• ProxySurfer
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    8 Juli 2004
    #61
    @ Kathi23:
    Erst gestern hab ich im TV (RBB Brandenburg) einen Beitrag zum Thema "Zumutbarkeit" gesehen, und da wurde ganz eindeutig gesagt: "Jeder Arbeitslose wird gezwungen, jeden Job anzunehmen, also z.B. muß ein arbeitsloser Hochschullehrer den Gehweg kehren, wenn es die Behörden für richtig halten. Da wird auch nicht mehr gefragt, ob man für einen Job geeignet ist oder nicht."
     
  • Celina83
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    8 Juli 2004
    #62
    Jaja, die Medien... Sorry, aber

    1. Geht hier um Langzeitsarbeitslose, man hat also Zeit sich vorher etwas zu suchen und wird erst an solche Firmen vermittelt, wenn es aussichtlos ist etwas in seinem Bereich zu finden, denn was bringt es denjenigen weiterhin zu finanzieren, wenn es eh keine Jobs gibt...

    2. Es geht hierbei darum die Leute wieder an geregelte Arbeit/Arbeitszeiten zu gewöhnen...

    3. An den Hochschullehrer werden sie als letztes herantreten. Es gibt soviele Arbeitslose die weniger qualifiziert sind...

    4. Wenn es Jobs in dem Bereich gibt und Arbeitlose, die dafür geeignet sind, warum nicht?

    4. Ursprünglich sagtest du:

    Was ist eigentlich, wenn man zu einer Arbeit gezwungen wird, von der man keine Ahnung hat, die man einfach nicht kann? Oder die man aus Gewissensgründen ablehnt? Oder für die man überhaupt nicht geeignet ist? Oder in ne wildfremde Gegend abgeschoben wird?

    Und einen Gehweg kehren kann doch wohl jeder... ich wäre mir dafür nicht zu schade... Finde es wichtig unabhängig zu sein und tue gern etwas für mein Geld und vielleicht werden Reinigungskräfte durch solche Maßnahmen nicht mehr als "niedere Menschen" behandelt...

    lg
    cel
     
  • rdorau
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    8 Juli 2004
    #63
    @kirby:

    Also, wie das mit der Finanzierbarkeit ist, hab ich in meinem ersten Beitrag erläutert. Kurz: Die Produktion steigt ständig an, man braucht immer weniger Arbeitskräfte und nicht mehr. Dennoch produzieren immer weniger Menschen immer mehr. Es gibt Schätzungen, dass sogar nur einige wenige Jahre ausreichen würden (bei heutiger Arbeitszeit), um die gleiche Anzahl Menschen genauso wie heute zu versorgen. Da werden dann allerdings auch verschiedene Produkte abgezogen, über die man sich streiten kann (wie Marketing oder Militär). Egal, wie man dazu steht: die Tendenz ist klar. Dass die Menschen älter werden, ist eine Tendenz, die es seit der Industrialisierung gibt. Dennoch wurde das Rentenalter ohne Probleme immer weiter heruntergesetzt.
    Gemeinsame Mobilisierung oder Sozialismus, wie du es nennst (sind ja jetzt auch wieder 2 verschiedene Sachen) setzt keine sonderlich altruistischen Menschen vorau, sondern einzig eine ähnlich wirksame Interessenvertretung, wie sie unsere Arbeitgeber schon die ganze Zeit hinkriegen.

    @voriger Beitrag
    Das einzige, was damit erreicht wird, ist, dass sie Löhne nochmals wahnsinnig sinken. Die Menschen, die solche Stellen freiwillig übernehmen würden, sind dann schon wieder zu teuer.
    Und Warum sollen sich die Langzeitarbeitslosen an Arbeitszeiten gewöhnen, wenn es voraussichtlich sowieso keine "normale" Arbeit mehr für sie geben wird. Glaubst du denn tatsächlich, das wird sich ändern.
    Trotz angeblichem drohendem Fachkräftemangel werden diese Leute bestimmt auch in 10 Jahren nicht eingestellt werden, weil in ihrem Zeugnis steht: "hat besonders toll gekehrt". Wenn sie dann nochmal eine Chance haben, dann durch Weiterqualifizierung. Aber ausgerechnet in diesem Bereich wurden die Möglichkeiten eingeschränkt.
    Insgesamt könnte man das Problem nur durch kürzere Arbeitszeiten lösen!
     
