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wenn das Leben gemein wird

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Teoh, 20 August 2009.

  1. Teoh
    Gast
    0
    Nach drei Monaten halte ich es jetzt einfach nicht mehr aus. Ich muss mir jetzt mal was von der Seele reden/schreiben.

    Am 28.6. waren meine Eltern tief in einer Ehekriese, als meine Mama den Anruf erhielt, dass einer ihrer besten Freunde bei einem Segelausflug tödlich verunglückt ist. Ich kannte ihn nur flüchig, machte mir aber erhebtliche Sorgen um meine Mama.

    Am 19.7. gerade als meine Mama eine neue Wohnung hatte und es auch meinem Papa besser ging mit der ganzen Situation und wir alle zusammen Zukunftspläne schmiedeten, passierte das unglaubliche.
    Mein Papa verunglückte in einem schweren Autounglück. Gerade Fahrbahn, keine Bremsspuren... nach rechts abgekommen und frontal auf einen Baum geprallt. Das schlimmste was uns allen passieren konnte.
    Zwei Wochen voller Trauer, hin und her Fahrerei, Papierkram, Verabschiedung am offenen Sarg - Papas Hand ein letztes mal streicheln - bis hin zur Urnenbeisetzung. Alles Horror... wie ein schlimmer Alptraum, grausam und unwirklich. Nur leider wollte er einfach nicht enden.
    Ich bin dann vom Dorf wieder nach Hause in die Stadt gefahren. Mein Urlaub (eigentlich 33 Tage) war dahin, und an wegfahren war nicht mehr zu denken. Drei wochen Urlaub blieben mir noch nach der Urnenbeisetzung.

    Am 16.8. ging es uns allen wieder etwas besser. Meine Geschwister fuhren in den Urlaub, meine Mama begann Pläne für ein neues Schlafzimmer in Angriff zu nehmen und ich hatte mich auch wieder beruhigt und konnte die letze Woche entspannen.... bis meine Mama anrief, mit schlechten Nachrichten.
    Einer unserer besten Familienfreunde sei bei einem Autounfall tödlich verunglückt. Frontal Zusammenstoß mit einem überholenden Auto, dessen Fahrer ihn wohl nicht gesehen hatte. Drei menschen starben. Darunter unser Freund. Seine im 8. monat schwangere Frau überlebte schwer verletz, sein Sohn wurde gesund zur Welt gebracht.
    Wir stürzten erneut in tiefe Trauer.

    Ich versteh das einfach nicht... was haben wir der Welt denn getan? :geknickt:
    Die letzten Tage wurde ich beherscht von Antribslosigkeit. Man sieht einfach keinen Sinn mehr in irgendwas... und dazu kommt die Sorge um meine Mama und meine Geschwister.

    Am 24. muss ich wieder zur Arbeit. Das letzte halbe Ausbildungsjahr steht an... wie ich das schaffen soll, weiß ich nicht... vor allem plagt mich jetzt die Angst, dass die Serie weiter geht...

    Ich möchte hoffen, dass alle lieben Menschen jetzt ganz besonders auf sich aufpassen.

    Das wollt ich nur mal loswerden, um mich etwas zu beruhigen...
     
    #1
    Teoh, 20 August 2009
  2. BrooklynBridge
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    nicht angegeben
    Hey Teoh...

    :cry: das ist wirklich furchtbar traurig, du tust mir sehr leid.

    Dass es dir schlecht geht, ist ganz normal. Es ist schwer, so viel auf einmal zu verwinden. Dafür werden die Leute bei deiner Ausbildung sicher Verständnis haben.

    Das Leben ist manchmal so hässlich, aber vergiss nicht, dass es auch schöne Seiten hat. Natürlich ist es nach all den Trauerfällen sehr, sehr schwer, diese schönen Seiten auch zu sehen, aber in ein paar Wochen, ein paar Monaten, wird es dir wieder besser gehen. Was dir genommen wurde, wirst du nie wieder zurückbekommen, aber das Leben geht weiter, und auch du wirst wieder ins Leben zurückfinden... dass du Angst vor der "Serie" hast, kann ich verstehen, aber das ist natürlich Unsinn. Niemand weiß, ob sich so etwas wiederholt, aber es ist unwahrscheinlich, dass es dich erneut treffen wird, so verhext es dir auch vorkommen mag.

