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wird mein leben je wieder normal?

Dieses Thema im Forum "Kummerkasten" wurde erstellt von Liebesengel, 30 August 2008.

  1. Liebesengel
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    Single
    ich weiß selber nicht wo ich anfangen soll...

    vielleicht zuerstmal: ich bin seit über einem jahr in therapie.

    meine probleme? vielschichtig.
    äussern tun sie sich in depressionen, panikattacken, unbegründeten ängsten (die dann zu panikattacken werden) und mittlerweile... sowas wie eine esssucht. ich werde seit monaten einfach nur dicker (im letzten jahr hab ich ca 12 kg zugenommen) und das schlimmste was ich mir vorstellen kann, ist eine diät. weiters svv (schon weniger geworden) und ein fehlendes körpergefühl, weswegen ich mich sehr oft verletze.
    weiters 2 todesfälle in meiner kindheit die ich nie verkraftet habe.


    was dahinter steht?
    ein missbrauch in der kindheit, ein ebenfalls psychisch kranker vater der sich dies aber nicht eingesteht und die familie terrorisiert, dauernder streit meiner eltern und somit dauernd schlechte stimmung in der familie, ein darunter leidender kleiner bruder.
    weiters habe ich angst vor sexualität und männern, ich habe kein soziales gespür (weiß oft nicht was angebracht ist und was nicht), mein selbstbewusstsein ist nicht mehr vorhanden.
    ich lebe mein leben für meinen vater, ich erfülle seine erwartungen, ich bin krankhaft perfektionistisch und halse mir immer zuviel auf. aufhören tue ich erst, wenn es gar nicht mehr geht weil ich krank bin etc.

    ich bemühe mich wirklich, es ist auch schon besser geworden, ich WILL alles aufarbeiten (naja, fast alles...) und wieder "normal" leben können aber ich habe so oft das gefühl, das ich das nie schaffen kann! weil es einfach so viel ist! ich weiß nicht wo ich anfangen oder aufhören soll, ich verstehe die verbindungen unter meinen problemen nicht, etc.

    es kommt mir so wie ein riesen haufen vor, ich weiß nicht auf welcher seite ich beginnen soll ihn aufzuräumen und werd ich je den ganzen haufen aufgeräumt haben?

    ich weiß nicht ob das irgendwer verstehen kann, aber momentan seh ich einfach keine hoffnung mehr... obwohl ich so gerne normal leben will...
     
    #1
    Liebesengel, 30 August 2008
  2. User 50283
    Sehr bekannt hier
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    nicht angegeben
    Lass dir beim aufräumen professionelle Hilfe angedeihen. Bei dir liegt eine ganze Menge im Argen, das kann man nicht einfach so alleine bewältigen. Lass dir bitte helfen!
     
    #2
    User 50283, 30 August 2008
  3. Liebesengel
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    Single
    ich mache bereits eine therapie...

    phasenweise geht es mir auch gut- dann ist halt alles nicht so präsent!
    bei mir gibts es überhaupt nur extrem schlecht oder extrem gut- mittelding kenne ich nicht.

    ich bin einfach schon so verzweifelt... ich mache eine therapie, ich möchte wirklich das es besser wird, ich bemühe mich, ich tue ich mache, ich versuche mich mittlerweile von meinen eltern abzunabeln (was das nächste problem ist) aber irgendwie... es wird einfach nicht besser :kopfschue

    ich kämpfe seit über einem jahr- schön langsam wird es einfach zu viel! vorallem weil zwar gsd die symptome besser werden (weniger panikattacken und weniger svv) aber die ursachen bleiben da :flennen:

    ich weiß nicht ob das irgendwer versteht... und ja, ich bin momentan in einer depressiven phase. aber auch diese extremen hochphasen bringen mich nicht weiter, weil ich in ihnen meine probleme ja verdränge! das ist auch der grund warum ich kein antidepressivum möchte... ich möchte es von grund auf aufarbeiten, verarbeiten. aber es scheint so aussichtslos :kopfschue
     
    #3
    Liebesengel, 30 August 2008
  4. blondi445
    blondi445 (28)
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    Verliebt
    hallo engelchen

    erstmal möchte ich dich am liebsten ganz ganz fest in arm nehmen. Hast du Menschen die das hin und wieder tun? hast du menschen, die dich lieben? Freunde?

    Ich finde dich wahnsinnig stark und ich glaub mit einem "tut mir leid für dich satz" ist dir auch nicht geholfen.n Aber ich möchte dir einfach sagen, dass du es schaffen kannst. Auch wenn du nicht daran glaubst. Und das du Hilfe annimmst finde ich sehr bemerkenswert, denn das ist der erste Schritt in richtung besserung.

