Willkommen auf Planet-Liebe

diskutiere über Liebe, Sex und Leidenschaft und werde Teil einer spannenden Community! :)

jetzt registrieren

Was vom Tage übrigblieb...

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von Der Poet, 18 November 2007.

  1. Der Poet
    Der Poet (32)
    Verbringt hier viel Zeit
    77
    91
    0
    Single
    Wenn ich morgens mit dem Bus zur Uni fahre, und die eine Stunde in die Landen zieht, dann schlafe ich manchmal. Ab und zu lese ich ein Buch oder höre Musik. Und dann gibt es wieder die Tage, an denen ich in der absoluten Dunkelheit losfahre; dann, wenn alles still ist, und man nur den eigenen Atem im Gesicht spürt, sowie den eigenen Herzschlag hört. An diesen Morgen sind keine Menschen auf den Straßen zu sehen, keine Autos in der Nähe. Straßenlaternen werfen keine Schatten außer den meinen auf den Bordstein. Von Weitem hört man unter Umständen noch unsere Industrie, die mit metallischen Klängen diese wunderschönen Morgen untermalt. Es ist ein Stück Heimat, das ich empfinde. Jeden Morgen, wenn ich aus dem Haus gehe; langsam in die Stadt zur Bushaltestelle. Vorbei an Häusern, deren Lichter schon seit Stunden erloschen sind. Deren Bewohner vielleicht beim Aufstehen den Schleier in den Augen beiseite schieben, nachdem sie eine Nacht lang einen schönen Traum geträumt haben. Vielleicht träumen sie ja gerade? Ist es vielleicht eine Berührung eines Bekannten vom Vortage, die den Schlafenden nun in seinem Schlafe erreicht und ihn nun fragt, ob er wisse, dass dies eine Geste der Zärtlichkeit gewesen ist? Was er zu antworten vermögen würde, weiß ich nicht. Es ist das undurchschaubare Geheimnis einer Nacht, dass sich nur edlen Gemütern zeigt; und offenbart es sich, dann erstrahlen beide Menschen in einer beinahe unbewussten Flut von Wärme und Aufregung, die sich nur flüchtig zeigen, um ihnen nur einen kurzen Einblick in das Mysterium einer liebevollen Berührung zu geben. In manchen Häusern flackert das Licht eines Fernsehers. Der verzweifelte Versuch einzuschlafen? Wie muss es sein, einen schönen Tag verbracht zu haben, und dennoch nicht träumen zu können? Wie muss ich damit leben, einen lieben Menschen getroffen zu haben, und diesen nicht in meinem Innersten festhalten zu können? Oder ist es das erste Flackern des Fernsehers an diesem Tage? Menschen, die gerade aufgestanden sind, sitzen gerade am Frühstückstisch bei einer heißen Tasse Kaffee oder Kakao. Noch völlig in ihre eigene Welt vertieft sitzen sie am Tisch oder auf der Couch und wünschen sich nichts anderes als den Stillstand der Zeit. Dieses wunderbare Gefühl von gerade Erlebtem in der Nacht; stehend zwischen Wirklichkeit und Traum. Ist es nicht das, was uns leise ein „Guten Morgen“ ins Ohr flüstert? Brötchenkrümel fallen auf den Teller, während die durch ein edles Tuch bedeckten Augen in ein verträumtes Funkeln schauen; sie spielen ihre eigene Melodie an diesem frühen Morgen, während draußen jemand auf dem Weg zu seinem Bus ist.

