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Eltern/Familie Spielsucht

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von ich bin sam, 27 Juli 2009.

  1. ich bin sam
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verliebt
    Hallo,
    ich muss hier erstmal was los werden, denn das was ich heute erfahren habe hat mich echt umgehauen. Der Eindruck ist noch ganz frisch und ich bin im Moment echt überfordert das ganze zu erfassen und zu bewerten.

    Also folgendes:
    Mein Bruder hat mir heute eröffnet, dass er spielsüchtig ist. Genauer gesagt, dass er seit über einem Jahr bei einem online-Pokerdienst spielt und da schon eine Menge Geld verspielt hat. ABER: er hat mir auch erzählt, dass er mittlerweile selbst das Ausmaß erkannt hat und vor einer Woche seinen Account dort gelöscht hat. Er hat mir gegenüber auch wirklich das Wort "Sucht" und "spielsüchtig" benutzt. Dennoch hat mich das echt umgehauen, da ich damit nicht im entferntesten gerechnet habe. Da gehört aber auch eine deftige Vorgeschichte zu.

    Im November 2007 ist er 18 geworden, und hat dann angefangen seinen Führerschein zu machen. Zwei Wochen bevor er seine Prüfung bestanden hat, hat er bereits sein Auto gehabt. Das hielt allerdings nicht lange, etwa einen Monat später hat er einen Unfall gehabt mit Totalschaden (aber unverletzt geblieben). Seit diesem Ereignis hat er sich ganz stark verändert.
    Im Mai 2008 dann der Höhepunkt: Er kam deutlich vor seinem eigentlichen Feierabend nach Hause mit verheultem Gesicht und der Nachricht, dass er seine Ausbildung nicht mehr weiter fortführen würde. Und das hat er energisch durchgesetzt. Dabei war er schon im dritten Lehrjahr! Auf mich hat das damals den Eindruck gemacht, dass er keine Lust mehr hat. Entsprechend hab ich ihn auch nicht wirklich viel Beachtung geschenkt, weil ich das für den größten Fehler seines Lebens hielt. Dazu sei aber auch gesagt, dass wir nie wirklich ein gutes Verhältnis hatten, aber schlecht war es auch nie. Wir waren einfach nicht die besten Freunde.

    Meine Eltern hat das ganze aber besonders hart getroffen und es gab in den folgenden Monaten viel Streit. Vor allem, als im Juli herauskam, dass er seitdem seine gesamten Ersparnisse ausgegeben hatte (waren um die 800€).

    Im August schließlich wurde bei meinem Cousin in der Wohnung ein Zimmer frei, und da wohnt er seitdem. Eine Arbeitsstelle hatte er inzwischen auch wieder, bei der er dreimal so gut verdiente wie zuvor in seiner Lehre. Über die Art der Beschäftigung will ich jetzt nicht viel sagen, denn da wäre mir beinahe der Kragen geplatzt als ich das erfahren hatte, nur so viel: Er war da in eine Art Internetbetrug involviert, quasi eine Art SMS-Abzocke (ohne aber direkt zu wissen dass das illegal war). Im November schließlich wurde die Firma von der Polizei hochgenommen (verklagt wurden allerdings nur die Bosse, nicht die anderen Mitarbeiter). Da war er also wieder arbeitslos, und meine Eltern haben ihm erstmal viel Geld geben müssen, damit er seine Wohnung halten konnte, was er auch nicht zurückgezahlt hat als schließlich das Arbeitslosengeld nachgezahlt wurde (das war sehr mühsam, da die Polizeiberichte und Krankenkassenmeldungen als Arbeitsnachweis bei dieser Internetfirma herhalten mussten).

    Er hat dann aber auf unseren Rat sich bei der Bundeswehr gemeldet und wurde nun im April 2009 zum Grundwehrdienst eingezogen, wo er also auch jetzt noch ist.

    So, und nun das Ereignis heute. Er war zu Besuch bei uns, und ich hatte mit ihm unter vier Augen über ein paar Filme gequatscht. Dann kam der Film "21", in dem es über Blackjack geht. Dann meinte er auf einmal, ob ich nicht mal Lust hätte mit ihm ins Casino zu gehen und dort mal zu pokern. Er hat das noch nie gemacht, und wollte da auch nicht alleine hingehen. Zugegeben, reizen würde mich das schon, aber der Einsatz in der Spielbank ist 60€ für einen Abend, das schreckt mich dann doch ab (bin schließlich Student...). Ich meinte dann zu ihm, ob er das Ernst meine, man kann doch auch im Internet pokern. Und dann hat er mir zögerlich erzählt was bei ihm wirklich vor geht...

