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Voreheliches Tagebuch

Dieses Thema im Forum "Stammkneipe" wurde erstellt von SandraChristina, 27 September 2008.

  1. SandraChristina
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    Ein freundliches Hallo in die Runde :zwinker:

    anstatt einer Frage oder einem Problem, wollt ich einfach mal einen Bericht reinstellen... wenn nicht in dieses forum passt, an die admin: bitte verschieben.

    ich will einfach mal was in worte fassen, vielleicht inspiriert es ja jemand anderen ähnliches zu tun. ich findes es spannend erlebnisberichte von anderen zu lesen :engel:

    Wir zwei Quatschköpfe haben ja ziemlich flux beschlossen zusammen zu ziehen, und noch schneller beschlossen zu heiraten :engel:

    Wie gehts uns denn jetzt damit?

    wenn man sich anfangs verliebt, dann erliegt man schnell einer projektion. man sieht den anderen so, wie man ihn gerne haben möchte. ob das dem tatsächlichen bild entspricht bleibt fraglich. oft überhört man alarmzeichen, oder glaubt "das lege sich schon".
    aber jede projektion hält eine möglichkeit inne: die getrenntheit aufzulösen. danach streben wir. dieses hochgefühl, dieses glück. es ist laut, es ist fröhlich, es tanzt...

    wir hatten diese projektion auch. wir hatten anfangs, wie ich es nenne, eine "schatzi- Beziehung". kennzeichen: harmonie pur, aber letztlich gleicht es einem eier tanz. man führt ein schauspiel auf, wie soll es auch anders sein, man lebt plötzlich mit einem fremden menschen zu sammen.
    jeder bringt tausend wünsche, befürchtungen, ängste, und hoffnungen mit.
    niemand will sich bloß stellen lassen. und sei es nur die angst, dass es mit diesem jenigen wieder nicht klappt.


    wir sind über die verliebtheit weg. mir tat erst mal weh. wenn die verliebtheit schwindet, geht das erste zarte band kaputt, und man steht sich ohne brille gegenüber. völlig schutzlos. denn plötzlich kann der andere einen sehen. und irgendwie entdeckt man am anderen auch immer mehr, was man vorher nicht kannte. auch negatives. irgendwann kommt der moment, in dem man merkt, man steht wirklich vor einem anderen menschen. nicht nur vor einer projektion.
    es ist wie bei kleinen kindern, wenn sie das erste mal z.b. einen hund streicheln wollen. sie zögern. sie sind neugierig. sie gehen einen schritt vor, und zwei zurück. am besten wieder zu mama, nur um dann gleich wieder los zu schleichen.
    irgendwie gings mir so. ich wollte auf ihn zu. bin ich näher hin, hatte ich das bedürfnis gleich wieder weg zu laufen. manchmal hab ich mich nach einer "mama" geseht, bei der man sich verstecken kann. ich hab gemerkt, diese "mama" kann ich in mir, in meinem selbstvertrauen finden. egal was der andere tut, was mir passiert, ich selbst kann mich schon auffangen. auch bei zurückweisung oder enttäuschung.

    wieder hab ich selbst so unendlich viel über mich gelernt. ich habe das selbstbewusstsein gefunden alleine leben zu können. sowohl materiell als auch emotional. ich habe gelernt, dass ich mich nicht beliebig von jemand anderen verletzen lassen muss. ich kann immer gehen. und für mich sorgen.


    wir hatten vor einiger zeit eine ziemlich umbruch situation. die verliebtheit war weg, und plötzlich kam alles auf den prüfstand. wir hatten sexuell ziemliche diskrepanzen. und ja, allein deswegen haben wir offen über trennung gesprochen. ich fands befreiend, darüber sprechen zu können. das wir über trennung gesprochen haben, hatte nichts damit zu tun, das wir uns nicht liebten. im gegenteil. wir sind beide der meinung dass wir die achtung voreinander halten wollen. in unglücklichen beziehungen geht die achtung verloren. die enttäuschung und der mangel an respekt frisst sich durch, wie ein geschwür.
    wir haben es beide in unseren vorigen beziehungen erlebt. keiner von uns will das nocheinmal.
    und so haben wir tatsächlich ein trennungsgespräch geführt. mitten in der verlobungszeit. ich fands mutig.
    dabei kam raus, dass wir an uns arbeiten wollen. weil wir uns wollen. weil wir die möglichkeit, die wir haben nutzen wollen.
    wir wollens versuchen, mit allen schwächen und stärken.
    irgendwie war dann eine komische stimmung zu hause, die luft war gespannt, ohne dass wir tatsächliche meinungsverschiedenheiten hatten. wir beide wissen nicht mehr wies dazu kam, aber wir hatten unseren ersten richtigen streit. es war als wär ein knoten geplatzt. wir haben uns angeschrien, sind in unsere autos, um beide nach 10 minuten wieder umzukehren. wir haben ein bomben gespräch geführt und sind leidenschaftlich über uns hergefallen. mehrmals :drool:

    nichts hat so gut getan, als die beziehung ehrlich in frage zu stellen. es hat ängste abgebaut. es hat weitere stücke der basis zu tage geführt, die wir unter der fassade aus hoffnung und projektion begraben haben.
    ich fange an ihn wirklich zu lieben. ihn als mensch. mit fehlern und mit schwächen, und so vielen stärken.

