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Wie findet man als Asperger eine Freundin?

Dieses Thema im Forum "Beziehung & Partnerschaft" wurde erstellt von karl-hans, 11 August 2007.

Status des Themas:
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  1. karl-hans
    karl-hans (30)
    Verbringt hier viel Zeit
    31
    93
    3
    vergeben und glücklich
    Hallo liebe Forummitglieder,

    als Neuling hier möchte ich gleich mal mit ein recht kompliziertes und langes Thema posten:

    Und zwar ist es so, dass ich mich seit einigen Jahren nach nichts mehr sehne als nach einer festen Beziehung. Das Thema selbst ist wohl der Klassiker und es gibt schon zahlreiche Threads dazu. Jedoch ist das Ganze bei mir noch ein wenig komplizierter, da ich wohl ein Asperger bin.

    Da das Asperger Syndrom noch nicht allzu bekannt ist, vielleicht ein paar Worte dazu: Das AS ist eine leichte Form des Autismus, die meines Wissens nicht psychisch bedingt ist, sondern physisch, nämlich durch eine andersartige Ausprägung des Gehirns. So ist beispielsweise die Brücke, deren Funktion es ist, die Zusammenarbeit der verschiedenen Teile des Gehirns zu ermöglichen, eher schwach ausgeprägt. Auch das Kleinhirn, das für die Koordination und die Speicherung von Bewegungsabläufen zuständig ist, ist eher wenig ausgeprägt.

    Deshalb sind Asperger besonders in jungen Jahren ungeschickt. Die Informationsverarbeitung unterscheidet sich von der normaler Menschen. So reagieren Asperger häufig besonders sensibel auf Empfindungen wie Körperkontakt oder laute Geräusche. Aspies können sich meist sehr stark auf (nur) eine Sache konzentrieren.

    Viele Asperger wissen mit Mimik nicht viel anzufangen und können deshalb mit Gesichtsausdrücken und anderen Ausdrucksformen nicht viel anfangen. Außerdem haben Aspies Schwierigkeiten, im Gespräch Dinge "rauszuhören", die der Gesprächspartner sagen möchte, jedoch nicht wörtlich zum Ausdruck bringt (Probleme beim Erfassen der Pragmatik einer Nachricht).

    Oft gibt es auch Unsicherheiten bei alltäglichen Umgangsformen. Small-Talk ist eine Qual, und bei gesellschaftlichen Anlässen sind Asperger häufig unsicher, da sie soziale Verhaltensregeln nicht "intuitiv" erkennen, sondern den Umgang damit erlernen müssen.

    Bei mir ist das so, dass ich z.B. sehr ungerne telefoniere. Vor Telefongesprächen wie z.B. zum Vereinbaren eines Friseur- oder Arzttermines bin ich nervös und mein Herz beginnt, sehr schnell zu schlagen. Oft muss ich mich dazu zwingen, mich zum Anruf zu überwinden.

    Ich habe übrigens keine Diagnose, das ist auch im Erwachsenenalter eher schwer möglich, bin dennoch sehr, sehr sicher.

    Wenn ich in der Öffentlichkeit bin, versuche ich, möglichst nicht anderen Menschen zu begegnen. Wenn es sich nicht vermeiden lässt (z.B. Zugfahrt), dann versuche ich mich durch Lesen und Kopfhörer abzuschotten.

    Dennoch habe ich viele (echte) Freunde und niemand in meinem Freundeskreis würde mir glauben (geschweige denn, es vermuten), dass ich ein Autist bin. Man kann das eben sehr gut überspielen. Außerdem kann man ja Verhaltensweisen auch erlernen, und mit über zwanzig Jahren Lebenserfahrung reicht das, um sich im alltäglichen, bekannten Umfeld (bei mir die Uni) zu tarnen. Die Uni ist ohnehin ein optimales soziales Umfeld für mich, da ich mir recht sicher bin, dass ich mir alle "notwendigen" Verhaltensweisen angeeignet habe und sicher im Umgang damit bin. Und an der Uni ist man auch tolerant (es laufen mitunter viel schrägere Leute rum, als ein Asperger, der sich schon ganz gut angepasst hat).

    Komplexe Situationen mit sehr zahlreichen möglichen Verlaufsformen hingegen überfordern mich. So bin ich schon oft in Einkaufszentren an Bekleidungsgeschäften vorbeigegangen, wollte eigentlich etwas kaufen, hatte dann jedoch Riesenangst davor, den Laden zu betreten, weshalb ich schnell dran vorbei ging. Oder nur kurz rein und sofort wieder raus. Denn im Gegensatz zum Kauf einer Wurstsemmel, den ich überall ohne jeder Nervosität hinbekomme, gibt es beim Kauf von Kleidung viele unvorhersehbare Situationen, auf die man unter Einhaltung bestimmter sozialer Normamen reagieren muss - was ich ggf. nicht kann.

    Doch wie geschrieben, mir gelingt es anscheinend, all das so gut zu überspielen, dass weder Eltern noch Freunde etwas bemerken, außer dass man vielleicht in manchen Situationen etwas komisch ist - aber wer ist das nicht?

    Und die normalen Auswirkungen des AS auf meinen Alltag habe ich ganz gut in Griff, man kann bestimmte Situationen meiden, für andere unvermeidbare habe ich mir meine Verhaltensweisen erlernt und zurecht gelegt.

    Zusammengefasst heißt das, als Asperger muss ich viele soziale Verhaltensweisen erlernen und spiele deshalb vorher Gespräche usw. mehrmals durch und reflektiere sie hinterher. In wenig komplexen, vorhersehbaren Situationen merkt man mir sicher nichts an.

    Werde ich jedoch mit sehr vielen Informationen (hohe Lautstärke, viele Menschen sehr eng um mich rum, viele Unterlagen auf dem Schreibtisch vor mir, ...) konfrontiert, komme ich nicht klar und werde nervös, auto-aggressiv oder was auch immer.

    Durch manche dieser neuen Situationen muss ich gelegentlich einfach durch, und das geht auch in Ordnung. Wenn die Situation nicht allzu komplex ist, habe ich die entsprechende Verhaltensweise bald zu meinem Erfahrungsschatz hinzugefügt und beim nächsten mal habe ich keine Probleme mehr.

    Jetzt habe ich kurz das Asperger-Syndrom beschrieben und wie es sich bei mir konkret auswirkt, zumindest die Auswirkungen, die für das eigentliche Thema meines Threads wichtig sind:

    Seit einigen Jahren sehne ich mich sehr nach einer festen Beziehung.

    Da ich sehr viel (Galgen-)Humor habe und auch über mich selbst lachen kann, muss ich manchmal über die Vorstellung lachen, dass ich gerade mit meiner Freundin zum ersten Mal im Bett bin und mich so anstelle, wie es John Forbes Nash in "a beautiful mind" angehängt wird: Hypernervös, da ich für die neue Situation noch keinerlei Verhaltensweisen parat habe :grin:

    Das bereitet mir auch keine Sorge. Klar, Berührungen sind für mich "schlimm", aber das nur, wenn sie unerwartet sind und ich nicht weiß, was sie bedeuten (versehen, absicht? Wenn absicht, welche Absicht? Wenn mir Leute im Gespräch auf die Schulter klopfen hasse ich das, und Umarmungen zur Begrüßung hasse ich auch). Beim Sex widmet man die ganze Aufmerksamkeit dem Akt, es gibt nicht so viele verschiedene Quellen für Informationen. Ich denke, mit einer etwas verständnisvollen Freundin kann ich die "Lernphase" kurz halten und nach einiger Zeit wird ihr nicht mehr Auffallen, dass sie gerade mit einem Autisten schläft :smile:

    Das nur als komischer Gedanke am Rande,bei dem ich über mich selbst lachen muss, nichts Wesentliches. Das für mich wesentliche Problem ist einfach, dass ich nicht weiß, wie man als Asperger eine Freundin findet. Wie viele Mädchen hat ein heterosexueller Mittzwanziger in seinem Leben angesprochen? Ich weiß es nicht, vermute aber, im Schnitt schon einige. Sicher über zehn. Richtig?

    Bei mir sind es: 0. Diese Situation ist so komplex, es gibt so viele mögliche Verläufe und Reaktionen, deshalb ist diese Situation so unvorhersehbar für mich und ich kann mich deshalb nicht auf die Situation vorbereiten. Zumindest nicht so, dass ich mich sicher genug fühle, das dann auch "durchzuziehen". Deshalb traue ich mich einfach nicht. Das ist wohl eine dieser Situationen, wo ich einfach durch müsste, um Erfahrungsschatz zu gewinnen. Aber eben weil ich überhaupt nicht weiß, was ok ist und was stillos und wie weit man gehen soll, ich andererseits sehr viel Respekt vor meinen Mitmenschen habe, und es außerdem in diesen Situationen auch noch sehr auf Mimik, Gestik und Pragmatik ankommt, also auf all die Dinge, mit denen Asperger nicht viel anfangen können, weiß ich genau, dass ich in diesen Situationen überfordert wäre.

