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schule zu ende machen? oder was?

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Stinkesocke, 11 Februar 2009.

  1. Stinkesocke
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    die nächste zwickmühle... es nimmt einfach kein ende :flennen:

    und das ist auch nicht grade gut um hier mal klare gedanken zu fassen. es ist einfach nur mist.

    ich hatte gestern ein sehr langes gespräch mit meinem anwalt. er hat mich über ein paar rechtliche sachen aufgeklärt, die ich absolut schwachsinnig finde.

    ich bin letztes jahr im juli von einem auto auf dem schulweg umgefahren worden als fußgängerin. ich wurde lebensgefährlich verletzt und bin in eine spezialklinik geflogen worden. dort lag ich 4 monate auf intensiv, 3 monate davon im künstlichen koma und an der beatmungs maschine. kopf, rippen, bauch, lunge und herz haben was abgekriegt, etliche knochen waren gebrochen, etliche haut verletzungen. das alles wurde operiert oder ist so wieder verheilt, in einem arm habe ich noch 2 schrauben. auch die wirbelsäule hat was abgekriegt, einmal am hals, das war aber nur gestaucht und ist wieder weg, aber so am oberen rand von der arschritze sind mehrere wirbel gebrochen und auch das rückenmark verletzt. da wurde eine titanplatte eingesetzt damit sich das stabilisiert. mehr kann man aber nicht machen, das heißt im klartext: rollstuhl, inkontinenz, durchblutungs störungen in den beinen, spastik in den beinen, kreislauf probleme. die behandlung im krankenhaus wird noch bis juni dauern, dann bin ich fast 12 monate hier.

    wenn die fahrerin verurteilt wird, also schuld hat, muss ihre versicherung schmerzensgeld zahlen. mein anwalt sagt, das wird irgendwo zwischen 30 und 150 tausend liegen, wahrscheinlich in der mitte. bis das fest steht, haben wir mindestens 2012, eher 2015.

    außerdem muss die dann meiner krankenkasse die behandlungskosten zurück zahlen, ein leben lang. wenn sie nicht verurteilt wird, muss das die unfallversicherung machen, wo meine schule versichert ist. das kratzt mich aber nicht weiter.

    aber nun kommt es. wenn ich jetzt nicht mehr zur schule gehe und nicht studiere und nicht arbeite, kriege ich eine rente. das hat mit dem schmerzensgeld nichts zu tun, das ist quasi ersatz für einkommen. bis ich 18 bin sind das rund 730 euro pro monat, ab 18 rund 1100 euro, ab 21 rund 1400 euro und ab 25 rund 1900 euro im monat.

    wenn ich aber weiter zur schule gehe, oder irgendeinen job mache, wird die rente sofort gestrichen und auch nie mehr wieder gezahlt, auch wenn ich irgendwann keinen job finde oder mein studium abbreche oder sonstwas. wenn ich beim studium dann geld brauche muss ich entweder reiche eltern haben oder jobben wie alle andern leute auch. ist ja auch ok. aber wenn ich nichts mach und mich ab heute nur noch vor den fernseher knalle, krieg ich monatlich geld bis zum lebens ende.

    irgendwie versteh ich die welt nicht mehr. wenn man sagen würde dass mein einkommen voll angerechnet wird wie bei hartz 4, dann würde ich sagen: ok. aber so?!

    :ratlos:

    was würdest du machen?
     
    #1
    Stinkesocke, 11 Februar 2009
  2. User 76250
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Single
    Menschen wie Du sind der Grund dafür, dass es Leute wie Ackermann oder Kleinfeld gibt: Die kriegen das Glück gleich kiloweise anal injiziert, dafür erwischt es dann andere wie Dich umso schlimmer... :kopfschue

    Ich kann Dir nicht sagen, was ich tun würde. Für mich wäre das genau so ein Zwiespalt. Auf der einen Seite dürfte es schwer für Dich werden, als Behinderte einen adäquat bezahlten Job zu finden, auf der anderen Seite sind maximal 1.900 € auch nicht gerade viel, wenn ich mir vorstelle, dass Du garantiert nicht ein Leben lang alle Kosten bezahlt bekommst, die Dir durch Deine Behinderung entstehen. Dann wiederum willst Du sicher nicht "verkümmern", weil Du den ganzen Tag nichts mit Dir anzufangen weißt und Berufstätigkeit ein Stück Normalität und Freiheit bedeuten könnten, andererseits besteht eben die Unsicherheit (trotz der rechtlich besonderen Schutzwürdigkeit von Arbeitsplätzen Behinderter), dass Du irgendwann dennoch keine Arbeit hast und mit ALG II Dein Leben auf die Reihe kriegen musst.

