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Zwei Freunde

Dieses Thema im Forum "Geschichten, Gedichte und Nachdenkliches" wurde erstellt von User 13029, 5 August 2006.

  1. User 13029
    Verbringt hier viel Zeit
    2.014
    121
    0
    Es ist kompliziert
    Maiko sitzt an Steffens Bett und weint. Er weiß nicht, warum. Aus Trauer? Aus Wut? Aus Enttäuschung? Das Wasser fleißt aus seinen Augen, sein Herz ist schwarz und leer, als hätte sich ein Gewitter dort entladen und jedes Leben mit gezielten Blitzschlägen zerstört.
    Maiko weint.

    Steffen und Maiko kannten sich seit dem Kindergarten. Sie spielten zusammen im Sandkasten und kamen damals auch gleich in dieselbe Grundschulklasse. Sie tauschten Panini-Bilder, lieferten sich heiße Tetris-Duelle auf ihren Gameboys, machten fast jeden Tag den örtlichen Bolzplatz unsicher und schrieben bei den Klassenarbeiten fast ständig voneinander ab.
    Maiko, der ältere der beiden, war immer der Stillere. Nie spielte er sich in den Vordergrund, auch als Kind nicht. Während Steffen im Laufe der Jahre beispielsweise erhöhtes Interesse am weiblichen Geschlecht zeigte und sich die Wochenenden auf Feten um die Ohren haute, zog Maiko es vor, die Abende lieber mit spannenden Büchern und ein paar Knabbereien zu verbringen.
    Dennoch: Sie verloren sich nie aus den Augen und trafen sich auch in späteren Kindheitsjahren regelmäßig. Obgleich Maiko mit Steffens Welt nicht viel anfangen konnte, hatten sie trotzdem genug gemeinsame Interessen, um einander nicht aus den Augen zu verlieren.

    Eine Männerfreundschaft. Die Grundschule ging, das Gymnasium kam. Die Jahre verwehten mit der Zeit, und eh sich beide versahen, standen sie kurz vorm Abitur.
    Steffen hatte sich in dieser Zeit einen gebrauchten Kleinwagen gekauft und mit dem Geld, dass er sich beim Kellnern in einem örtlichen Szenelokal dazuverdiente, diesen ein wenig "hergerichtet", wie er es nannte: Tieferlegung, Riesenfelgen, Breitreifen, Verspoilerung und eine laute Musikanlage. Damit war er so ziemlich der König des Schulparkplatzes.
    Maiko, mittlerweile ein belesener Brillenträger, bevorzugte das Fahrrad als Transportmittel. Schaute man sich beide unabhängig voneinander an, hätte man niemals gedacht, dass hier die beiden dicksten Freunde stehen.

    Maiko weint immer noch. Langsam kommt so etwas wie Wut auf, die nach einigem Nachdenken jedoch der puren Verzweiflung weicht. Jemand hat ihm ein Glas Wasser gebracht. Und ein paar gute Ratschläge.

    Irgendwann hatte Steffen es geschafft, Maiko auf eine der zahllosen Feten mitzunehmen, die in diesem Jahr in der Jahrgangsstufe abgehalten wurden. Es dauerte genau sechs doppelte Wodka, bis Maiko mit einer hübschen Blondine aus Steffens Englischkurs ins Gespräch kam.

    Zwei Wochen später war Maiko vergeben: Er hatte bei zwei Treffen Katjas Herz gewonnen und hatte plötzlich eine Freundin. Steffen mußte in sich hineinlächeln, als er davon erfuhr - sein bebrillter, langweiliger Kumpel hatte tatsächlich eine Freundin gefunden.

    Das Abitur wurde bestanden - und natürlich gingen beide an derselben Uni studieren. Steffen lernte dort Bernd kennen, einen mehr als korpulenten, langhaarigen Kommilitonen, der ihn in die weite Welt der Unifeten einführte.
    Während sich Maiko ganz auf sein Studium konzentrierte und die Wochenenden mit Katja verbrachte, zog es Steffen vor, zusammen mit Bernd jeden Abend eine andere Party unsicher zu machen.

    "Die Mathematiker veranstalten am Samstag ihre Sommerfete", las Steffen das Plakat an der beigen Wand vor.
    "Ich weiß", nickte Bernd. "Leider kann ich dieses Wochenende nicht, meine Mutter hat Geburtstag."
    Steffen blickte enttäuscht auf.
    "Und jetzt? Soll ich da alleine hin?"
    "Ach was", winkte Bernd ab. "Frag doch deinen Kumpel da, diesen Komischen mit der Brille", schlug er vor.
    "Du meinst Maiko?"
    "Ja, genau. So hieß der."
    "Hm", machte Steffen. "Eigentlich ist der für sowas nicht zu haben... aber Fragen kostet ja nichts."

