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"Verjährter" sexueller Mißbrauch

Dieses Thema im Forum "Umfrage-Forum" wurde erstellt von ProxySurfer, 16 Juli 2010.

  1. ProxySurfer
    Sehr bekannt hier
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    Single
    Ich weiß nicht welches Forum das richtige für diese Frage ist, also notfalls verschieben.

    In den Medien wird seit Monaten immer wieder über sexuellen Mißbrauch in kirchlichen Einrichtungen, Heimen, Internaten usw. berichtet. Daß das eine schwere kriminelle Handlung ist, die bestraft werden muss, wird jeder von uns bejahen. Aber: Der Großteil dieser Mißbräuche fand bereits in den fünfziger, sechziger, siebziger, achtziger Jahren statt und ist oft schon verjährt. Oder die Täter leben schon nicht mehr.

    Warum kommen diese ganzen Fälle erst jetzt ans Tageslicht? Warum nicht schon viel früher? Sind diese Fälle damals nicht kriminell gewesen, d.h. es war kein Vergehen, das man anzeigt? Wenn ja, warum?
    Und noch etwas: Sind die heutigen Medien nicht sehr erfreut über dieses Thema, weil es Auflagenhöhe und Einschaltquoten mehr steigert als andere Themen?
     
    #1
    ProxySurfer, 16 Juli 2010
  2. krava
    krava (35)
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    Wenn über so was der Mantel des Schweigens gehüllt wird, dann kommt das eben nicht raus.
    Die Opfer hatten vermutlich Angst oder haben sich geschämt oder was auch immer. Grade in dem Bereich gibts ja eine enorm hohe Dunkelziffer, weil eben so viele Verbrechen nicht zur Anzeige gebracht werden.
     
    #2
    krava, 16 Juli 2010
  3. User 93633
    User 93633 (31)
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    So ist es. Viele Leute schauen einfach weg, wenn sie einen Verdacht haben oder es sogar genau wissen. Bei solchen heiklen Sachen mischen sich manche Leute einfach ungern ein. Wegschauen ist eben so viel einfacher als einzuschreiten. Das ist heute nicht viel anders. Leider. Klar freut das die Zeitungen, die müssen eben an ihre Auflage und somit an ihren Profit denken und sehen es ja auch als ihre Pflicht an, die Wahrheit (oder was sie als Wahrheit verstehen) lang und breit nieder zu schreiben, so lange, bis er sich nur noch wiederholt.
    Verbrechen waren es damals schon genauso wie heute.
     
    #3
    User 93633, 16 Juli 2010
  4. User 44981
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    Verboten war so etwas damals mit Sicherheit auch schon. - Sonst könnte man ja auch nicht behaupten, dass die Sache heute schon verjährt ist, sondern müsste sagen, dass die Sache nur nach heutiger Rechtslage verboten ist, während sie damals noch erlaubt war.

    Viele dieser Fälle kamen eben für lange Zeit nicht ans Licht, weil sie systematisch vertuscht und totgeschwiegen wurden und weil viel zu viele Leute weggeschaut haben. - Das alles wurde natürlich auch von den strukturen der katholischen Kirche begünstigt.
    Als dann die ersten Fälle ans Licht kamen, haben sich eben weitere Opfer getraut, ihren Mund aufzumachen und es war in der Kirche einfach nicht mehr möglich, wegzuschauen und die ganzen Dinge zu vertuschen und totzuschweigen. - So wurde dann quasi eine Lawine losgetreten.

    Und natürlich freuen sich die Medien über tolle Schlagzeilen in diesem Zusammenhang.... genau wie über andere spektakuläre Schlagzeilen.
     
