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Tagebuch einer Trennung

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Molly, 28 August 2006.

  1. Molly
    Molly (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Es ist kompliziert
    Die andere Seite der Liebe und des Zusammenkommens ist auch das Abschiednehmen, die Freiheit und die Leere im Herzen, die so furchtbar wehtut und durch die man doch durch muss, wenn es vorbei ist.

    Ich war in der seltenen Lage, dass ich zwei Tage nach meiner Trennung für zwei Wochen in ein Workcamp an der Nordsee gefahren bin, meiner Meinung nach eine der besten Methoden, um eine Trennung erst mal zu verarbeiten. Die Weite der Natur mischt sich mit den Abschiedsgedanken, und daraus ist ein Tagebuch einer Trennung entstanden, was ich euch nicht vorenthalten möchte.

    Vorerklärung: Vor zweieinhalb Wochen war die Beziehung zwischen meinem Ex-Freund und mir zuende. Wir haben zum Schluss noch mal darum gekämpft, unsere Liebe und Beziehung zu retten, aber irgendwann musste ich mir einfach eingestehen, dass meine Gefühle für eine Beziehung einfach nicht mehr ausreichten. Es gab viel zu viel Stress, wir haben uns gegenseitig das Leben zur Hölle gemacht, obwohl wir den anderen liebten und es gar nicht wollten, aber wir passten vom Typ einfach nicht genug zusammen, glaube ich.


    Meine Geschichte beginnt am Tag vor der Abfahrt.


    Do, 10.08.06; Innere Zerrissenheit

    Die erste Entscheidung ist getroffen. Gestern abend habe ich Schluss gemacht, obwohl ich es immer noch kaum glauben kann. Es tut so weh. Aber wenn ich wieder zurückkomme, will ich mir so schnell wie möglich eine neue Wohnung suchen.

    Aber was wird dann werden? Ich sehe X und mich noch immer als ein Paar, besonders, nachdem er mir heute am Telefon so liebe Dinge gesagt hat. Aber ich ich habe meinem großen Bruder versprochen, keine überhasteten Schritte zu unternehemen. Und mir selbst habe ich versprochen, erst mal wieder eine längere Zeit alleine zu sein, als freie Frau, damit ich wieder weiß, wie sich das anfühlt.

    Bisher habe ich es noch nicht geschafft, mich zu entscheiden, welcher Mann von nun an einen Platz in meinem Herzen haben soll. Y, der noch nicht mal volljährig ist, mit dem ich aber so wunderschön reden konnte und mich ihm so nahe fühlte? Oder mein Ex, mit dem mich so viele gemeinsame Erinnerungen verbinden und ohne den ich mir mein Leben nach einem Jahr gemeinsamer Wohung überhaupt nicht mehr vorstellen kann?


    Samstag, 12.08.06; Bisher keine Spur von innerem Frieden

    Ein Mädchen hier hat kurzes, lockiges Haar, wie Y, so dass sie mich von hinten ein paar Mal an ihn erinnert hat. Heute habe ich den Tag, an dem ich Y den Rücken massiert hatte, innerlich Revue passieren lassen, und mich in meinem Kopf mit ihm unterhalten. Habe vom Wiedersehen geträumt. Ich wünschte, er wäre auch hier.

    Die Insel ist wunderschön, voller Licht, Luft und Weite. Wenn ich irgendwo Frieden finden kann, dann hier.

    Vorhin habe ich meinen Ex noch mal angerufen und ihm schöne Grüße auf den AB geredet. Er fehlt mir auch. Bisher keine Spur von innerem Frieden.

    So., 13.08.06; Küchendienst.


    Meine Gummistiefel sind zu groß und ich bin auf dem Weg durchs Watt zu den Lahnungen, an denen wir arbeiten, ständig im Schlick stecken geblieben. Warum gibt es um diese Hallig herum bitte schön keinen anständigen Sandstrand, sondern nur dieses eklige Schlick? Natürlich können sich im Schlick leichter Salzgräser ansiedeln, so dass das Land mit den Nistplätzen für die Vögel besser erhalten bleibt, aber trotzdem...

    Gestern habe ich mich drei mal in den Matsch gelegt, meine Gummistiefel steckten hinter mir und ich musste mit schwarzen, schlickigen Füßen wieder in die Stiefel rein. Es war unglaublich anstrengend für die Oberschenkel. Ich war mir felsensicher, dass ich die anderen nie würde einholen können. Von daher habe ich heute freiwillig den Küchendienst übernommen.

