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Von der Richtigkeit der Welt...

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von User 20345, 3 März 2005.

  1. User 20345
    User 20345 (37)
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    vergeben und glücklich
    Von der Richtigkeit der Welt...​



    Der Mensch ist ein erzeugendes Wesen: er erfindet Dinge, schafft Götter, erzeugt Institutionen und Beziehungen, und in alledem erschafft er sich selbst. Götter und Institutionen überdauern ihn, die Dinge leben ohne ihn, und so sind es einzig seine Gefühle von Freundschaft und Liebe, die nirgendwo existieren als in ihm selber, und die mit ihm leben und vergehen.
    Deshalb sind sie es, die uns am meisten bedeuten, und das um so mehr, je weniger wir davon haben.

    Was mich betrifft, so bin ich in meinem Leben wohl eher ein einsamer Mensch gewesen. Lange Zeit habe ich mir das nicht eingestehen wollen. Solange um mich herum immer Menschen waren, konnte ich mir einreden, daß ich halt mit diesem gerne, mit jenem weniger zusammen wäre, und daß dies einem jeden so ginge. In Wahrheit fehlen wohl dem Einsamen nicht nur die Gewohnheit und das Bedürfnis, sich jederzeit mitzuteilen, sondern auch eine gewisse Gleichgültigkeit – und damit die Fähigkeit, sich auch unter Leuten wohlzufühlen, die ihm wenig oder nichts bedeuten. Denn naturgemäß ist das Gespräch in solch einem Kreis banal und oberflächlich, und da die Seele des Einsamen im Unterschied zu der des Geselligen nicht nur wahrnimmt, sondern beständig nach gut und schlecht urteilt, sind ihm solche Gespräche auf Dauer schwer erträglich.
    Weil aber die Krankheit des Urteilenmüssens ihn daran hindert, sich selber mit netten Belanglosigkeiten an Gesprächen zu beteiligen, verstummt er in solcher Umgebung. Er wird, weil das Empfinden von Fremdheit ihm und anderen schnell spürbar ist, in der Tat zu einem Fremdkörper, so daß er eine solche Gesellschaft bald verläßt, falls er sie nicht von vornherein meidet. Aber dadurch fehlen ihm all die tausend kleinen Gelegenheiten und Anlässe, aus denen überhaupt erst neue Freundschaften und tiefere Bindungen entstehen. Da die wenigen, denen er Achtung und Zuneigung geschenkt hat, vielleicht weit entfernt von ihm leben, oder auch seine Zuneigung kaum erwidern, oder sich gar im Streit von ihm entfernt haben – darum wird das Netz von Beziehungen um den Einsamen oft schon von Jugend an immer dünner. Und weil ihm aus seinem Alltag kaum neue Freundschaft erwächst, sieht er sich vielleicht eine Zeitlang auf seine Familie zurückgeworfen, und schließlich allein auf sich selber.
    Was nun die Art von Leben und Gemeinsamkeit angeht, nach der sich der Einsame sehnt, so hat er davon vielleicht ein Lebtag nur geträumt; oder er hat sie, wenn das Schicksal es gut mit ihm meinte, hier und da für Augenblicke gespürt – was sich am Ende gleichbleibt. Denn von unseren Hoffnungen und Wünschen sind es nur die kleinen, die uns ins Leben hineinziehen, während die übergroße Sehnsucht uns vom Leben eher entfernt: grade sie ist es, die den Einsamen daran hindert, die alltäglichen Vergnügen und Zerstreuungen aus ganzem Herzen genießen zu können, und die ihn auf der Suche nach Erfüllung immer wieder die kleinen Gefühle und sanften Zuwendungen verschmähen läßt.
    So ist jede tiefe Erfüllung des Daseins stets auch ein zwiespältiges Erlebnis: den Geselligen macht sie geselliger, dein Einsamen einsamer. Wer aber etwas sucht, das es nicht gibt – oder auch nur etwas, das unauffindbar weit entfernt ist -, der muß ein Gigant sein oder ein Engel: er muß selbst erschaffen können, was er ersehnt; sonst vertrocknet er mitten im Leben wie eine Wasserlilie im Sand.​


    Bella​
     
    #1
    User 20345, 3 März 2005
  2. elbsegler
    Gast
    0
    Der Adler fliegt allein
    der Rabe scharenweise.
    Gesellschaft braucht der Thor
    und Einsamkeit der Weise.

    Das hatte ich als Teenager mal gefunden
    und behalten.
    Inzwischen bin ich auch etwas 'gesellschaftsfähiger'
    geworden. Aber man muss dann schon über seinen
    Schatten springen.

    Manchmal beneide ich die Raben ...


    Gruss von einem Seelenverwandten (?)
     
    #2
    elbsegler, 4 März 2005

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