  • Ghostdog
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    8 Juli 2004
    #64
    Es geht ja hier primär nicht um das hier und jetzt, sondern was aufgrund des Hartz IV-Gesetzes ab 1.1.2005 auf die Arbeitslosen zukommen wird.
    Auch Dir kann ich von daher nur wärmstens empfehlen Dich mal mit 'Hartz IV' auseinanderzusetzen. Da wirst Du feststellen, das eins einfach unwiderlegbar ist: Hartz IV bedeutet 'staatliche Zwangsarbeit'.

    Das hatten wir schon zu genüge in anderen Topics...
    Aber selbst wenn, ist es KEIN Grund die 'soziale Marktwirtschaft' aufzukündigen und zur 'freien Marktwirtschaft' britisch-amerikanischen Vorbildes zu werden.
    Zur Nicht-Finanzierbarkeit habe ich mich schon mehrfach geäussert. Und der einzige Weg die Staatsfinanzen zu sanieren ist nicht ein rigider Sparkurs, sondern wenn das Volk sich gegen seine Ausbeuter auflehnt!!!
    Aber ihr fahrt mehrheitlich alle die von den nicht objektiven, weil im Besitz von Oligarchen befindlichen oder aber korrupten Massenmedien propagierte Schiene: Die Faulenzer beuten den Sozialstaat aus! Steuerhinterziehung? versteckte Subventionen für Global Player in Form von Steuererlassungen? - Pah! ein Kavaliersdelikt! Diese Denkweise ist wiedermal ein Produkt der kleinbürgerlichen Denkweise und diese ist wie mehrfach bereits gesagt Produkt kapitalistischer Erziehungsweise und Massenmanipulation! Und wie man sieht funktioniert sie leider perfekt...

    Du sagst selbst: 20 Jahre Ausbildung! Also bitte 20 + 35 = 55 ergo über 73 % des Lebens gehen jetzt schon nur für Schufterei drauf. Und Du willst den Anteil noch erhöhen?
    Klar, wenn man Menschen zu Humankapital degradiert und sie ausschliesslich aus Perspektive der Wirtschaftlichkeit betrachtet und die Reichen sich auch weiterhin ihrer Steuerzahlung entziehen sollen dürfen ist das natürlich schlecht finanzierbar...

    Wäre interessant zu wissen inwiefern bei diesen sog 'Bekannten' Vitamin 'B' eine Rolle spielt... denn nur Top-Leistung bedeutet noch lange nichts...

    Abgesehen davon wird im Kapitalismus selten Leistung belohnt, die 'wirklich sinnvoll' ist, sondern in erster Linie verdienen die viel, die maximale Profite einfahren auf welchem Weg auch immer - auch wenn d.h. andere erbarmungslos auszubeuten und zu betrügen.
    Man brauch sich doch nur mal anzuschauen wie Magnaten ihr Vermögen gemacht haben... Rothschild, Rockefeller, Gates, die Waltons, die Albrechts, Otto, Schickedanz, Schlecker, Abrahmowitsch, Berlusconi, etc. Bei allen sieht das gleich aus: Nicht durch wahre harte Arbeit sind die so reich geworden, sondern in erster Linie durch skrupelloses Geschäftsgebaren. Und das ist bei allen Superreichen seit jeher gleich. Und was im grossen gilt, gilt auch im kleinen.
    Also hört bitte auf mit der Floskel "wer sich engagiert und hart arbeitet verdient auch viel". Also ob der 'kleine Mann', der 40-50h in ner Fabrik (oder sonstwo) arbeitet, nicht 'hart' arbeiten würde...

    Wenn Du Dich da mal nicht täuschst...
    Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit sind ja längst nicht mehr nur Ungelernte Langzeitarbeitslos, sondern auch Mittel- und Hochqualifizierte. Mittlerweile geht der Trend bei der Arbeitsvermittlung dahin, das diese Mittel- und Hochqualifizierten die Ungelernten selbst bei solch niederen Jobs aus der Auswahl verdrängen. Für Ungelernte bleibt bald gar nix mehr übrig als entweder der Strick, Berufsverbrecher oder Al-Kaida-Terrorist...

