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Suizid...

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von orangeblue, 18 Juli 2004.

  1. orangeblue
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Der Grund warum ich das schreibe, ist das ich hier gesehen habe wie viele junge Menschen Selbstmordgedanken mit sich herum schleppen. Noch erschreckender als das find ich wie viele andere drauf reagieren. Mit Hohn und Spott.
    Gut für jemanden der voll im Leben steht mag es schwer zu verstehen sein, warum jemand in einem Forum wie dem hier (oder anderen) seinen Kummer postet, aber habt ihr schon einmal drüber nach gedacht, dass es für diese Person einfach keine andere Möglichkeit mehr gibt. Das das ein letzter Hilferuf sein könnte. Also ich beziehe das nicht nur hier aufs Forum. Aber würde euch jemand hier sagen hey ich fühl mich aus diesem oder jenem Grund schlecht und mein Leben hat keinen Sinn mehr und ihr macht ihn fertig und diese Person bringt sich dann wirklich um ? Gut wir würden das nicht mehr mitbekommen da ja kein Post mehr folgen würde und bei der Menge an User und der Anonymität im Internet fällt das auch nicht weiter auf, aber schon mal nach gedacht was passieren würde wenn ihr es mitbekommen würdet ?
    Naja ich schreib euch jetzt hier etwas rein was mich schon sehr lange beschäftigt und an dem ich heute noch in "ruhigeren" Momenten schwer zu knappern hab.

    Das ganze hat angefangen vor 10 Jahren und 2 Wochen.
    Ich war damals 14 und wir hingen zu 4 bei meinem Besten Kumpel ab.
    Wir hatten Schule ausgehabt und wollten von ihm aus ins Freibad im Nachbarort.
    Da wir die 4 km nicht laufen wollten, den Bus verpasst hatten und wir die 30 Minuten bis zum nächsten nicht warten wollten. Frage mein Kumpel seinen großen Bruder ob er uns Fahren würde. Der war paar Tage davor 19 geworden.
    Die beiden hatten ein Super Verhältniss zueinander. Ein solche Verhältniss zwischen Brüder habe ich selten gesehen. Ab und an flogen die Fetzen aber sie waren immer für einander da. Jedenfalls fragte er ihn ob er uns fahren würde.
    Der telefonierte aber gerade mit seiner Freundin und hörte deshalb nicht richtig zu.
    So aus jugendlichem Frust und halbstarker Angeberei zog mein Kumpel seinem großen Bruder den Stecker vom Telefon raus. Er hat das nicht Böswillig gemeint.
    Sein Bruder fand das halt nicht so komisch und dann fing ein Streit an.
    "Was bildest dir eigetnlich ein", "Man wollt doch nur was kurz fragen"
    "kannst ja auch mal für mich kurz Zeit haben und nicht immer nur für die doofe Kuh" ...
    Der Streit wurde zimlich heftig. Wie es so ist gibt der größere nach "Ich hab keine Lust mehr auf diese Kinderscheiße ich geh jetzt in die Stadt". Mein Kumpel meinte ob er uns jetzt nicht fahren würde worauf hin sein Bruder sagte: "Lern erst mal wie man sich benimmt, ich bin ja auch nicht der Depp".
    Das hat meinen Kumpel dann voll angekotzt weil er dachte er steht nun doof vor uns da. Er warf ihm also noch paar Schimpfwörter an den Kopf und dann kam ein Satz der sich uns allen in den Kopf eingebrannt hat.

    "Wenn ich mal später fahren kann würd ich dich auch mitnehmen, aber du bist ja so ein Arschloch. Fahr doch gegen ne Wand mit deiner Suppenschüssel".