    Das gesparte Geld in den beiden Monaten nach seiner Kündigung hat er komplett online im Pokern verloren. Immer wenn er sich von meinen Eltern Geld leihen musste, hat er einen Teil davon verspielt. Da muss eine ganz schöne Summe zusammengefallen sein. Aber er hat sich dort vor einer Woche abgemeldet, das hat er mir versprochen. Ich hab ihn auch gefragt, was er denn jetzt stattdessen macht - das Pokern muss ja doch viel Zeit gekostet haben, und wenn's wirklich eine Sucht ist, dann gibts da auch Entzugserscheinungen. Im Moment spielt er halt vermehrt Videospiele aufm PC. Und mit der Bundeswehr hat er ja auch eine Beschäftigung (auch wenn er jeden Abend nach Hause kann).

    =================================

    Leute, das mag bisher alles ziemlich wirr klingen, aber bei mir ist im Moment Chaos.
    Da stellen sich mir so viele Fragen. Ich hab es auch noch niemandem erzählt. Vor allem: was meine Eltern davon halten würden wage ich mir gar nicht vorzustellen. Meine Mutter hat ihm vor ein paar Tagen erst den Vorschlag gemacht, nach der Bundeswehr wieder nach Hause zu kommen, bis er wieder eine Lehrstelle hat. Aber wenn sie davon erfährt weiß ich nicht, was dann passiert - ob sie es versteht und ihn unterstützt, oder ob es das vorbelastete Verhältnis überstrapazieren wird. Denn Streit zwischen den beiden gibt es spätestens nach zwei Tagen immer (wenn er mal wieder hier ist für ein paar Tage).

    Ich frag mich auch, wann es wirklich mit ihm und dem online-poker angefangen hat. Vielleicht schon vor der Kündigung? War seine Kündigung eine Folge seiner Spielsucht, oder hat er sich nach der Kündigung ins Spiel geflüchtet? Ich denke aber, das kann ich direkt von ihm erfahren.

    Und dann die Sache mit dem Casino jetzt. Vorhin hab ich eine Nachricht von ihm erhalten, ob ich das nicht mal versuchen will, einmal mit ihm dahin. Hier mal seine Nachricht:
    also hättest du nicht lust nächsten monat vll mal mitzukommen ins casino? nen samstag? das soll jetzt nicht irgendwie meine spielsucht begleichen oder so, ich hatte das schon lange mal vor. mit 60 euro hingehen, und nicht mehr.. und denn mal sehen was draus wird.. denke schlecht bin ich nicht im pokern.. nur beim online pokern is das echt was ganz ganz anderes.. damit hab ich ja nun genug erfahrung gemacht.. und der computer, der den ganzen scheiß berechnet ist wirklich bescheuert manchmal.. aber nun gut. darum gehts jetzt nicht, aber hättest du nicht lust?

    Ich fürchte aber eher, dass er anschließend alleine noch öfter dort hingehen würde. Nun hab ich mich vorhin mal auf der Seite der besagten Spielbank umgesehen, da die ja auch über Spielsucht informieren müssen. Jeder wird beim Eingang natürlich auf seine Identität geprüft, und es gibt eine Sperrliste. Wäre es vielleicht richtig, ihn als suchtgefährdete Person (ohne sein Wissen) auf diese Liste setzen zu lassen? Oder soll ich vielleicht sogar wirklich mit ihm dahingehen und zumindest ihn beaufsichtigen?

    Boah, das steigt mir echt zu Kopf. Wenn ich nur Gewissheit hätte, dass er wirklich nicht mehr online pokern geht, dass er dort kein Geld mehr verprasst - das Verhältnis zwischen ihm und meinen Eltern hat sich echt entspannt seit er bei der Bundeswehr ist, darüber bin ich wirklich froh, das will ich wirklich nicht ins Gegenteil verkehren.

    Ich geh jetzt erstmal schlafen und hab dann morgen hoffentlich wieder einen klaren Kopf. Ich hoffe, der Text ist nicht zu wirr geschrieben...
     
    #1
    ich bin sam, 27 Juli 2009
  2. xoxo
    Sophisticated Sexaholic
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    2.618
    Verheiratet
    An deiner Stelle würde ich meinem Bruder sagen, dass wenn er nicht zu unseren Eltern geht und diese aufklärt, dass ich es sagen werde. Die meisten Eltern geht es an, was mit ihren Kindern passiert, vorallem, wenn sie das meist schwer verdiente Geld der Eltern auf eine solche Art und Weise verprassen.

