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was ist ich?

Dieses Thema im Forum "Off-Topic-Location" wurde erstellt von Sokrates, 12 April 2002.

  1. Sokrates
    Gast
    0
    nein, kein grammatischer fehler, auch kein heiteres rätselraten.

    vielmehr möchte ich mich mal wieder mit einer philosophioschen frage an euch wenden.
    wer an so etwas lieber keinen gedanken verschwendet, der darf diesen thread jetzt gerne verlassen :zwinker:

    ich habe mich gefragt, was ist ich? oder vielleicht auch, wer oder was bin ich?
    aber da das alles noch sehr mißverständlich ist und ich lauter fragezeichen über den bildschirm huschen sehe, fang ich am besten mit einem beispiel an.

    nehmen wir an, ihr habt ein portemonaie gefunden. zu dem ist eine ganze menge geld darin. mit sicherheit gibt es zwei stimmen in euch. die eine sagt:
    "wer so viel geld hat, der wird das hier nicht vermissen, aber meinem konto wird es gut tun" *diabolisch grins*

    doch da ist noch eine andere:
    "ach, der/die ist bestimmt verzweifelt. ich kann das doch nicht einfach einstecken."

    mal unabhängig, wie ihr euch entscheiden würdet. was ist das ich? ist das ich der dieb? oder der ehrliche? oder ist das ich das, was die entscheidung trifft? ist das ich das ausgeführte oder vielleicht doch das unterdrückte?

    nun,sicherlich keine weltbewegende frage, aber mich beschäftigt es schon.
    mit schul-philosophie argumentiert würde man wohl folgendes aussagen: es gibt das ES (die triebe, instinkte), das ÜBER-ICH (verstand) und das ICH, das die symbiose aus ES und ÜBER-ICH ist.

    ist auch nachzuvollziehen. dennoch frage ich mich manchmal, ob ich wirklich der bin, der ich denke zu sein, oder ob ich mein ich eigentlich gar nicht kennen lernen will.
    besonders stellt sich mir diese frage, wenn ich etwas lese wie "sei einfach du selbst". nichts gegen diese worte. auch ich bin ein verfächter der natürlichkeit. aber wann ist man ich? ständig unterdrücken wir gedanken oder triebe, verstecken uns / unser inneres mehr oder minder stark. ist das ich wirklich das, was aus dem denken resultiert, das, was letztendlich handelt? oder wird unser ich von gruppenzwängen, traditionen etc. unterdrückt?

    wenn einem einer sagt, "du bist ein echter freund" oder "du bist so nett" oder was auch immer. sind wir das? müßte man nicht erwiedern, "wenn du wüßtest"?
    zugegeben: wenn man nicht darüber nachdenkt, spielt es auch keine rolle, was das ich ist. dann wird man wohl bis in alle ewigkeit denken, "ich bin ich".
    aber für mich war diese frage immerhin wichtig genug, sie euch zu stellen.

    nun, was denkt ihr? ist das ich das wilde tier in uns? das, was das tier zähmt? oder das gezähmte tier? vielleicht auch nichts, oder etwas anderes.

    ich werde an dieser stelle gespannt auf eure ansichten warten :zwinker:

    greetz
     
    #1
    Sokrates, 12 April 2002
  2. eheu
    eheu (32)
    Verbringt hier viel Zeit
    177
    101
    1
    vergeben und glücklich
    genau genommen, würd ich sagen, dass das ES das eigendliche ICH ist... das ICH (so wie Freud es beschreibt) ist ja die bestmögliche aufeinander-abstimmung zwischen ES und dem ÜBER-ICH... wobei das ÜBER-ICH ja eigendlich nur, die Regeln, und moralischen Begriffen sind, die uns von klein an eingetrichtert wurden... und genau dieses ÜBER-ICH beeinflusst das ICH insoweit, dass wir darüber nachdenken, ob wir das Geld aus der Börse nehmen sollen, oder nicht...

    nehmen wir an, jemand wächst ganz ohne Regeln auf, ohne irgendwelche moralischen Einflüsse... dann müsste doch eigendlich sein reines ich immer und überall zu sehen sein, da er ja nur das ES ist und lebt und vom ÜBER-ICH nicht beeinflusst wird und daher würde er die Geldbörse ohne bedenken nehmen und das Geld einstecken! Daraus folgere ich dass, das eigendliche ICH mit dem ES gleichzusetzen ist... unser ICH sind unsere Triebe...