    Wir sind dann mit dem Bus ins Freibad gefahren. Als wir Abends heim furhen ging ich noch mit zu ihm, weil ich direkt von der Schule zu ihm kam und dort noch meine Sachen stehen hatte. Als wir zu ihm rein kamen war keine Sau da, was ungewöhnlich war, da eigetnlich seine Mutter und sein Vater beide um die Uhrzeit von der Arbeit daheim sein hätten müssen. Ich holte mein Zeug und er ging noch mit mir runter an die Straße. Als wir unten ankamen fuhr gerade sein Onkel in den Hof. Kreidbleich kam er auf uns zu und meinte zu meinem Kumpel er solle mitkommen. Mein Kumpel fragte was los sei.....
    Sein Onkel sagte nur. "komm steig ein wir müssen ins Krankenhaus Michael (sein Bruder) hatte einen Unfall"
    Ich ging dann mehr oder weniger Heim und mehr habe ich direkt auch nicht mehr mitbekommen. Den Rest erfuhr ich später von allen Möglichen Leuten und die ganze Geschichte konnte ich erst viele Jahre danach begreifen und erfassen.

    Einem LKW platzte auf der Landstraße der Reifen und er kam auf die Gegenfahrspur und fuhr frontal in Michael hinein. Er und seine Freundin (die dabei war) verstarben beide noch am Unfallort.
    Es war furchtbar tragisch. Doch das war eigetnlich erst der "Prolog".

    Mein Kumpel hat sich seit diesem Tag verändert wie man es sich nicht vorstellen kann. Er war immer ein lebenslustiger aufgeschlossener Junge. Er hatte Charm bei den Mädels und war fussballerisch sehr talentiert. Seit diesem Tag war alles anderst. Er war verschlossen und suchte keine Kontakt mehr zu anderen Leute. Er liess auch keinen Kontakt mehr von anderen zu. Nur 2 (ich und sein anderer bester Kumpel) hatten noch etwas Zugang zu ihm. Ich dachte zu erst es ist normal er hat seinen Bruder verloren, doch die Zeit heilt wunden. Also versuchte ich für ihne da zu sein. Aber die Zeit heilte nichts. 1 Jahr verging ohne das sich etwas änderte.
    Am 1. "Jahrestag" begleitete ich ihn ans Grad seines Bruders. Er sagte nichts nur eine Träne rann ihm über die Wange, die er mit seinem Arm weg wischte.
    Ich kann nicht mal mehr sagen wie lang wir da waren. Dann sagte er nur "wäre ich nicht gewesen wäre es nicht soweit gegekommen". Ich meinte dann: "Ach komm hör auf du kannst doch nichts dafür". Er sagte dann:" Ich habe gesagt er
    soll gegen eine Wand fahren. Ich bin Schuld".
    In dem Moment habe ich die ganze Tragik zum ersten mal begriffen.
    Es vergingen viele Jahre und er wurde nie mehr der MEnsch der er einemal war.
    Zwar erholte er sich etwas und unternahm wieder Dinge mit uns, aber er war nicht mehr der Selbe.

    Vor ein paar Wochen wäre sein Bruder 29 geworden und an dem Tag waren wir bei nem Sportfest im Ort. Er hatte wohl ein paar Bierchen zu viel gekippt und kam in "Redelaune". Er war eigetnlich gut drauf bis das Thema in der Runde auf das Thema kam, dass ich ja jetzt zusammen mit meinem Bruder in der Mannschaft spielen würde (mein Bruder stieg von der Jugen auf in die 1. Mannschaft) und wie das wäre. Da kam wohl eins zum anderen und er ging aus dem Zelt.
    Ich habe verstanden was los war und ging ihm nach. Draussen sah ich ihn dann wie er weinte. 2 Std. lang hörte ich ihm zu und erzählte mir wie er jeden Nacht seit 10 Jahren von diesem einen Tag und diesen Worten träumt die er zu letzt gesagt hat und was er dafür geben würde noch eine Chance zu haben. So viel habe er ihm noch sagen wollen und so sehr hat er ihn lieb gehabt...

    Das war das erste mal das ich begriff wie sehr ihn das bewegte. Seit 10 Jahren war es das einzige was ihn beschäftigte und über so viele Jahre hatte er nichts mehr gesagt und kein Anzeichen dafür sehen lassen.