    Hat Dein Anwalt Dir keine Möglichkeiten an die Hand gegeben, Deine Entscheidung wohlüberlegt zu fällen?
    Du könntest zum Beispiel beim Weißen Ring mal fragen, ob die sich für Dich zuständig fühlen (auch wenn deren eigentliche Zielgruppe eine andere ist).

    Ansonsten gibt es noch Behinderten-Netzwerke, die Du unter Umständen kontaktieren könntest (in Hamburg).
     
    #2
    User 76250, 11 Februar 2009
  3. schwefelspucker
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    Verheiratet
    Lass dich mal :knuddel:

    Ich habe lange mit geistig und koerperlich behinderten Menschen gearbeitet. Die hatten aber auch beides und waren in einem Wohnheim, oder betreuten Wohnen, und haben in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet.
    Ich kann mir vorsellen, dass das richtig hart fuer dich ist, vor allem mit 16, wo man ja eigentlich ganz andere Dinge im Kopf haben sollte.
    ABER: Du lebst und hast einen gesunden Kopf auf deinen Schultern. Geh in die Schule und studieren! Es wird fuer dich mit Sicherheit um einiges haerter als fuer Nicht-Behinderte, aber es ist machbar. Stell dir mal vor, du hoerst jetz mit allem auf, mit 16, und hockst dann 60 Jahre einfach rum. Da wird man doch wahnsinnig! Such dir eine Aufgabe, ein Ziel und verfolge es! Wer weiss, vielleicht kannst du ja aus deinen Erfahrunen was machen und anderen Leuten damit helfen?

    Du hast zuviel durchgemacht und schon geschafft um einfach nur vor dich hinzuvegetieren!
    Viel Glueck und ganz viel Kraft!!!
     
    #3
    schwefelspucker, 11 Februar 2009
  4. JackyllW
    JackyllW (30)
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    nicht angegeben
    eine wirkliche zwickmühle - ich würde mich wahrscheinlich nicht auf ewig darauf verlassen wollen, dass max. 1900€ auf meinem Konto landen, das wäre mir zu unsicher.
    wenn du so lange im KH bist, gibts das nicht auch dass es quasi unterricht am krankenbett gibt? das hat ne freundin von mir gehabt als sie wegen einer verschleppten lungenentzündung lange im KH war...
    tendenziell würde ich die sache auch so sehen: du bist zwar jetzt körperlich eingeschränkt, aber geistig noch fit, oder?
    dann schau, dass du weiter zur schule gehst, dein abi machst, studierst und danach einen job findest.wir haben an meiner hochschule auch rolli-fahrer, der eine hat sich vor ein paar jahren beim snowboard-fahren so schwer verletzt, dass er querschnittsgelähmt ist. er studiert dennoch und ist einer der besten - davor hab ich echt respekt! und er wird auch nicht von anderen mitstudenten gemieden oder so, nein jeder versucht ihm so weit er kann zu helfen.
    der letzte zug in eine gute zukunft ist noch nicht abgefahren, aber schau erstmal, dass du wieder auf den damm kommst :smile:
     
    #4
    JackyllW, 11 Februar 2009
  5. User 48403
    User 48403 (47)
    SenfdazuGeber
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    nicht angegeben
    Word!

    Solange es im Kopf funktioniert, nur lediglich die Motorik nicht mehr funktioniert, ist noch alles drin.
    Ich selbst lebe auch mit einer Behinderung, die mich im Alltag ziemlich einschränkt, aber das ist absolut nix mit dem zu vergleichen, womit Du jetzt zu kämpfen hast.

    Ich nenne nur mal Stephen Hawking als Beispiel: Er ist am ganzen Körper völlig bewegungsunfähig und kann nicht mal mehr sprechen, aber er ist einer der grössten Genies unserer Zeit. Deswegen, weil seine Motorik gar nicht mehr funktioniert, kompensiert er das mit seinem Geiste, quasi er selbst ist einfach nur noch Intelligenz, wenn man es so ausdrücken kann.

