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    25 April 2020
    #1

    Trennung verarbeiten Das war's dann wohl mit der "Beziehung"

    Hallo zusammen,

    ich versuche gerade, die Trennung und noch viel mehr die Beziehung, die hinter mir liegt zu verstehen und zu analysieren. Ich vermute, ich bin noch nicht wirklich bereit abzuschließen. Vielleicht könnt ihr mir dabei behilflich sein?

    Da ich keinen seitenlangen Sermon schreiben möchte, hier einfach ein paar Stichpunkte:

    - wir haben uns vor zig Jahren im Internet kennengelernt
    - wir hatten vorher beide wenig bzw. keine Erfahrungen was Beziehung und Sex angeht
    - wir haben immer sehr weit voneinander entfernt gelebt
    - über Jahre haben wir uns selten getroffen, manchmal ein ganzes Jahr gar nicht
    - seit etwa zweieinhalb Jahren gab es häufigere Treffen (keine Wochenendbeziehung, eher Treffen einige Male im Jahr)
    - wir schliefen dann auch miteinander
    - kommuniziert wurde vorwiegend schriftlich
    - wir lernten die Familie des jeweils anderen kennen


    - er ist Optimist, ich Pessimist
    - ich möchte planen, er alles auf sich zukommen lassen
    - ich stelle Fragen, er antwortet nicht
    - er schweigt, ich rede


    Folgen:

    - ich wollte (und musste aus beruflichen Gründen) eine Zukunft planen – gerne mit ihm, aber leider war es ihm offenbar nicht möglich, dass er sich daran beteiligte
    - ich hatte das Gefühl, mich ihm ständig offenbart, regelrecht entblößt zu haben, während ich ihn immer weniger verstand und einfach nicht wusste, was in ihm vorgeht
    - ich wurde wieder depressiv und bekam Panikattacken, hatte teilweise schon Angst davor, mit ihm reden zu müssen
    - ich habe ihm mehrfach gesagt, dass ich nicht mehr kann
    - er wartete ab, meldete sich nicht, dachte, dass ich mich nur wieder „beruhigen“ müsse
    - weil ich ihn vermisste, suchte ich auch immer wieder Kontakt zu ihm, machte ihm aber auch immer klar, dass es so nicht weitergehen kann (keine Reaktion seinerseits)
    - schließlich musste ich beginnen, die Zukunft ohne ihn zu planen
    - habe ihm mitgeteilt, dass wir nun keinen Kontakt mehr haben werden
    - von ihm kam ein paar Tage später ein „Ich vermisse dich“, aber sonst nichts


    Tja… und irgendwie warte ich immer noch auf ein Wunder, ich dumme Nuss.
    Das ist meine Sicht der Dinge. Seine kann ich euch kaum mitteilen, da er sie ja selbst vor mir geheimhält.
    Ich vermisse ihn, aber gleichzeitig hatte ich immer wieder Zweifel daran, ob das überhaupt eine richtige Beziehung war.


    Irgendwelche Ratschläge?
     
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  • User 172046
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    25 April 2020
    #2
    Seid ihr denn jetzt offiziell getrennt?
    Klingt irgendwie nicht so, wenn du immer wieder angerannt kamst und er auch ein "vermisse dich" von sich verlauten ließ.

    Stell den Kontakt ein. Du hast vor dir selbst schon sehr viele gute Gründe gegen die Beziehung klargestellt.
    Wenn du ihn also vermisst, könnte das dagegen helfen.

    Außerdem würde es vielleicht helfen, ihm einen Brief zu schreiben, immer wenn du ihn vermisst. Davon bekommst du genauso viele Antworten auf dein Anliegen wie du bekommen würdest, wenn du mit ihm sprechen würdest.
    Die Briefe allerdings kannst du auf beliebig viele Arten zerstören und dir so vielleicht das Loslassen leichter machen.
     
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    25 April 2020
    #3
    Erstmal: es tut mir echt leid, dass Du so lange und vergeblich darauf gewartet hast, dass dieser Mensch Dir auch nur ansatzweise etwas von dem zurück gibt, was Du bereit warst, ihm und Euch zu geben. Lass Dich unbekannterweise mal :knuddel:.