    Vorletzte Woche haben wir uns dann wieder verabredet gehabt um zusammen bissel Billiard zu spielen. War wieder ein lustiger Abend unter ein paar Männern.
    Alle ham rumgeblödelt und wir ham mit den Grichen am Nebentisch Sirtaki getanzt.
    Naja er war wieder bissel bedeckter. Er ging ja generell nicht mehr aus sich heraus. Irgendwann ging ich in meiner fröhlichen Lauen zu ihm rüber und meinte auf komm mach mit das doch lustig. Er meinte dann nur weißt du eigetnlich das es heute genau 10 Jahre her ist. Worauf sich natürlich meine Miene schlagartig verändert hat. Kennt ihr diesen "Oh Scheiße"-Effekt. Dieses "Mein Gott bin ich ein unsensibles Arschloch"- Gefühl?. Genau so gings mir. Naja ich fragte ihn ob wir an den Tresen gehen sollten bissel reden. Er kam mit. Dann redeten wir bissel über alte Zeiten und er meinte er wollte ihm doch nur sagen das er es nicht so gemeint hat, aber es wäre zu spät. Wir tranken 2 oder 3 Rammazottis dann schwiegen wir eine Weile. Er stand dann plötzlich auf und zahlte. Er lächelte mich nochmal kurz an (ich weiß bis heute nicht ob es ein gezwungenes Falsches oder ein Echtes lächeln war) und dann sagte er, ich geh jetzt heim ich muss noch mit jemand reden. Ich sagte naja ok, aber wie kommst du Heim. Er meinte dann er nimmt den Bus, er könne ja warten. Dann verabschiedeten wir uns, doch es war inniger als sonst.. Er umarmte mich und sagte also machs gut und danke fürs Zuhören. Du warst immer für mich da und ich werd auch immer für dich da sein.
    Dann ging er.
    Wir waren schon noch ne gute Weile dort bevor auch wir gingen.
    Es war 8:30 als das Telefon mich aus meinen Katerträumen weckte.
    Meine Freundin ging ans Telefon und meinte du die Freudin vom Kevin ist am Telefon, ob ich bei wem von uns er gepennt hätte, weil er kam nicht nach Hause.
    Das Gefühl das ich plötzlich hatte, dass mich aus dem Halbschlaf in einen halben Schockzustand versetzte werd ich nicht vergessen. Weil mir schwante plötzlich schlimmes. Ich ging ans Telefon und fragte ob er nicht heim gekommen sein.
    Meine Stimme muss wohl zimlich gezittert haben dabei. Ich sagte sie solle sich keine Sorgen machen der kommt bestimmt ich frag mal rum ob wer was weiß.
    Keiner wußte etwas. Zu meinem anderen Kumpel sagte ich dann los komm wir müssen den suchen. Nach 2 Std. suchten dann gut 12 Leute nach ihm. Wir riefen beim Bus- und Taxiunternehmen an ob ihn einer gesehen hätte.
    Dann dachte ich vieleicht ist er zu seinen Eltern gegangen, dass Haus liegt ja auch an der Route vom Bus. Seine Eltern hatten ihn aber auch nicht gesehen.
    Sein Vater meinte dann aber er könnte ja mal schauen ob er vieleicht zu ihrem alten Gartengrundstück gegangen ist, dort ist ja auch ein Häuschen wo er geschlafen haben könnte. Ich könne ja kurz mitkommen. Also gingen wir in die Garage runter zum Auto und das was ich dann sah hat dafür gesorgt das ich seit 2 Wochen nicht mehr richtig schlafen kann.
    Am Steuer vom Auto saß Kevin. Die sitze waren voller Blut. Sein Kopf war auf die Seite genickt und die Hände hingen schlaf an seinen Seiten herunter. Seine Hände waren voll mit geronnenem Blut.