    Das mit dem "sei wie du bist" find ich genauso absurd wie du... unser ICH ist so von unseren Regeln, der Moral und der Ethik beeinflusst, dass wir garnichtmehr wir selber sein können, höchstens in kleinen Ansätzen...


    soviel zu meiner Gehirngymnastik

    lG Uwe

    [edit] noch was... ich glaube, hier kann keiner wirklich genau sagen, was das ich ist (wenn es überhaupt jemand kann), da wir alle selber garnicht wissen, was unser eigendliches ich ausmacht...

    und das mit dem "wenn du wüsstest" hab ich auch schon ein paar mal gesagt, und die anderen waren dann immer total entsetzt *grinz* :grin: ...ist glaub ich schon ein schritt in richtung wahres ich, wenn man sowas sagt (denn wenn man sowas sagt, hat man sich zumeist schon gedanken darüber gemacht, was das ich ist)[edit]
     
    #2
    eheu, 12 April 2002
  3. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
    2.206
    133
    47
    nicht angegeben
    Ich finde diese Schultheorie eigentlich gar nicht so schlecht. Ich beschäftige mich auch gerne und intensiv mit Philosophie, und bin nach lebenslangen Überlegungen soweit fortgeschritten, dass ich der Ansicht bin: Das Ich ist weder das Tier, das gezähmte Tier noch der Zähmer, sondern alle zusammen.
    Das Ich kann man nicht unterdrücken. Nach außen hin kann man sich bemühen, es nicht zu zeigen, aber das Ich kann man trotzdem nicht unterdrücken, weil der Unterdrücker, der Zähmende, ein Teil vom Ich ist. Auch die Tatsache, dass man sich ständig bemüht, seine Instinkte zu unterdrücken, ist eine Eigenschaft, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger stark ausgeprägt. Selbst die Vernunft ist eine Art Instinkt. Zwar kein Instinkt im üblichen Sinne, aber trotzdem ist die Vernunft insofern ein Instinkt, dass sie automatisch angewendet wird und uns hilft, zu überleben- auch wenn jeder auf eine andere Art und Weise überlegt.
    Das Es und das Über-Ich arbeiten demnach zusammen, um ihr Ziel zu sichern: Überleben. Bewahren. Sie haben dieselben Wurzeln, und genau, wie Instinkte eine Art Vernunft sind, ist die Vernunft eine Art Instinkt. Denn der Instinkt ist vernünftig- oder was ist es sonst, vor dem Feuer wegzulaufen, wenn nicht vernünftig? Und auch die Vernunft ist instinktiv, denn sie ist eine Art Trieb, der sich einstellt und zum Überleben beiträgt.
    Der einzige Unterschied: Vernunft ist bewusst, Instinkt nicht. Vor dem Feuer rennt man weg, ohne nachzudenken. Über Anlageberatung denkt man nach. Aber beide Situationen, so verschieden sie sind, haben das Ziel des Überlebens.

