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Stummer Schrei

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Bea, 27 Mai 2006.

  1. Bea
    Bea (30)
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    vergeben und glücklich
    Stummer Schrei

    Weißt du noch, wie du dort standest? Ich habe dich gesehen – und ich lächelte. Ja, dein Anblick reichte leicht aus, um mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, meine Züge zum Strahlen zu bekommen.

    Und doch – ich war gebunden. Gebunden in meiner eigenen Angst, der Angst, vor dem alleine Sein. Denn wer konnte schon wissen, was du empfindest? Dass es dir nicht viel anders geht wie mir? Ich hatte deine Nähe so gerne, wollte bei dir sein, dich spüren, riechen, fühlen, sehen. Es war mir egal, was all die anderen sagten, ich hatte nur dich im Sinn. Wenn ich am Schreibtisch saß, lernte, dein Bild erschien wie von selbst vor mir. Ich sah auf, erwartete fast schon, deine Stimme zu hören, wie sie mich verspottet, ärgert, schließlich wieder ganz zart wird, mir süße Dinge ins Ohr flüstert, ein leises Lachen, dann wieder deine strahlenden Augen.

    Nein, wir sind keine einfachen Freunde mehr, da ist mehr zwischen uns, ohne, dass wir es wirklich zugeben wollen. Ist das nicht wunderbar? Sind wir nicht zwei Wesen, zwei Menschen, die sich gefunden haben? Nein – gefunden haben wir uns nicht, nicht wirklich. Ein kleiner Kuss auf die Wange – er bedeutet Mut, Mut für dich, das ist es, was du willst. Dass ich da bin, für dich, dass ich dir helfe, bei ihr. Nein, ich kann nicht, es bringt mich um…

    Ein Traum ist es nur, wie du mich ansiehst, dieses sanfte Glitzern in deinen Augen, das mir das Versprechen auf mehr gibt. Einer Fantasie gleicht es, wie du meine Finger berührst, nur einem Hauch gleich, dich sofort wieder zurückziehst, Angst hast, etwas falsch zu machen, etwas Verbotenes zu machen. Warum? Warum ziehst du dich vor mir zurück? Du bist unglaublich! Schüchtern, liebevoll und doch – du weißt, was du willst, aber du riskierst nichts dafür, du weißt, was dich glücklich macht, aber gleichzeitig willst du es nicht…

    Warum retten, wo nichts mehr zu retten ist? Warum schickst du mich weg, willst nicht, dass ich dich ansehe? Warum lässt du mein Herz zerspringen, wo es sich doch nach dir sehnt?

    Ich weiß… da ist ja die andere, die dich nicht will. Du denkst an sie, nicht wahr? Du möchtest mit ihr zusammen sein, ihre Haut spüren, ihre Wange streicheln, ihren Atem an deinem Ohr hören, dieses sanfte Kitzeln, das der Lufthauch auslöst. Wie kann ich nur so dumm sein, zu glauben, dass du mein sein könntest? Wo ist mein Realismus? Wo meine Welt?

    Warum nur fragst du mich, was du tun sollst? Kann ich dir helfen, wo ich doch nichts anderes will als dich? Aber wer liebt, der ist glücklich, wenn der Geliebte glücklich ist… Ich weiß… Ich helfe dir, hab keine Angst.

    Angst… Ich habe Angst, mein Freund. Wer sagt mir, dass ich es noch lange ertragen kann, wie du eine andere anhimmelst? Wer sagt mir, dass ich nicht daran zugrunde gehe, dich jeden Tag zu sehen aber dich nie zu erreichen? Du bist so fern, obwohl du doch direkt neben mir stehst. Ich muss nur meinen Kopf drehen, muss dich nur ansehen und schon lächle ich wieder, obwohl mein Herz weint, meine Seele um Hilfe schreit. Siehst du nicht, was ich empfinde? Willst du es nicht sehen?

    Da ist ja die andere… Die, die dich in ihren Bann gezogen hat. Kann ich dich daraus befreien? Willst du überhaupt daraus befreit werden? Ein Brief. Bist du nun geheilt? Hast du Zeit für mich? Siehst du mich? Oder bin ich nur die, die einfach da ist? Bin ich nur eine Freundin, nichts weiter?

    Ich sehe dich an, ich will dich umarmen, schon bewege ich meine Finger, strecke meine Hände nach dir aus… - und lasse sie wieder sinken. Es bringt nichts, da ist ja die andere, steht direkt neben dir, will dich nicht, doch du willst sie, nicht mich.