    Später stellte sich heraus, dass er eine Überdosis Betäubungsmittel nahm und sich dann die Pulsadern geöffnet hatte.
    Beerdigt hat man ihn neben seinem Bruder.......
     
    #1
    orangeblue, 18 Juli 2004
  2. User 8944
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Hallo orangeblue,

    ich muss dir ehrlich sagen, dass ich nicht weiß was ich dir sagen soll ... :/

    Als ich dein Posting gelesen habe, wurde mir bewusst was für geschichten das Leben schreibt. Es klingt wie aus einem Buch oder einem Film ...

    Ich möchte keine Analysen starten in Bezug auf das Gemüt deines Freundes oder dessen Bruder, klar ist sicherlich, dass er den Tod seines Bruders nie verkraftet hat und sich womöglich aufgrund der Aussage [..."Fahr doch gegen ne Wand mit deiner Suppenschüssel".] Schuldgefühle machte.
    Das seine sozialen Kontakte anschließend verkümmerten war vermutlich eine normale Reaktion :/. Vll. wusste er schon seit geraumer Zeit, dass er sich das Leben nehmen wird und zu seinem Bruder kehrt, sonst wäre eure letzte Verabschiedung nicht so abgelaufen.

    Mir fehlen mehr oder weniger die Worte im Moment, aber deine Einleitung hat mich auch nochmal innerlich bewegt. Ich finde es völlig fehl am Platze Menschen die einen Selbstmord androhen, in irgendeiner Form lächerlich zu machen. Und ich habe auch darüber nachgedacht wie es wäre, wenn solche Sätze wie "Dann mach es doch" fallen und anschließend der Betreffende sich tatsächlich das Leben nehmen würde. Ich würde mein Leben lang Schuldgefühle haben...

    Falls du Interesse hast könnten wir ja mal bei icq oder msn darüber reden, ich bin offen für alles und versuche so wenig wie möglich von "dunklen" Themen zu verdrängen ...
     
    #2
    User 8944, 18 Juli 2004
  3. emotion
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Oh weh du ... :schuechte
    *sprachlosigkeit*

    Was geht mit da durch den Kopf ?
    Hätten vielleicht einige "wichtige" Wörter gereicht, ihn zu überzeugen, dass er keine Schuld hat, dass er "natürlich" seinen Bruder liebt(e), und "sicher" nicht sein ärgerlicher und pubertär überschwenglicher Spruch daran Schuld war ?
    Hätte man ihn überzeugen können, dass sein Bruder sicherlich niemals !! ihm die Schuld geben würde/gegeben hätte ?
    Das die Seele liebt, und nicht das oberflächliche Bewußtsein (und seine nicht immer tollen Äußerungen) wirklich zählt ?
    Das solche Streitereien völlig "normal" sind, und dem Alter entsprechend sicher keine Besonderheit ?

    Ach ich weiß, es nutzt ihm jetzt nichts mehr, aber das sind meine Gedanken dazu, und ich verspüre den großen Wunsch, ihn zu trösten ...
    Wenn er noch leben würde.

    Weitere Gedanken dazu ...
    Unsere Gesellschaft und zwischenmenschlichen Beziehungen können solcherlei Geschehnisse und Gefühle wohl leider oft nicht kommunizieren.
    Es ist sooo schade.
    Warum bemerkten seine Eltern seine Veränderung z.B. nicht, warum nahmen sie sich ihm nicht an, warum ermöglichte ihm niemand den Weg zu einer Therapie ?
    Ich kenne nämlich aus eigener Erfahrung die Unfähigkeit der Umwelt, auf so verstörrte Menschen zuzugehen.
    Wo meine Mutter starb (als ich Jugendlicher war) konnte ich auch mit niemanden reden, niemanden interessierte es, Geschwister, Vater, Tanten, niemand merkte was oder fragte, wie es mir geht, Schulnoten waren eh wurscht, ruhigeres Verhalten ? ... ist doch bequem, wenn so ein (über)aktiver Jugendlicher recht ruhig wird, macht er weniger Quatsch.