    Und was ist dann das Ich der Schultheorie?
    Ich möchte es nicht Ich nennen; das gezähmte Tier macht nicht mehr vom Ich aus als der Zähmende oder das Tier. Nennen wir es Bindeglied oder auch Denkprozess. Es entscheidet, wenn auch meistens unbewusst, nachgedacht werden soll, und wenn ja, in welchem Maße. Das ist meiner Meinung nach das gezähmte Tier- die Instanz, die entscheidet, welche von den beiden anderen gerade die Oberhand hat bzw. in welcher Kombination sie auftreten sollen. So gesehen ist es mächtig, weil es über die anderen beiden bestimmt. Aber andererseits ist es widerum ein Teil von den beiden anderen: Die Entscheidung, die es zu fällen hat, ist ebenfalls vernunft- und instinktgesteuert.
    Also: Der Instinkt steuert die Vernunft, die Vernunft den Instinkt, der Instinkt das Bindeglied, das Bindeglied den Instinkt, das Bindeglied die Vernunft, die Vernunft das Bindeglied. Hier herrscht jeder über den anderen. Jeder braucht den anderen. Und meiner Meinung nach sind sie untrennbar miteinander verbunden und bilden als Verband das ICH.

    Soweit zur Theorie. Meiner persönlichen Theorie; den Widerspruch überlasse ich jedem einzelnen, Theorien werden erst durch Widersprüche interessant.
    Eine Rose besteht aus einem Haufen verschiedener Zellen, die Zellen bestehen aus Zellplasma, Mitochondrien, einem Kern und anderem, diese bestehen aus... man kann es fortsetzen, aber nicht unendlich weit, und man wird es auch nie unendlich weit fortsetzen können. Unsere heutige Wissenschaft kommt bis zu Protonen, Neutronen und Elektronen. Ab da wird es unbegreiflich, und nähere Einzelteile können nicht bestimmt werden. Wer genau sagen kann, wie ein Elektron aufgebaut ist, verzweifelt an der Frage nach dem Grund. So kann man letztendlich nur zu dem Schluss kommen: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist...
    Und trotz Millionen von Theorien und Analysen zum Ich kann der letzendliche Schluss nur lauten: Ich ist Ich ist Ich ist...
    Egal, wie sehr man diese Bestandteile auseinanderpflückt. Die einzig genaue Beschreibung ist nach wie vor: Das Ich ist das Ich. Und deshalb erhebe ich mit meiner Theorie keineswegs den Anspruch, genau zu sein.

    [edit] eheu war schneller... und dazu muss ich jetzt unbedingt noch was sagen: Ich glaube, dass der Mensch von Natur aus eine Anlage zur Moral hat. Er wird zwar in seinen Moralvorstellungen stark von der Gesellschaft beeinflusst, aber ich wette, wenn jemand fern jeder Zivilisation aufwächst, würde auch er seine eigene Moral entwickeln. Der Mensch ist meiner Ansicht nach nicht einfach nur ein Tier. Der Mensch kann einsehen, dass sich die Welt nicht um ihn dreht und andere Wesen ebenfalls Gefühle haben. Und ich glaube, diese Tatsache ist es, die dem Menschen die Anlage zu Moral, Mitleid und Mitgefühl geben- nicht die Gesellschaft!
     
    #3
    Liza, 12 April 2002
  4. eheu
    eheu (32)
    Verbringt hier viel Zeit
    177
    101
    1
    vergeben und glücklich
    @Liza:
    ich denke nicht, dass der mensch mehr anlage zur moral hat, als irgendein anderes tier. der unterschied ist nur, dass sich die gattung mensch zu größeren "rudel" zusammenrottet (abgesehn von ameisen... allerdings ist das gefüge in einem ameisen-bau viel komplexer als in einer stadt) , als irgendein anderes lebewesen und dadurch ist der moral-begriff ausgeprägter, als bei anderen tieren. Tiere haben meines erachtens nicht weniger moral, als menschen.
    Stimmt, der mensch ist nicht einfach nur ein tier, es ist das abgrundtief schlechteste tier, dass ich kenne. Es ist mit abstand das egoistischste tier, das einzige tier, das seine umwelt zerstört und das einzige tier, dass grundlos andere tiere (größtenteils auch wieder menchen... es gibt nur wenig tiere, die artgenossen töten) umbringt. Der Mensch kann einsehn, dass andere lebewesen auch gefühle hat, nur dein meisten sind diese Gefühle scheiss egal!!

