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Und irgendwann holt dich der Tod...

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von User 53748, 26 Dezember 2009.

  1. User 53748
    User 53748 (28)
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    in einer Beziehung
    Bitte nehmt bevor ihr das lest folgendes zur Kenntnis:

    Es sind meine persönlichen Gedanken zum Thema Tod. Ich gehöre keiner Sekte oder ähnliches an und will euch zu nichts in derlei Hinsicht bewegen.
    Ich warne davor, dass dieses Thema allzu sentimentalen Gemütern sehr nahe gehen kann, euch der Gedanke evtl. nicht mehr loslässt. Also lest es bitte nicht wenn ihr eine instabile Persönlichkeit habt.

    Und falls ich mit diesen Gedanken gegen die AGB oder ähnliches verstoße bitte ich darum diesen Thread einfach zu löschen.

    Ich möchte auch keinen Ratschlag oder ähnliches sondern - wenn ihr euch äußern möchtet - nur hören ob ihr teilweise ähnlich denkt, oder was ihr zu dem Thema generell denkt.

    Und irgendwann holt dich der Tod…


    Hast du schon einmal nachgedacht, wie es sein wird, wenn du stirbst? Was und ob danach etwas von dir über bleibt? Was der Sinn des Lebens ist, wenn dann am Ende doch alles vorbei ist?
    Wie du dich fühlen wirst, wenn du ca. 80 Jahre alt bist und du spürst das du nur noch wenige Wochen, Tage, Minuten, Sekunden zu leben hast? Was einem wohl im Moment des Sterbens durch den Kopf geht?

    Ich denke, nicht viele Menschen beschäftigen sich so intensiv mit dem Tod wie ich es allein in den letzten Wochen getan habe. Viele Menschen trauern, wenn Angehörige sterben oder schwer krank sind. Aber wer denkt schon im Detail an sich selbst und seine Vergänglichkeit? Viele planen ihre Beerdigung oder sparen Geld dafür, um nahen Angehörigen nicht noch zusätzlich auf der Tasche zu liegen. Aber haben diese Menschen sich wirklich da hinein versetzt, wie sie ihr Sterben erleben werden? Was sie jetzt darüber denken, irgendwann einfach „weg“ zu sein für alle Zeit?

    Vielleicht wollt ihr den Lebenden einfach nur gut im Gedächtnis bleiben. Vielleicht wollt ihr ihnen etwas hinterlassen (Forschungsergebnisse, ein Buch, Songs, Musik, Geld…).
    Aber vielleicht packt auch euch zunächst ein Gefühl tiefer Hoffnungslosigkeit. Wozu der ganze Stress, wozu aufstehen, wozu arbeiten, wozu leben wenn am Ende etwas so endgültiges wie der Tod steht?

    Glaubt ihr an Gott oder ähnliches? Dann schätzt euch glücklich. Ihr gehört zu den Menschen, die es schaffen ihrem Leben voller Überzeugung eine höhere Bedeutung zumessen zu können.

    Aber mal unter uns Ungläubigen: Was soll das für ein Humbug sein, was für ein Wesen soll nach dem Tod auf uns warten? Wie soll so ein „ewiges“ Leben aussehen und – will man das überhaupt? Himmel und Hölle, Sünden, Kirche, Gottesdienste, dient all das tatsächlich mehr als den Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen? Natürlich muss man „glauben“ wissen kann man all das nicht. Aber Fakt ist: die Bibel wurde von Menschenhand geschrieben. Von Menschen für Menschen. Die zehn Gebote sind sinnvolle Regeln für ein funktionierendes Zusammenleben, aber stammen sie von Gott? Ist der, der glaubt tatsächlich erlöst? Erlöst von irdischen Ängsten, mit Sicherheit. Aber erlöst und am Ende „Überlebender“?

    Wir alle sehen Verwandte und Tiere sterben. Wir sehen wie der letzte Atemzug aus ihnen entweicht, wie sie noch einmal zucken und dann für immer reglos bleiben. Wo soll der „Geist“ hin entweichen? Welche tröstenden Gedanken macht ihr euch zum Tod? Woran glaubt ihr wirklich und was ist nicht nur bloße Ablenkung von dem Thema?