    Unsere Gesellschaft versagt (in Bezug auf Gefühle) wohl leider sehr oft.
    Ich hab meine Verwandten dann irgendwann ignoriert, sie interessierten mich dann nicht mehr (wozu auch, ich interessierte sie in meinem Kummer und Schmerz ja auch nicht).
    Dumm ist dann die soziale Isolation, man vertraut niemanden mehr, alles ist so oberflächlich, man kann Menschen eher hassen als lieben :cry:
    Dieses Vertrauen ist wohl dann erst mal für lange Zeit gestört, aber mir geht immer noch durch den Kopf, dass er unter professioneller Betreuung wohl ziemlich schnell die Schuldgefühle aufgegeben hätte, und so wieder zum Leben hätte finden können.
    Ach ... :rolleyes2

    Entschuldige wenn ich dir nicht helfen kann, aber deine/seine Geschichte bewegt mich doch ...
    Immer wieder ...
    Bei allen diesen Verzweifelten, bei allen Ausgegrenzten, bei allen Mutlosen, bei allen Verstörrten.
    Ich habe immer das Gefühl, etwas mehr zielgerichtete Kommunikation, etwas mehr Hilfe beim Verarbeiten und Lenken der Gedanken ... ach ...
    Aber sowas passt eben nicht in die Spaßgesellschaft (ein Begriff, der nicht wirklich übertreibt).

    Aber Mädchen, fange jetzt nicht an, selber Schuldgefühle aufzubauen.
    Mein Traum von besserem Miteinander ist eben in unserer (oberflächlichen)Gesellschaft schwer zu leben.
    Wenn nicht einmal Familie zueinander halten (wie bei mir).
    Wenn Erziehungsberechtigten starke Veränderungen nicht bemerken (wollen) ...

    Ach ... :cry:
     
    #3
    emotion, 18 Juli 2004
  4. orangeblue
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Single
    Erst einmal Danke für eure Antworten. Direkt drüber sprechen möchte ich eigentlich nicht weiter drüber, da das ganze mitlerweile schon recht lang her ist und ich schon etliche Gespräche geführt habe. Natürlich macht man sich auch selbst Vorwürfe ob man etwas hätte tun können oder ob man sich falsch verhalten hat. Wenn man aber mit den richtigen Leuten, richtigen Freunden darüber spricht merkt man, dass man sich Unrecht tut.

    Aber wo findet man in der heutigen Zeit noch solche Menschen? Ich kann froh sein, dass ich in einem beschaulichen Dorf aufgewachsen bin in der noch echte Freundschaften von Kind auf bestehen und der Zusammenhalt der Familien und Freunde ungeheuer stark ist und war. Doch wo findet man so etwas heute noch? Viele Familien sprechen kaum noch miteinander, oftmals arbeiten beide Elternteile, die Jugendlichen sind auch durch die Schule etc. bis spät Nachmittags unterwegs und man sieht sich so gut wie nie. Dazu ist man häufig genervt von den immer gleichen Fragen der Eltern über Schule etc, das weiss ich ja von mir selbst. Nur fehlt diese Kommunikation dann auch bei wichtigen Fragen. Jeder hat persönlich viel zu viele Probleme. Die Eltern mit sich selbst, mit Finanzen, dem Job, Problemen mit dem Partner und die Jugendlichen mit den üblichen Themen wie Schule, Liebe, Gruppenzwang ...

    Viele Eltern von Heute haben nie richtig gelernt Verantwortung zu übernehmen. Meine Mutter arbeitet als Erzieherin in einem Kindergarten und sie findet es immer wieder erschreckend welche Rückstände die heutigen Kinder auf die von vor einem Jahrzehnt haben. Welche Fähigkeiten, welche Werte und Normen gar nicht entwickelt sind und wie viele Eltern die Verantwortung einfach auf die Institutionen schieben. Das geht im Kindergarten los, geht mit der Schule weiter und endet beim Bund und später beim Job. Die Lehrer hätten doch was merken müssen. Sowas habe ich auch immer wieder gehört in der Zeit. Aber wie soll ein Lehrer etwas bemerkten bei 30 Schülern in einer Klasse in der er oftmals nur ein par mal die Woche unterrichtet. Wenn schon die Eltern nichts bemerken, die die Kinder eigentlich mehrere Stunden täglich sehen sollten.