    Du bist erst 16 und hast viele Möglichkeiten, dies und das zu erreichen, wenn Du von Deinem Denken und Deiner Intelligenz Gebrauch machst.

    Von daher versuch eine Ausbildung zu machen, auch wenn es für Dich im Moment sicher nicht zu bewerkstelligen scheinen mag. wenn Du es nicht machst, tut es Dir nachher leid.

    Ich kenne übrigens auch eine Rollstuhlfahrerin, die sogar im gleichen Krankenhaus war, als ich mit 7 meine Milz-Op hatte. Sie hatte auch studiert und hat sogar einen Professoren-Titel an einer Uni.

    Mit Ehrgeiz, was aus dem zu machen, was einem im Leben zur Verfügung steht, kann man sehr viel erreichen.

    Aber quäl Dich jetzt nicht sofort zu sehr mit Deinen Gedanken, jetzt geht es erst mal um Dich. Dass Du einigermassen wieder soweit fit bist, dass Du wieder am öffentlichen Leben teilnehmen kannst.

    Ich wünsch Dir alles Gute:smile:
     
    #5
    User 48403, 11 Februar 2009
  6. Flowerlady
    Verbringt hier viel Zeit
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    1
    vergeben und glücklich
    Ich persönlich würde die Schule beenden und studieren / eine Ausbildung machen.
    Aber vor allem solltest Du Dich erstmal informieren.

    Da aber die anderen vor mir meine Wahl schon beleuchtet haben, möchte ich Dir die andere Seite zeigen:

    Ich finde schon, dass 1900 EUR im Monat recht viel Geld ist. Schließlich ist das bei einer Rente dann doch der Netto-Betrag, oder irre ich mich jetzt? So weit muss man mit einer Behinderung erstmal kommen, dass man im Monat 1900 EUR netto verdient. Es wurde auch als Argument genannt, dass durch den Unfall Langzeitfolgen entstehen können, die Kosten verursachen. Da stelle ich mir die Frage, inwieweit die Krankenkasse da mithilft bzw ob sie das im Falle der Rente tut oder nur im dem Fall, dass man arbeitet oder genau in dem Fall nicht... etc.
    Nur weil man die Rente bekommt, muss man nicht bis zum Ende des Lebens tatenlos herumsitzen. Es gibt genügend ehrenamtliche Tätigkeiten und Bereiche, in denen man sich engangieren kann. Ein Bekannter von mir ist arbeitsunfähig, bekommt Rente und jobbt jedes Jahr - ohne dafür Geld zu bekommen, er wohnt "nur" umsonst dort und bekommt Lebensmittel gestellt, also er zahlt letztendlich nichts drauf, aber er verdient damit auch nichts! - auf Mallorca. Da bin ich schon manchmal neidisch :zwinker: Ne Rente von 1900 EUR wäre eine Chance, einer Tätigkeit nachzugehen, für die man auf normalem Wege weniger Geld bekäme.
     
    #6
    Flowerlady, 11 Februar 2009
  7. squarepusher
    Sehr bekannt hier
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    Single
    hi!

    ich stelle mir vor, dass du langfristig deinen unfall und dieses massive "down" sicher besser überwinden kannst, wenn du die schule zuende machst, einen beruf erlernst und arbeitest wie alle anderen auch, auch wenn du es nicht müsstest. das hilft dir sicher auch dabei, dir nicht wie jemand vorzukommen, der "auf ewig gezeichnet ist".

    ist sicher eine schwere entscheidung, 1900€ sind viel geld. aber ich glaube es geht mit hohen "psychischen" kosten einher. du kommst dir am schluß vielleicht schwächer und hilfloser vor, als du wirklich bist. umgekehrt könnte dir ein job und ein "normales" erwerbsleben sicher etwas von der stärke und unabhängigkeit zurückgeben, die dir der unfall augenscheinlich gekostet hat.

    schade, dass Dunsti nicht mehr regelmäßig hier ist. sie hatte auch in ihrer jugend einen unfall, der sie in den rollstuhl gebracht hat. sie hat trotzdem und trotz ekeliger repressalien ihrer eltern, die an ihrer querschnittslähmung viel mehr zu kauen hatten und haben als sie - die betroffene - selbst, schule fertig gemacht, medizin studiert und arbeitet jetzt als ärztin. sie schreibt sehr lesenswerte beiträge, und hätte dir wohl auch das ein oder andere, nützliche mit auf den weg geben können.
     