    Ich kann dir leider nicht sagen wie lang es dauernd wird, und du wirst sicher viele höhen und tiefen haben, aber du wirst es schaffen.

    Ich würde dich am liebsten jetzt herholen dir nen schönen Tee machen und dich in Arm nehmen. Ich glaube das dir das sehr gut tun würde.

    Fühl dich mental von mir gedrückt, und wenn du reden willst, dann schreib mir doch nen PIN, auch wenn wir uns nicht kennen würde ich gern mehr über dich und deine Probleme und auch deine Fortschritte erfahren.

    Ich wünsche dir viel Kraft und vorallem Zuversicht!!!

    :knuddel:
     
    #4
    blondi445, 30 August 2008
  5. Liebesengel
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    Single
    vielen dank für deine lieben worte!

    leider habe ich keine freunde, die mich aufbauen und mich unterstützen... ich habe zwar einige "freundinnen"... aber die lasse ich nicht nah an mich ran. niemand ausser meinem ex kennt meine ganze geschichte. für alle anderen lächle ich, auch wenn es mir schlecht geht :frown:
    und meine eltern... erkennen den ernst der lage leider nicht.

    es ist... ich will weiter hoffen, ich will weiter dran glauben, das alles gut wird. deswegen hab ich die therapie begonnen, sonst hätte ich gleich aufgeben können. aber momentan wirkt es wirklich unmöglich! unschaffbar... furchtbar ohnmächtig.

    ich muss durchbeissen... aber ohne hoffnung wird es sehr schwer...
    und meine- ich nenn es mal stimmungsschwankungen- belasten mich schon sehr.
    weiterhin habe ich bis jetzt keine klare diagnose, was ich eigentlich habe! irgendwie alles... nicht so einfach :kopfschue
     
    #5
    Liebesengel, 30 August 2008
  6. User 53338
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    offene Beziehung
    Hi,

    was du da schreibst kann ich gut verstehen. Dieses Ohnmachtsgefuehl, dass man vor dem absoluten Chaos steht und nicht weiss, wo Vorne oder Hinten ist.

    Kannst du vielleicht ein Gefuehl ausmachen und daran bestimmen, wo du im Moment glaubst was dich am meisten belastet? Vielleicht kannst du aber auch so an die Sache gehen das du schaust, welches Problem dich derzeit am intensivsten in deinem Leben belastet - vielleicht dein Vater? Das ist nur eine Vermutung von mir, es hoert sich zumindestens so an das du unter ihm und seinen Verhalten stark leidest. Vielleicht wird dadurch einiges deiner Symptomatik mit ausgeloest?

    Was fuer eine Therapie machst du, wenn ich fragen darf? Nicht jede Therapie ist fuer jedes Thema geeignet. Wenn du von Missbrauch und Todesfaellen schreibst, hoert sich das nach Traumatisierung an - da denke ich, waere eine Traumatherapie angebracht, jedoch erst, wenn du genug Stabilitaet besitzt und das kann durchaus schon mal mehrere Jahre dauern (zumindestens ist das meine Erfahrung).

    Hast du mit deinem Therapeuten darueber mal gesprochen? Vielleicht waere es auch gut wenn du eine stationaere Therapie machst? Die haette den Vorteil das du dich komplett auf dich selbst konzentirerst, du aus deinem Umfeld mal heraus und von allem weg kommst und dich gezielt um deine Gesundheit kuemmern kannst...
     
    #6
    User 53338, 30 August 2008
  7. User 35148
    User 35148 (43)
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    nicht angegeben
    Wieso denkst Du denn, Du müsstest ALLES aufarbeiten?
    Erstens MUSST Du das gar nicht, zweitens solltest Du nicht gleich an den riesen Berg denken, sondern nur an den Anfang des Anstiegs.
    Oder "zerteile" gedanklich den Berg in kleine handliche Hügel, oder einen Haufen Pakete.

    Und nun ganz pragmatisch: mach Dir eine Liste von Dingen, von Aufgaben, die Du erledigen willst. Vergib ihnen eine Priorität, und eine Art Aufwandsabschätzung, damit Du weißt, wie lange dieses "Arbeitspaket" dauert.
    Und dann fang an, Paket für Paket abzuarbeiten. Egal wie lange eines dauert, egal wieviele noch da sind.