    Aber die Kommunikation ist immer schwieriger geworden. Klar haben die Eltern damals bemerkt, dass der Junge bedrückt war. Aber er hat nie mit ihnen direkt drüber geredet, dass er sich selbst die Schuld am Unfall gab.

    Nur mit mir hat er drüber gesprochen und da habe ich mir halt den Vorwurf zu machen und das werde ich mein Leben lang machen, dass ich niemanden drüber informiert habe. Aber ich wusste nicht mit wem er über dieses Thema redet, eigentlich hielt ich seine Eltern als erste Anlaufstelle und dann sein bester Freund. Dies war aber scheinbar nicht so.

    Wenn ich mir die derzeitige Situation mal so ansehe frage ich mich wie das vielen Kindern/Jugendlichen in dieser Zeit eigentlich gehen soll. Wenn die Familie so gut wie keine Zeit verbringt, nicht miteinander redet, vielleicht zerstritten ist und man in der Schule vielleicht auch nicht besonders beliebt ist bzw. nur eine Clique hat in der man nur "abhängt" um nicht alleine da zu stehn. Gibt es da überhaupt noch echte Freundschaften? Oder sind das alles mehr oder weniger Zweckbeziehungen?

    Duch die Anonymität des Internets werden ja viele Probleme in Foren wie diesem hier gepostet und ich frage mich manchmal wirklich ob die Leute in dieser eigentlichen Scheinwelt teilweise die letzte Rettung sind, daher mein Thread.

    An der Gesellschaft können wir nichts verändern, mit dem Thema "Suizid im Internet" jedoch können und müssen wir wesentlich sensibler umgehen.
     
    #4
    orangeblue, 20 Juli 2004
  5. Lady_Conny
    Verbringt hier viel Zeit
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    103
    13
    nicht angegeben
    bedrückend.

    Aber ich möchte auch sagen, dass ich niemanden einen Vorwurf machen kann, der sich umbringt.
    Es ist die freie Entscheidung jedes Menschen, so traurig es auch ist.
    Wenn man mit einer Bürde nicht mehr Leben kann oder will, versteh ich die Entscheidung für den Freitod sehr gut.
    Ob es dabei um ein psychologisches Problem oder ein körperliches Problem handelt, find ich dabei nicht so wichtig.

    Manchmal finde ich mich auch nicht richtig in der Welt zurecht, so kurzlebig und obeflächlich wie alles ist. Dazu kommt dann noch, dass ich immerzu in meiner kleinen Fantasiewelt lebe und immerzu an meine große Liebe denken muss (mehr dazu in meinem entsprechenden Thread).
    Das heißt jetzt nicht, dass ich mich bei nächster Gelegenheit vor den Zug werfe; dass hab ich nicht vor; aber ich hab begonnen alles kritischer zu sehen und auch mal hinter die Dinge zu blicken -und seh ne ziemlich traurige Welt, die mich nicht fasziniert sondern eher abschreckt.
    Wenn mir das alles zu viel wird, wähle ich auch den Freitod.
    Wahrscheinlich wird es dann eh niemanden von den Leuten da draußen interessieren, und noch weniger meine große Liebe, der es nicht mal mitkriegen wird, aber darum würd es mir dann auch gar nicht gehen..
     
    #5
    Lady_Conny, 20 Juli 2004
  6. Mondmann
    Mondmann (31)
    <b>V</b>ery <b>I</b>mportant <b>P</b>enis
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    Single
    Nun möchte ich auch etwas zu dem Thema sagen. Vorweg ich fühle mich sehr bewegt von deiner Geschichte, OrangeBlue und ich weiss auch gar nicht so recht was ich dir wünschen soll, vermutlich gute Gespräche/Freunde/Familie.