    Der Weg zur Bushaltestelle dauert an die zehn Minuten. Und mit Gewissheit sind es die schönsten zehn Minuten an diesen Tagen, insbesondere wenn die Wolken den Mond leicht verdecken und die Sterne hinter ihnen leicht verschmitzt lächeln, um anschließend die Sicherheit des weißen Saums zu suchen. Das Licht der Straßenbeleuchtung erinnert mich an das verblasste Gelb einer Neongaslampe, welche nun Asphalt und Gemäuer in einen subtilen goldenen Überzug taucht. Auch ich durchschreite dieses Licht und werde für einen Moment Teil dieser Atmosphäre. Nicht mehr betrachtend, sondern betrachtet werdend. Gucke ich danach hinauf gen Himmel, so sehe ich die Sterne; wir Menschen schauen nur noch selten hinauf zu ihnen. In einer technisch-wissenschaftlich aufgeklärten Welt scheint dies nicht mehr notwendig. Wie oft versprechen sich Menschen den Himmel auf Erden, und die Sterne in ihrer Hand? Wie oft hört man das Einfangen von Sternschnuppen und den ewigen Wunsch von Glück im eigenen Leben? Auch ich griff einmal zu den Sternen. Sehr lange streckte ich mich nach ihnen, um auch nur einmal meine Hände in ihren Schein zu tauchen. Ein törichter Versuch, der nicht mein letzter sein sollte. Ein törichter Versuch von mir das Feuer vom Himmel zu holen und es in Deine Augen zu legen, um Dich in Deinem wundervollen Wesen zu erhellen. Um Dir im Lichte zu zeigen, dass Du, ohne es zu merken, Mittelpunkt eines sinnstiftenden Zusammenhanges bist. Zuletzt überquere ich die Straße, auf der in ein paar Stunden die Menschen in ihren Autos zur Arbeit fahren; ich erreiche die Bushaltestelle.

    Hier warte ich. Warte auf den Bus, der mich in den allmorgendlichen Lärm einer mittleren Großstadt bringen wird. Rechts von mir steht, wie immer zu dieser Zeit, ein Mann mit einer Zigarette in seiner rechten Hand. Er steht meistens sehr regungslos da. Ab und an zieht er an ihr; bläst den Rauch geradewegs raus, der sich dann in der Unsichtbarkeit verirrt. Dieser Mann ist wieder auf dem Weg zur Arbeit. Wie jeden Morgen nimmt er auf einem Viererplatz links in Fahrtrichtung Platz, ehe sein Arbeitskollege sich neben ihn setzt und mit ihm ein von endlosen Pausen getränktes Gespräch beginnt. Ich selbst bin immer fünf Minuten vor der geplanten Abfahrt da. Erneut gucke ich hoch zu den Sternen und suche mir bekannte Formationen; da oben ist es, das Sternbild Kassiopeia. Welch trauriges Schicksal ihre Tochter Andromeda erdulden sollte; welch wunderschönen Platz beide nun am Firmament haben. Wie unbedeutend meine Worte sind, angesichts ihrer beider Aussicht auf uns hier unten auf Erden. Schaut man vielleicht genauer hin, so erblicke ich hin und wieder Sternschnuppen, die für einen winzigen Moment des Tages meine Augen erhellen und ewig bleiben. Keinen Moment versuche ich zu verpassen; kein Blinzeln mit den Augen; um nichts zu vergessen. Die Vorstellung, ich bin der Einzige, der dieses Wunder sieht, macht mich glücklich. Jahrhunderte der Geschichte, eine schier unendliche Zahl an Wünschen, Gebeten und erfüllten Träumen passierten dieses eine Wunder - unbeachtet; zuletzt erscheint es mir in diesem Naturschauspiel; es hat seine Bestimmung gefunden.