    Ich neige ohnehin eher dazu Mädchen ansprechen (wenn ich es überhaupt täte), die ich schon kenne, denn ein Mädel, dass ich nicht kenne, passt sehr wahrscheinlich nicht zu mir.

    Als ich einmal vor Jahren ohne eigenes Zutun fast in eine Beziehung "geraten" wäre, hat das nur deshalb nicht geklappt, weil ich einfach gar keinen Schritt gemacht habe. Sie hat sich nach und nach dazu überwunden, noch einen Schritt mehr zu machen, aber von mir kam gar nichts, da ich einfach die Pragmatik von all dem nicht erkannt habe. Stattdessen wollte ich mit Logik die Situation analysieren. Nach der logischen Bewertung habe ich 55% darauf gegeben, dass sie etwas von mir will und 45%, dass nicht. Das war mir zu wenig Sicherheit und ich habe einfach nie irgendeinen Schritt gemacht. Daran ist das gescheitert.

    Heute weiß ich einfach gar nicht, wie ich ein Mädel kennen lernen soll. Kontakt aufbauen, halten, all das ist nicht so leicht für mich. Wo kennenlernen? Discos, Bars, all das ist nichts für mich, da laut, eng, grell. Ich bin sozial gar nicht so inaktiv, wie man nach diesem Artikel vllt denkt - trotz meiner Abneigung bin ich öfter in Bars (wenn ich sitzen kann und links und rechts etwas Platz ist sowie der Tisch vor mir nicht überfüllt ist und man sich noch halbwegs unterhalten kann, ist alles ok) oder in Kneipen, bin in einem Sportverein und in einigen anderen Vereinen. Discos sind nicht drin für mich, da flippe ich nur dann nicht aus, wenn ich stockbesoffen bin, und etwas viel mieseres als einen stockbesoffenen Autisten findet frau nicht auf der Welt.

    Sprich, die Gelegenheiten wären vielleicht da, dennoch sind die Mädchen entweder uninteressant oder es kommt trotz 10 Jahren im gleichen Verein nicht wirklich zu Kontakt.

    Früher dachte ich immer, dass ich scheisse aussehe oder so etwas. Dazu muss ich sagen, ich kann das ehrlich überhaupt nicht einschätzen und bin mit dieser Meinung nur danach gegangen, dass ich keinen Erfolg bei den Frauen hatte. Mir war die soziale Quasinorm, dass Jungs meistens die ersten Schritte machen, nicht bekannt.

    Immerhin viermal gab es wohl ein Mädchen, dass die ersten Schritte machen wollte, zumindest bin ich mir bei den vier Fällen recht sicher , aber entweder mangels Interesse meinerseits oder zweimal einfach mangels weiterer Schritte von meiner Seite ging sich nichts aus, das eine Mal habe ich ja bereits erwähnt, da war es ohne jedliches Zutun von mir schon fast eine Beziehung.

    Deshalb denke ich nicht, dass es an meinem Aussehen liegt. Aber das ist eher eine mathematische Abwägung als eine Überzeugung :grin:

    Vielleicht ist es zu viel gefragt, wenn ich wissen möchte, welche Möglichkeiten man als Asperger hat, eine Freundin zu finden. Aber ich freue mich über Ideen, Aufmunterung und jede andere Art des Kommentars. Und ich bin froh, das so mal losgeworden zu sein.


    Viele Grüße und Danke für's Lesen,
    karl-hans
     
    #1
    karl-hans, 11 August 2007
  2. embi
    embi (27)
    Verbringt hier viel Zeit
    55
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    0
    nicht angegeben
    Den Eindruck, den dein Text vermittelt, ist eigentlich ganz normal. Für mich wirkst du etwas introvertiert, wenn du mit unbekannten Situationen konfrontiert bist.
    Allerdings schaffst du es mit etwas Übung das Unbekannte zu bewältigen. Das sind lediglich stärker ausgeprägte charakterliche Züge des Menschen.
    Setz dich doch diesen Situationen aus und lerne, ihnen Herr zu werden. Genauer: Triff dich mit Frauen, plaudere etwas, baue Körperkontakt auf.
    Nach gewisser Zeit sollte das ganze für dich kein Problem mehr sein, wie du es mit deinem Lernverhalten beschrieben hast. Somit würdest du anderen Männern in nichts nachstehen. :zwinker:

    MfG

    embi :smile:
     
    #2
    embi, 11 August 2007
  3. whitewolf
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    nicht angegeben
    Ich muss gleich sagen, dass ich den Begriff "Asperger Syndrom" hier zum ersten Mal hoere. Entsprechend wenig kann ich dazu sagen.

    Was mich allerdings bedenklich stimmt ist, dass Du Dir die Diagnose ja scheinbar selbst ausgestellt hast.

    Vieles, was Du schreibst, erinnert mich an eine soziale Phobie (aber das soll natuerlich auch keine Diagnose sein!)

    Solche Aussagen:

    die meines Wissens nicht psychisch bedingt ist, sondern physisch, nämlich durch eine andersartige Ausprägung des Gehirns.

    sollte man vielleicht doch erst einmal vom Fachmann ueberpruefen lassen.

    Ich hab irgendwie den Eindruck, dass Du Dich durch Deine scheinbare Selbstdiagnose moeglicherweise (ich sage ausdruecklich "moeglicherweise") in irgendetwas reinsteigerst, das in die falsche Richtung geht.
     
    #3
    whitewolf, 11 August 2007
  4. Aeldran
    Aeldran (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    4
    Verlobt
    Hallo,

    ich arbeite viel mit einem Autismus-Therapie-Zentrum zusammen. Die testen aus, inwieweit man durch seinen Asperger eingeschränkt ist und wie man das ausgleichen kann. Dazu gibt es verschiedene Therapieformen, eben genaustens zugeschnitten für den jeweiligen Klienten (Nicht Paienten! Autismus ist nicht heilbar, nur verbesserbar)

    Gibt es bei dir in der Umgebung vielleicht auch so etwas? Denn was du brauchst, ist soziales Training. Ich will dich nicht entmutigen, aber allein kannst du dir das bestimmt nur schwierig beibringen. Mit begleitetem sozialem Lernen, das ist nur eine "leichte Therapieform" kannst du auf unbekannte Situationen eingestellt werden, den Umgang mit solchen erlernen und dementsprechend auch im normalen Leben damit ungehen.

    Allerdings würde ich das erstmal offiziell diagnstizieren lassen! Es ist wichtig, dass du das nicht allein durchziehst.
    Ausserdem würde ich auch mal zum Neurologen gehen, vielleicht ist es kein wirklicher Asperger, sondern nur eine ausgeprägte Sozialphobie und Sozialisationsstörung (der Name dafür fällt mir grad leider nicht ein, der wird aber nachgeliefert). Darauf würden die Symtome auch passen.

    Mit dieser Art von Autismus kann man ein weitgehend normales Leben führen, aber man muss sich auch der Öffentlichkeit stellen und vor Allem medizinisch absichern!
     
    #4
    Aeldran, 11 August 2007
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  5. *Gelini*
    *Gelini* (28)
    Verbringt hier viel Zeit
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    1
    nicht angegeben
    Da muss ich sagen: Den Eindruck hatte ich auch, während ich den Text gelesen habe... natürlich könnte es sein, dass du wirklich unter diesem Syndrom leidest - aber eigentlich kommst du einem vor wie ein schüchterner Mann, der einfach nur Angst vor ihm unbekannten Situationen hat (was bestimmt nichts extrem außergewöhnliches ist) und versucht selber eine Antwort zu finden, wieso du es bist (und dich damit abfindest), anstatt eine "Lösung" und dich therapieren lässt...

    Auch so Sätze wie "nach einiger Zeit würde ihr garnicht mehr auffallen, dass sie mit einem Autisten schläft" klingen für mich so, als hättest du dich in dein Krankheitsbild ziemlich reingesteigert.

    Zu deinen Frauen kann ich dir nur raten, wer nicht wagt der nichts gewinnt. Du wirst nie erfahren, ob eine dir unbekannte Frau zu dir passt, wenn du sie nicht wenigstens ansprichst und kennenlernst. Und wenn du ja hin und wieder rausgehst, dann hast du doch gute Möglichkeiten. Du solltest dir nicht so viele Gedanken darüber machen, wie es weitergehen könnte... Sondern erstmal einer Frau deine Zuneigung entgegenbringen, damit sie auch merkt, dass du interessiert bist...
     
