegen, ob Du Dir für die Zeit des Prozesses und danach psychologische Beratung und Betreuung suchst, wenn Du fürchtest, allein nicht gut zurechtzukommen.

    Was ist zum Beispiel mit Opferhilfe-Vereinen wie dem Weißen Ring? Du bist ja Opfer eines Verbrechens geworden, auch wenn das Verbrechen schon einige Zeit zurückliegt. Der Prozess steht jetzt an. Hast Du Dich schon mal beim Weißen Ring erkundigt?

    Ich finde sehr gut, dass Du Deinen Großvater angezeigt hast und diesen Prozess nun durchstehen willst.
    Allerdings wäre es wichtig, dass Du erkennst, dass Deine familiären Probleme und gerade diese Missbrauchsgeschichte nicht Dein EINZIGER Lebensinhalt sind und Du eben weit mehr bist als ein Opfer (das sich nun wehrt). Das ist EINE Rolle, die Du leider innehast, und es ist gut, dass Du Dich traust, Dich jetzt zu wehren - aber es ist nur EINE Facette.
     
    #5
    User 20976, 30 Oktober 2008
  6. User 53338
    Meistens hier zu finden Themenstarter
    784
    128
    224
    offene Beziehung
    Hallo,

    danke fuer eure Antworten, fuehle mich heute in der Lage darauf einzugehen und auch zu antworten.


    Du hast recht, nur zur Zeit fuehle ich mich ausschliesslich darauf reduziert. Gehe ich zu meiner Freundin, lautet die erste Frage, ob ich schon den Gerichtstermin weiss oder ob es etwas neues gibt - als wuerde ich das nicht erzaehlen, wenn es so waere. :rolleyes: Und es waere nett, erst mal mit einem "Wie geht es dir begruesst zu werden". Das ist aber auch so, wenn ich mit meinen Schwiegereltern, Bruder oder sonst mit wem, der davon weiss, telefoniere. Fragt mich wer, wie es mir geht und ich antworte mit "Geht so", kommt gleich ein "Wegen der Anzeige, stimmts?" - als koennte es mir nicht aus anderen Gruenden so lala gehen, zum Beispiel weil das Wetter scheisse ist oder ich mit Kopfschmerzen aufgewacht bin.


    Ja das stimmt aufjedenfall. Heute ist es auch nicht mehr ganz so schlimm - ich freue mich auf mein Praktikum, mein Studium und auf alles was danach kommt. In solchen Momente, an solchen Tagen oder Wochen ist es einfach nur extrem schwer irgendetwas anderes zu sehen...


    Ja. Ich denke mal, dass Gute ist, dass ich eigentlich danach gar nicht die Zeit dafuer habe. Ich ziehe naechstes Jahr im August zurueck nach Deutschland, das heisst, spaetestens ab Mai muss ich mich um die Vorbereitungen kuemmern (sprich Wohnung in Deutschland suchen, entruempeln, Umzugsfirma bestellen, Behoerdengaenge etc.) - also versuche ich jetzt schon mal mich in der Zeit darauf zu konzentieren. Was ich aufjedenfall machen will, ist mich bereits vorher um einen Therapeuten zu kuemmern, dass ich, wenn ich umgezogen bin, auch gleich ein paar Termine habe, damit ich auf einen Therapieplatz nicht so lange warten muss. BEi dem Prozess selbst habe ich meine alte Therapeutin, die Prozessbegleitung anbietet.


    Der weisse Ring hat sich allein auf die Beratung in strafrechtlichen Dingen spezalisiert - ueber den Verein habe ich zum Beispiel meine Anwaeltin bekommen. Ansonsten helfen die einem auch nicht weiter. Ich war aber in Therapie, das ganze ging ueber eine Beratungsstelle (Lillith) fuer Opfer sexueller Gewalt, meine Therapeutin hat das ganze dort ehrenamltich gemacht. Aber ich denke, das brauch ich nicht mehr, weil ich stark genug bin mir alleine eine Therapie zu suchen.



    Nein, gibt es leider nicht, aber ich moechte mich jetzt auch nicht irgendwo einfuegen und Fuss fassen, wenn ich eh bald wieder Weg ziehe, dann wieder dort heraus gerissen werde und mich dann erneut umgucken muss. Wenn, dann will ich irgendwie an und mit mir arbeiten, um das ganze endlich hinter mir lassen zu koennen, und das moechte ich schon mit der gleichen Person und an einem Stueck machen...



    Es wissen nur Leute aus meiner Familie, mein Mann und eine Freundin Bescheid - die geben mir auch einen sehr grossen Halt, nur wie ich weiter oben schrieb, habe ich manchmal auch das Gefuehl nur darauf reduziert zu werden. :geknickt:
     
    #6
    User 53338, 16 November 2008

jetzt kostenlos registrieren und hier antworten
Die Seite wird geladen...

Ähnliche Fragen - Scheidung Anzeige Gerichtsverhandlung
AufAnfang84
Kummerkasten Forum
12 Februar 2016
11 Antworten
Check77
Kummerkasten Forum
27 Dezember 2015
13 Antworten
Sorty17
Kummerkasten Forum
27 Mai 2014
2 Antworten