    Hier denke ich dann an Dich – wie Du schläfst, und von einem Menschen träumst. Meine Gedanken erreichen aber nicht mehr die einstige Tiefe, in der ich mich verloren habe, und mich in Dich verliebte. Das, was einmal einschlafen soll, meine innere Sehnsucht nach Dir, gleicht einer derjenigen Sternschnuppen, die abends auf unsere Erde treffen und für die Ewigkeit ruhen. Sie kommt aus den Tiefen meines Wesens. Wie oft habe ich mich nach Dir gesehnt! Wie oft stand ich vor Dir und wollte Dir einen Kuss geben? Wie oft stand ich davor und trug einen inneren Kampf aus; zwischen Traumleben und bitterer Wahrheit. Wie oft schauten wir uns gegenseitig in die Augen; wie sehr Du mich in Deinen Bann gezogen hattest, wirst Du nie erfahren. Wie oft gingen wir nebeneinander und wie oft streiften sich unsere Hände? Angesichts Deiner gemachten Erfahrung ein unbedeutendes Ereignis, wenn sich Hände berühren. Doch hielt ich Deine, so fühlte ich mich stark genug, um alles mir nur Mögliche mit Leichtigkeit zu tun. Es war eine Wärme, die Du mir gabst, und mir ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Stell Dir einen grauen Ort vor, dessen einstige Zuversicht durch einen Deiner Träume geprägt ist. Einen Ort, von dem Du flüchten möchtest, um Laufen zu lernen. Deine Beine fühlen sich schwer; nur unter größter Anstrengung schaffst Du es, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Auf Deiner Brust baut sich mit jedem Schritt ein ungeheurer Druck auf; er raubt Dir den Atem. Alles, was Du in greifbarer Nähe geglaubt hast, entfernt sich rascher als der Wind. Stell Dir vor, Du liegst am Boden, gelähmt vor lauter Angst und Schmerz; einfühlend zu sein vermagst Du nicht mehr, denn jegliches Gefühl in Dir ist ausgelöscht. Nichts, wonach man sich sehnen kann – und dann kamst Du.

    Für mich war es, als wäre ich auf einem kalten Boden gelegen. Inmitten von grauen tristen Lichtern erklang eine mich auf einem subtilen Weg erreichende Stimme, die mich mit ihrem sie tragenden, warmen Hauch von Wind belebte. Eine erfreuende Vertrautheit machte sich in mir breit; füllte meinen Schmerz ertragenden, von Schlaflosigkeit und Rastlosigkeit gebeutelten Körper mit Liebevollem wie Ruhe, Zärtlichkeit und Linderung aus. Meine Augen geschlossen; die Seele hinter meterdicken Mauern meines Daseins. Du hattest einen Weg zu mir gefunden, der in mein innerstes führte. Für mich ist es wie eine schöpfende Kraft. Kannst Du Dir vorstellen, wie es ist, wenn Licht Deine Lungen durchströmt, während Du von einem lieben Menschen in einer alltäglichen Situation, wie bei einem Milchkaffee in einem Cafe, angelächelt wirst, dieser Moment aber auf einmal einer der schönsten Deines Lebens geworden ist? Genauso geht es mir. Ich treffe mich mit Dir. Eine fast belanglose Zusammenkunft zweier Gemüter, die zusammen reden möchten. Von außen betrachtet wird man zwischen uns beiden nichts feststellen können. Von meiner Warte aus betrachtet sitze ich immer wieder vor dem schönsten Gemälde; behütet und gefunden; vergebens schaue ich dieses Bild an. Faszination, Freude und Wärme strahlt es aus; Verzweiflung verspüre ich.

    Es ist, als ob ich dieses Werk stundenlang ansehe; sitzend auf einer Bank aus Holz inmitten eines idyllischen Parks, Sonnenstrahlen durchbrechen die Baumkronen, fluten Dunkelheit und Schatten in Leben. Die Luft, die mich umgibt, spielt mit den in mir ruhenden Sinnen. Ich spüre meine Haare im Wind wehen, eine Träne läuft mir an der Wange herunter; ich wische sie vorsichtig weg und erblicke eine Komposition aus Klängen, Farben und Gefühlen. Noch während meine Träne auf meinen Fingerkuppen trocknet, spült die Strömung etwas Neues ans Land und ich erblicke das Bild in einem anderen Lichte als vorher. Alles, wovor ich anfangs Angst hatte scheint für diese Momente in Luft aufgelöst. Danach holt es mich wieder ein. Und ich erkenne: Die Wogen des Meeres glätten sich, das Wasser zieht sich zurück. Übrig bleibt eine mich hoffnungslos fragenschürende Ungewissheit, angesiedelt zwischen Vertrauen und Abgrund.

