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  • celavie
    celavie (36)
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    11 Juni 2010
    #1

    Ökos (Alternative) vs. andere

    Hallo,

    nur zur Erklärung: Das Thema Toleranz beschäftigt mich seit langer Zeit und ich stolper irgendwie immer über folgende Frage:

    Ich fühle mich der sog. alternativeren Szene dem Geiste nach hingezogen und auch zugehörig. Engagiere mich in Öko- und Integrationsprojekten und gehe gern auf "entspannte" Parties wie z.B. die "Umsonst und Draußen Festival"/ Worldmusic-Festivals ect. Leider fällt mir immer wieder auf das diese -ach so tolerante Gruppe- in sich sehr homogen und fast schon intolerant anderen gegenüber ist.

    Am einfachsten lässt sich sowas immer über das Äußere feststellen:
    Wenn man sich äußerlich dem Typus (ich nenn das jetzt mal "alternativ" - ja, das lässt Interpretationsspielraum) nicht angleicht, wird man schnell in die Tussi-Schublade gesteckt v.a. wenn man gern hohe Schuhe und schönen Schmuck trägt.
    Für mich als -selbstdiagnostizierten- sehr toleranten Menschen ist das mehr als nur traurig!

    Mein Frage also: Kann mir jemand diese Widersprüchlichkeit erklären, oder hat sogar selbst schon Erfahrungen damit gemacht?
     
  • Schweinebacke
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    nicht angegeben
    11 Juni 2010
    #2
    Sind halt in letzter Konsequenz genauso große Spasten dabei wie überall woanders auch.








    Bloß dass sie auch noch in Kartoffelsäcken rumrennen, dass macht den Epic Fail dann komplett.
     
  • Reliant
    Reliant (36)
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    vergeben und glücklich
    11 Juni 2010
    #3
    Ganz einfach. Mit dem wegfallen der Identifikation mit dem Heimatland hat sich für das Herdentier Mensch eine neue Möglichkeit der Identifikation Notwendig gemacht. Dieses Bedürfniss wird jetzt durch Gruppen befriedigt. Gehörst du dazu verbindet einen etwas man hat gleiche Ziele werte und kann für die Gemeinschaft kämpfen. Gehört man nicht dazu oder kleidet sich anders macht etwas das der Gruppe nicht passt ist man draussen.
    Toleranz für andere Gruppen ist dabei nicht gegeben.
     
  • MsThreepwood
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    11 Juni 2010
    #4
    Das ist keine besondere Erscheinung bei "Ökos". Vielen Teile von Gruppen oder Szenen, die nach außen wahnsinnig offen und tolerant sind, leben in ihrer eigenen kleinen Welt, die bestimmten Regeln folgen (nur eben anderen als die "normale" Gesellschaft) und akzeptieren wenig anderes, was nicht in ihr Weltbild passt.

    Das findest du bei Ökos, Punks, Gruftis, HipHoppern, Linken, Rechten, etc...
     
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  • aiks
    Gast
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    11 Juni 2010
    #5
    Also ich war ja in meiner Pubertät total da mit dabei und da gab es auch immer Mädchen mit viel Schmuck, hohen Schuhen und alles und das waren oft solche Mädchen, die sehr opportunistisch waren und bei den einen Leuten gemeint haben, dass sie voll öko sind um dann einen Tag später wieder alle ihre Prinzipien um den Haufen geworfen haben, um hip und cool zu sein.

    Grad für die Leute, die ihr Leben nach sowas richten, nur Fair Trade Gewand kaufen, kein Fleisch essen, etc. ist Großkonzern-Mode/Schmuck etc. ein Zeichen dafür, dass man unüberlegt einkauft und Mode höher bewertet als gerechtes/faires Handeln. Was dann halt andere Leute oft dazu verleitet zu betonen, wie sehr man auf dies und das achtet, was das alles dann noch scheinheiliger erscheinen lässt, als dass man einfach sagt "na das ist mir jetzt scheissegal, weil mir Mode (etc.) wichtiger ist."

    Ich mein, mir ist das mittlerweile auch zu blöd geworden und hab mit den Leuten von damals nicht mehr viel zu tun. Und bei den paar wenigen mit denen ich noch Kontakt hab, sag ich was Sache ist und das wird dann so akzeptiert.

    Weil es eben so viele Leute gibt, die sich bei Öko-Leuten einfach einschleimen oder anbiedern wollen, um irgendwie ein gutes Gewissen zu kriegen a la "Ich hab Ökofreunde und kauf einmal in der Woche Fair Trade Orangensaft, jetzt kann ich mich echt zurücklehnen und dafür in den Lidl und Kik einkaufen gehen". Man glaubt gar nicht wie oft man sowas in der Art wirklich zu hören kriegt. Und da bedarf es von der "Öko-Seite" einfach Interesse, Menschenkenntnis und auch was im Kopf, damit man diese Schleimer von Leuten, die auch ohne Südamerika-Pulli völlig in Ordnung sind, unterscheiden kann.
     