    Ich denke nur eines: jeden Sonnenuntergang genießen ebenso wie jeden Sonnenaufgang. Jeden Schlaf aus dem man wieder erwacht gutheißen. Streit ebenso vermeiden wie die Wolllust an profanen Dingen. Was bringt euch das ganze Fernsehen und PC-Spiele spielen am Ende? Werdet ihr es im Alter als vertane Zeit ansehen? Oder nicht - weil ihr glücklich wart? Glücklich, vielleicht, aber hat es einen für euch höheren Sinn gehabt? Ordnet ihr euerm Leben einen höheren Sinn zu? Was ist der Sinn das du heute aufgestanden bist? Was wirst du tun um am Ende des Tages glücklich zu sein, ist „glücklich sein“ dein Lebensziel? Wirst du am Ende des Tages glücklich genug sein um dein Leben eine weitere Nacht in die unheimlichen Fänge des Schlafes zu legen, einen Schlaf, aus dem du eventuell nicht mehr erwachst?

    Pass auf dich auf

    Denke nach über dich, deinen Sinn des Lebens und den Sinn des Lebens allgemein

    Verschwende nicht deine Zeit

    Sei stets freundlich zu deinen Mitmenschen und verärgere sie nicht, oder versetze sie in Trauer.

    Freue dich über alles was du siehst und erlebst. Ergötze dich nicht am Essen oder Trinken – sie sind eine weltliche Notwendigkeit. Manche Menschen sterben, weil sie davon nicht annähernd genug haben. Ist es also dein Recht, dich nur über leckeres Essen zu freuen und generell nach „immer mehr“ zu streben? Macht dich der Konsumgedanke wirklich glücklich?

    Genieße körperliche Nähe, Sex etc. Sie gibt dir vielleicht einen Moment lang Geborgenheit, Schutz, Wärme etc. An ihnen ist nichts schlechtes außer man zwingt dich dazu. Lass nie über dein Leben und deinen Körper fremdbestimmen.

    Finde Freunde fürs Leben deren Leben deines bereichert ebenso, wie du ihres bereicherst.

    Tue stets nur, was du selbst für richtig erachtest. Sonst wirst du es irgendwann bereuen.

    Aber nimm DEIN Leben auch nicht zu wichtig. Es ist das Einzige was du hast, was du kennst, woran du dich festhältst. Aber irgendwann ist es vorbei. Und dein Leben wird genauso enden wie das von Milliarden anderer Menschen und Tiere. Also denke lieber darüber nach was du der Welt Gutes hinterlassen kannst. Denn sie wird auch noch Tausende Jahre nach dir weiter existieren und weiteren Menschen wie du heute einer bist, später zur Verfügung stehen.
     
    #1
    User 53748, 26 Dezember 2009
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  2. aiks
    Gast
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    Naja auf den Trichter sind ja ehrlich gesagt schon viele gekommen. Dass das jetzt besonders sektenhaft oder neu sein soll würde wohl niemand kommen.
    Natürlich denken auch andere Leute so wie du an den Tod, genauso wie auch einer großer Teil der Leute schonmal Selbstmordgedanken hatte.

    Mir kommt es so vor, als würdest du dich bei diesen Gedanken sehr unwohl fühlen und glauben, dass irgendetwas mit dir nicht stimmt, weil du so über den Tod denkst, aber es sind wirklich ganz verbreitete Gedanken, die nur zeigen, dass einem sein eigenes Leben wichtig ist und man eine gesunde Angst vor dem Ende desselben hat.
     
    #2
    aiks, 26 Dezember 2009
  3. User 53748
    User 53748 (28)
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    Hi aiks... nein ich wollte das vorneweg nur schreiben damit halt wirklich niemand auf die Idee kommt ich könnte damit irgendwas böses bezwecken wollen...

    ja ich fühle mich sehr unwohl bei dem Gedanken und ich geb zu das der Gedanke daran im Moment mein Leben beherrscht. Ich stehe damit auf und gehe damit ins Bett und schlafe natürlich sehr unruhig. Ich empfinde es im Allgemeinen nur als "Tabu-Thema". Niemand redet (gern) darüber, nicht mal unbedingt Eltern oder nahe Freunde. Man hat das Gefühl mit solchen Gedanken alleine zu sein und ich frage mich, wie diese Menschen ihr Leben so meistern. Da die Menschen mit denen ich gesprochen habe meine Sorgen bagatellisieren denke ich, sie verdrängen es alle und denken nicht daran. Ich würde gerne mal einen Menschen kennen, der von sich behauptet glücklich zu sein und sich dennoch seiner Vergänglichkeit sehr bewusst zu sein... und hören wie derjenige damit umgeht.. ob es Gedanken zu dem Thema gibt auf die ich noch nicht gekommen bin... Gedanken die Menschen helfen mit dem Thema zu leben.. und nicht nur sowas wie "leb einfach dein Leben, denk nicht dran" etc.
     