    Wenn man das erste mal ins Küchenzelt kommt, sieht man ein weißes Pavillonzelt ohne Bodenplane. Rechts stehen grobgezimmerte Regale, in denen in einem wilden Durcheinander (tatsächlich aber sehr geordnet) alle Lebensmittel. Als erstes fällt einem der Geruch auf, der von den offenen Komposteimern im hinteren Zeltdrittel kommt, sowie die trotz Klebeaufhängern überall herumschwirrenden Fliegen. Vielleicht überkommt einen ein Anflug von Ekel beim Gedanken daran, dass man die nächsten vierzehn Tage an den groben Tischen und Bänken links zu sich nehmen darf, wo die Fliegen offen auf dem Tisch herumliegende Krümel umlagern.

    Nur abgekochtes Wasser trinken! So hat man uns gleich am ersten Tag beigebracht. Denn das Wasser, das wir hier trinken dürfen, steht schon seit vierzehn Tagen in einer gelben Plastiktonne auf dem Kahn, auf dem auch das Baumaterial liegt. Es enthält viele liebe kleine Bakterien. Mit großen blauen Kanistern kommt das Wasser dann ins Küchenzelt, wo es auf einer von zwei Gasplatten (die dritte ist kaputt) gekocht und dann via Trichter in leere Milchflaschen gefüllt wird. So kann man jederzeit kalten Tee trinken.

    Ziemlich schnell kommt man dahinter, dass der Geruch im Küchenzelt zu vernachlässigen ist. Draußen ist genug frische Luft für alle, die es danach verlangt. Mir ist im Moment kalt, ich bin müde, und ich bin es völlig zufrieden, am Tisch zu sitzen und zu schreiben. Auf dem Herd kocht der Eintopf und die Kartoffeln für die anderen, die noch draußen im Watt am Schuften sind.

    Es ist schön, am Leben zu sein.

    Montag, 14.08.06; Licht, Luft und Weite

    Licht, Luft und Weite. In jeder Richtung. Selbst bei Regen. Ich fühle mich so unglaublich frei, die körperliche Arbeit im Dreck hilft, den Kopf außen vor zu lassen. In der Ferne erinnern einzelne Leuchttürme daran, dass es da draußen auch noch eine Welt gibt, (es gibt auch noch Handy und ein altes Radio), aber es wird immer unwichtiger.

    Ich bin frei, so frei, und das war dringend notwendig. Trotz der Nässe überall, dem Dreck und der Kälte bin ich gesund wie schon lange nicht mehr. An meinen Ex oder gar Y denke ich kaum noch. Warum sollte ich eine alte Beziehung neu beleben oder mich gar mit den Wirrungen und Komplikationen einer neuen herumschlagen?

    Hier gibt es keine Grenzen, kein Oben und Unten. Himmel und Meer gehen ineinander über, Wasser und Land wechseln sich zwei Mal am Tag ab, beim Arbeiten im Watt vermischen sich schwankender Grund und algendurchwachsenes Meer miteinander.

    Nichts bedrängt mich hier. Die Menschen im Camp sind da, aber jeder hat ein bekanntes Gesicht. Es gibt keine bedrohlichen Kannten von Hochhäusern, keine gleichgültigen und abweisenden Gesichter in der U-Bahn, kein grelles Neonlicht. Vielleicht brauche ich deswegen keinen Mann, bei dem ich mich sicher fühlen kann?

    Auf einmal muss ich wieder an Y denken, diesen schönen, so ganz besonderen Mann, mit dem ich an einem Tag so glücklich war. Mittlerweile ist der vertraute, reißende Schmerz in der Herzgegend wieder da. Aber Trennungen müssen wehtun, wenn man geliebt hat, glaube ich.

    Dienstag, 15.08.06; Dreck, Nässe und Kälte

    Wo ich soviel über Licht, Luft und Weite geschrieben habe, sollte ich auch die Kehrseite davon nicht verschweigen. Das Licht fällt in der Regel durch eine dicke Wolkendecke, aus der es hin und wieder auf uns im Schlick arbeitende Workcamper regnet. Die andere Seite der Freiheit auf unserer Insel besteht aus Dreck, Nässe und Kälte.