    Ich kann Dir sagen, manche Arbeiten bleiben liegen, werden nicht weiter beachtet, und irgendwann ist das egal.

    Noch eins, Du darfst Dich nicht verantwortlich für Deinen Vater fühlen, und Du solltest nicht alle Erwartungen erfüllen müssen.
    Oder hast Du eine solche Angst vor ihm?

    :engel_alt:
     
    #7
    User 35148, 31 August 2008
  8. Liebesengel
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    Single
    ich mache eine gesprächstherapie, die mir schon sehr geholfen hat.
    mein problem ist aber auch, das ich nie an einem thema dran bleibe. da kommt in einer woche als thema der tod eines freundes, ich sitze in der therapie und kreische und heule und dann vergrab ich es wieder ganz weit unten und bei der nächsten sitzung gehts um meine Beziehung zu meinem vater. und dann nach monaten sitze ich wieder heulend und kreischend wegen dem tod des freundes...

    also insgesamt würde ich schon sagen das es mir besser geht- aber ich hab eben das gefühl, die ursachen bleiben die gleichen :frown:
    jetzt hatte ich aufgrund von urlaub etc wieder 6 wochen keine therapie und schon sitz ich wieder in einer depression fest!

    mein problem ist, ich kann das ganze nicht in einzelne themenbereiche teilen, weil es für mich ein großes ganzes ist, das auch zusammenhängt! ich seh da eben selber nicht durch!
    ihr schreibt mir so liebe sachen, so gute Tipps die für mich selber auch logisch erscheinen aber ich wüsste nicht, wie ICH sie umsetzen sollte! momentan ist meine welt wieder dunkel und schwarz, furchtbar anstrengend und beänstigend. ich habe schmerzen und spüre eine wahnsinnige verzweiflung über mein leben!

    stationäre therapie... hm. ehrlich gesagt hab ich angst davor. ich hab sowieso angst vor fremden menschen, und dann noch soviele auf einem haufen :kopfschue da hab ich jetzt schon horrorvorstellungen... ausserdem könnte ich dann mein pferd nicht sehen, und der ist der einzige grund, warum es mich noch gibt...

    die beziehung zu meinem vater ist mehr als problematisch, wobei er das natürlich nicht so sieht. ich versuche ständig, ihm zu imponieren, er findet alle meine leistungen "Normal" und nicht aussergewöhnlich, ich hatte noch nie das gefühl seinen ansprüchen zu genügen. da er in meinen augen selbst eine psychische erkrankung hat ist auch der sonstige umgang mit ihm nicht so leicht, er walzt über die gefühle anderer einfach drüber, alle wollen ihm böses und es ist sowieso nur das die wahrheit und realität, was er denkt.

    morgen habe ich wieder therapie und ich hoffe das es mir dann wieder besser geht.

    falls noch jemand tipps oder erfahrungsberichte hat würde ich mich darüber freuen...
     
    #8
    Liebesengel, 31 August 2008
  9. Melua
    Melua (33)
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    vergeben und glücklich
    Ich schließe mich dem Tipp von einsamerEngel an.

    Versuche, ruhig auch mit dem Therapeuten zusammen, die Problempunkte aufzuteilen und nimm dir Stück für Stück vor. Es ist auch ein Stück weit normal, dass du zwischen zwei oder mehreren Punkten hin- und herspringst, weil sie vermutlich sich gegenseitig bedingen oder beeinflussen. Versuche aber trotzdem, Punkt für Punkt abzuhaken. Lass auch abklären, was du überhaupt verarbeiten musst.

    Und vor allem, vergiss nicht deinen bisherigen Weg. Schau zurück, was vor einem Jahr war und freue dich an den vermeintlichen Kleinigkeiten, z. B. den weniger oft auftretenden Panikattacken. Und versuche auch, dir selbst zu überlegen, was du möchtest und wie du dein Leben gestaltest. Es nur anderen Recht machen zu wollen, bringt nichts und macht dich nur noch mehr unglücklich. Wenn du gern malst, dann male. Wenn du gern Bauzeichnerin werden willst, dann tu es.

    Du musst zuerst ein Stück weit egoistisch werden, um dich selbst wieder zu finden. Erst dann kannst du an deinen sozialen Fähigkeiten arbeiten, denn nur dann bist du in der Lage, dich auf andere einzulassen.

    Ich wünsche dir allles Gute!
     
    #9
    Melua, 31 August 2008
  10. User 70315
    User 70315 (28)
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    1.122
    Verheiratet
    Hey du!