    Jetzt im Nachhinein kann man natürlich viel sagen, aber ich möchte es auf einen Satz beschränken: Ihr habt nie eine wirkliche Beziehung geführt, er hat Dich ständig am ausgestreckten Arm verhungern lassen.
    Auch wenn Du das wahrscheinlich im Moment ganz anders fühlst: es ist besser so. Du hättest nur immer weiter gelitten, weiter gehofft und wärst wieder und wieder enttäuscht worden.

    Versuche, jetzt einen Cut zu machen. Das wird schwer, ein Patentrezept dafür gibt es nicht. Ablenkung, so oft es geht. Dich wieder mehr nur um Dich kümmern, schauen, dass es Dir gut geht. Vielleicht ein paar Sachen in Deinem Leben ändern. Frisur, Klamotten, vielleicht die Wohnung neu gestalten. Dir ab und zu einfach was gönnen, damit Du auch ein paar schöne Momente hast. Das, was Fantasy. vorgeschlagen hat, ist ebenfalls eine richtig gute Möglichkeit, es für Dich zu verarbeiten.

    Irgendwann, nicht jetzt, wirst Du erkennen, wie sehr er Dir wirklich weh getan hat und wie wenig Zukunft das immer schon hatte. Und dann weißt Du zumindest eins: so einen Fehler wirst Du nicht mehr begehen.
     
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    26 April 2020
    #4
    Ach ja: Gib dir Zeit.
    Das ist eigentlich das Wichtigste von allem.
    Was auch immer du tust: Schreib ihm nicht mehr. Du hast deine Gründe für dich gefunden, warum die Beziehung zu ihm dir nicht gutgetan hat.
    Deine Gesundheit ist wichtiger als alles andere.

    Du bist schon sehr analytisch mit der Situation umgegangen. Und vielleicht ist das auch alles, das du im Moment wissen und analysieren musst. Für alles andere braucht es wahrscheinlich deutlich mehr Abstand, den du derzeit verständlicherweise noch nicht hast.
    Hab' Geduld mit dir, gib dir Zeit, vermiss ihn ruhig ab und an mal, denn es hatte ja einen Grund, warum er dir mal wichtig war...und dann lies dir deinen Post hier noch einmal durch.

    Am langen Arm verhungern gelassen zu werden kann verdammt wehtun... und der einzige Weg da raus ist, aufzuhören, zu warten. Lass' dich nicht dazu "erpressen", immer wieder einen Schritt auf ihn zuzugehen, um damit abzuschließen, weil von ihm nichts kommt.
    Geh deinen eigenen Weg ohne ihn. Der Rest kommt mit der Zeit. Je mehr du dir ohne ihn aufbaust, desto mehr Abstand gewinnst du, und irgendwann reicht dir sein Verhalten dir gegenüber als Begründung, die du brauchst.

    Falls du doch mal ins Grübeln kommst, grübel vielleicht mal in die Zukunft:
    - Was hat dir bei ihm gefehlt? Was hättest du dir vielleicht von ihm gewünscht?
    - Was kannst du daraus für andere zwischenmenschliche Beziehungen für dich mitnehmen? Wie haben sich z.B. deine Prioritäten verschoben?
    - Woran kannst du vielleicht früher erkennen, ob eine Person dir guttut oder nicht? Woran hast du es diesmal erkannt?

    Das war jetzt doch wieder ziemlich viel...

    Alles Gute!
     
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    26 April 2020
    #5
    Es tut mir leid, auch wenn es eine Fernbeziehung ist, hat man aber die Person lieb gewonnen.

    Ich glaub' aber nicht wirklich, dass es eine "richtige" Beziehung war (in Sinne von gemeinsamen Alltag haben). Ich glaube auch, dass es die richtige Entscheidung ist, dass du deine Zukunft nun planst. Ich glaube auch, dass es der richtige Weg ist ohne ihn weiter zu machen.

    Du schreibst, du kannst seine Seite? gar nicht so richtig beschreiben. An deiner Stelle würde mich das schon verdammt traurig machen. Auch nach zig Jahren konnte bzw. wollte er sich dir nicht öffnen. Er wollte keine Zukunft planen und ja auch ein Optimist kann planen, selbst wenn er Schwierigkeiten hat es zu tun. Auch ein Optimist kann sich für die Gefühle seiner Freundin interessieren und Empathie empfinden. Seine Reaktion auf "ich habe ihm mehrfach gesagt, dass ich nicht mehr kann" empfinde ich als absolut unpassend, wenn ich vorraus setze, dass du ihm nicht egal bist.