    #3
    User 53748, 26 Dezember 2009
  4. aiks
    Gast
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    Ich hab mich früher sehr viel mit dem Tod beschäftigt, da ich sehr schwer krank war, dementsprechend schon oft fast gestorben bin und das Ganze noch immer nicht vorbei ist.
    Ich hab vorallem damals sehr viel über das Thema gelesen und habe notgedrungenerweise mit vielen Leuten über den Tod geredet.

    Ich hab im Krankenhaus meinen dortigen besten Freund an Krebs sterben gesehen und er hat sich auch bis zuletzt mit dem Thema auseinandergesetzt und hat viele Scherze darüber gemacht. Und ich muss sagen es ist auch einfach die beste Art damit umzugehen.

    Kommen tut das Ende so oder so und ich will nicht immer tieftraurig daran denken. Ich schau mir sehr gerne Filme über den Tod an (und auch grindige Horrorfilme :smile:) und hab vorallem die Bücher über den Tod von Hans Bankl sehr gerne, der jahrzehntelang _der_ Pathologe in Wien war und Bücher über all die geschichten geschrieben hat, die ihm in seinem Beruf so passiert sind.
    Was auch interessant ist ist "Sterben und Tod im Mittelalter" von Norbert Ohler, wo man lernt, wie man mit dem Tod in Zeiten von Pest, Krieg und Hungertod umgegangen ist.

    Ich persönlich glaub ja, dass der Tod heute so ein Tabuthema ist, weil es einfach nicht mehr so viele Gefahren für uns gibt. Wir leben in keiner Zeit mehr, wo wir 15 Kinder gebären und froh sind, wenn wir zwei davon durchbringen. Wir sind es auch nicht gewohnt, dass jährlich Freunde von uns sterben. Darum kann man das Thema gut verdrängen.
     
    #4
    aiks, 26 Dezember 2009
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  5. spätzünder
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    Spitzenbeitrag, Biene. :smile:
     
    #5
    spätzünder, 26 Dezember 2009
  6. Bane
    Bane (30)
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    Hm, ist ganz interessant zu lesen und klar wenn man so dein Geschriebenes ließt denkt man über das Thema schon etwas nach. Und du wirst nicht die einizge sein die so denkt, doch persönlich mache ich mir über dieses Thema keinen Kopf. Wenn es soweit ist zu gehen werd ich wohl gehen müssen, ob danach noch irgendwer sich an mich erinnert werd ich wohl nie erfahren also für was sich den Kopf darüber zerbrechen wenn man vor der Tür das Leben genießen kann und überleben muss. :hmm:
     
    #6
    Bane, 26 Dezember 2009
  7. User 44981
    User 44981 (29)
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    Natürlich weiß ich, dass ich vergänglich bin und dass es, wenn ich Pech habe, jeden Moment vorbei sein kann. - Das ist eben eine Tatsache, die man nicht verleugnen kann.

    Ich weiß aber nicht, warum ich mir von einer solchen Tatsache, an der ich überhaupt nichts ändern kann, das Leben beeinflussen lassen sollte.

    Ich versuche einfach, aus meinem Leben das Beste zu machen und nehme es trotzdem nicht all zu ernst.
    Natürlich fände ich es schön, bis ins hohe Alter fit zu bleiben, auf ein glückliches Leben zurückblicken zu können; zu wissen, dass meine Kinder und Enkel einen Teil von mir weiter in die Welt tragen; zu wissen, dass ich sinnvolle Dinge in meinem Leben vollbracht habe, um dann möglichst ohne Schmerzen, ohne Leiden, ohne Kampf und vor allem ohne meine Angehörigen stark zu belasten (durch Pflegebedürftikeit, usw.) sterben kann.
    Aber wenn das nichts wird, wird es eben nichts... - Dann kann ich es auch nicht mehr ändern. - Denn nach meinem Tod ist es einfach aus und vorbei, was ich überhaupt nicht beängstigend, sondern viel mehr beruhigend finde.

