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Soziophobie und Beziehung?

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von AgentinImRaucherkino, 23 September 2009.

  1. Hallöchen.
    Ich stecke momentan in einer für mich recht schwierig einzuschätzenden Geschichte und würde mich über ein paar Kommentare freuen.

    Kennengelernt habe ich ihn bei einer Gruppentherapie, an der ich seit ein paar Jahren einmal monatlich teilnahm. Er stieß vor ca. einem Jahr zu uns und fiel mir sofort durch sein gutes Aussehen und seine sehr intelligent-durchdachte Art zu reden, wenn er bei der Therapie etwas erzählen musste, auf… und dadurch, dass man ihm seine Krankheit noch ziemlich stark anmerkte. Er ist Soziophobiker und das leider nicht zu knapp.

    Nun ja, ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir einmal in näheren Kontakt kommen würden, weil er außer „Hallo“ und „Tschüß“ eigentlich nie ein persönliches Wort an mich richtete, aber an meinem letzten Tag bei der Therapie ( ich bin sozusagen aus der Betreuung entlassen) gab er mir dann plötzlich seine E-Mail-Adresse. Ich hab mich gemeldet, interessant war er ja durchaus. So kam eines zum anderen.
    Wir schrieben uns erst eine Weile, später trafen wir uns dann auch regelmäßig und mittlerweile sind wir recht gut befreundet, würde ich sagen.

    Und ich weiß nicht mehr, was ich davon zu halten habe. An guten Tagen ist er der wohl spannendste Mann, der mir in letzter Zeit begegnet ist, seine unheimlich spritzige Cleverness unterhält mich blendend und macht ihn verflucht attraktiv. An schlechten Tagen redet er nicht bzw. kaum, behandelt mich mit einer Distanz, als hätte er mich erst vor fünf Minuten kennengelernt.

    Er hat außer mir eigentlich keine Sozialkontakte. Zwangsläufig mit seinen Arbeitskollegen, ja, doch von denen hält er nicht viel und ein Alter Bekannter, den er vielleicht einmal im Jahr sieht. Dabei wirkt er nicht mal typisch schüchtern, wie man es sich jetzt wohl vorstellen würde, sondern eher unheimlich abweisend. Das hat er mir mal als Störungsmechanismus erklärt, lieber zu unnahbar als zu angreifbar.

    Er sagt, er hätte es aufgegeben gegen seine Krankheit anzukämpfen. Zu oft versucht, zu oft gescheitert, jetzt würde er es vorziehen, sich in ihr derart einzurichten, dass er sich nicht mehr an ihr stört, sie einfach laufen lassen kann, ohne an ihr zu verzweifeln.
    Ich bin, auch aus eigener Erfahrung, immerhin bin ich störungstechnisch ja auch nicht komplett unbelastet, entschieden gegen so eine Haltung. Und ich habe auch versucht ihn mal unter Leute zu bringen, doch wenn ich ihm Abende mit mir und meinen Freunden anbiete, dann lacht er nur und meint: „Wir wissen doch beide, dass das nur unangenehm für alle Beteiligten werden würde.“

    Er ist überzeugt davon, dass ich mich eigentlich nur aus psychologischer Neugier mit ihm treffe. Er sagte, dass er tierisch auf mich stehen würde, dem Ganzen aber keine realisierbare Möglichkeit einräumt und deshalb nicht mehr intensiv darüber nachdenkt.
    Darauf habe ich keine Antwort gegeben, denn ich weiß selbst nicht, was das jetzt ist mit uns. Auf der einen Seite ist mir ziemlich klar, dass das bei mir nicht nur platonisch ist, auf der anderen Seite aber denke ich auch oft: „ Mensch Mädchen, schlag dir das aus dem Kopf. Da passt nichts, rein gar nichts.“

    Ich bin nicht die sprudelnde Extrovertiertheit, aber ich bin gesellig, ich liebe Menschen, ich lerne gern kennen, schließe gern Freundschaften, bin gern außer Haus. Ich ticke in vielerlei Hinsicht ganz anders als er, allein bei dem Gedanken, dass man sich in seiner Krankheit einrichten möchte, läuft es mir kalt den Rücken hinab, ich will mich neu erfinden, weiterentwickeln, ich will mich genau betrachten und erklären müssen, nicht hinnehmen.