    #7
    squarepusher, 11 Februar 2009
  8. Pappenheimer
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    vergeben und glücklich
    Moin Stinkesocke,

    ich gebe Dir nochmals einen Tipp - und ich finde, auf den Tipp hätten auch andere Leute in Deinem Unfeld kommen können, die dafür bezahlt werden. Nicht, dass ich das nicht gerne mache, ich finde das nur nicht so toll, dass man Dich ewig im Unklaren lässt. Oder sprichst Du nur hier über Deine Sorgen, dann habe ich nicht gemeckert.

    Erwerbsunfähig ist jemand, der wegen seiner Behinderung oder chronischen Krankheit auf Dauer nicht mehr als eine Drittel-Stelle schafft. Das sind offiziell bei einer Fünf-Tage-Woche weniger als 15 Stunden pro Woche.

    So, das heißt ganz klar: Lass Dir alle Zeit der Welt für Schule und Ausbildung. Lass es langsam angehen. Rede mit Deiner (zukünftigen) Schule. Mehr als 4 Unterrichtsstunden a 45 Minuten pro Tag sind nicht drin. Das ist nicht verhandelbar. Konzentriere Dich auf das, was Du für das Abi brauchst und lasse den ganzen anderen Käse hinten runterfallen. Du brauchst eine gewisse Mindesstundenzahl für das Abi. Frage, inwieweit hier eine Ausnahmegenehmigung beim Land erwirkt werden kann aufgrund Deines Gesundheitszustandes, Gutachten und Verwaltungsentscheidung können vorgelegt werden. Ich bin sicher, da kann man nochmal um 10 bis 15% handeln. Notfalls hängst Du ein Jahr dran. Wen kratzt es? Du bist in der Zeit finanziell abgesichert. Mehr noch: Die Mehrkosten, die Dir nur durch Deine Behinderung entstehen und die ein nicht behinderter Schüler nicht hätte, kannst Du Deinem Kostenträger mit Bitte auf Erstattung einreichen.

    Ich würde Dir sogar davon abraten, gleich wieder in den normalen Alltag einsteigen zu wollen. Wenn Du 10 Stunden am Stück sitzt, ohne zwischendrin mal Deinen Hintern zu entlasten, hast Du spätestens nach einer Woche die ersten leckeren Druckstellen, die Dich erstmal mindestens ein Vierteljahr aus der Bahn werfen, im schlimmsten Fall mit neuem Krankenhausaufenthalt und OP. Also lass es einfach, nimm die 4 wichtigsten Stunden mit und leg Dich danach zu Hause ne Stunde aufs Bett, um Deinen Po zu entlasten. Dabei kannst Du dann fleißig die Sachen lernen, die der Lehrer Dir als Hausarbeit mitgibt, denn freiwillige Unterrichtsvorbereitung wird nicht auf die Stunden angerechnet.

    Das gleiche gilt für das Studium. Was meinst Du, warum die ganzen zeitlichen Beschränkungen (Regelstudienzeit, Bafög, Kindergeld) bei behinderten Studenten nicht gelten? Dann bist Du eben nicht mit 23 fertig, sondern mit 27. Dafür bist Du aber eine der wenigen Studentinnen, die bis zu 1.900 Euro in der Tasche haben, ohne dafür in vier Kneipen gleichzeitig kellnern zu müssen. Und die ihr Busticket nicht bezahlen müssen und notfalls auch noch das Taxi zur Uni bezahlt kriegen, wenn draußen die Schneeflocken waagerecht fliegen.

    Fazit: Ich würde mich tatsächlich zurücklehnen. Aber nicht, um die nächsten 70 Jahre Ruth Herz und Barbara Salesch beim Verknacken von bösen Jungs und Vera Int-Veen und Oliver Geißen beim Lösen der Frage, ob Dein Nachbar wirklich nebenan wohnt, zuzuschauen. Geh Du Deinen Weg - die Türen stehen weit offen, Du musst sie nur sehen.

