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  • solarfighter
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    25 März 2005
    #1

    Wer oder was ist die Halacha?

    Ich habe für euch eine Frage zur Allgemeinbildung.
    Meine „10 000 €“-Frage:

    Wer oder was ist die Halacha?
    Zu welchen Wissensbereich könnte der Begriff gehören?

    Bitte erst Antworten, dann googlen...
     
  • Rägetröpfli
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    vergeben und glücklich
    25 März 2005
    #2
    Keine Ahnung...noch nie gehört...aber geh jetzt mal googlen... :grin:
     
  • Dillinja
    Dillinja (35)
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    nicht angegeben
    25 März 2005
    #3
    hat irgendwas mit dem judentum zu tun, aber mehr weiss ich gerade auch nicht
     
  • b.insane
    b.insane (33)
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    25 März 2005
    #4
    Hi solarfighter,

    Zufall - habe darüber diese Woche noch was im Spiegel gelesen.
    Die Halacha ist das jüdische Religionsgesetz. Sie enthält die Gebote des Judentums.
    Laut Spiegel sagt sie zum Beispiel auch etwas darüber aus, welche Bedingungen man im Bezug auf die Eltern erfüllen muss, um als Jude anerkannt zu werden. Hoffe, ich habe mich richtig ausgedrückt.
     
  • Rägetröpfli
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    vergeben und glücklich
    25 März 2005
    #5
    Hut ab vor den beiden Herren.....

    .....und wo sind nun die 10'000.-- Euro für diese beiden?? :zwinker:
     
  • SunsetLover
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    25 März 2005
    #6
    hjhjk
     
  • ogelique
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    25 März 2005
    #7
    Das ist die Auslegung des jüdischen Gesetzes (=Thora) durch Gelehrte (=verschiedene Rabbiner), falls mich meine Erinnerung nicht täuscht :zwinker:

    Lang-lang ist mein Reliunterricht schon wieder her....
     
  • SunsetLover
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    25 März 2005
    #8
    Ja ich glaub das stimmt eher... :schuechte
     
  • ogelique
    Verbringt hier viel Zeit
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    25 März 2005
    #9
    die Wallfahrt ist es leider definitiv nicht :zwinker:
     
  • q:
    q: (38)
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    25 März 2005
    #10
    Mist...bin ich wohl etwas zu spät :grin: Ich erlaube mir aber trotzdem noch etwas auszuführen.

    Im Grunde ist die Halacha das weiterführende Regelwerk zu den Gesetzen der Religion. Sozusagen ein ausführlicher Leitfaden. Entstanden durch Interpretation diverser Ressourcen. Die Halacha wird auch heute noch geupdatet, wobei es sich dann meist um eine Verschärfung bestehenden Rechts handelt, oder um neue Problematiken, wie etwa Transplantationsmedizin. Die Halacha wird zwar allgemein anerkannt. Allerdings nur, wenn die gesamte Religions-Intelligenz (die jeweiligen Ober-Rabbiner) damit einverstanden ist. Kommt also häufig vor, dass etwas gemäss Auslegung des einen Gelehrten erlaubt und gemäss eines Zweiten verboten ist.

    In der Bibel, den 5 Büchern Moses, auch Thora genannt, werden 613 Ge- und Verbote aufgezählt. Wobei sehr viele den Rythus im Tempel beschreiben, der ja bekanntlich etwas kaputt ist und seit geraumer Zeit Kuppeln im Hof stehen hat :zwinker:, also überflüssig sind. Aber im Grunde sind sie das Hautwerk. Allerdings sind diese Gesetze grösstenteils sehr allgemein gehalten, was natürlich unterschiedliche Auslegungsmöglichkeiten zulässt. Was etwa fällt alles unter Ehre Vater und Mutter?

    Darum gibts noch die Mündliche Überlieferung, die sogenannte Mischna. Ein Religionskodex. Darin gab eine Generation der nächsten die Details zur Auslegung weiter. Irgendwann wurde sie dann aufgeschrieben; das Buschtelefonsyndrom kennt man ja - irgendwas wird immer anders gesagt.

    Darum entstand über die Auslegung dann auch ein Diskurs, genannt G'mara. Der Kodex zum Kodex. Ziemlich spannende Lektüre. In etwa heisst es bei jedem Problem "Der Chefgelehrte des Lehrhauses A (Hillel) sagt, mit xy sei gemeint, dass [Interpretation 1] Der Chefgelehrte des Lehrhauses B (Schamai) sagt, mit xy sei gemeint, dass [Interpretation 2]. blablabla. Die Regel geht nach Lehrhaus B". Eigentlich gewann zu 90% Lehrhaus B :zwinker:.