    Was in mir vorgeht, wenn ich mich mit Dir treffe, habe ich gerade ansatzweise zu beschreiben versucht. Und dennoch kann ich dem nicht gerecht werden, das mir immer wieder ins Ohr flüstert, dass ich Dich nie verlieren möchte, und vor allem verlieren darf. Widrige Zeiten habe ich hinter mir. Traurige Wochen und Schmerzen habe ich mir einst durch einen einzigen Gedanken an Dich bereitet. Doch schaut man heute genauer hin, so erkenne ich mich nicht mehr wieder. Es scheint, als wärest Du der Mensch gewesen, der einen Schlüssel zu mir in der Hand hatte. Es war der Schlüssel, an dessen Schloss man sich nicht mehr erinnern konnte; ja geradewegs gar nicht an ihn erinnern konnte, weil man nicht weiß, wie er an den Bund gekommen ist. Dann war es an der Zeit; und Du öffnetest mich in einer Weise, die noch nicht zur vollen Geltung gekommen ist. Noch immer bin ich dabei, mich zu entwickeln, auf die Menschen zuzugehen; mich zu öffnen. Auch wenn ich mir wünsche, es wäre jemand anderes gewesen, der das Eis um mich herum gebrochen hätte, so bist Du dieser Mensch, der mir Raum zum Atmen gegeben hat. Mit jedem Atemzug in Deiner Gegenwart fühle ich intensiver; fühle mich stark und gesund; mit jeder kleinsten Berührung durchzieht mich ein Gefühl einer angenehmen Wärme.

    Manchmal fühle ich mich aber auch so ungemein schwach. Immer dann, wenn Du einen Blick in mich wirfst. Es ist, als könne ich nichts vor Dir verbergen. Selbst Dinge, die ich selbst in mir verloren geglaubt habe, vermagst Du, wie von einer lenkenden Hand geführt, in mir aufzudecken. Und spätestens dann erkenne ich das, was mich jeden Tag auf meinem Weg zum Bus, und auch später, begleitet: Ich habe erkannt, dass ich nicht bereit bin für die Liebe. In mir versteckt sich ein kleines Kind, welches Angst davor hat, seine Hand auszustrecken, und um Hilfe zu bitten, wenn es ihm nicht gut geht. Vertrauen ist mir genauso ein Rätsel wie die Fähigkeit, sich auf einen Menschen einzulassen, und diesen an mich heranzulassen. Und so sehr ich mir wünsche, mich nur einmal blind fallen lassen zu können, umso mehr habe ich Angst; Angst davor Schwäche zu zeigen. Angst, um Hilfe zu erbitten, wenn ich sie benötige. Angst, mein Leben nicht mit Glück erfüllen zu können. Ich habe jeden einzelnen Tag Angst davor, mein Leben lang alleine zu bleiben, so wie ich es immer gewesen bin. Weißt Du eigentlich, wie sehr ich mir wünsche, einmal mein Wahres Ich zu zeigen? Völlig losgelöst von Problemen, unbefangen von Kummer; einmal würde ich gerne Hilfe annehmen, und mich nicht dabei schämen müssen, dass ich selbst nicht die Kraft gehabt habe. Wie gerne würde ich eine mir entgegengestreckte Hand fassen, ihre Wärme spüren, und mich beschützt fühlen? Wie muss es sein, dem Anderen zu vertrauen; sich fallenzulassen und bedingungslos von ihm aufgefangen zu werden? Wie muss es sein, Liebe in mir zu spüren? Wie muss es sein, abends zu seinem Liebsten zu fahren, um mit ihm schöne Stunden zu verbringen? Wie schön muss die Vorfreude darauf sein? Wie schön muss das Leben an sich sein, wenn man jemanden hat, mit dem man Erfahrungen machen kann? Wie schön muss es sein, mit ihm auf Konzerte zu fahren; wie schön muss es sein, mit ihm das Abendprogramm zu gucken? Wie schön muss es sein, neben ihm einschlafen zu dürfen, und morgens von ihm wachgeküsst zu werden?