    Er hat mir von seiner Exfreundin erzählt, die ebenfalls an einer Soziophobie laborierte. Die Beiden haben vier Jahre zusammengewohnt und nichts gemacht. Sie waren nicht draußen, sie kannten niemanden außer sich selbst, sie waren sich da auch scheinbar komplett genug. Ich habe ihn gefragt, ob er solch eine Beziehung ideal fände, er antwortete: „Na ja, irgendwie schon.“
    Sowas könnte er mit mir niemals haben. Nicht zuletzt durch mein eigenes Krankheitsbild fällt mir emotionale Nähe sehr schwer; würde ich mich nur auf eine Person konzentrieren, würde mich das fressen.
    Nichtsdestotrotz krieg ich ihn nicht so wirklich aus meinem Kopf heraus.

    Man könnte natürlich meinen, man solle es einfach mal versuchen. Aber ich weiß nicht so recht, so eine Krankheit kommt nicht von ungefähr, da steht immer eine immens hohe Sensibilität hinter… ich sollte mir schon relativ sicher sein, bevor ich sowas eingehe. Ich will ihn unnötig verletzen.
    Wenn er überhaupt wollen würde, so wirklich blicke ich auch da nicht hinter.

    Was meint ihr?
     
    #1
    AgentinImRaucherkino, 23 September 2009
  2. Fuchs
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
    5.487
    398
    3.287
    Single
    Hallo!

    Ich bin schwer mit mir am hadern, dir Rat zu geben, denn ich habe großes Mitgefühl mit der Person, in die du dich verliebt hast. Da ich selbst mindestens soziophobische Tendenzen habe (hatte?), erkenne ich mich in deinen Schilderungen auch etwas wieder, wenngleich ich niemals soetwas wie eine Therapie gemacht habe.

    Diese (teilweise menschenverachtende) abkehrende, sich selbst nicht aufdrängen wollende, etc. - diese ganzen Abwehrmechanismen genauso wie die zugrundeliegenden Motive sind mir aufs beste bekannt und es ist irrsinnig schwer, aus diesem Konstrukt auszubrechen.

    Diesbezüglich ist mir übrigens nicht ganz klar, wo genau dein "psychisches Problem" liegt, da du ihn ja über deine Therapiesitzungen kennengelernt hast. Falls dir die Frage nicht zu intim ist, würde ich gerne wissen, ob du auch Soziophobikerin bist oder "etwas anderes" hast?

    Es ist nicht selten, dass Soziophobiker sehr intelligente und sogar auf ihre weise liebenswürdige Menschen sind. Und das ist gleichzeitig das tragische an ihren Charakteren: sie verwehren sich der Welt und anderen Menschen. Es ist eine Vergeudung von guten Menschen und von Liebe.

    Dementsprechend macht es die Sache so schwer und ungerecht - und man möchte etwas dagegen tun um nicht zu verzweifeln. Man möchte lieben und helfen. Und gern würde ich dir sagen, dass es funktioniert und das man einen Menschen mit einem solchen Problem so durch seine Liebe verändern kann, dass alles sich wieder zum Guten wendet. Nur kann ich das nicht, denn das widerspricht meinen Erfahrungen.

    Als ich trotz meiner soziophobischen Tendenzen endlich eine Beziehung gefunden hatte, brachte mich das zwar auf vielen Ebenen in meiner Entwicklung um Meilen weiter, aber gerade auf der gesellschaftlichen Ebene war kaum Fortschritt zu erkennen. Im Gegenteil: ich igelte mich ein und zentrierte einen Großteil meines Privatlebens auf meine Partnerin, vernachlässigte alte Freunde von mir und verlor meine Freunde schließlich auch. Es war für mich nicht schlimm - ich war glücklich und es genügte mir alles. Alle anderen Menschen konnten mir egal sein, denn ich hatte ja sie. Ich war auf nichts weiter angewiesen.

    Rückblickend muss ich sagen, dass diese Denkweise sehr schädlich für mich gewesen ist. Nach deinen Schilderungen über seine Aussage zu folgern, würde er ähnlich denken und ich sehe keine Möglichkeit, wie du ihn positiv beeinflussen könntest. Im Gegenteil: Im schlimmsten Fall passiert genau das und du wirst ihn Anlass geben, sich noch stärker sozial abzukapseln, wie das bei mir der Fall gewesen ist.

