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    vergeben und glücklich
    14 Juli 2019
    #1

    Das verwundete Wesen, Hunger, Stille und viel Gefühl

    Hallo liebe Menschen,
    Ich habe einfach mal ein bisschen zusammengefasst, was thematisch so aus meiner Sammlung hierher passt.
    Alle anderen Werke von mir findet ihr unter Profil von AWritersStory | FanFiktion.de.
    Ich hoffe, es gefällt euch.

    _______________________________________________________________________

    Wenn Nähe Worte schafft

    Deine Stimme vibriert
    unter mir
    Worte erreichen meine Ohren
    doch ich höre sie nicht
    denn ich rieche dich
    sehe dich
    spüre dich
    bin da.

    Dein Gesicht
    so nah
    dass ich deinen Atem
    neben mir höre
    deine Augenfarbe sehe
    deinen Blick auf mir fühle
    auf mir.
    Du bist so nah
    und mir wird klar
    ich
    bin da.

    Deine Hand
    in meiner
    Deine Hand
    neben meiner
    Deine Arme
    die mich halten
    die mir sagen
    es ist wahr.
    Du bist hier
    und ich
    bin da.

    Dein Schweigen
    lässt mich denken
    lässt mich reden
    lässt mich schweben.
    Mache meine Augen zu
    um mich herum da bist nur du
    brauche gar nicht mehr von dir
    ich
    bin da
    denn du
    bist hier.

    Deine Gedanken
    so leise
    und die in meinem Kopf
    laut kreisen
    ich will alles tun
    und nichts
    denn das Wunder
    das ich um mich sehe
    kenne ich sonst nicht
    doch wir
    sind hier
    real
    sind da.

    Meine Haut
    auf deiner
    warm
    weich
    Finger
    wandern weiter
    leicht
    und leichter
    wird Vertrauen
    wird das Reden
    wird das Fallen
    denn du bist hier
    und ich
    bin da.

    Für mich
    bist du von einer anderen Ecke der Welt
    Für dich
    bin ich gerade sehr weit von dir weg
    Zeit und Raum werden egal
    doch ich hoffe dir ist klar
    ich
    bin hier
    bei dir
    bin da.

    Und dein Lachen
    dein Lachen
    vibriert unter mir
    macht mich froh
    dass ich dich sehe
    dass ich dich fühle
    dass du da bist
    dass ich
    da bin

    Dass wir
    sind.

    ______________________________________________________________________

    Naiv

    Lass mich lachen
    lass mich tanzen
    lass mir meine Sicht der Welt
    lass mich froh sein
    lass mich leiden
    lass mir meinen Wind und meine Wellen

    Lass mir meine Sorgen
    sie sind gut so, wie sie sind
    ich bin noch immer gerne Kind
    meiner eigenen Gedanken
    also lass mich tanzen
    lass mich weinen
    lass mich sein wer ich halt bin

    Lass mir meine Freuden
    lass mich meine Wunder sehen
    lass mir doch was mir bedeutet
    lass mich andere Wege geh´n.

    ____________________________________________________________________

    Schweigen

    Ich warte sehnsüchtig auf deine Fragen
    Denn ohne hörst du mir nicht zu
    Du wünschst ich würde endlich etwas sagen
    Doch ich weiß gar nicht mehr wozu

    Ich finde keinen Anfang und kein Ende
    Meine Gedanken zerfallen zu Staub
    Rieseln mir sachte durch die Hände
    Und sind dabei viel zu laut