    Als sich im Laufe der Jahre, die Gesellschaft veränderte, nicht zuletzt auch wegen der Zerstärung des Tempels und dem Fehlen des Hohepriesters, änderte sich auch das religiöse Verhalten derselben. Natürlich immer im Wissen um die genannten Kodizes. Einfach den Begebenheiten angepasst. Neue Verhaltensregeln wurden aufgestellt: man hatte ja keinen Tempel mehr, also fielen auch die Wahlfahrts- oder Pilgerfeste ins Wasser. Man wurde kreativ. So entstanden etwa erste Gebetsgemeinschaften, die jeweils einen bestimmten Gebtsrythus hatten - so quasi Prototypen von Synagogen und Gebetsabläufen. Es entstanden diverse Richtungen und Initiativen.

    Die Halacha nun, ist im Grunde nichts weiter, als die Zusammenfassung dieser diversen Regeln, nachdem man sich, zumindest regional (die Juden verteilten sich nach der Zerstörung des Tempels über die Welt), auf eine Gangart geeinigt hatte. So haben etwa orientalische Juden zum Teil andere Halachot (mehrzahl von Halacha) als Ost- und/oder Westeuropäische. Und natürlich wurden auch alle anderen Lebensbereiche, als Weiterführung der "alten" Werke, genau geregelt.

    Sind Thora, Mischna und G'mara das Grundgesetzt, die Verfassung beziehungswese die Beiwerke dazu, so sind die Halachot die jeweiligen Verordnungen. "Religionsgesetz" wie Insane es genannt hat, trifft es also ganz gut. Allerdings hat es nichts mit Annerkennung als Jude zu tun. Jude ist man von Geburt an, oder wird es durch übertritt. Basis dazu ist der Glaube an einen einzigen, allmächtigen Gott. Aber die Einhaltung der Halacha sagt sehr wohl etwas über die Religiosität aus. Man kann also durchaus ein gläubiger aber nicht religiöser Jude sein.

    Noch Fragen? Go ahead!

    q: hat fertig :grin:

    Aufgepasst im Unterricht, was?! :zwinker:





    Edit: Ich hoffe, ich hab nicht all zu viele Fehler gemacht. Aber ich bin jetzt definitiv zu faul, alles nochmals zu überarbeiten. Wenn ich was seh, korrigier ichs. :grin:
     
  • ogelique
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    27 März 2005
    #11
    Abiprüfung in jüdischer Religion :tongue:
    Hab' Spiegel net gelesen, falls du das meinst...
     
  • q:
    q: (38)
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    27 März 2005
    #12
    :eek: :eek: ...eine Fachfrau...ich freu mich schon auf die Fachsimpeleien :grin:
     
  • User 29904
    Beiträge füllen Bücher
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    27 März 2005
    #13
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    Zuletzt bearbeitet: 22 Februar 2016
  • solarfighter
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    28 März 2005
    #14
    Wow, tolle Sachkenntnis.

    Vielleicht kannst Du mir dann auch folgende Fragen beantworten.
    Ich hatte vor ein einigen Tagen ein Interview vom Paul Spiegel (Zentralrat der Juden in Deutschland) im Spiegel gelesen. Dieser hatte sich gegen eine freizügige Ansiedlung von "Juden" aus Russland mit der Begründung gewandt, dass, nach der Halacha, nur Kinder einer jüdischen Mutter auch Juden seien und die meisten Ausreisewilligen dieses Kriterium nicht erfüllen würden.
    Meine Fragen an dich:
    1.) Ist das die gängige Lehrmeinung?
    2.) Wann ist dann eine Konvertierung zum jüdischen Glauben überhaupt möglich?
    3.) Gibt es in der Halacha eine Fürsorgepflicht für nicht nicht-jüdischen, aber von einem Juden geschwängerten Frauen, bzw. für die Kinder?
    4.) In wieweit stimmen diese Kriterien mit den Rassegesetzen der Nazis überein?