    EDIT:
    @ rdorau: Deinen Beitrag find ich richtig gut. Schön das ich nicht Einzelkämpfer spielen muss :smile:
     
  • Tomcat25
    Gast
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    8 Juli 2004
    #65
    Ungelernte haben noch nie mit Goldenen Löffeln essen können und solange es Qualifizierte Mitarbeiter gibt wird dies auch so sein. Jeder hat bei uns die Möglichkeit eine sehr hohe Qualifikation zu erhalten aber man muss sich schon darum bemühen.
    Bei der ganzen Diskussion habe ich so langsam das Gefühl, dass hier nicht die sogenannten "Großen" und "Medien" das Land kaputt machen, sondern diese Pessimisten das ganz von alleine hinbekommen. Wie ich schon gesagt habe wird hier niemand zur Arbeit gezungen aber wer Geld vom Staat haben will soll auch was dafür tun. Wir können uns diesen Sozialwohstand nicht mehr leisten und das ist auch gut so!
    Zum Thema Job. Egal ob nach der Schule, nach der Ausbildung, im Studium oder jetzt. Es war niemals ein Problem einen Job zu finden. Natürlich kann es nicht immer der Traumjob sein aber man kann das beste daraus machen.
    Ein Beispiel aus der Praxis:
    Ich habe einen Job für die Semesterferien gesucht und bin bei so einer Zeitarbeits-Firma gelandet. Nach drei Tagen konnte ich anfangen und wurde als Aushilfe in einer Bauschlosserei eingesetzt. Mit mir noch ein zweiter Arbeiter. Der Job war nicht gerade super berzahlt aber immernoch besser als nichts. Nach zwei Wochen wurde mein Kollege rausgeschmissen, weil er einfach zwei linke Hände hatte und auch sonst zu blöd zum Arbeiten war. Ich konnte bis dato schon die CNC-Fräse bedienen und einfache Schweisarbeiten machen. (Habe was ganz anderes gelernt).
    Am Ende habe ich noch den Arbeitsablauf optimiert und der Firma ca. 3000 € Materialkosten gespart durch eine Änderung im Konzept. Mittlerweile ist die Firma mit ihrer Technik Marktführer in der Region und hat noch 3 feste Mitarbeiter eingestellt.
    Wenn alle nur eine halb so gute Einstellung zum Job und in Inovationen hätten könten wir uns auch 10 Mio Arbeitslose leisten.
    Übrigends werden wir in den nächsten Jahren viel mehr Facharbeiter und Ingenieure benötigen als vorhanden sind. Das zeichnet sich schon heute ab. Alle Faulenzer uns Drückeberger fallen dann hoffentlich durchs Raster und nicht ins Soziale Netz, das ist für Menschen die nichts für ihre Situation können.
    Beispiele und gegenbeispiele gibt es tausende. Aber weder Diskussionen noch Revolutionen bringen Arbeitsplätze. Nur Inovation und mut zum Handeln bringen uns weiter.
    Ich wünsche allen eine erfolgreiche Woche
     
  • Celina83
    Celina83 (37)
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    8 Juli 2004
    #66
    Und Warum sollen sich die Langzeitarbeitslosen an Arbeitszeiten gewöhnen, wenn es voraussichtlich sowieso keine "normale" Arbeit mehr für sie geben wird. Glaubst du denn tatsächlich, das wird sich ändern.

    Nein, das glaub ich nicht, aber wenn diese sich nicht um einen anderen Job bemühen, weil es ja nichts für sie gibt, können sie auch die Straße kehren...

    Insgesamt könnte man das Problem nur durch kürzere Arbeitszeiten lösen!

    Und wer soll das finanzieren? Ich verzichte nicht auf ein Teil meines Gehaltes! Sorry, da steh ich mir selbst am Nächsten.

    Du sagst selbst: 20 Jahre Ausbildung! Also bitte 20 + 35 = 55 ergo über 73 % des Lebens gehen jetzt schon nur für Schufterei drauf. Und Du willst den Anteil noch erhöhen?