    Ich würde den Kontakt einstellen. Verschwende dein Leben nicht an jemanden, der so wenig Interesse an dir zeigt. Plan erstmal deine Zukunft, so wie du sie dir vorstellst und wie sie dich glücklich macht.

    Ein klarer Beweis, dass die Beziehung dir schadet ist "ich wurde wieder depressiv und bekam Panikattacken, hatte teilweise schon Angst davor, mit ihm reden zu müssen".

    Geh in dich und frag dich: Sollte sowas bei dem Menschen, den ich liebe und mit dem ich eine Zukunft haben will, passieren? Sollte die Beziehung, wenn sie erfolgreich sein soll, je an so einem Punkt ankommen? Reflektier deine Beziehung und welche Auswirkungen sie auf dich hatte. Nicht nur die schönen Seiten, erinnere dich bewusst an die schlechten Seite. Die Seiten, die dich an den Punkt brachten. Unser Gehirn hat die nette Eigenschaft böse Seiten zu vergessen und alles schöner zu machen, als es tatsächlich war.
     
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    26 April 2020
    #6
    Danke euch für die lieben und hilfreichen Worte! Ich sitze zwar jetzt gerade hier und heule Rotz und Wasser, aber das muss wohl so sein.

    Ich habe natürlich keinerlei Erfahrung in solchen Dingen, aber ich denke, es ist bei ihm angekommen. Die Kanäle sind natürlich noch offen - er könnte mir eine Mail schreiben oder sonst etwas, aber ich weiß ja, dass er so was nicht macht, mal von dem minimalistischen "Ich vermisse dich" abgesehen.
    Ich denke, es war eine Trennung in Raten. Ich wollte ihm ja alle Chancen geben. Es hätte mich glücklich gemacht, wenn er eine der Chancen ergriffen, die Initiative ergriffen hätte. Aber das hat er nicht. Ich habe das lange nicht richtig verstanden. Ich dachte, dass man nicht so sein kann. Aber offensichtlich doch.

    Das klingt hart, stimmte aber vermutlich irgendwie. Zumindest war es im Ergebnis so für mich. Ich möchte aber auch betonen, dass er mich nicht aus Boshaftigkeit oder so so behandelt hat. Er konnte einfach nicht anders. Er war ratlos. Es liegt in seiner Art. Nur irgendwann konnte ich ihm eben nicht mehr entgegenkommen. Wenn er es nicht schafft, sein Verhalten zu ändern, sich zu öffnen etwa, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Ich akzeptiere es und lebe irgendwie damit oder ich verabschiede mich von ihm. Nun ist mir klar, dass ich so keine Beziehung führen möchte, also konnte es nur auf den Abschied hinauslaufen.

    Ich versuche es. Ich habe genug zu tun. Aber ich merke, wie viel Zeit ich mit ihm verbracht habe - eigentlich täglich. Das hat mich auch davon abgehalten, soziale Kontakte nach einem Umzug aufzubauen.

    Vermutlich stimmt das. Aber gemäß meinem Naturell neige ich nun dazu, die Schuldfrage zu stellen. Dass er nicht einfach im Umgang ist, ist klar Aber ebenso bin ich es nicht. Ich gehe sogar soweit, anzunehmen, dass er sich nur mir gegenüber so verhält - also, dass er sich mir nicht öffnen konnte. Ich weiß, dass ich nie seine Traumfrau war, also hat er mich so vielleicht auf Abstand gehalten oder sich die Optionen offengehalten -bewusst oder unbewusst. Vielleicht denke ich auch nur so, weil es mir so ansatzweise gelingt, sein Verhalten mir gegenüber zu verstehen.

    Ich war traurig, ich war wütend, ich war verzweifelt. Dann lange enttäuscht. Jetzt fühlt sich alles die meiste Zeit leer an, auch wenn da immer wieder Emotionen hervorbrechen. Meine Depression ist gerade schon stark ausgeprägt.

    Wie oben schon geschrieben, weiß ich ja, dass er ratlos war und nicht wusste, wie er reagieren soll. Aber mir wäre alles lieber gewesen als das. Von mir aus hätte er mich anlügen können oder Empathie vorheucheln.
    Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich mit seiner Art eben nicht klar komme? Jedenfalls hatte und habe ich oft genug ein schlechtes Gewissen, weil ich mir denke, ich müsste ihm mehr Geduld und Empathie entgegenbringen.