    Es tut mir sehr Leid, dass du dich in ihn verliebt hast und ich dir das sagen muss, aber bis jetzt sehe ich nichts, was dafür sprechen würde, dass diese Probleme überwunden werden könnten, zumal er sich in der Soziophobie eingefunden hat und sich nun mit ihr arrangiert, anstatt an ihr zu arbeiten. So wird eine Beziehung über längere Dauer zwischen euch nicht funktionieren können und wäre (falls du denn auch soziophobisch bist oder warst) auch gefährlich für dich. Ihr könntet kurzzeitig glücklich werden, aber letztlich würde die Sache in Kummer für ihn und in Kummer für dich enden.

    Wenn du ihn als Menschen so schätzt und es emotional hinbekommst, sei als gute Freundin für ihn da und höre nicht auf, ihn dazu zu animieren, etwas gegen seine Soziophobie zu tun! Man muss den Dingen manchmal Zeit lassen und wenn du merkst, dass sich aus seinem Impuls heraus etwas ändert und das ganze nicht nur zum scheitern verurteilt ist, könntest du dich ihm auch liebestechnisch nähern. In der derzeitigen Situation kann ich dir aber leider nur dazu raten, dich von deinen Liebesgedanken zu verabschieden und auf Distanz zu gehen, bis du ihn überwunden hast. Tut mir sehr Leid... für dich und für ihn.
     
    #2
    Fuchs, 23 September 2009
  3. Erstmal danke für deinen langen und sehr ehrlichen Beitrag.
    Ich habe/hatte etwas anderes, unsere Therapiegruppe war da ziemlich bunt gemischt. Bei mir hatten einige Kindheitsbaustellen zu einer dissoziativen Störung geführt und zusätzlich, oder sagen wir mit dadurch, war ich auch emotional ziemlich „behindert“. Ich kann einige dieser Abkapslungsmechanismen der Soziophobie ganz gut nachvollziehen, ich war in meinen schlimmsten Phasen auch nah dran mein gesamtes Umfeld aufzugeben und mich in mich selbst zurückzuziehen, aber eben aus anderen Beweggründen, die Krankheit hatte ich nicht.

    Genau die Gefahr sehe ich bei ihm auch und das ist es, was mich an der Sache am meisten abschreckt.
    Ich könnte das nicht tragen. Natürlich müsste und würde ich es auch nicht mitmachen, das wäre nicht einmal ein übersteigertes Problem, weil ich nicht das Bedürfnis habe, alles mit meinem Freund gemeinsam machen zu müssen. Ich könnte meine Freunde behalten, allein weggehen und mich mit ihm eben weiterhin nur zu zweit treffen – aber er macht ja dann in der Zwischenzeit, überspitzt formuliert, gar nichts. Die Fixierung auf mich wäre ja trotzdem vorhanden, ich bin die einzige Bezugsperson und das finde ich, auch wenn man es für mich erträglich regelt, beengend und nicht sonderlich gesund für eine Beziehung.
    Ich tue mir, wie schon erwähnt, ja ohnehin schwer mit emotionaler Nähe. In solch einem Fall würde mich das wohl regelrecht klaustrophobisch werden lassen, weil ich weiß, da ist niemand außer mir.

    Außerdem war ja in unserer Freundschaft schon einmal Thema, dass er glaubt, ich würde mich nur aus Mitleid/psychologischem Interesse ist mit ihm treffen. Wie sollte diese Haltung dann in eine Beziehung transportiert werden? Vielleicht würde er es nur falsch, bzw. an schlechten Tagen mehr als falsch interpretieren, wenn ich mich mit anderen treffe. Vielleicht kämen da Vorwürfe, vielleicht würde er das nur mit sich selbst ausmachen, wie dem auch sei, es wäre nicht gut. Ich kenne mich ja, ich weiß wie allergisch ich auf sowas reagiere, auch wenn ich sicher bin, dass es nicht böse gemeint ist.

    Das ist der entscheidende Punkt.
    Ich kann es absolut nachvollziehen, wenn man irgendwann keine Kraft mehr aufbringt, um sich gegen die Störung zu stellen, wenn es dann auch am Willen mangelt, erneutes Scheitern immer und immer wieder hinnehmen zu müssen. Ich war selbst mehr als einmal an solch einem Punkt angelangt.
    Wichtig ist aber, dass man sowas überwindet. Dass man, so sehr es auch nach debilem Standartspruch klingt, immer wieder aufsteht und es nochmal versucht.
    Man muss ja nicht die geselligste Person der Welt haben, aber man sollte sich die Möglichkeit offenhalten, tun zu können, wonach einem der Sinn steht, ohne sich dabei von seiner Krankheit sämtliche Regeln aufdiktieren zu lassen.