    (gehört, jetzt aber nicht zum thema :zwinker: )
     
    #4
    eheu, 13 April 2002
  5. Beastie
    Beastialische Beiträge
    10.758
    218
    254
    Single
    ich denke, dass ich is das wie du dich entscheidest und das wassu innerlich (und vielleicht auch nur geheim für dich) denkst..
    wenn du also, sagen wir mal eine perverse ader hast, ist das ein teil von deinem ich..dassu es nich raushängen lässt is die gesellschaft, die das verbietet..aber an deinen gedanken ändert das auch nix...
    zu deinem ich gehört auch deine einstellung..also rechts oder links zb..demnach is das ich auch von erfahrungen und vom umfeld (eltern, freunde etc) abhängig..

    also so sehe ich das zumindest
     
    #5
    Beastie, 13 April 2002
  6. Daucus-Zentrus
    Verbringt hier viel Zeit
    1.035
    121
    1
    nicht angegeben
    @eheu:
    Woher kommt die Moral, wenn jeder Mensch sie aufgezwungen bekommt?
    Wer hat sie sich ausgedacht?
    Wofür soll sie gut sein?
    Haben Tiere auch eine Moral - oder sind scheinen ihre Handlungen nur manchmal moralisch?
    Kann es sein, dass andere Lebewesen ihre Artgenossen nur deshalb nicht töten, weil sie nicht den Vorteil für sich selbst sehen?
    st Moral nur ein Abkommen einiger, um gegenüber einem einzelnen Vorteile auf Kosten des einzelnen zu haben?
    Wenn du das Portmonee zurück gibst, tust du es dann nur wegen des Finderlohns? - oder weil du hoffest, dass man dir im ungekehrten Fall das Geld auch zurück bringt? - oder weil dich andere ( die, die dir die Moral aufzwingen) dich dazu veranlassen?

    So, jetzt der Grund warum ich das Portmonee zurückgebracht habe: Natürlich habe ich zuerst gedacht: "Hey, das Geld könntest du echt gut gebrauchen!" Aber dann habe ich mich daran erinnert, dass ich auch einmal mein ganzes Geld verloren hatte, schon wahnsinnige Angst vor der Reaktion meiner Eltern verspührte und auch deshalb völlig verzweifelt einige Stunden nach dem Geldbeutel suchte ( Es stellte sich heraus. dass Geld war mir geklaut worden. ) Bevor ich aber den Verlust meines Portmonees überhaupt gemerkt hatte, saß ich schon in einem Restaurant und bekam gerade mein Essen. Ich wollte direkt bezahlen, konnte aber natürlich nicht... . Zu meinem Glück sagte die Kellnerin, dass ich doch einfach beim nächsten Mal zahlen sollte - ohne zu wissen, ob ich jemals wieder kommen würde!
    Ich bin dann am nächsten Tag wieder hin, hab bezahlt und die Kellnerin hat mir sogar extra das Getränk nicht berechnet.
    Deshalb habe ich das Geld zurückgebracht. Das Portmonee gehörte einem kleinen Jungen ( Wieso hat ein so junger Kerl schon so viel Taschengeld?! ). Als er sein Geld zurück erhielt, konnte man richtig die Freude, die Dankbarkeit in seinen Augen sehen. Ich starrte ihn für einige Sekunden an und plötzlich konnte seine Gefühle auch in mir fühlen.
    Als ich die Geschichte meinen Freunden erzählte, dachten einige bestimmt: Wie heroisch das Geld zurückzubringen! Andere mögen gedacht haben: du Depp! Ich dachte nur: So bin ICH halt.
     