    #5
    *Gelini*, 11 August 2007
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  6. Chris84
    Chris84 (32)
    Verbringt hier viel Zeit
    1.198
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    11
    vergeben und glücklich
    mal abgesetzt von den der medizinischen Diagnose, ich bin auch kein Freund von Telefonaten. Das ist aber zum einen eine Sache des Trainings zum anderen eine Sache des inneren Schweinehundes.

    Hast du in deinem Freudneskreis keine Freundinnen. Ich denke da kann man ne Menge einfach mal simulieren.

    Ich persönlich hätte da kein Problem mit jemandem mit dem Syndrom zur Freundin zu haben. Wenn man weiß, was Sache ist, kann man sich darauf einstellen und einem das ja alles beibringen. Ist ja nicht so dass du das nicht kannst, sondern dass du es einfach nur lernen musst.

    Finde das also nicht abschreckend.

    Du musst dich nur einfach mal überwinden und Frauen anreden. Klar geht das vielleicht am Anfang voll in die Hose. Aber du lernst. Und glaub mir, niemand wird als Matcho und Frauenversteher gebohren. Auch normale Menschen müssen das erst lernen. Ein Tipp vorneweg: "Schätzeken, ficken?" ist kein guter Opener für ein Gespräch :smile:
     
    #6
    Chris84, 11 August 2007
  7. Aeldran
    Aeldran (33)
    Verbringt hier viel Zeit
    189
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    4
    Verlobt
    Das ist das Problem beim Asperger: Man kann Gefühle nur schwer erkennen und noch schwerer ausdrücken. Das ganze Zwischenmenschliche ist nicht intuitiv da wie bei normalen Menschen. Sogar die Mimik und Gestik muss sinngebend erlernt werden. Als Beispiel: Lächelt man einen Asperger an, kann der dies nicht als positive Gefühlsregung deuten, solang er das nicht GELERNT hat, wie es gemeint ist!
    Dementsprechend kann er es auch schlecht von sich aus machen, als ersten Impuls...
     
    #7
    Aeldran, 11 August 2007
  8. *Gelini*
    *Gelini* (28)
    Verbringt hier viel Zeit
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    1
    nicht angegeben
    Würde aber bedeuten, dass er es lernen könnte oder? Das wäre doch ein guter Ansatz :smile:
     
    #8
    *Gelini*, 11 August 2007
  9. Aeldran
    Aeldran (33)
    Verbringt hier viel Zeit
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    Verlobt
    Richtig, er könnte es lernen!
    Aber auch dann wäre es immernoch wahnsinnig schwierig, in der richtigen Situation das Richtige zu machen.
    Allein die vielen verschiedenen Gesichtsausdrücke innerhalb eines Lächelns zu verstehen, zu deuten und dann auch selbst "anwenden" zu können, ist harte Arbeit.
    Und eben dafür wäre eine "Therapie" von Nöten. Wobei ich das Wort Therapie hier nicht so richtig angebracht finde, weil es ja ein begleiteter Lernprozess ist und keine Heilungstherapie.
     
    #9
    Aeldran, 11 August 2007
  10. *Gelini*
    *Gelini* (28)
    Verbringt hier viel Zeit
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    101
    1
    nicht angegeben
    Bin ich ganz deiner Meinung, wir können dem TS dabei sicher nicht helfen, zu lernen die verschiedenen Mimiken (zum Beispiel) zu unterscheiden. Da sollte er sich sicher in professionelle Hände geben (und erstmal diagnostizieren lassen, ob er wirklich Asperger ist)...
     
    #10
    *Gelini*, 11 August 2007
  11. karl-hans
    karl-hans (30)
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    31
    93
    3
    vergeben und glücklich
    Hallo,

    erstmal vielen, vielen Dank dass ihr euch den langen Text durchgelesen und darauf geantwortet habt. Ich freue mich echt sehr, dass so viele Leute so schnell geantwortet haben.

    Ich geh die Beiträge einfach mal chronologisch durch und sage zu ein paar Dingen etwas.

    @Embi: Ja, ich hoffe doch, das ich normal wirke. Was erwartest Du? Für mich ist das Internet wichtiger als alle anderen Medien (nicht nur, weil man über das Internet auch fernsehen und telefonieren kann). Das Internet bietet schüchternen Leuten oder Menschen mit sozialen Problemen eine große Hilfe. Mir besonders, da ich mich schriftlich sehr viel besser ausdrücken kann, als es mündlich der Fall ist. Und weil ich im Internet nur indirekt Kontakt habe.

    Natürlich würde ich mich gerne mit Frauen treffen. Aber das geht bei mir nicht einfach so. Ich habe zwei gute Freundinnen, eine davon kennt mich auch in der Realität :smile: Ich kann leider nur sehr schwer zu Frauen Kontakt aufbauen. Es kommt mir etwas wie "verhext" vor, da ich es mir nicht wirklich erklären kann.


    Dann habe ich einige Male die Vermutung gelesen, ich würde mich in etwas reinsteigern. Wie kommt ihr darauf? Weil ich um 2.30 Uhr poste? Ich schreibe sehr gerne spät noch Beiträge in Foren, bevor ich ins Bett gehe.

    Ich habe diesen Einwand aber schon öfter gehört, unter anderem auch von meiner einzigen Real-Life-Freundin, mit der ich über dieses Thema bereits sprach, oder eher schrieb. Aber weshalb?

    Ich kann euch versichern, dass das Gegenteil der Fall ist. Ich bin so, wie ich eben bin. Zu Beginn der Pubertät, so mit zwölf oder 13, rätselte ich oft, warum ich nicht so bin, wie alle anderen. Eine sinnvolle Antwort darauf habe ich nie gefunden, weshalb ich mir einredete, dass ich "anders" sei (übrigens etwas, was man auch häufig in Erzählungen von Aspergern liest). So ab der 9. Klasse fand ich dann gute Freunde, die sich meiner Meinung nach in ihrer Vernunft und Reife etwas von den Altersgenossen abhoben. Seitdem habe ich gelernt, dass ich zwar eine sehr individuelle Persönlichkeit habe, aber eben ganz "normal" bin. An der Uni läuft alles super und ich habe wirklich einige Freunde. Aber gerade an der Uni ist man eben auch sehr tolerant und offen.

    Ein Kumpel an der Uni bezeichnete mich manchmal als Autisten. Das ist ein guter Kumpel mit sehr schwarzem Humor. Ich habe damals darüber gelacht und nicht im Entferntesten daran gedacht, dass da etwas dran sein könnte (und fühlte mich auch nicht beleidigt). Aber da ich öfter von Autismis gehört habe, ohne jetzt wirklich genau zu wissen, welche Beeinträchtigungen Autisten eigentlich haben, informierte ich mich etwas darüber. Dabei bin ich auch auf das Asperger Syndrom gestoßen und fühlte mich zu meiner eigenen Verwunderung betroffen. Das erschien mir als logische Erklärung für mein Anderssein. Und viele geschilderte Verhaltensweisen zeigte ich früher auch oder habe sie immer noch.

    Daraufhin begann ich, sehr viel über Autismus und das AS zu lesen. Einige Bücher waren gar nicht so leicht zu besorgen. Außerdem redete ich zunächst mit der anderen Freundin, die mich eben nur aus dem Internet kennt, darüber und wir waren uns dann beide recht sicher.

    Das ist inzwischen aber auch schon wieder etwas her und klar, ich hatte für dieses Thema starkes Interesse, aber ich habe mich nicht reingesteigert. Es spielt für mich eigentlich keine Rolle, denn ich bin 20 Jahre lang zurecht gekommen, habe bislang trotz nicht sehr schöner Phasen ein wunderbares Leben gehabt und warum sollte ich daran irgendetwas ändern? Ich habe gelernt, mit den Problemen umzugehen oder bestimmte Situationen zu vermeiden, und es klappt ganz gut. Bevor ich nackt rumlaufen muss, überwinde ich den Schweindehund und gehe eben in das Bekleidungsgeschäft. Und die Nervosität vor Anrufen und Terminen beim Friseur ist zwar unangenehm, aber daran wird mein Leben nicht scheitern.

    Seit ich die Überzeugung gewonnen habe, Asperger zu sein, habe ich also genauso weiter gemacht wie zuvor. Und das werde ich auch weiterhin.

    Es gibt eigentlich nur einen Punkt in meinem Leben, der mich etwas unglücklich macht und den ich unbedingt ändern möchte - siehe Threadthema.


    Dann die Abgrenzung soziale Phobie und AS: Ich habe auch schon oft gehört, dass die beschriebenen Symptome auf das Bild der sozialen Phobie passen. Hier in diesem Thread habe ich aber auch nur die Symptome beschrieben, die mit dem Thema des Threads zu tun haben. Und das sind nun mal Auswirkungen des AS, die ziemlich ähnlich sind mit den Symptomen einer sozialen Phobie.