    Vor allem da ich überzeugt bin, dass ihm so ein bisschen Kontakt sehr gut tun und auch Spaß machen würde. Er hat da verflucht viel Potential, weil er sehr interessant denken und, an guten Tagen, eben auch sehr interessant reden kann. Ich bin mir sicher, dass er Konversation durchaus zu schätzen weiß und das es viele Leute gäbe, die mit ihm unter den Voraussetzungen gern Kontakt haben wollen würden.

    Aber ich kann ihm da nicht reinreden, im Endeffekt ist es seine Entscheidung und geht mich nichts an. Natürlich haben wir darüber schon diskutiert und er kennt meine Meinung, aber handeln muss er selbst, ich kann da ja nicht mehr tun, als ihm die Möglichkeit offen zu halten, mit mir und meinen Leuten mal auszugehen.

    Komplizierte Geschichte. Ich glaube, ich muss noch eine ganze Weile darüber nachdenken.
     
    #3
    AgentinImRaucherkino, 23 September 2009
  4. myneminne
    Sorgt für Gesprächsstoff
    13
    28
    2
    Es ist kompliziert
    Hm.

    Ich hatte als ersten Gedanken: Mädchen, lass den Mann sein Leben leben. Wenn er stark soziophob ist und sich damit arrangieren möchte, dann lass ihn das sein und tun. Komm auf gar keinen Fall auf die Idee ihn heilen zu wollen, die Realität ist kein Hollywood Film, in dem 'echte Liebe' Jack Nicholson von Neurosen und Richard Gere von Manischer Depression heilt. Auch dass du seine Krankheit mit deiner vergleichst halte ich für ungesund. Ja, du kämpfst und bist gegen 'aufgeben' aber ist es bei ihm wirklich aufgeben? Steckst du in seiner Haut, hast du seinen Character, seine Vergangenheit und sein Energiepotenzial? Vielleicht ist sich damit arrangieren tatsächlich das Beste was er machen kann? Kommst du damit nicht klar und kannst es nicht akzeptieren weil DU ja immer gekämpft hast, dann seh ich da keine Möglichkeit einer weiteren Beziehung.

    Ich glaube, egal ob Abwehrmechanismus oder nicht, dass er mit seinem Eindruck Recht hat. Dass es für euch beide keine Zukunft gibt. Das liegt IMO größtenteils daran, dass du ihn attraktiv und charmant findest, aber seine Macken nicht akzeptierst und sie zu ändern versuchst. Das halte ich übrigens für recht aufdringlich, da solltest du mal einen Schritt zurücktreten und schauen, für wen du das machst.

    Reduzier den Kontakt auf die Ebenen, die euch Spaß machen und gut tun, alles andere lass weg. Daran gemessen wieviel übrig bleibt kannst du ja schauen wie es weitergehen soll.
     
    #4
    myneminne, 23 September 2009
  5. Ähm, ich bin kein naives Blödchen, mir ist durchaus klar, dass es nicht bei mir liegt, ihn zu heilen.
    Und ich weiß beim besten Willen nicht, wo man jetzt hat rauslesen können, dass ich "aufdringlich" bin und versuche, ihn zu ändern.
    Wenn wir darüber sprechen ( und ja, das leitet er auch aus eigenem Ansporn an, ich muss ihn nicht mit Handschellen und herrischem "Jetzt erzähl mir von deiner Störung!" dazu zwingen), dann halte ich es durchaus für legitim, wenn ich nicht Beifall klatsche, wenn ich manche seiner Haltungen dazu kontraproduktiv finde. Das ist doch nichts anderes als Meinungsaustausch; was er damit am Ende macht oder daraus zieht, schreibe ich ihm damit doch nicht vor.
     
    #5
    AgentinImRaucherkino, 23 September 2009
  6. Fluxo
    Ibiza
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    113
    73
    nicht angegeben
    Fuchs ist da schon sehr gut auf dein Thema eingegangen!

    Meine Gedanken wären eher so in Richtung - machst du dir nicht in dem jetzigen Stadium zu viele Gedanken über eine Beziehung? Denken ist nicht schlecht... aber manchmal denkt man zuviel. Ich würd ´s einfach mal auf mich zukommen lassen und dann so entscheiden, wie es am Besten für mich ist.