    Morgens wache ich trotz des Kapuzenpullis mit eiskalten Ohren auf. Wenn wir vier Mädels Glück hatten, hat es in der Nacht nicht hineingeregnet. Mürrisch quäle ich mich aus dem Schlafsack, ziehe meine Garnitur trockener Freizeitklamotten an und ärgere mich, dass ich schon wieder vergessen habe, die Ohrenkneifer aus der Hose zu schütteln. Die Viecher sind eine echte Plage und nisten sich überall ein. Aber auf dem Boden des Zeltes, wo zwischen den Isomatten keine keine Bodenplane liegt, verlieren sich die zermatschten Ohrenkneifer in dem Strandhafer mit dem rasiermesserscharfen Kanten und stören nicht.

    Außerhalb des Zeltes ist es noch kälter, aber ein Atemzug der Meeresluft vertreift die morgenmuffelige Müdigkeit, so dass mein Gang zum Küchenzelt und zum Herzhäuschen ein beschwingtes Hüpfen wird. Sonne, Licht und Weite!

    Die trockene Freizeitgarnitur, bestehend aus Turnschuhen, Cordhose, Wollpulli und Polyester-Fellweste werde ich übrigens die ganzen zwei Wochen in der Freizeit tragen. Waschen und Wechseln ist Luxus. Trockenheit ist wichtiger als Geruch oder Dreck. Meine dritte Hose ist eines Nachts vom Wind von der Leine gefegt worden.

    Nach dem Frühstück wechsele ich in meine Watt-Arbeitsklammotten. Zur Arbeit werde ich noch mal einen separaten Beitrag schreiben, hier sage ich nur schon mal, dass es zwei Sorten Arbeit gibt, die im Watt und die im Wasser, wenn neues Material vom Kahn zur Baustelle gebracht werden muss. Wattklammotten werden nie völlig trocken.

    Niemand fragt hier nach Hygiene. Gestern haben wir vier Mädels im Zelt uns gewaschen. Soll heißen, wir sind bei Hochwasser in die Nordsee, haben unsere Haare und anderes eingeschäumt und uns hinterher den Seetang aus den Haaren gepflückt. Danach roch es im Zelt fremd und sauber.

    Heute schreibe ich nichts zu meinem Männerproblem. In meinem Herz ist der bekannte Schmerz, er ist genauso ein Teil von mir wie der Muskelkater in den Armen, der verspannte Rücken, die verschrammten Beine, der Wadenkrampf und der schmerzende Knöchel links. Es spielt alles kaum eine Rolle, wenn man trocken und warm ist, der Bauch voller Tee, Suppe, Risotto und Schokolade, und die Arbeit des Tages getan ist.

    Draußen sind Vögel, Wellen und Leuchttürme. Ich bin hier im warmen Küchenzelt, müde und zufrieden. Um mich herum sind die Gespräche der anderen, das Abwaschklappern des Küchendienstes und das Geräusch der im Wind flatternden Zeltplanen. Was kann mir hier passieren? Was könnte ich mir noch wünschen?

    Mittwoch, 16.08.06; Eineinhalb Jahre zu spät?

    Heute morgen kamen wieder zwei SMS von meinem Ex. Endlich kamen von ihm die Worte "ich liebe dich". Jetzt, wo ich nicht mehr sagen kann "ich dich auch". Ein Jahr habe ich mir gewünscht, dass er es endlich sagt, aber er sagte es nie. Ärgerte sich über die kleinen Dinge des Alltages und verschüttete so den Quell seiner Liebe zu mir.

    Eineinhalb Jahre habe ich versucht, zu ihm durchzudringen. Ich war so traurig, habe mich kaputt gemacht, habe ihn mit meiner Sehnsucht nach Nähe immer weiter von mir fortgetrieben. War unglücklich in der Beziehung und habe keinen Grund gesehen, mich um die vielen kleinen Dinge des Alltags zu kümmern, und so sind wir immer weiter voneinander fortgetrieben.

    Heute schreibe ich nichts über die Arbeit auf der Insel. Obwohl es wärmer war als gestern und ich diesmal nicht durchgefroren bin, bin ich doch erschöpft und steif. Ich habe so furchtbaren Muskelkater...