    Da mein Beitrag ohnehin schon so lang war, wollte ich nicht auch noch die anderen Symptome reinschreiben. Gegen die soziale Phobie spricht beispielsweise, dass ich ohne Probleme alleine ein Fußballstadion besuchen kann - trotz der Zehntausenden Zuschauern. Ich bin dabei überhaupt nicht nervös (oder höchstens, wenn sich jemand auf meinen Platz gesetzt hat und ich ihn vertreiben muss).

    Das liegt daran, dass die Verhaltensnormen, die man im Fußballstadion beherrschen sollte, sehr einfach sind und ein Stadionbesuch immer gleich abläuft. Falls man sie noch nicht hat, Karte besorgen, anstehen beim Eingang, sich abtasten lassen (diese Berührungen sind kein Problem, da ich weiß, wozu sie dienen - angenehm ist es mir natürlich dennoch nicht). Bei Hunger oder Durst Entsprechendes kaufen, was genauso abläuft, wie Lebensmittelkauf überall sonst. Dann sich hinsetzen, Spiel anschauen, wieder gehen. Selbst wenn der Sitzplatznachbar mich anspricht - es geht wohl um Fußball. Es kann höchstens sein, dass seine Meinung überhaupt nicht meiner entspricht, dann nicke ich und versuche, wenig Initiative in das Gespräch zu bringen, und dann ist's meistens auch bald vorbei.

    (meistens gehe ich aber dennoch eher mit Freunden ins Stadion)

    Im Februar habe ich alleine ein Konzert besucht. Das ist vom Ablauf wohl sehr vergleichbar mit einem Fußballspiel. Dennoch, da ich zuvor noch nie auf einem Konzert war, hatte ich am Tag des Konzertes bereits Mittags Bauchschmerzen und große Unruhe. Ich wollte die Karte fast verfallen lassen, obwohl ich mich sehr auf das Konzert gefreut habe. Dann habe ich mich überwunden und bin dennoch hingegangen, es war super, aber ich war den ganzen Abend wie auf Drogen: Bin erst in die falsche Reihe gegangen und dann in der richtigen Reihe auch noch zwei Plätze neben meinem Platz, weil ich aus Nervosität wegen der unbekannten Situation irgendwie die Zahlen verplant habe.

    Andere typische Asperger-Syndrom-Symptome:
    - Als Kind lernte ich recht spät sprechen und hatte lange Probleme mit bestimmten Lauten - meine Grammatik war aber immer einwandfrei und ich hatte einen Faible für komplizierte Wörter
    - Ich sabberte sehr lange. Der Kinderarzt meinte, man solle mir immer wieder sagen, dass ich schlucken müsse, da ich das nicht kapiere. Damit lag er absolut falsch, ich wusste das genau, vergaß es jedoch immer wieder, wenn ich mit etwas beschäftigt war
    - Meine Eltern nannten mich gerne "verträumter/zerstreuter Professor", da ich oft total abwesend rumsaß und mir Gedanken machte
    - Ich liebte es als Kleinkind, die Töpfe aus dem Küchenschrank zu nehmen und sie am Boden zu stapeln - das ist typisch
    - Lange schaute ich bewusst nicht in die Richtung der Person, mit der ich sprach. Augenkontakt vermied ich. Noch viel länger hatte ich Probleme damit, auch Freunde beim Namen anzusprechen, das vermied ich einfach. Auch das ist überaus typisch.
    - Mit zehn Jahren habe ich mit meiner Mutter im Sommer mal einen Schulkameraden getroffen, mit dem ich abundzu etwas machte. Es war Sommer und er lief mit freiem Oberkörper rum. Ich hatte damals nicht geschnallt, dass das für Jungs nicht nur am Stand ok ist sondern auch auf der Straße vor dem eigenen Haus und habe ihn deshalb nicht angesehen
    - Dafür habe ich mir zu Kindergartenzeiten selber lesen beigebracht und konnte den gesamten Grundschulstoff und mehr in Mathe, auch Dezimalstellen und negative Zahlen
    - Mit 5 spielte ich auch schon Schach und habe meinen Vater auch öfter geschlagen
    - In meinen Zeugnissen wurde ich immer für Deutsch und Mathe gelobt ("konnte bereits vor der Einschulung lesen und weit über den erlernten Zahlenraum rechnen"), meine Koordination und meine Geschicklichkeit wurde jedoch bemängelt: ("Manuelle Arbeiten bereiten ihm große Schwierigkeiten", "Die Bewegungsabläufe sind nicht altersgemäß")
    - Deshalb riet meine Grundschullehrerin meinen Eltern auch, mit mir zum Psychologen zu gehen - was diese jedoch nicht taten, ansonsten hätte ich jetzt vielleicht die Diagnose
    - Freunde hatte ich lange keine, nur Spielkameraden, die ein gleiches Interesse hatten wie ich (z.B. Fußball). Dann spielte man eben zusammen Fußball, aber ich fand die meisten Leute dumm, allerdings macht Fußball eben mehr Spaß, wenn man nicht alleine spielt (habe dennoch unzählige Nachmittage alleine im Garten und auf Fußballplätzen mit der Jagd nach schönen Toren verbracht)
    - Mein Schriftbild war anfangs furchtbar, da ich sehr verkrampft war , aber das besserte sich mit der Zeit
    - Schon in der Grundschule konnte ich ausrasten, wenn ich mich auf mehr als eine Sache gleichzeitig konzentrieren musste. So rastete ich einmal bei einer Gruppenarbeit aus: Als Klassenbester sollte ich die Ideen der Gruppe aufschreiben. Ich hatte gerade einen guten Einfall, den ich noch nicht geäußert habe, als ein Klassenkamerad auch eine Idee äußerste. Das hat mich schon etwas überfordert, aber noch konnte ich mich zusammenreißen und merkte mir meine Idee, während ich seine aufschrieb. Als aber ein dritter Klassenkamerad seine Idee äußerte, als ich noch die ersten Buchstaben der anderen Idee aufschrieb, wurde ich wütend, zeigte ihm den Mittelfinger und beschimpfte ihn. Meine Lehrerin hat das mitbekommen, aber nicht verstanden.

    Ein paar andere Dinge, die mir jetzt auffallen:
    - Zwar bin ich ein eher unordentlicher Mensch, aber wenn ein Ort, an dem ich mich länger aufhalte, nicht ordentlich ist, raste ich aus, werde Autoaggressiv und bekomme mitunter Wutanfälle. Das betrifft z.B. den Schreibtisch, der aufgeräumt sein muss, damit ich lernen kann. Auch in Kneipen macht es mich aggressiv, wenn wir Karten spielen wollen, und am Tisch sehen unstrukturiert Gegenstände rum. Je voller der Tisch, desto schlimmer.
    - Berührungen und Lärm habe ich ja bereits geschildert
    - Orientierung: Das ist eine echte Beeinträchtigung. Ich wohne seit meiner Geburt in der Nähe einer größeren Stadt. Natürlich kommt man zwecks Besorgungen, Freizeit, Uni, weshalb auch immer, öfter in die Stadt. Aber ich kenne höchstens einen ganz kleinen Stadtteil und verfahre mich regelmäßig. Klingt normal, ist es aber definitiv nicht, da es mir z.B. auch gelingt, ein Ziel mit Wegbeschreibung von Google Maps etc. ganz gut zu finden, am nächsten Tag das gleiche Ziel vom gleichen Standort aus ohne der Beschreibung jedoch nicht mehr zu finden, obwohl es ganz einfach ist.
    An der Uni ist es oft so, dass ich nach der Vorlesung einfach nur den Leuten hinterher gehe. Es gibt so viele Ausgänge, dass ich jedes mal wieder überrascht bin, wo ich denn hinkomme. Meist stehe ich dann in irgendeinem Gang und weiß nicht weiter, gehe also solange, bis ich zu einem Ausgang ins Freie komme. Dann schaue ich für die erste Orientierung auf das Straßenschild, damit ich weiß, in welcher Himmelsrichtung ich rausgekommen bin. Von da an kann ich dann meist sagen, in welche Richtung ich gehen muss.
    (das ganze bleibt mir natürlich erspart, wenn ich in der vorlesung leute aus meinem studiengang treffe, was meistens der fall ist).

    - in Tiefgaragen oder Parkhäusern habe ich auch dieses Orientierungsproblem und werde gerne nervös, weil ich z.B. den Ausgang nicht finde. Muss ich öfter ins gleiche Parkhaus, gewöhne ich mir an, immer einen bestimmten Eingang zu nehmen und nach einem festen "Algorithmus" möglichst Nahe an einem bestimmten Punkt zu parken. Diesen Punkt lege ich einmal fest, und zwar "defensiv", also recht weit hinten oder oben, weil dann meistens dort etwas frei ist - und wenn nicht, schaue ich immer eine Reihe weiter, bis etwas frei ist. Dann muss ich nur noch beim Runtergehen wissen, welchen Ausgang ins Parkhaus ich nehmen muss, finde den Punkt, und kann dann nach gleicher Methode mein Auto wieder finden.

