• Sigma Sagittari
    Ist noch neu hier
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    Es ist kompliziert
    22 November 2020 um 13:10
    #1

    Fernbeziehung Freundin finanziell unter die Arme greifen

    Guten Morgen,

    ich bin ganz neu hier und bräuchte ein paar Tipps hinsichtlicht einer Fernbeziehung und der finanziellen Unterstützung meiner Freundin.

    Ist aber alles nicht sooo leicht :smile: Ich (m 37) bin vor gut 2 Jahren nach Südamerika gegangen und verdienen nun hier meine Brötchen. Ich bin einfach mit zwei Koffern losgezogen.
    Rund ein Jahr später habe ich eine Frau kennengelernt. Leider nicht bei mir um die Ecke, sondern rund 2500km entfernt auf einer Dienstreise. Dazu muss ich sagen, dass ich dort recht oft bin und es von dem ersten Kennenlernen bis zu einem ersten "Date" rund 1 Jahr gedauert hat. Ich bin da manchmal etwas langsam/schüchtern.
    Das war vor rund 9 Monaten. Also seit 9 Monaten haben wir sowas wie eine Fernbeziehung. In letzter Zeit sehen wir uns leider deutlich seltener, weil ich nicht mehr so oft in ihrer Richtung unterwegs bin. Ich bin gerne bei ihr und wir verstehen uns gut.

    Sie (w 34) ist gebildet, hat eine kleine Tochter (2) und wohnt noch zu Hause. Vor allem aus finanziellen Gründen. Sie verdient hier rund 250-300€ im Monat netto bei einem Vollzeitjob. Außerdem braucht sie jemand, der hin und wieder auf die Kleine aufpasst. Sie wohnt in mittelständischen Verhältnissen.
    Im Rahmen der Covid-Pandemie ist es nicht einfacher geworden und sie ist seit einiger Zeit zu Hause und bezieht sowas wie Kurzarbeitergeld. Genauen Betrag kenne ich nicht, aber lassen wir es mal 150€ sein. Egal wie, auch in Südamerika ist das eigentlich zu wenig, das funktioniert nur, weil sie eben zu Hause wohnt.

    Ich habe das Gefühl, sie versucht eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen und hat schon fast Angst davor, als "Golddigger" bezichtigt zu werden, weil sie sich einen Gringo "geangelt" hat. Jetzt ist es natürlich so, wenn ich zu Besuch bin, dann gehen wir essen (weil ich das will) oder machen einen Ausflug und ich übernehme die Kosten dafür. War ihr am Anfang unangenehm, jetzt geht es.

    Unlängst hat sie sich mit ihrer Mutter verkracht und ist nun in einer Dilemma-Situation, auf der einen Seite möchte sie unabhängig sein, will auch hin und wieder etwas Zeit für sich (bzgl. ihrer Tochter), vermisst ihre Freunde/Bekannte (Covid-19 "Ausgangssperre") und fühlt sich in ihrer Situation gefangen. SIe hat etwas Selbstzweifel bzgl. ihrer Zukunft und ihrem Job und wie sich das entwickeln soll, weil sie eigentlich Mitte 30 ist und nicht in der Lage ist, ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.
    Immerhin arbeitet sie gerade an ihrem Führerschein.

    Viel Text bis dato, jetzt zum Kern: Ich habe immer versucht ihr keine Geldgeschenke oder sowas zu machen, weil ich finde, dass man dann irgendwie ein "Preisschild" an die Beziehung macht. Sie hat von mir immer kleine/nette Geschenke bekommen, also Sachen vom DM, gutes Besteck (würde sie sich selbst nie kaufen/gönnen), ect. Sie hat das auch immer strikt abgelehnt.
    Jetzt ist sie in der Dilemma-Situation und ich habe ihr geraten, einfach mal aus dem Haus zu gehen, frische Luft zu schnappen, ins Museum gehen, Freunde sehen, ...
    Finanziell bekommt sie das nicht alleine hin, weil ihr verbliebenes Kurzarbeitergeld halt gerade die Nebenkosten und das Essen deckt.