    Meine Brust tut innen weh. So, als hätte ich eine richtig fiese Bronchitis. Aber beim Arbeiten kann ich ohne Probleme atmen... Es tut wohl immer dann besonders weh, wenn ich an meinen Ex denke.

    Heute konnte ich auf der Arbeit etwa eine Viertelstunde nicht arbeiten, weil meine Brust so wehgetan hat. Liebeskummer und Trennungen sind wie eine verdammt fiese, verschleppte Krankheit, die immer wieder hochkocht.
     
    #1
    Molly, 28 August 2006
  2. ein mädel
    Gast
    0
    war dein beitrag zu lang für einen post?
     
    #2
    ein mädel, 13 September 2006
  3. Molly
    Molly (33)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Es ist kompliziert
    Könnte fast sein... Ich war länger nicht mehr im Forum und seh erst jetzt, dass die Fortsetzung fehlt.

    Vor allem, wo wir die Trennung inzwischen wieder aufgehoben haben...

    Do, 17.08.06; Körperliche Erschöpfung

    Bin ßu erßöfft für sreiben...

    Die Sonne taucht den westlichen Himmel in schimmerndes Perlmutt. Im Osten, hinter mir, zieht eine Wetterfront auf, rechts von mir plätschert das ablaufende Nordseewasser. Kein Deich hindert den Blick, wenn ich hier auf den Tisch steige und mich drehe...

    ... tja, dann könnte ich in jeder Richtung Nordseewasser sehen, wenn ich nicht bei dem einsetzenden Starkregen in das Küchenzelt gerannt wäre.

    Heute Morgen war ich felsensicher, dass ich nach dem Urlaub zurück zu meinem Ex will. Ich musste an unser gemeinsames Lachen denken, an all unsere Witze...

    Freitag, 18.08.06; Sicherheit und Frieden in der Beziehung?

    Gestern abend hatte ich einen sehr stressigen Anruf von meiner Mutter bekommen, der mich sehr verunsichert hat.

    Mein Herz tut richtig doll weh. Im Grunde weiß ich doch, dass es mit meinem Ex vorbei ist. Aber gerade jetzt, wo meine Mutter mich so stresst, sehne ich mich mit einem Mal nach der Sicherheit, dem Frieden und dem gemeinsamen Lachen in der Beziehung. Und ich lache mich selbst aus.

    Sicherheit und der Frieden in der Beziehung? Sei froh, dass du in der Beziehung kein Tagebuch geführt hast, Molly, sonst würde dir die Lüge in diesen Worten ganz brutal ins Gesicht schlagen!

    Wo war bitteschön der Frieden, wenn mein Freund mir nie sagen konnte, dass er mich liebt? Wo war die Sicherheit, wenn ich immer Angst hatte, nicht genug getan zu haben, für Haushalt, Uni und Beziehung? Wo war denn gemeinsames Lachen, wenn er sich abends mit mürrischem Gesicht und einem Buch zurückgezogen hat und ich nicht wusste, ob es an mir lag oder seiner Arbeit?

    [...]

    Wie soll ich zurück in diese Beziehung gehen, nachdem ich hier im Workcamp die Freiheit und den Schmerz der Einsamkeit erfahren habe?

    Später am Abend; Wie ein Mantel, den mir keiner mehr fortnehmen kann

    Ich freue mich im Moment darauf, meinen Freund wieder zu sehen. Aber er soll nicht hier sein. Hier bin ich frei. Und da ich das bin, kann ich vielleicht irgendwann wieder zurück kommen in mein normales Leben. Dann werde ich meine Freiheit tragen wie einen unsichtbaren Mantel, den mir keiner mehr fortnehmen kann, wenn ich es nicht erlaube.

    Samstag, 19.8.06; Innerer Friede

    Über dem Holzsteg blitzt es zwischen den Wolkenbergen, der Widerschein zuckt über die graue Wand, wo Himmel und Meer ohne erkennbare Grenze ineinander übergehen. Etwas weiter links geht die Sonne zwischen fädigen Wolken unter. Wir sitzen vor der Hütte und schauen zu, wie das Wasser näher kommt und mit blinkenden oder bleigrauen Flächen immer mehr von den Wattfelder füllt.