    So wie sich das rausliest - würd ich jetzt eher auf "Nö" tippen... allerdings weiß man das vorher nie.

    Off-Topic:
    Cooler Nick^^
     
    #6
    Fluxo, 23 September 2009
  7. Mìa Culpa
    Gast
    0
    ....
     
    #7
    Mìa Culpa, 23 September 2009
  8. User 92848
    User 92848 (28)
    Sorgt für Gesprächsstoff
    115
    43
    21
    nicht angegeben
    Ich finde die Idee mit der Freundschaft auch nicht schlecht. Er scheint damit klar zu kommen und ich habe das Gefühl für dich wäre dies auch eine Möglichkeit. Ich glaube kaum, aber vielleicht würde sich von alleine noch etwas entwickeln.

    Andererseits denke ich auch, dass das vielleicht die Chance für ihn wäre da doch noch auszubrechen. Ich habe völlig andere Ansichten, als dieser PUler hier, die meinen mit genügend Willen sei alles möglich. Im Gegenteil, der Buddhismus hat mich sogar recht passiv werden lassen. Aber er lehrt auch, dass Veränderung möglich ist und daran glaube ich. Auch in schwierigen Fällen.
    Vielleicht hatte er ja gehofft auf seine Aussage, dass das mit euch nicht 'realisierbar' sei etwas wie 'lass es uns versuchen' zur Antwort zu bekommen.
    Er handelt nur aus Sicherheitsbedürfnis und nicht nach seinen Wünschen. Und wenn du ihm jetzt einen leichten Anstoß geben würdest, so zu handeln dass er die Chance hat langfristig glücklich zu werden wie viel riskiert er dann wirklich? Ich lass mich eines besseren belehren, aber ich denke nicht, dass da wirklich so viel schief gehen kann, wie er befürchtet.
    Zusammengefasst ist meine Einstellung also: Lass natürlich ihn entscheiden, aber sag ihm, zeig ihm dass du auch bereit bist es zu versuchen. Vorrausgesetzt natürlich das ist der Fall. Selbst wenn es nicht ewig gut gehen würde könnte er doch viel positives daraus ziehen. Und wenn er nur die negativen Erfahrungen in Betracht zieht... war's doch trotzdem den Versuch wert. Ich glaube in diesem Fall gibt es so viel mehr zu gewinnen, als zu verlieren.
     
    #8
    User 92848, 23 September 2009
  9. Ich muss das Thema noch einmal aufrollen, weil es wieder, bzw. immer noch aktuell ist.

    Ich hatte mich eigentlich für die Freundschaft entschieden, allerdings auch dafür, dass ein bisschen Abstand, jedenfalls für die Zeit, in der ich mir über meine Gefühle selbst noch etwas im Unklaren bin, nicht schaden könne. Habe ihm gesagt, dass ich recht viel zu tun und deshalb wenig Zeit im Moment hätte. Wir haben uns dann auch ein paar Wochen nicht gesehen, nur mal kurz telefoniert.

    Nun ja, ich hielt die Sache zumindest einigermaßen für ausgestanden, habe das alles als Momentschwärmerei abgetan, mit der Begründung, dass da halt eben viel Sympathie sei und ich diese für mich überbewertet hätte.
    Ich bin sogar mit zwei Anderen ausgegangen. Normale, nette Dates – haben mich Beide nicht von den Socken gehauen, waren aber sehr unkompliziert… und irgendwie solls ja auch so sein.

    Der Showdown dann Donnerstagabend. Ich besuche ihn, wir sitzen dort und reden und ich hab punktgenau wieder dieses „irgendwie steh ich ja schon auf dich“ in der Magengegend. Er hat sich einen angetrunken, ich nicht, weil ich am nächsten Tag raus musste.

    Zum Abschied küsst er mich auf einmal. Also so richtig. Ich war komplett überrumpelt, wer rechnet schon damit, wenn man die Geschichte kennt. Körperlich bestand meine Reaktion aus einem einzigen „Weitermachen, dableiben“, im Kopf drückte eher der Fluchtmechanismus, der sich letztendlich dann auch durchsetzte. Ich hab Ciao gesagt, was wäre es eine einfache Abschiedsumarmung gewesen und bin nach Hause gegangen.