    #4
    User 44981, 17 Juli 2010
  5. User 37284
    User 37284 (31)
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    vergeben und glücklich
    Das stimmt aber ich verstehe es trotzdem überhaupt nicht. Wären es jetzt Einzelfälle - ok. Aber da wurden soviele Menschen missbraucht, das muss doch rauskommen. Es kann doch nicht sein, dass NIEMAND sich traut etwas zu sagen.
    1000 Jahre später kommen sie alle an... :ratlos:
     
    #5
    User 37284, 17 Juli 2010
  6. User 44981
    User 44981 (29)
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    Denjenigen, die sich schon früher getraut haben, wurde wohl nicht geglaubt - oder sie haben nur kirchenintern etwas gesagt und dort wurde es dann wieder vertuscht.
    Und selbst wenn irgendwann mal etwas ans Licht gekommen ist, dachte man, dass es ein bedauerlicher Einzelfall ist - und das Medienecho war dann vermutlich nicht so groß wie heutzutage.
     
    #6
    User 44981, 17 Juli 2010
  7. BABY_TARZAN_90
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    Dass die Fälle so spät ans Licht kommen, hat auch mit der Scham der Opfer zu tun. Wer sexuell missbraucht wurde, fühlt sich nicht selten entehrt und beschmutzt - auch vor seinen Mitmenschen.
    Es braucht auch in anderen Fällen Jahre bis Jahrzehnte, bis Opfer bereit sind über das zu reden, was sie durchgemacht haben. Der Schaden, den ein sexueller Missbrauch anrichtet, ist keine feste Größe; er hängt zu einem schlechten Teil auch davon ab, wie das Thema sexueller Missbrauch offentlich diskutiert wird.

    Unserem Rechtsgefühl mag das zuwiderlaufen, dass in diesem Fal Anzeigen nicht so leicht eingehen wie bei Diebstahl. Wir haben in erster Linie die Schwere der Tat im Blick, die bestraft werden muss, und vergessen, was es für das Opfer bedeutet, wenn es im Mittelpunkt eines Strafprozesses steht. Jeder Täter hat das Recht, sich vor Gericht zu verteidigen - leicht auszudenken, was da auf das Opfer zu kommt...
    Vielleicht ist das ein weiterer Grund, weshalb ein Opfer mit dem Outing zuwartet, bis der Täter unter dem Boden ist.
     
    #7
    BABY_TARZAN_90, 17 Juli 2010
  8. many--
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    Im Spiegel war gerade eine Story über diese Missbrauchsfälle in der evangelischen Gemeinde nahe Hamburg. Wenn das ein einigermaßen typisches Beispiel für solche Fälle war, dann kann man deine Fragen beantworten: die Kinder und Jugendlichen damals hatten von Tuten und blasen keine Ahnung und waren komplett überfordert, haben nicht darüber gesprochen. Die Erwachsenen haben im Wesentlichen den kirchlichen Autoritäten vertraut, aber tatsächlich wusste eigentlich jeder, dass da so einiges lief - aber das war ja peinlich, Lärm gemacht haben wohl nur einzelne.
    Diese einzelnen wurden dann von besagten kirchlichen Autoritäten besänftigt, dann ignoriert. Die beschuldigten Geistlichen wurden wenn überhaupt, dann versetzt - fertig.

    Im Wesentlichen läuft die Verschleierung dieser Taten also über die Scham und das Unwissen der Kinder, die Obrigkeitshörigkeit und Spießigkeit der Eltern und über die kriminelle Energie und die aktive Verschleirungspolitik der Kirchenführer, katholisch oder evangelisch.
    Und natürlich gab es "damals" auch noch keine so aktive Medienlandschaft wie heute, die auch bereit gewesen wäre, unangenehme Dinge über den Staat im Staate zu berichten. Wer hätte denn in den 50ern kritischen Journalismus über die Kirche betrieben?! Im Adenauerstaat...

    Dass sich jetzt alles häuft, ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Schleusen jetzt gebrochen sind. Jeder neue aufgedeckte Fall macht ja anderen Opfern Mut. Jetzt wissen sie, an wen sie sich wenden können, jetzt können sie davon ausgehen, dass man ihnen glaubt. Wie viele werden wohl schon mal versucht haben, was zu sagen, nur um eine Variation zu hören von "Wie kannst du kleiner Scheißer es denn wagen, solche Dinge über den ehrenwerten Pfarrer X in Umlauf zu bringen? Das ist eine schwere Sünde, dafür kommt du in die Hölle!".
    Natürlich werden auch ein paar Trittbrettfahrer und Rufmörder dabei sein. Aber das scheint ja einen eher geringen Prozentsatz auszumachen; die meisten öffentlich gewordenen Anschuldigungen haben ja bislang gestimmt. Selbst ein Herr Mixa konnte ja Lügen (Verstoß gegen Gebot 8 übrigens), was das Zeug hielt - am Ende hat es ihn erwischt.
     