    Ich hoffe nur, dass ich durch mein Handeln das Leben anderer Menschen sowohl zu meinen Lebzeiten, als auch nach meinem Tod nicht aktiv verschlechtert habe - oder maximal in dem Umfang, in dem es unumgänglich war, weil mir nichts Anderes übrig blieb, als so zu handeln (z.B. weil alle anderen Möglichkeiten noch mehr Schaden angerichtet hätten).
     
    #7
    User 44981, 26 Dezember 2009
  8. brainforce
    brainforce (33)
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    Single
    Nach dieser "mysteriösen" und mit Warnungen gespickten Einleitung erwartete ich einen etwas anderen Text bzw. Ansichten als diese schon tausendfach geäußerte, völlig normale und von den meisten Menschen ähnlich gesehene Meinung...:ratlos:
     
    #8
    brainforce, 26 Dezember 2009
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  9. Party_Girl
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    Bin deiner Meinung brainforce...Aber gut, vielleicht ertragen manche Menschen sowas wirklich nicht? Ich werde das schon morgen wieder vergessen haben und sicher nicht mehr darüber nachdenken ^^. Wenn ich das nicht schon in 20 Minuten wieder vergessen habe :grin:.
     
    #9
    Party_Girl, 26 Dezember 2009
  10. Schmusekatze05
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    Ging mir genauso. Ich hab gedacht "Oh, was kommt da denn jetzt?" und dann kam nichts wirklich weltbewegendes. Zumindest für mich nicht.


    Zu deinem Text: Ich hab mir schön öfter mal Gedanken gemacht. Ich persönlich glaube nicht, dass nach dem Tod irgendwas kommt, sondern, dass man einfach weg ist. Wie schlafen, aber ohne träumen, davon merkt man ja auch nichts. Von daher versuche ich aus meinem Leben das Bestmögliche zu machen und es zu genießen.

    Ich sehe das anders. Ich nehme MEIN Leben sehr wichtig, denn ich habe nur das Eine...
     
    #10
    Schmusekatze05, 26 Dezember 2009
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  11. Party_Girl
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    Das finde ich auch. Gut, man sollte sich natürlich auch über andere Menschen ( Freunde, Familie) sorgen, aber dennoch nehme ich mein Leben sehr sehr wichtig.
     
    #11
    Party_Girl, 26 Dezember 2009
  12. Schmusekatze05
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    Klar, das sehe ich genauso wie du.
     
    #12
    Schmusekatze05, 26 Dezember 2009
  13. donmartin
    Gast
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    Gedanken wie ich sie schon oft hatte und auch weitergesponnen habe.

    Ich finde es sehr gut be/geschrieben.

    Es sollte auch sicherlich KEIN Ansporn sein, sich zu fragen "Warum" um zu der Erkenntnis zu kommen, dass es "keinen Zweck oder Sinn" hat, nicht den Sinn des Lebens erklären.

    Eher sind es Gedanken, die einem diese Unendlichkeit des Seins, Unendlichkeit der Zeit vor Augen halten, sich bewusst werden, welche Rolle wir unendlich kleinen Lebewesen mitsamt der Erde in diesem ganzen System , dieser einen winzigen Milchstraße unter Milliarden spielen - und dennoch Großes und unendlich Schönes bewirken können!

    Indem wir es zu Schätzen wissen, da zu sein, andere zu Schätzen und zu Lieben.

    Es wird nichts bleiben, auch nicht in 5 Milliarden Jahren, wenn die Sonne ihren Geist aufgibt.
    Die Erde mitsamt unserer Milchstrasse wird nur noch ein dunkler Fleck unter Millionen anderer Straßen sein.

    Es ist der Moment, für den wir Leben. Für uns und für Andere.

    Jeder nimmt Einfluß auf so vieles in seinem Leben, Einfluß in das Leben anderer und trägt dazu bei, dass die Rädchen des Systems sich weiter drehen.