    In einer Stunde, um 11, ist Hochwasser. Aber es wird dieses Mal nicht hoch genug kommen, damit wir uns waschen können. Schade. Auf der anderen Seite der Insel ist noch eine tiefe Kuhle, wo man auch bei Niedrigwasser baden könnte, aber Lisa hat zu viel Angst vor Gewitter, um mitzukommen. Schade. Ich fühl mich dreckig und klebrig.

    Sonntag; Das Malheur im Herzhäuschen

    Ach, scheiß auf mein Handy, sagte sich heute S. (der einzige Neoprenanzugträger unseres Camps) und ließ es mit einer eleganten, beinahe unbemerkten Bewegung aus seiner Hose in die Grube unseres Herzhäuschens gleiten. Diese Heldentat wurde nur noch dadurch übertroffen, dass er sich nicht mit einer leisen Träne über den Ammoniakgestank der Grube beugte und sich still und heimlich von seinem Handy verabschiedete, sondern sein Missgeschick an die Öffentlichkeit gelangen ließ und eine vergebliche Rettungsaktion startete. Wir anderen haben so gelacht, dass unsere Bäuche wehtaten (Kunststück, bei dem Muskelkater). S.s Kommentar: "Shit happens"

    Unser Herzhäuschen ist wirklich schön! Die Wände zwischen den Stützbalken bestehen aus einem dicken Textilzeug, in dem an den Seiten kleine Löcher sind. Nur die Tür auf der Blickabgewandten Seite mit dem Herzen besteht aus richtigem Holz. Und immer, wenn ich die Tür zumache, kann ich durch das Herz auf Augenhöhe über Salzwiesen, Watt und Meer bis zum Horizont blicken. Ein steter Quell der Freude für mich beim Verriegeln der Tür, aber es sind ja stets die kleinen Dinge, die das Leben so schön machen.

    Übrigens: Hinterher gestand Sven uns ein, dass alles nur eine Scherzaktion sein sollte. Er hatte sein Handy gar nicht mitgenommen und uns nur mal ein bisschen zum Lachen bringen wollen.

    Montag; Nur einmal im Leben

    Heute war der freie Tag. Alle anderen sind weggefahren.

    Ich habe viel gelesen, die Sonne und die Weite um mich genossen und mich splitternackt in der Nordsee gewaschen. Dann habe ich eimerweise Salzwasser für die Abwaschtonne vom Steg in die Küche geschleppt, der Einfachheit halber unbekleidet (immerhin schwappt immer soviel Wasser aus den Eimern raus). Eine Stunde lang, bis die Tonne wieder voll war. War das schön! So viel Wind auf meiner Haut, der das Wasser immer wieder gleich trocknet, diese Mischung aus Kühle und aus Sonnenstrahlen! Noch vollkommener kann Freiheit überhaupt nicht sein.

    Abends habe ich dann natürlich für die anderen gekocht, die von einem langen Tagesausflug nach Amrum zurückgekommen sind. Aber ich hatte in meinen Augen den besseren Teil gehabt. Menschen und Gebäude sehen und shoppen kann ich zu Hause jeden Tag. Soviel Freiheit und Weite wie heute erlebt man wohl nur einmal im Leben...

    Mittwoch; Was ist Liebe?

    Gestern war ich krank.

    Heute grübele ich darüber nach, was Liebe bedeutet. Bedeutet es Partnerschaft? Zusammengehören? Bedeutet es Bauchkribbeln oder Wärme im Herzen? Bedeutet es den Wunsch, dem Partner nahe zu sein, ihn gar zu besitzen, oder bedeutet es Freiheit für beide? Sicherheit und Geborgenheit oder ständig neue Herausforderung? Partnerschaft? Aber was ist das denn genau?

    Was ist mit der schmerzlichen Sehnsucht im Herzen nach dem, was man nicht greifen kann? Danach, in fremden Augen zu versinken, die Seele mit der eigenen zu berühren? Was ist mit dem alten Traum, verliebterweise eins mit dem Partner und dem Universum zu werden? Ich hatte dieses Gefühl mit Y. gehabt, aber es hatte mir nicht gereicht. Bin ich vermessen?

    Was ist, wenn Liebe nur ein Wort für das ewige Spiel zwischen Mann und Frau ist, für den Tanz, das Hin und Her? Und werde ich auf diesem Weg nicht irgendwann erreichen, wonach ich suche, was Liebe, Erfüllung und Freiheit für mich bedeutet?
     
    #3
    Molly, 26 Oktober 2006

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