    In einigen Sachen, die du schilderst finde ihc mich wieder (SVV, Depression, Panik...) und jene Dinge haben mein Leben schon mehr als genug heruntergewirtschaftet. Letztlich konnte ihc mir mit Hilfe meiner Freundin, aber vor allem mir selbst, wieder hochhelfen.

    Du solltest dir über einige Fragen klar werden: (Ich bin nicht psychologisch ausgebildet, aber jene Sachen haben mir selbst geholfen)

    1. Wer bin ich? Selbstfindung ist ne ganz wichtige Sache. Werd dir klar, dass zum beispiel nicht dein Vater dich bestimmt. DU bestimmst ganz allein was mit dir wird und wie es dir ergehen kann. DU bist wertvoll, denn du bist einzigartig.
    Denk mal nach... welche Dinge machen dich einzigartig. Du suchst Bestätigung bei deinem Vater, möchtest ihm imponieren.
    Was ich aber vermute ist: du hast dir selbst noch nicht imponiert! und das sollte immer der erste Schritt sein!

    2. Wo möchte ich hin? Ich lese aus deinen Beiträgen ne gewisse Getriebenheit heraus. Es scheint, als wäre in dir ein kleiner Vulkan, ganz viel Druck. Du treibst dich selbst in eine Richtung. Nur was ist da am Ende, was wartet auf dich? Bzw. Was soll da auf dich warten? Heilung, Liebe...

    3. Gibt es Anzeichen für "schlechte Tage"? Du schreibst , du hast Phasen in denen du dich besser fühlst, dann "rutscht" du praktisch wieder ab. Bevor du abrutscht, gibt es gewisse Anhaltspunkte an denen du die Bedrohung festmachen kannst? Dass du direkt an jenen Punkten ansetzen kannst, um zu versuchen das kommende schlechte Gefühl zuverhindern (z.b. Depression)?

    Du schreibst du kannst viele Dinge, viele Tipps nicht in die Tat umsetzen. das verlangt keiner von dir:zwinker:
    aber ich empfinde grad eine Sache als wirklich immens wichtig:
    versuche ein Gleichgewicht in deine Handlungen, Gefühle... zu bekommen. Versuche dir nicht zu viel aufzuhalsen.

    Stecke dir Ziele, aber keine zu hohen.
    Erwarte nie riesen sprünge und wenn du merkst, die Gesprächstherapie hat Erfolg gezeigt, genieße das Gefühl ganz bewusst. Mach dir klar: Du bist nicht hoffnungslos, ganz im Gegenteil, es geht nach vorn und viele kleine Schritte sind wertvoller als ein großer!

    Rückschläge passieren immer! leider. Sie sind sehr hart, aber lerne sie zu akzeptieren.

    Du bist keine Maschine, sondern ein emotionaler MEnsch, der viel Leid erfahren musste.
    Nun schau nach vorn!

    hast du vielleicht schon mal an ein Forum gedacht, in dem es viele Menschen gibt denen es ähnlcih geht?

    Kenne dieses hier: www.depri.ch -> bin da auch angemeldet, finde es eigentlich gut. Du kannst dich dort auch über deine Therapie unterhalten u.s.w.

    Ich wünsche dir viel KRaft!!!
     
    #10
    User 70315, 31 August 2008
  11. Liebesengel
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    Single
    wow, danke für diesen satz! hat den nagel absolut auf den kopf getroffen- wenn es doch nur so einfach wäre :frown:

    ich will nicht jammern, ich will niemandem zur last fallen oder gar jemanden in meine probleme hineinziehen. deswegen weiß auch praktisch niemand von meinen problemen.

    momentan macht mir sehr zu schaffen, das ich auch gar kein körperbewusstsein habe. ich spüre mich selbst nicht! eh schon seit jahren, aber momentan ist mir das sehr bewusst. ich laufe einfach dauernd irgendwo an, habe probleme erklärte bewegungen umzusetzen... spüren tu ich mich nur, wenn ich schmerzen habe oder von jemand anderem berührt werden...

    ich möchte mit meiner therapeutin auf jeden fall darüber reden.. aber ich habe manchmal bedenken, auch sie könnte mich nicht verstehen bzw sich denken "das ist ja alles nicht so schlimm wie sie tut". bin halt leider sehr abhängig von der meinung anderer :kopfschue
     
    #11
    Liebesengel, 31 August 2008
  12. Bailadora
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    Hei Liebesengel,

    ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Du Dich fühlst. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich vor genauso einem Chaos und dem Gefühl gestanden "Wo soll ich nur anfangen? Ich muss dies unbedingt, ich muss das...".
    Bis noch vor ein paar Monaten habe ich mich auch noch gefragt, ob ich jemals aus dieser Depression rauskomme. Hatte ich schlechte Phasen, war alles tiefschwarz und ich einfach nur verzweifelt. Ging es mir gut, dann war ich wie berauscht und es ging mir nur so, weil ich verdrängte.
    Genau wie Du habe ich einen terrorisierenden Elternpart, genau wie Du bin ich perfektionistisch und selbstkritisch veranlagt.