    ich hab mich eingelassen. nicht aus verliebtheit oder einer abhängigkeit raus.
    sondern aus neugier auf einen anderen menschen. und im background hab ich mich selbst. darauf ist verlass :zwinker:
     
    #1
    SandraChristina, 27 September 2008
  2. Rhea
    Gast
    0
    na dann viel erfolg euch beiden :zwinker:
     
    #2
    Rhea, 27 September 2008
  3. SandraChristina
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    oh :schuechte es arbeitet sich ja tatsächlich jemand durch die drei milliarden wörter durch :engel:

    danke dir, rhea
     
    #3
    SandraChristina, 27 September 2008
  4. Rhea
    Gast
    0
    sehr gern geschehen... so mal aus neugierde: was war denn für dich der auslöser JA zu sagen? (und wie war der antrag :schuechte )
     
    #4
    Rhea, 27 September 2008
  5. User 35148
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    nicht angegeben
    *lach* es sind weniger als Tausend Worte :engel:

    Ich bewundere Dich, wie Du das bis hierhin geschafft hast.
    Und daß Du nicht, wie leider immer mehr Paare, die immer nur Spaß haben wollen und sich bei den kleinsten Problemen trennen, aufgegeben hast, sondern Dich mit Deinem Freund (Verlobten?) auseinander gesetzt hast, und mit ihm zusammen euer zukünftiges Leben aufbauen wollt.

    Du weißt ja... "drum prüfe wer sich ewig bindet..." :engel:

    :engel_alt:
     
    #5
    User 35148, 27 September 2008
  6. Shiny Flame
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    Verlobt
    Ich finde es eine sehr schöne Geschichte, die mir große Freude beim Lesen bereitet hat.

    Es ist sehr wichtig, in der Liebe die eigene Autonomie und innere Selbstständigkeit zu behalten. Erst, wenn man sicher in sich selbst ruht und auch ohne die Beziehung ein vollständiger Mensch wäre, erst dann ist man wirklich in der Lage, den anderen als tatsächlichen Menschen mit Fehlern, Macken, Kanten und Einzigartigkeit zu sehen. Erst, wenn man zu seinen eigenen Fehlern stehen kann, kann man auch die Fehler des anderen akzeptieren und vielleicht sogar lieben.

    Meine letzte Beziehung ist an einer ähnlichen Stelle wie deine jetzt gescheitert - nicht nur durch meine Schuld, möchte ich behaupten. Aber ich sage, jeder muss in seinem Leben irgendwann an die Stelle kommen, wo man bereit ist, den anderen so zu sehen, wie er ist. Oder eben alleine weiter gehen. Ich hatte leider einen Mann an einer Seite, der mich abwechselnd vergöttert und dämonisiert hat und nicht bereit war, das lebende, atmende Wesen, dass ich bin, mit allen Macken zu sehen und zu akzeptieren. Ich bin damals den Weg der Trennung gegangen und habe festgestellt, dass ich tatsächlich auch alleine autonom sein kann.

    Manchmal glaube ich, dass diese Entdeckung der eigenen inneren Autonomie immer ein Happy-End ist - ob sie nun zu einer Trennung führt oder dazu, den geliebten Menschen ein zweites Mal kennenzulernen, und dieses Mal richtig tief. So oder so ist es eine wichtige Erkenntnis für einen Menschen, vielleicht die wichtigste überhaupt.

    Jetzt, wo ich alleine gelernt habe, zu mir selbst zu stehen, merke ich, dass ich insgesamt anders mit Menschen umgehen kann und insgesamt eher bereit bin, sie mit ihren individuellen Eigenheiten zu akzeptieren. Und umgekehrt stelle ich an Menschen um mich herum jetzt auch den Anspruch, mich so zu akzeptieren. Mein Leben ist insgesamt glücklicher geworden dadurch.