    Ein stummer Schrei erklingt durch den Raum, als du sie anlächelst, mit ihr Späße machst, mich scheinbar ignorierst. Hörst du nicht den stummen Schrei, der sich in die Lüfte erhebt und ungehört verklingt? Warum siehst du nicht, wie mein Herz zerreist, wie meine Seele weint? Bin ich unsichtbar für dich? Ist meine Maske so gut?

    Allein… Ein Zimmer, sechs Wände, acht Ecken. Allein… Dein Bild vor meinen Augen, du bist doch mein – du sollst doch mein sein, wo bist du nun, warum nicht hier?

    Die andere hat dich ja gefangen genommen mit ihrem Bann, ihrem Lächeln, ihrem Körper, ihrem Sein. Wo bleibt der Platz für mich? Bin ich nur Beraterin? Nein, ich will mehr, mehr für dich sein. Ich will alles für dich sein.

    Allein… Die Wände rücken immer enger zusammen, wollen mich erdrücken – ich muss raus. Raus in den Regen, raus aus meinem Leben – raus aus deinem Leben. Doch wie soll ich mich von dir fern halten, wenn ich dich nur sehen muss und meine Füße mich alleine zu dir tragen. Mein Herz schreit nach dir, meine Seele weint. Hörst du sie nicht? Hörst du nicht den stummen Schrei, der sich in die Lüfte erhebt?

    Ich werde nass – was soll’s? Das bisschen Regen, die leichte Erkältung… Ich nehme alles in Kauf, um nicht dein Lachen zu hören, dein Lächeln zu sehen, um nicht zu wissen, dass du da und doch so fern bist. Warum nicht sterben? Mein Herz zerspringt, meine Seele stiehlt sich davon, hält es nicht mehr aus bei mir. Warum sage ich dir nicht, was ich empfinde? Hast du es noch nicht bemerkt? Hörst du nicht den stummen Schrei, der dir entgegenschallt?

    Und dann bist du da. Plötzlich stehst du vor mir und lächelst mich an, hältst mich fest, lässt mich nicht los. Hast du den stummen Schrei gehört? Hast du gehört, wie mein Herz in Scherben zerbrach? Oder ist dir nur langweilig? Hat dich die andere verschmäht? Sag mir, was du denkst, mein Freund! Sag mir, was ich tun soll, was ich machen kann, damit du mich erwählst. Warum bist du hier, wenn du dich doch in die Arme einer anderen sehnst? Warum sagst du mir solche Dinge, die mein Herz schneller schlagen lassen? Warum bringst du mich so kurze Zeit in eine andere Welt, in der alles gut ist, wenn du mich kurz darauf doch wieder alleine lässt? Warum willst du immer wieder den stummen Schrei hören, den du doch nicht begreifst, nicht siehst und hörst? Warum?

    Geh, mein Freund, ich ertrage dich nicht! Ich kann es nicht ertragen, wie du mich ansiehst, wie du lächelst, das Glitzern und Funkeln in deinen Augen, das mir die Sterne vom Himmel verspricht und doch dein Herz betrügt, das für eine andere schlägt. Warum kommst du, nur, um einen Scherbenhaufen zu hinterlassen, ein Weinen und Klagen zu verursachen? Warum baust du jedes Mal ein neues Herz, setzt die kleinen Scherben zusammen, schneidest dich daran und zerbrichst es von neuem? Was willst du, mein Freund? Willst du mich quälen?


    Dein Lächeln… Ich träume davon. Du lächelst mich an, du strahlst regelrecht. Was ist los? Hat sie dich erwählt? Warum kommst du damit zu mir, warum bist du nicht bei mir? Quäle mich nicht, geh!



    Ich kann es nicht fassen… Du bist hier. Du liegst neben mir. Jeden Morgen sehe ich dich an, wie du noch schläfst, wie die Haare dir ins Gesicht fallen. Du bist so unglaublich süß, ich könnte dich immer betrachten. Mein Herz schlägt schnell, meine Seele jauchzt. Was machst du hier? Ich kann es nicht glauben! Was habe ich getan? Habe ich dich verführt? Nein, bestimmt hast du nur hier geschlafen, als Freund…

    Und doch – mein Blick bleibt auf deinen Augen haften, die sich öffnen, die mich anlächeln. Wie kann ich da widerstehen, wenn du mich so ansiehst, wenn du mich anfunkelst. Ich streiche eine Strähne zurück, lächle dich glücklich an. Du bist bei mir, ich habe keine Angst mehr. Der stumme Schrei ist verklungen…


    Aber die Angst bleibt… Ich habe Angst, mein Freund. Da ist die andere, sie interessiert sich für dich – hast du nicht bemerkt, wie sie dich ansieht? Hast du nicht bemerkt, wie sie mich ansieht? Hast du ihren Zauber bemerkt, der ein feines Netz webt, um dich zu fangen? Dich mit ihrem Charme, ihrem Liebreiz zu benebeln?