    Wenn es kein Abi wird und kein Studium, aus welchen Gründen oder Einstellungen auch immer, machst Du halt was anderes. Und wenn es ein ehrenamtliches Engagement ist. Nur hast Du schon vor einigen Tagen geschrieben, dass Du unbedingt ernst genommen, akzeptiert werden möchtest. Jetzt frage ich Dich selbst: Wie ernst nimmst Du jemanden, dessen Leben aus keiner einzigen Aufgabe besteht und der aus seinem Leben nichts weiter macht, außer eine Rente zu beziehen und Fernsehen zu schauen, obwohl er 1000 Mal mehr drauf hätte? Und dann, als Rechtfertigung möglicherweise noch anführt: "Ja was, meine Behörde hat mir das Arbeiten verboten."

    Ich hoffe, ich konnte Dir einige neue Denkanstöße geben. Ich finde sehr positiv, dass Du, im Gegensatz zu dem Vollpfosten-Beitrag, heute bereits fragst, wie Du einen scheinbar im Weg liegenden großen Baustein Deines künftigen Lebens sinnvoll verwenden kannst, anstatt nur zu sehen, dass er im Weg liegt.

    Das wird schon.
     
    #8
    Pappenheimer, 11 Februar 2009
  9. squarepusher
    Sehr bekannt hier
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    Single
    ich frage mich, ob es so sinnvoll ist, nur, mit zwei, drei €uro-zeichen in jedem auge, anzufangen, auf der faulen haut zu liegen.

    absolut nichts gegen gerechtfertigte erleichterungen und nötige unterstützung, aber genauso ist es motivierend, befriedigend und einfach bestärkend, trotz aller widrigkeiten etwas zu schaffen.

    wenn sie sich für das abi entscheidet, soll sie die hilfe in anspruch nehmen, die ihr nötig erscheint, aber nicht mehr. sowas ist immer zweischneidig. so zu tun als hätte sie jetzt im lotto gewonnen und als wäre sie ein schelm, wenn sie das nicht komplett auskosten würde, ist jenseitig.

    warum soll sie sich alle zeit der welt für ihre ausbildung nehmen? das impliziert, dass ihr unfall ihr alle ziele zerstört hat, die sie ohnehin jemals hatte und haben hätte können. irgendwie sehr ambivalent. wir alle entscheiden selbst, worüber wir uns definieren. sich mit der ausbildung alle zeit der welt zu lassen und so weiter ist natürlich okay, wirft aber die frage auf, ob sie sich wirklich dermaßen über ihre behinderung definieren will. ob sie sich wirklcih mit irgendwelchen ehrenamtlichen tätigkeiten abspeisen lassen will, oder sich von diesem schicksalsschlag ihre vorstellungen vom selbstverdienten geld gefälligst nicht kaputtmachen lassen will.

    ich war unlängst auf einer veranstaltung über barrierefreies design, und die dort anwesenden rollstuhlfahrer, blinden, etc waren allesamt sehr glücklich, gefestigt und selbstsicher. ich hatte den überwältigenden eindruck, dass das in erster linie menschen waren, die sich von dieser blöden sache einfach nicht aus der bahn werfen ließen, gekämpft haben und gewannen.

    man zahlt für jeden lebensentwurf seinen preis, nichts ist gratis. alles öffnet türen und schließt gleichzeitig andere. die üppige rente kostet sie das erwerbsleben, mit all seinen tücken. ein erwerbsleben kann (KANN! ich spekuliere) einen, ungeachtet ob auf zwei beinen oder auf vier rädern unterwegs, weiter ins zentrum der gesellschaft bringen als irgendeine rollstuhlrampe oder irgendein behindertenaufzug es könnten. wenn behindertenrampen und alles andere andererseits überhaupt irgendeinen sinn haben, dann eben dafür zu sorgen, DASS für rollstuhlfahrer eben nicht mehr gilt: nimm das geld und mach irgendeine ehrenamtliche tätigkeit, sonst wärst du schön blöd.

    es ist natürlich ambivalent. wenn ich mich an Dunstis beiträge erinnere, hatte sie großen spaß an ihrer arbeit als ärztin, aber auch mit argen problemen zu kämpfen.
     