    Und wer weiß? Mittlerweile stecke ich inzwischen auch in einer Liebesgeschichte. Möglicherweise hat sie Chancen, auch tiefer und tiefer zu werden, ohne Masken, aber mit ehrlicher Akzeptanz beider Menschen. Möglicherweise wird diese Geschichte auch scheitern. Ich kenne inzwischen beide Möglichkeiten, ich habe beide Möglichkeiten innerlich akzeptiert, keine davon macht mir große Angst, denn ich bin so oder so ein vollständiger, wertvoller Mensch. Durch dieses Wissen bin ich innerlich frei geworden, egal, wie es ausgehen wird.

    Vielleicht ist es sogar diese innere Ruhe, die mir nachher Glück in der Liebe schenken wird, aber wer kann das schon sagen? Auch alleine bin ich vollständig.

    Das ist meine eigene kleine Geschichte, die mir bei deiner eingefallen ist :zwinker:.
     
    #6
    Shiny Flame, 27 September 2008
  7. SandraChristina
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    warum ich ja gesagt hab?

    weil ich damals geahnt habe, dass die basis bei uns stimmt. die basis heißt für mich, dass man ähnliche vorstellungen vom leben, von werten wie achtung..., und von der zukunft hat.
    ich hab damals geahnt, dass er mich zu einer positiven entwicklung meinerseits inspirieren wird.
    und ich hab geahnt, dass er mir ein gleichwertiges gegenüber sein kann...

    damals hab ich das alles nur wage gefühlt. und ich hab ja gesagt, weil ich rausfinden will, ob meine vorahnungen sich bewahrheiten werden. :zwinker:

    bisher wurde ich in keinster weise enttäuscht :schuechte




    die andere frage von dir, und die anderen lieben antworten kommentier ich später, wir müssen zum aldi und einkaufen :zwinker:
     
    #7
    SandraChristina, 27 September 2008
  8. SandraChristina
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    hach flame, deinen beitrag sollte man eigentlich an die kühlschranktür heften :schuechte

    ich stimme dir vollkommen zu. und ja, die selbsterkenntnis und die eigene autonomie sind wirklich ein happy end.... aber bis man zu dieser erkenntnis kommt ists ein langer schmerzvoller weg.

    die geschichte die du mit diesem mann beschrieben hast, kenne ich sehr gut. ich hab seine schlechten eigenschaften immer verdrängt. ich wollte sie nicht sehen, und nicht wahrhaben dass er etwas ganz anderes von der Beziehung will als ich. dass er in mir auch einen anderen menschen sieht, als ich wirklich bin. und so wie er mich gesehen hat, wollte ich nicht (mehr) sein. er hats nach 5 jahren beendet. das ganze zu überwinden hat für mich über ein jahr gedauert. irgendwie dauerts heute noch an. mit den themen die damals in mir aufgeworfen worden sind, setze ich mich heute noch rege auseinander.

    damals war es mir lieber eine für mich unglückliche beziehung zu führen, als gar keine.
    aber das schreckgespenst verlassen werden und alleine sein, muss man irgendwann bezwingen. sonst dirigiert es das eigene leben.
    da passt das gedicht von rilke "der panter" dazu... so gings mir über jahre hinweg. gefangen in der eigenen angst, nicht vollständig und auf jemand anderen angewiesen zu sein.

    ja, das erwachsenwerden ist ein langer prozess :schuechte

    aber diese autonomie nimmt einem niemand mehr weg, das ist ein wahres Geschenk!


    @ einsamerEngel

    ja viele geben zu schnell auf. es ist die kehrseite der abhängigkeitsmedallie. im grunde ist es das gleiche thema. die einen klammern verzweifelt, um sich nicht mit sich selbst und ihrer eigenen einsamkeit auseinander setzen zu müssen. und die anderen laufen vor jedem ernsthaften versuch eine echte beziehung aufzubauen davon. und damit flüchtet man ebenso wieder vor sich selbst. denn der partner ist spiegel seiner selbst...



    und nun rhea, zu was erfreulichem :zwinker: :

    wir hatten einen traumhaften tag in den bergen. er ist den ganzen tag schon so hibbelig in der gegend rum gehüpft, was sonst nicht seine art ist.
    als wir abends im bett waren, ja genaus so :drool: , hat er mir plötzlich ganz tief in die augen geschaut, und einfach gesagt: ich liebe dich über alles. willst du meine frau werden?

    war irre schön, und solche absoluten "nähe momente" machen das leben ja schließlich aus.

    im übrigen, hat er mich mitlerweile zum juwelier geschleift, und wir haben super schöne verlobungsringe ausgesucht. die hat jetzt er. sprich so nen "richtigen offiziellen romantischen antrag" bekomme ich demnächst also warscheinlich auch noch. ab dann werden wirs auch den famlilien eröffnen, bisher wissens nur die engsten freunde. (und das internet :grin: )
     
    #8
    SandraChristina, 28 September 2008

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