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  • ogelique
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    25 Juli 2004
    #1

    Die sture Meschpoche

    Als jüdisches Mädchen bringt man in eine Beziehung einen Haufen Nachteile mit: jüdische Eltern, Großeltern, Tanten, Großtanten, Onkel, Tausende Cousins und Cousinen, die allesamt laut, aufdringlich und übereifrig sind.
    Nie werde ich den Tag vergessen, an dem mir meine Oma zum ersten Mal sagte: „Hör mal, ich habe da einen netten Jungen kennengelernt. Willst du ihm nicht mal eine E-Mail schreiben?“
    Für gewöhnlich wohnt dieser nette Junge mindestens 500 km weit weg, hat eine jüdische Oma, die meiner Oma auf irgendeinem Seniorentreffen erzählt hat, dass sie einen Enkel in passendem Alter hat und der meine Oma ein extra für diese Zwecke im Geldbeutel verfrachtetes Passbild von meiner Wenigkeit gezeigt hat. Wahlweise kann es auch eine Oma sein, die meiner Oma erzählte, dass eine Freundin von ihr einen Enkel hat, der...
    Was diese Art von Jungs noch auszeichnet, ist eine Brille, eine Vorliebe für Informatik, Pickel und schwaches Selbstbewußtsein. Und natürlich, dass niemand, außer der Oma oder der Freundin der Oma jemals bestätigen kann, dass der nette Junge nett ist.
    Nun ja, die Senioren entwickeln ein erschreckendes Eigenleben und versuchen, immer noch die Welt zu bewegen. Dies sei ihnen natürlich gegönnt, allerdings wäre es mir lieber, wenn es nicht auf meine Kosten geschähe. Aber sie machen es ja nur zu unserem Besten, schließlich sollte man mit 20 langsam ans Heiraten denken.
    Heirat mit einem Juden, versteht sich.
    Und was tut man als armes jüdisches Mädchen mit einer ganzen scharfäugigen Meschpoche, wenn man sich ausgerechnet von arischen Männern angezogen fühlt? Sich auf die Suche nach großen, blonden Semiten begeben, würde wohl keinen Zweck haben.
    Der Zeitpunkt, an dem ich, die älteste Tochter, endlich einen jüdischen Jungen mit nach Hause brachte, wurde in der Familienchronik rot angestrichen, davon bin ich überzeugt und schaue bei Gelegenheit mal nach.
    Der Junge sieht objektiv gesehen nicht gut aus.
    Er hat eine große Nase und ein Gesicht voller Sommersprossen. Außerdem ist er pummelig.
    Er ist sehr nett und humorvoll, aber ähnlich anziehend wie ein Waschlappen am frühen Morgen.
    Der Junge ist mein bester Kumpel, seit ein paar Jahren.
    Aber das glaubt mir niemand. „Jaja“, grinst mein Opa, „Ein guter Freund!“
    Nachdem er gegangen ist, schwärmen alle davon, wie toll er doch aussehen würde und wie attraktiv er sei.
    Mein Vater hält mir einen Vortrag von den gefahren der Liebe und von Liebe auf den zweiten Blick.
    Was ein kleines Stück weggeschnittener Haut doch die klare Sicht trüben kann!
    Als ich erzähle, dass ich mit meinem Kumpel in Urlaub fahren möchte, sind alle ganz aus dem Häuschen.
    „Du musst aber sehr verliebt sein, wenn du mit ihm sogar in Urlaub fährst!“
    Schnell spricht sich die Neuigkeit in der ganzen Familie herum, alle lächeln mich wohlwollend und sehr mild an.
    Meine Omas tuscheln wie zwei kleine Mädchen und ich tue so, als würde es mir nicht auffallen.
    „Wie heiß er denn mit Nachnamen?“, fragt meine Oma Bella.
    „Schmulenson“ (das ist die Wahrheit!), antworte ich.
    „O nein, was für ein schlimmer Name“, Bella ist sichtlich enttäuscht und lacht herzlich darüber, worauf ihr Oma Nelly den Ellbogen unter die Rippen rammt und flüstert: „Leiser, sie hört doch zu.“
    Während ich mich kaum noch vor Lachen kriege, zeigt sich Oma Bella gänzlich ungerührt: „Macht nichts, er nimmt den Namen seiner Frau an.“

    Und wie, bitteschön, soll ich meinen jüdischen Verwandten, die grausame Wahrheit beibringen?
    Auch heute denken sie noch, dass der pummelige jüdische Junge mein Freund sei, was ich anstandshalber zu verheimlichen versuche („Wie süß!“), der blonde Traummann, jedoch, bei dem ich regelmäßig übernachte, mir stets ein eigenes Zimmer zur Verfügung stelle.
     
  • Satinchen
    Gast
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    26 Juli 2004
    #2
    Ich hoff doch mal das ist keine wahre Geschichte? :ratlos:
     
  • ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    26 Juli 2004
    #3
    Teils-teils :zwinker:
     
  • Satinchen
    Gast
    0
    26 Juli 2004
    #4
    Also für mich wär sowas schlimm *g*
     
  • ogelique
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    26 Juli 2004
    #5
    Nicht, wenn man seine liberale, moderne Mama als Verbündete hat :zwinker:
    Aber das ist natürlich auch sehr übertrieben, der Oma-Dialog ist tatsächlich echt *ggg*
     
  • Young Boy
    Young Boy (25)
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    3 September 2004
    #6
    Oh man was für ne Oma
    die hat wohl jede Woche nen neuen für dich
    oder was?
     
  • columbus
    columbus (38)
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    3 September 2004
    #7
    Die Geschichte hat 2 Grundelemente für einen guten Steven King Roman:

    1.unterbeschäftigte Omas
    2. Familienchronik

    Das sagt sich leicht, aber ich würde mit vollem Rohr zurückschiessen. Einbißchen die Puppen tanzen lassen, Öl ins Feuer giessen.Will heißen, Leute mal nachhausebringen, wo man genau weiß dass sie das provozieren würde.

    Bißchen Revolution schadet in solchen Fällen nie.

    Und das letzte worauf ich bei einer Freundin achten würde wäre welchen Glauben sie hat. das wär echt auf der langen Liste das allerletzte.
     
  • ogelique
    Verbringt hier viel Zeit Themenstarter
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    18 September 2004
    #8
    @columbus: Jaja, Feuer giessen ist immer lustig :grin:
     

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