    Ich habe Angst, mein Freund, Angst, dass du bald nicht mehr da bist, dass ich morgens nicht mehr in deinem Arm erwachst, dich nicht mehr ansehen, streicheln, küssen kannst. Ich habe Angst, mein Freund, Angst um dich, Angst um uns. Ich weiß, was sie hat, ich weiß, was dich an ihr fasziniert. Was habe ich dagegen schon zu bieten? Ich bin ein nichts, ein niemand.

    Wenn sie dich gewonnen hat, wenn du ganz ihr gehörst…


    Dann zerbricht ein Herz und in die Lüfte erhebt sich ein stummer Schrei.
     
    #1
    Bea, 27 Mai 2006
  2. Shiny Flame
    Beiträge füllen Bücher
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    1.627
    Verlobt
    Oh, ist das traurig...

    Woher kommt denn so viel Angst?
     
    #2
    Shiny Flame, 29 Mai 2006
  3. Bea
    Bea (30)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    121
    0
    vergeben und glücklich
    Von einem Traum, den ich in der Nacht zuvor hatte...

    Davon abgesehen ist mein Selbstwertgefühl nicht übermäßig hoch, wenn ich jemanden lieb habe ^^
     
    #3
    Bea, 29 Mai 2006
  4. Feel
    Verbringt hier viel Zeit
    67
    93
    4
    Single
    Huuiiiii

    Ich.....Ich....Ich hab selten etwas so schönes gelesen.:cry: So emotionsgeladen und dennoch kraftvoll. Du sprichst von Ängsten, die nahezu jeder Liebende hat. Von der Angst, nicht auszureichen, dem Gegenüber einfach nicht zu genügen, von Eifersucht sowie davon, dass die eigenen Gefühle nicht erwidert werden und letztendlich auch von der Angst doch wieder verlassen zu werden...Du hast mir wirklich aus dem Herzen gesprochen.:jaa: Was heißt "mir"....Nicht nur mir, sondern mit Sicherheit auch einigen anderen hier im Forum.
    Um es kurz zu fassen: Ein richtig schöner Text und das, obwohl es "nur" ein Traum war..

    Aber darf man mal fragen, ob es einen Auslöser für derartige Träume gibt?
     
    #4
    Feel, 4 Juni 2006
  5. Jacqueline
    Jacqueline (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    17
    86
    0
    Single
    Echt beeindruckend!

    Als ich eben deinen Text las, war ich wie gebannt davon. Du hast es geschafft all die Emotionen in Worte zu fassen, die einen überkommen, wenn man verliebt ist. Die Hoffnung, die Sehnsucht, die Angst...
    Ich konnte auch mich selbst in deinem Text sehr gut wiederfinden... Auch ich bin ein Mädel mit eher geringem Selbstbewusstsein. Und auch ich rede mir manchmal ein, einfach nicht gut genug zu sein, um etwas Gutes zu erfahren. Mittlerweile weiß ich aber, dass das absolut falsch ist. Jeder Mensch ist etwas besonderes und verdient es, etwas Gutes zu erleben. Allerdings glaube ich, dass man erst lernen muss sich selbst zu akzeptieren und zu lieben, bevor man andere lieben kann und, was noch viel wichtiger ist, bevor man selbst geliebt werden kann. Klar kann mich mein Partner lieben, auch wenn ich mit mir selbst unzufrieden bin. Allerdings kann das dann keine tiefgehende Liebe sein, denn dafür stünde ich mir selbst viel zu viel im Weg.
    Nun ja liebe Träumerin :zwinker: das war es eigentlich schon, was ich sagen wollte. Dein Text hat mich ziemlich berührt und dann noch als Tipp von einem Mädel mit angeknackstem Selbstbewusstsein zum anderen: Du bist etwas besonderes. Du musst es dir nur selbst erst eingestehen. Wer sich das zu Herzen nimmt, der lässt sogar den stummsten Schrei noch mehr verstummen! :tongue: Wenn du Zeit hast kannst du da ja mal drüber nachdenken. Mir hat diese Einsicht geholfen :zwinker:
     
    #5
    Jacqueline, 5 Juni 2006

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