    #9
    squarepusher, 11 Februar 2009
  10. Pappenheimer
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    vergeben und glücklich
    Ich habe lange überlegt, ob so viel Realität hier gut ist. Aber ich denke, die Stinkesocke wird sie richtig verstehen und für sich das beste draus machen.

    Vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt, denn ich sehe, dass Deine Argumente größtenteils auch meine sind.

    Ihr Problem, das sie in diesem Thread beschreibt, ist, dass sie nicht weiß, wie sie die angebotene Hilfe, nämlich eine Rente statt Erwerbseinkommen zu beziehen, in ihrer künftigen Lebensplanung, die sie derzeit täglich über die Maßen beschäftigt, unterbringen soll.

    Sie hat zwei Möglichkeiten: Entweder die Hilfe annehmen oder die Hilfe ablehnen.

    Nimmt sie die Hilfe an, gibt der Kostenträger den Rahmen vor. Der lautet: Maximal 15 Stunden pro Woche für Ausbildung, Studium oder Arbeit. Vermutlich aus gutem Grund.

    Lehnt sie die Hilfe ab bzw. hält sich nicht an diesen vorgegebenen Rahmen, ist sie nicht mehr erwerbsunfähig. Die Rente fällt weg.

    Zunächst wird sie vielleicht noch von den Eltern finanziell unterstützt. Aber so wie ich gelesen habe, schwimmen die nicht im Geld. Können sie dem Kind ein Studium finanzieren? Was, wenn es auswärts studieren muss? In einem anderen Ort? Gibt es ein rollstuhlgerechtes Wohnheim zum Einheitspreis? Oder muss da ein rollstuhlgerechtes Zimmer oder in Ermangelung dessen eine rollstuhlgerechte Wohnung her? Weißt Du, was eine rollstuhlgerechte Wohnung zur Miete kostet? Laut i...scout24 kostet die billigste rollstuhlgerechte Unterkunft in Hamburg derzeit 565 Euro pro Monat warm (die teuerste übrigens 3.800 Euro pro Monat warm für 3 Zimmer, das aber nur als kleiner Gag am Rande). Und wer zahlt die? Nein, die Unfallkasse nicht (und damit der Unfallgegner auch nicht), denn ein Gutachten, dass in einer Rente endet, sagt unmissverständlich aus, dass es keine Chance gibt, sie in das normale Erwerbsleben zu integrieren. Folglich gilt: Selbst finanzieren.

    Wie finanzieren? Über BaföG? Nein! Denn auch BaföG gibt es nicht. Begründung: Es gibt einen höherrangigen Kostenträger, die Unfallkasse. Kein Cent zu holen. Also doch jobben. Findest Du als Rollstuhlfahrer einen üblichen Studentenjob wie Babysitting, Kellnern, Nachhilfe? Ist Stinkesocke so leistungsfähig und schafft neben dem Studium, bei dem sie jetzt doch nicht alle Zeit der Welt hat, einen, zwei, drei, vier Jobs? Und bekommt sie dabei einen vernünftigen Abschluss, der vielleicht wichtig wäre für einen guten Job? Weißt Du das heute, wo sie noch nicht mal aus dem Krankenhaus ist, noch nicht mal ein paar Wochen Schule zur Probe gemacht hat, noch keinen regulären Alltag hat?

    Okay, dann vielleicht doch kein Studium, sondern eine einfache Berufsausbildung. Auf dem freien Arbeitsmarkt stellt sie keiner ein, der dafür keine Zuschüsse bekommt. Dass es solche gibt, hat sich mittlerweile rumgesprochen. Also will sie jeder Arbeitgeber haben, der einen Rollstuhlfahrer einstellt. Kostenträger: Die Unfallkasse. Der Antrag wird mit Verweis auf die festgestellte Erwerbsunfähigkeit abgelehnt.

    Aus dem gleichen Grund scheitert eine Ausbildung bei einem Rehaträger, beispielsweise einem Berufsbildungswerk oder Berufsförderungswerk. Kostenträger bleibt die Unfallkasse, die sagt: Erwerbsunfähig. Somit keine Leistungen.