    Was mir sehr geholfen hat, mich wieder auf ein normales Maß zu bringen, waren zu allererst: Medikamente.
    Ich dachte mir auch erst "Du musst das allein schaffen". Aber es hat so gut getan, als ich diese Riesenverantwortung abgeben konnte. Natürlich musste ich es immernoch größtenteils allein schaffen. Aber nicht mehr ganz allein. Die Medikamente haben mir geholfen, die ersten Schritte zu gehen. Genauso wie die Therapie. Ich finde es sehr gut, dass Du eine machst!
    Aber Beides zu kombinieren birgt die größten Erfolgschancen.

    Es gibt Medikamente, die auch solche extremen Stimmungsschwankungen wie die Deinen mildern. Sie zu nehmen ist keine Schande! Wenn Du eine ganz schlimme Grippe hast, nimmst Du ja auch Antibiotika. Eine Depression ist genauso eine Krankheit und muss demnach genauso behandelt werden!



    Was mir dann als Zweites ganz stark geholfen hat: mich um mich zu kümmern. Mich um mein Glück zu kümmern.
    Und das solltest Du auch. Du schreibst, Du tust alles, um die Erwartungen Deines Vaters zu erfüllen. Du hörst erst auf, wenn Du gar nicht mehr weiter kannst. Du nimmst Dich selbst nicht wahr.


    Was ich hier sehe: Dein Vater überschreitet anscheinend regelmäßig Deine persönlichen Grenzen. Du überschreitest sie selbst regelmäßig, um seinen und auch Deinen Ansprüchen zu genügen. Du bist Dir selbst nichts wert - sonst würdest Du aufhören, bevor Du vor Erschöpfung nicht mehr kannst.
    Und das tust Du, weil Du gar nicht weißt, wo Deine persönlichen Grenzen sind. Wer Du bist. Was Du brauchst, was Du willst, um glücklich zu sein.
    Dass Du wertvoll bist.

    Kein Wunder. Dein Vater hat Dir vermutlich von klein auf vermittelt, dass Deine persönlichen Grenzen - und damit auch Deine Bedürfnisse, DU - nichts wert sind. Sonst würde er sie ja nicht permanent überschreiten. Du hast es also nicht anders gelernt, kannst nichts dafür.
    Aber nicht nur das - nicht nur, dass Du Dir nichts zugestehst - Du bestrafst Dich auch noch selbst. Indem Du Dich total unter Druck setzt, Dir riesige Berge Arbeit aufhalst und Dich permanent selbst überwachst und kritisierst.

    Weißt Du, ich hab das genauso gemacht. Aber wirklich voran gegangen ist es erst, wirklich besser ging es mir erst, als ich mir gesagt habe: ich MUSS gar nichts. Wichtig ist nur, dass es mir besser geht. Dass ich zufrieden mit meinem Leben und mir werde.

    Und ich habe angefangen, mir Fragen zu stellen:
    Muss ich das jetzt unbedingt perfekt machen? Muss ich das überhaupt machen, oder mache ich es nur, weil ich Erwartungen genügen will? Tut es mir gut, das (jetzt) zu machen?
    Will ich das überhaupt? Oder will ich lieber etwas anderes? Kann ich noch oder brauche ich eine Pause?

    Und anstatt mich fertig zu machen, weil etwas nicht so gelaufen war, wie ich wollte:
    Warum ist das jetzt schief gegangen? War mein "Versagen" überhaupt so schlimm? Ist es nicht eher verzeihlich? Wie kann ich das in Zukunft besser machen? Will ich das überhaupt besser machen?


