Willkommen auf Planet-Liebe

diskutiere über Liebe, Sex und Leidenschaft und werde Teil einer spannenden Community! :)

jetzt registrieren

Selbstzweifel, Angst - und ich hilflos daneben...

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von dreader, 7 Juni 2010.

  1. dreader
    Verbringt hier viel Zeit
    418
    113
    39
    nicht angegeben
    So, in diesem Thread geht es um eine Person, die mir sehr wichtig geworden ist. Die Genaue Situation zu beschreiben und warum wir nicht „richtig und offiziell zusammen sind“ wäre zu kompliziert und unnötig, aber man könnte sie quasi auch als meine Freundin bezeichnen. So gesehen habe ich auf jeden Fall eine intensive Beziehung zu ihr.

    Ich kenne sie seit etwa einem Jahr und seit ca. eine halben Jahr „richtig“. Wir haben schon sehr viel sehr lange geredet und sie hat auch relativ schnell angefangen mir von ihren Problemen zu erzählen und inzwischen kenne ich im Prinzip den größten Teil ihrer Lebensgeschichte (ist übrigens 24) und sie erzählt mir auch sonst sehr viel intimes woraus ich eigentlich schon schließe, dass sie mir sehr vertraut.
    Ihr wurde halt als Kind/Jugendliche immer sehr wenig Beachtung geschenkt, wenig Lob, keinen Rückhalt von daheim und wenn Kritik und Rückmeldung – dann negative.
    Daraus hat sich im Laufe der Zeit eben ein verdammt schlechtes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl entwickelt. Sie war auch seit sie 16 ist eigentlich nie ohne einen festen Freund und hat auch selber gesagt, dass sie es im Nachhinein bereut aber es in den Situationen eben das Beste für sie war.

    Laut ihr hat sich das Ganze auch schon sehr stark verbessert und war früher viel schlimmer. Sie kommt im Normalfall auch wunderbar zurecht und erzählt auch stolz von Dingen die sie gemacht hat und Dingen die sie kann und ich freue mich immer so für sie wenn ich es höre.
    Aber in unserer derzeitigen Umgebung (Indien) ist es einfach so, dass nie ein Blatt vor den Mund genommen wird.
    Die Leute sagen dir, dass etwas scheiße aussieht, dass du etwas nicht kannst, fragen dich schamlos ob du dicker geworden bist und so weiter.
    Im Gegensatz dazu loben sie dich aber auch und meinen es ernst, was das Ego natürlich gleich wieder pusht.
    Für mich ist es eigentlich echt gut, bei negativen Sachen denke ich mir nicht viel und über die Positiven freue ich mich dann eben umso mehr. Ich würde aber auch sagen, dass ich in der Richtung einfach ein gutes Selbstbewusstsein habe.

    Doch bei ihr ist es genau das Gegenteil. Sie freut sich zwar riesig über Komplimente, doch wenn negative Aussagen kommen auch wenn sie teilweise nicht so gemeint waren oder von Leuten stammen, die die Situation überhaupt nicht einschätzen können. Ich würde über so etwas lachen aber ich bin eben nicht sie.
    Ich habe ihr mal z.B. völlig ohne Hintergedanken (und leider auch Nachdenken) gesagt, dass ich ihren kräftigen Rücken schön finde als ich ihn gestreichelt habe und das nimmt sie mir immer noch übel.

    Naja, wie auch immer. Es gibt eben sehr gute Phasen und man denkt alles läuft wunderbar und dann kommt eine dumme Bemerkung von einem anderen und alles bricht irgendwie zusammen und die Selbstzweifel (auch bei Sachen von denen sie sich vorher so sicher war) kommen. „Vielleicht haben sie ja doch Recht und…“

    Ich versuche natürlich so gut es geht ihr zu helfen, sie zu bestärken und Komplimente zu machen, Sachen richtig zu stellen etc. Aber sie wohnt eben 3 h von mir entfernt, wir sehen uns nicht so oft und einfach mal schnell hinfahren (gerade wenn sie es brauchen würde) geht eben so nicht.

    Was ich auch total schade finde ist, dass sie sich viele Sachen in meinem Beisein nicht traut weil es ihr (ihre Worte) „peinlich ist und Angst hat, ausgelacht zu werden“. Als ob das machen würde. Es würde meistens auch keinen Grund geben.
    Ich zeige ihr z.B. Gitarre spielen aber in meinem Beisein spielt sie kaum was und schaut es sich eher an und wenn ich dann weg bin übt sie für sich. Oder sie spricht kaum Englisch sondern lässt mich sprechen aus Angst sie sei zu schlecht (und wir unterhalten und dabei oft mit Indern, die sehr schlecht Englisch können). Warum diese Angst bzw. was kann man dagegen machen? Einerseits vertraut sie mir soweit, dass sie eben darüber spricht aber dann kann sie eben nicht anders handeln.

