• DemonPassion
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    in einer Beziehung
    11 Dezember 2013
    #1

    Denke ich Schwachsinn?

    Hallo liebe Community,

    ich bin hier schon lange stille Leserin und bin immer wieder erstaunt und beeindruckt davon, wie sehr hier versucht wird, den Einzelnen zu helfen. Deswegen denke ich, es ist eine ganz gute Idee, ein paar Meinungen einzuholen von Außenstehenden.

    Es geht um Folgendes: Mein Freund und ich sind emotional zwei sehr unterschiedliche Menschen. Während ich sehr offen und direkt alles vom Herz weg ausplaudere (bei ihm) und ihn immer wissen lassen will, was ich denke und fühle, tut er sich extrem schwer damit, aus sich herauszugehen. Dazu sei gesagt, dass ich seine erste Beziehung bin, er aber nicht meine und wir eine Fernbeziehung führen und uns nur alle zwei Wochen für drei bis vier Tage sehen. Auch nicht ganz unwichtig ist, dass ich Borderline habe und auf eine bewegte Familien- und Beziehungsgeschichte zurückblicke.
    Er ist 23 und ich 22.

    Vorhin habe ich versucht, eine kleine Analyse über unsere Beziehung zu schreiben, und ruhig und sachlich an die ganze Sache heranzugehen. Ein guter Freund von mir sagt mir, dass ich mich viel zu verrückt mache und die Zeit genießen soll. Das möchte ich auch wirklich, nichts anderes wünsche ich mir, aber ich kann einfach nicht anders als alles zu zerdenken, wie mein Freund so schön sagt. Mich würde trotzdem interessieren, was ihr dazu denkt und wie ihr die Lage einschätzt. Ob ich zu negativ bin und die Dinge zu schwarzmale oder ob ich nicht gerade Unrecht habe und wie ich vielleicht versuchen kann, die Situation zu entschärfen.


    Hier also meine Analyse, in der meinen Partner D nenne:

    >>>Im Moment bin ich verletzt und ein bisschen wütend. Ich möchte diese Beziehung aufgeben. Er tut mir weh, indem er emotional nicht auf mich reagiert oder nicht in dem Maße, das ich mir wünsche und das ich auch brauche. Ich wünsche mir Streicheleinheiten für mein Ego, brauche aber Konter. Beides gibt er mir im Augenblick nicht. Deswegen bin ich verletzt und wütend auf ihn.

    Wütend auf mich bin ich, weil ich viel zu hohe, unausgesprochene Erwartungen an einen Mann stelle, der noch niemals eine Beziehung hatte und emotional verschlossen ist. Ich muss ihm Zeit lassen, seine eigenen Grenzen zu ertasten und herauszufinden, wie weit er sich bewegen kann und will. Auf der einen Seite bin ich gewillt, ihm diese Zeit zu lassen, weil er immer noch perfekt ist und ich ihn über alle Maßen liebe. Andererseits brauche ich jetzt emotionale Zuwendung und Offenheit und nicht erst in eventuell zwei Jahren oder wie lange er eben braucht. Dazu kommt, dass man entweder gleich weiß, ob der andere das Gegenstück zu einem selbst ist oder man weiß es gar nicht. Ich weiß, dass er mein Gegenstück ist, aber er weiß noch nicht, ob ich seines bin, ergo bin ich es nicht. Sprich, er wird mich früher oder später verlassen. Weil er mich nicht (mehr) liebt oder weil er merkt, dass es mit einer Frau auf Dauer zu eintönig ist. Das ist sein Wesen. Er findet Dinge, die ihm gefallen und bleibt so lange bei ihnen, bis sie ihm auf die Nerven gehen. Dann möchte er sie nicht mehr. Das heißt, er benutzt und entsorgt. Und wenn er das bei Nahrung und Spielen und allen möglichen Dingen tut, dann tut er das auch bei Menschen. Er wird mich benutzen und entsorgen. Nicht mutwillig und nicht in böser Absicht, sondern einfach, weil es sein Wesen ist, das zu tun. Es verletzt und zerreißt mich, auf diesen Zeitpunkt warten zu müssen und zu wissen, dass er kommt und man ihn mit nichts in der Welt abwenden kann. Das macht mich ausgesprochen traurig und ich projeziere diese Trauer auf unsere gegenwärtige Situation. Das heißt, ich weiß, was passieren wird, er dagegen weiß es noch nicht, weil er nicht darüber nachdenkt. Während er den Moment genießt und im Augenblick lebt, bin ich schon weit in der Zukunft und überzeugt von meinen Prognosen. Logischerweise funktioniert das so nicht und es belastet unsere Beziehung. Die Fragen, die sich daher stellen, lauten:

    Bin ich bereit, eine Beziehung mit Ablaufdatum zu führen und mich immerwährenden, totalen Schmerzen auszuliefern?