    #8
    many--, 17 Juli 2010
  9. simon1986
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    Eigentlich gut für die Kirche, dass man sie an ihren eigenen verkündeten Ansprüchen misst.

    Ich hoffe, dass es mit den sexuellen Missbräuchen, wenn der kirchliche Sumpf einmal ausgemistet ist, auch sonst aufhört
     
    #9
    simon1986, 17 Juli 2010
  10. User 76250
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    Nicht nur. Es hat auch etwas mit der sexuellen Aufklärung der Gesellschaft insgesamt zu tun (die vor allem in kirchlichem Umfeld ja ein Thema für sich ist). Damit ziele ich vor allem auf die Elterngeneration ab, die zur Nazizeit geboren und selbst so konservativ erzogen wurde, dass das Wissen über Sex kaum darüber hinaus geht/ging, dass der Mann seinen Penis in die Frau einführt und sie drei Minuten später schwanger ist. (Vielleicht etwas übertrieben, aber ich denke, es wird klar, was ich meine.) Deren Wertebild war auch oftmals so, dass sie die Leiden ihrer Kinder entweder nicht geglaubt haben (weil ja Geistliche sowas einfach per definitionem nicht tun...) oder es totgeschwiegen haben, weil es, wenn es rausgekommen wäre, ihnen niemand aus der Nachbarschaft geglaubt hätte oder sie die Tratschereien nicht hätten ertragen wollen. Das Bild, das Frau Kowalski von nebenan von der Familie hatte, war ihnen oft wichtiger als die Leiden ihrer Kinder oder gar der rechtliche Aspekt. Und dazu kam dann auch noch das "Wagnis", das mit solchen Anschuldigungen gegen gerade Kirchenleute seinerzeit verbunden war. Wer nicht bereit war, für sein Kind durchs Feuer zu gehen, sämtliche rechtlichen Mittel zu nutzen und den Staatsanwälten das Leben schwer zu machen, schwieg es tot - und machte es der Kirche umso leichter, es ebenfalls zu tun. Und es stillschweigend zu dulden.

    Inzwischen sind wir allerdings eine Gesellschaft, die Kinderschänder ganz offen ächtet und die so etwas thematisiert, ohne die Opfer zu beschämen (sieht man mal vom Gebahren der BILD und ihrer Schwesterzeitungen ab). Die Zeiten der erzkonservativen Naivität, in denen bestimmte Berufsgruppen als Heilige galten, die nie etwas Schlechtes tun würden, sind definitiv vorbei. Und das macht natürlich auch den Opfern leichter, offen mit ihrem Schicksal umzugehen und die Täter an den öffentlichen Pranger zu stellen - ganz gleich, welcher Kaste er angehört.
     
    #10
    User 76250, 17 Juli 2010
  11. ProxySurfer
    Sehr bekannt hier Themenstarter
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    Ich befürchte, dass es weitergeht, denn laut Medienberichten finden die mit Abstand meisten Mißbräuche nicht in Kirchen, Sportvereinen, Feriencamps usw., sondern direkt in den Familien statt.
     
    #11
    ProxySurfer, 17 Juli 2010
  12. simon1986
    simon1986 (30)
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    In "meinem" Bistum (Chur) sind bisher etwa 12 Fälle aus der Kirche bekannt geworden, und zwar aus den letzten Jahrzehnten.

    Im Kanton in dem ich lebe, einem Teil von diesem Bistum, werden jedes Jahr weit über 100 (fast nur "weltliche") Missbrauchsfälle bekannt.