    Lange Rede kurzer Sinn: Ich weiß echt nicht genau was ich tun soll oder kann. Wenn man z.B. eine Zeit lang echt sehr viele negative, resignierende Sachen erzählt/geschrieben bekommt oder sie auch am Telefon am weinen ist (kam einmal vor). Mehr als reden, über das Thema oder auch ablenken mit anderen Themen, kann ich ja auch nicht.
    Aber ich komme mir da so hilflos vor und würde ihr so gerne helfen.
    Es ist auch echt erstaunlich wie lange sie selbstbewusst ist und ich hab das Gefühl sie ist die stärkste Frau auf Erden. Sie hat in vielen Dingen auch einfach mehr Erfahrung als ich und kann es auch sein aber dann kommt eben wieder etwas und … alles weg.


    Ach ja, so zum Schluss noch: Diese Zusammenbrüche kamen jetzt in dem halben Jahr eben 2-mal vor. Das eine Mal ging es dann wieder aufwärts und in eine Hochphase. Wir hatten dann auch mal ein paar Tage Zeit für uns. Und die andere ja – hat vor ein paar Tagen angefangen.
    Sie war übrigens auch schon mal in Deutschland beim Unipsychologen und hatte dort Gespräche. Das hat ihr in der Zeit glaube ich schon weitergeholfen.


    Naja, irgendwie glaube ich ja nicht so wirklich, dass es da ein Patentrezept gibt aber hat da jemand vielleicht Erfahrungen und Tipps?
     
    #1
    dreader, 7 Juni 2010
  2. Bailadora
    Meistens hier zu finden
    991
    128
    99
    nicht angegeben
    Erfahrungen...
    Ich habe eine ähnlichen Hintergrund wie Deine Freundin. Sprich, viel Kritik und Gemäkel in der Familie, wenig Lob - und daraus resultierend ein geringes Selbstwertgefühl. Ich kenne auch diese Hoch- und Tiefphasen. Eigentlich bin ich nämlich ganz gut in vielen Dingen, selbstbewusst (ist für mich etwas Anderes als Selbstwert), komme gut an (Ausstrahlung 'Powerfrau'). Aber da muss nur eine Kleinigkeit nicht ganz glatt laufen oder jemand sagt etwas Missverständliches/Kritisches zu mir...schwupps bin ich verunsichert.

    Wirklich helfen kann mir da keiner. Ich musste erstmal selbst einsehen, dass dieses niedrige Selbstwertgefühl nicht normal ist (eine Unipsychologin war da hilfreich). Und vor allem: völlig unberechtigt. Denn ich bin ein Mensch mit Schwächen und Stärken wie jeder andere auch.
    Seitdem ich das eingesehen habe, versuche ich mir Unterstützung von Freunden zu holen - und das hilft mir. Ich bitte in Tiefphasen oder bei Verunsicherung andere um Bestärkung oder um ihre realistische Einschätzung. Das ist gut, um für mich selbst das Ganze in andere Maßstäbe zu setzen. Um es 'realistischer' zu sehen.

    Mein Freund ist da oft eine tolle Hilfe für mich. Er muntert mich auf, indem er mir aufzählt, was meine Stärken sind und dass ich das schon meistern werde. Er zeigt mir Lösungswege auf - die nicht immer eine Lösung sind, mich aber selbst zu einem Lösungsweg anregen. Oder er zeigt mir klar auf, dass eine Kritik unberechtigt/nicht ernst zu nehmen/nicht so schlimm ist. Wir 'diskutieren' meine Selbstwertprobleme dann sozusagen, auf sachlicher Ebene. Diese sachliche Ebene bringt für mich Distanz zu den vorher so überwältigenden Gefühlen wie Versagensangst/Verzweiflung/etc. und plötzlich sind sie gar nicht mehr so schlimm.

    Ich merke, wie es mir durch dieses aktive Angehen/sachliche Diskutieren/gezielte Lobanfragen seit Monaten nach und nach immer leichter fällt, mit Problemen/Kritik umzugehen. Aber das wird noch ein langer Weg.
    Anfangs war mein Freund übrigens genauso hilflos wie Du bei meinen Tiefphasen. Erst seitdem ich klar kommunizieren kann, dass ich jetzt aufmunternde Worte usw hören möchte, ist das besser geworden.