    Finde deinen Weg mit der Trauer klarzukommen - wenn es dir hilft, leg dich einfach in dein Bett und sei mit dir selbst allein, wenn es dir lieber ist, schnapp dir Menschen, die du liebst (und davon sind dir ja noch einige verblieben) und versuche das Leben zu genießen, dich abzulenken.
    Niemand erwartet von dir, dass du zur Zeit Höchstleistung bringst, du brauchst deine Kraft, um die Geschehnisse zu verarbeiten - aber das wirst du! Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber sie lindert den Schmerz!

    Fühle dich gedrückt ... und mein tiefes Beileid
     
    #2
    BrooklynBridge, 20 August 2009
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  3. xoxo
    Sophisticated Sexaholic
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    Verheiratet
    Ich habe dieses Jahr auch einen wichtigen Menschen verloren (Geschwisterkind/Elternteil), bin aber mit der Trauer anders umgegangen. Ich mochte Friedhöfe schon immer, der Abschied war natürlich unglaublich schwer und ich habe Rotz und Wasser geheult. Aber man hat der Welt gar nichts getan, es liegt in der Natur der Dinge, dass wir eines Tages sterben müssen. Anstelle von Antriebslosigkeit traf mich Tatendrang. Ich schöpfte soviel neue Kraft und Lebensmut, ich erinnerte mich an die Person und was sie mir im Leben gewünscht hätte. Ich habe die Person mit ganz anderen Augen gesehen, habe Tagebücher und Photos gefunden. Ich habe mit Verwandten über die Person gesprochen, wir haben uns an schöne Momente erinnert. Deine Sorge um Mama und Geschwister ist natürlich berechtigt, eines meiner Familienmitglieder hat nach dem Tod auch einen Nervenzusammenbruch erlitten. Meine größte Angst ist, nicht jeden Tag an den/die Verstorbene zu denken. Sie zu vergessen. Aber durch Erinnerungen (und Blutsverwandtschaft/Gene) lebt ein Teil von der Person immer in mir weiter.

    Einmal, als ich das Grab besuchte, kam eine alte Dame auf mich zu, tätschelte meinen Kopf und fragte, um wenn ich trauere (Grabstein war noch nicht da), sie begann mit mir zu weinen, ihr wahres Mitgefühl und ihre Worte "viel Kraft" haben mir soviel mehr bedeutet als die blöden Sprüche, die dann immer von Freunden, Verwandten und Bekannten kommen, "mein Beileid" und solches Zeugs.

    Daher: Viel Kraft.
     
    #3
    xoxo, 20 August 2009
  4. CCFly
    CCFly (36)
    live und direkt
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    oh nein... das hört sich ja furchtbar an. ich hätte ja auch angst, dass das dann munter weitergeht. erinnert mich an damals, wo in wenigen jahren bei uns in der straße 5 leute gestorben sind, alles herzinfarkte bis auf einen krebsfall. ich dachte mir da auch, da geht ein fluch um oder sonst was... fühl dich jedenfalls mal lieb geknuddelt. und viel kraft für deine weiteren aufgaben und vor allem glück, dass nichts weiter passiert.
     
    #4
    CCFly, 20 August 2009
  5. User 505
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    Nichts. Es ist ganz einfach eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, für die niemand etwas kann. Der Tod hält sich leider nicht an Statistiken und es ist ihm auch egal, wie die Hinterbliebenen damit klar kommen. Klingt auf den ersten Blick wenig tröstlich, aber vielleicht doch ein bisschen: Es gibt niemanden, der euch quälen will und keinen Grund zu glauben, dass es so weiter geht.

    Versuch ein bisschen Abstand von dieser Angst zu bekommen, sonst lähmt sie dich.