    #6
    Daucus-Zentrus, 13 April 2002
  7. Liza
    Liza (32)
    im Ruhestand
    2.206
    133
    47
    nicht angegeben
    @eheu: Stimmt, der Mensch kann sehr, sehr schlecht sein, schlechter als jedes Tier. Aber ich glaube nicht, dass das der wahre Unterschied zwischen Mensch und Tier ist, denn hinter all dieser Schlechtigkeit und diesem Egoismus steckt was ganz anderes- schließlich ist der Mensch nicht "einfach so schlecht".
    Der Mensch ist das einzige Tier, das fähig ist, über sich selbst nachzudenken.
    Und ich glaube, dass DAS der entscheidende Unterschied vom Menschen zum "gewöhnlichen" Tier ist.
    Diese Überlegungen können ohne Frage einen schlechten Lauf nehmen... und das ist auch schon oft genug geschehen. Diese Fähigkeit scheint eine Art Strafe zu sein, ist aber gleichzeitig ein Geschenk... Ich möchte kein Tier sein, denn selbst wenn ich dann "besser" wäre, könnte ich es nicht erkennen... Als Mensch aber kann ich mich bewusst bemühen, ein "gutes" Leben zu leben und stolz darauf sein, wenn es mir gelingt.

    Und immer noch glaube ich, dass Moral dem Menschen angeboren ist, da es ein Teil der Fähigkeit, über sich nachzudenken, ist... Würde man einen Menschen in einen isolierten Garten sperren, von Geburt an, würde er sich mit den Jahren Gründe für den Wechsel der Jehreszeiten ausdenken. Kein Tier würde das tun. Holt man diesen Menschen in einen Raum mit zwei anderen Menschen, versteckt eine Münze, schickt einen der beiden aus dem Raum, versteckt die Münze dann woanders und fragt anschließend den isolierten Menschen, wo der andere, der vor der Tür steht, wohl die Münze suchen wird, wenn er hineinkommt- der Mensch wird ohne zu zögern auf das erste Versteck weisen. Kein Tier würde das tun, selbst wenn man ihm begreiflich machen könnte, worum es geht, denn das Tier kann sich nicht in den anderen hineinversetzen.
    Und ich glaube, dass es das ist, was uns die Anlage zur Moral liefert, nicht die Gesellschaft. Die Fähigkeit, uns in andere hineinzuversetzen. Denn wenn der Mensch tatsächlich nicht mehr Anlagen zur Moral hat als ein Tier- warum hat er überhaupt jemals Moralvorstellungen aufgebaut und die Tiere nicht? Das hat der Mensch schon getan, als noch nicht so viele Menschen auf einem Haufen zusammenlebten. Warum tun es Tiere, die in einer großen Herde von 50 Mitgliedern leben, nicht?

    Ich bestreite übrigens gar nicht, dass die meisten Moralvorstellungen heutzutage von der Gesellschaft eingetrichtert werden. Ich glaube nur, dass ein Mensch auch isoliert von der Gesellschaft eine Moral entwickeln würde.


    [edit] *grummel* Und wieder ist mir jemand zuvorgekommen... *g*
     
    #7
    Liza, 13 April 2002
  8. Sokrates
    Gast
    0
    wie ichs mir gedacht hab: keine einheitliche meinung :grin:
    aber wozu auch? dann wär das leben doch langweilig :zwinker:

    doch zum thema.
    erstmal stimm ich eheu zu; es wird wohl zu lebzeiten niemandem gelingen, das zu bestimmen, was das ich ist. wie auch niemand sagen kann, ob ich tatsächlich hier was ins forum schreibe. aber der mensch ist ja schon zu frieden, wenn er eine lösung hat, die (scheinbar) keine widersprüche enthält. wenn sie zudem noch einfach ist: prrrima.

    ich denke, unser ich macht alles das aus, was in uns wohnt. also sowohl die triebe, die instinkte, von mir aus auch perverse neigungen, der verstand. doch wohl auch das, was wir sein könnten, aber nicht sind. das ich ist gewissermaßen die symbiose von allem, was man mit sich in verbindung bringt.
    ich bin ebenso der jäger, wie ich auch tierfreund bin. ich bin freund, wie ich feind bin. herzlos wie gefühlvoll. eine welt voller gegensätze. oder: die gespaltene persönlichkeit?
    das potential wohnt in uns, in alle möglichen richtungen weist der weg. wohin der weg geht, das letztendlich entscheidet das ich. allerdings nimmt das ich den wegweiser jedesmal aufs neue mit auf die reise, um jederzeit jeden weg gehen zu können. zwar wird sich mit der zeit ein trampelpfad bilden, aber mit dem richtigen (dem falschen?) werkzeug sind auch alle anderen wege noch begehbar.