    Jeden Abend bist Du bei Deinem Freund. Wie genau ich mir Euer Zusammensein vorstellen muss, weiß ich nicht. Ich möchte es auch nicht, und bin froh darüber. So seltsam es klingt, manchmal habe ich versucht mir vorzustellen, ich wäre er. Vielleicht wäre es nun angebracht, meine Vorstellungen hier niederzuschreiben, aber ich kann es nicht. Jemand wie ich darf sich nicht anmaßen, Gefühle anderer Menschen zu interpretieren, geschweige denn, meine eigenen zu äußern. Ich denke nicht mehr an meine Sehnsucht nach Dir; sie schläft gerade ein, so wie ich es mir wünschte. Was kommt danach?

    Mein Leben in der Zukunft? Vor ein paar Tagen bin ich dreiundzwanzig geworden, aber immer noch weht der Wind genauso, wie ich ihn einst zum ersten Mal spürte.

    Ich spüre Wind auf meiner Haut, der mich an meine Einsamkeit erinnert. Es wie eine bloßgestellte, kühle Nacktheit in der ich mich befinde. Eine trostlose, nie endende, bleibende Hoffnung umgibt mich. Ein Baum in der Mitte zeugt von Leben, seine Äste aber sind vertrocknet, vereinzelt sprengen Äste auf, sehe das Gift in ihm, das ihm langsam das Leben abschlägt. Schaue ich zum Himmel, so verdunkeln Wolken die Sonne, und es legt sich eine warme, samtig anmutende Decke um mich. Und wie ich so umhergehe, spüre ich, wie sehr mir diese Gegend vertraut ist. Trotz all dieser latenten Traurigkeit, und all der leuchtenden Dunkelheit, strahlt dieser Ort eine sich mir offenbarende Vertrautheit aus, die mich an funkelnde Sterne erinnert, insbesondere an kleine Sternschnuppen. So sehr ich mir also etwas wie Liebe wünsche, umso mehr zieht es mich an einsame Orte; für jemanden, der sich nie hat fallen lassen können oder so etwas wie Sicherheit oder Geborgenheit kennt, sind Seen am Morgen und kühle Nebelbänke ein Stück weit zu Hause. Sie verschleiern das Offensichtliche, das ich nicht sehen möchte, weil ich nicht stark genug für die Wahrheit bin.

    Manchmal sitze ich im Zug, und beobachte mich im Fenster. Es ist wie ein Wunsch, der darin besteht, sich einmal auf der anderen Seite zu treffen und sich selbst zu fragen, ob man in dieser anderen Welt glücklich ist. Was würde ich mir antworten? Was würde mich mein Alter Ego fragen, wenn es in den Zug schauen könnte? Und es fällt mir tatsächlich schwer eine Antwort zu finden. Wenn ich tief in mich schaue, dann sehe ich nicht mich, sondern einen schlafenden traumerfüllten Wartenden. Warten auf einen Traum? Warten darauf, aus einem Traum aufzuwachen? Was ist es, das mich zu einem Träumer macht; der nachts davon träumt, auch nur eine Sekunde länger in die Augen eines ihn interessant findenden Mädchens zu blicken, bevor seine Schüchternheit ihn den Kopf senken lässt? Was ist es, das mich daran glauben lässt, dass ich einmal lieben darf? Was ist es, das mir dennoch den Mut nimmt, auf Mädchen zuzugehen; sie einfach anzusprechen, wenn sie mir gefallen? Was ist es, das mich Zweifel und Angst verspüren lässt, wenn ich Neuland betrete? Was ist es, das mich an Vorhaben verzweifeln lässt, dann, wenn ich mich stark fühle, am nächsten Tag aber auch wieder so schwach? Was ist es, das mich zu solch wunderbaren Träumen befähigt, mich aber zugleich Angst vor der Zukunft wissen lässt? Wenn ich im Zug sitze frage ich mich, ob auf der anderen Seite alles besser wäre. Noch bevor die Sonne aufgeht, sitze ich in eben jenem Zug und stelle manchmal fest, dass ich nicht lebe.