    Und sonst? Kaum etwas ist so individuell wie trauern. Die einen wollen möglichst schnell zur "Normalität" zurück, andere verbringen Zeit auf dem Friedhof, der nächste schreibt einen Brief oder blättert alte Fotoalben durch um zu weinen - oder zu lachen, weil er sich an die tollsten Sachen erinnert. Was fühlt sich für dich richtig an?

    Du kannst ein gutes Stück für deine Familie da sein, aber vergiss dich dabei nicht. Es gibt Menschen, die Trauernde begleiten können, sowohl von kirchlichen Einrichtungen, als auch von anderen Verbänden. Wenn du den Eindruck hast, sowas wäre einen Versuch wert (ob nun für dich oder deine Mutter), dann versuche das. Auch Psychologen können bei der Trauerbewältigung helfen.


    Und bezüglich deiner Ausbildung: Vielleicht bringt sie dir ein Stück Alltag zurück, den du gebrauchen kannst und reißt dich zwangsweise aus deiner Antriebslosigkeit.

    Ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit.
     
    #5
    User 505, 20 August 2009
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  6. Lily87
    Gast
    0
    hey, das tut mir alles leid für dich!

    Ich weiß gar nicht was ich dir raten kann, aber versuche dich ab Montag auf deine Arbeit zu konzentrieren, vl lenkt es dich ab. Es ist immer schwer, wenn ein geliebter Mensch oder auch ein geliebtes Tier von uns geht. Dann auch noch mehrere Schicksalsschläge in 3 Monaten, verkraftet wohl keiner so leicht. Versuche dich abzulenken, und wenn du weinen musst, dann weine. Finde deine eigene Art zu trauern (schreibe vl deine Gefühle in ein Buch/Heft/Worddokument, denn anscheinend hilft dir Schreiben).Und vergiss nicht: nur wer vergessen ist, ist tot. In deinen Erinnerungen leben sie weiter, in deinem Herzen.

    Die Angst um deine Familie kann ich sehr gut nachvollziehen, ich habe auch immer Angst, dass etwas passiert. :knuddel:
     
    #6
    Lily87, 20 August 2009
  7. Teoh
    Gast
    0

    Das ist ja momentan eines meiner größten Probleme. Ich versuche, so wie ich es auch früher immer getan hab, für meine Freunde und auch meine Familie da zu sein. Ich trau mich einfach nicht, mich ihnen kompkett an zu vertrauen.
    Aber ich hab noch niemanden wirklich gefunden, der mich auffangen kann. Ich kann mich zwar bei meinen Freunden ausquatschen, aber nicht ohne am Ende noch jemanden zu haben der weint. Mir fehlt eine starke Persönlichkeit die mir Rückhalt geben kann. Sowas war mein Papa immer für mich und einen Ersatz gibt es da nicht.

    Und zu Fremden möchte ich nicht gehen. Ich bin furchtbar introvertiert, wenn es um Gespräche von Angesicht zu Angesicht geht. Und ich weiß auch so, dass ich mich einem Fremden nie anvertrauen könnte.
     
    #7
    Teoh, 20 August 2009
  8. User 505
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    Verheiratet
    Naja, eigentlich machst du das doch gerade ein Stück weit, oder? :smile:

    Tatsache ist: Du kannst dich nicht um alle kümmern und für alle da sein, du brauchst irgendwie eine Möglichkeit deine Gefühle loszuwerden. Ob das ein guter Freund ist (manche Menschen halten mehr durch als man denkt) oder ein Profi. Ich habe den Eindruck, dass du so wie es momentan ist kaum verarbeiten kannst. Zumindest nicht dann, wenn du den Rest deiner Familie auch noch mit stützen willst, das ist einfach zu viel.

    Und was spricht dagegen zu zweit zu heulen? Möchtest du es einfach nicht oder ist es der Gedanke, du könntest jemand anderen belasten?
     
    #8
    User 505, 20 August 2009
  9. Teoh
    Gast
    0
    Wenn meine Freunde wegen mir weinen, gehts mir meistens nicht gut dabei, dann fühl ich mich immer schuldig. Dazu kommt noch, dass meine besten Freunde alle sehr weit weg wohnen. Ich kann mich also nicht mal einfach so mit ihnen treffen.