    (oft gibt es Nummern für bestimmte Blöcke, diese merke ich mir natürlich, aber wenn ich dann das Einkaufszentrum etc. verlasse, komme ich mit Sicherheit am anderen Ende des Parkhauses raus, außerdem muss man das Auto auch innerhalb der nummerierten Bereiche irgendwie finden, und selbst das ist schwer für mich - aber eben geschilderte Vorgehensweise löst das Problem recht zuverlässig).

    -Typisch für Asperger ist es auch, wohl als Folge der starken Fokussierung auf eine Sache, dass ich alle Zeit lang mal ein "Spezialinteresse" habe. Das kann etwas ganz Neues sein, oder eine Weiterentwicklung auf einem bereits bestehenden Interessensgebiet. Das kann mich dann ein Tag, mehrere Tage, Wochen und sogar Monate intensiv beschäftigen. Am intensivsten ist es, wenn das Interesse so 3-4 Tage lang ist, denn in dieser Zeit bin ich mitunter schon sehr gereizt, wenn man mich nur anspricht. Vor ein paar Monaten, natürlich mitten während des Semesters, habe ich in einem Computermagazin einen sehr interessanten Artikel gelesen, wie man sich auf einen sehr günstigen Router ein Linux-Derivat installieren und damit einen VPN-Server draus machen kann. Das ganze war sehr kompliziert und hat mich vier Tage gekostet, in denen ich mir kaum die Zeit zum essen nahm, um das Ding fertig zu bekommen.


    Dann zum Thema Diagnose / Therapie. Dieses Thema ist recht schwierig, da ich weiß, dass meine Einstellung in diesem Thema, mit gesundem Menschenstand beurteilt, falsch und unsachlich ist. Da persönlich betroffen, ist es jedoch schwer für mich, hier völlig objektiv zu urteilen.

    Es gibt eine Webseite von einem Asperger-Selbsthilfeverein (http://www.aspies.de), die per se qualitativ hochwertige Informationen anbietet. Ich glaube, es war auch diese Seite, die wirklich gute Texte anbietet, z.B. für Leute, die meinen, an sich das AS entdeckt zu haben. Darin werden die typischen Fragen angesprochen, z.B. ob und mit wem man darüber redet. Und ob man sich eine Diagnose machen lässt. Sowie Hilfen für Studenten.

    Dabei habe ich mir überlegt, dass ich eigentlich keine Diagnose haben möchte. Zum Einen ist es sicher schwer, einen Arzt zu finden, der entsprechende Diagnosen erstellt, da es meines Wissens sehr schwer ist, im Erwachsenenalter noch das AS zuverlässig zu diagnostizieren. Außerdem finde ich es sehr komisch, zu einer Person zu gehen, die ich nie zuvor gesehen habe, und entsprechendes Vertrauen aufzubauen, das nötig ist, um über so persönliche Dinge zu reden.

    Weiterhin will ich unter keinen Umständen, dass meine Eltern davon erfahren, was sich aber aufgrund meiner Situation kaum vermeiden lässt (Student, der nur gelegentlich jobbt und deshalb mit den Eltern versichert ist, sowie andere Gründe, die es sogar wahrscheinlich machen, dass die Eltern von einem derartigen Arztbesuch erführen. Die genauen Gründe will ich aber nicht darlegen, da es eventuell meine Identität für Bekannte verriete).

    Was würde mir eine Diagnose bringen? Sicherheit? Habe ich fast, und es ist auch nicht so wichtig für mich. Therapiemöglichkeiten, klar, aber das will ich auch nicht. Verhaltenstherapien, super. Wie bereits angekündigt, ist meine Meinung zu Therapien nicht sonderlich objektiv, aber wenn ich z.B. sehe, dass die oben genannte Webseite als Banner ein Bild von einem Regenbogen hat, sehe ich mich mit vielen Klischees konfrontiert. Beispielsweise Naturbezogenheit geistig Behinderter. Wie viele Selbsthilfeorganisiationen dieser Gruppen wählen einen Regenbogen als Motiv?

    Das Farbspektrum des Regenbogens soll vermutlich nur ganz harmlos die Breite des Spektrums von menschlichen Erscheinungsformen darstellen und damit Individualität, die unter Aspergern ja groß geschrieben wird. Ich finde das jedoch sehr klischeebehaftet und nicht gut. (Aber ich gebe auch zu, dass es dankbarere Jobs gibt als einen Banner zu finden, der irgendetwas mit einer sehr individuellen Personengruppe zu tun hat - ein Banner für alle Individualisten? Paradox)

    Wenn man dann weiter liest, ist von regelmäßigen Aspie-Treffen die Reden, und es werden Ansprechpartner für große Städte genannt. Manche Organisatoren geben sinnvollerweise nur ihre Telefonnummer an, da fragt man sich, wie blöd Leute denn sein können. Per se sind Asperger eher kontaktscheu und viele meiden Telefongespräche. Wie wahrscheinlich ist es da, dass sich ein Asperger die Telefonnummer raussucht, dort anruft und nach einer Frau Sowieso verlangt, weil die ja das Asperger-Treffen organisiert, um ihr dann einfach so herzzereißend zu eröffnen, das man Asperger ist?

    Das klingt alles für mich nach den typischen Klischee-Kaffeekranzrunden, wo jeder mal sein Problem vortragen darf und die anderen zuhören und nicken und außerdem jeder über Fortschritte berichten darf, wobei die anderen klatschen. NEIN, NEIN, ich will das nicht. Asperger haben ein hohes Individualitätsgefühl, und ich mag nicht in einem Stuhlkreis mit anderen Aspergern sitzen und mir deren Dinge anhören und mir vornehmen, mal ganz doll offen zu sein, auch wenn es mir schwer fällt, und zu allen total nett zu sein, auch wenn sie in ganz anderen Lebenssituationen stecken als ich und ich sie nicht kenne, nur weil uns das Asperger-Syndrom verbindet. Nein.

    Und was bringen mir Verhaltenstherapien? Ich komme im Alltag zurecht. Ich will weder Kunde-Verkäufer-Rollenspiele spielen, noch kann ich mir vorstellen, dass mir Verhaltenstherapien etwas bringen. Denn ich habe mir für meinen Alltag genug Strategien zurecht gelegt (von denen ich einige ja auch schon beschrieben habe). So komme ich klar. Und ich glaube nicht, dass in Verhaltenstherapien geübt werden kann, wie man Kontakt bis hin zu Beziehungen zu Frauen aufbaut.

    Vernichtet mich verbal bitte für meine Klischees und wenig objektive Ansichten, aber wie gesagt, ich finde Indivitualität sehr wichtig und fürchte, dass diese in Therapien zu kurz kommt. Das hätte man möglicherweise machen müssen, als ich noch ein paar Jahre jünger war und meine Persönlichkeit noch nicht so weit entwickelt war.

    Vielleicht weiß Aeldran vielleicht genauer als ich, wie die verschiedenen Therapieformen aussehen und kann das hier mal schildern, interessieren würde es mich schon. Aber machen werde ich das nicht.


    Dann noch zu diesem Zitat von *Gelini* ein paar Worte:
    Schade, da bin ich falsch verstanden worden. Ich hatte eigentlich versucht, klarzumachen, dass das Sarkasmus gegen mich selbst ist. Ich habe jede Menge Humor und kann über die Vorstellung lachen, wie ich mich dann vielleicht oder wahrscheinlich anstellen werde, wenn es einmal so weit ist, falls ich eine Freundin finden sollte.

    Aber das bewegt mich so wenig, dass ich die Vorstellung köstlich finde und darüber lachen muss. Ich bin mir sicher, dass es an dieser Stelle kein Problem geben wird, weil meine Freundin sicher verständnisvoll sein wird, und nach einiger Zeit habe ich das auch sicherlich soweit "gelernt", dass ich mich normal verhalte.

    Selbst wenn ich mich überwinden könnte und mich trauen würde - ich wüsste nicht, was ich sagen sollte. Außerdem - was, wenn es nicht passt? Die Chance, dass wir zusammen passen, ist, man bedenke mein hohes Maß an Individualität, recht gering. Das heißt nicht, dass man es nicht probieren soll, das ist richtig. Aber wenn es dann, was, wie eben gezeigt, sehr wahrscheinlich ist, nicht passen sollte, dann muss ich das Ganze auch wieder irgendwie anständig beenden. Dafür habe ich natürlich wieder keinerlei Verhaltensweisen vorrätig, aber ich will so etwas immer möglichst stilvoll über die Bühne bringen. Und es fällt mir sehr schwer, Menschen, die mir nichts getan haben, zu verletzen oder ihnen unangenehme Dinge mitzuteilen. Das wäre für mich auch sehr schwer.