    Nun habe ich ihr Angeboten, dass ich ihr etwas "Luft" verschaffen könnte, indem ich die Kosten für eine Kinderbetreuung 1-2 Woche für ein paar Stunden übernehme, was sie nach einigen Tagen auch angenommen hat. Sie beteuert, dass sie mir das zurück zahlen will.
    Die absoluten Kosten dafür sind Nebensache und tun mir nicht weh, da bin ich finanziell sehr gut aufgestellt. Ich erwarte auch nicht, dass sie das begleicht, sie muss mir auch keine Rechenschaft ablegen. Mir ist wichtig, dass sie aus diesem Dilemma-Kreis kommt.

    Die Frage ist eher, wie gehe ich damit nun um. Ich würde das Thema Geld gar nicht ansprechen wollen oder Thematisieren. Ich habe Bedenken, dass sowas unsere eh irgendwie schwierige Fernbeziehung schädigen könnte.
    Auf der anderen Seite hätte ich auch ungern, wenn sich sowas in Zukunft als "Standard" etabliert. Letztendlich muss sie sich schon um die Basics ihres eigenen Lebens kümmern können.

    Wie lange sollte ich sowas mal "laufen" lassen (also die Kosten für die Grippe)? Ich bin da etwas unerfahren, weil ich auch das erste Mal in solch einer Beziehung bin (und geplant war eine Fernbeziehung auch nicht). Gerne auch andere Tipps diesbezüglich.

    Vielen Dank
     
  • Kokosmilch
    Kokosmilch (32)
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    vergeben und glücklich
    22 November 2020 um 13:26
    #2
    Kommt drauf an, wie du das für dich einordnest, würde ich sagen. Wohin soll die Beziehung führen? Wollt ihr ewig getrennt leben? Grundsätzlich würde ich sagen: Schenk ihr zum Geburtstag/Jahrestag/XYZ Gutscheine für die Betreuung, dann ist es nichts Alltägliches. Wie viele? Recht egal, du kannst es dir leisten. Ich würde es für mich unter "Hilfe für einen geschätzten Menschen" verbuchen und sehe kein Problem in einer großzügigen Unterstützung. Du magst sie, sie ist in Not, du kannst ihr helfen: Warum nicht? Langfristig würde ich aber versuchen, in die Beziehung eine Regelung zu bekommen, damit kein unausgesprochenes, schweigend in Kauf genommenes Ungleichgewicht entsteht. Mit temporär einseitig belastenden Lösungen hätte ich weniger ein Problem, solange es besprochen ist, beide Seiten einverstanden sind und klar ist, dass keiner ausgenutzt wird.
     
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    22 November 2020 um 13:31
    #3
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    vergeben und glücklich
    22 November 2020 um 14:59
    #4
    Also ich denke auch ihr solltet euch klarer werden wie das mit euch laufen soll. Ihr seit 9 Monate zusammen, beide in einem gewissen Alter.. wollt ihr immer so getrennt weiter Leben? Kommt zusammen ziehen in Frage? Wenn nein, macht die Beziehung dann langfristig überhaupt Sinn für euch? Sie scheint sich ja selbst zu bemühen nur irgendwie nicht ganz aufzuraffen. Wobei ich die Situation mit einem Kind keines Falls weniger kompliziert darstellen möchte. Grad alleine hab ich da riesen Respekt vor. Dennoch sollte es kein Punkt zum ausruhen werden.

    Wenn du jetzt zu dem Entschluss kommst es sollte Enden, dann würd ich die Grippe noch für den nächsten Monat zahlen (wenn es finanziell wirklich so gut steht bei dir) und dann auch lassen.

    Wenn du dir nicht sicher sein solltest, würd ich erst mal alles aufschreiben, aber für gewöhnlich ist unsicher sein eben auch das Zeichen das man eben keine Sicherheit in Zukunft sieht. Und es demnach besser ein klares Dagegen wäre.

    Wenn du zu weiter machen tendierst dann würd ichs mit ihr Ansprechen und einfach mal klären wie es jetzt weiter geht. Wohnen? Arbeiten? Koordination eurer beiden Leben.
     
  • Sigma Sagittari
    Ist noch neu hier Themenstarter
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    Es ist kompliziert
    22 November 2020 um 15:02
    #5
    Keine Ahnung. Einen Zukunftsplan haben wir (oder ich) nicht. Wir wohnen superweit weg, sie hat ihre Familie ect. dort, ich lebe hier als Expat und kann im Zweifel von heute auf morgen abgezogen werden. Mein Vertrag ist ohnehin befristet hier.
    Das habe ich natürlich kommuniziert und auch gesagt, dass uns das passieren kann. Sie meinte, ich solle mir nicht so viele Sorgen und im hier und jetzt leben, womit sie auch irgendwie recht hat.

