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Und der nächste behandelt mich wie ein Kleinkind...

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Holzwurm, 24 Januar 2008.

  1. Holzwurm
    Holzwurm (26)
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    Ich komme mit meinen Eltern nicht klar, weil die mich nur kontrollieren und jeden Schritt von mir überwachen. Also verheimliche ich alles, so gut es geht, rede mich raus, erfinde geschichten. Sie versuchen nun mit aller Kraft, dass ich mich mehr öffne und ihnen alles von mir erzähle. Wenn ich dann mal irgendwas erzähle, dann glauben sie es mir entweder nicht, oder sie loben mich 1000 Mal, dass ich das so toll erzählt habe. Die gehen mir einfach nur auf den Keks.

    Ich bin jetzt drei Monate lang in einer psychiatrischen Klinik gewesen, da ich das zu Hause nicht mehr ausgehalten habe und durchgedreht bin. Durchgedreht heißt nicht, dass ich irgendwas schlimmes angestellt habe, sondern dass ich rumgebrüllt habe und jedem, der mir zu nahe gekommen ist, eine gefeuert habe (um mich geschlagen).

    Jetzt bin ich wieder raus aus der Klinik, es war aber während der Zeit besprochen worden, dass ich nicht mehr nach Hause möchte. Bis ich 18 bin (das ist in einem Monat) waren alle (auch meine Eltern) damit einverstanden, dass ich zu dem Bruder meines Vaters (also mein Onkel) fahre. Der wohnt 200 km von uns entfernt und ich darf dort für 2 Monate im Gästezimmer wohnen.

    Anfangs klappte dort auch alles sehr gut, allerdings fangen die jetzt schon genauso an, mich wie ein kleines Kind zu behandeln und mich zu kontrollieren und auszufragen.

    Ich gebe zu, der Hintergrund dafür ist auch nicht ganz so einfach. Während des Krankenhausaufenthalts hat man bei mir Diabetes Typ I festgestellt. Die Ärzte meinten, in einigen Wochen wäre ich irgendwo bewusstlos zusammengebrochen. Man hat es rechtzeitig erkannt. Nun muss ich Insulin spritzen und darf einige wenige Sachen nur mit Vorsicht essen, muss im Kopf aber alles berechnen (den Gehalt an Kohlehydraten in den Lebensmitteln) und muss entsprechend viel Insulin spritzen bzw. irgendwann mit dem Essen aufhören.

    Ich habe im Krankenhaus an einigen Schulungen teilnehmen müssen und ich habe das alles sehr gut hinbekommen, die Diätassistenten und Ärzte meinten, das wird schon, ich hätte das vorbildlich gelernt (wie eigentlich alles, was ich lernen soll). Ich durfte sogar meine Medikamente selbst mit auf das Zimmer nehmen und das in Eigenregie machen, musste nur Buch führen und hin und wieder hat die Stationsschwester eine Kontrolle des Blutzuckers im Ohr gemacht. Aber es hat nie einen Grund gegeben, mir zu misstrauen.

    Ich wollte mir beweisen, dass ich es alleine kann. Ich bin kein Typ, der über solche Sachen redet, und wenn, dann suche ich mir die Leute aus, mit denen ich darüber reden möchte. Es gibt zwei, drei sehr enge Freundinnen, da läuft nichts sexuelles, aber die mögen mich sehr und ich sie auch, mit denen rede ich darüber. Eine ist in meinem Alter, die anderen beiden sind 4 und 10 Jahre älter.

    Mit meinem Onkel und meiner Tante habe ich über meine Krankheit nicht geredet. Ich wollte die Zeit herumkriegen und dann hätte ich mir ein Zimmer oder eine eigene Wohnung in einer anderen Stadt gesucht und ganz neu angefangen (in der Stadt, in der auch die eine meiner beiden Freundinnen wohnt). Ich wollte endlich mal frei sein.

    Nun ist mir vor zwei Tagen etwas eher blödes passiert, ich bin wegen des niedrigen Blutzuckers kurz umgekippt. Das war lediglich, weil ich gespritzt hatte und die mit dem Essen nicht anfingen. Dann wurde nochmal gelabert und hier noch mal was hingetragen und da nochmal telefoniert und dann -zack- lag ich lang. Naja, bin gleich wieder aufgewacht und dann wollte meine Tante den Rettungswagen rufen und ich habe das gleich abgewimmelt und musste ihr natürlich erklären, was und wieso. Sie hat mir dann Orangensaft gegeben und danach ging es mir dann auch besser.

    Dann hat sie mir Vorwürfe gemacht. Dass ich es nicht erzählt habe, damit kann sie leben, sagt sie. Aber dass der Arzt, mit dem sie gesprochen haben, bevor sie mich aufnehmen, das nicht erwähnt hat, das findet sie unmöglich und mit dem wird sie auch nochmal ein Wörtchen reden. Ich habe dann gesagt, dass der vermutlich Schweigepflicht hat. Und dann fing sie zu wettern an: Wir haben die Verantwortung für dich, das geht vor Schweigepflicht, was bildet der sich ein, du bist 17 ... bla bla. Genauso wie zu Hause. Man nimmt mich nicht ernst, es wird über mich und hinter meinem Rücken über mich erzählt, beschlossen und bestimmt.

