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Tagebuch eines Ungeborenen...

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Blondinschn, 7 März 2003.

  1. Blondinschn
    0
    05. Oktober: Heute begann mein Leben. Meine Eltern wissen es noch nicht, aber ich bin schon da. Ich werde ein Mädchen sein, mit langen blonden Haaren und blauen Augen. Alle meine Anlagen sind schon festgelegt und auch, das ich mal eine Schwäche für Blumen haben werde.

    19. Oktober: Manche sagen, ich sei noch gar keine richtige Person, sondern nur meine Mutter existiere. Aber ich bin schon eine kleine Person, genauso wie ein Brotkrümel eben Brot ist. Meine Mutter existiert. Ich auch.

    23. Oktober: Jetzt öffnet sich schon mein Mund. Denke nur, in einem Jahr werde ich lachen und später sprechen. Ich weiß, was mein erstes Wort sein wird: MAMA

    25. Oktober: Mein Herz hat heute zu schlagen begonnen. Von jetzt an wird es für den Rest meines Lebens schlagen, ohne jemals innezuhalten, etwa um auszuruhen. Und nach vielen Jahren wird es einmal ermüden. Es wird stillstehen und dann werde ich sterben.

    02. November: Jeden Tag wachse ich etwas. Meine Arme und Beine nehmen Gestalt an. Aber es wird noch lange dauern, bis ich mich auf diese kleinen Beine stellen und in die Arme meiner Mutter laufen kann. Und bis ich mit meinen kleinen Armen Blumen pflücken und meinen Vater umarmen kann.

    12. November: An meinen Händen bilden sich winzige Finger. Wie klein sie sind! Ich werde damit einmal meiner Mutter übers Haar streichen können!

    20. November: Erst heute hat der Arzt meiner Mutter gesagt, dass ich hier unter ihrem Herzen lebe. Oh wie glücklich sie doch sein muss! Bist du glücklich, Mama?

    25. November: Mama und Papa denken sich jetzt bestimmt schon einen Namen für mich aus. Aber die wissen ja gar nicht, das ich ein kleines Mädchen bin. Ich möchte gern Laura heißen. Ach, bin ich schon groß geworden.

    10. Dezember: Mein Haar fängt an zu wachsen. Es ist weich und glänzt so schön. Was für Haare die Mama wohl hat?

    13. Dezember: Ich kann schon bald sehen. Es ist dunkel um mich herum. Wenn Mama mich zur Welt bringt, werde ich lauter Sonnenschein und Blumen sehen. Aber am liebsten möchte ich meine Mama sehen. Wie siehst du wohl aus, Mama?

    24. Dezember: Ob Mama wohl die Flüstertöne meines Herzens hört? Manche Kinder kommen etwas kränklich zur Welt. Aber mein Herz ist stark und gesund. Es schlägt so gleichmäßig. Mama, du wirst eine kleine, gesunde Tochter haben!

    28. Dezember: Heute hat mich meine Mama umgebracht!
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
    Wollt ich einfach mal posten, hat mich etwas zum nachdenken angeregt....
     
    #1
    Blondinschn, 7 März 2003
  2. ~VaDa~
    ~VaDa~ (31)
    Verbringt hier viel Zeit
    1.430
    121
    0
    nicht angegeben
    Klasse Geschichte,die manchen Leuten zu denken geben sollte,vorallem weil ich erst letztens durch eine Freundin erfahren habe,dass man behinderte Kinder wohl noch später abtreiben darf..:rolleyes2
     
    #2
    ~VaDa~, 7 März 2003
  3. Blondinschn
    0
    Hm ja... :geknickt:
     
    #3
    Blondinschn, 7 März 2003
  4. Eierbrötchen
    0
    Hm

    Ziemlich beeindruckend.

    Gibt einem schon zu denken, im Bezug auf Abtreibungen (denke mal das wolltest du wohl auch mit der Geschichte bezwecken).