    Steffen rührt sich nicht. Kein Zucken in den Fingergliedern, kein Blinzeln, keine Bewegung. Maiko trinkt seinen nächsten Kaffee. Er hat keine andere Wahl: Er muß hier warten, wenn er seinen Frieden finden will.

    Maiko war in der Tat nicht sonderlich begeistert von Steffens Idee - Katja dafür umso mehr. Und schon kochte zwischen beiden ein leiser Streit hervor, warum man denn nicht gemeinsam die Sommerfete der Mathematiker besuchen könnte.
    Das Ende vom Lied: Katja fuhr mit Steffen weg und Maiko wünschte beiden viel Spaß: "Bring sie mir ja gesund zurück", frotzelte Maiko. Steffen grinste: "Keine Sorge."

    Kaum waren die beiden aus Maikos Tür, klingelte Steffens Handy. Bernd sagte seine Absage wieder ab, seine Mutter hätte nichts dagegen, wenn er auf dem traditionellen Geburtstagskaffee mal fehlen würde. Also fuhr man zu dritt: Steffen lenkte seinen rasanten Schlitten, Bernd und Katja fuhren mit.

    Maiko streicht sich durch das verschwitzte Haar und putzt seine Brille. Hat das Sinn, was er hier tut? Wie sind die Chancen, jemals diese eine Information zu bekommen?

    Sie tranken.
    Alle drei.
    Bernd, Katja und auch Steffen. Und noch während sich Maiko unruhig im Bett hin und herwälzte, versuchte Steffen sturzbetrunken, seine Begleitung möglichst sicher nach Hause zu bringen.

    Als ein Reh die Landstrasse kreuzte, verriß er das Steuer.
    Der Wagen geriet ins Trudeln, schleuderte von der Straße und rammte frontal einen Brückenpfeiler.
    Katja bemerkte auf dem Beifahrersitz nicht, wie ihr geschah.
    Bernd, der unangeschnallt hinter ihr saß, wurde mit seiner ganzen Leibesfülle in ihren Rücken geworfen. Katjas Sitz riß aus der Verankerung und drückte sie ebenfalls weiter nach vorne. Gleichzeitig kam ihr von vorne der Motorblock und das Armaturenbrett entgegen.

    Sie konnte fühlen, wie ihre inneren Organe rissen und das Blut in ihren Körper schoß. Sekunden nach dem Aufprall war sie auf einer Fläche eingeklemmt, die so breit war wie eine Wasserflasche.
    Das Gewicht des toten Bernd preßte auch den letzten Tropfen Blut aus ihrem Körper.

    Steffen spürte seine Beine nicht mehr.
    Er versuchte, seine gebrochenen Arme zu bewegen, doch sie gehorchten nicht.
    Mit der linken Wange lag er auf dem Armaturenbrett und starrte zu Katja herüber.

    Sie sprach noch zwei, drei Sätze zu ihm, sie fragte etwas, er sagte daraufhin "Ja". Dann spuckte sie schrecklich viel Blut und starb.
    Steffen wurde schwarz vor Augen.

    Maiko geht unruhig auf und ab. Seit vier Tagen und fünf Nächten wartet er darauf, dass Steffen aufwacht. Es ist egal, was er erzählt. Es kommt nur auf zwei bis drei Sätze an.

    Die Polizei benachrichtigte damals auch Maiko.
    Ihr Freund liegt im Krankenhaus Soundso im Koma, sagte man ihm, man weiß nicht, ob er jemals wieder aufwacht.
    Maiko konnte den Notarzt ausfindig machen, der die drei aus dem Blechknäuel geholt hatte, das mal Steffens Auto war.
    "Die Frau hat noch kurz gelebt und gesprochen", sagte der Notarzt, "der Fahrer hat uns das noch gesagt, bevor ins Koma gefallen ist.

    Nun sitzt Maiko an Steffens Bett und hofft. Darauf, dass Steffen ihm verrät, was Katjas letzte Worte waren. Er tippelt unruhig hin und her, er ist nervös, ungeduldig, verzweifelt und tieftraurig. Er ist müde, wütend und hat keine Kraft mehr zum Weinen.

    Der kleine Kasten neben Steffens Bett macht nicht mehr piep-piep-piep. Er macht nur noch piiiiiieeeeeee.....
     
    #1
    User 13029, 5 August 2006
  2. Never-LuCk
    Never-LuCk (28)
    Verbringt hier viel Zeit
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    0
    vergeben und glücklich
    hö? versteh ich nicht. wieso ist maiko gestorben? nicht steffen? *grummel
     
    #2
    Never-LuCk, 5 August 2006
  3. User 13029
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
    2.014
    121
    0
    Es ist kompliziert
    Habs mal geändert.
     
    #3
    User 13029, 5 August 2006

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