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Verlassensangst

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Atemlos, 2 Juni 2010.

  1. Atemlos
    Sorgt für Gesprächsstoff
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    in einer Beziehung
    Ich war immer ein Mensch der großen Gefühle und sicherlich macht mich dies auch zu einem
    außergewöhnlichen Menschen und zu dem Menschen, der ich letztendlich bin. Nur ist mir diese Charaktereigenschaft
    auch oft zum Verhängnis geworden.
    Ich hatte nie Probleme damit, meine Gefühle zu zeigen oder zu weinen.
    Oft wurde ich herbe enttäuscht von Frauen in meinem Leben und habe so manche Träne oder vielleicht auch Literweise diese
    salzige Flüssigkeit aus meinen Augen gedrückt.
    Ich war mir sicher, ich würde nie wieder einen Menschen wieder so sehr lieben können, wie meine erste große Liebe.
    Ich war mir sicher, es gebe nur diese eine Frau auf diesem, von Liebeskummer und Herzschmerz
    verseuchten und von Amor verlassenen Planeten, die zu mir gehört.
    So ging es ein paar Jahre, bis ich eines besseren belehrt wurde und mich Hals über Kopf
    wieder in eine Frau verliebte und mich ihr, meiner völlig außer acht gelassenen Eigenständigkeit, hingab.
    Sie so tief in mein Herz schloss, dass nur eine Atombombe die harte Schale der Festgefahrenheit meines
    weinenden Herzens wieder öffnen hätte können. Ich gab mich buchstäblich auf. Jede Sekunde dachte ich nur an sie und
    jeder Buchstabe, den ich voller Herzklopfen in mein Handy eingab, war in voller Rücksichtlosigkeit
    auf meine Freiheit, an sie gerichtet.
    Erst klopfte mein Herz noch vor lauter Verliebtheit, doch schnell destillierte sich aus der Verliebtheit
    die Angst einsam zu sein. Ich setzte meinem tiefen Innern die Krone ab und gab sie der angebeteten Frau, ohne zu merken,
    mich selbst aufzugeben und die Achtung vor mir selbst zu verlieren. Ohne auch nur einen Moment daran zu denken, was ich
    mir selbst eigentlich damit antue und wie sehr ich mich in eine Reihe ausgegorener Kränkungen, Verletzungen
    und Gemeinheiten reinkatapultierte.
    Doch das Katapult schoss zurück. Zwar kamen immer nur kleine Brocken, der eigentlich erhofften großen Worte an aber es schien
    mir genug zu sein, obwohl ich eigentlich immer hoffte und wusste, dass ich aus dem Führerlosen
    Flugzeug der großen Gefühle aussteigen muss und dass die Reißleine zu ziehen ist, damit ich nicht unsanft in einem Meer voll
    meiner eigenen Tränen lande und vermutlich in dem Sog meiner selbst herbeigeführten Angst einsam zu sein ertrinke oder sogar ganz in ihr verschwinde.
    So drehte sich mein Leben nur noch darum, mit einem Menschen eins zu werden, von dem ich nicht besonders viel zu erwarten hatte, denn
    wo soll Liebe entstehen, wenn noch die Blüten der letzten großen Liebe beim Partner vorhanden sind?
    Genau, im Jammertal der Hoffnungen, in dem es nur an Tagen Sonne gibt und die Blüten anfangen zu blühen, wenn der jeweilige Partner
    gerade einen Schub der Gefühle erlebt und einem wieder ein paar Krümel hinwirft, an denen man versucht sich satt zu essen.
    Ich war ein Gefangener meiner selbst, der sich im Spiegel wohl besser wiedererkannt hätte, wenn er ein Würstchen vor sein Gesicht gehalten hätte
    oder den schlappen Schwanz einer Katze.
    Doch ich sah mich als Held, als Retter, als Wohltäter und als der Mensch, der alles von dem anderen Geschlecht
    erwarten kann und darf, wenn er nur auf alles eingeht, wie ein Wollpullover, der sich in die 90° Celsius Buntwäsche verirrt hat.
    Und genauso klein, wie dieser Pullover wieder aus der Waschmaschine kommen würde, habe ich mich auch gefühlt.
    Ich habe mich abgekapselt vom Leben und vergessen, wie es ist, selbständig meine Gefühle kontrollieren zu können.