    Seitdem bin ich ziemlich durch den Wind. Ich bin immer noch überzeugt davon, dass da keine Basis besteht, auf der anderen Seite aber krieg ich Kammerflimmern, wenn ich nur an ihn und diese Kusssituation denke.
    Wir haben uns danach noch nicht wieder gesprochen und ich weiß auch nicht, ob wir überhaupt darüber reden sollten. Ich kann ja nicht einmal erahnen, was genau das jetzt bei ihm war. Dass er mir gesagt hat, dass er mich gut findet ist ja schon einige Zeit her und na ja, er war immerhin ziemlich betrunken…
    Aber jetzt so zu tun, als wäre nichts gewesen, kanns ja auch nicht sein. Mir zumindest fällt es ja nicht gerade in den Schoß, die Sache zu vergessen.

    Ich kenne mich so unentschlossen gar nicht :rolleyes: Normalerweise war mir immer sehr schnell klar, was ich wie haben will. Nur diesmal… keinen blassen Schimmer.

    Irgendwelche Ratschläge?
     
    #9
    AgentinImRaucherkino, 25 Oktober 2009
  10. Heinrich v Kraut
    Sorgt für Gesprächsstoff
    2
    26
    0
    Single
    Ich versuch mal, mich ein wenig in ihn hineinzuversetzen.
    Da ich selbst ziemlich soziophob bin, fällt das (leider) gar nicht so schwer.

    Er scheint Dich ja wirklich sehr zu mögen. Das scheint mir fraglos. Schließlich hat er Dir seine Mail-Adresse gegeben.
    Bei ihm konkurieren jetzt aber Bauch (Er will Dich) und Kopf (Menschen entäuschen nur, ich kann sowas eh nicht, etc.)

    Daher auch dieses sehr gegensätzliche Verhalten: An manchen Tagen gewinnt der Bauch und an manchen der Kopf. Er weiß zwar eigentlich, dass ihm diese Abweisung im Leben wenig bringt, aber er fällt halt immer wieder in diese Logik zurück.

    Ich nehme mal an (denn so habe ich es auch schon probiert) er hat sich bewusst betrunken, um den verdammten Kopf endlich mal zum Schweigen zu bringen. denn der steht zwischen ihm und seinen Wünschen. hat den weiteren Vorteil wenn er zurückgewiesen würde (denn das befürchtet er ja grundsätzlich), könnte er sich zurückziehen und es auf den Alkohol schieben.
    Genau das hast Du ja nun leider gemacht. Er wird das als krasse Zurückweisung bewerten. D.h. solltest Du Dich für eine Beziehung entscheiden wollen, mach es bald und mach ihm klar, dass du schlicht überfordert von der Situation warst.
    Inwieweit er wirklich bereit ist, an seiner Situation zu arbeiten, ist schwer zu sagen. Ich könnte mir vorstellen, dass auch das Teil des Schutzmechanismus ist. So von wegen er signalisiert "Mein Fall ist hoffnungslos, Du wirst eh nur enttäuscht" aus Angst, Du verlässt ihn, wenn Du ihn und seine Krankheit alltäglich erlebst. Und dann lieber gar nicht erst versuchen. (verfluchte Scheißlogik!)

    Also, bitte reagier auf jeden Fall irgendwie darauf, totschweigen wird bei ihm eher den Kopf gegenüber dem bauch stärken. Und das will ja keiner. Ich hoffe das Beste für euch. :3

    PS: Ich habe jetzt viel von mir auf ihn geschlossen, also Unzutreffendes bitte einfach ignorieren.

    Und nun die kleine Fragensektion:
    Hat er vielleicht das Asperger-Syndrom?
    Wo finde ich so eine Selbsthilfegruppe?
     
    #10
    Heinrich v Kraut, 25 Oktober 2009
  11. diskuswerfer85
    Sehr bekannt hier
    3.198
    198
    838
    in einer Beziehung
    Kannst es versuchen, hast nicht viel yu verlieren, allerdings solltest du dir über die risiken bewusst sein und nicht zu früh viele emotionen da rein stecken.
     
    #11
    diskuswerfer85, 25 Oktober 2009
  12. Fuchs
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
    5.487
    398
    3.287
    Single
    Nunja - er hat dich jetzt geküsst, was dir wohl eindeutig zeigen sollte, dass er dich äußerst gerne mag. Das wussten wir letztlich aber auch schon vorher, denn das Stand nie zur Debatte. Und es ändert auch nichts am eigentlichen Problem.