    Aber probieren könnte sie es ... wenn sie scheitert, nimmt sie doch die Rente. Schön wäre es! Das klappt nicht! Der Kostenträger ist nämlich nur für die unfallbedingten Folgen zuständig. Dass sie trotz der unfallbedingten Folgen mehr als 3 oder sogar mehr als 6 Stunden pro Tag tätig sein kann, hat sie dann aber schon bewiesen. Damit ist der Fisch gelutscht. Wenn dann eine "neue" Erwerbsunfähigkeit eintritt, ist hierfür nicht mehr die Unfallkasse zuständig, weil sie nicht unmittelbar mit dem Unfall zusammenhängt.

    Die einzige Chance, die Du hast, wenn Du auf die Rente verzichtest, ist, ein Studium abzuschließen und dann in den allgemeinen Arbeitsmarkt mindestens 6 Monate integriert zu sein - dann kannst Du die Unfallkasse auf rückwirkende Zahlung von Eingliederungshilfe (als Bafög-Ersatz etc.) verklagen. Gelingt Dir das nicht, hast Du alles verloren.

    Daher war mein Rat: Erstmal die Rente annehmen. Im vorgegebenen Rahmen das Abi schaffen. Auf dem Papier darf der Tag nicht länger als 4 Unterrichtsstunden dauern. Und das alles muss irgendwann im Abi enden.

    Das gleiche gilt für das Studium. Und wenn das fertig ist und man wirklich den hammermäßigen Job, der einem mehr als 1.900 Euro netto bringt, findet und auch noch mehr als 15 Stunden die Woche arbeiten kann, dann kann man die Rente immernoch ablehnen.

    Solange man das aber nicht sicher weiß, empfehle ich, das zu sichern, was man hat. Man muss das Geld, wenn es denn zu viel ist, ja nicht ausgeben. Man kann es auch an Behinderten-Organisationen spenden, die sich um Leute kümmern, die eben keinen für ihre Behinderung haftbar machen können und für die möglicherweise nicht mal das Geld da ist, um einmal pro Woche mit anderen behinderten Menschen Sport im Verein zu machen.

    Und was ganz großer Humbug wäre: Dem Bescheid widersprechen, der jetzt die Erwerbsunfähigkeit feststellt. Man würde sicher erreichen können, dass man nur 50 oder 60 statt 100% bekommt, wenn man das alles besser darstellt als es ist. Damit halbiert sich aber voraussichtlich auch die Schmerzensgeldzahlung der Unfallgegnerin. Und die der privaten Unfallversicherung, die ja, wenn ich richtig gelesen habe, auch noch besteht. Und nun lass das mal eine Unfallversicherung sein, die eine geringe Versicherungssumme mit 500% Progression vorsieht, dann bekommt sie statt 200.000 Euro aus der privaten Unfallversicherung nur noch 20.000 Euro.

    Aber andererseits hat Stinkesocke uns nur nach unserem Bauchgefühl gefragt. Ich hoffe, dass der Anwalt das alles im Griff hat und sie entsprechend gut berät.

    Hat sie denn schon Vorstellungen?

    Dann frag mal die Leute, ob sie auf ihnen angebotene Leistungen (Landes-Blindengeld, Pflegegeld) verzichten. Unser Sozialstaat, der bekanntlich einzigartig ist, hat sehr feste Vorstellungen von seiner Hilfe. Die richtige Hilfe im richtigen Moment anzunehmen, sei es für ein unabhängiges Leben oder eine Anschubfinanzierung für ein späteres eigenständiges Erwerbsleben, kann man in einen erfolgreichen Kampf einbauen.

    Wie Du gelesen hast, halte ich nichts davon, sich auf das Sofa zu lümmeln und eine Talkshow nach der nächsten zu schauen. Und sich das alles noch vom Staat finanzieren zu lassen. Ich halte aber viel davon, sich einen Weg nicht unnötig schwer zu machen, weil man dem Sozialstaat, um den man als behinderter Mensch nie herum kommt, und sei es nur, weil Dritte indirekt von Deinen Vergünstigungen profitieren wollen, die ganz kalte Schulter zeigt.

    Richtig. Ich möchte lediglich, dass die stinkende Socke sich die finanzielle Seite sehr genau anschaut und alles mit ihrem Anwalt bespricht. Dort hat sie im Moment ein Wörtchen mitzureden. Bei ihren körperlichen Einschränkungen weniger - und es könnte sein, dass diese körperliche Seite im Moment schon "teuer" genug ist, als dass sie sich noch mit finanziellen Problemen rumschlagen müsste.