    Und sicher vertrau ich mich gerad "fremden" an, aber per Internet ist ja doch was anderes als real.
    Dazu muss ich aber sagen, dass mir sowas hier viel mehr hilft. Dass mir verscheidene Menschen ihre Erfahrungen erzählen oder auch einfach nur zeigen, dass es sie berührt, das gibt mir Kraft.
    Deswegen hab ich hier ja auch alles aufgeschrieben. Normal verarbeite ich immer alles in Kurzgeschichten, aber die Erfahrungen waren zu "brutal" als dass ich daraus schreiben könnte. Umso besser ist es gerad, dass ich hier langsam Worte finde. So kann ich mich selbst auch besser verstehen.

    Ich bin insofern sehr dankbar für jeden Beitrag hier.
     
    #9
    Teoh, 20 August 2009
  10. BrooklynBridge
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    nicht angegeben
    Natürlich trauere ich mit Freunden mit, die mit mir über solche Dinge reden. Genauso wie ich ein Stück weit mit dir trauere. Aber das finde ich nie schlimm. Ich freue mich sogar (trotz der Trauer) wenn ich helfen kann. Ich glaube, der Wunsch zu helfen, steckt ein Stück weit in jedem (oder den meisten) Menschen drin. Also brauchst du dich wirklich nicht schuldig fühlen! Auch gegenüber deinen Freunden und Verwandten nicht!

    Wenn deine Freunde sehr weit weg wohnen, gibt es ja immer noch Telefon und Internet!
     
    #10
    BrooklynBridge, 20 August 2009
  11. donmartin
    Gast
    1.903
    Ich drücke dir hiermit natürlich auch mein Mitgefühl aus und habe dem, was die anderen geschrieben haben eigentlich nicht viel zuzufügen.

    Es versetzt mir immer einen Stich ins Herz, wenn ich so etwas lese, und bestätigt das, was ich immer denke: "Welches Glück ich doch habe. Schau dich um, andere trifft es wie der Blitz, die sind schlechter dran".

    Sicher, jeder fragt sich Warum? und/oder nach einem Sinn.
    Wenn, dann kommt alles auf einmal. Ich selber habe 3 Freunde kurz hintereinander verloren, alle durch einen Motorrad-Unfall. Ich habe bei einem dieser Fahrten kurz vorher abgesagt mitzufahren und bin mit dem Auto hinterher. Warum?

    Diese Fragen nach Sinn oder Zweck kann dir niemand beantworten. Du wirst, auch wenn und obwohl es sehr weh tut damit leben müssen und dir selber die Antworten darauf geben.
    Du hast oben geschrieben, dass du hoffst, alle lieben Menschen sollen doch bitte vorsichtig sein.

    Du bist trotz deiner Schiksalsschläge nun noch in der Lage an Andere zu denken und möchtest Ihnen so etwas ersparen.

    Sieh' das und die Tatsache, dass ich (wir und viele andere Menschen auch) an dich denken, uns zurückziehen und einen Augenblick teilhaben um an unser Glück und unser Leben denken, an Angehörige und Menschen die uns umgeben und die riesen Glück haben - denen das erspart geblieben ist und die trotzdem mit sich hadern, als eine erste Antwort auf deine Frage an.

    Der Sinn ist vielleicht nicht erklärbar, du regst andere zum Nachdenken an, denkst an Andere (respekt!) und gibst anderen die Chance, von Dir und aus deinen Erfahrungen und Schiksalsschlägen und wie du es verarbeitet hast (haben wirst) zu lernen!
    Damit gibts du soviel weiter und das sollte dir bewusst sein, du kannst daraus Kraft schöpfen und wirst auch deine Lehre erfolgreich beenden!