    schön, oder? :zwinker:

    ach, hätt ich jetzt fast vergessen: zur moral wollt ich ja auch noch etwas sagen.
    erstmal möcht ich festhalten, daß der mensch wohl ohne zweifel für moral sehr empfänglich ist (wobei ich hier moral nicht mit "guter" moral gleichsetze, um mißverständnisse verzubeugen). nun ist die frage, ob der mensch tatsächlich eine art grundmoral bei geburt in sich trägt oder nicht. ich denke ja. allerdings denke ich auch, daß die nicht "aktiviert" ist. in der gesellschaft (also im normalen leben) wird sie zwangsweise aktiviert - fast jede handlung die wir ausführen ist eine moralische handlung. die moral wird wohl meist unbewußt in das handeln mit einbezogen, was wiederum für eine angeborene moral sprechen würde.
    interessant ist nun wirklich, ob ein isoliert von menschen lebender mensch eine "aktivierte" moral besitzt oder nicht. tja, das könnte wohl nur ein experiment zeigen. aber mal ehrlich: wie soll man ein solches experiment durchführen? selbst wenn man es durchführen könnte, wie sähe die auswertung aus? "hey du: hast du moral?" wirds kaum tun. da wäre das problem der verständigung. außerdem: sobald er in kontakt mit menschen kommt, könnte wieder ein störfaktor in das system geraten. also: vergessen wir das experiment :zwinker:

    und kurz zum thema egoismus:
    jeder mensch ist egoistisch. der mensch wird nie eine handlung ausführen, die nicht selbstdienlich ist. was uns davon abhält(?), zu raubenden, mordenden und wilden monstern zu verkommen, ist die moral. im volksmund auch "schlechtes gewissen". allerdings hält uns die moral nicht davon ab, egoistisch zu handeln, die verlagert lediglich das ziel. man erkennt also (zumindest sollte man), daß es auch selbstdienlich sein kann, sich mit anderen einzulassen, ihnen zu helfen etc.

    und zum schluß noch eine frage zum nachdenken:
    wenn ein mensch denkt, der keine sprache hat, wie denkt er dann? denkt er in bildern? oder schafft er sich automatisch begriffe und somit eine sprache? macht uns erst die sprache zu "höherem" denken fähig?

    hm, hab das gefühl, ich hab was vergessen...
    aber das sollst erstmal gewesen sein.

    greetz :smile:
     