    Nehmen wir das Beispiel Therapie. Was ist so schlimm daran, wenn Du die Themen immer wieder wechselst? Du besprichst sie halt dann, wenn sie Dich gerade am meisten beschäftigen - ist nicht gerade dafür eine Therapie da? Viel schlimmer wäre es doch, sie den Moment weiter in Dich reinzufressen. Wenn es raus muss, muss es halt raus!
    Gesteh Dir das selbst zu. Genauso, wie Du Dir nicht Druck machen solltest, alles aufarbeiten zu wollen. Aufarbeiten braucht Zeit. Druck bringt da gar nichts. Aufarbeiten braucht Kraft. Aber die brauchst Du doch jetzt eigentlich dafür, um zu Dir selbst zu finden. Wenn Du jetzt das Gefühl hast, dass alles gar nicht aufarbeiten zu können, warum willst es dann trotzdem tun?
    Gönn es Dir, die Vergangenheit mal Vergangenheit sein zu lassen. Denk dann darüber nach, wenn es Dich plötzlich überfällt und Du drüber nachdenken willst. Manches kann man auch gar nicht aufarbeiten - sondern nur lernen, damit zu leben. Und anderes kann man erst mit gewissem (zeitlichen) Abstand verarbeiten.

    Und damit komme ich zu Deinem Elternhaus. Du bist 21 und leidest darunter, bei Deinen Eltern zu wohnen - was ganz normal ist, irgendwann ist man erwachsen und will autonom sein, sein eigenes Leben leben. Die Eltern sind da erstmal nur im Weg.
    Und noch viel klarer wird es, wenn man bedenkt, was bei euch daheim abgeht. Mir geht es hier "daheim" erst besser, seitdem ich weiß, wann ich hier endlich ausziehe. Und seitdem ich mein eigenes Geld verdiene (ich jobbe).
    Da lässt sich auch der Terror leichter ertragen. Aber raus aus dem Terror muss ich trotzdem. Sonst werde ich nie wieder ganz gesund.
    Und das wird bei Dir ähnlich sein.



    Deinem Vater wird es nicht gefallen, wenn Du ihm Grenzen setzt und nicht mehr (alle) seine Erwartungen erfüllst. Und es wird ihm erst recht nicht gefallen, wenn Du Dich seinem Einfluss entziehst und ausziehst. Aber - und hier verwende ich das Wort absichtlich - Du MUSST das tun. Für Dich.
    Denn der einzige Mensch, dem Du wirklich etwas schuldest, bist Du.
    ____________________________________________________________________

    EDIT:

    Dein Therapeut denkt sich ganz sicher nicht "ach, was hat die eigentlich für Probleme" - der hat das studiert und weiß ganz genau, was für riesen Probleme das sind. und nicht zuletzt ist er dafür da, um Deine Probleme ernst zu nehmen und Dir zuzuhören und zu helfen!
    also kein schlechtes Gewissen: Du darfst jammern! :zwinker:


    Übrigens: das "egoistischer werden", wie es Melua nennt, ist ein harter Weg - aber es ist möglich! Seitdem ich damit angefangen habe, bin ich - quasi als Nebeneffekt - sozial fähiger geworden.

    Setz Dir doch ein schönes Ziel - statt all dem Druck. Wie wäre es mit:
    Ich will, dass es mir gut geht!


    Du musst Dich nur entscheiden, das auch wirklich zu wollen. Dann, bin ich fest überzeugt, schaffst Du das :smile: egal, wie hart es wird.
     
    #12
    Bailadora, 31 August 2008
  13. Liebesengel
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    378
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    1
    Single
    wow, du hast gerade den nagel auf den kopf getroffen!
    ich bin ganz baff... es gibt jemanden, dem es genauso geht...

    alles was du schreibst, stimmt!! und zwar zu 100%. wow.

    vielen vielen dank für diesen wertvollen beitrag!!!
    ich fühl mich grad verstanden, das ist ein tolles gefühl!

    vielen dank für deine ermutigungen und für die zeit, die du dir für mich genommen hast :smile:

    was du gesagt hast war mir natürlich nicht neu, aber es aus dem mund einer betroffenen zu hören is dann doch was anderes :smile:

    vielleicht zur richtigstellung: ich wohne nicht mehr zuhause. ich wohne neben meinen eltern in einer wohnung, die mein vater mir bezahlt. dementsprechend bin ich sehr oft bei ihnen... mein vater versucht auch so mit allen mitteln meiin leben in seinen händen zu behalten, indem er mir halt alles bezahlt etc.
    bissl schwierig für mich.

    wenn du nochmal irgendwann zeit hättest würd mich interessieren, wie du es geschafft hast da rauszukommen und vorallem, wie du das mit den medikamenten gemacht hast! es wäre super wenn du mir eine pn schreiben könntest!?

    vielen lieben dank!!
     
    #13
    Liebesengel, 31 August 2008

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