    Man kann nicht davon ausgehen, dass es gewollt ist, oder es eine "Serie" gibt......Denn, soetwas bezieht man immer auf negatives, was ist mit den ganzen, vielen "kleinen" Glücksmomenten.?
    ..Die wirst du nie vergessen, du behältst etwas, und damit sind sie schon eine Serie...., man muss es sich nur bewusst werden - wenn auch manchmal auf schmerzvolle Weise.

    Eine kleiner Trost vielleicht, wie schon gesagt wurde - wenn dir danach ist weine, wenn dir danach ist schreie -
    Denke daran, dass sehr viele Menschen an dich denken und aus deinen Erfahrungen lernen und etwas gewinnen - wenn es auch viele nicht zeigen können oder wollen, mit Trauer und Verlust kann nicht jeder umgehen, jeder arbeitet anders daran.

    Viel, viel Erfolg und Kraft für Dich und Deine Familie!
     
    #11
    donmartin, 20 August 2009
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  12. User 20976
    (be)sticht mit Gefühl
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    vergeben und glücklich
    Da hast Du in kurzer Zeit gleich mehrere tragische und unvorhersehbare Todesfälle erdulden müssen - kein Wunder, dass Du nicht mehr kannst und nach dem Sinn fragst. Nur: Einen Sinn gibt es da eben nicht. Es ist ungerecht und schlimm. Aber die verschiedenen Todesfälle haben nichts miteinander zu tun, dass Du diese verschiedenen Menschen kanntest, ist Zufall.

    Es ist - meiner Ansicht nach - dafür kein "höheres Wesen" verantwortlich, das Dich prüfen oder quälen will, die Unglücksfälle stehen in keinem Zusammenhang.

    Gerade der Tod Deines Vaters ist noch nicht lange her, das war erst vor wenigen Wochen - da hat die Trauer gerade erst begonnen.

    Du hast schon einige gute Ratschäge bekommen - letztlich kannst nur Du herausfinden, wie Du mit der Trauer am besten umgehst, ob es Dir hilft, Dich Freunden oder Fremden anzuvertrauen, Dich ggf. auch mal sehr emotional und "schwach" zu zeigen.
     
    #12
    User 20976, 20 August 2009
  13. User 505
    Planet-Liebe-Team
    Moderator
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    Verheiratet
    Ich weiß nicht, wie es bei deinen Freunden ist, aber wenn ich sowas zu meinen Freunden sag, hagelt es Schläge :smile:

    Heulen bringt niemanden um, es befreit. Meinst du wirklich, deine Freunde wissen nicht, dass du im Moment leidest? Sie leiden momentan auch nicht viel mehr, als wenn du sie mit einbeziehen würdest - aber dann könnten sie wenigstens was tun.

    Räumliche Distanz ist ein Hindernis, aber kein unüberwindwares. Wenn Hinfahren so gar nicht geht, bleiben immer noch Telefon oder Mail. Ich will dich zu nichts überreden, ich möchte nur nicht, dass du aus falscher Rücksichtnahme auf Hilfe verzichtest, die du brauchen könntest.
     
    #13
    User 505, 20 August 2009
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  14. munich-lion
    Planet-Liebe ist Startseite
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    nicht angegeben
    Hallo,

    ich wollte dir nur schnell schreiben, dass ich mitfühlen kann, wie es dir momentan geht, denn ich habe binnen einer kurzen Zeit und auch in relativ jungen Jahren erst meinen Papa und dann meine Ma verloren, die ich beide unsagbar liebe. (ich vermeide bewusst die Vergangenheit, denn ich werde sie immer lieben, weil sie Allgegenwärtig bleiben. Manchmal denke ich sogar noch, sie sind gar nicht tot, sondern einfach nur "weg" - auf irgendeine lange Reise, was zwar in Augen anderer vielleicht "bescheuert" klingt, mir aber einfach gut tut...noch nach Jahren habe ich manchmal das Gefühl, wenn jetzt das Telefon klingelt, dann ist meine Mama dran und fragt, was ich denn zum Essen haben möchte, wenn ich demnächst zu Besuch komme)