    Außerdem, wenn ich eine Frau nicht kenne, nach welchen Kriterien soll ich mich entscheiden? Nach dem Aussehen? Jetzt wird es vielleicht etwas philosophisch, aber ich finde, das Aussehen ist eine denkbar schlechte Grundlage für die Entscheidung, mit wem man eine Beziehung eingehen möchte. Klar, für einen One-Night-Stand (woran ich natürlich kein Interesse habe) geht es in Ordnung, sich die Frau nach dem Aussehen auszusuchen, denn für die Befriedigung sexueller Triebe ist das in Ordnung. Aber für eine Beziehung muss es auf viel breiterer Basis stimmen. Natürlich sollte man die Partnerin auch attraktiv finden, aber da eine positive Bewertung der Attraktivität in keiner Verbindung steht zu einer Übereinstimmung in den anderen Werten und Einstellungen, die die "breite Basis" einer Beziehung ausmachen, wäre es wie Lotterie, sich die Partnerin nach Attraktivität auszusuchen.

    Welche Zuneigung? Zu einer Frau, die ich nicht kenne, die ich aber ganz schön finde, habe ich keinerlei Zuneigung. Es wäre also eher Interesse, wobei ich mir dabei sehr komisch vorkäme. Da ist wieder die Sache mit der Pragmatik einer Mitteilung oder eines Gesprächs: Wenn ich eine Frau ansprechen würde, dann, um sie näher kennenzulernen. Man soll ja am Anfang möglichst unverbindlich sein, was ich, wenn ich die Situation aus weiblicher Sicht betrachte, ja durchaus nachvollziehen kann. Da ich sie aber in der Absicht, also mit der Pragmatik, anspreche, sie kennenzulernen und eine Beziehung mit ihr zu beginnen, so hätte ich sicher während des ganzen Gesprächs das Gefühl, dass diese Tatsache für beide offensichtlich im Raum steht, was mich dann aber verunsichern würde.

    Chris84 hat folgendes geschrieben:
    Hehe, danke, ich glaub auch, dass die meisten Frauen, für die ich mich grundsätzlich interessieren würden, damit kein Problem hätten. Man merkt es ja gar nicht so leicht, und mit etwas Verständnis sollte ich eigentlich alles lernen können. Natürlich ist die Beziehung dann irgendwie "speziell", aber man muss in einer Beziehung sowieso auf den Partner eingehen, und das wird halt in unserer Beziehung besonders wichtig sein.

    Abgesehen davon bin ich davon überzeugt, dass ich menschlich auch einige sehr positive Seiten habe, die auch etwas außergewöhnlich sind. Das heißt, wenn die Anfangsbarriere überwunden ist, glaube ich nicht, dass ich Probleme hätte, eine Beziehung zu führen.

    Der Opener, naja, mein Verhalten und meine Persönlichkeit ist Grundsätzlich von viel Respekt gegenüber meinen Mitmenschen geprägt. Also das würde ich nie im Leben bringen :zwinker:

    Dann wieder ein Zitat von Aeldran:
    Das kann ich eben voll nachvollziehen. Ich weiß von einigen Leuten, dass sie meinen Gesichtsausdruck zumeist als "nichtssagend" empfinden. Vielleicht auch deshalb von meinem Kumpel spaßeshalber das "Autist". Gestik ist auch nicht meine Stärke bzw. meist einfach nicht vorhanden.

    Und das mit dem Anlächeln kann ich auch voll bestätigen. Es ist schon schwer, das zu erkennen. Ich habe mal so einen Gesichtsausdrucks-Test gemacht, wo man Gesichtsausdrücke Gefühlen zuordnen sollte. Die meisten Gesicher haben mir erst einmal nicht viel gesagt, da aber auch vier Stimmungen zur Auswahl waren, konnte ich das in einigen Fällen "abwägen" bzw. wenn jemand eher ernst schaut, kann ich lachend natürlich ausschließen und oft waren die drei falschen Alternativen sehr weit hergeholt.

    Wenn mir auffallen würde, dass mich ein Mädel anlacht, dann würde ich sofort nervös und folgende Gedanken gingen sofort durch meinen Kopf: "Warum lächelt die?" "Meint die mich?" "Wenn sie mich meint, mache ich gerade etwas komisches? Sehe ich komisch aus? Habe ich etwas komisches an?" "Könnte sie jemanden meinen, der hinter mir ist und den ich nicht sehen kann? Oder lacht sie vielleicht nur über einen Witz, der ihr gerade erzählt wurde oder über eine komische Situation, die ihr eingefallen ist, während sie mich gar nicht anschaut sondern nur abwesend in die Ferne starrt". Das sind die Gedanken, die mir alle gleichzeitig kommen, dazu gibt es einen kleinen Schub an Hitzewellen. Und solange sich die Situation nicht aufklärt, lerne ich auch nichts daraus.

    Und gleich noch ein Zitat:
    Ja, da bin ich voll Deiner Meinung. Lernen könnte ich es wohl schon. Immerhin erkenne ich wohl ein Lächeln schon ganz gut :grin: Aber wie eben meine Gedanken in so einen Moment zeigen, erkenne ich sicher nicht die Pragmatik des Lächelns, ob es schadenfroh ist, ob es das Lachen über einen Witz ist, worüber auch immer. Dieses "Wissen" ist dann wohl auch stark personenbezogen, da mir es leichter fällt bei Personen, die ich schon lange kenne.

    So, das war jetzt mal wieder einer meiner typischen Endlos-Beiträge. Vielen Dank an alle, die sich hier am Thread beteiligt haben.

    Viele Grüße,
    karl-hans
     
    #11
    karl-hans, 11 August 2007
  12. many--
    many-- (32)
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    Ganz kurz: du hast dir deine "Krankheitsdiagnose" also vollkommen selbst gestellt, mit Hilfe des Internets, einiger Fachbücher und einer Freundin? Professionelle Diagnose lehnst du ab, weil du "dir sicher bist"?
    ...
    Sag mal, findest du nicht, dass du dich selber total über- und die professionellen Möglichkeiten der Medizin/Psychologie unterschätzt? Glaubst du denn allen ernstes, du könntest dir ganz alleine, ohne auf dem Gebiet ausgebildet zu sein, eine komplizierte Verhaltensstörung selbst diagnostizieren?
    Enorm viele der von dir geschilderten Symptome erlebt jeder Mensch phasenweise. Was ganz normal ist. Gefährlich wird es, wenn man sich selbst ein passendes Krankheitsbild raussucht, resigniert und dann vermutlich die übrigen Symptome auch noch herbeiführt.
    ...
    Das geht so nicht! Aus deinem Text spricht, dass du dich sehr als "Asperger" identifizierst. Warum? Warum redest du dir selber ein, eine autistische Verhaltsstörung zu haben? Siehst du nicht, dass du dir damit dein Leben nur noch schwieriger machst?
    Ich setze mich ja auch nicht hin und sage, schau her, mich drückts in der Magengegend, das wird wohl eine Blinddarmentzündung sein, das hab ich gelesen, das tut genau da weh, in 3 Tagen platzt mit der Appendix und ich sterbe, na gut, ich werde mal keinen Arzt aufsuchen, das bringt mir nix, ich lege mich jetzt hin und sterbe.
    ...
    Lange Rede, kurzer Sinn: anstatt zu fragen: "Wie findet man als Asperger eine Freundin?" solltest du fragen: "Wer sagt eigentlich, dass ich ein Asperger bin?" Antwort: du, der nicht-Fachmann. Und die Ausrede, dass echte Fachmänner und -frauen "das im Erwachsenenalter eh nicht diagnostizieren können", ist Schwachsinn! Mein Gott, beweg dich und hol die die professionelle Versicherung, ob etwas nicht mit dir stimmt.
     
    #12
    many--, 11 August 2007
  13. User 35148
    User 35148 (43)
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    nicht angegeben
    Karl-Hans, bei allem was Du schreibst,
    es sind Symptome, die aber nicht alle mit derartiger Ausprägung auftreten, dass Du wirklich krank bist.

    Auch wenn es etwas gemein klingt:
    Du bist doch viel zu jung, um Dich gleich selber so geisteskrank abzustempeln.
    Vielleicht machst Du Dir viel zu viele Gedanken,
    wo manch andere überhaupt keine Zeit verschwenden.

