• Funksoulbrother
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    Single
    15 Januar 2019
    #1

    Heilkraft von Musik und Poesie

    Ich empfinde bei Liebeskummer auch die sprachliche Ohnmacht, mit eigenen Worten nicht treffend beschreiben zu können, was da wirklich in mir los ist, als fast genauso schlimm wie den Kummer selbst. Es ist für mich, als würde sich dadurch meine Ohnmacht in dieser Lebenslage verdoppeln.

    Deswegen bewundere ich Musiker und Dichter so sehr, die mit ihren Mitteln einen echten Ausdruck für diese beinahe unsagbaren Gefühle finden, in dem sich dann auch noch andere Menschen wiederfinden.

    Als ich in einer Phase des schlimmsten Liebeskummer-Flashbacks wegen einer für mich damals schon lange verlorenen Liebe über das folgende Gedicht eines nicht ganz unbekannten deutschen Schriftstellers stolperte, war ich davon so ergriffen, körperlich und geistig so paralysiert, dass ich wirklich einige Tage lang völlig verloren in mir, in meinen Erinnerungen und in den Worten des Gedichtes versunken bin … und mich erst danach wirklich geheilt von der mir lange gar nicht richtig bewussten Krankheit meines Herzens gefühlt habe.
    Bertolt Brecht
    Erinnerung an die Marie A.


    1
    An jenem Tag im blauen Mond September
    Still unter einem jungen Pflaumenbaum
    Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
    In meinem Arm wie einen holden Traum.
    Und über uns im schönen Sommerhimmel
    War eine Wolke, die ich lange sah
    Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
    Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

    2
    Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
    Geschwommen still hinunter und vorbei
    Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
    Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
    So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
    Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst
    Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
    Ich weiß nur mehr: Ich küsste es dereinst.

    3
    Und auch den Kuss, ich hätt' ihn längst vergessen
    Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
    Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
    Sie war sehr weiß und kam von oben her.
    Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
    Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
    Doch jene Wolke blühte nur Minuten
    Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.
    Hat jemand von euch auch schon einmal eine ähnliche Erfahrung gemacht, also dass Musik oder Poesie (oder vielleicht auch ein Film o. ä.) eine wirklich heilsame Wirkung auf den eigenen Liebesschmerz hatte?

    Mir war es damals so, als ob Brecht mich besser kennen würde als ich mich selbst jemals kennen würde.​
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 Januar 2019
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    15 Januar 2019
    #2
    Ich habe bei Liebeskummer sozusagen eine Playlist von Liedern die mir bei der Verarbeitung helfen. Zum Teil geht es in diesen Liedern nicht mal um die Liebe selbst, sondern eher spiegeln sie meine ganze Gefühlslage wieder.

    "It comes in waves, I close my eyes.
    Hold my breath and let it bury me.
    I'm not OK and it's not all right.
    Won't you drag the lake and bring me home again."
     
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    15 Januar 2019
    #3
    Ich empfinde das so, ja. Dass Musik und Lyrik nicht nur Trost spenden können, sondern auch zur (Selbst)Heilung beitragen können. Den Verlust von Menschen die ich geliebt habe konnte ich mitunter besser ertragen, wenn ich etwas fand, das meinen Fühlen beschreiben konnte — aus der Seele sprach.

    Ich war mit meiner Mutter auf eine Art seelenverwandt, die meine Gedanken häufig treibt, in eine Richtung, in der ich mir vorstelle, was sie wohl sagte oder täte. Das zuzulassen, ohne dass der Schmerz über den Verlust bestimmend ist, sondern die lebendige Erinnerung, dabei hat mir tatsächlich Musik und Lyrik geholfen.
     
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    15 Januar 2019
    #4
    Musik! Musik ist für mich das allerheilmittel. 2012 hatte ich ne echt schwere Zeit und die Musik (Album: Circus Maximus - Isolate) hat mir währenddessen sehr geholfen :smile2:
    Wie oben schon erwähnt, weil es die Gefühlslage sehr gut widergegeben hat.
     
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    15 Januar 2019
    #5
    Musik war nach meiner erste Trennung Folter und Heilung zugleich. Wir hatten kurz vor der Trennung ein Game gemeinsam durchgespielt, weswegen ich mir für 'ne ganze Weile die zugehörige Playlist nicht anhören konnte. Irgendwann dachte ich mir "Fuck it" und hab angefangen, die Lieder rauf und runter zu hören.

    Es war hart und tränenreich, aber es hat auch definitiv zur Verarbeitung beigetragen. Und siehe da: Heute kann ich wieder diese Lieder mit fröhlicher Laune anhören und genießen, während mein Ex sie bis heute strengstens vermeidet :tentakel:
     
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    15 Januar 2019
    #6
    Musik heilt bei mir alle Wunden - kann aber auch arg grosse innert Sekunden wieder aufreissen.

    Mit meinem letzten Ex hatte ich lustigerweise keine grosse musikalische Verbindung im Gegensatz zu seinen Vorgängern und weil er meine Lieblingsband nicht so toll fand, konnte ich sogar die wieder hören.

    Manche Songs triggern mich aber extrem in Gefühle und Erinnerungen zurück, auch wenn die Situationen schon 10 Jahre her sind. Ein Gitarren-Cover von "Bonnie & Clyde" oder Mono Inc. "In my heart" und schon wird mir übel..

    Heilsam kann Musik wirklich sein. Wenn der Künstler, den ich die letzten 12 Monaten fast dauernd hörte, wenn ich Energie, Zuversicht oder Konzentration brauchte, wüsste, was er bei mir "angerichtet" hat - wir wären wohl nicht mehr befreundet :cool: Er hat so manche "Schuld" (positiv) daran, wie gut es mir geht im Moment und wie gut ich meine Arbeit machen kann. :whistle:
     
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    15 Januar 2019
    #7
    musik kann mich immer in eine entsprechende stimmung bringen..
    mich traurig, glücklich, entspannt, motiviert oder auch geil machen.. :zwinker::cool: und mich auch trösten..
    manche musik kann mich richtig "einkuscheln" .. bei anderer erinnere ich mich an ganz bestimmte erlebnisse :jaa:

    ohne musik könnte ich es mir gar nicht vorstellen..:schuettel:
     

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