    __________________________________________________________________

    Hunger

    Kühle Hände in meinen Haaren, streichen schmerzhaft sanft über meine Stirn. Das verwundete Wesen in mir legt sich Halt suchend hinein. Fast im selben Moment schreit es nach mehr, und die Freundlichkeit der Hände ist fast schon schwer zu ertragen. Doch die Hände ahnen nichts davon, streichen immer wieder Haare aus meiner Stirn. Finger gleiten über meine Wange, über meine Wimpern, über mein ganzes Gesicht. Ein erleichtertes Seufzen, als diese kühlen Hände über mein heißes Gesicht streichen, lässt sich fast nicht vermeiden. Ich fühle Augen auf mir, bin aber so verloren, dass ich nicht weiß, ob meine Augen zurück schauen oder nicht. Die Hände halten nun mein Gesicht und das verwundete Wesen fühlt sich wertvoll. Beine verhaken sich mit meinen, die Berührung brennt heiß auf meiner bloßen Haut. Wo ich berührt werde spüre ich alles so viel deutlicher. Die Hände auf meinem Gesicht verschwinden, doch ich kann sie immer noch spüren. Atem streift meine Haut, ein Arm legt sich um mich. Das verwundete Wesen in mir hat aufgehört, nach mehr zu rufen. Ich gebe den Berührungen nach, lehne mich ihnen entgegen. Sauge alles in mir auf, speichere es, um es immer wieder abrufen zu können. Dann legen sich Lippen auf meine, und ich komme ihnen entgegen, doch der Moment ist schon wieder vorbei. Es kribbelt, wo sie mich berührt haben. Atem, Schweigen, Stille. Der Arm um mich herum wird schwer, schwerer werden die Beine zwischen meinen. Berührungen, die mir unter die Haut gehen, ein unsichtbares Tattoo das ich noch viele Stunden spüren werde. In der Stille um mich herum nehme ich auf, was mir gegeben wird, lasse es langsam in mich einsinken, unter die Haut wandern bis es mich komplett durchdrungen hat. Und mit jeder sanften Berührung spüre ich, wie das verwundete Wesen in mir zu heilen beginnt. Während ich mich allmählich besser fühle schwöre ich, all dies irgendwann einmal zurück zu geben. Weitere Berührungen sickern unter meine Haut, und ich atme sie ein, damit sie sich überall verteilen. Eine Stirn lehnt gegen meine - ob meine Gedanken jetzt wohl übertragen werden? Der warme Körper mit den kühlen Händen frisst sich durch meinen Schmerz, zerlegt ihn in kleine Teile bis ich ihn schließlich ausatmen kann. Und wie von selbst erwiedert mein Körper die ihm geschenkten Gesten, Arme legen sich um den Körper an meiner Seite, Lippen streifen andere, Beine haken sich bei anderen unter. Und dann verschwinden Zeit und Raum, nehmen meine Gedanken fort und lassen mich einfach sein.

    _____________________________________________________________________________

    Pause

    Da ist dieses Ziehen in ihrem Bauch, aber sie ignoriert es. Genauso wie die Kopfschmerzen, die sie seit Tagen plagen. Sie fühlt sich müde, so müde, aber sie hat keine Zeit für eine Pause. Denn die Welt dreht sich weiter, der Tag wird zur Nacht und die Nacht zum Tag, eine Stunde verschlingt die nächste und die Erde rotiert weiter um sich selbst. Das Leben geht weiter. Und die Welt dreht sich weiter und ihr Magen dreht sich mit. Bloß nicht brechen, denkt sie, bloß nicht. Sie hat gerade erst gegessen, sie hat keine Zeit, sich eine weitere Mahlzeit zu holen, geschweige denn, etwas gegen die Übelkeit zu nehmen. Die kommt sowieso nur vom Stress, die ist nicht echt, also schluckt sie es wieder runter und beugt sich ein Stück weiter über die Tastatur. Auf der anderen Seite der Welt sind die Leute gerade wach, aber hier ist es gerade Nacht. Es ist dunkel und ruhig und ihre Lider sind schwer wie Blei. Aber sie kann sich keine Pause erlauben, sie wird gleich schlafen gehen, nur noch dieser eine Abschnitt, der muss wirklich fertig werden.