    Ist gelungen!

    Vielleicht hättest du die "Geschichte" des Babys etwas tiefer führen sollen, das machts noch intensiver (sprich einfach bisschen länger ausführen).

    Brötchen mit Ei
     
    #4
    Eierbrötchen, 7 März 2003
  5. Blondinschn
    0
    Haaaalt, ich hab die Geschichte nicht geschrieben. *g*
    Wollte sie trotzdem ein mal posten, weil sie mich sehr zum Nachdenken anregte...
     
    #5
    Blondinschn, 7 März 2003
  6. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
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    133
    47
    nicht angegeben
    Tja- gut, dass du es nicht geschrieben hast. Sonst hätte ich nämlich wesentlich mehr Hemmungen, das hier in der Luft zu zerreißen.
    Ehrlich gesagt finde ich sowas einfach nur daneben. Was soll das hier werden? Ein Lehrgang? "Wie rede ich Frauen, die abgetrieben haben, ein schlechtes Gewissen ein?" oder so? Ehrlich, das Ganze hier ist furchtbar kitschig und furchtbar sentimental, und es redet ein schlechtes Gewissen ein, wo keins hingehört.
    Natürlich ist Abtreibung bestimmt keine Sache, derer man sich rühmen kann. Und ich halte auch absolut nichts von Paaren, die sich nicht vernünftig um Verhütungsmittel scheren und dann "mal eben so" eine Abtreibung vornehmen lassen. Sowas ist einfach nicht in Ordnung, weil man im Moment der Zeugung schon den Grundstein zu einem eigenen Menschen gelegt hat.
    Aber dieser Grundstein ist trotz allem eben ein Grundstein. Etwas, was einmal zu einem eigenständig denkenden Wesen werden kann... und davor sollte man Respekt haben. Aber trotz allem liegt dieses Wesen nicht im Bauch der Mama und denkt "Huiuiui, ich würde gern einmal Laura heißen und habe so schöne Haare"- ja, mir ist DURCHAUS klar, dass ihr das wisst, aber was für einen Eindruck übermittelt das hier? Das kleine Dingelchen im Bauch ist ein Lebewesen, und zwar eins, das einmal zu einem eigenständigen Menschen werden kann- aber es ist niemand, der davon träumt, der Mama über's Haar zu streichen. Es ist niemand, der überhaupt realisiert, dass es so etwas wie eine Mama gibt. Und vor allem ist es niemand, der DENKT- ja, gewisse Gefühle kann so ein kleines Wesen schon haben, aber im Prinzip gleicht das Gefühlsspektrum dem einer Eidechse. Angenehm, unangenehm, schmerzhaft. Damit will ich ein ungeborenes Kind natürlich nicht auf den Status einer Eidechse setzen- ich wollte nur verdeutlichen, warum ich dieses Tagebuch für kitschig und wirklichkeitsfern halte.

    Ich find's jedenfalls ziemlich mies, dass dieses Tagebuch anfälligen Frauen einredet, sie wären die größten Verbrecher unter der Sonne, weil sie abgetrieben haben- selbst wenn sie vorher vergewaltigt worden sind oder das Kind ihre eigene Gesundheit gefärdet.
     
    #6
    Liza, 7 März 2003
  7. Blondinschn
    0
    Dass wir uns jetzt nicht falsch verstehen aber meinerseits möchte ich keinen hier mit dieser Story "angreifen". Ich fand diese Geschichte einfach lesenswert. Jeder hat seine eigene Meinug & sein eigenes Statement über das Thema, das ist klar.
    Das mit dem "über Mama´s Haare streichen" etc. etc. sind ja eher... Metaphern. Es ist klar, dass ein solches Wesen nicht darüber nachdenkt, ob es Laura oder Lisa heißen möchte. Wenn es überhaupt denkt...
     
    #7
    Blondinschn, 7 März 2003

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