    Manchmal dachte ich, es geht nicht mehr weiter...all diese Trauer, der schreckliche Schmerz. Ich wollte so unglaublich stark sein, weil mich meine Eltern auch immer so sahen. Und die wollte man ja schließlich nicht enttäuschen...auch nicht nach ihrem Tod.
    Aber in Wahrheit fühlte ich mich absolut hilflos und unendlich schwach...ich kapierte einfach nicht, dass Trauer eine ganz individuelle Angelegenheit ist, bei der es kein "Richtig" oder "Falsch", kein "Peinlich" oder "wie muss ich mich korrekt verhalten?" gibt.
    Alles habe ich in mich hineingefressen, manchmal still und leise geweint, obwohl ich viel lieber laut geschrien hätte - meistens kamen nur trockene, brennende Tränen und ich stellte mir 1000fach die Frage: WESHALB und WARUM ist das Schicksal so grausam zu mir?
    Natürlich kam dann keine leise Stimme von irgendwoher, die mir all meine Fragen zufriedenstellend beantwortete...ich war einfach nur verzweifelt und konnte/wollte mit anderen Menschen nicht über den Tod meiner Eltern reden, weil ich immer dachte: "Ach, keiner kann sich in meine Lage hineinversetzen und geheuchelte Anteilnahme brauche ich nicht."

    Das war natürlich ein Fehler, wie sich hinterher herausstellte...mir hat es unheimlich geholfen, mich mit einem Menschen zu unterhalten, den ich zwar kannte, aber mir niemals vorstellen konnte, dass ich mich gerade ihm öffnete. Aber diese Person sprach mich gezielt an und es war plötzlich so, als würden alle bösen Umklammerungen befreit...ich konnte reden und ich redete mir alles von der Seele. Wie meine Kindheit war, auch über Zeiten, wo es nicht so gut lief, weil man natürlich auch mal hin und wieder so seine Probleme mit den Eltern hatte...ich erinnerte mich an besondere Begebenheiten und ich sprach auch von ihren Krankheiten, die mal eine längere, mal eine kürzere Leidenszeit aufwiesen...vor allem sprach ich endlich mal vom Sterben und dem Tod. (ich war da, als meine Mutter starb und hielt sie in meinen Armen...kurz zuvor schlief ich noch vor Erschöpfung und mit dem Kopf auf ihrem Schoß am Krankenbett. Aber irgendetwas hat mich aufgeweckt...eine innere Unruhe, ich weiß es nicht. Sie starb, als ich gerade mal 10 Sekunden wach war und genau das ist für mich bis heute ein so unglaublicher Trost)

    Da habe ich dann gemerkt, ich muss reden und mir angewohnt, jeden, der mich fragte "wie geht es dir?" oder "kann ich dir helfen?" eine ehrliche Antwort zu geben...und man glaubt es kaum: Die meisten Menschen verstehen einen und sie sind gar nicht peinlich berührt, wenn man mit ihnen offen und ehrlich redet.
    Und ich merkte, dass ich natürlich nicht alleine mit dem Tod konfrontiert wurde, was einem zuerst nicht immer klar ist. Fast alle Menschen dieser Welt machen Ähnliches mit und das oftmals mehrfach - und das "verbindet" und macht die Seele etwas freier und das Herz auch leichter.
    Ich denke, es ist unheimlich wichtig, sich mit "Gleichgesinnten" zu unterhalten, da es einen schon etwas bringen kann, wenn man Erfahrungsberichte zur Trauerbewältigung hört und/oder sich austauschen kann.
    Vor allem kapiert man dann auch irgendwann, dass der Tod, den so viele Menschen gerne ausklammern, ein ganz natürlicher Lebensprozess ist, den man sich stellen muss - und man schöpft irgendwann aus dem Ganzen Mut und Kraft, auch wenn du dir das momentan noch nicht vorstellen kannst.