    Wäre toll, wenn Du mir ein paar Antworten darauf geben könntest. :smile:
     
  • Trogdor
    Trogdor (41)
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    28 März 2005
    #15
    Bin zwar nicht q:steps
    Das Judentum unterscheidet zwischen orthodoxem, konservativem und reformierten Ritus. Und meines Wissens akzeptiert das Reformjudentum auch Vererbung über den Vater, bei den anderen beiden ist die alleinige Vererbung über die Mutter nicht nur die gängige sondern wohl die einzige Lehrmeinung.
    Eine Konvertierung ist ja komplett unabhängig von der Abstammung. Das Verfahren ist soweit ich weiss nicht ganz einfach aber prinzipiell jedem offen. Man muss wohl einen Rabbi finden, dem gegenüber man klarlegt, warum man konvertieren will, und der für einen eine Zeit lang als Mentor dient. Genaueres müsste sich mit Hilfe von Google leicht herausfinden lassen. Wichtig ist dabei, sich im Hinterkopf zu behalten, dass die Juden sich selbst als das von Gott auserwählte Volk sehen, und daher auch gar keinen Grund haben, andere zu missionieren. Daher ist es deutlich schwieriger Jude zu werden, als Christ zu werden.
    Gar nicht. Die nazis haben sich herzlich wenig um die Halacha oder Religion geschert. Es ging um die Vernichtung der Juden als rasse, nicht als Religion, daher hat es auch keine Rolle gespielt, ob ein Halbjude eine jüdische Mutter oder einen jüdischen Vater hatte. Oder ob ein Jude zum Christentum konvertiert ist.
     
  • ogelique
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    29 März 2005
    #16
    Ich war zwar nicht gefragt, ABER:

    1.) Ist das die gängige Lehrmeinung?

    -> ja, man muss mütterlicherseits jüdisch sein - das Gesetz entstand wohl in der Zeit, als man noch nicht so genau bestimmen konnte, wer denn nun der Vater ist :zwinker:
    Halbjuden, Vierteljuden usw. gibt es nach dem jüdischen Gesetz nicht. Wer eine jüdische Urgroßmutter hat, ist schon ein Jude.

    2.) Wann ist dann eine Konvertierung zum jüdischen Glauben überhaupt möglich?

    -> immer, man muss halt "Gijur" duirchführen - dauert ewig und zunächst wird man 3 Mal abgewiesen, bevor man's überhaupt tun darf.
    Nach jüdischem Gesetz ist Konvertierung generell unerwünscht ("man soll Vater und Mutter heiligen"), es sei denn, man ist wirklich überzeugt. Deshalb gibt es auch keine Missionare.

    3.) Gibt es in der Halacha eine Fürsorgepflicht für nicht nicht-jüdischen, aber von einem Juden geschwängerten Frauen, bzw. für die Kinder?

    -> soweit ich weiß, wird nicht zwischen "jüdischen" und "nicht-jüdischen" Kindern/Frauen unterschieden, sondern zwischen "verheiratet" und "nicht-verheiratet".
    Bin mir da aber keineswegs sicher.

    4.) In wieweit stimmen diese Kriterien mit den Rassegesetzen der Nazis überein?

    -> nur insofern, dass man auch, wenn man nur eine jüdische Großmutter hat, man dann schon "jüdisch" ist.
    Aber nach Hitler könnte auch ein jüd. Großvater ausschlaggebend sein.
     
  • solarfighter
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    nicht angegeben
    29 März 2005
    #17
    Weit Du etwas über die %-tuale Größe der jeweiligen Gruppen?

    Das scheint aber wohl nur für den reformierten Ritus zu gelten.

    Ich glaube, dass kann man nicht trennen. Ich gehe davon aus, das auch zum Judentum konvertierte Christen damals ganz schlechte Karten gehabt haben. Meine Frage zielte eher in folgende Richtung: Die Nazis sind bei der Ahnenforschung nicht besonders weit zurückgegangen. Hatte dies nur pragmatische Gründe, oder gibt es Bezüge zur Halacha?
     
  • Trogdor
    Trogdor (41)
    Verbringt hier viel Zeit
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    nicht angegeben
    29 März 2005
    #18
    Nein, für alle, hat Ogelique oben beschrieben. Es empfiehlt sich sogar, die Konvertierung nach dem orthodoxen Ritus zu machen, weil die anderen deren konvertierung anerkennen. Othodoxe und konservative erkennen eine reformierte Konvertierung wohl nicht ohne weiteres an.
     
  • ogelique
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verheiratet
    29 März 2005
    #19
    Genau so sieht's aus.
    Es können definitiv ALLE konvertieren.

    Übrigens ist König David der Sohn einer zum Judentum konvertierten Frau (Ruth) gewesen, hatte also als Mutter keine gebürtige Jüdin :smile:
    Konvertierte Juden werden als "komplett vollwertige Juden" betrachtet und sind meist sogar noch viel "jüdischer" als gebürtige Juden, zumindest viel aktiver dabei. Deshalb muss man ihnen besonders viel Respekt entgegenbringen.
    Abgesehen davon wird ein Jude, der zu einer anderen Religion konvertiert, trotzdem als Jude betrachtet - "einmal Jude - immer Jude" - und kann daher ohne weiteres "zurückkommen".
     

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