    Irgendwann hat die Vernunft doch gesiegt und jetzt steht sie im Bad vorm Spiegel, die Zahnbürste im Mund und die Haarbürste in den Haaren, weil sie wirklich müde ist und sich beeilen will. Die Zahnbürste verharrt an einer Stelle während sie an der Bürste zieht, die in den Haaren festhängt. Und ihre Augen brennen, aber sie kann jetzt nicht weinen, weil sie schlafen muss. Und sie zieht und zerrt und irgendwann ist die Bürste aus den Haaren und ein Knoten Haare gleich mit. Und jetzt hat sie doch Tränen in den Augen und fragt sich ob es eine Zeit gab, wo ihre Augenringe nicht bis unter die Brille reichten. Wo sie nicht mitten in der Nacht vor dem Spiegel stand und sich fragte, was sie da eigentlich tat. Die Zahnbürste nimmt ihre Arbeit wieder auf, und sie blinzelt schnell die Tränen weg, bevor die nächsten kommen. Sie denkt an morgen und ihr Magen dreht sich wieder. Sie hat genug gegrübelt, spuckt aus und stellt die Zahnbürste weg. Und irgendwie liegt sie doch noch nicht im Bett, sondern auf dem Boden davor, weil der so schön kühl ist und sie noch gar nicht schlafen will. Nur fünf Minuten, sagt sie sich, und denkt an diesen einen Jungen, den sie wirklich mag, und ihr Magen dreht sich wieder. Ob sie ihn ansprechen soll? Aber dann denkt sie an den Stapel Arbeit, der vor ihr liegt, und die Termine, die sie alle hat, und vielleicht spricht sie ihn doch nicht an. Sie ist sowieso zu müde zum denken.

    Endlich, endlich kann sie schlafen. Die Decke ist wundervoll weich und ihr ist endlich wieder warm, aber jetzt dreht sich nicht nur ihr Magen, sondern auch noch ihr Kopf. Morgen, morgen wird alles besser, sagt sie sich. Morgen strengt sie sich an, und vielleicht geht sie nach der Arbeit doch noch mit den Kollegen mit, oder gönnt sich ein langes Bad und einen entspannten Abend auf der Couch. Und ihr Kopf dreht sich weiter, aber die Müdigkeit gewinnt, ihre Augen fallen zu.

    Sie öffnet die Augen nach etwas, das sich wie Minuten anfühlt, und alles dreht sich, und am liebsten würde sie krank machen. Aber dann denkt sie an den Stapel Arbeit, der gestern doch noch liegen geblieben ist, und die Kollegen, die sich auf sie verlassen, und hievt sich doch noch aus dem Bett. Sie denkt an Frühstück und ihr Magen dreht sich, und dann sitzt sie doch wieder ohne Essen in der Bahn. Und dann dreht die Welt sich weiter, einen Tag auf den anderen, der Tag wird zur Nacht und die Nacht zum Tag, eine Stunde verschlingt die nächste und die Erde rotiert weiter um sich selbst. Und sie - sie ist die Erde, rotiert um sich selbst und die Sonne, bis ihr schwindlig ist, bis ihr Körper von selbst die Pausentaste drückt und auf einmal alles anders ist.
     
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    14 Juli 2019
    #2
    Sehr schöne Zeilen, habe ich gerne gelesen. Weiter so. :thumbsup:
     
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  • User 172046
    Sehr bekannt hier Themenstarter
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    vergeben und glücklich
    25 November 2019
    #3
    Etwas älteres, das ich gerade ausgegraben habe:

    Lass uns unsere Worte auf Papierflieger schreiben, die schicken wir dann in die Welt hinaus.
    Irgendwohin,wo uns keiner mehr kennt, breiten sie dann ihre Flügel aus,
    irgendwann, wenn wir sie längst vergessen haben, falten fremde Hände sie auf.
    Irgendwann, wenn wir sie vergessen haben, nehmen andere Köpfe sie auf.
    Lass uns unsere Gedanken vergessen, ohne dass sie verloren gehen.
    Lass uns unsere Worte auf Papierflieger schreiben, damit wir sie in anderen Menschen wiedersehen.
     

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