    Die Ausbildung zählt bitte nicht als Arbeit... Wer Geld will, muss halt was dafür tun... Das Leben ist einfach so (und schon immer gewesen). Verstehe deine Meinung hier nicht.

    Also hört bitte auf mit der Floskel "wer sich engagiert und hart arbeitet verdient auch viel". Also ob der 'kleine Mann', der 40-50h in ner Fabrik (oder sonstwo) arbeitet, nicht 'hart' arbeiten würde...

    Jeder sucht sich seinen Job selbst aus und wenn der kleine Mann damit zufrieden ist, bitte... Bezweifel nciht, dass er hart arbeitet...

    Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit sind ja längst nicht mehr nur Ungelernte Langzeitarbeitslos, sondern auch Mittel- und Hochqualifizierte.

    Und warum? Weil diejenigen nciht bereit sind Abstriche zu machen... Stattdessen stellen die Firmen eher mittelqualifizierte MA ein, da günstiger...

    Ich bestreite nicht, dass etwas getan werden MUSS, das Leben verändert sich, die Wirtschaft verändert sich, die Menschheit verändert sich, also muss sich auch das Problem ändern... es wird immer Diskussionen geben. Die einen sehen das so, die anderen so - EGAL was gemacht wird...

    Es gibt viele Sozialsysteme auf der Welt, gibt es auch nur eines das einwandfrei funktioniert?

    lg
    cel

    danke und dito
     
  • Tomcat25
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    8 Juli 2004
    #67
    Die einzigen, die hier in Deutschland in den letzten Jahren immer mehr Steuern und Abgaben hatten sind die Arbeitnehmer. Wenn jetzt mal die Arbeitslosen uns Sozialschmarotzer dran sind wird wie immer gemeckert. Die haben den ganzen Tag ja nichts besseres zu tun.
    Sorry für die Wortwahl!
     
  • Beyce
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    8 Juli 2004
    #68
    Zitat von kA wem: "Also hört bitte auf mit der Floskel "wer sich engagiert und hart arbeitet verdient auch viel". Also ob der 'kleine Mann', der 40-50h in ner Fabrik (oder sonstwo) arbeitet, nicht 'hart' arbeiten würde..."

    Ich rede auch nicht von Fabrikarbeitern :wuerg: die 50 Stunden die Woche arbeiten.
    Meine Eltern z.B. engagieren sich und da sehe ich doch wie sich das auf deren Gehalt auswirkt (Mutter leitet ständig neue Projekte, Vater bekommt bald seine eigene Abteilung, und nix da mit Vitamin B). Das ist mal so ein Geschwätz :blablabla , dass Leute die sich engagieren nicht mehr bekommen würden usw. Na klar verdient man nicht mehr wenn man engstirnig an seinem Arbeitsplatz arbeitet und sich für den rest einen scheiss interessiert.
     
  • ProxySurfer
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    8 Juli 2004
    #69
    @ Tomcat25:
    "Die haben ja den ganzen Tag nichts besseres zu tun" - diese Worte von dir finde ich zynisch und verletzend denen gegenüber, die nichts für ihre Arbeitslosigkeit können! Du weißt genau, dass z.B. hier im Osten auf 1 freie Stelle 40 Bewerber kommen. Deine Meinung ist genau die, die sich der Kanzler und seine Regierung vom Volk wünschen: Schuld sind immer die "da unten". Sie wissen: Solidarität des Volkes untereinander ist eine ernste Gefahr für jede Regierung. Siehe 1989 in der DDR. Also muß man Volkes Meinung spalten, und da sind Arbeitslose als Erzfeind und Prügelknabe der Politiker ein gefundenes Fressen.

    Wann endlich begreift ihr, daß in Deutschland wegen Globalisierung, Kosten für deutsche Einheit und wegen modernster Computertechnik immer weniger Arbeitsplätze vorhanden sind und es daher immer mehr Arbeitslose geben wird? Ein Produkt, welches in den 60er Jahren von 10 Arbeitern angefertigt wurde, kann heute 1 Mensch herstellen.

    Es kann JEDEN treffen, auch DICH!