    In manchen Dingen hab ich mich auch wieder erkannt,
    obwohl ich nicht denke, dass ich so krank wäre, dass ich therapiert werden müsste :schuechte

    Nur ein Beispiel, was ich zitieren möchte:

    Ich erstarre dann und kann nicht glauben, dass gerade ich angelächtelt werde.
    Und dann schaff ich es nichtmal, zurück zu lächeln.
    Ich verfange mich in Gedanken...
    ob sie mich wirklich mag, was sie wohl an mir findet...
    und spinne es dann gleich soweit weiter, was wäre wenn...
    obwohl es doch nur ein kleines Lächeln ist...
    was nicht einmal etwas bedeuten muss...

    Nein, ich schaffe es einfach nicht.
    Irgendwann, vielleicht...

    Ich hoffe sehr dass Du Dir das alles nur einredest.

    :engel_alt:
     
    #13
    User 35148, 11 August 2007
  14. Aeldran
    Aeldran (33)
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    Verlobt
    Karl-Hans, ich finde es gut, dass du wieder so ausführlich geantwortet hast. Das lässt mich einiges erkennen:

    Du hast dich mit dem Aspeger-Autismus beschäftigt, hast viel davon über dich dabei mitgenommen.
    Aber über die so genannte Therapie hast du dich nicht wirklich informiert. Kaffekränzchen sind das absolut nicht!
    Es wird meines Wissens KEINE Gruppentherapie angeboten, eben weil jeder Aspie, wie du sie nennst, sein eigenes Training braucht. Jede Einzelstunde ist in höchstem Maße zugeschnitten auf den jeweiligen Klienten.
    Gruppentherapien sind in absolut kontraproduktiv bei diesem Syndrom. Es gibt sehr viele Methoden, Asperger sozial zu fördern, aber dies geht nur wenn man sich versteht und vertraut. DAss dieses Verstehen und Vertrauen nicht sofort da ist, sondern über sehr lange Zeit aufgebaut werden muss, ist dabei jedem "Therapeuten" bewusst und wird vorausgesetzt.
    Auch bei der Diagnose, die durchaus in deinem Alter gestellt werden kann, ist das immer als Grundvoraussetzung zu sehen!
    Druck doch einfach mal deine Beiträge hier aus und nimm sie mit zu einem Arzt. Jeder der mit Autismus zu tun hat, weiss, wie schwer Kommnikation einem Asperger fällt und keiner wird dich zu einem Dialog zwingen. Aber hier hast du schon etwas, womit du dich ausdrücken kannst, und was du, wie ich finde auch sehr gut und differenziert tust.
    Es klingt in der Tat alles sehr nach Asperger, nur eben von dir versteckten. Das dürfte dich doch auch einige Mühe kosten, oder?

    Du schreibst, Situationen, in denen du ein bestimmtes Muster einhalten kannst, meisterst du sehr gut. Warum solltest du das also nicht weiter optimieren? Das würde dir das Leben auch um einiges Erleichtern!
    Und was auch wichtig sein dürfte: Mit der Diagnose nehmen auch andere Leute um dich herum das dann ernst!

    Es geht hier um keinen Fall um Mitleid oder so etwas, denn "WIR SIND NICHT BEHINDERT, WIR WERDEN BEHINDERT!"

    Und auch wenn es vielleicht hart klingt, Austismus ist eine Behinderung, die sich bei jedem verschieden ausprägt, aber dennoch da ist!


    NOCH ETWAS FÜR ALLE, DIE NACH 18 UHR GESCHRIEBEN HABEN:
    AUTSCH!
    Asperger ist keine Geisteskrankheit, sondern ein Gendefekt, der sich in vielen Fällen erst mit der Zeit mehr ausprägt. Und es ist auch keine Verhaltensstörung in dem Sinne, sondern es fehlt die Fähigkeit bei jedem normalen Menschen soziale Kontakte zu unbewusst zu erlernen und zu speichern. Psychotherapie bringt gar nichts, ist im Gegenteil kontraproduktiv weil nicht angemessen oder angepasst. Da bedarf es etwas ganz anderem!

    Bei manchen Sachen, die ich hier lese, geht mir echt die Hutschnur hoch. Deswegen bin ich auch nicht sicher, ob das hier die richtige Stelle ist, um weiter zu diskutieren!

    Fakt ist: Karl-Hans, wenn du wirklich jemanden finden willst, musst du den ersten Schritt machen. Und zwar in "Asperger/Autismus-Therapie". DEnn keine Frau, die "normal" fühlen kann, wird das lange ertragen mit jemandem, er scheinbar so "gefühlskalt" ist, zusammen zu sein!

    Sorry für diese harten Worte, aber das ist meine Meinung, ich kenne einfach zu viele Autisten, davon mehr als die Hälfte (versteckte) Asperger, al sdas ich objektiver bleiben könnte!
     
    #14
    Aeldran, 11 August 2007
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  15. gert1
    Verbringt hier viel Zeit
    672
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    1
    Single
    Wenn du dir sicher bis das du Autist bist, ok. Solltest dich nur in nichts falsches reinsteigern.

    Du kannst natürlich so weitermachen wie jetzt, und hoffen irgendwann kommt ein Mädchen das alle diese "barrieren" überwindet...
    Doch das Risiko dürfte ziemlich groß sein, das du dann alleine bleibst!
    Also sprech jemanden an, darauf kannst du dich ja auch vorbereiten, muss für den Anfang ja gar nichts tolles sein, einfach ein bisschen Small-talk!

    Bei euch wirds ja sicher etwas geben wo du mit deinen Frenden gut hin kannst, ne etwas ruhigere Bar.
    Oder ne Terrasse wo man schön sitzen kann oder was in der Art.

    Lg
     
    #15
    gert1, 11 August 2007
  16. User 35148
    User 35148 (43)
    Beiträge füllen Bücher
    6.254
    218
    295
    nicht angegeben
    Danke für die zarte Aufklärung.
    Deswegen musst Du Dich noch lange nicht aufregen.
    Was erwartest Du denn von einem Forum wo die meisten Laien sind?
    Was ist, wenn sich ein anderer Leser wiedererkennt und nicht so recht weis, was nun Sache ist?
    Dann wäre eher noch etwas mehr Hintergrundwissen und weniger Motzerei angebracht :zwinker:

    Und was bedeutet das nun konkret?
    Ist Karl-Hanz auf dem Holzweg, oder kann ihm noch geholfen werden?

    aha. Wo denn dann? Ausschliesslich PNs?

    :engel_alt:
     
    #16
    User 35148, 11 August 2007
    • Danke (import) Danke (import) x 1
  17. cynthia_ann
    Verbringt hier viel Zeit
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    103
    12
    nicht angegeben
    Lass es dir diagnostizieren bevor du dich hineinsteigerst. Wenn das Kind einen Namen hat wird es leichter, damit umzugehen - unter der Voraussetzung, dass du nicht kategorisch alle Hilfsmaßnahmen mit der Begründung ablehnst, du könnest durch sie ohnehin nichts lernen, was dir den Alltag erleichtert.

    Die Meisten deiner Symptome treffen auch auf mich zu und ich denke, fast jeder Mensch erlebt einige davon (der eine mehr, der andere weniger) wenigstens über einen bestimmten Zeitraum hinweg.
    Deine "Diagnose" erscheint mir äußerst fragwürdig - wie ist es möglich, dass du all deine sozialen Kontakt aufrecht erhalten kannst wenn es dir nicht gelingt auf andere Menschen einzugehen?
    Die Gedanken die du dir in Bezug auf das Mädchen machst - darüber brauchen wir glaube ich nicht zu sprechen, ich denke, die macht sich fast jeder auch in diesem Umfang.

    An deiner Stelle würde ich nicht davon ausgehen, dass bei dir eine psychische Störung vorliegt bis ein ausgebildeter Fachmann das Gegenteil bestätigt. Es ist nur allzu einfach alle Hemmungen, Schwierigkeiten, Probleme hinter einem medizinischen Namen zu verstecken und sich zurück zu lehnen - die Brücke im Gehirn ist Schuld, es hat eine physische Ursache, man selbst muss nicht aktiv werden.
    Eine "Fruendin" aus dem Internet hat dir also bei der Diagnostizierung geholfen? Ein Mensch, der wahrscheinlich weder über Fachkenntnisse verfügt, noch dich persönlich jemals erlebt hat? Überaus fraglich.
    Ich rate dir, lass es dir schwarz auf weiß geben. Vermutlich bist du erst bereit an dir zu arbeiten wenn dir ein Arzt versichert, dass physisch alles stimmt. Es würde eine schwierige Zeit auf dich zukommen, aber du vielleicht weiter kommen.