    Habe mich an Fäden gehangen, wie eine Marionette und einen anderen Menschen über meine Traurigkeit, meine Fröhlichkeit und meine
    Glücklichkeit entscheiden und bestimmen lassen. Ich war im Prinzip nichts anderes als Pinoccio, weil ich mich selbst belog.
    Zwar bekam ich keine Lange Nase vom Lügen aber ich erhielt dafür einen lang anhaltenden Schmerz, dort wo man
    es sich am wenigsten wünscht und den man auch nicht mit Tabletten heilen kann. Nämlich am verwundbarsten Punkt eines Menschen. Am Herzen.
    Die Zeit verging und ich merkte auch nicht, dass ich mich quasi wie ein Junkie benahm, der gerade auf Entzug ist und sich den nächsten Kick sucht,
    um mein blutendes Herz zu verarzten mit Illusionen und Traumdenken.
    Also rannte ich hinter einem Phantom hinterher, welches sich immer wieder kurz zeigte und dann wieder in der Dunkelheit verschwand.
    Wahrscheinlich haben Menschen, die sich voll und ganz in Liebe verlieren und in ihr versinken, es einfach nicht verdient geliebt zu werden, weil sie
    es nicht ertragen, nicht geliebt zu werden und es ein Gefühl der Abgestoßenheit und des Verrats ist. Hofverrat. Verrat am eigenen Leib. Verrat auf höchstem Niveau
    und mit allen Konsequenzen, welche die Liebe zu bieten hat.
    So kann aus Liebe ganz schnell Ekel und Hass entstehen. Dem Menschen gegenüber, dem man sonst mit so viel Zuneigung und Offenheit begegnet ist und mit dem man
    auch in brennenden Flammen noch hätte Küssend untergehen wollen.
    Man weiß im Prinzip über seine Hilflosigkeit und über seine Beschämtheit, die den Stolz verletzt aber man will es nicht wahrhaben. Man sieht vor lauter
    Egoismus nur das eigene Wohl und die Schattenseiten werden kurzerhand zu sonnigen Plätzen ummodiliert.
    Man ist erpicht auf sein eigenes Leid, den Schmerz und die Trauer einer zum scheitern verurteilten Beziehung. Die Serpentinen der Beziehung werden ohne Rücksicht auf Verluste
    einfach zu einem Highway umgebaut, einfach um den vielen Ecken und Kanten der Liebe zu entrinnen und sich vorzumachen, es sei alles in bester Ordnung.
    Ich habe mich oft gefragt, warum ich so verletzt und gedemütigt wurde, doch eigentlich wusste ich genau, dass ich es selber war, der sich meiner Angst, nicht mehr im Mittelpunkt
    eines anderen Menschen zu stehen, gefügt hat. .
    Ohne eigentlich wirklich mal nur für mich selbst da gewesen zu sein. Immer mussten andere Menschen die Rolle meines unerfüllten Glaubens an die Liebe übernehmen
    und waren im Endeffekt nur Statisten auf einer Bühne ohne Publikum und Vorhang, der sich schließt, wenn das große Drama vorbei ist und es wieder nach Hause in die eigenen vier Wände
    der Zweisamkeit geht.
    Ich habe immer Angst davor gehabt mich wieder zu verlieben, nachdem ich zum ersten Mal verlassen wurde und mich vor lauter Unmut in meine eigene Welt geflüchtet habe, in der
    die Realität nur selten zum Vorschein kam. Ich bin geflüchtet, ungeahnt dessen, was passieren würde, wenn ich wieder Kehrt machen würde und mich wieder erwartungsvoll
    vor das leere Stadion der Wahrheit stellen würde, um darauf zu warten, dass das Spiel aus ist und die Hoffnung herausspaziert mit einem Geschenk unterm Arm, auf dem groß und fett das Wort Liebe steht.
    Doch jetzt hat der Stecker der Hoffnung sich gelöst und der Blick ist nach vorne gerichtet. Denn nur so werde ich sehen, was sich hinter der Dunkelheit verbirgt und ob es die gleichgewichtige Liebe
    wirklich gibt. Der Stecker der Hoffnung hat scheinbar doch nur einen Wackelkontakt...
     
    #1
    Atemlos, 2 Juni 2010
  2. Feel
    Verbringt hier viel Zeit
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    Single
    Sehr schön geschrieben. Man kann sich gut in dich reinversetzen.
     
    #2
    Feel, 25 Juni 2010

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