    Aufgrund meiner Erfahrungen glaube ich, dass sich Deine Freundin erstmal dafür öffnen muss, dass ihre Gefühlswelt nicht 'Normalzustand' und vor allem nicht 'gesund' für sie ist. Sie muss selbst etwas daran ändern wollen. Und Dich um Hilfe bitten. Erst dann wirst Du ihr auch helfen können. Zur Zeit ist das ja etwas schwierig.
    Du bist halt nicht ihr Therapeut, diese Arbeit kannst Du auch gar nicht leisten. Du kannst nur so gut wie möglich für sie da sein. Was Du übrigens ganz toll machst, finde ich!

    Was ich an Deiner Stelle aber mal tun würde, ist, ihr von meinen Gefühlen bei ihren 'Ausbrüchen' zu erzählen. Bring ihr Deine Sicht nahe - dass Du Dich so hilflos fühlst und ihr gern helfen würdest, aber nicht weißt, wie. Dass es Dir sehr schwer fällt, sie zu verstehen - weil Du sie so toll und bewundernswert findest (Beispiele aufzählen), dass Du gar nicht begreifst, wie sie so ein schlechtes Bild von sich haben kann. Du möchtest nicht, dass es ihr schlecht geht und sie leidet, aber Du möchtest auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen (Stichwort starker Rücken), wenn Du es eigentlich nur lieb meinst.
    Wenn sie dann noch nichts sagt, frag sie mal, wovon sie glaubt, dass es ihr in solch einem Moment helfen würde. Ob ihr da spontan etwas einfällt, was Du sagen könntest. Und/oder ob sie beim nächsten Mal vielleicht klar sagen kann, was sie jetzt braucht. Damit Du ihr das, so gut es geht, geben kannst.

    Vielleicht wacht sie dann auf und realisiert, wie schwierig ihre Selbstzweifel für Dich sind. Dass Du aber dennoch bei ihr bleiben und ihr beistehen möchtest. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr das egal ist....und vielleicht findet ihr so einen Weg, damit es auch bei ihr besser wird.

    Viel Glück.
     
    #2
    Bailadora, 7 Juni 2010
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  3. dreader
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    418
    113
    39
    nicht angegeben
    Hey, danke erstmal, wirklich! Ich werde es mir in Ruhe nachher nochmal durchlesen aber es passt echt genau in meine Situation und alles.
    Bekommst auf jeden Fall noch eine größere Rückmledung - habe nur gerade keine Zeit...
     
    #3
    dreader, 8 Juni 2010
  4. dreader
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    418
    113
    39
    nicht angegeben
    Also bisher hört es sich haargenau so an als ob wärt ihr die gleiche Person. Selbst der Unipsychologe...


    Ja, versuche ich auch so gut es geht...

    Ja und genau hier unterscheidet es sich eben. Diese Distanz und sachliche Ebene wird nicht wirklich erreicht. Auch wenn es wirklich nicht so schlimm ist - sie sieht es leider so an in dem Momant.


    Also sie hat auf jeden Fall schon erkannt, dass es nicht normal ist und ihr nicht gut tut. Das Problem ist halt, dass sie nicht wirklich sagt (und selber auch nicht genau weiß) was sie eigentlich hören will oder ich tun soll.
    Sie sagt immer wie Leid es ihr tut, dass sie es eben auch nicht verstehen kann warum und was. Tja und dass sie deswegen mir gegenüber Schuldgefühle bekommt ist auch nicht gerade besser.

    Deine Sicht zu sehen ist auf jden Fall sehr interessant, weil es eben fast genau das gleiche ist. Aber du scheinst du eben "einen Schritt weiter" zu sein. Ich befürchte nur, dass sie diesen Schritt eben alleine gehen muss und ich sie dabei nur unterstützen kann.

    Aber wenn sie z.B. eine Sache hochspielt, die eigentlich keine Rolle spielt (eine Aussage etc.) - ich habe dann immer versucht ihr eben sachlich zu erklären oder sie zu überzeugen, dass es doch eigentlich kein großes Problem ist/keine Rolle spielt. Leider sieht sie es nicht ein, erkennt es nicht an.
    Ist es dann sinnvoll das Thema einfach ruhen zu lassen und das Thema zu wechseln? Im Prinzip habe ich es ja oft genug gesagt und kann mich nur wiederholen - sie muss es nur noch glauben...
     
    #4
    dreader, 9 Juni 2010
  5. dreader
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    418
    113
    39
    nicht angegeben
    Schreibt keiner mehr was?
     
    #5
    dreader, 14 Juni 2010

jetzt kostenlos registrieren und hier antworten
Die Seite wird geladen...

Ähnliche Fragen - Selbstzweifel Angst hilflos
tbaa2
Beziehung & Partnerschaft Forum
22 Januar 2016
9 Antworten
Nicky18
Beziehung & Partnerschaft Forum
21 Juli 2015
6 Antworten
gibson-sg
Beziehung & Partnerschaft Forum
12 Januar 2012
13 Antworten
Test