    Nun wird gezweifelt, ob das überhaupt stimmt mit der Zuckerkrankheit. Sag mal: Ich habe dir Orangensaft gegeben. Da ist gar kein Zucker drin, der hätte dir gar nicht helfen können. Das passt doch nicht. (Natürlich ist dort Fruchtzucker drin und nicht zu wenig, natürlich hilft der.) Wo ich denn die Spritzen aufbewahren würde und das Insulin. Beides gehört in den Kühlschrank. (Das Insulin für die nächsten 4 Wochen darf bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden und ich habe zwei Pens zwischen meinen Sachen und ein Rezept, um mir Nachschub zu holen in der Zeit, in der ich noch bei meinem Onkel bin.)

    Jetzt haben die, während ich nicht da war, meine Sachen durchwühlt und auch diese ganzen Dinge in den Händen gehabt. Das sehe ich nämlich, weil bei einem Pen die äußere Kappe nicht richtig verschlossen war.

    Jetzt hatte ich darum gebeten, bei einer längeren Autofahrt eine Zwischenmahlzeit essen zu können, weil es davor so ein großes Essen gab und das sonst mit dem Insulin nicht hinkommt. Da wurde ich vor meiner Cousine richtig vorgeführt. Mein Onkel hielt auf einem Rasthof an und ich musste aussteigen (im Auto wird nicht gegessen) und mein Onkel drehte die Scheibe runter und erzählte allen im hämischen Tonfall: Der hat nämlich Diabetes und muss jetzt was essen. Und meine Cousine sagte nur: Aha, mach mal das Fenster zu, mir wird kalt.

    Ich möchte hier so schnell wie möglich wieder weg. So, wie mein Onkel sich verhält, möchte er auch, dass ich so schnell wie möglich wieder verschwinde. Aber er spricht es nicht aus. Ich merke es nur an dem, wie er sich gibt.

    Ich möchte endlich weiter zur Schule und mein Abi bekommen. Ich hab jetzt für ein halbes Jahr wegen der Krankheit ausgesetzt, aber eigentlich wollte ich zum 01.02. in einer neuen Stadt wieder anfangen. Gesprochen habe ich dort mit der Schule auch schon, aber die müssen warten, bis ich 18 bin. Mein Psychologe in der Klinik meinte, dass ich wohl keine Probleme bekommen würde. Weder vom Stoff noch von der praktischen Seite. Ich will das jetzt durchziehen.

    Ich habe aber Angst davor, dass ich sehr schnell wieder in dieses alte Muster verfalle und die Leute mich wieder alle bevormunden und über mich bestimmen. Kann ich etwas anders machen?
     
    #1
    Holzwurm, 24 Januar 2008
  2. Linguist
    Linguist (26)
    Verbringt hier viel Zeit
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    13
    vergeben und glücklich
    Puh, ein großer Haufen Informationen.

    Im ersten Teil hast du beschrieben wie das Leben bei deinen Eltern ablief. Es war/ist auf keinen Fall richtig, dass sie dir mit fast 18 Jahren keinerlei Privatssphäre lassen. Allerdings weiß ich ja nun auch nicht ob es vielleicht Grund zur Sorge gab oder immer noch gibt. Versteh mich nicht falsch, die Art und Weise wie deine Eltern mit deinen Problemen umgegangen sind, war definitiv nicht richtig! Aber waren die Sorgen an sich denn irgendwo berechtigt? Hast du außer deinen Wutausbrüchen irgendwelche Probleme und wussten deine Eltern davon? Ich denke das sie dir helfen und für dich da sein wollten, aber mit deiner Selbstständigkeit nicht klarkamen. Diese "Trotzreaktionen" deinerseits verstärkten ihre Befürchtungen natürlich noch, schließlich schien es so das du ihnen entgleitest. Alles in Allem war's natürlich trotzdem der falsche Weg den deine Eltern einschlugen.

    Während deines Klinikaufenthaltes konntest du dir selber beweisen das du auch alleine überlebensfähig bist und die gewonnene Freiheit tat dir gut.

    Ich kann verstehen aus welchen Gründen du deiner Tante und deinem Onkel nichts über deine Zuckerkrankheit erzählt hast, schließlich hätten sie dich dann wie bei deiner Familie in die Ecke gedrängt und ständig kontrolliert. Allerdings wäre es vllt. doch die bessere Entscheidung gewesen. Ist es für dich nicht auch enorm wichtig was und wie gekocht wird? Wie hast du das hinbekommen ohne jegliche Absprache? Die Reaktion deines/deiner Onkels/Tante kann ich aber garnicht nachvollziehen. Das sie sich Sorgen machen, ist ja irgendwo noch normal, allerdings zeigen sie wenig Verständnis für deine Situation und für deine Gefühle.

    m.M.n ist es das beste wenn du die restlichen zwei Monate bis zu deinem 18ten "absitzt" und Konflikten aus dem Weg gehst. Ich würde dir auch empfehlen die Schule wieder aufzunehmen, allerdings fallen deine Eltern als Sponsoren (Dach übern Kopf, Essen etc.) ja flach, oder? Also du willst dort nicht mehr wohnen. Wie wär's wenn dir deine Eltern dein Kindergeld auszahlen und du dir einen Platz in einer WG o. Ä. suchst? Ich kenne mich da nicht so genau aus, aber es müsste doch genug Förderprogramme für schwierige Familienverhältnise geben.

    Grüße und Viel Glück :smile:
     
    #2
    Linguist, 24 Januar 2008

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