    Das muss es nicht. Es geht halt nur nicht unbedingt so schnell und man sollte sich gut überlegen, ob man komplett ohne Rente auskommen kann.

    Vollkommen richtig. Deshalb rate ich ihr ja auch, möglichst zu studieren. Sie soll es halt nur gut überlegt anstellen.

    Ich bin nicht dafür, dass jemand Hilfen beantragt, die er nicht braucht. Aber nur das Beispiel mit dem waagerechten Schnee: Bist Du schonmal im Rollstuhl durch tiefen Schnee gefahren, über Kopfsteinpflaster und rutschige Busrampen mit einer Aktentasche dabei, in den Rädern schleift die Daunenjacke und Deine Finger sind eiskalt und nass und brennen von dem Salz? Und auf Deinem Schoß liegt eine Schippe voll Streugut?
     
    #10
    Pappenheimer, 11 Februar 2009
  11. Stinkesocke
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    155
    103
    10
    Single
    also ganz klar ich möchte auf jeden fall was machen. ich werde mich nicht auf die faule haut legen und gerichtsshows und talkshows reinziehen.

    ruth herz gibt es schon gar nicht mehr im fernsehen, das macht jetzt alexander holdt! ich kann diesen stumpfsinn nicht mehr sehen, aber ich gebe ehrlich zu, als ich nicht aufstehen durfte habe ich mir das auch reingezogen.

    mein anwalt hat schon gesagt, dass das furchtbar kompliziert wird. ich möchte natürlich nicht übertreiben und alles an geld einsacken was ich kriegen kann wenn ich mich bißchen doof anstelle. aber mein anwalt hat genau das gesagt, was pappenheimer geschrieben hat: wenn ich zu ehrgeizig bin, streichen sie mir die unterstützung, weil ich dann selbst für mich sorgen kann. dann muss ich aber ein leben lang auf die unterstützung verzichten. ich kann aber jetzt nicht sagen, ob ich das immer kann. in der schule kann man mal 2 jahre 200% geben, aber im job geht das vieleicht später nicht immer!

    ich werde jetzt erst mal versuchen eine schule zu finden, die mich für das schuljahr 2009/2010 haben will. ich muss in klasse 10 wieder einsteigen. das mit den 4 stunden hat mein anwalt auch gesagt. aber er hat auch gesagt, dass so etwas oft gemacht wird und man in klasse 10 in hamburg 28 stunden pro woche hat. 3 mal ist sport, dann bleiben 5 stunden pro woche die man durchwechseln muss. eine woche religion, eine woche kunst, eine woche musik und die dritte fremdsprache lässt man ganz sein. dafür kriegt man aber physik, mathe, englisch, deutsch, erdkäse, geschi, chemie und bio voll mit. ich glaub das krieg ich hin. man muss nur fragen ob die stunden so gelegt werden können dass ich nicht an einem tag 8 stunden und am nächsten 1 stunde hab. aber das kriegt man auch hin und man kann ja drum bitten dass das nicht überall so groß breit getreten wird, dass das wegen mir ist.

    und im studium muss man dann später eben viel hausarbeiten machen. aber erst mal schau ich dass ich klasse 10 schaff und dann sehen wir weiter.

    ich glaub das kann man schaffen und vieleicht wollen die mir damit auch was gutes tun, denn durch zu langes sitzen ohne zwischendrin zu entlasten kann man ganz viel kaputt machen. das hab ich ja gleich am anfang kurz nach weihnachten mitgekriegt, da habe ich nur eine stunde zu lange gesessen und lag gleich wieder für wochen mit einer druckstelle im bett.

    ausruhen werde ich mich auf meiner behinderung nicht. das steht für mich fest.
     
    #11
    Stinkesocke, 13 Februar 2009
  12. Beelion
    Beelion (29)
    Verbringt hier viel Zeit
    862
    103
    1
    Single
    so eine unfassbare scheiße... :cry:

    ich finde es toll wie "gut" du damit umgehst. mach weiter so, verlier den mut nicht - zeig es allen!

    mach weiter schule... ich denke das "nichts tun" wird dich langfristig alles andere als glücklich machen.


    alles alles gute weiterhin! :knuddel:
     
    #12
    Beelion, 13 Februar 2009

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