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Wann wird SM zur Straftat?

Dieses Thema im Forum "Liebe & Sex Umfragen" wurde erstellt von ProxySurfer, 7 Juni 2010.

  1. ProxySurfer
    Sehr bekannt hier
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    652
    Single
    Nach dem Fall Kachelmann (bei dem es aber nicht um SM ging!) habe ich eine Frage:

    Angenommen, 2 Personen betreiben harte Sado-maso Spiele. Wie kann man sicher sein, dass nicht der/die andere Person einen anzeigt, man hätte Gewalt angewendet? Wo sind die Grenzen? Klar: Alles sollte vorher vereinbart sein. Was aber, wenn der/die andere behauptet, die Praktik wäre nicht vereinbart gewesen, der/die andere ist zu weit gegangen?

    Ich bin übrigens kein Freund von SM, die Frage interessiert mich nur einfach.
     
    #1
    ProxySurfer, 7 Juni 2010
  2. User 12900
    where logic cannot intervene
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    4.923
    nicht angegeben
    Ich würde sagen, wenn der eine das berühmte Codewort nennt, dann ist Schluss. Alles was darüber hinausgeht, könnte eine Straftat sein (je nach dem was es genau ist).

    Das kann doch auch bei normalem Sex passieren, sehe da jetzt keinen großen Unterschied.
     
    #2
    User 12900, 7 Juni 2010
  3. aiks
    Gast
    0
    Also zum normalen Bdsm hab ich grad in einem SM-Beratungsbuch nachgeschaut, wo das alles genau beschrieben ist und da steht drin dass es mit einer Einwilligung mit BDSM-Hintergrund absolut legal ist. Fällt allerdings das Codewort und es wird nicht sofort aufgehört, dann begibt man sich in den Bereich des Strafbaren.

    Auch wenn man Schläge vereinbart und dann geschnitten wird ist das z.B. ein klarer Rechtsverstoß.

    Und zum Punkt Leugnen: Es ist anscheinend ein schwieriges Rechtsgebiet und es steht Aussage gegen Aussage. Das Buch rät einem hier nur, dass man deswegen nur SM mit demjenigen praktizieren sollte, dem man auch wirklich vertraut.
     
    #3
    aiks, 7 Juni 2010
  4. BrooklynBridge
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    nicht angegeben
    Ich glaube, Deutschland ist da verhältnismäßig tolerant.
    Solange alles freiwillig geschieht, ist es ok (solange man nicht die ganz ganz heftigen Dinge "auspackt"), wobei der Beweis der Freiwilligkeit natürlich im Zweifelsfall schwierig sein könnte.
    Anders sieht das etwa in England aus. Dort gilt - soweit ich gehört habe (!) - sexuelle (auch einvernehmliche) Gewalt als Körperverletzung.
     
    #4
    BrooklynBridge, 7 Juni 2010
  5. Félin
    Félin (30)
    Meistens hier zu finden
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    offene Beziehung
    Naja, sicher ist man, indem man sich entsprechend Leute raussucht zum Spielen, die man schon eine Weile kennt, die sich in der ganzen Szene vllt auch schon länger bewegen (was den auch den Vorteil hat, geht es vor Gericht, könnten noch andere Leute bezeugen, dass sie SM-interessiert ist und zumindest BDSM generell ihr nicht gegen den Strich geht).
     
    #5
    Félin, 7 Juni 2010
  6. MrGouranga
    MrGouranga (35)
    Verbringt hier viel Zeit
    3
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    1
    vergeben und glücklich
    Von der juristischen Seite her sieht es folgendermaßen aus:

    Gundsätzlich ist alles eine Körperverletzung gem. § 223 Abs. 1 StGB, wenn eine Person dabei köperlich mißhandelt oder an der Gesundheit geschädigt wird. Darunter fällt garnz klar (erst einmal) SM bzw. BDSM.

    Denn die Schwelle zur Körperverletzung ist bspw. schon beim Haareschneiden überschritten.

    Jedoch ist natürlich nicht jede Körperverletzung strafbar, denn solange der Geschädigte einwilligt gem. § 228 StGB entfällt die Rechtswirdrigkeit des Handelns des Täters. (Der Tatbestand der Körperverletzung ist jedoch trotzdem erfüllt.)

    D.h. bei leichtere SM Praktiken sind erst einmal nicht strafbar!

    Problematisch ist es jedoch, wenn die Intensität der Praktiken zunimmt. Denn in der Rechtsprechung ist anerkannt, dass einige Köperverletzungen trotz vorliegender Einwilligung strafbar sind. Das liegt daran, dass die Rechtsprechung davon ausgeht, dass in diesen Fällen die erteilte Einwilligung sittenwidrig und damit unwirksam ist.

    Und nun beginnt die wirkliche Juristerei: Denn welche Einwilligung ist sittenwidrig und welche nicht?

    Das beurteilt anhand einer Abwegung der "Beweggründe und Ziele der Beteiligten". So hat der BGH entschieden, dass das Würgen mit einem Stahlrohr zum sexuellen Lustgewinn nicht von der Einwilligung gem. § 228 StGb gerechtfertigt wird, so dass es strafbar ist.