  • celavie
    celavie (36)
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    11 Juni 2010
    #6
    Warum bitte sollte (muss) man sich bei den "Öko-Leuten" anbiedern oder einschleimen (müssen)? Damit ich mich für eine Person interessiere muss diese sich doch bei mir auch nicht anbiedern. Entweder man teilt gemeinsame Werte oder eben nicht. Und oft reicht es auch, wenn man einige Werte teilt und dieses Süppchen aus radikaler Kapitalismuskritik eben nicht mitkocht.

    Nochmal: Die lauten Schreie nach mehr Toleranz und die gleichzeitige Ablehnung anderer vertragen sich einfach nicht!
     
  • many--
    many-- (33)
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    11 Juni 2010
    #7
    Wenn man sich von anderen abgrenzt, dann entwickelt man zwangsläufig ein defensives Gruppenbewusstsein, selbst wenn die eigene Ideologie, um deren Willen man sich von anderen abgrenzt, Weltoffenheit und Toleranz lautet.

    Das ist wie mit gewissen Religionen, die mit Frieden und Nächstenliebe anfangen, aber dann auch dazu neigen, ihre Schäflein mit Feuer und Intoleranz zusammenzuhalten. Man ist ja anders, und das will geschützt werden.

    "Die" Alternativen sind halt eine Szene, die sich selbst auch als solche verstehen, und da gehören gewisse Grundansichten zum "Menschenbaukasten", aber auch eben gewisse Äußerlichkeiten. Das ist natürlich in anderen Szenen genauso. Du kannst der trueste Metaller sein - wenn du dabei Poloshirt und Stoffhose trägst, fliegst du trotzdem ausm moshpit raus. Du kannst der größte Spießer der Nation sein - wenn du schwarz bist, kommst du trotzdem nicht in den Schützenverein.
    Und wenn du rumläufst wie Papas reiche Tochter, dann wirst du in einer Szene, die eher linke und antimaterielle Ideale hat, natürlich Probleme bekommen. Wie gesagt: Gruppenbildung funktioniert über Menschenbaukästen, über Äußerlichkeiten - selbst bei Gruppen, die sich um die Fahne der Toleranz geschart haben.
     
  • celavie
    celavie (36)
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    11 Juni 2010
    #8
    @many - sehr schön gesagt! menschen rotten sich eben zusammen, weil sie sich in einer gleichartigen gruppe sicher, stark und geborgen fühlen und grenzen andere dann, wenn auch mit subtilen Mitteln, aus.

    Schade ist das!
     
  • metamorphosen
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    11 Juni 2010
    #9
    Bei den klassischen "Ökos" kommt zu den üblichen Gruppenabgrenzungsprozessen noch dazu, dass sie nicht mehr wirklich das Zentrum der von "ihnen" gestarteten Bewegung sind.

    Die Ideen von Ökologie, Nachhaltigkeit und fairem Handel haben sich weit über ihren Kreis hinaus verbreitet und plötzlich völlig andere Gesichter bekommen.

    Discounter bieten Bio an, CDUler zelebrieren die Einweihung von Solaranlagen, Broker verdienen Geld mit Green xyz Fonds, Grüne tragen plötzlich Anzug, Lohas trinken Lifestyle Biolimonade etc. pp. Das hat alles mit heiler Ökowelt und dem Hardlinertum nicht viel zu tun.

    Da ist der Abgrenzungsbedarf natürlich wesentlich größer, denn von einem Dünnsäure verklappenden Chemiemanager muss man sich nicht so klar distanzieren wie von so einem inkonsequenten Möchtegern-Öko in den falschen Klamotten.

    Zudem sind sich, sobald es um das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit geht, merkwürdigerweise Gegner und Befürworter einig: Entweder muss man es 100% konsequent machen oder gar nicht. Die ersteren nutzen diese Aussage um mit bestem Gewissen einfach so weiterzumachen wie bisher und die anderen um diejenigen zu verdammen, die in völlig menschlicher Weise (also eben inkonsequent) einen kleinen Teil beitragen wollen.
     
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  • User 20579
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    11 Juni 2010
    #10
    Das fasst es sehr schön zusammen. Wobe ich auch glaube, dass selbst die erste Gruppe nicht 100 % machen kann, das ist in meinen Augen ein Irrglaube und man kann nur Prozentsätze erreichen, die nicht sonderlich hoch sind, manche "schaffen" mehr als andere, andere schaffen weniger - und trotzdem ist es mir immer noch lieber, man probiert was, als es ganz zu lassen.