    Das System verlangt keine Gegenleistung.
    Unsere "Leistung" besteht darin, in dem Wissen das System als kleines Rädchen am Laufen zu halten ohne die Momente des Lebens nicht sinnlos vertan zu haben.

    Es wird nämlich NICHTS bleiben, auch nicht das Sinnlose.
     
    #13
    donmartin, 26 Dezember 2009
  14. Orgasmusmaus
    Öfters im Forum
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    vergeben und glücklich
    Halte Dich still, halte Dich stumm,
    Nur nicht forschen, warum? warum ?

    Nur nicht bittre Fragen tauschen,
    Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen.

    Wie`s Dich auch aufzuhorchen treibt,

    Das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.

    Theodor Fontane
     
    #14
    Orgasmusmaus, 26 Dezember 2009
  15. munich-lion
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    nicht angegeben
    Je älter man wird, desto mehr holt einen der Tod ein...aber nicht nur der eigene, sondern es sterben immer mehr Familienmitglieder, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen und somit beschäftigt man sich automatisch und intensiver mit diesem Thema.
    Und in jeder Phase meines Lebens, in der ein mir geliebter, geschätzter, bekannter Mensch starb, habe ich den Tod anders empfunden.

    Im Alter von 9 Jahren wurde ein Schulkamerad von einem Auto tödlich erfasst und ich war zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Beerdigung, was mich total aufwühlte, so dass mir meine Eltern monatelang Trost spenden mussten und mehrfach die Nacht an meinem Bett wachten, weil mich Albträume plagten.
    Als ich 12 war, starb ein Onkel von mir und wieder wurde mein junges Leben erschüttert, denn ich dachte, dass jetzt auch bald meine geliebten Eltern sterben und mich alleine lassen würden, was mich wieder eine Zeitlang völlig aus der Bahn warf.
    Zwischen 14 und 20 starben mehrere Freunde, Bekannte, Schulkameraden durch ganz schreckliche Art und Weise (Drogentod, Selbstmorde, Unfälle mit dem Auto und bei der Bundeswehr) und da ging ich mit dem Thema plötzlich ganz anders um.
    Es kamen die Fragen nach dem Warum, ich hielt mit vielen anderen "Trauerwache", wollte mit meinem Leid nicht alleine sein, suchte Gleichgesinnte und so diskutierten wir uns nächtelang bei Alkohol und Kerzen die Köpfe wund, philosophierten über Leben und Tod, was ich als tröstlich empfand.