    "Arbeitslos sein ist wie unschuldig im Gefängnis sitzen"
    (Wolf Biermann, Liedermacher)
     
  • emotion
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    8 Juli 2004
    #70
    Leistung.

    Wer Leistung bringen kann, kommt durchaus gut durchs Leben.
    Nur leider sehen die, die fähig zu Leistung und Stressresistent sind nicht, dass ein groß der Mitbürger nicht dazu in der Lage sind.
    Ja, unsere Gesellschaft braucht leistungsfähige Menschen, diejenigen, deren Lebensziel oder Möglichkeiten (körperlich/geistig) andere sind, fallen also in die Knechtschaft (zumindest verschieben sich die Grenzen immer mehr).

    Es sollte auch klar sein, dass es tatsächlich durch die Industrialisierung weniger Jobs gibt /geben wird, dass ist schon Jahrzehnte bekannt, und in Zeiten der Rezession besonders spürbar.

    Bekannt ist auch, dass Menschen aus unteren Schichten nicht wirklich die selben Chancen auf (gute) Bildung haben, welche aber für angesprochene Karrieren oft benötigt wird.

    Wenn ich nun sehe (lese), wie hier Leistungsfähige die anderen Menschen sehen, kommt mir das kotzen.
    Ich kenne tatsächlich beide Seiten, war selbst mal ne art Workaholic !
    Ich weiß also wie einen nicht leistungsbereite Menschen ausbremsen können.
    Aber :
    Es bereichert auch das (menschliche) Zusammenleben.
    Die Integration von Behinderten kann, richtig gehandhabt, durchaus die Motivation "normaler" Knechte des Kommerz steigern, gibt Kraft, zeigt Solidarität.
    Aber das kann sich eine AG ja nicht leisten (war selber in einer beschäftigt).
    AG's sind durchaus menschenverachtend, in einer solchen zählt Solidarität nicht im geringsten, interessieren keine Schicksale, werden Betriebsräte bestochen, nur der Gewinn ist wichtig (Zufriedenheit der geldgeilen Anteilseigner).
    Und Vitamin B zählt in vielen Betrieben doch sehr !
    Ja, man kann mit Leistung einen adäquaten Job bekommen, aber es kommt immer auf den Betrieb an, überall nutzt das sicher nix.

    Nun bin ich durchaus kein Feind der gesamten Agenda (Harz IV), aber mache mir schon Sorgen.
    Ich finde es nicht grundverkehrt, Langzeitarbeitslose Straßen kehren und Spielplätze reinigen zu lassen !
    Frische Luft, Bewegung und eine Aufgabe beugt Depressionen vor, und ist gesundheitfördernd.
    Hätte ich persönlich gar nix dagegen, ich bewege mich gerne.

    ABM's (Arbeitsbeschaffungmaßnahmen) gab es ja schon lange vor der Agenda, nur waren diese nicht mehr finanzierbar.
    Und das Sozialamt schickt schon seit Jahren arbeitsfähige Bedürftige zum Straßen säubern raus (für ne Mark die Stunde, z.B. DO Innenstadt), oder lasse Menschen in der Kleiderkammer der AWO arbeiten.

    Das ist ja alles in so fern nix neues, nur das nun Langarbeitslose nicht mehr priviligiert gegenüber Sozialhilfeemfängern sind.
    Weigern konnte man sich bei ner ABM auch nicht, m.W. .
    Zum Beispiel mußten manche Unkraut jäten, Hecken schneiden, Grünflächen säubern, Parkplätze bewachen (und kassieren), usw. .

    Es ist nix, wo vor man sich fürchten müßte, außer :
    Das man mit Menschen Monate oder Jahre zusammengesteckt wird, die sehr schlechten Einfluß haben, und gefährlich sein können (Drogenabhängige, Alkoholiker, Arbeitsunwillige, Psychos, Behinderte, eben Randgruppen), und das ist für viele Menschen sicher unerträglich, besonders die, die andere Kreise gewohnt sind.