    Folglich hat alles, was ich schon zu dem Thema geschrieben habe, noch immer traurige Gültigkeit. :frown:

    Was aber da von Heinrich angesprochen wird hat auch Hand und Fuß: Es ist eher untypisch für eine soziophobische Person, jemanden spontan zu küssen, selbst unter Alkoholeinfluss. Das heißt, er hat wirklich sehr heftige und vorallem aufrichtige Gefühle für dich, wenn sie sich durch seine psychischen Blockaden durchsetzen können.

    Aus Selbstschutz würde ich an deiner Stelle nachwievor keine Beziehung zu ihm in Betracht ziehen, aber irgendwie musst du ja auf ihn auch reagieren. Ich bin mir unschlüssig, was am klügsten wäre. Du könntest ihm ja durchaus erzählen, was sein Kuss bei dir ausgelöst hat, wie sehr du dich auch nach ihm sehnst aber das seine Grundhaltung in der Soziophobie stecken zu bleiben (nicht die Soziophobie selbst - daran kann er so schnell nichts ändern) ein Zusammenkommen unmöglich macht. Das wäre die ehrlichste Variante und es ist etwas, mit dem er arbeiten und was er rational nachvollziehen kann.

    Andere Möglichkeit wäre, dass du es nicht rational machst, sondern es eine Weile emotional weiterlaufen lässt. Sprich: du reagierst nonverbal auf seine Annäherung und zeigst ihm, dass dir auch daran gelegen ist. Küsse ihn zurück! Letztlich ist es das, wonach jeder Soziophobiker dürstet, es aber niemals eingestehen würde. Mehr als jeder andere Mensch will der Soziophobiker geküsst, lieb gehabt oder einfach nur gestreichelt werden. Das ist das Schizophrene an seiner "Krankheit". Wichtig wäre hierbei, dass du ihn sozusagen durch deine Nähe motivierst und stückweise aus seiner Isolation herauslockst. Er darf dich nicht ganz haben (bitte schlafe nicht mit ihm...), sonst wird er sich mit dir einigeln. Er darf sich dir nie sicher sein, denn wie du siehst, lockt ihn das aus der Reserve und er wird mutiger. Diesen Mut musst du irgendwie "belohnen", wenn du ihm weiterhelfen willst.

    Alles im allem ist zweitere Möglichkeit aber nicht ganz ungefährlich und schwierig durchzuführen. Gerade, wo du selbst so stark durch deine Verliebtheitsgefühle in Mitleidenschaft gezogen bist. Irgendwann kommt auch hier der Punkt, wo du es ihm erklären musst, aber vielleicht kannst du in ihm genug Begierde entfachen, dass er sich das noch einmal überlegt und sich seinem Schicksal nicht ergibt?

    Ich kann dir letztlich nicht sagen, ob das klappt oder was du am besten machen solltest. Nur reagieren auf den Kuss solltest du auf jeden Fall, denn das muss ihn (trotz Alkohol) unbeschreiblich große Überwindung gekostet haben und ist etwas äußerst bemerkenswertes und in gewisserweise auch wertvolles, was er dir da gegeben hat. :smile:
     
    #12
    Fuchs, 25 Oktober 2009
  13. Na ja, nicht so richtig. Eine Weile hab ich natürlich mitgemacht, also schon zurück geküsst :herz: Aber gut, die Tatsache, dass ich danach gegangen bin, ist wohl als Zurückweisung zu interpretieren. Aber ich war einfach selbst so wirr in dem Moment.


    Vom Asperger-Sydrom in Bezug auf ihn weiß ich nichts. War nie Thema, auch bei der Therapie nicht, deshalb denke ich mal, dass es nicht der Fall ist.

    Die Selbsthilfegruppe war eigentlich nur eine Gruppentherapie, also angeleitet von einem Psychologen, bei dem man vorher in Einzelbehandlung war. Der hat dann entschieden, für wen seiner Patienten er eine solche Therapie noch zusätzlich förderlich fand und so kam man da rein.


    Das bringt mich jetzt direkt zur Fortsetzung der Geschichte.

    Wir haben uns heute Mittag zum Kaffee getroffen. Ich hatte danach gefragt und er hatte Zeit und Lust dazu. So weit, so gut.
    Eigentlich war alles wie immer und ich wusste nicht, wie und ob ich das Gespräch jetzt geschickt auf das Thema hier lenken sollte.