    Tja und dann kam das Sterben meiner Eltern...binnen 3 1/2 Jahren verlor ich die wichtigsten Menschen. Zuerst meinen Vater, der zwar lange krank war, aber der Tod dann doch ziemlich schnell über ihn kam. Ich war fassungslos und völlig am Ende, weil ich dachte, mein bisheriges glückliches, doch noch recht junges Leben kann nichts erschüttern und es geht unendlich weiter.
    Und mein Vater hinterließ viele Dinge ungeregelt, weil er sich wohl mit seinem Ende nicht abfinden wollte und meine Mutter, die kaum Ahnung und total unselbstständig war, fast an seinem Tod zerbrochen wäre.
    Als sie sich einigermaßen gefasst hatte und wieder am Leben teilnahm, traf mich der nächste Schicksalsschlag: Meine so heißgeliebte Mama war unheilbar krank und die Ärzte gaben ihr nur noch 3 Monate...es waren die härtesten, bittersten, tränenreichsten, kräftezerrendsten, aber zugleich erfahrungsreichsten Monate meines Lebens, weil ich verdammt stark sein und ihr immer wieder Mut machen musste -jeden Tag- weil sie sich beharrlich weigerte, mit den Ärzten über ihren Gesundheitszustand zu sprechen, was mich veranlasste, zu schweigen...es war die Hölle entscheiden zu müssen, ob ich jetzt etwas sage oder nicht.
    Im Nachhinein kann ich behaupten, das Richtige getan zu haben und obwohl wir kaum über den Tod sprachen, merkte ich, dass sie immer ruhiger und friedlicher wurde und jede Minute von ihrem nur noch kurzem Leben genoss. Sie freute sich, wenn ich die Vorhänge in der Klinik zurückzog, so dass sie das frische Grün des Frühlings und die Sonne sah, sie suchte immer wieder meine Hände und wir saßen so stundenlang schweigend zusammen, ich kämmte ihre Haare, die ihr büschelweise ausfielen, aber als sie darüber lachte und meinte "du, die wachsen doch wieder nach" nickte ich, unterdrückte meine Tränen und sagte: "Ja Mama, du hast Recht."
    Sie war süchtig nach der frischen Luft und dem Gesang der Vögel...so verbrachten wir -wenn das Wetter es zuließ- viel Zeit in der Parkanlage der Klinik...ich kann mich noch erinnern, wie sie wie ein kleines Mädchen jauchzte als ich den Rollstuhl ziemlich schnell anschob und mit ihr den Weg lang düste.
    Machtlos musste ich mitansehen, dass die Prognose der Ärzte wohl stimmte, aber ich war dennoch nicht gefasst als mich bereits nach 8 Wochen plötzlich ein Anruf zur Mittagszeit in der Arbeit erreichte..."bitte kommen sie schnell, es geht wohl zu Ende."
    Nein, das konnte doch nicht sein, dachte ich mir, denn noch 4 Stunden zuvor habe ich mit ihr telefoniert...ihre Stimme war zwar sehr leise, aber sie freute sich doch schon so unendlich, wenn ich am Abend wieder vorbei komme.
    Meine Mutter war noch bei Bewusstsein als sich die Familie um ihr Bett versammelte. Sie konnte nicht mehr sprechen, aber dafür tat sie etwas, was so ungeheuerlich unfassbar war, so dass ich diesen Augenblick mein Leben lang nicht mehr vergesse: Sie hob eine Hand ganz langsam nach oben, winkte uns zum Abschied zu und fiel ins Koma.
    7 Stunden später schlief sie ganz friedlich und entspannt in meinen Armen ein und trotz der unsagbaren Trauer war das der beste Trost, den ich erhalten konnte, denn sie spürte, dass ich da war und sie nicht alleine gehen musste.

    Glaubt mir, so ein Schicksal, so ein Erlebnis prägt einen fürs Leben und macht keine Angst vorm Tod mehr, der uns lehrt, das Leben zu lieben.
    Er lässt uns bewusster und intensiver leben, zeigt auf, was wirklich wichtig und dass nichts selbstverständlich ist.
    Aber der eigene Tod muss nicht verherrlicht werden und man kann Motivation und Lust daraus schöpfen, etwas aus der Zeit hier und jetzt zu machen.
    Ich lebe weiter - ohne ständig den Tod im Kopf zu haben - und ich bin sicher: Irgendwer hat sich schon seine Gedanken darüber gemacht, dass der Mensch einen gewissen Schutz- und Verdrängungsmechanismus in sich hat, denn sonst würde ihm die Ungewissheit um seinen Tod schier wahnsinnig werden lassen.
     
    #15
    munich-lion, 26 Dezember 2009
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  16. Orgasmusmaus
    Öfters im Forum
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    Danke !
     
    #16
    Orgasmusmaus, 26 Dezember 2009
  17. User 38494
    Sehr bekannt hier
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    Verheiratet
    der tod ist etwas, vor dem ich keine angst habe.
    nicht weil ich etwa fromm bin und an gott glaube ... nein, ob der da ist oder nicht, das interessiert mich ehrlich gesagt nicht.
    ich lebe zwar im großen und ganzen nach den (angeblich von ihm) aufgestellten verhaltensregeln, aber letztlich lebe ich deswegen so, weil ich gern so lebe. :smile:

    was soll sein wenn man stirbt?
    da ist meiner ansicht nach nichts.
    es ist wie ein einschlafen ohne träume und kein erwachen mehr.

    lebt man weiter nach dem tod?
    ja!
    nicht im himmel oder in der hölle ... man lebt in den gedanken derer, denen man im gedächtnis geblieben ist.

    der wohl schlimmste tod, war der von meinem vater.
    ich habe ihn 2 jahre lang begleitet und ihm eines guten tages mal gesagt: "die frage ist nicht ob du daran stirbst, sondern wann!"
    er war da sicherlich sehr verwirrt über meine ehrlichkeit, aber gleichzeitig gehörte das meiner meinung nach zur sterbebegleitung dazu ... gerade WEIL es MEIN vater war.