    Einer Freundin würde ich vermutlich raten, dass die Antwort hier "Nein" lautet. Aber vielleicht liegt es an meiner mangelnden Beziehungserfahrung, dass ich einiges hingenommen habe...

    Das trifft bei mir nicht so zu. Ich muss mich eher gerade daran erinnern, dass ich auch schöne Zeiten mit ihm hatte. Denn sonst verzweifle ich völlig bei dem Gedanken, so viele Jahre damit verbracht zu haben, mit ihm etwas zu haben.
    Ich hätte doch stattdessen vielleicht, nur ganz vielleicht, jemanden finden können in diesen vielen Jahren, jemanden, der mich wirklich liebt und mir das auch zeigt. Vielleicht sogar jemanden, der mich so genommen hätte, wie ich bin. Und jemanden, mit dem ich eine Zukunft haben, vielleicht sogar eine Familie hätte gründen können.
     
  • Yurriko
    Yurriko (27)
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    26 April 2020
    #7
    Nein, du bist nicht Mutter Theresa und du musst dich für niemanden aufopfern. Du hast das Recht auf einen passenen Partner.

    Ihr beide seid Schuld. Da muss man nichts klären. Nach Schuldigenzu suchen bringt dich nicht weiter. Eher dein eigenes Verhalten reflektieren, warum du solang bei jemanden warst, dessen Traumfrau du nicht mal wahrst.

    Nun, das könnte sein Verhalten erklären. Jetzt muss du dich fragen, warum du trotzdem geblieben bist, obwohl du nur Nummer 2 maximal warst?
     
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    26 April 2020
    #8
    Selbst wenn du Schuld gewesen wärst - er ist alt genug, mit dir zu sprechen, wenn ihm etwas an deinem Verhalten nicht passt. Das hat er nicht getan. Das wird er wahrscheinlich nicht mehr tun. Von daher seid ihr beide Schuld, wie Yurriko ja schon schrieb.

    Das kannst du jetzt immernoch. Und jetzt weißt du umso besser, woran du bist, was du dir wert bist und was du in einer Beziehung erwarten kannst. Manche Erfahrungen brauchen Zeit.

    Dann mach sie doch zu? Was spricht dafür, euch beiden eine Flucht nach hinten offen zu halten, wenn du doch festgestellt hast, dass das absolut nichts ist, das du willst?
     
  • User 118207
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    27 April 2020
    #9
    Weil er auch nicht der perfekte Mann für mich war? Ich weiß auch nicht, aber ich bin nie davon ausgegangen, dass es einen perfekten Partner gibt - weder für mich, noch für ihn. Vermutlich habe ich aber nicht auf einen perfekteren Partner gewartet, wohingegen ich das bei ihm vermutet habe - eben um sein Verhalten zu erklären.

    Meiner Meinung nach besteht keine Gefahr, dass ich rückfällig werde. Das einzige, was ich immer wollte - nämlich dass er ehrlich und offen zu mir ist und einfach mal lang und breit erklärt, wie er ist und was er will - das wird ja eh nicht passieren. Er wird sich ja nicht ändern und sich vor allem nicht überwinden, vielleicht weil er eben gar keine Beziehung will, jedenfalls nicht so, wie ich es wollte. Gewisse Kanäle konnte ich stummschalten - wenn auch zeitlich begrenzt. Aber in ein paar Wochen ist das ja eh alles vorbei. Meine E-Mail und meine Adresse kann ich ja aber nicht ändern oder sperren für ihn. Aber mit ein paar nichtssagenden Einzeilern oder so etwas komme ich ja notfalls klar. Das lässt sich leicht ignorieren und erinnert mich höchstens daran, warum ich eben keine Kommunikation mehr in dieser Form brauche.

    Eigentlich dachte ich immer, dass es angenehmer wäre, befreundet zu bleiben, in Kontakt zu bleiben. Aber das ist in unserem Fall wohl einfach unmöglich. Das ist schade. Im Grunde habe ich so nicht nur meinen Freund, sondern auch meinen besten Freund verloren - denn das war er in den letzten Jahren durchaus, trotz aller Umstände.
     
  • Yurriko
    Yurriko (27)
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    27 April 2020
    #10
    Nunja, ich bin ehrlich gesagt schon ausgegangen, dass er dein erste Wahl war. Ich wünsch dir viel Glück in der Zukunft eine besser Wahl zu finden :knuddel:
     

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