    Lady_Conny ich finde deine Einstellung ist Beispiel für das was Orangeblue anprangert. Du sagst es ist jedem Selber überlassen, da es die "freie Entscheidung jedes Menschen" ist. Und indem Du das sagst schiebst Du die Probleme vor Dir her und machst die Augen zu. Wenn sich jemand umbringen will, dann sollte klar sein, dass das Leben geachtet und geschützt werden soll und nicht einfach nur aus seinem Sichtfeld geschoben werden, so dass es am Ende hoffentlich nicht ein Problemfall wird. Es muss gehandelt werden! Deine Einstellung ist IMO sehr egoistisch und egozentrisch gedacht (du redest auch nur über dich - aber ich will Dir das nicht zum Vorwurf machen...nur die Augen öffnen).

    OrangeBlue gegen Deine Aussage "An der Gesellschaft können wir nichts verändern, mit dem Thema "Suizid im Internet" jedoch können und müssen wir wesentlich sensibler umgehen." würde ich am liebsten rebellieren, da ich die Gesellschaft zu mehr Sozialität (?) sagen wir Nächstenliebe (denkt bitte nicht dirket an die Bibel) bewegen möchte. Aber leider ist es eine Mamutaufgaben und (m)ein Menschenleben wird dazu nicht ausreichen. Aber in Punkto Suizid geben ich Dir recht, dass wir dort sensibilisiert sehen und handeln sollten. Und so ändert man im Endeffekt doch die Gesellschaft - Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

    Liebe Grüsse
    Mondmann
     
    #6
    Mondmann, 20 Juli 2004
  7. ChrisK.
    ChrisK. (28)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Ich war selber Selbstmordgefährdet und habe auch heute noch ab und zu den Wunsch mir das Leben zu nehmen, was ich glücklicherweise mittlerweilen aber unter Kontrolle habe. Außerdem habe ich sehr viel mit Leuten zu tun, die psychische Probleme aller Art haben. Und gerade das hat mir geholfen aus meinem Tief wieder herrauszufinden. Ich habe mich direkt mit dem Thema Suizid befasst, egal ob ich nun gerade so eine Phase hatte oder etwas fröhlicher war. Dadurch hatte ich viel Gelegenheit über den Soinn und Unsinn einer solchen Tat nachzudenken. Und wie ich sehe geht es mir mittlerweilen wieder viel besser als früher. Ich möchte damit nur sagen dass man alle Menschen mit solchen Themen wie Suizid, Depressionen usw. konfrontieren sollte. Psychologie wird in manchen Bundesländern sogar als Schulfach unterrichtet (hab allerdings gehört dass es nicht so arg nützlich ist) und es wäre schön wenn es überall unterrichtet werden würde. Man kann zwar das Verständnis für so eine "Krankheit" nicht beibringen, aber vielleicht Akzeptanz dem gegenüber. Vielleicht würden einige wenigstens in gewisser Weise verstehen, was in den Betroffenen Menschen vorgeht.

    Und das Internet ist eine Scheinwelt - in gewisser Weise jedenfalls. Über Chats und Foren wurde ich das erste mal mit Selbstmord konfrontiert und wie gesagt, es hat mir sogar geholfen. Ich denke das Internet ist nicht nur als Scheinwelt zu betrachten sondern auch in gewisser Weise als Rettung. Ich habe die wundervollsten Menschen über den Chat kennen gelernt und bin mit einem Teil auch heute noch befreundet. Die meisten habe ich auch schon im realen Leben getroffen. Und Freunde sind wir trotzdem. Also auch in Chats entstehen echte Gefühle, schließlich sitzen auch echte Menschen hinter den Bildschirmen. Also als eine reine Traumwelt kann man das nicht sehen.
     
    #7
    ChrisK., 20 Juli 2004

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