    Ferner die schon erwähnte Verdrängung von Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt.
    Schon zu ABM Zeiten war die ein Thema.
    Nun soll dies aber noch drastisch ausgeweitet werden.
    Noch einige Klein und Großunternehmen mehr, die verdrängt werden, und Pleite gehen.
    Vielleicht ist es das aber Wert. *schulterzuck*

    Dann muß ich mal Betroffene etwas beruhigen.
    Angenommen man wird zu so etwas herrangezogen, soll man zwischen 1 und 2 Euro Entlohnung pro Stunde bekommen, zusätzlich zum ALGII.
    Was heißen könnte, 345 Euro ALG II, Warmmiete (nehmen wir mal 250 Euro) und 8 bis 16 Euro / Tag Arbeit = 160 bis 320 Euro (bei 20 Tagen im Monat, sind normal ja mehr).
    Und im ersten Jahr (nach ALG Bezug) eben den Zuschlag, + im zweiten Jahr den halben Zuschlag.

    So hat man selbst ohne Zuschlag mindestens 500 Euro in der Tasche, nach Zahlung der Miete.
    Eine ABM gab damals ca.900 Euro Netto (unverheiratet, ohne Kinder).
    Davon mußte auch Miete und alles bezahlt werden.
    Ich glaube ab ca. 1993 ? gab es dieses Normalgehalt aber auch bei ABM nicht mehr, ich weiß nicht, wieviel es danach war, aber sicher nicht mehr wie 750 Euro !

    Es wäre also damit verglichen kein Unterschied (für viele Normalverdiener, die in Arbeitslosigkeit geraten), und einige (Sozialhilfeempfänger und ALHI Empfänger) stehen sich dabei sogar besser, als heute !

    Auch positiv empfinde ich, dass die wirklichen Schnorrer (von denen ich durchaus welche kenne) so auch mal an die Arbeit herrangeführt werden.
    Nur eben hat es nicht "nur" Vorteile, und man muß die Angst Betroffener (auch ich) verstehen.
    Und nicht zu hochnäsig sein, sonst trifft es, wie hier schon erwähnt, demnächst dich ! :cool1:

    Meine AG hat erst mehrere hundert Arbeiter aus dem Betrieb entlassen, nun noch die Hälfte der Verwaltung (von denen einige wirklich sehr leistungsorientiert waren), und das ganze wurde sehr unsozial gemacht, sogar der Betriebsrat verarschte Betroffene durch falsche Informationen, Mitarbeiter mit 3 Kindern mußten gehen, ein junges Arschloch durfte bleiben (selbe Abteilung), war wohl Vitamin B .
     
  • ProxySurfer
    Beiträge füllen Bücher Themenstarter
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    9 Juli 2004
    #71
    @ emotion:
    Alles richtig.
    Ich will noch was ergänzen. Ein Verwandter hatte vor kurzem ne ABM in einem Organisationsbüro zur Vorbereitung eines Stadtjubiläums. Er als Fachmann leistete bei gleicher Arbeitszeit mindestens genausoviel wie die Festangestellten (man sagt, er war besser). Jetzt ist er wieder arbeitslos. Er erhielt bei der ABM nicht mal die Hälfte (!) vom Gehalt der Stadtmitarbeiter. Ähnliche Beispiele gibt es in Hülle und Fülle. Das sind die Ungerechtigkeiten, die man "faulen und ungebildeten" Arbeitslosen ständig zufügt. Es gibt nämlich in Büros auch jede Menge unkündbare Angestellte mit gutem Gehalt, die sich einen schönen Tag machen ("Büroschlaf ist der gesündeste Schlaf"), und denen keine "tiefen Einschnitte" zugemutet werden.
     
  • Ghostdog
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    12 Juli 2004
    #72
    Erzähl bitte nicht, das Menschen aus den unteren sozialen Schichten die gleichen Bildungschancen hätten wie die aus oberen Schichten. Wir leben in einer polarisierten Mehrklassengesellschaft und jmd aus klassischen Arbeiterverhältnissen besitzt defintiv nicht dieselbe Chancengleichheit wie jmd aus Akademikerkreisen.

    Sry, aber den Link zu Hartz IV hast Du wohl ignoriert... ab 1.1.05 herrscht in Deutschland staatliche Zwangsarbeit. Und von Sozialwohlstand zu reden grenzt schon fast an Frechheit. Weisst Du eigentlich was es heisst von Arbeitslosen- oder Sozialhilfe leben zu müssen?