    Das spricht nicht "für" die Kirche. Aber gegen Illusionen
     
    #12
    simon1986, 17 Juli 2010
  13. User 44981
    User 44981 (29)
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    Ich finde es gerade auch sehr gut, dass die Kirchen an ihren eigenen Ansprüchen gemessen werden. - Auch oder gerade weil sie diesen Ansprüchen nicht mal ansatzweise genügen. Vielleicht hilft das ja dabei, einige verkrustete Strukturen aufzubrechen.
    Und wenn nicht, wird eben immer mehr Leuten klar, mit was für einer weltfremden und zumindest in dieser Hinsicht lächerlichen Organisation sie es zu tun haben.
    Das halte ich für utopisch.
    Wenn es die Kirchen schaffen, all die Dinge abzuschaffen, die derartige Fälle bisher begünstigt haben (verschweigen, vertuschen, Zölibat, usw.), bleibt immer noch der Umgang mit Kindern und Jugendlichen und das Vertrauensverhältnis mit den Gläubigen, was sicherlich für den Einen oder Anderen, der eine solche Tat begehen will, recht attraktiv ist. (Eben genau wie auch ein Sportverein, Musikverein, o.Ä. aus diesen Gründen attraktiv ist)
    Somit ist wohl höchstens die Hoffnung an eine deutliche Reduzierung der Fälle innerhalb der Kichre halbwegs realistisch, sofern die Kirche es wirklich schafft, die entsprechenden Veränderungen durchzuführen.

    Und dazu bleiben natürlich auch noch die gnazen Fälle im familiären Umfeld...
     
    #13
    User 44981, 18 Juli 2010
  14. User 38494
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    ich glaube auch, wie bigdigger, das es der zeitenwandel ist.
    (im übrigen wurde meine mutter so aufgeklärt, das sie einen mann nur im dunkeln küssen muss um schwanger zu sein. :zwinker: )
    und gerade das eben die medien das ganze mal mehr und mehr ans tageslicht gezerrt haben (ich mag die bildzeitung auch nicht), macht sicherlich vielen betroffenen auch mut sich zu äussern ... selbst wenn sie wissen, das es bereits verjährt ist.

    ich selbst bin auf dem lande groß geworden.
    da war eben die kirche eine institution und der pfaffe war eine unantastbarkeit an sich.

    ok, als messdiener dient mann ja gott und tut was gutes. :smile:
    dann ist da der nette man im schwarzen kleidchen und ... ja er nimmt einen dann mit in den kirchturm zum ... geistergeschichten erzähen. :jaa:

    hört mir auf mit dem scheiß ... ich weiß was da ist!

    das arschloch wurde dann mal eben mit 45 oder was in den ruhestand geschickt ... und unsere grundschulklasse hat ihn dann besucht. :jaa:
    den aaaarmen mann ... der doch so gerne kinder um sich hat.
    "setz dich doch mal auf dem schoss vom pfarrer ... das hat er so gern!"

    als kind bist du einfach machtlos!!!
    du vertraust darauf, das erwachsene das richtige für dich entscheiden und tun.
    gerade lehrer, pfarrer und eben menschen, die eigentlich von natur aus nur das beste für dich wollen ... oder besser gesagt: "wollen sollten!"

    wie willst du da als kind "angemessen" reagieren?
    du verkriechst dich und gehst in dir.
    du schämst dich und weißt instinktiv das da was nicht richtig ist.
    du willst dich mitteilen, aber kannst das nicht.
    du verdrängst.
    der eine geht damit um das er das in die hinterste dunkle schublade vergräbt und es ist dann weg ... der nächste schleppt das zeit seines lebens in einer gläsernen schublade mit sich rum.

    die medien pushen das?
    ja.
    und es sind die, die mißbraucht wurden und den mut haben auch im nachhinein zu sagen was ihnen angetan wurde!

    DAVOR habe ich hochachtung, denn sie machen damit einen seelischen striptease den sich die meisten menschen nicht vorstellen können ... und das auch noch in dem wissen, das ihr(e) peiniger niemals dafür auch noch verurteilt wird (werden). :zwinker:
     
    #14
    User 38494, 18 Juli 2010

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