    #8
    Sokrates, 14 April 2002
  9. Daucus-Zentrus
    Verbringt hier viel Zeit
    1.035
    121
    1
    nicht angegeben
    @Sokrates: Ich bin zwar nicht sicher, ob du ne Antwort auf deine letzte Frage haben willst, das hindert mich aber nicht hier meine Meinung dazu zu schreiben:
    Das bisschen, was ich über die Denk-Funktion und die Lernfunktion des Gehirns gelesen habe, lässt mich zu dem Schluss kommen: Der Mensch kann auch ohne Sprache sehr gut denken und benutzt dazu Bilder! Zur Erklärung: Das menschliche Gehirn besitzt einen digital denkenden Teil ( für Sprache, Zahlen... zuständig ) und einen analogen Teil ( für Bilder... zu ständig ). Grundsätzlich scheint die Arbeit mit dem analogen Teil leichter zu sein.
    Wir lernen z.B. viel leichter neue Vokabeln ( die ja digital sind ), wenn wir das passende Bild/Beispiel dazu kennen. Das lässt sich z.B. so ausprobieren, indem man sich ein unbekanntes - mögl. langes - Wort aus dem Fremdwörterbuch sucht, was keine Signal-Silben ( wie de-, in- usw. ) enthält, und versucht es sich, ohne eine Vorstellung davon zu haben, zu merken. Es wird einem nur unter größten Schwierigkeiten gelingen, meist nur unter dem Trick, dass man sich die einzelnen Buchstaben des Wortes als große, dicke Buchstaben in Bildform vorstellt, aber dann hat man auch schon wieder in Bildern gedacht.
    Im Gegensatz dazu ist es uns aber möglich "nur" in Bildern zu denken. Angenomen wir würden von Bananen leben und diese Bananen fänden wir nur in einem Labyrinth. Beim ersten Mal würden wir den Weg durch das Labyrinth suchen. Beim zweiten Mal hätten wir schein den Weg in einer Art Kartenform in unserem Kopf und erreichten so unsere Bananen. ( Dieses Beispiel ist für uns entwickelte Menschen wohl nicht ganz authentisch, weil wir beim Weg-Wiederfinden wahrscheinlich andere Mittel des Gehirns benutzen würden. ) Wie man sieht, hätten wir die Bananen völlig ohne Sprache bekommen.
    Man muss aber sagen, dass diese geringe Denkkomplexität nicht zu unserem heutigen Denkvermögen gereicht hätte! Unser heutiges Denkvermögen konnte nur entstehen, weil mehrere Menschen miteinander kommunizierten. Das musste nicht über Worte geschehen - ich behaupte jetzt mal, Imitation ist auch eine Form von Kommunikation -, ich beantworte Teil b) deiner Frage ( höheres Denken + Sprache ) damit aber mit "ja", wenn du Sprache und Kommunikation gleich gesetzt hast. Ansonsten - ohne die Kommunikation - wäre es mit dem Denken von mehreren Menschen wohl so, als ob jeder denkende Menschen ein wunderschönes Puzzelteil besitzt, die Katze wird aber erst sichtbar, wenn man alle Teil zusammensetzt. Der Mensch mag so viele tolle Ideen in seinem Kopf entwickeln, wenn man sich nicht mit anderen darüber austauscht, bleiben alle Ideen nur einzelne Puzzelteile.
    So, und jetzt will ich wissen, was du darüber denkest, wie du deine Frage beantwortest!
     
    #9
    Daucus-Zentrus, 14 April 2002
  10. Sokrates
    Gast
    0
    tja, hab nicht erwartet, daß jetzt jemand auf die letzte frage antwortet, aber so störts mich auch nicht :zwinker:

    muß schon sagen, daß ich deine argumentation gut nachvollziehen kann. und ja, jede art von kommunikation ist eine sprache.

    die sache mit dem komplexeren denken ist die: man kann das auch tun, wenn man von null anfangen muß, allerdings kommt man dann nie soweit, als wenn man auf vorhandenes wissen zurückgreifen kann. und da beim denkvermögen der trainingsfaktor eine entscheidende rolle spielt (oder irre ich mich da?), ist die beantwortung von b) mit ja wohl durchaus akzeptabel. ich kann mir aber auch vorstellen, daß ohne sprache komplexe denkvorgänge möglich sein könnten: durch hinreichend zeit und/oder vererbung.

    ich hatte mir am ende meines letzten posts über die beantwortung der frage eigentlich nicht viel gedanken gemacht, mir stellte sich die frage nur beim durchlesen der anderen posts.
    naja, es gibt auch fragen, die müssen nicht beantwortet werden. da reicht es, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
    hm, irgendwie ist das ja auch eine art von beantwortung :rolleyes:

    so, werd jetzt meinen joghurt zu ende essen :zwinker:

    greetz
     
    #10
    Sokrates, 15 April 2002
  11. Daucus-Zentrus
    Verbringt hier viel Zeit
    1.035
    121
    1
    nicht angegeben
    Wie Joghurt? - Keine Bananen??? :zwinker:
     