    Ich weiß, dass meine Eltern mich gewollt haben...sie schenkten mir das Leben und deshalb werde ich auch für sie weiterleben...sie hätten niemals gewollt, dass ich permanent traurig und verzweifelt wäre. Das habe ich mir immer und immer wieder vorgesagt, wenn ich wieder Gott (an den ich eigentlich nie glaubte) oder "höhere Mächte" für die Ungerechtigkeit anklagte. ("wieso müssen so liebenswerte Menschen so früh sterben, während andere über 100 Jahre alt werden?")
    Und ich sprach mit ihnen...ich hielt Zwiesprache am Grab, ich fragte um Rat, manchmal schimpfte ich auch mit ihnen, dann wiederum erzählte ich mal von einem ganz besonderen Erlebnis.
    Noch heute ertappe ich mich dabei, wie ich manchmal etwas laut sage wie "Gell Ma, das hätte dir jetzt auch gefallen" und dann muss ich grinsen.
    Ja, die Zeit heilt alle Wunden, was aber nur bedingt richtig ist, denn eine gewisse Trauer wird immer bleiben und der Schmerz versetzt einen mal hin und wieder einen ganz bösen Stich...aber es wird leichter werden, man geht anders damit um und irgendwann gewinnt die Dankbarkeit Oberhand...man ist dankbar, dass man seine Eltern erleben durfte...auch wenn die Zeit durchaus hätte länger sein dürfen.

    Bei dir ist alles noch so frisch und gewisse Ängste nehmen natürlich ihren Lauf...aber du darfst einfach nicht glauben, dass dich jetzt ringsherum alle ganz besonderen Menschen "verlassen" werden.
    Suche (gegenseitigen) Halt in deiner Familie und bei Freunden/Bekannten, aber lasse nicht zu, dass du dadurch irgendwie "vereinnahmt" wirst.
    Du brauchst nämlich selber Unterstützung und kannst momentan deshalb keine Stütze für andere sein...wenn du willst, dass dir geholfen wird, dann öffne dich...wenn du nur ansatzweise denkst, du kannst jemanden vertrauen, dann hole dir Hilfe.
    Sei es durch Menschen am Friedhof, durch Internetforen, wo sich Betroffene zu Wort melden und Austausch betreiben, durch "Trauerseminare", die von einigen Stellen angeboten werden...
    Und dann kann ich dir zur Begleitung ein Buch ans Herz legen, dass dir vielleicht auch ein wenig helfen kann - mich hat es auf jeden Fall weitergebracht: DER HIMMEL IST NUR EINEN SCHRITT ENTFERNT von Paul Meek.

    Eigentlich wollte ich dir ja nur kurz schreiben - jetzt sind es doch ein paar mehr Worte geworden.
    Glaub mir, du wirst deinen Weg finden und gehen...schon alleine deswegen, weil dein Papa "stolz" auf dich wäre!

    Alles Gute für die Zukunft, denn das Leben geht weiter und wird auch für dich irgendwann wieder die schönen Seiten parat haben.
     
    #14
    munich-lion, 21 August 2009
    • Danke (import) Danke (import) x 4
  15. brainforce
    brainforce (33)
    Beiträge füllen Bücher
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    556
    Single
    ich weiß gar nicht was ich schreiben soll, eigentlich wurde alles in dieser Situation tröstliche schon geschrieben.:geknickt:

    Spontan fällt mir nur ein das man oftmals wohl erst dann den Wert der Familie bzw. des Zusammenhaltes erkennt wenn man von solchen Unglücken getroffen wird.

    Deshalb denke ich das es wichtig und hilfreich ist wenn ihr in der Familie zusammenhaltet, füreinander da seid, gemeinsam die Geschehenisse verarbeitet etc.

    Es ist nicht einfach, diese letzten Wochen werden dich ein Leben lang begleiten und haben sich unweigerlich für immer bei dir "eingebrannt". Aber es kommen sicher auch wieder schöne Tage.:smile:
     
    #15
    brainforce, 21 August 2009
  16. Teoh
    Gast
    0
    Ich danke euch allen von ganzem Herzen. Ich hab jetzt bei fast jeden Beitrag ein bisschen geweint und festgestellt, dass es wirklich eine gute Idee war meine Gedanken hier nieder zu schreiben. Nicht dass sich meine Sicht auf die Dinge groß geändert hätte, ich finde das noch immer sehr ungerecht, aber zu lesen was ihr denkt, hat meine "vernünftige Stimme" gestärkt.
    Viele eurer Worte werde ich mitnehmen auf meinen Weg und sicher kommt bald die Zeit, wo es besser wird.