    Was man aber jedenfalls merkt, ist dass die Leute, die "viel" machen, wenig Toleranz gegenüber den Leuten haben, die in ihren Augen zu wenig tun. Das können natürlich auch hohe Schuhe und Modeschmuck sein, setzt sich aber auch in Ernährungsformen fort. Dann hacken Veganer auf Vegetariern rum, Vegetarier hacken in den eigenen Kreisen an denen, die Käfighaltungseier, Gelatine oder Käse mit tierischem Lab essen. Gleichzeitig geht die Diskussion um Leder, tierversuchsfreie Kosmetik, Medikamente (!) etc. los und wer dann noch gute Laune verbreiten möchte, fängt mit Kinderarbeit oder "Dann dürfte man auch nicht mehr Autofahren" an.

    Und klar ist dann eben, dass manche Leute dort gerne eben abgrenzen möchten, wo es offensichtlich ist. Wieso nicht auch auf "Tussis" in Stöckelschuhen rumhacken und denen nachsagen, dass die nicht "true" sind, anstatt sich zu überlegen, was man selber macht :zwinker:?

    Letztendlich sind das menschliche Mechanismen, irgendwo nachvollziehbar und dennoch ätzend. Und wenn es um ökologisches Verhalten geht, ist für viele Leute der Spaß eh vorbei. Mancheiner steht dann im Citypanzer vor dem Bioladen, hat ein Patenkind in Somalia und kauft Kleinkram bei Kik.

    Ich bleibe jedenfalls für mich dabei, dass ich versuche, weitestgehend nicht dass zu kaufen, was ich nicht vertreten kann und ansonsten eben dazu stehe, menschlich zu sein.

    Ich höre auch mein Leben lang schon alternative Musik, spiele mädchenuntypisch von morgens bis abends Computer und takle mich trotzdem gerne auf, laufe in hohen Schuhen rum und genieße Germany's Next Topmodel. Irgendwo habe ich überhaupt gar keine Lust darauf, mich einer oder der anderen Gruppe anzuschließen, nur weil die es so gerne hätten. Ich bin aus den schwarzen Klamotten rausgewachsen, und wenn mich ein Metal-Kumpel meines Freundes auslachen möchte, weil ich eine pinke Handytasche habe, dann stehe ich da mittlerweile genauso drüber, wie über meinen Jurafreundinnen, die mich irritiert angucken, weil ich mich auf einen netten Zockerabend und ein Bier freue. Ich möchte weder bei den Veganern oder bei den Vegetariern "mitmachen", verzichte aber trotzdem weitestgehend auf tierische Produkte aus Massentierhaltung, kaufe Bio, wo möglich und lasse es dort sein, wo es eben derzeit nicht geht.

    Ich denke, wenn man seiner eigenen Linie treu bleibt und so lebt, wie man es sich mit sich selbst vereinbaren kann, sollten einem solche Leute egal sein. Denn ihr eigenes Gehacke zu allen Seiten zeigt ja nur, dass sie selber vielleicht unzufrieden oder frustriert sind und möchten, dass andere Leute auch so "leiden", wie sie es für ihre Idee tun.
     
  • BABY_TARZAN_90
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    11 Juni 2010
    #11
    Ökos sind nicht bessere Menschen - sie haben nur die besseren Einsichten.

    Metamorphosen hat gesagt, was ich jetzt auch noch geschrieben hätte.
     
  • objekt.f
    objekt.f (28)
    Verbringt hier viel Zeit
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    11 Juni 2010
    #12
    Ist doch nur ne Szene wie jede andre
     
  • xoxo
    Sophisticated Sexaholic
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    11 Juni 2010
    #13
    Man lese den Text Insider and Outsider von Norbert Elisas. Eine Gruppe bestimmt sich durch Zugehörigkeitsmerkmale. Fallen die weg, muss man sich erst beweisen. Tut man dies nicht, bzw. solange man dies nicht tut, wird man seltsam angeschaut und muss sich die ein oder andere Bemerkung gefallen lassen. Das ist nicht nur bei den Alternativen so, sondern überall.
     
  • User 44981
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    11 Juni 2010
    #14
    Jede Gruppe braucht eben einerseits gewisse Gemeinsamkeiten und Zugehörigkeitsmerkmale und andererseits auch eine Abgrenzung von den Anderen, die nicht in der Gruppe sind. - Ohne das wäre es einfach keine Gruppe, Szene, o.Ä.
     

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