    #11
    Daucus-Zentrus, 16 April 2002
  12. unglücklich
    0
    lang ists her

    seit ich das letzte mal hier war aber zu einem philosophie-thread muss ich einfach posten :smile: (philosophie ownt)

    ich denke mal man darf diesen begriff "ich" nicht einfach ver-pauschalisieren! Zuerst müsste man mal definieren wie man sich selbst sein ich vorstellt d.h. besteht mein "ich" jetzt nur aus körperlichen (instinkte usw) oder mehr aus seelischen (erlernte oder instinktive handlungsschemata) Attributen. Für mich ist mein "ich" einfach definiert - ich, das ist der, der gerne witze macht aber auch sehr oft depressiv ist und über Tod u.ä nachdenkt. Wenn man die betrachtung seines Körpers nicht in diese Definition nimmt kann man sagen, dass "ich" eigentlich nur eine Folge von individuellen gewohnheiten ist d.h. dass man z.b. eine eigene ausdrucksweise hat, ähnlich auf wiederkehrende situationen reagiert usw. Sozusagen etwas, dass auf dem eigenen Erfahrungschatz basiert.
    Allerdings hat jedes "normale" "ich" seine Grenzen an den Gesellschaftsüblichen Normen, Regeln und Gesetzen. Ich kann mich ja bei Diebstall nicht damit rausreden dass das mein "ICH" war und das ich da eigentlich gar nichts dafür kann.
     
    #12
    unglücklich, 16 April 2002
  13. Sokrates
    Gast
    0
    ich glaub du hast nicht ganz verstanden, worauf ich hinauswollte - ich stell jetzt mal dahin, daß ich dich verstanden hab *g*

    für mich war die frage, ob das ich z.b. das ist, was jeden tag zur arbeit/schule/uni oder sonstwohin fährt, oder vielleicht her das, was nicht fahren würde. oder beides.

    anders formuliert: ist das ich das in einem, was ans "tageslicht" gerät oder vielleicht doch das versteckte, was man unterdrückt?

    ich mein, ich bin sehr umgänglich und generell ein netter typ, aber es gibt auch eine seite in mir, die ein egoistisches und selbstgerechtes arschloch ist - auch wenn die seite zum glück in unterdürckung lebt. gehört diese seite dann zu meinem ich? oder eben nicht, weil ich sie ja unterdrücke? bist du der, der gern witze macht, oder vielleicht doch der, der witze albern findet? oder beides?

    aber hast recht: philosophie ownt :zwinker:

    greetz
     
    #13
    Sokrates, 16 April 2002
  14. Teufelsbraut
    teuflisch gute Beiträge
    4.742
    121
    2
    vergeben und glücklich
    Jeder dieser Charakteristika oder "Persönlichkeiten" (wies die Wissenschaftler nennen) gehören zu unserem ICH - wir sind das Gesamtbild, egal welche dieser Teile unterdrückt, ausgelebt oder in Symbiose mit den anderen Teilen lebt.
    Manche Dinge sind angeboren (wie zb "das Kind" oder "der Ur-Mensch", wobei letzterer für die niederen Instinkte steht), andere kommen durch Erfahrung, leben und lernen dazu und werden Teil von uns selbst.
    Und es ist uns nur teilweise vergönnt, wirklich Regie zu führen, und zu sagen, welcher Teil jetzt zum Zug kommt und das sagen hat - die meiste Zeit macht es sich selbstständig... auch jetzt, während ich schreib und auch nachher wenn ich ins Bad gehe.

    Es stimmt schon, wir könnten auch nur mit unseren Instinkten leben (insofern sie nicht im Laufe der Evolution schon zu sehr verkümmert sind) - aber da uns als einziges Säugetier ein "Ich-Bewußtsein" mitgegeben wurde (blubbert irgendwo in der Gehirnrinde rum *g*) ist es halt nicht mehr so einfach.
    Es eröffnet quasi für Tiere schier unmögliche Verhaltensweisen... und auch Gedanken.
     
    #14
    Teufelsbraut, 16 April 2002

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