    vor 2 wochen bin ich zu seinem grab und habe 3 karren erde draufkippen dürfen, weil der sarg nach 5 jahren zusammengeklappt ist und niemand diese "unschöne"arbeit machen wollte.

    ist er tod?
    ja, er lebt nicht mehr im herkömmlichen sinne ... aber er lebt in meinen erinnerungen und in den erinnerungen anderer menschen, die ihm begegnet sind und ihm aufgefallen sind, weil er ein sehr guter mensch war.
    so gesehen kann man als gläubiger sagen, er ist im himmel gelandet.

    sterben ist so normal wie das geboren werden.
    geht man mal angstlos durchs leben, ist es ein sehr befreiendes gefühl.
    dazu braucht man keinen gott und keine hölle, denn dann wäre es in wirklichkeit eben kein wirklich angstloses leben.

    man sollte sich anständig im leben verhalten.
    sich jeden morgen im spiegel ansehen können und sich selber sagen können, das man ein guter mensch ist ... dann fällt einem das leben wie das sterben sicherlich nicht schwer. :zwinker:
     
    #17
    User 38494, 26 Dezember 2009
  18. Orgasmusmaus
    Öfters im Forum
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    vergeben und glücklich
    Wolltest Du selber Erde drauf`kippen oder "solltest" Du das machen ? Da ist nämlich der Knackpunkt.
     
    #18
    Orgasmusmaus, 26 Dezember 2009
  19. Maxx
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    Single
    Ich empfinde es als normal, wenn der Mensch mehere Male pro Tag an den Tod und folglich auch an seinen eigenen Tod denkt.

    Wir alle werden direkt oder indirekt damit konfrontiert, wenn irgendwann Familienangehörige oder ein geliebtes Haustier stirbt. Wir werden damit konfrontiert, wenn wir die Zeitung lesen oder uns anderweitig über das Tagesgeschehen informieren. Wir werden damit konfrontiert, wenn wir für zwei Stunden in eine fremde Welt eintauchen und uns einen Spielfilm ansehen. Wir töten in unserem Leben z.B. viele für uns unbedeutende kleine, insektenartige Lebewesen, manchmal ohne dass es uns bewusst ist.

    Die Vergänglichkeit wird uns im Übrigen nicht nur im Tod von Lebewesen bewusst, sondern erleben wir ganz alltäglich auch mit Dingen, die im Alltagsgebrauch ihren Dienst erweisen und irgendwann durch Abnutzung ihre Funktionsfähigkeit verlieren und ihren Dienst aufgeben. Sie werden dann eben durch neue und oft hochwertigere Produkte ausgetauscht, denn der Mensch befindet sich stets im Wandel und somit auch vieles andere, was ihn durchs Leben begleitet. Und da Veränderungen heute schneller als je zuvor vonstatten gehen, werden Informationen viel schneller und durch die Vernetzung auch häufiger an den Empfänger gesendet. Und da die Darstellung des Todes in den Medien eine Alltäglichkeit ist, hat der moderne Mensch vielleicht auch einen anderen Bezug und Blickwinkel zum Tod, als noch zu früheren Zeiten.

    Unterschiedliche moralische Grundsätze sind mit dem Tod verknüpft, da aus menschlicher Sicht nicht jedem Lebewesen den gleichen Stellenwert beigemessen wird. Genauso wie es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, ob der Tod das endgültige Ende bedeutet. Würde es uns besser gehen, wenn wir diesbezüglich bereits im Leben absolute Gewissheit erlangen könnten?

    Im Leben, mit dem begrenzten irdischen Bewusstsein des Menschen, wird der Tod aus einer mythischen und ungewissen Perspektive betrachtet. Entmystifiziert wird er, wenn überhaupt, erst dann, nachdem er eingetreten ist.

    Bis dahin ist unser Leben verbunden mit Plänen, Träumen, Hoffnungen und Ängsten, weil wir über etwas verfügen, was wir Menschen als bewusstes Leben bezeichnen.

    Wir wissen nur, dass es uns irgendwann so ergehen wird, wie anderen Verblichenen, deren Lebensfunktionen erlischen und somit auch ihr irdischer Kontakt zu uns. Übrig bleibt ein verwesender Körper und die Erinnerungen, welche unter normalen Bedingungen ebenso mit den Jahren, Jahrzehnten oder Jahrhunderten verblassen und erlischen werden.