    Kann ich in die Gegenwart zu ihm kommen und die Zukunft Zukunft sein lassen und ausblenden, was passieren wird?

    Kann er meine Ängste nachvollziehen und akzeptieren?

    Zu der ersten Frage sei gesagt: Prinzipiell bin ich auf jeden Fall bereit, mich solchen Schmerzen auszuliefern. Ich bin emotionaler Masochist. Ich will diese Schmerzen und ich brauche sie, weil Schmerzen mich am Laufen halten. Ich kann nicht leben ohne Schmerzen. Wenn keine da sind, mache ich mir eben welche. Und das führt mich zu Frage zwei: Nein, ich kann diese Zukunftsängste nicht ausblenden und eine sorgenfreie, losgelöste Zeit mit ihm verbringen, weil es dann bedeuten würde, Schmerzen aufzugeben und das kann ich nicht. Schmerzen sind mein emotionales Blut, ich KANN nicht ohne sie leben. Im Gegenzug bedeutet das, dass ich ihm seine erste Beziehungserfahrung ruiniere und seine Gefühlswelt nachhaltig negativ präge. Was mich dazu führt, dass ich über die dritte Frage mit ihm reden sollte. Andererseits wird ihm dann bewusst, was er da an Land gezogen hat und das widerrum lässt nur zwei Möglichkeiten zu: Er bleibt mit mir zusammen und versichert mir, dass alles gut wird, was ich sowieso nicht glaube und mich daher in einem immerwährenden Karussell aus Ängsten und Schmerz drehen werde und ihn widerrum damit beeinflusse und seine Gefühle negativ präge. Möglichkeit zwei lautet, wir trennen uns bevor ich ihn zerstören kann. Das würde zunächst einmal Schmerz für ihn bedeuten, früher oder später aber zulassen, dass er sich mit einer normalen Frau ein normales Leben ausbauen kann. Mich dagegen würde es in eine höllische Untiefe aus Leid und Schmerz und Sehnsucht werfen, aus der ich niemals wieder herauskriechen könnte, weil er der Eine für mich ist. Ich würde niemals aufhören, ihn zu lieben oder nach ihm Sehnsucht zu haben und ich könnte niemals mehr jemand anderen aufrichtig lieben. Wenn wir weiterdenken, würde ich also alleine bleiben müssen, um einen potenziellen Partner nicht damit zu zerstören, dass ich ihn niemals so lieben kann wie D.

    Das heißt, ich habe die Wahl zwischen drei Zerstörungsszenarien:

    Ich zerstöre D, wenn ich mit ihm zusammenbleibe und ihm eine emotionale Masochistin zumute, die nicht zu seinem Wesen passt.

    Ich zerstöre mich, wenn ich mit ihm zusammenbleibe und auf das unabwendbare Ende warte.

    Ich zerstöre mich, wenn ich mich trenne, um ihn vor mir zu schützen.

    Ein weiteres Szenario kommt hinzu, wenn ein potenzieller Partner meinerseits hinzukommt, der niemals auch nur im Ansatz das erfahren können wird, was ich D zu geben habe.

    Es wäre alles deutlich einfacher, wenn er mich genauso sehr lieben würde wie ich ihn. Dann könnte ich mich darauf verlassen, dass er es aushält, mit mir zusammen zu sein. So aber kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es ihn zerstören wird. Vor allem, weil er selbst (wenn auch in sehr hübsche Worte verpackt) sagt, dass er mich nicht so liebt wie ich ihn und dazu auch nicht bereit ist. Das heißt, ich bin prädestiniert dafür, für immer in einem Morast aus Unglück und Schmerz zu stecken und früher oder später daran zu Grunde zu gehen. Ich habe den Einen gefunden, den Menschen, den ich weitaus mehr liebe als ich dachte dazu in der Lage zu sein und er liebt mich nicht im Ansatz so sehr zurück.

    Was für eine Entscheidung ergibt sich also daraus? Ich fürchte, ich kenne die Entscheidung, bin aber noch nicht bereit, sie zu akzeptieren. Vor allem denke ich, es in seinen Augen zu überstürzen. Wir sind noch nicht lange zusammen, kennen uns noch nicht sehr lange sehr gut und haben auch noch nicht viel Zeit miteinander verbracht. In seinen Augen ist es ganz natürlich, dass sich alles erst einmal setzen und anpassen und ergeben und fügen muss. In meinen Augen sind wir weit über den „es muss erst noch“-Punkt hinaus. Und das verdammt mich dazu, zu warten und nichts tun zu können.<<<


    Ich freue mich über jeden, der so lange ausgehalten hat meinen Gedankenwust zu lesen und auch noch einen Beitrag abgeben möchte :smile:
    Wenn noch irgendwas unklar ist, einfach fragen. Ich möchte wirklich irgendwie auf die ganze Lage endlich klar kommen.
     