    Ich glaube, darum geht's eben. Ich möchte nicht, dass sie von mir in irgendeiner Form abhängig wird.

    Ich will sie knuddeln und ich will, dass es ihr gut geht.

    Das Geld kann ich abschreiben. Soviel habe ich hier schon gelernt. Nicht, weil sie es mir nicht zurück zahlen wollen würde, bei den Lohnverhältnissen hier, sind 100 oder 200€ eine große Summe. Sowas stottert man hier über teilweise 1-2 Jahre ab.
    Ich weiß schon, wie ich mein Geld unter die Leute bringe, aber ich denke für sie haben diese Summen einen deutlich größeren Wert als für mich.

    Was die Zukunft bringt, kann ich nicht sagen. Die Problematik ist auch (wobei sie das weis), dass ich hier eingespannt bin. Also ich kann mich nicht für das verlängerte WE frei machen um dann einen Tag dorthin zu reisen und dann wieder zurück. Ich muss das mit meinen dienstlichen Trips verbinden, und wenn diese wegfallen, weil meine Dienste dort nicht mehr benötigt werden, dann weis ich auch erstmal nicht weiter.

    "Nur" weil es aber schwierig aussieht, möchte ich nicht einfach die Beziehung beenden, aktuell klappt es ja noch irgendwie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22 November 2020 um 15:10
  • User 124226
    Beiträge füllen Bücher
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    vergeben und glücklich
    22 November 2020 um 15:10
    #6
    Wie stehen denn die Möglichkeiten, dass sich etwas an ihrer finanziellen Situation verändert? Hilft es ihr, dass du die Krippe für ihre Tochter zahlst und sie kann sich dadurch beruflich weiter qualifizieren? Was unternimmt sie aktuell um finanziell unabhängig zu werden?
    Das wären Sachen die doch wichtig wären, wenn du sie finanziell unterstützt und das ein langfristiges Nutzen haben soll.
     
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  • Sigma Sagittari
    Ist noch neu hier Themenstarter
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    Es ist kompliziert
    22 November 2020 um 18:18
    #7
    Das sind sicherlich Themen, die man in Zukunft angehen kann. Ich glaube aktuell ist das Thema Jobunsicher, Krach mit Mutter (hat einen anderen Stellenwert hier als bei uns) und ihre vermeidliche Aussichtslosigkeit zu "bearbeiten".

    Wie gesagt, sie macht gerade ihren Führerschein, da ermuntere ich sie auch immer. Wir sprechen auch über ihren Job, ect. In D ist es ja schon nicht einfach, aber hier drüben sind die Aussichten ohnehin erdrückend. Es wird für normale Jobs kaum mehr als der Mindestlohn bezahlt und die Arbeitgeber können sich die Leute aussuchen.
    Sie ist recht clever, ihr fehlt aber manchmal das Durchhaltevermögen. Sie war ja auch der Uni, hat das Studium aber abgebrochen. Sie hat ein paar Fortbildungen gemacht, aber alles in Richtung Luftfahrt. Naja, und das ist aktuell auch eher mau.

    Sie spricht für hiesige Verhältnisse wirklich gutes Englisch. Ich sage ihr immer, dass sie das nutzen soll, da ich als Ausländer merke, wie wenig Englisch hier gesprochen wird. Also auch nicht im professionellen Bereich, in denen man event. mit ausländischen Firmen verhandeln können sollte.

    So ein "Masterplan" fände ich auch toll, aber ich denke, dafür müsste ich auch mehr bei ihr sein und da ein Auge drauf haben. Hier ergibt man sich irgendwie schnell seinem "Schicksal".
     
  • User 107327
    Planet-Liebe Berühmtheit
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    nicht angegeben
    25 November 2020 um 07:36
    #8
    Da gibst du dir selber die Antwort: Du machst das mit der Krippe gerne, dann solltest du auch nicht auf Rückzahlung bestehen. Ansonsten würde ich das Thema Geld gar nicht groß anschneiden, denn das widerspricht sich doch total mit dem ersten Absatz. Verstehe, dass du sie nicht standardmäßig finanzieren willst, dann tu's halt einfach auch nicht - ist ja nicht so, dass sie von dir etwas fordert.
     

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