    Der Tod und insbesondere ein früher, nicht einkalkulierter Tod, der raubt Pläne, Träume, Hoffnungen und wahrscheinlich das irdische Bewusstsein eines Menschen. Die Vorstellung daran kann Angst und Leere oder Angst vor der Leere oder die Hoffnung auf einen Neubeginn nach dem Tod hervorrufen. Das Bewusstsein, das zum Zeitpunkt des Sterbens schwinden wird, gab dem Menschen eine Sicherheit und Perspektiven. Aber dieses Bewusstsein bot auch einen Raum für Ängste und Unsicherheit, weil dem bewussten Mensch schon immer klar war, dass irgendwann das irdische Leben in seiner Hülle vorbei ist.

    Jeder Mensch hat nur ein Heute und keiner kann wissen, ob es ein Morgen gibt. Wer langsam dahin stirbt, nur noch ein sehr knapp befristetes Leben hat und nicht mit einem abrupten Tod konfrontiert wird, der empfindet diese Situation vielleicht als Fluch oder aber auch als Segen. Fluch deshalb, weil der Weg dahin sehr schmerzhaft sein kann, bis er lernt seinen nahenden Tod zu akzeptieren, sofern er in der kurzen Zeit überhaupt lernen kann, sich damit abzufinden. Ein Segen deshalb, weil er die Gelegenheit bekommt, vielleicht noch wichtige Dinge zu erledigen, sich von Menschen zu verabschieden oder mit wichtigen und lieben Menschen sich die letzten Tage so schön wie möglich zu gestalten.

    Letztlich bliebt nichts anderes übrig als diese Erkenntnis hinzunehmen, sein Leben zu leben und selbst möglichst positiven Einfluss darauf auszüben. Ob ein Rückblick auf ein erfülltes Leben für einen Sterbenden wichtig oder gar essentiell in seiner Situation ist, das kann der Einzelne wohl erst dann mit Gewissheit sagen, wenn er sich irgendwann in dieser Situation befindet.

    Der Schmerz, wenn es darum geht geliebte Menschen zurück zu lassen, bezieht sich wohl nicht nur auf den Sterbenden selbst, sondern auch auf die Menschen, die durch den Verlust des Hinterbliebenen leiden werden. Was auf den Sterbenen wiederum ebenfalls schmerzlich einwirken kann, da er ja nicht möchte, dass die geliebten Menschen wegen ihm leiden werden.
     
    #19
    Maxx, 26 Dezember 2009
  20. Marco07
    Verbringt hier viel Zeit
    55
    93
    4
    vergeben und glücklich
    Über dieses Thema habe ich mir während meiner frühen Jugend (16-17) so intensive Gedanken gemacht, dass ich fast wahnsinnig geworden bin. Panikattaken inklusive. Ich bin nicht gläubig, der Tod ist für mich das endgültige Ende.

    Und genau das macht(e) mir unglaubliche Angst. Nichts mehr fühlen, nichts mehr schmecken, nicht mehr von geliebten Menschen umgeben sein. Nicht mehr miterleben können, wie sich die Welt weiterentwickelt, wann wir fremde Planeten erkunden. Einfach nicht mehr da sein. So viele unbeantwortete Fragen: Gibt es fremdes Leben, welche Techniken und Ideen werden sich entwickeln? Und außerdem lebe ich verdammt gerne und genieße jeden Tag.

    Inzwischen komme ich mit diesen Gedanken irgendwie klar. Ich denke mir einfach: Ich bin noch verdammt jung, lebe ich einer reichen und technologisch weit entwickelten Gesellschaft. Bis ich das Zeitliche segnen müsste, gibt es bestimmt ein Unsterblichkeitsmittel, bzw. Maßnahmen zur Verlängerung des Lebens. Die Forschung hat in den letzten Jahren bahnbrechende Erfolge zu verbuchen. Das gibt Mut.

    Klingt vielleicht etwas dumm und naiv, aber ansonsten würde ich wohl durchdrehen. Und mit diesen Gedanken geht es mir persönlich schon sehr gut :smile:
     
    #20
    Marco07, 27 Dezember 2009

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