  • User 136492
    Verbringt hier viel Zeit
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    11 Dezember 2013
    #2
    Ja ganz schöner Monster Text. ich hab leider (noch) keine Erfahrung in Sachen Beziehung :frown: aber würde dir trotzdem raten, dass du ihn mit deinen Ängsten konfrontierst. Sage ihm doch mal auf sanfte weise, dass du Angst hat er könnte dich "nutzen und entsorgen". Sag ihm am besten auch, dass du dir wüschst, dass er mehr auf dich, deine Probleme und Gedankengänge
    eingeht. Es kann passieren, dass er sich nicht "ändert". Wenn es seine Art ist verschlossen zu sein und nicht über alles zu reden, dann ist das halt so. Entweder du wirst dich damit anfreunden können oder du musst wohl oder übel eure Bezihung beenden. Was ich gerade genannt habe waren aber nur die Extreme es gibt ja auch den Mittelweg, es besteht ja auch die Möglichkein einen Kompromiss zu finden. Was dich vielleicht auch noch bisschen trösten könnte wäre die Tatsache, dass es auch Menschen gibt die mit ihrer erste Beziehung auf ewig zusammen leben. Meine Mum war auch die erste Beziehung von meinem Vater sie sind mitlerweile über 20 jahre zusammen und werden das Vorraussichtlich auch noch für den Rest ihres Lebens :zwinker: Hoffe es hat dir weigstens ein klein wenig geholfen :smile:
     
  • Luna15
    Luna15 (30)
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    nicht angegeben
    11 Dezember 2013
    #3
    Weiß denn dein Partner um deine Erkrankung Bescheid und hat sich damit mal auseinander gesetzt ?
     
  • DemonPassion
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    in einer Beziehung
    11 Dezember 2013
    #4
    Danke schonmal für eure Antworten und dass ihr euch durch meinen Roman gequält habt :zwinker:

    @DerMond
    Ich rede ja immer sehr offen mit ihm und auch über meine Bedenken, wenn auch nicht über absolut alle weil er dann wahrscheinlich wahnsinnig werden würde. Die Beziehung zu beenden steht für mich außer Frage, das ist einfach keine Option. Ich hoffe einfach, dass er mit der Zeit wirklich lernt, sich langsam zu öffnen, auch wenn es ihm sehr, sehr schwer fällt.
    Und ja, die Geschichte deiner Eltern tröstet mich tatsächlich :smile: Das wünsche ich mir nämlich auch sehr.

    @Luna15
    Ich habe versucht, es ihm zu erklären, aber das Kind beim Namen genannt habe ich nicht. Vielleicht sollte ich das tatsächlich mal tun... Ich hab dann nur Angst, dass er sich von der Krankheit überfordert fühlt wenn er sieht, wie umfangreich so eine Borderline-Erkrankung aussehen kann. Jeder Verlauf ist ja anders und ich bin bei Weitem nicht der schlimmste Fall von Borderline, und wenn er sich dann reinliest habe ich wie gesagt Angst, er könne all die Sachen auf mich projezieren. Er ist auch niemand vom Schlag "Wir setzen uns hin und reden darüber und du sagst mir, wie das bei dir ist". Was übrigens auch schon zu Spannungen geführt hat, weil ich das selbstverständlich finde.
     
  • IfSoGirl88
    IfSoGirl88 (24)
    Benutzer gesperrt
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    vergeben und glücklich
    11 Dezember 2013
    #5
    Bist du dir sicher, dass eure Beziehung wirklich ein "Ablaufdatum" hat? Nur weil dein Freund von vielen Sachen schnell gelangweilt ist, heißt dass doch nicht, dass er das auch von dir ist und sich irgendwann trennen wird. Ich bin zwar erst 18, also noch extrem jung, aber ich hatte tatsächlich schon vor meinem jetzigen Freund eine lange Beziehung, und ich habe mir in der alten Beziehung immer gedacht, dass ich das nicht mein Leben lang haben will. Neues wollte ich ausprobieren, nicht immer den gleichen Typen, ich fand es langweilig, fad, doof. Doch dann traf ich auf meinem Freund, der davor lange mein bester Freund gewesen war und meine Einstellung kannte. Er wusste, dass ich ein Freigeist bin und dass ich schnell einfach aufgebe/aufhöre, wenn ich kein Bock mehr habe. Doch als wir dann zusammenkamen änderte sich alles. Wir sind seit einiger Zeit glücklich zusammen, die Beziehung ist absolut perfekt und ich habe noch nie dran gedacht ihn wirklich zu verlassen. Von mir aus könnte das noch 100 Jahre so weiter gehen - Ich will nur ihn, für den Rest der Zeit.