    So kann nur jmd reden, der scheinbar keine Ahnung hat oder aber alles gepflissentlich ignoriert. 300.000 offene Stellen und 4,5 Mio Arbeitslose - JEDER findet einen Job. Zeig bitte mal, wie das gehen soll. Habe Dich bereits oben schonmal darauf angesprochen aber da kommt nix - wundert mich ehrlich gesagt nicht sonderlich, bin von Kapitalismusbefürwortern nicht viel mehr gewohnt...

    Du fährst unverändert die Sozialschmarotzerschiene weiter, auf eine Diskussion über die wahren Ursachen für die Staatsetatlöcher wie oben bereits mehrfach genannt (Steuerhinterziehung, Steuersubventionen, etc) lässt Du Dich nicht ein. Für was postest Du überhaupt, wenn Du den Wahrheiten permanent aus dem Weg gehst (wohl keine Gegenargumente vorhanden) und nur Gebetsmühlenartig dauernd dieselbe neoliberale Kapitalisten-Propaganda wiederholst? Arbeitest Du im Marketing?

    Nicht nur in Deutschland, weltweit. Die fortschreitende Produktivität und die zunehmende Kapitalkonzentration und der ruinöse Wettbewerb haben immer weniger Arbeitsplätze zur Folge. Und ein Ende ist nicht abzusehen, stattdessen dreht sich die Spirale immer schneller.
    Weder der Einzug der Dienstleistungsgesellschaft, noch die Einführung der Informationsgesellschaft konnten die freigewordenen Arbeitskräfte der Industrie auffangen, bestenfalls abfedern, noch schlimmeres verhindern.

    Der Kapitalismus hat keine Lösung für die zunehmende Arbeitslosigkeit parat ausser den Arbeitslosen selbst die Schuld in die Schuhe zu schieben und sie sich selbst zu überlassen.
    Kapitalisten wollen alles unter ihre Fittiche nehmen, aber für nichts verantwortlich sein.
    Schade, das das Volk sich alles gefallen lässt...
     
  • Tomcat25
    Gast
    0
    12 Juli 2004
    #73
    Lieber Ghostdog!
    1. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Mit meinen Möglichkeiten habe ich mir ein Studium ermöglicht und dabei nicht nur eine sehr gute Ausbildung bekommen, sondern auch die nötigen Kontakt um jetzt in meinem Beruf erfolgreich zu sein. Ich habe niemals etwas ohne eigene Initative bekommen.
    2. Marketing ist nicht so mein Fall. Aber mein Beruf hat auch etwas sehr Kreatives und manchmal muss man halt Argumente wiederholen damit jemand sie versteht.
    3. Akademiker. Meine Freundin kommt aus den sog. "Besseren Kreisen" aber das ist auch keine Garantie heute für einen Job. Aber durch ihre eigene Initiative hat sie jetzt auch wieder einen guten Job.
    Als Tipp im Ausland werden jede menge Arbeiter gesucht. Aber dafür braucht man halt auch etwas Erfahrung, eine gute Ausbildung und ein flexiebleres Denken als es heute in Deutschland üblich ist.
    Wann verstehen die Leute hier erndlich das es keine Garantie für einen Job gibt und das das Solidaritätsprinzip auch gekündigt werden kann!
     
  • Celina83
    Celina83 (37)
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    13 Juli 2004
    #74
    Schlimm, schlimm, dass die Menschen immer auf das schauen was die anderen haben...

    lg
    cel
     
  • Ghostdog
    Gast
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    13 Juli 2004
    #75
    Alles schön und gut aber deshalb haben noch lange nicht alle aus Arbeiterfamilien die selben Chancen. Du versuchst von Deinem persönlichen positiven Beispiel auf alle anderen zu pauschalisieren und zu sagen 'wenn man nur will, klappt das schon' - das stimmt aber einfach nicht.

    Und wenn man simplifizierende pauschale Scheinargumente zum tausendstenmal wiederholt bringt das nichts.
    Du gehst weiterhin nicht auf meine Fragen ein, zeigt, das Du überhaupt kein Interesse an einer konstruktiven Diskussion hast. Du siehst nur das, was Du sehen willst, bzw Deiner Argumentation in den Kram passt, Gegenargumente auf die Du scheinbar keine Antwort parat hast, ignorierst Du gepflissentlich.