    Vielleicht bist du allerdings wirklich ein Asperger und dein Arzt kann dir sinnvolle Hilfen anbieten, er hat den ganzen Tag mit dieser Thematik zu tun und ist - im Gegensatz zu dir - darauf spezialisiert, solchen Menschen alle mögliche Unterstützung angedeihen zu lassen. Du als Einzelner wirst wohlmöglich nie in der Lage sein, alleine so gut mit deiner vermeitnlichen Erkrankung umzugehen wie du es sein könntest, hättest du dir nur Hilfe geholt. Lass doch diese Chance nicht einfach so verstreichen.

    Bitte fass meine "Unterstellungen" nicht als Provokation auf, denn so sind sie nicht gemeint. Es sind nur die Gedanken, die mir spontan beim Lesen deines Textes kamen - vielleicht helfen sie dir weiter.


    Aeldran: Der Kommentar vor dem AUTSCH - was spricht gegen die Vermutung? Ich verstehe das nicht, erklärs mir bitte.
     
    #17
    cynthia_ann, 11 August 2007
  18. Chris84
    Chris84 (32)
    Verbringt hier viel Zeit
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    11
    vergeben und glücklich
    So ich habe mich auchnochmal durch deinen enorm langen Beitrag gelesen.

    Was mir dabei auffällt: Du hast ja selber als "Laie" mit entsprechender Lektüre bei dir die Diagnose gestellt. Warum sollte also ein professioneller Arzt oder Therapeut nicht identisches tun? Damit würdest du dich auf eine höhere Stufe stellen, als die Profis, was widerum quatsch ist, da du dein Wissen ja nur aus Büchern hast, das diese Profis geschrieben haben.

    Ich selber kenne weder Symptome noch sonst was zu der Krankheit, kann also dazu nix sagen. Was ich aber sagen kann ist, dass du dich im Kreis drehst. Du wilslt eine Freundin. Was du nicht willst ist dafür etwas riskieren.

    Da ich keine Ahnung habe, weiß ich nicht, ob du dir die nötigen Umgangsformen selber beibringen kannst. Was ich aber weiß ist, dass dir niemand hier einen genauen Plan für ein Gespräch aufschreiben kann. Wenn du es also alleine schaffen willst, dann musst du es auch alleine versuchen. Dein Fehler ist denke ich, dass du direkt alles oder nix spielen willst. Das ist ja nicht wirklich nötig und entspricht auch nicht dem in der Realität üblichen vorgehen. Wenn ich ein Mädchen nett oder attraktiv finde, dann spreche ich sie an. Wenn das in ner Bar oder Kneipe ist, ist dabei der Filter tatsächlich die Optik. Das mag nun sinnvoll sein oder nicht, es ist so. Triffst du sie dagegen beim Sport oder ist sie die Freundin von ner Freundin von nem Freund kommt man auch schonmal so ins Gespräch und stellt anhand dieses Gesprächs fest, dass diese Person ins "Beuteschema" passt. Der nächste Schritt ist es aber nun sie kennen zu lernen. Ziel ist es dabei entweder sich erstmal anzufreunden/kennenzulernen oder für Profis gleich mal die Beziehungsqualität abzuchecken.

    Für dich wäre also die Freundschaft der richtige Weg. Versuche also beim ansprechen nicht die Beziehung oder den Sex in den Vordergrund zu stellen sondern das kennen lernen. Dabei kann man im übrigen wenig richtig falsch machen. Wenn du einen Fehler machst, wird sie sagen, keine Lust und sich umdrehen. Du wirst einige Versuche brauchen, aber irgendwann wirst du den dreh raus haben.

    Wenn du soweit bist, dann kannst du irgendwann den nächsten Schritt wagen. Ich denke an deiner Stelle wäre es sinnvoll wenn du in dieser Phase dein Gegenüber über deine "Krankheit" aufzuklären. Wer dafür kein Verständnis hat und sich abkehrt, gut der wäre auch für ne Beziehung mit dir nix gewesen. Wer Mitleid hat, hilft dir auch nicht weiter. Aber wer dich ernst nimmt, da kannst du dann weiter dran arbeiten.

    Im übrigen geh nicht davon aus, dass du dein Gegenüber verletzt. Die Erfahrung zeigt, dass du eher das Problem haben wirst, dass sie dich nicht mag, als das sie sich verknallt und du das nicht erwidern kannst.

    So oder so steht dir noch ein harter Weg bevor.

    Ob du das alleine schaffst, keine Ahnung. Aber so läuft es auch bei nicht Autisten ab.


    Eine ganz andere Alternative ist vermutlich das Internet. Da du ja selber schreibst, dass es dir dort weitaus leichter fällt mit jemandem zu schreiben. So kannst du die Person auch vorher schon darüber aufklären, was sie erwartet. Wo du allerdings im Internet Mädels findest, kann ich dir nicht verraten. Ich kenne zwar viele Paare, die sich über das Internet gefunden haben, aber die verdächtigen Kontaktbörsen sind eher nicht der typische Ort der Verkupplung. Meist entsteht sowas eher durch Zufälle.
     
    #18
    Chris84, 11 August 2007
  19. Joppi
    Gast
    0
    Das einzige was ich zu diesem Thema weiß habe ich aus dem Buch "Supergute Tage" von Mark Haddon. Du kennst es wahrscheinlich. Wegen dieses Buches möchte ich dir auch keine Tipps geben, da ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, welche Tipps für dich hilfreich wären. Einen hätte ich dennoch, den du aber sicherlich als letztes hören wolltest:

    In eine Therapie will kein Mensch und vor allem nicht jemand wie du. Ich hoffe dennoch, dass du es irgendwie schaffst. Und falls ja, hoffe ich für dich, dass du gutes Personal erhälst!!
     
    #19
    Joppi, 11 August 2007
  20. Aeldran
    Aeldran (33)
    Verbringt hier viel Zeit
    189
    103
    4
    Verlobt
    Ich versuche es mal nach der Reihe :zwinker: Und es tut mir leid, wenn der eine oder andere sich angegriffen gefühlt hat, ich erlebe so Laien-Diskussionen so oft...

    Also, einsamerEngel:

    Therapie ist sehr wichtig, aber dabei geht es nicht um Psychotherapie!
    Autismus hat nichts mit der Psyche zu tun. Es ist ein angeborener Defekt, der sich nicht heilen lässt, sondern "nur" sotialisieren in bestimmten eingeübten Formen, praktisch als "lernen-erinnern-anwenden".

    Das Hintergrundwissen, dass vielleicht hier wichtig wäre, ist aber sehr umfangreich, deswegen finde ich ja eben, dass das Forum hier nicht der richtige Ort ist, um so etwas zu diskutieren, eben WEIL die meisten ja Laien sind. Und eben WEIL ja so viele hier sagen, dass er sich um Psychotherapie kümmern sollte oder sich in etwas reinsteigert. Aber allein die Symptome, die er aus der Kindheit genannt hat, sprechen eine andere Sprache.
    Ich begleite einen Jungen in die Grundschule, einen Asperger. Dafür habe ich Seminare besucht, extra um die Verhaltens- und Denkweisen zu verstehen und deuten zu können. Und eben auch, um gegebenenfalls auf ihn einwirken zu können, so wie er es braucht, wenn er austickt, weil er mit einer Situation nicht klarkommt.

    Deswegen meine ich, dass das Forum nivht der ideale Ort ist für solche Diskussionen.

    @cynthia_ann:

    ich habe mir die "kurze anamnese" hier durchgelesen, also das, was er über seine vorgeschichte geschrieben hat.
    Dass jeder mal solche sozial problematischen phasen hat, sehe ich genau so, aber da ist eben zu viel bei, das nur auf autismus passt. autismus sucht sich leider nicht die symptome raus, die es grade zeigen will, sondern liefert leider immer das volle programm.
    wenn es in der kindheit schon zu so störungen und inselbegabungen kam wie die sprachprobleme und mangelnde koordination (störung) und die auffassungsgabe für lesen, schreiben und logik (inselbegabungen, wer gewinnt als normaler 5-jähriger im schach?) , dann sind das für leute, die sich etwas auskennen schon SEHR deutliche Anzeichen für Autismus. Asperger, Atypischer oder frühkindlicher Autismus ist, sei mal dahingestellt. Wobei man den Asperger erst ab dem dritten Lebensjahr überhaupt erkennen kann.

    Leider können sich Autisten den sozialen Umgang mit anderen Menschen nicht selbst beibringen, da sie ihr Verhalten ja nicht einordnen können, was richtig und was falsch ist. Sie wissen um bestimmte Abläufe, aber wie genau das jetzt mimisch oder gestisch abläuft, jemandem zu zeigen, dass er einen mag, können sie nicht einordnen, dementsprchend auch nciht allein erlernen.



    Wer Interesse hat, kann sich ja mal den Wikipedia-Artikel durchlesen,d er scheint fachlich gut, aber schön verständlich zu sein.
     
    #20
    Aeldran, 11 August 2007
    • Danke (import) Danke (import) x 1

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