    Was ich dir damit sagen will, ist, dass Menschen sich ändern. Umstände, Zeiten und andere Menschen können einen sehr beeinflussen, so wie es bei mir war. Wenn dein Freund glücklich mit dir ist (und ich bin mir sicher, das ist er, denn sonst hätte er bestimmt schon längst Schluss gemacht), warum sollte er sich dann von dir trennen? Ja, meiner Meinung nach zerdenkst du alles. Lass es einfach auf dich zukommen. Dein Freund braucht vielleicht wirklich Zeit um sich dir emotional zu öffnen. Lass ihn. Jeder Mensch ist anders. Woher weißt du, dass dein Freund dich nicht so sehr liebt, wie du ihn? Ja, er hat es dir gesagt, das hab ich gelesen. Aber Liebe ist kein Wert den man messen kann! Jeder empfindet Liebe anders. Ich weiß, dass dich das extrem fertig macht und ich verstehe dich voll und ganz. Aber ich halte von diesem "Du liebst mich nicht so sehr wie ich dich!" nichts, und du solltest nicht weiter darüber nachdenken. Irgendwann wird deinem Freund vielleicht klar, dass er dich doch genau so sehr liebt und braucht. Ich an deiner Stelle würde die Hoffnung nicht aufgeben.
     
  • Luna15
    Luna15 (30)
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    nicht angegeben
    11 Dezember 2013
    #6
    Das kann ich mir gut vorstellen, dass du dahingehend bedenken hast. Aber ich denke es wäre dennoch besser, wenn du das Kind beim Namen nennst und er sich damit befasst. Es gibt ja auch gute Tipps zB, für den Partner des Borderliners, wie er mit dir umgehen sollte etc. Außerdem würde er dann sicher deine Ängste auch besser verstehen können und deine Befürchtung (dass du ihn zerstörst), würde sicher abgemildert, wenn er weiß wieso du gewisse Handlungsweisen an den Tag legst.
    Du wirkst hier ja recht offen und selbstreflektiert, da gibt es weit schlimmere Fälle. Und dann sag ihm einfach, wenn er Fragen zu dem Thema hat soll er dich einfach fragen und du wirst ihm so offen wie möglich sagen, welche Verhaltensweisen und Probleme auf dich zutreffen und was nicht.
     
  • DemonPassion
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    in einer Beziehung
    12 Dezember 2013
    #7
    Die letzten zwei Tage habe ich viel mit meinem Freund über mich und meine Situation gesprochen und auch explizit meine Borderline-Erkrankung erwähnt.
    Er sagt zwar, dass er mich liebt und mir helfen will, aber auch, dass er Zeit braucht, sich an mich und meine Art zu gewöhnen.
    Mein grundsätzliches Problem ist nur, dass ich ihm kein Wort glaube, wenn ich in einer depressiven Phase bin; und ehrlich gesagt glaube ich ihm auch nicht, wenn ich in einer stabilen Phase bin, weil die momentan sehr leicht zu kippen ist. Seit ich mit ihm zusammen bin, sind mein Selbsthass und meine Selbstzerstörungstendenzen wieder auf einem Hoch, das ich so schon lange nicht hatte. Durch meine ständigen Selbstzweifel tue ich ihm aber nicht gut und er sagt selbst, dass ich ihn damit verletze, wie ich an mir und damit auch an unserer Beziehung zweifele.
    Eine Therapie ist mir schon lange im Sinn; es wäre auch nicht meine erste. Bis jetzt hat es sich noch nicht ergeben, aber auch eine Therapie ist ja kein Garant für Besserung.
    Was ich mir von euch vielleicht erhoffe sind Tipps, wie er mit mir umgehen kann und wie ich vielleicht versuchen kann, nicht gleich in apokalyptische Stimmung auszubrechen wenn ich mal wieder nichts von mir halte. Mir ist es egal wie es mir geht, ich will nur ihn glücklich machen.

    @IfSoGirl88
    Dein Beitrag hat mich schon aufgemuntert und mir auch Hoffnung gegeben, und nichts wünsche ich mir mehr, als dass er diesen berühmten Klick hat und merkt, dass ich total perfekt bin. Da spielt mir aber mein Kopf rein und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich es wert sein sollte, perfekt für ihn zu sein. Es ist ein schrecklicher Teufelskreis... :frown:
     

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