    Wie es in der nächsten Zeit sein wird, was das Leben mir bringen wird, das kann ich nicht sagen. Manches werde ich aus eigener Kraft zu stemmen versuchen, manches wiederum bedarf der Geduld. Was mir manchmal einerseits klar wird ist, dass viele Gleichaltrige schon jemanden haben, den sie lieben. Sie unternehmen viel zusammen, machen viele Erfahrungen. Sie küssen sich, sie schlafen miteinander. Sie kuscheln sich abends an ihren Liebsten, und geben sich dem hoffnungsvollen Traum hin, aufzuwachen und Jahrzehnte zusammen zu sein. Sie streiten sich, werfen sich irrationale Anschuldigungen an den Kopf, trennen sich, weinen und fluchen. Aber wiederum weinen sie zusammen, lassen sich bedingungslos fallen und reden miteinander; die ständige Angst, der Andere könnte sie wegen eines Streites verlassen, existiert nicht:

    Sie erkennen ein Stück von sich selbst in ihrem geliebten Menschen.

    Andererseits denke ich an all die zahllosen Wünsche und Vorstellungen, die nun auf dem Boden der Wahrheit ihren Atem aushauchen. Wie oft wollte ich Sie küssen? Wie oft wollte ich bei ihr sein? Wie oft, wie oft, wie oft? Wie oft habe ich neben Medusa geschlafen und den Helikon besucht? Manchmal verspüre ich ein ungeheures Potenzial in mir; und wiederum verspüre ich manchmal den Drang, meine Werke zu lesen. Mir wird dann klar, dass ich langsam wach werde; dass Blätter eines inmitten eines Garten stehenden Baumes nur deshalb fallen, um zu leben. Dass Sternschnuppen nur deshalb existieren, um unsere Seele zu nähren; sie zu wärmen und sanft zu küssen.

    Wie lange ich auf mein Glück warten muss, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich anfangen muss an mir zu arbeiten. Ich muss anfangen mich selbst zu lieben, um diesen in mir zündenden Funken als entfachtes Feuer aus mir heraus zu tragen. Vielleicht werde ich dann anfangen zu leben, und vielleicht einmal sogar glücklich sein.

    Es scheint nebelig draußen zu sein, während ein Mensch Tränen in meinen Augen erkennt.






    „In dem Moment wachte ich auf, versuchte mich an diesen Traum zu erinnern; alles, woran ich mich erinnern konnte, war: Was vom Tage übrigblieb“

    Der Poet
     
    #1
    Der Poet, 18 November 2007
  2. Der Poet
    Der Poet (32)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    77
    91
    0
    Single
    Hmm, scheint ja hier nicht viel los zu sein!

    LG Der Poet :engel:
     
    #2
    Der Poet, 18 November 2007
  3. jolle2907
    jolle2907 (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    13
    86
    0
    Single
    uff, erst mal verdauen..
    gut geschrieben! konnte man sich bildlich gut vorstellen..
    missbrauche dein Werk jetzt einfach mal also "gute Nacht" Geschichte

    :sleep:
     
    #3
    jolle2907, 18 November 2007
  4. User 77157
    User 77157 (28)
    Verbringt hier viel Zeit
    2.512
    123
    6
    vergeben und glücklich
    ja, finde es auch sehr gut geschrieben:smile:
     
    #4
    User 77157, 19 November 2007

jetzt kostenlos registrieren und hier antworten
Die Seite wird geladen...

Ähnliche Fragen - Tage übrigblieb
xStevex
Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches Forum
29 Juli 2008
5 Antworten