    Grundsätzlich sind alle Einwilligungen, für Praktiken, die nur entfernt das Leben gefährden können unwirksam und somit sittenwidrig. Aber auch Körperverletzungen, die nicht das Leben gefährden, aber auch dazu geeignet sind auf Dauer körperliche Nachteile nach sich zu ziehen sind grundsätzlich strafbar.

    Natürlich ist die Strafbarkeit auch gegeben, sobald die Schwelle der Einwilligung überschritten wird. Bspw.: Es werden 4 Schläge auf den Po erwünscht. Der Partner hört nach dem 4ten nicht auf, so ist der 5te Schlag strafbar.

    Um aber hier nicht vom hundertsten ins tausendste zu kommen: Neben der Erfüllung des Tatbestandes setzt eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung einen Strafantrag gem. § 230 StGB voraus. Wird dieser nicht gestellt, wird die Tat nur von der Staatsanwaltschaft verfolgt, wenn diese Kenntnis davon erlangt UND das öffentliche Interesse an der Verfolgung bejaht. Das dürfte aber nur dann der Fall sein, wenn besonders intensive Praktiken verübt werden.

    Tritt der von dem TS geschilderte Fall ein, dass der Akt selber zusammen mit dem Partner vollzogen wird und einen der Partner später anzeigt, so hat man tatsächlich ein Problem.

    Von der Theorie her, ist die Tat aufgrund der Einwilligung natürlich nicht strafbar (abgesehen von intensiven Praktiken s.o.). In der Praxis ist das dann eine Frage der Beweisbarkeit. Wenn der oder die Geschädigte mit ihren "Verletzungen" zur Polizei gehen, dann spricht der Anschein zunächst gegen den "Täter". Sodann wird der vermeintliche Täter vernommen. Kommt das Gericht zu der Überzeugung, dass sich der Sachverhalt so zugetragen hat, wie der vermeintliche "Täter" behauptet, so wird ein Freispruch erfolgen. Jedoch hängt das allein von der Überzeugung des Gerichts ab, wer die Wahrheit sagt.

    Somit befindet man sich in der Hand eines höchstwahrscheinlich grauhaarigen alten Amtsrichters. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der eher dem Opfer glaubt ist aufgrund seiner (meist sehr) Konservativen Einstellung her sehr hoch.

    Mit anderen Worten: Wie so vieles beim Sex hängt auch die Ausübung solcher Praktiken mit sehr viel Vertrauen zum Partner zusammen.

    Ich hoffe, dass ich Euch nicht gelangweilt habe und die Frage zur Zufriedenheit beantworten konnte.

    Viele Grüße
     
    #6
    MrGouranga, 8 Juni 2010
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  7. User 12900
    where logic cannot intervene
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    nicht angegeben
    Off-Topic:
    Uiuiui, so viel Rechtsberatung. :tongue:
     
    #7
    User 12900, 8 Juni 2010
  8. brainforce
    brainforce (33)
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    Buh also ich denke man muss kein Jurist sein um folgendes behaupten zu können: Wenn jemand einen anderen juristisch an den Kragen will dann kann er es oftmals auch erreichen wenn er sich nicht ungeschickt anstellt...:ratlos:
     
    #8
    brainforce, 8 Juni 2010
  9. User 12900
    where logic cannot intervene
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    nicht angegeben
    Jup, aber das geht eben auch bei ganz normalem Sex, jedenfalls als Frau kann man da relativ leicht behaupten, dass er nicht einvernehmlich war, da braucht es eben kein SM.
     
    #9
    User 12900, 8 Juni 2010
  10. brainforce
    brainforce (33)
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    naja es ist eine hypothetische Frage - letztlich geht wohl darum ob man für etwas bestraft werden kann was man nicht gemacht hat bzw. was eigentlich im gegenseitigen Einvernehmen geschicht...

    Grundsätzlich kann man das auch auf andere Bereiche als SM erweitern...

    Einfache Antwort: Auch die Justiz ist nicht fehlerlos und letztlich kann es auch Fehlurteile geben v.a. dann wenn eine Seite bestrebt ist ein Fehlurteil zu erreichen...

    ---------- Beitrag hinzugefügt um 00:23 -----------

    klar braucht es keinen SM - habe ich ja eben ausgeführt... aber man sollte schon auch Vertrauen in die Gerichte haben... nicht jeder dem eine Vergewaltigung angehängt wird bekommt automatisch lebenslänglich - oftmals finden die Gerichte sehr wohl raus was wirklich Sache war... trotzdem ist niemand vor Fehlurteilen geschützt...
     
    #10
    brainforce, 8 Juni 2010
  11. User 12900
    where logic cannot intervene
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    nicht angegeben
    Hat ja auch niemand behauptet. Beim Kachelmann-Fall ists ja zB derzeit anscheinend so.
     
    #11
    User 12900, 8 Juni 2010
  12. brainforce
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    sch... ist es trotzdem wenn man weiß das man verarscht wird... wenns dumm läuft landest du doch unschuldig im Knast - bzw. ist oftmals zumindest dein Ruf beschädigt auch wenn nichts war und sich das rausstellt...
     