    An deiner Stelle würde ich außerdem unter keinen Umständen ins Casiona gehen. Dein Bruder hat recht wenn er sagt, das Online- und Real-Pokern kaum miteinander zu vergleichen ist, und es gibt gute real Spieler, die online ständig ihr Geld verzocken, aber man sollte es nicht darauf ankommen lassen. Für gewöhnlich ist es doch so, dass dein Bruder kurzfristig Geld beim Real-Poker gewinnen wird, dann wird er glauben, er habe Glück, geht nochmal hin ("nur einmal noch, ganz sicher nur einmal...") und langfristig wird er sau viel Kohle verlieren.

    Nein, geh nicht mit ihm dorthin, dass ist irgendwie so, als würde man einen trockenen Alkoholiker mit zum Pralinen-Essen nehmen.
     
    #2
    xoxo, 27 Juli 2009
  3. MichaelH.
    MichaelH. (29)
    Verbringt hier viel Zeit
    6
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    0
    nicht angegeben
    Hallo,

    ich gehe selber ab und zu ins Kasino, um zu Pokern. Es müsste bei Dir auch kleinere Tuniere geben, mit z.B. 25 Euro Einsatz.

    Wenn er Spielsüchtig ist, würde ich aber trotzdem auf keinen Fall mit ihm da hingehen. Es ist eine völlig neue Situation für ihm, mit unbekannten Leuten, meistens sind die Tische alle voll, an einem Tisch zu sitzen und zu Pokern. Daran sich erstmal gewöhnt werden. Demzufolge wird er höchstwahrscheinlich ziemlich schnell seine Chips verspielen.

    Vor allem Leute wie er sind da gefundenes Fressen. "Ich muss unbedingt meine Verluste wieder reinholen, deshalb gehe ich jetzt AllIn, obwohl ich nichts habe". Er wird dort schön abkassiert werden.

    Gruß
     
    #3
    MichaelH., 27 Juli 2009
  4. brainforce
    brainforce (33)
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    Hmm meiner Meinung nach hat dein Bruder nicht nur das Problem mit der Spielsucht sondern auch das Problem das sein Leben scheinbar in mehreren Dingen aus den Fugen geraten ist (Auto, Lehre, zwielichtiger Job etc.).

    Alles in allem sicherlich nicht toll - aber wenn man den Thread so liest hält sich noch alles ziemlich in Grenzen - größere Summen kann er wohl kaum verspielt haben und die 800 Euro Ersparnisse die er "verjubelt" ist im Großen und Ganzen gesehen auch keine riesen Summe.

    Dennoch denke ich das du als Bruder verpflichtet bist zu helfen wenn er sich schon an dich wendet.

    Such das Gespräch unter vier Augen und lass dir ggf. die Details schildern. Die Eltern würde ich erstmal aus dem Spiel lassen - es hört sich nicht so an als würden sie "mitfühlend" reagieren... Wie ist das Verhältnis zwischen deinen Bruder bzw. dir und euren Eltern?

    Auch wenn ich kein Freund der Bundeswehr bin so ist es für deinen Bruder sicherlich momentan die beste Lösung. Vielleicht lernt er hier Disziplin, Ordnung und Selbstständigkeit.

    Weißt du ob dein Bruder Schulden hat? - wenn ja in welcher Höhe? Falls doch können sie laut deinen Schilderungen wahrscheinlich nicht so exorbitant hoch sein.

    Ich denke das wichtigste für die nahe Zukunft ist ein Plan für deinen Bruder auszuarbeiten - irgendwann ist die Bundeswehrzeit zu Ende - wichtig ist was dann kommt! Entweder eine neue Lehrstelle oder vielleicht lieber das nachholen eines (besseren) Schulabschlusses.

    Was hat dein Bruder für eine Lehre gemacht? bzw. warum hat er damit aufgehört - wurde er in die Lehre "gedrängt"?

    Jedenfalls denke ich das dein Bruder Unterstützung nötig hat! Noch ist es nicht zu spät, ich denke mit ein wenig Glück lässt sich die richtige Spur leicht finden; ohne Unterstützung wirds natürlich schwer und die Gefahr das er richtig abdriftet erhöht sich sicher ungemein.

    P.S. mit ihm ins Casino würde ich nicht, sprich lieber mit ihm über die ganze Sache und sag das du seinen Vorschlag nicht gut findest und begründe das!
     
    #4
    brainforce, 28 Juli 2009

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