    Ich habe heut kurz meine Mama getroffen. Sie hat sich jetzt ein neues Bett gekauft. Ihr scheint es langsam wieder besser zu gehen und daraus schöpfe ich Kraft.
    Ihr habt mir geolfen in klaren Worten noch einmal zurück zusehen. Jetzt werde ich mir mühe geben mit klarem Blick nach vorn zu sehen.

    Nochmals vielen Dank,
    und auch euch allen viel Glück!
     
    #16
    Teoh, 21 August 2009
  17. munich-lion
    Planet-Liebe ist Startseite
    12.963
    598
    10.512
    nicht angegeben
    Du weißt ja jetzt, wo du uns für ein "offenes Ohr" findest - scheue dich nicht davor, wenn dir wieder danach ist.

    Alles Liebe weiterhin!
     
    #17
    munich-lion, 22 August 2009
  18. Teoh
    Gast
    0
    die zahl der todesfälle um mich herum hat sich mittlerweile auf 6 erhöht...
    wie ich richtig damit umgehen soll, weiß ich nicht... ich hab nur langsam das gefühl, dass ich abstumpfe und ich glaube nicht, dass das gut ist.

    außerdem frage ich mich jetzt ernsthaft, ob das ab jetzt so weiter geht...

    die meiste zeit über geht es mir jetzt recht gut und ich kann weitesgehend abschalten, aber dann bricht es von zeit zu zeit immer sehr heftig über mich herein und ich frage mich wirklich, was das soll... und dann denke ich immer, dass ich keine lust mehr hab...
    *seufz*
    ob es wohl wirklich sowas wie ausgleichende gerechtigkeit gibt?
     
    #18
    Teoh, 15 November 2009
  19. diskuswerfer85
    Sehr bekannt hier
    3.198
    198
    838
    in einer Beziehung
    Hey Teoh lang nichts mehr gehört.

    Das ist ja echt furchtbar. Hat dich ja ganz schön getroffen, so viele dinge auf einmal sind ja besonders schrecklich. Ich kann ich leider nichts sagen was dir hilft auch wenn ich es gern würde.
    Du hast so viel verloren da können worte nicht helfen.

    Ich hoffe ihr könnt zusammenstehen und diese schlimme zeit gemeinsam bewältigen. Deine freunde und familie sind das wertvollste was du hast und wenn ihr euch unterstützt könnt ihr das bestimmt schaffen.

    Versuch nicht nach dem sinn zu fragen, das leben ist leider oft grausam.
    Du kannst dich nur daran festhalten das das leben auch sehr schön sein kann und wieder bessere zeiten kommen werden.

    Aber in so nem moment denkt man daran natürlich nicht. Da überwiegt die trauer und der zorn auf das leben.

    Wünsche dir alles gute und das es bald wieder besser läuft.
     
    #19
    diskuswerfer85, 15 November 2009
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  20. Crash Ete
    Crash Ete (29)
    Verbringt hier viel Zeit
    471
    103
    1
    vergeben und glücklich
    erstmal voran mein beileid bei deinen ganzen schicksals schlägen. Ich kenne das selber mit solchen sachen. Aber ich wurde hier ja sofort als lügner fast erschlagen.

    Dennoch wünsch ich dir viel kraft und würde dir eventuell raten Psychologische hilfe aufzusuchen. Denn sowas verkraftet kein mensch so leicht und wie du schon selbst sagtest leidest du unter anriebslosigkeit usw.
    Du könntest dazu neigen in Depressionen zu versinken und was das bringt haben wir alle letzte woche Dienstag bei Robert Enke gesehen.

    Dennoch hoffe ich das bei dir alles bald wieder normal wird.
    Ich wünsche dir aufjedenfall alles alles gute.
     
    #20
    Crash Ete, 16 November 2009

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