    Genau! Es gibt für die Proletarier keine Jobgarantie - nur für die Kapitalisten ne Profitgarantie...

    Eine Gesellschaft ohne Solidarität verdient die Bezeichnung Gesellschaft überhaupt nicht mehr. Das ist dann nur noch ein Haufen selbstsüchtiger Individuen und wir kriegen über kurz oder lang dieselben Verhältnisse wie in Amerika, Süditalien, Russland oder Kolumbien. Aber das geht den in der kleinbürgerlichen Denkweise gefangenen Bürgern ja sprichwörtlich am Ar*** vorbei. Sie halten sich ja alle für 'was besseres' als ihresgleichen, lauter 'Möchtegern-Rockefeller'. Hauptsache MIR - und maximal noch meiner Sippe - gehts gut, schei** auf alle anderen.

    Rosige Zukunftsaussichten...
     
  • Tomcat25
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    13 Juli 2004
    #76
    Du machst doch genau das gleiche. Es gibt 4,1 Mio Beispiele, dass unser System nicht Funktioniert und ca. 42 Mio Arbeiter das es funktioniert!!! Aber du hast wie immer Recht, nur der Wille alleine kann nichts erreichen aber es hilft einfach ungemein. Letztenendes kann die Gesellschaft nicht alle nachteile einer schlechten Famiele kompensieren aber es gibt kein Land in dem so viel dafür getan wird. Unsere Schulen verkommen immer mehr zu Erziehungsanstallten weil die Eltern nicht mal mehr das auf die Reihe bekommen. Das da kaum noch Zeit für eine Aus/Bildung ist kann sich ja jeder denken.
    Vielleicht kannst du mal ein Beispiel für ein Land nennen in dem das System noch Funkioniert nach deiner Meinung.
    Ich kenne auch keine Firma, die eine Gewinngarantie hat, jeder muss sich schon selbst am Markt behaupten und wenn nichts mehr verkauft wird ist der Ofen auch bald aus und die Arbeiter können nach Hause gehen.
    Du solltest auch mal das Positive am Kapital sehen: Ohne Kapital keine Investitionen, ohne Invest. keine Arbeit, ohne Arbeit kein Konsum, ohne Konsum kein Umsatz, ohne Umsatz kein Kapital. So einfach kann VWL sein!
     
  • Mr. Poldi
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    13 Juli 2004
    #77
    Wenn jeder versucht das beste für sich zu erreichen wird das beste für die Gesellschaft erreicht -> Jean-Jaques Rousseau.
     
  • muenti
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    13 Juli 2004
    #78
    Soooooo einfach ist die VWL nun doch wieder nicht...Hängt nun wiederum vom Paradigma ab, welches man glaubt...
     
  • Beyce
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    0
    13 Juli 2004
    #79
    man muss sich eben auch fragen welche alternatives es zur kürzung von arbeitslosengeld und sozialhilfe gibt.

    die leute die sich hier für so schlau halten können ja mal handfeste vorschläge machen.
     
  • ProxySurfer
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    13 Juli 2004
    #80
    @ Beyce:
    Es gibt Alternativen, z.B. Solidarität. Die deutschen Millionäre besitzen 2,4 Billionen (!!!) Euro, nur auf ihrem Konto. Nicht mitgerechnet Häuser, Autos, Schiffe usw. und Schwarzgeld in der Schweiz. Kein Mensch kann mir sagen, daß sie diese unermeßlichen Reichtümer mit ihrer eigenen Hände Arbeit angehäuft haben! Es geht mir nicht um Neid-Diskussion, sondern um Gerechtigkeit und Menschlichkeit.
    Wenn die Millionäre nur 1% (!) ihres Reichtums abgeben würden, könnte man allen Arbeitslosen 1 Jahr Arbeit geben. Und durch die gespendeten 1% werden die Millionäre nicht in die Armut abrutschen.
    (Zahlenangaben aus "Sächsische Zeitung" vom Mai 2004)
     

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