    #12
    brainforce, 8 Juni 2010
  13. diskuswerfer85
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    in einer Beziehung
    Sind denn wirkliche verletzungen wie Schnitte eigentlich im einvernehmen Legal oder können sie auch dann rechtliche konsequenzen haben?
     
    #13
    diskuswerfer85, 8 Juni 2010
  14. aiks
    Gast
    0
    Ich kann ja jetzt wieder nur mit meinem Buch kommen ^^ Da drin steht, dass im Mai 2004 festgesetzt wurde, dass "sadomasochistische Handlungen, die zu tatbestandsmäßigen Körperverletzungen führen, nicht bereits wegen ihrer sexuellen Motivation einen Verstoß gegen die guten Sitten darstellen". Und somit sind nur die illegal, die konkrete Todesgefahr mit sich bringen.
     
    #14
    aiks, 8 Juni 2010
  15. diskuswerfer85
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    in einer Beziehung
    und wie sieht es mit anderen nicht tödlichen folgen aus?
    Wäre das dann nicht trotzdem ne schwere körperletzung(z.b wenn was gebrochen ist oder so)?
     
    #15
    diskuswerfer85, 8 Juni 2010
  16. brainforce
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    Off-Topic:
    also wenn dir jemand juristisch an den Kragen will wird er wohl kaum sagen das die Schnitte "einvernehmlich" entstanden sind...:ratlos::rolleyes: - ansonsten: wo kein Kläger da kein Richter...
     
    #16
    brainforce, 8 Juni 2010
  17. aiks
    Gast
    0
    Das wird nicht explizit angesprochen, aber wenn man dem Buch nach schlussfolgert ist es wohl ok, wenn beide wollen, dass etwas gebrochen wird. Und wenn es ein Unfall ist, dann ist es nunmal ein Unfall - würde ich jetzt mal so sagen.

    Und wenn beide wollen, dass ein Arm gebrochen wird, dann wird man es sowieso wohl kaum anzeigen. Wobei das ja schon so extrem ist, dass das sowieso nur eine Handvoll Leute überhaupt machen werden :hmm:
     
    #17
    aiks, 8 Juni 2010
  18. brainforce
    brainforce (33)
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    genau das ist doch der springende Punkt!

    Und wenn es doch ein Partner anzeigt wird er wohl kaum zugeben das er damit einverstanden gewesen ist - dann hätte das ja kaum einen Sinn...

    Das ist ja wie wenn ich meinen Nachbarn erlaube mir etwas zu stehlen, ihn anschließend anzeige und vor Gericht aussage das ich ihm den Diebstahl erlaubt habe...:ratlos:
     
    #18
    brainforce, 8 Juni 2010
  19. aiks
    Gast
    0
    Aber so eine Tat hat ja dann wenig mit SM zu tun. Man kann den Partner ja wegen zigtausend erfundenen und geschehenen Taten anzeigen.
    Wenn ich ihm z.B. erlaub Geld für den Parkautomat ohne Fragen immer von mir zunehmen würde sich das innerhalb von Jahren auch zu einer stattlichen Summe summieren. Oder ein Sexunfall oder Ansteckung von Geschlechtskrankheiten - und seien es nur Pilze - und vieles vieles mehr.

    Man muss halt einfach darauf vertrauen, dass man mit keinem absoluten Arschloch zusammen ist.
     
    #19
    aiks, 8 Juni 2010
  20. User 20579
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    Verheiratet
    @aiks: Naja, ich würde mich nicht grundsätzlich auf ein Buch von 2004 verlassen.

    Letztlich kann es auch immer noch sein, dass man bei einem Richter landet, der eben sehr wohl findet, dass das gegen die guten Sitten verstößt.

    Es sollte einem bei SM-Praktiken, je extremer sie werden, schon klar sein, dass das rechtlich problematisch werden kann. Die guten Sitten definieren sich über das "Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden" - und da kann man sich natürlich gerne fragen, wie das Anstandsgefühl in einem eher konservativ geprägtem Gerichtsbezirk vom Richter verstanden werden könnte.

    Ich würde da im Zweifel aktuelle Gerichtsentscheidungen in meiner Region googeln und schauen, ob ich was finde. Letztlich muss jeder selber wissen, wo er die Grenze zieht.

    Für mich persönlich (!) ist die Grenze bei körperlichen Verletzungen schon erreicht. Und ich finde auch, dass alles dadrüber zumindest stark grenzwertig ist. Der Kannibale von Rothenburg hatte auch die Einwillung seines Opfers - ist eben die Frage, wo man da eine Grenze ziehen möchte.

    Ich würde mich als dominanter Teil bei derartigen Praktiken wohl auf Sachen beschränken, die später nicht unbedingt nachweisbar sind und "echte" Verletzungen eher lassen. Wer das nicht möchte, geht eben ein gewisses Risiko ein. Letztlich ist das wie immer Vertrauenssache und eine Frage, wie gut die Beziehung sonst auch läuft.

    Auf "aber der andere Teil war doch einverstanden" würde ich mich im Zweifel nicht verlassen.
     
    #20
    User 20579, 8 Juni 2010

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