    Irgendwie hab ich den Übergang dann mehr schlecht als recht hinbekommen und mich dafür entschuldigt, dass ich beim letzten Mal so kommentarlos abgerauscht bin, doch ich sei eben ziemlich überrascht gewesen. Woraufhin er sich dann dafür entschuldigt hat, dass ers überhaupt gemacht hat. Also das übliche "Alkohol" und "ich weiß nicht, was mit mir los war" und "so ein Überfallkommando kommt nicht wieder vor".
    Ich hab quer durch die Blume durchblicken lassen, dass mirs aber trotzdem gefallen hat, weiß nicht, ob das auch so angekommen ist.
    Wirklich drüber reden schien er aber nicht zu wollen, deshalb hab ich es dann dabei belassen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob er seine damalige Schwärmerei für mich nicht vielleicht doch längst zu den Akten gelegt hat.
    Er hat fallenlassen, dass er wohl demnächst seine Eltern besucht (sie wohnen in einer ganz anderen Ecke Deutschlands) und dann dort auch eine Frau trifft, die er schon ein paar Jahre aus dem Internet kennt (Soziophobieforum - wer hätte das gedacht). Explizit gesagt, dass das ein Date wird, hat er nicht, aber verflucht, natürlich ist es eins.
    Ich würds ihm ja gönnen, wirklich. Mit mir stehen die Sterne ja nun wirklich nicht zum besten und wahrscheinlich würde es mit einer Anderen besser passen. Vor allem weil ich mich gerade ja selbst nicht mal entscheiden kann, ob ich will oder nicht. Und weil er ja damals bei seinem "Liebesgeständnis" schon selbst gesagt hat, dass er sich nicht vorstellen kann, dass das mit uns was werden könne.

    Vielleicht war das mit dem Kuss tatsächlich nur eine alkoholisierte Kurzschlusshandlung. Er fand mich mal gut, das kam dabei wieder durch, aber mit Abstand betrachtet bringt es eigentlich nichts.

    Hm. Ich bin ein blödsinniges Bündel Eifersucht, obwohl da ja noch nichts gelaufen ist. Und obwohl es vielleicht die beste Lösung für die Geschichte wäre. Wir könnten die Freundschaft behalten, er wäre glücklich mit ner Anderen und ich müsste ihn zwangsläufig aus meinem Schädel verbannen. Und trotzdem... jetzt ist da grad noch so viel "Ich will ihn aber" in mir... :ratlos:
     
    #13
    AgentinImRaucherkino, 1 November 2009
  14. Heinrich v Kraut
    Sorgt für Gesprächsstoff
    2
    26
    0
    Single
    Hm ... was tun?
    Also mein völlig subjektives und unbegründetes Gefühl sagt mir, dass er nicht plötzlich das Interesse an Dir verloren hat. Er fühlt sich halt einfach zurückgewiesen. Soll jetzt auch gar kein Vorwurf an Dich sein. Is halt so gelaufen. Aber ich würde glaube ich an Deiner Stelle nicht warten, bis er wieder die Kraft aufbringt, sich zu überwinden. den nächsten "Überfall" solltest Du starten. Warte auf eine passende Situation und dann krall ihn Dir.
    Und sein Date: Da kann man wohl nix machen. Einfach hoffen - bzw nachhelfen - dass er Dich deutlich interessanter findet.

    Viel Glück! :3
     
    #14
    Heinrich v Kraut, 4 November 2009
  15. Prof_Tom
    Prof_Tom (28)
    Meistens hier zu finden
    1.471
    133
    78
    nicht angegeben
    Ich denke, durch die Blume ist genau das falscheste, was man da machen kann. Ein Soziphobiker, wird sich das immer so legen, dass sie kein Interesse hat. Sein Verhalten passt auch perfekt dazu, dass er sehr interessiert ist.
    Ich halte da klare Anweisungen deinerseits und eine offene Kommunikation unbedingt von Nöten. Durch die Blume wird er es NIE bemerken, dass du was für ihn empfinden könntest. Aus seiner Sicht, war das halt schon ein ziemlich sehr heftiger Korb bei der Kusssituation, und wäre es aus meiner nicht soziophobischen Sicht übrigens auch. Wenn du was von ihm wollen würdest, so denkt er sicher, müsstest du nun massiv von dir aus auf ihm zukommen. Er hat es ja schon versucht, und gesdhickt den Alkohol gewählt. Von daher würde von ihm da nichts mehr kommen.
     
    #15
    Prof_Tom, 4 November 2009

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